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Full text of "Archiv fu?r die naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Bo?hmen / herausgegeben von den Beiden Comite?s fu?r die Landesdurchforschung."

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HARVARD  UNIVERSITY 


LIBRARY 


MUSEUM  OF  COMPARATIVE  ZOOLOGY 


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PUBLICIRT  VOM 


OOMITE  FDR  DIE  LANDESDURGHFORSCHUNG  VON  BOHMEN 


SECTION  II. 


UMGEBUNG  VON  TEPLITZ  BIS  REICHENBERG. 


ENTWORFEN   VON 
PROF.  Dr.  ANT.  FRIC  und  PROF.  Dr.  GUSTAV  C.  LAUBE. 


A  f  i  <  ■  1 1 1  v    |,|,;|.    NATURWISSENSCHAFTLICHEN    LANDESDURCHFORSCHUNG  VON  BOHMEN. 

(X.  Band,  Nro.  1.) 


P  R  A  G. 

DRUCK  VON  Dr.  KDV.  GREGR.  —  KOMMISSIONS-VERLAG  VON  FR.  fUVNAC. 

I8W6. 


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VORWORT. 


Von  der  von  Prof.  Krejcf  begonnenen  geologischen  Karte  von  Bohmen 
erschien  das  erste  Blatt  Section  VI.  Umgebung  von  Kuttenberg  bis  Bohmisch 
Triiban  im  Jahre  1891  als  Nro.  6.  des  VII.  Bandes  des  Archives  dor  naturwissen- 
schaftlichen  Landesdurchforscbung  von  Bohmen  und  zwar  nach  dem  Tode  des  Prof. 
Krejci  mit  Erlauterung  vom  Dr.  A.  Fri5. 

Als  Fortsetzung  des  auf  dem  angebahnten  Wege  begonnenen  Werkes  stellten 
Prof.  Dr.  A.  Erie  und  Prof.  Dr.  Gustav  C.  Laube  weitere  zwei  Blatter  Section  II.  und 
III.  zusammen,  und  zwar  dor  Ersterc  das  Urgebirge  und  das  bohmische  Mittel- 
gebirge,  letzterer  die  Sedimentformationen,  wobei  auch  Dr.  Phil.  Pocta  behilflich 
war.  Die  Betheiligung  des  Prof.  Dr.  0.  Feistmantel  an  den  letzteren  Arbeiten, 
die  seiner  Zeit  in  Aussicht  stand,  wurde  durch  dessen  bedauerlichen  Tod  vereitelt. 
Mit  Bticksicht  darauf,  dass  die  Sectjonen  auch  einzeln  verlangt  werden  diirften, 
wurdeu  auch  die  Erliiuterungon  derart  redigirt,  dass  sie  ein  selbststiindiges  Ganze 
bilden,  da  s;e  sonst  bei  Berufung  auf  jene  zu  den  anderen  Sectioncn  gegebenen 
liickenhaft  erscheinon  warden. 

Dadurch  wurden  Wiederholungen  unausweichbar,  die  aber  der  Besitzer  der 
sammtlichen  Sectionen  wohl  entschuldigen  wird. 

Bei  Abfassung  derselben  glaubte  man  sich  darauf  beschranken  zu  diirfen, 

den  Leser  auf  die  im  Archive  der  Landesdurchforschung  veroffentlichten  beziiglicherj 

Ajbeiten  hinzuweisen,  und  in  solchen  Fallen  sicb  moglichst  kurz  zu  fassen,  wahrend 

hi  alien  anderen,  wo  solche  im  Archive  nicht  vorhanden,  eine  ausfuhrlichere  Schil- 

derung  am  Platze  schien. 

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Schr  wohl  wurde  bci  der  Fertigstellung  der  Karten  gefftb.lt,  dass  dor 
Maasstab  cin  zu  kleiner  ist,  urn  das  Detail,  welches  die  Arbeiter  der  Landerforschung 
aufsammeltcn,  darauf  verwerthen  zu  konnen  und  es  mogcn  desshalb  diese  Blatter 
als  vorlaufige  Orientations-Behelfe  betrachtet  werden,  bis  ausgiebige  Mittel  die  Her- 
ausgabe  der  geologischen  Karte  in  grossem  Maasstabe  ermOglicheu  werden,  dcren 
Ausarbeitung  aber  gut  situirten  Kraften  als  alleinige  Aufgabe  zugewiesen  werden 
miisste. 


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I.  Die  krystallinischen  Randgebirge  and  die  Inseln 

alterer  Gesteine  im  Bereiclie  des  bohmischen  Mittel- 

und  Elbesandsteingebirges. 

Von  Prof.  Dr.  Gustav  C.  laube. 

Der  krystallinische  Rand  im  Nordcn  des  bohmischen  Massives,  wie  er  sich 
auf  Section  II.  der  geolog.  Karte  darstellt,  bildet  kein  zusammenMngendes  Gauzes, 
sondern  zerf&llt  in  drei  grSssere,  durch  Zwischenschiebunu  jtlngerer  Gebihle  ge- 
trennte,  einander  wohl  im  Alter  und  Aufbau  nahe  verwandter,  doch  aber  in  vieler 
Hinsicht  verschiedener  Gebiete. 

Von  Osten  her  tritt  in  unser  Blatt  der  westliche  Theil  des  Isergebirges 
ein,  an  welches  sich  siidlich  der  Schwarzbrunnbcrg  von  Gabion/  mid  der  westliche 
Theil  des  Eisenbroder  Schiefergebirges  anlehnt.  Letzteres  entwickelt  sich  am  siid- 
westlichen  Rande  des  Isergebirges  zwischen  Liebenau  und  Kratzau  zum  Jeschken- 
gebirge.  Nordlich  von  diesem  und  liings  der  orographischen  Grenze  des  erstereu 
Meitet  sich  bis  an  die  Ausliiufer  der  Tafelfichte  das  flache  Hiigelland  von  Grottau 
1111,1  Friedland,  der  siidliche  Rand  der  deutschen  Tiefebene  bis  an  die  sachsische 
bez.  preussische  Landesgrenze  aus,  welche  hier  die  tiefe  Zittaucr  Bucht  gegen 
kiiden  vorschiebt. 

Dieses  zumeist  mit  jiingeren  Tertiiirgebilden  und  quartaren  Ablagerungen 
erfttllte  Gebiet  trennt  nicht  nur  geologisch  sondern  zugleich  politisch  den  zweiten 
krystallinischen  Bezirk,  das  Unmbm^-Hainspacher  Gcbirge,  einen  Theil  des  nach 
Sachsen  fallenden  Lausitzer  Gebirges,  welches  nacli  Westen  durch  das  dazwischen 
geschobene  Elbesandsteingebirge  von  dem  nordiistlichsten  Theil  des  bohmischen 
arzgebirges  getrennt  ist,  das  in  seiner  Erstreckung  von  der  Quadergrenze  bei 
Konigswald-Tyssa  bis  Osseg-Moldau  den  nordwestlichen  Rand  der  Section  II.  bildet. 

Zu  diesen  ausgedehnten  Gebirgstheilen  treten  nun  nocli  eine  Anzahl  klei- 
jere,  schollenartig  aus  jiingeren  Gebirgen  hervortretende  krystallinische  Inseln  und 
■  Qselchen  binzu,  welche  als  mit  jenen  ehemals  im  Zusammenhange  zu  denken  hier 
oesprochen  werden  sollen.  Es  sind  dieses  die  krystallinischen  Inseln,  welche  im 
bohmischen  Mittelgebirge  hervortreten,  an  die  sich  die  in  der  Elbrinne  zwischen 
uber-  mid  Niedergrund  von  der  Quaderdecke  entblOste  anschliesst. 


6 

Daswestlichelsergebirge.  Unter  Hinweis  auf  die  in  don  Erlauterungen 
zu  Section  III.  der  geolog.  Karte  zu  gebende  Besprechung  der  orographischen*)  und 
geologischen  Verhiiltnisse  dos  Isergebirges  moge  hier  nur  hervorgehoben  werden, 
dass  die  orographische  Grenze  dieses  Gebirges,  welche  von  Morchenstern  nach 
Gablonz  Oat-West  strcicht,  von  da  nach  Nordnordwest  nmbiegt,  dem  Jeschkenzuge 
entlang  dem  Lauf  der  Neisse  bis  an  ihren  Durchbruch  bei  Hammerstein  folgend, 
von  hier  nordwiirts  iiber  Einsiedel  gegen  Raspenau  verlauft,  wo  sie  in  die  steil 
abfallende  Ost-West  streichende  Haindorfer  Lehne  einbiegt.  Der  von  der  Bahn 
zwischeu  Einsiedel  und  Raspenau  bentitzte,  die  Wasserscheide  zwischen  der  Neisse 
und  Wittich  bildende  Phillipsgrund  trennt  vom  Isergebirge  den  kleinen  Stock  des 
Hcmmrich  (706  to). 

Der  westliolie  Theil  des  Isergebirges  bildet  den  AJbschluss  des  flachkuppel- 
formigen  Gebirgsmassives,  (lessen  hochster  Punkt  die  Taubenhausfelsen  (1069  m) 
si  ml  und  dessen  breiter  im  Umkreis  des  Jagdschlosses  Neuwiese  (778  to)  flach 
rauldig  eingedrtickter  Rucken  mit  weiten  Moorstrecken  und  dichten  Waldbestilnden 
bedeckt  ist.  Die  nach  Siiden,  Westeu.  und  Norden  abfallenden  Bander,  sind  von 
den  hier  oben  entspringenden  Quellb&chen  der  Neisse  und  Wittig  (die  Gablonzer 
und  weisse  Neisse  im  Siiden,  die  schwarze  Neisse  im  Westeu,  die  kleine  und 
schwarze  Stolpicb  und  das  Schwarzwasser  als  Zufliisse  der  Wittig  im  Norden)  tief 
eingekerbt.  Das  Gebirge  selbst  ist  sehr  reich  an  tnalerischen  ktihn  aufgethiirmten 
Felsengruppen,  namentlich  in  der  Haindorfer  Lehne,  die  den  Th&Iern  vieleu  Reiz 
und  der  letztgenannten  ein  wahrhaft  alpines  A.ussehen  verleihen. 

Gleich  dem  ostlichen  besteht  audi  der  vvestliclie  Theil  des  Isergebirges 
ganz  aus  Granitit  u.  ■/,.  ist  es  audi  hier  vorwiegend  ein  grobkdrnig  ausgebildetes 
Gestein,  das  nur  stellenweise  u.  z.  ohne  alle  weitere  Zwischenglieder  in  ein  fein- 
kdrniges  tibergeht.  Flaserartige  Einlagerungen  von  Amphibolgranitit  kommen  nur 
sehr  vereinzelt  z.  B.  bei  Rudolfs-  und  Ferdinandsthal  vor.  Die  Felsmassen  lassen 
allenthalben  eine  durch  moist  rechtwinklig  und  senkrecht  auf  einander  stehende 
0— W  und  N— S  streichende  Fugen,  welche  durch  eine  dritte  mehr  wagrechte  ge- 
sclmitten  werden,  hervorgebrachte  Ablosung  in  machtige  Wtirfelblocke  wahrnehmen, 
aus  welchen  die  vielfach  cyklopischen  Mauern  ahnelnden  Steilwande  der  Thalrisse 
und  Felsengruppen  auf  den  Kuppen  aufgebaut  sind. 

Mit  Ausnahme  einiger  kleiner  Nephelinbasaltkiippchen,  welche  an  der 
Peripherie  bei  Luxdorf,  Johannesberg  im  Siiden,  bei  Habendorf,  Neudorf  und  Ein- 
siedel im  Westen  auftreten,  und  durch  einige  kleine  Melaphyrdurchbruche,  welche 
bei  Munkendorf  cine  kleine  Kuppe,  in  Gablonz  einige  unansehnliche  Gauge  unter 
der  protestantischen,  Kirche  bilden,  wird  die  Monotonie  des  Gesteines  durch  nichts 
ande.es  unterbrochen  als  durch  die  auf  dem  llaehen  Riicken  auf  einein  aus  zer- 
set/ten  Granitit  entstandenen  thonigsandigem  Untergrund  gelagerten  Hochmoore,  an 


*)  Eine   ausfuhrliche    Darstellung  der   orographischen  Verhaltnisse  bietet  Prof.  Dr.  Carl 
Kofistka,  die  Terrainverhaltnisse  dea  [ser    and  Riesengebirges.  Archiv  der  naturw.  Lan- 


desdnrchforschtrag  v.  Bfihnmn,  II.  lid.,  i.  AbtbJg. 


welclie  sich  dann  in  den  Niederungen  Wiesenmoore  anschliessen.  Die  niclit  mit 
Moor  ausgekleideten  Thalrisse  sind  mit  diluvialem  Geschiebeschotter  und  Block- 
werk  aus  dem  Gesteiue  des  Gebirges  gebildet  erfiillt. 

Erzablagerungen  sind  aus  diesem  Theile  des  Gebirges  niclit  bekannt. 

Audi  der  Granit  des  Schwarzbrunnberges  setzt  im  Siiden  von  Gablonz 
fiber  den  Hradschinberg  und  die  Kaisersteine  bci  Langenbruck  westwiirts  unveriin- 
dert  fort  und  erreicbt  beinahe  unmittelbar  am  Scliiefer  des  Jescbkengebirges  bei 
Rad]  westlich  von  Schimsdorf  und  Miiukendorf  sein  Ende. 

An  den  Granitzug  des  Schwarzbrunnberges  lehnt  sich  von  Siiden  her  u.  z. 
von  Klein  Skal  an  der  Iser  der  westliclie,  sich  allmalig  liings  der  grossen  von  Lie- 
benau  siidostlich  herabstreichenden  Bruchlinie  verschmalernde  Theil  des  Eisen- 
broder  Gebirges  an.  Die  orographische  Greuze  desselbcn  gegen  den  benach- 
barten  Jescbken  ist  ebenso  wie  die  zwisclien  dem  Iser-  und  Uiesengebirge  eine 
angenommene  keineswegs  zugleich  geologiscbe.  Als  Grenze  wird  das  vom  Mohelka- 
bach  durchflossene  von  Jerschnianitz  nach  Licbenau  berabziehende  Thai  angesehen, 
in  welches  sich  die  von  Reichenau  nach  Weston  gerichtete  tiefe  Mohelkaschlucht 
6ffnet.  Die  Oberflache  des  Gebirges  bildet  eine  urn  Reichenau  selbst  flach  einge- 
senkte,  gegen  Siidwesten  stcilrandig  abfallende  Hochnache,  welche  gleich  wie  der 
ilbrige  ostliche  Theil  aus  Pbylliten  besteht.  In  ihrer  nordlichen  Grenze  bilden  die- 
selben  liings  des  Granites  von  Radel  tiber  Kukan,  Schumburg  bin  einen  durch 
Fleck-  und  Knotenschieferbildungen  dentlicben  Contacthof,  wobei  sie  gegen  Siiden 
von  dem  Massengestcine  abfallen.  Im  Siidwesten  verscliwindcn  die  Scliiefer  miter 
dem  unmittelbar  daran  gelagerten  Melapliyrzug,  der  dieselben  von  Libentin  und 
Wranova  a.  d.  Iser  umsaumt. 

Der  in  Reicbenau  unmittelbar  an  der  Mohelkaschlucbt  auftretende  kleine 
Durchbrucli  von  Melaphyr  ist  gleich  den  weiter  oben  aus  dem  Granitit  angefiihrten 
jedenfalls  mit  dieser  machtigen  Gangbildung  in  Verbindung  zu  denken. 

Unmittelbar  an  das  Eisenbroder  Gebirge  schliesst  sich  das  Jeschkengc- 
birge  an,  oder  entwickelt  sich  daraus,  indem  sicb  von  ersterem  ein  zu  800  m 
Seeholic  sich  erhebender  Gebirgszug  mit  nordwestlichem  Streichen  davon  abzweigt. 
Dieser  steigt  von  Saskal  iiber  Jaberlich  allmiilig  zum  Jeschkenkamm  (838  m) 
empor,  iiber  den  als  bdehste  Erhebung  der  Jescbken  (1010  m)  emporragt,  von  dem 
nordlicb  die  Hone  wieder  rasch  auf  800  m  und  700  m  herabsinkt.  Im  Osten  durch 
das  Reichenberger  Beeken,  im  Westen  durch  die  an  seinem  Fusse  absetzendeu 
Kreidescbichten  begrenzt,  reiclit  das  Jescbkengebirge  allmalig  etwas  breiter  werdend 
bis  an  den  Rand  der  Lausitzer  Mederung  bei  Kratzau,  welclie  hier  eine  halbkreis- 
fSrmige  Bucht  nach  Siiden  vorschiebt,  an  deren  Avestlichein  Rande  dann  ein  schmaler 
vom  Gebirge  selbst  durch  den  Pankratz-Freudenhoher  Pass  abgetrennter  Hohenzug, 
der  Triigelsberg,  als  nordlichster  Ausliiufer  am  Passkamm  bei  Pass  und  Spittelgrund 
sein  Ende  erreicbt. 

Von  Siiden  her  einen  Avenig  gegliederten,  beiderseits  steil  abfallenden  Ge- 
birgsrucken   bildend,   welchem   die    Felsenpyramide    des   Jescbken    aufgesetzt   ist, 


theilt  sich  dieser  nordlich  davon  in  zwei  am  Sohwarzen  Berg  beginnende  fast  pa- 
rallel verlaufende  Bergztige,  deren  westlicher  (iber  die  Moiselkuppe  (750  m),  Spitz- 
berg  (686  m),  Kalkberg  (789  m)  zum  Trogelsberg  yerlauft,  wahrend  sich  der 
ostliche  mehr  gegliederte  tlber  den  Dreiklafterberg  (762  m)  zum  Langenberg  (796  m) 
erstreckt,  der  sich  dami  strahlenformig  zur  Ebene  bei  Kratzau  und  Weisskirchen 
herabsenkt.  Zwischen  dem  Kalk-  und  Langenberge  liegt  in  398  m  eine  Wasser- 
scheide,  von  der  sich  das  Sud  geriehtete  Langsthal  mit  dem  von  der  Moiselkuppe 
nordwarts  abfallenden  im  Christofgrund  vereiniget,  der  sich  in  ein  den  ostlichen  Ge- 
birgsarm  bei  Eckersbach  durchbrechendes  in  das  Neissethal  offnendes  Querthal 
fortsetzt. 

Bei  der  Station  Machendorf  verlasst  die  Neisse  das  Reichenberger  liecken 
und  durchfliesst  bei  Kratzau  ein  Durchbruchsthal,  welches  den  Schafberg  bei  Ma- 
chendorf vom  Jeschken  abtrennt. 

Am  geologischen  Aufbaue  des  Jeschkengebirges  betheiligen  sich  zuniichst 
Phyllite,  die  von  jenen  des  Eisenbroder  Gebirges  nicht  verschieden  sind.  Graue 
odor  graugriine,  mehr  weniger  dunnschiefrige,  auf  den  Schieferflachcn  stark  seiden- 
gliinzende  Gesteine.  Ilinen  gesellen  sich  daim  graue,  feinkornige  Kalksteine  und 
weisso  Quarzschiefer  zu,  welch  letztere  die  Jesohkenkoppe  aufbauen,  Em  nordlichen 
Theile  des  Gebirgszuges  machen  sich  dann  Schiefergesteine  bemerkbar,  welche  zum 
Theile  halbkrystallinisch,  zum  Theile  graugrun,  aphanitisch  eine  ausgesprochene 
Ahnlichkeit  mit  den  in  Mittelbohmen  vorkommenden  cambrischen  Sehiefern  uaben, 
welche  den  Namen  Pfibramer  Schiefer  (Barrandes  Etage  B)  erhielten. 

Diese  Schiefer  des  Jesclikengebirgcs  sind  auch  von  jelier  als  cambrische, 
den  Pfibramer  aequivalente  Schiefer  gedeutet  worden.  Sic  enthalten  gleiclifalls  Kalk- 
steineinlagerungen,  in  deren  ciner  bei  Pankratz  am  nordlichen  Abfalle  des  Trogels- 
berges  Prof.  Dr.  Kric  deutliche  Crinoidenglieder  und  ein  an  Bellerophon  errinnerndes 
Fossil*)  fand. 

Von  eruptiven  Gcsteinen  treten  Diorite,  Diabase  und  Melaphyr  auf,  welche 
Gange  in  den  Sehiefern  bilden. 

So  einfach,  wie  sich  die  Lagerungsverhaltnisse  im  Eisenbroder  Gebirge 
darstellen,  gestalten  sich  dieselben  im  Jeschkengebirge,  das  ja  als  eine  nordwest- 
liche  Fortsetzung  von  jenem  angesehen  werden  kann,  keineswegs.  Die  Phyllite, 
deren  Streicheu  von  dem  Mohelkathale,  his  wohin  es  siidostliche  Richtung  hatte, 
tiordwestlich  gekehrt  ist,  andern  in  ihrer  Erstreckung  his  Christofsgrund  mehrfach 
ihr  Verflachen,  indem  sie  anfaugs  iiach  Sildost  geneigt  in  der  Gegend  von  Raschen  und 
Schimsdorf  nach  Nordwesten  einfallen  und  im  Lubokaier  Kamm  gegen  den  Jeschken 
hin  wieder  die  erstere Fallrichtung  annehmen,  welcher  Muldenstellung  audi  die  den 
Phylliten  eingelagerten  Kalkhiinder  folgen.  Der  Quarzschiefer  des  Jeschken  selbst 
bildet  einen  uach  Nordwest  wie  Sudost  steil  abfallenden  Sattel,  an  dv,n  sich  bei- 
derseits  weitere  Seitensiittel  anreihen,  so  dass  das  ganze  Gebirge  bier  stark  aul- 
gefaltet  erscheint.  Dann  folgt  im  nSrdlichen  Theile  des  Gebirges  wieder  aordlicb.es 


*)  Arbeiten  dor  geolog.  Sect.  I.,  S.  ->t,i. 


Eitifallen  bis  die  Kalkb&nder  ftthrenden  Phyllite  am  Neissedurchbruch  bei  Hammer- 
stein  und  nordlicb  von  Christofgrund  an  don  nun  beginnenden  cambrischen  Schiefern 
absetzen,  als  deren  Liegendes  sie  jedoch  im  Grunde  des  Neissethales  an  der  Bahn- 
linie  nilchst  Engelsberg  bis  Kratzau  bin  als  ein  sclimalor  Streifen  hervortreten. 
Die  Lagerungsverhlltnisse  innerhalb  dor  cambrischen  Schiefer  sind  ziemlich  ver- 
worren  und  in  Folge  dor  dichten  Waldbedeckung  scliwer  zu  verfolgen.  Schon  Jokely*) 
hat  darauf  aufmerksam  gemacht,  dass  am  Schafberge  bei  Machendorf  eine  Uber- 
schiebung  der  cambrischen  Schiefer  durch  die  Phyllite  zu  beobachten  ist.  Am  Ein- 
gange  zum  Christofgrunde  macht  sich  eine  Schichtenwolbung  bemerkbar,  als  ob 
auch  hier  noch  eine  iihnliclic  Lagerung  wie  am  genannten  Orte  vorhanden  ware. 
Weiter  bin  aber  ist  ein  vorherrschend  nach  Nord-nordwest  gerichtes  Einfallen  zu  beob- 
achten, das  aber  dann  vom  Trogelsberg  tiber  Niederberzdorf  herab  zur  Neisse  in 
ein  NNO  gerichtetes  Einfallen  bei  NNVV  gerichtetem  Streichen  iibergeht. 

Das  Bild,  welches  man  vom  l!au  des  Jeschkens  crhiilt,  liisst  im  allgemeinen 
erkennen,  dass  der  Gebirgszug  quer  in  der  Eichtung  seines  Streichens  in  mehrere 
machtige  Fatten  zusammengedr&ngt  ist,  deren  hochster  Sattel  sich  im  Jeschken 
erhebt.  Die  nordwarts  vom  Christofgrund  folgenden  cambrischen  Schiefer  bilden 
die  Ausfiillung  ciner  Mulde  im  Phyllit,  deren  urspriingliche  Lagerung  jedoch  viel- 
fach  gestort  erscheint.  Veranlassung  zu  dieser  Faltung  scheint  wohl  das  unmittel- 
bar  angrenzende  granitische  Lausitzer  Gebirgc  gegeben  zu  haben,  an  welches  die 
Phyllite  und  Schiefer  des  Jeschken  angedr&ngt  und  zusammengeschoben  worden  sind. 

Die  im  Jeschkengebirge  auftretenden  Eruptivgesteine  haben  gangformige 
Lagerung,  aur  der  von  Sliden  her  offenbar  mit  dem  bereits  fruher  erwiihnten  mach- 
tigen  Gangzuge  in  Verbindung  zu  denkende  Melaphyr  bildet  niirdlich  von  Jaberlich 
eine  kleine  Kuppe. 

Die  zahlreiche,  meist  frische  Krystalleisten  von  Plagioklas  und  faserige 
griine  Hornblende  fuhrenden  Dioritgesteinc  sind  auf  der  siidlichen  Hiilfte  des  Ge- 
birges  namentlich  im  Bereiche  des  Jaberlicher  Berges  entwickelt.  Nordwarts  vom 
Jeschken  finden  sic  sich  auch  bei  Neuland  im  Thale  gegen  Christofgrund,  doch 
trifft  man  diese  Gesteine  nirgend  anstehend.  Diabas,  u.  z.  mandelsteinartiger  Kalk- 
diabas,  kommt  gleichfalls  nur  in  Lesesteinen  innerhalb  der  cambrischen  Schiefer 
zwischen  Frauenberg  und  der  Dorkl-Wiese  und  auf  dem  Abhange  des  TrSgelsberges 
gegen  Freudenhb'he  vor,  wodurch  gleichfalls  gangformige  Einlagerungen  angedeutet 
werden.  Diese  Diabase,  haben  ebenfalls  mit  solchen  aus  dem  Cambrium  Mittel- 
bohmens  grosse  Ahnlichkeit,  unci  bestiirken  in  der  Ansicht,  dass  die  cambrischen 
Ablagerungen  des  Jeschkens  sammt  den  spater  zu  erwahnenden  kleineren  Depots 
ursprttnglich  mit  jenem  im  Zusammenhange  gestanden  haben. 

Iliezu  kommt  noch  der  llinstand,  dass  im  cambrischen  Jeschkengebiet  Erz- 
gange  aufsetzen,  von  welchen  allerdings  gegenwartig  keine  Proben  zu  erhalten  sind, 
auf  die  aber  vor  Alters  ein  regelrechter  und  ausgedehnter  Bergbau  betrieben  wurde, 


*)  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reiohsanst.  10.  Bd.,  S.  87. 


10 


in    Folge   (lessen   die   Stadt  Kratzau  sowie  Engelsberg  und    Frauenberg  in  dieser 
Gegend  als  Bergorte  entstanden  sind. 

Das  Reich  enberger  Beck  en  zwischen  dem  Isergebirge  im  Nordosten 
und  dem  Jeschkenkamm  im  Sudwesten  wird  seiner  ganzen  Llnge  nach  von  Miin- 
kendorf  im  Stiden  bis  Machendorf  im  Norden,  wo  die  Neisse  das  Jescbkengebirge 
durchbricht,  von  diesern  Flusse  durchstromt,  welcher  sicli  ein  tiefes  Bett  in  den 
Granitit  eingegrabeu  hat.  Zwischen  dem  linkeii  felsigen  Rande  des  Flussthales  und 
dem  Jeschken  erstreckt  sich  der  ganzen  Llnge  nach  eine  durch  Bohrungen  nach- 
gcwiesene,  ttber  40  m  m&chtige  quartan:  Schichtenreihe,  welche  abwechselnd  aus 
groben  und  feineren  Geschiebesanden,  thonigen  Zwischenlagen  und  nach  oben  zu 
aus  fetten  Lehmschichten  besteht,  sonach  die  fluviatile  Aiisfullung  eines  alten  See- 
beckens  darstellt,  deren  Material  aus  dem  Isergebirge  stammt.  Nach  Norden  zu  er- 
strecken  sich  quartare  A.blagerungen  noch  uberMachendorf  bis  gegen  Neudorf  bei 
Einsiedel  hinaus. 

Das  Grottauer  und  Friedl&nder  Hii  gel  1  an  d  biblet  einen  Theil 
des  siidlichen  Randes  der  deutschen  Tiefebene  und  lagert  sich  unmittelbar  an  die 
afirdlichen  Abbiinge  des  Jeschken  und  den  westlichen  und  nbrdlichen  des  [serge- 
birges  an.  Es  zerfallt  dieses  in  seinem  orographischen  Charakter  wohl  gleiche 
jedoch  im  geologischen  Bau  verschiedene  Gebiet  in  zwei  getrennt  zu  betrachtende 
Theile,  welche  durch  don  schon  beim  Isergebirge  erwahntcn  Hemmrich  und  die 
bier  weit  gegen  Osten  vorspringende  Landesgrenze  geschieden  werden,  einen  stid- 
lichen,  die  Umgebung  von  Grottau  und  Kratzau,  und  einen  nonlliclien, 
d  i  e  G  e  g  e  n  d  v  o  n  F  r  i  e  d  land. 

Das  erstere  Gebiet  wird  von  der  Neisse  durchstromt,  ist  im  Siiden,  Sud- 
westen und  Osten  vom  Jeschken-  und  Isergebirge  und  weiter  im  Westen  vom 
Quadergebirge  begrenzt  und  erstreckt  sich  nordwftrts  bis  an  die  Landesgrenze 
gegen  Sachsen.  Seine  Obcrflache  stellt  ein  wenig  gegliedertes,  nach  Norden  verfla- 
chendes,  nach  Siiden  und  Osten  sanft  ansteigendes  Hugelland  dar,  iiber  welches 
sich  nur  einige  wenige  Kuppen,  wie  der  an  der  Landesgrenze  liegende  Gickelsberg 
(566  m)  bei  Obex  Wittig  erheben. 

In  seinem  geologischen  Aufbau  unterscheidet  sich  dasselbe  jedoch.  voll- 
konimen  von  den  bisher  beschriebenen  Gebirgen  Bohmens  dadurch,  (lass  dieser 
znm  grossten  Theile  aus  eruptiven  Gesteinen  besteht,  unter  welchen  eruptive 
Gneisse  eine  Hauptrolle  spielen. 

In  der  unmittelbaren  Umgebung  von  Kratzau  und  Oberkratzau  haben  diese 
Gesteine  ein  ganz  eigenthiimliches  Aussehen ;  sie  sind  theils  hell  gefiirbt,  theils 
gran,  feinkornig,  schiefrig,  granulitartig,  ein  weisses  glimmerartiges  Mineral  und, 
wie  sich  schon  durch  das  fettige  Anfiihlen  erkeunen.  liisst,  weissen  Talk  fiihrend, 
wodurch  sie  dem  in  den  Centralalpen  weit  verbreiteten,  Protogin  gemuinten 
Gesteine  sehr  ahnlich  werden.  Weiterbin  bei  Weisskirchen,  Freudeidiiihe,  Grafen- 
stein  und  an  anderen  Punkten,  WO  das  Cestein  ansteht,  nimmt  es  mehr  den  Cha- 
rakter eines  feinkornigen,  rothlichen  oder  weisslichen,  auch  beiderlei  Feldspathe, 
Orthoklas  und  Plagioklas   fuhrendeu  Gneisses   an,  welcher  neben  Kaliglimmer,  Se- 


11 


ricit,  stellenweise  auch  'ein  talk&hnlicbes  Mineral  fiilirt,  und  auch  von  Jokely  s.  Z. 
dem  fur  eruptiv  gehaltenen  rothen  Gneisse  des  Erzgebirges  gloich  geachtet  wurde; 
wiewohl  zwischen  beiden  Gesteinen  ein  wesentlicher  Unterscbied  besteht,  der 
schon  darin  begrlindet  ist,  dass  die  hiesigen  Gesteine  eine  Entstehung  auf  eruptivem 
Wege  erkennen  lassen,  was  bei  dem  erzgebirgischen  nicht  der  Fall  ist. 

Bei  der  Kratzauer  Stadtwalke  flndet  man  zahlreiche  Brocken  von  cambri- 
schem  Schiefer  in  dem  Gestein  eingeschlossen,  bei  dor  uahen  Brticke  kann  man 
eine  ganze  Scholle  eingebettet  sehen,  noch  deutlicher  eine  solche  von  ziemlicher 
Ausdehnung  links  an  dor  Strasse  von  Oberkratzau  nach  Neudorf  vor  Hoheneck, 
wo  die  dunklen  cambrischen  Schiefer  scharf  aus  dem  lichten  Eruptivgesteine  her- 
austreten.  Beim  Hause  Nr.  C.  47  in  Eratzau  selbst  sieht  man  einen  Gang  von 
Protogingestein  im  Jeschkenschiefer  aufgeschlossen.  Ebenso  sieht  man  am  Steilge- 
hftnge  des  rechten  Neisseufers  zwischen  Weisskirchen  und  Rotten  einen  bogenformig 
gekriimmten  Einschluss  der  von  Nieder  Berzdorf  gegen  den  Fluss  herabziehenden 
cambrischen  Schiefer  im  Siricitgneiss.  Durchwegs  deutliche  Belege  fur  die  eruptive 
Natur  des  fraglichen  Gesteins,  deren  auch  Jokely  (a.  a.  S.  8.)  beibringt.  Sie  gehoren 
wold,  u.  z.  mit  Riicksicht  darauf,  dass  wir  ahnliches  Vorkommen  noch  weiter  im 
Gebiete  des  Lausitzer  Gebirges  finden,  und  nach  dor  Ahnlichkeit  der  Gemengtheile 
zu  den  Lausitzer  Granititen,  von  welclien  sie  eine  unter  starkem  Drucke  entstandene 
besondere  iusbildung  darzustellen  scheinen.*) 

Dieses  Gestein  fttllt  mit  seinen  verschiedenen  Abarten  die  balbkreisformige 
gegen  die  Lausitz  geoffnete  Bucht  aus.  Es  reicht  bei  Eratzau  im  Osten  bis  an  den 
Granitit  des  [sergebirges,  im  Westen  an  die  cambrischen  Schiefer  des  Trogels- 
berges  und  bei  Pass  und  Spittelgrund  an  den  Quadersandstein,  ist  aber  in  der 
siiclisischeii  Lausitz  weiter  verbroitet.  InnorhaJb  desselbun  sind  andere  Gesteine 
nur  insel-  und  schollenartig  verbreitet.  So  ausser  dem  erwalmten  Phyllit  bei  Eratzau 
eine  grossere  Scholle  von  cambrischem  Schiefer  nordlich  davon  bei  Oberwittig  und 
Hohenwald. 

Ms  isolirte  Auslaufer  der  in  der  Zittauer  Mulde  entwickelten  Braun- 
kohlenformation  sind  einige  kleine  Ablagerungen  von  Thonen  bei  Giirsdorf,  Grottau 
und  Kel.ten  anzusehen.  Die  Mitte  des  ganzen  Gebietes  wird  dann  von  Grottau  nach 
Eratzau  bin  von  einem  breiten  Streifen  quartarer  Ablagerungen  nberdeckt,  welche 
zum  Theile  u.  z.  namentlich  im  Bezirke  von  Eratzau  und  Weisskirchen  aus  mit 
nordischen  Geschieben  von  Granit,  Porphyr  und  Feuerstein  gemengten  Sanden, 
zum  Theile,  wie  namentlich  im  Norden  von  Grottau,  aus  fettem  braungelbem  Lehm 
bestehen,  der  gleichfalls  Feuersteine  und  andere  fremde  Geschiebe  ftthrt.  Auf  der 
Hohe  zwischen  Wetzwalde  und  Niederwittig  liegt  ein  aus  dem  gedachten  Geschiebe- 
sand  bestehender  Hilgel,  den  man  ftlr  den  Rest  einer  alten  Morane  balten  konnte, 
da  man  diese  Ablagerungen  als  dem  siidlichen  Rande  der  quartSren  Gletscherbe- 
deckung  des  deutschen  Tieflandes**)  zugehorig  ansehen  muss. 


*)  Vm-handlungen  der  k.  k.  gool.  Reichsanst.   1884.  Nro.  17.  „Uiber   das   Auftreten   von 

Protogingesteinen  im  nordl.  BtShmen. 
**)  Dr.   A.  Sliivik,    Die    Ablagerungen  der  Glacialperiode  und  Hire  Verbreitung  in  Word 
bob a.  Sitzbr.  kOngl.  b8hm.  GeseHsch.  1892. 


V2 


Es  1st  noch  das  Auftreten  von  einigen  kleinen  Granitinseln  bei  Kohlige 
und  Wetzwalde  zwischen  Oberwittig  und  Obersdorf  zu  erwfihnen,  deren  Gestein 
schon  dem  im  Lausitzer  Gebiete  auftretenden  Typus  entspricht.  So<knn  fallen  aocb 
einige  Kuppen  von  Nephelinbasalr,  der  Spitzberg  bei  Kratzau,  derGickelsberg,  und 
zwei  solche  bei  Pass  und  Spittelgrund  in  don  Bereich  des  besprochenen  Gebietes. 
Die  Umgebung  von  Friedland  hat  denselben  landschaftlichen  Charakter 
wie  die  von  Grottau  und  Kratzau,  nachdem  sich  auch  bier  das  flachhugelige  durch 
seichte  Thaler  gefurchte,  von  der  Wittig  entwasserte  Terrain  bis  an  den  nordlichen 
bteilrand  des  Isergebirges  bei  Haindorf  und  den  westlichen  Abfall  der  Tafelfichte 
Jeranzient,  aus  welchen  einige  Kuppen,  der  Friedl&nder  Schlossberg  (352  m)  der 
Hobe  Hainberg  (486  m),  der  Hummrichstein  (510  m)  emporragen. 

In  Hinsicl.t  des  geologischen  Aufbaues  jedoch  besteht  der  Unterschied,  dass 
•i.e  unterlage  der  hier  weitverbreiteten  quartaren  Ablagerungen  aus  archaischer, 
Zweiglimmergneissen  besteht,  welche  allerdings  zumeist  feinkorniger  sich  zunachst 
an  die  der  Tafelfichte  anreihen.  Sie  treten  allenthalben,  so  am  Westfusse  der  Ta- 
felfichte urn  Haindorf,  Liebwerda,  dann  nordlich  von  Friedland  bis  an  die  Landes- 
grenze,  unter  jener  Decke  hervor,  und  gehorcn  der  grossen  aus  der  Lausitz  nach 
preussisch  Schlesien  hinziehenden  Gneissformation  an.  Eine  westliche  Erstreckung 
der  um  Ncustadtl  entwickelten,  den  Phyllitgneissen  des  Riesengebirges  einerseits, 
den  dichten  Gneissen  des  Erzgebirges  anderseits  ahnelnden  Gesteine  lasst  sich  ttber 
Lusdorf  bis  gegeu  Mildeneichen  bin  yerfolgen. 

Eine  bemerkenswerthe  Einlagerung  im  Gneiss  bildet  der  im  Siiden  vo„ 
Raspenau  gelegene  Kalkberg.*)  Der  krystallinische  reichlich  mit  Serpentin  ge- 
mengte  Kalkstein  [(Ophicalcit)**)  wird  von  einem  dunnschiefrigen  glimmerreicher, 
dunklen  Gnexss  umhullt  und  durch  dasselbe  Gestein  in  zwei  Theile  geschieden 
In  unmitte  barer  Nahe  des  Kalkstockes  tritt  von  Amphibolit  begleitet  ein  Lager 
von  Magneteisenstein  auf. 

_  Von  jungeren  Gebilden  innerhalb  des  Glimmergneisses  sind  zu  erwfihnen 
einige  kleine  Schollen  von  eambrischem  ScMefer***)  am  Hundshubl  bei  Milden- 
eichen, water  die  Braunkohlenablagerungen  bei  Priedlanz  und  Wustung  im  Norden 
von  Friedland,  welche  hier  gleichfalls  als  Auslaufer  des  Lausitzer  Beckens  anzu- 
senen  smd.  Das  Lignitflotz  Iiegt  unter  einem  in  Wustung  30  m  machtigen  Hangendge- 
birge  von  wecbsclnden  Sand-  und  Thonschichten,  darunter  etwa  in  der  Mitte  erne 
-•5-4  m  mftchtige  Lage  eines  weissen,  fetten,  kaolinartigen  Thones. 

Uber  das  Gebiet  breitet  sich  sodann  die  im  Norden  vielfach  durch  Ab- 
tragung  durchbrochene,  in  der  Umgebnng  von  Friedland  jedoch  zusammenhangende 
Decke  von  nordischem  Quartar,  desser,  sttdlicher  Band  bis  an  den  Hemmrich  gegen 
Mildenau  und   von   da  im   Norden   von  Liebwerda  gegen  Neustadtl  verlauft.     ' 

*)  Durch  Yersehen  fa  der  Earte  als  Basalt  eingetragen!  Vergl.  Arbeiten  der  geol.  Section 
von hi  M"""";h  besolineb  in  Tschermak's  Mittheilnngen  XIII.  257.  einige  Minerale 

"' :::,:::■  :;::i:;^ ' - ■■>.*.*<*.*.,„.*.*> „ 

***)  In  der  Karte  irrthflmlich  mit  B-Phyllit  bezeichnet. 


13 

Von  Eruptivgesteinen  treten  auf:  Die  eruptiven  Gneisse  von  Kratzau  am 
sttdlichen  Rande  des  Gebietes,  ihre  Verbreitung  gegen  Norden  bin  ist  durch  die 
aufliegendeQuartftrdecke  nicbt  zu  beobachten.  Granit  bildet  im  nordlichsten  Theile  des 
Gebietes  die  Umgebung  von  Lautsche  und  Egelsdorf,  sodann  bei  Tschernhausen  und 
Golte  und  im  Hemmrichstein  und  Steinberg  einige  kleinere  Durchbruche.  Feldspath- 
basalt  breitet  sich  von  der  Kuppe  des  Friedlander  Schlossberges,*)  deren  prachtige 
Stolen  schon  vor  Alters  als  eine  Naturmerkwiirdigkeit  angeselien  wurden,  decken- 
ocler  stromformig  nach  alien  Weltgegenden  bin  aus.  Einige  isolirte  Kuppen  koramen 
bei  Tschernhausen,  am  Hemmrichberg,  bei  Schonwald  und  Hohen  Hainberg  vor. 
Audi  der  Phonolith**)  ist  vertreten  u.  z.  bildet  er  die  Kuppe  des  Hohen  Hain- 
berges  bei  Mildenau,  den  Astberg  bei  Priedlanz  und  den  Geiersberg  bei  Friedland. 

Das  Rumburg-Hainspacher  G  e  b  i  r  g e***)  bildet  einen  Aussclmitt aus 
dem  nach  Sachsen  gehorenden  Lausitzer  Gebirge.  Nur  nach  Sixden  hin  hat  das- 
selbe  eine  orographische  Grenze  an  dem  nordlichen  Abfall  des  bohmischen  Quader- 
gebirges  von  der  Landesgrenze  am  Steinberg  bei  ZeidLer  im  Westen  bis  an  den 
Ziegenriicken  bei  Georgentbal  im  Osten;  auf  den  iibrigen  Seiten  schliessen  nur 
politische  Grenzen  unser  Gebiet  ein. 

Im  allgemeinen  bildet  dasselbe  ein  Hochplateau,  (lessen  httgelige,  wellige 
Oberfiache  von  seichten,  langegestreckten  Thiilern  durchfurclit  wird.  Sein  wostlicher 
Theil  gehort  durch  die  Kirnsch  und  ihre  Zufliisse  bereits  zum  Flussgebiet  der  Elbe, 
fffthrend  der  ostliche  durch  die  Mandau  entw&sserte  jenem  der  Oder  angehort.  Die 
monotone,  znmeist  mit  Wald  und  Cultur  bedeckte  Hochflache  wird  nur  durch 
einige  basaltische  Kegelberge,  den  Wolfsberg  (588  m)  bei  Schiinlinde,  Plissenberg 
(591  m)  bei  Zeidler,  Lichtenberg  (538  m)  bei  Ehrenberg,  Rauchberg  (511  m)  bei 
Rumburg,  Spitzberg  bei  Warnsdorf  (539  m)  u.  s.  iiberragt. 

Ebenso  einformig  wie  seine  Oberfliichenbildung  ist  sein  geologischer  Bau; 
fast  durchwegs  zeigt  sich  nur  Granit,  welchcr  ftberall,  wo  nicbt  quartare  Ablage- 
rungen  und  Basalte  denselben  verhiillen,  zra  Tage  tritt.  Die  weitausverbreitetste, 
gleichwie  alle  Lausitzer  zum  Granitit  zu  ziihlende  Variet&t  ist  das  seit  langer 
Zeit  unter  dem  Namen  „Rumburger  Granit"  bekannte  meist  mittel-feinkfirnige  Ge- 
stein,  welches  nebst  vielem  schwarzen  Glimmer,  graublaulichen  Quarz,  weissen 
und  gelblichen  Orthoklas  und  Plagioklas  enthalt.  Westlich  von  Schiinlinde  ge^en 
die  sachsische  Grenze  hin  tritt  ein  durch  feinen  rdthlichcn  Orthoklas  und  weissli- 
chen  Plagioklas  an  das  Gestein  des  Isergebirges  erinnernder  Granitit  auf,  der 
jedoch  gleichfalls  in  der  Lausitz  vielfach  vcrbreitet  ist,  ahnlich  audi  im  Elbethal 
bei  Niedergrund  ansteht. 

Am  siidlichen  Rande  des  Gebietes  treten  in  der  Umgebung  von  Georgen- 
thal  zwischen  Niedergrund  und  dem  Quadersandsteiugebirge  Gesteine  auf,  welche 


*)  Bofick^,  Basaltgesteine  Biihmens  S.  159. 

**)  J.    Blumrich,    Die    Phonolithe    des    Friedlander   Bezirkes    in   Nordbohmen,  Tsohermaks 
Min.-petrogr.  Mittheilungen,  XIII.  Bd. 
***)  Jokely  im  Jahrbueh  der  geol,  Reichsaust.  10.  Bd.,  S.  25  ff. 


14 

petrographisch  ganz  mit  den  aus  der  Kratzauer  Gegend  beschriebenen  eruptiven 
Protogingesteinen  ubereinstimmen.  Sie  reichen  ostwiirts  bis  auf  den  Ziegenriicken 
ostlich  von  Innozenzendorf,  westwarts  bis  gegen  Neukreibitz  und  Bind  offenbar  als 
eine  Fortsetzung  der  jenseits  der  Zittauer  Bucht  auftretenden  Gesteine  anzusehen, 
Von  eben  diesem  gneissartigen  Gesteine  linden  sich  auch  innerhalb  des  Granitge- 
bietes  grSssere  und  kleinere  Partien  im  Granit  selbst,  so  im  Siiden  von  Scbluckenau 
am  Bocksteiche,  bei  Kaiserswalde,  bei  Schonau  an  der  Strasse  nach  Scbluckenau. 
JoMy  hat  dieselben  als  GneisseinscMlisse  gedeutet;  ich  mochte  darin  nichts  als 
in  Folge  von  Druck  schiefrig-schuppig  gewordene  Granitpartien  sehen.  Die  geolo- 
gische  Grenze  des  Granites  gegen  das  sridlich  aufliegende  Quadergebiet  tritt  zumeist 
deutlicb  hervor,  namentlicb  auf  der  Strecke  von  Sternberg  bei  Zeidler  bis  Neu- 
daubitz,  wo  in  Folge  dor  Uberschiebung  des  Granites  fiber  den  Quarter  und  Her- 
aufschleifung  des  zwischenliegenden  Jurakalkes  eine  scharfe  Grenzlinie  gezogen  ist. 
Von  geschicbtetem  Gestein  kommt  in  diesem  Gebiete  nur  noch  eine  grfissere  Scholle 
von  cambrischem  Schiefer  vor,  welche  sudwcstlich  von  Georgenthal  sich  an  das 
Protogingestein  anlehnt  und  sich  bis  Tannendorfel  und  Hampels  Bleiche  erstreckt. 
Auch  rtiese  cambrischen  Schiefer  fuhren  Erze  auf  Gangen  u.  z.  in  einem  kiesig 
kalMgen  Zwischenmittel  Bleiglanz,  Kupferkies  und  Zinkblende,  und  erinnern  in 
ihrem  Geprage  lebhaft  an  ahnliche  Gangbildungen  von  Pribram. 

Hart  an  der  Landesgrenze  im  Norden  von  Altwarnsdorf  treten  unter  einer 
durch  eine  Basaltdecke  geschiltzterj  Lage  von  Basalttuff  Ausstriche  von  Braun- 
kohlengebilde,  gran  gefiirbte  Diatomaceenschiefer,  Sandst'eine  und  Letten  auf,  welche 
nebst  Eesten  von  Siisswasserfischen,  Lettciscus  macrurus  Ag.,  Reste  eines  Salaman- 
ders, Triton  basalticus  H.  Meyer,*)  und  zahlreiche  Abdriicke  von  Braunkohlenpflanzen 
ergaben.  Ahnliche  Ablagerungen  von  Diatomaceenschiefem  sind  unter  dem  Quartar 
bei  Scliluckenau  erbohrt  worden,  doch  ftihrten  sie  koine  Flotze. 

Die  flachen  Thaler  worden  zum  grossten  Theil  mit  Lehm  erfiillt,  welcher 
sich  durch  die  reichliche  Beimengung  von  Feuersteingeschieben  als  dem  nordischen 
Diluvium  zugehorig  erweist.  Namentlich  ausgebreitet  ist  diese  Ablagerung  in  der 
Umgebung  von.  Hainspach,  Scbluckenau,  Rumburg  und  Altehrenberg,  rtann  im  siid- 
lichen  Theile  urn  Schonlinde  und  Warnsdorf.  Hier  treten  ilbrigens  auch  Ablage- 
rungen von  Geschiebesanden  auf,  welche  aeben  Feuersteinen  Brocken  von  nordi- 
schen Graniten,  Porphyron  und  anderen  Gesteinen  enthalten, 

Der  quartar*1  Lehm  und  die  Zersetzungsproducte  des  Granites  haben  an 
vielen  Orten  die  Entwicklung  von  Torfmooren,  denen  sie  als  wasserstauende  Un- 
terlage  dienen,  befflrdert.  Namentlich  ist  zwischen  Teichstadt,  Schonlinde  und  Ober- 
grund  ein  betriichtlichcs  Moor  ausgebreitet. 

Von  Eruptivgcsteinen,  welche  im  Granit  auftreten,  sind  Diorite,**)  Basalte 


*)  Verhandl.   geol.   Reichsanst.   185!),  S.  51  If.  Die  Pflanzenreste  sind  von  H.  Engelhardt, 
Flora  der  Braunkohlenform.  im  Eflnigreiche  Sachsen,  Leipzig  1870,mit  unter  denen  von 
Seifhennersdorf  beschriebeu 
**)  F.  Wurm,   Die    Griinsteine   der   Schluokenauer   und   Nixdorfer   Gegend,  Sitzb.  der  kg], 
bohm.  Gesellsch.  d.  Wisa.,  besehreibt  diese  Gesteine  als  Olivin-Diabase. 


15 

und  Phono!  ithe  zu  nennen.  Erstere  bilden  nur  gangformige  Einlagerungen  bei  Hains- 
pach  am  Friedhofe,  Herrenwalde,  Fiirstenwald  und  Kunnersdorf,  ihr  Auftreten 
verrath  sich  zumeist  nur  durcli  verstreute  Blocke.  Weit  verbreiteter  sind  die  Ba- 
salte,  wclclie  sowohl  in  Kuppen  als  auch  in  Decken  im  Gebiete  auftreten.  Erstere 
bestehen  durchwegs  aus  Feldspathbasalt  wie  der  Steinhiibel  bei  Schonlinde,  Wolfs- 
Plissen-,  Lichten-,  Botzen-*)  und  Rauchberg  in  dor  Rumburg-Schluckenauer  Gegend 
und  einige  kleine  Kuppen  urn  Warnsdorf.  Die  im  Norden  von  Altwarnsdorf  urn 
den  Spitzberg  aiisgebreitete  Decke,  sowie  jene  welche  sich  von  der  Landesgrenze 
siidl.  von  Eumburg  (iber  Kuhberg,  Schonborn,  Lichtenhain  gegen  Niedergrund  herab- 
zieht,  desgleichen  die  Deckenreste  ostl.  von  Rumburg  bestehen  aus  Nephelinba- 
salt,**)  und  ruhen  auf  Unterlagen  von  Basalttuff. 

Beschrankter  im  Auftreten  ist  der  Phonolith.  Er  bildct  eine  kleine  Kuppe 
in  Oberschonlinde  in  der  Niihe  der  Bahnlinie,  und  tritt  sodann  bei  Warnsdorf  im 
Burgberg,  beim  Friedhofe,  im  Spitzberg***)  und  Fmkenhiibel  und  am  Hornelberg  bei 
Georgenthal  hervor. 

Der  nordostliche  Theil  des  Erzgebirges.  Als  letzter  Theil  der 
krystallinischen  Umrandung  von  Bohnien  erscheint  in  nordwestlicher  Ecke  des 
Blattes  II.  der  geolog.  Karte,  jener  Theil  des  Erzgebirges,  weleher  zwischen  dem 
Elbesandsteingebirge  und  Ossegg-Moldau  gelegen  ist.  Eine  ausftthrliche  Bespre- 
chung  der  orographischen  und  geologischen  Verhaltnisse  scheint  mit  Riicksicht  auf 
die  im  Archive  der  Landesdurchforsehungs-Commission  erschienene  umfassende  Be- 
schreibung  „der  Geologie  des  Erzgebirges"  f)  iiberfliissig  zu  sein;  es  moge  hier 
darauf  hingewiesen  werden,  dass  im  2.  Theil  derselben  das  dem  Elbesandsteinge- 
birge zunachst  gelegene  Graupen-Kulmer  Gebirge,  das  Porphyrgebirge  und  Wiesel- 
steingebirge,ff)  zu  welchem  die  vom  Porphyr  westlich  gelegene  Partie  gehort,  ein- 
gehend  abgehandelt  worden  sind.  Zum  Verstandniss  der  Karte  diirfte  das  Nach- 
stehende  ausreichen. 

Das  zwischen  dem  Elbesandsteingebirge  im  Osten,  dem  Porphyr  im  Westen 
gelegene  G  r  a  u  p  e  n  -  K  u  I  m  e  r  ( 5  e  b  i  r  g  e  besteht  der  Hauptsache  nach  aus 
glimmerreichem  Hauptgneiss  (flaseriger  Zweiglimmergneiss),  weleher  bald  feld- 
spathreicher,  glimmerarmer  an  den  Vorhohen,  bald  glimmerreicher,  feldspathiirmer 
auf  den  Hohen  des  Gebirges,  in  der  Graupener  Gegend  mehr  grau,  in  der  Kulmer 
mehr  rothlich  gefftrbt  erscheint.  Muscovitgneisse  bilden  streifenformige  Einlagerungen 
hings  des  Gebirgskammes  vom  Geiersberg  gegen  Osten  bin. 

Die  Gneisse  zeigen  am  Abhange  des  Gebirges  (lurch  regellose  Stellung 
gekennzeichnete  Abbrttche,  an  der  Graupener  Lehne  stehen  sie  steil  gegen  Slid  und 
Sudwest  geneigt,  oben  am  Kamm  geht  die  Schichtenstellung  in  die  entgegengesetzte 

*)  E.  Bofick^,  Basaltgesteine  S.  140. 
**)  J.  Hazard.  Uber  die  petrogr.  Unterscheidung  vOn  Decken-  und  Stilbasalten  i.  d.  Lausitz, 

Tschermak's  Mitthlgn.  XIV.  lid.,  S.  207. 
***)  E.  r.<iii.ky,  PhonoHthgesteine  S.  41.,  42.,  48. 
t)  Laube,  Geologie  des  bOhmisohen  Erzgebirges  I.  Theil,  westliches  Erzgebirge.  Archiv  III. 
Bd.  •'(.,  II.  Theil  oatliches  Erzgebirge  Archiv  VI.  Bd.  4. 
tt)  a.  a.  ().,  Seite  188  ff. 


16 


tiber.  Das  Streichen  des  Gneisses  folgt  der  Richtung  des  Eammes.  Von  Peterswald 
nach  Tyssa  hin  andert  sich  die  bis  dahin  nordwiirts  gerichtete  Stellung  in  cine 
durch  Nordost  in  Ost  iibergehendc.  Die  Gncisse  verschwindcn  bier  unter  einem 
Lappen  des  Quadergebirges  und  sind  noch  auf  eine  kurze  Strecke  unter  der  soge- 
nannten  Wand  boi  Konigswald  zu  sehen. 

Innergalb  dieses  Gebirgstheiles  treten  mehrfach  Eruptivgesteine  auf.  In 
Mittel-Tellnitz  zeigt  sicb  ein  ziemlich  machtiger  Gang  von  Erzgebirgsgranit.  Der 
vorwiegend  felsitisch  ausgebildete  Granitporphyr  diescr  Gegend  bildet  eine,  von 
der  Porphyrgrenze  bcini.  Miickenberger  Forsterhause  beginnende,  fiber  das  Mticken- 
thurmohen  bis  gegen  Jungferndorf  zu  verfolgende  Apophyse.  Ein  zweiter  soldier 
Gang  tritt  in  Vorder-Tcllnitz  auf. 

Basaltgesteine  kommen  als  Auslaufer  des  Mittelgebirges  zwischen  Maria- 
scbein  und  Kulm  vor.  In  Mittel-Tellnitz  macht  sich  ein  Nephelinbasaltgang  bemerk- 
bar.  Auf  der  Nordseite  des  Gebirgos  ragt  aus  einer  Hlille  von  Quadersandstein  die 
aus  steilgeneigten  Kiiulen  aufgebaute  Nephelinbasaltkuppe  des  Spitzberges  bei  Schon- 
wald  empor,  ebenso  stebt  solcbes  Gcstein  am  Kaibler  bei  Nollendorf  an. 

Im  Graupner  Gneiss  treten  seit  uralter  Zeit  in  Abbau  bofmdliche  Zinn- 
steingiinge  auf.  Es  sind  deren  mebr  als  40,  z.  Tbl.  von  bcdeutender  Erstreckung 
bckannt,  sic  fuhren  nur  Zinnstein,  odor  solcbcn  in  Begleitung  von  Glimmer,  Stein- 
mark,  Flussspatb  u.  s.  w.  Der  Liegendgneiss  ist  5 — 8  cm  mit  Zinnsteiu  impntgnirt, 
das   Streichen  der  Hauptgiinge  ist  Nordost-Ost  das  der  Ncbengangc,  Ost  gerichtct. 

Es  sind  audi  Bleiglanz-,  Schwefel-  und  Kupferkies  ftihrende  Gange  bc- 
kannt. Lctztcrc  Erzc  koinmcn  auch  in  fablbandartigen  Gneissen  bei  Liesdorfund 
Tcllnitz  vor. 

Im  Bereicbc  dieses  Theilcs  des  Gcbirges  kommen  auf  dem  Plateau  urn 
Schonwald  ziemlich  ausgedehnte  Torfmoore  vor. 

Der  grossc  erzgcbirgische  Porphyrzug  zwischen  den  .  Bergstadten 
Graupcn  und  Klostergrab  grenzt  iistlich  auf  einer  von  Voitsdorf  nach  dem  Fusse 
des  Gebirges  fast  geraden  Nordsiid  gerichteten  Linie  an  den  Gneiss  des  Graupner 
Gcbirges;  auf  der  Wcstseite  verlauft  die  Grenzc  langx  des  linken  Geliiinges  des 
Hiittengrundes  bei  Niklasberg  voriiber  nach  Grundmuhleri  bei  Klostergrab,  wo  sie 
westlicb  ausbiegt,  gegen  den  Gneiss  des  Wieselsteingebirges.  Dor  Porphyr  tritt  als 
Tfiiichtigei'  Gangk6rper,  der  sich  nur  an  don  Randern,  wie  es  scheint,  liber  diese 
hin  ausbreitet,  durch  das  Erzgebirge  hindurch,  indem  er  sich  nordwiirts  noch  weit 
nach  Sachsen  bin  erstreckt,  wahrend  er  am  Sudfusse  des  Gcbirges  unter  Kreide- 
schichten  vcrschwindet,  und  dann  noch  weiter  in  den  spfiter  zu  beschreibenden 
Insoln  bei  Teplitz  wieder  auftaucht.  Das  Gestein  zeigt  nur  an  der  westlichen  Grenze 
bei  Niklasberg,  wo  sogenannter  hunter  Porphyr  und  flaserige  Vitroporphyre  auf- 
treten   und   auch    Contacterscheinungen    zu   bemerken    sind,    einige    Abwechslung. 

Hier  wird  die  Grenze  auch  von  Porpbyrtuffen  begleitet.  Im  ganzen  Korper 
herrscht  einerlei  Gesteinsmasse,  welche  durch  in  Stundc  2—  3,  7 — 8,  streichende, 
senkrecht  stehende  Klufte,  di(!  von  einer  dritten  in  Stunde  5 — 6  streichenden, 
Stunde  23  vcrfliichender  Kluft  geschnitten  werden,  in  rhomboidische  Prismenkorper 
zerlegt  wird. 


17 

Aus  der  Gegond  von  Geising  in  Sachscn  tritt  an  der  Grenzc  des  Quarz- 
porphyres  cin  machtiger  Gang  von  Granitporpliyr  zwischen  Hinter-  und  Vorder- 
zinnwald  uber  die  bohmische  Grenzc  mid  grcift  mit  zwei  siidstreichenden  Apo- 
physen  in  don  Quarzporpliyr  ein.  Die  (istlichc  ist  kurzer  und  minder  miichtig, 
halt  sich  an  der  Grenze  des  Quarzporphyrcs  gegen  den  Gneiss  und  errcicht  den 
Fuss  des  Gebirgos  nicht.  Die  westliche  dagegen  reicht  herab  bis  Judendorf  bei 
Graupen  und  in  die  Kuppen  von  Teplitz.  Das  grobkornige  Gestein  besitzt  eine 
braune  und  rothe  oder  dunkle  Grundmasse  mit  eingestreuten  grossen  rothen  Ortho- 
klaskrystallcn. 

Im  Porphyrgebiete  troten  auch  einige  Basalte  auf  u.  z.  am  Kostner  Berge, 
am  Tannhubel,  dann  bei  Strahl  und  Doppelburg  kleine  Kuppen  von  Nephelinbasalt, ' 
dicht  an   der  Landesgrenze  ostlich  von  der  Zinnwalder  Kirche  ein  Kiippchcn  von 
sehr  dichtem  Feldspathbasalte. 

Von  den  vielen  Erzen,  welche  das  Erzgebirge  beherbergt,  fuhrt  der  Por- 
pUyr  nur  Zinnerz  und  dieses  nicht  allenthalben  unmittelbar.  Das  in  Hinterzinnwald 
gewonnene  Erz  stammt  aus  einem  im  Porphyr  gelegenen,  zur  grosscren  Hiilfte  nach 
Sachsen  gehorendcn  Greisenstocke,  dessen  Ausdchnung  an  der  Oberflache  durch 
zahlreiche  Halden  Iceuntlich  gemacht  wird.*)  Sein  Umriss  ist  eine  langgezogene 
Ellipse,  deren  griissere  Axe  ins  Strcichen  des  Porpliyrzugea  fallt.  Der  aus  Quarz 
und  Litiiionglimmer  gemengte  Greisen  ist  meist  mittelkornig,  dock  entwickeln  sich 
die  Gcmcngtlieile  auch  zu  ausserordentlich  grossen  Dimensionen.  In  dem  nicht 
immer  dicht  gcfiigten  Gestein  trcten  zahlreiche  Mineralien  auf,  worunter  namentlich 
Wolfram  gcgenwiirtig  als  ausbcmtungswiirdig  gilt.  Der  Zinnstein  tritt  in  lagerarti- 
gen  Ausbreitungen  im  Greisen  auf,  welche  gegen  die  Mitte  des  Stockes  hin  ziemlicli 
horizontal  liegen,  und  deshalb  von  den  Bergleuten  ,,1'lotze"  genannt  werden.  Im 
Greisen  treten  auch  unregelmassige  Granitmassen  auf,  welche  in  ersteren  iiber- 
gelicn,  ebenso  trennt  eine  Granithiille  den  Greisen  vom  Porphyr. 

I  in  Porphyr  selbst  ist  das  Vorkommen  des  Zinnsteins  auch  auf  Gangen  be- 
kannt,  die  im  Umkreise  von  etwa  2—3  Kilom.  urn  den  Zinnwiilder  Greisenstock 
aufs(itzen. 

Bemerkenswerth  ist  noch  das  Vorkommen  von  allerdings  nicht  abbauwiir- 
digen  Stcinkolilcngebilden  an  der  Grenze  des  Porphyres  bei  Nildasberg.  Zwischen 
Gneiss  und  Porphyr  treten  hier  am  Hirsch-  und  Galgenbcrg  mit  Anthracit  ge- 
mengte Conglomerate  auf,  in  welchcu  Reste  von  Steinkohlenpflanzen  gel'uuden 
worden  sind.  Si(!  bethatigen,  dass  die  machtige  Pori)hyrmasse  erst  nach  der  Stein- 
kohlenpcriodc,  also  zur  Rothliegendzeit  empor  gequollen  ist. 

Torfstreckcn  beherbergt  das  Porj)liyrgebirge  zwischen  Zinnwald,  Kalkofen 
mid  Nildasberg. 

Der  vom  Porphyr  westlich  gelegene  Theil  des  Wicselsteingebirges 
'St  wieder  aus  Gneiss  aufgebaut  u.  z.  bildet  wieder  zweiglimmriger  Hauptgneiss 
das  verbreitetste  Gestein,  doch  gosellen  sich  dazu  auf  den  Hohen  des  Gebirges  jiin- 


*)  Tn  der  Karte  ist  nur  Act  TJmriss  nicht  auch  die  Farbe  (Granit)  eingetragen. 


18 

gere  Gneisse,  namentlich  macht  sich  Muscowitgneiss  audi  am  Fusse  der  Stromnitz 
wie  im  Deutzcudorfer  und  Krinsdorfer  Grunde  bemcrkbar.  Auf  dem  Plateau  des 
Gebirges  finden  sich  dann  um  Motzdorf  bis  an  die  Landesgrenze  und  den  Porphyr 
Glimmerschicfergneisse.  Pic  Lagerungsverhaltnisse  der  Gesteine  sind  in  diesem 
Theile  des  Gebirges  ziemlich  verworren,  in  den  Vorbergen  zeigen  sich  Spuren  von 
starker  Zertriinimerung  und  eine  schollenartig  wechsclnde  Lage,  so  dass  audi  hicr- 
nach  am  Gebirgsrand  abgesunkene  Partien  zu  erkennen  sind.  Auch  weiter  hiiiauf 
im  Gebirge  zeigt  sich  eine  verwickelte  Schichtenstellung,  indem  die  Gneisse  unter 
dem  Stunner  nach  Ost  unter  dein  Niklasberger  Keilberg  nacli.  Nord,  am  Hirsch- 
berg  vom  Porphyr  ah  nordwestlich  fallen,  wobei  sie  hier  die  Spuren  cines  crlit- 
tenen  starken  Druckes  in  zahlrcichcn  zum  Porphyr  parallelen  Kltiften  erkennen 
lassen.  Auf  dem  Rucken  des  Gebirges  nehmcn  die  Gesteine  eine  zwischen  Nord- 
und  Siidost  gelegene  Neigung  an. 

In  den  Gneissen  des  Plateaus  treten  mohrfach  Granitporphyre  auf  u.  z. 
theils  gangformig,  theils  in  Aachen  Kuppen  zwischen  Willersdorf  und  dem  Drei- 
herrnstein  und  cbcnso  zwischen  Noustadt,  Moldau  und  Kalkofen.  Sie  durften  wenn 
nicht  durchwegs,  so  doch  zum  Theile  dem  Wieselsteinzugc  angehoren. 

Der  Durchbrueh  cines  jiingeren  Eruptivgesteines  macht  sich  an  ciner  ein- 
zigen  Stelle  u.  z.  auf  dem  Kamme  der  Stromnitz  bemerkbar,  wo  Basaltgestein  in 
ziemlichen  Umfange  auftritt. 

In  diesem  Gebirgstheile  liegen  die  Erzlager  von  Ossegg,  Klostergrab  und 
Mklasberg,  Gange  im  Hauptgnciss,  welche  meist  in  Stunde  2-  3  odor  9—11  streichen, 
als  Gangmittel  Letten  odor  Quarz  und  als  Erze  Rothgttltig  und  Glaserz  auch  Blei- 
glanz,  zumeist  abcr  Scbwefel-  und  Arsenikkies  fuhren.  Ihre  Machtigkeit  wird 
zwischen  O05— 1  m  angegeben. 

Die  Inseln  von  krystallinischen  Gesteinen  im  Bereiche  des  Mittel- 
gebirges  und  Elbesandsteingebirges. 

Im  Zusammenbang  mit  den  zuletzt  besprochenen  geologischen  Verhaltnissen 
des  Erzgebirgcs  sollen  nun  noch  eine  Reihe  von  kleinen,  ringsum  durcli  jiingere 
Gebilde  umschlossenen  und  aus  diesen  inselartig  hervortretenden  krystallinischen 
Gebieten  besprochen  werden,  deren  grfisste  Zahl  zu  jenem  Gebirge  insofcrn  in 
Beziehung  stent,  als  sie  ursprttnglich  mit  demselben  im  Zusammenhange  gedacht 
werden  miissen,  aus  welchem  sie  durch  das  Absinken  cines  sudlichen  Fliigels  des 
Erzgebirges  gerlickt  wurden,  und  wohl  spttter  in  Folge  vulkanischer  Th&tigkeit  im 
Bereiche  des  bohmischen  Mittelgebirges  mit  empor  gedfangt  odor  durch  Denu- 
dation bios  gelegt  worden  sind.*)  Es  zlihlen  hierher  die  Porphyrhiigel  von  Teplitz, 
die  Gneissschollen  von  Bilin,  Ratscb,  Watislaw,  Milleschau,  von  Woparn  und  Ozer- 
nosek  und  als  die  entlegenste  die  am  Maschwitzer  Berge  zwischen  Dauba  und 
Habstein. 


*)  Vergleiche  hiezu:  Laube,  Geologie  d.  bohm.  Erzgeb.  I.  Thefl  Elnleitung,  und  desselboii 
Verfassera  „Geologiscbe  Excnrsionen  im  Tbenrialgebiet  des  nordwestlichen  Bohmens." 
Leipzig  1884. 


19 

Die  Porphyrkuppen  von  Teplitz*)  sind  durch  die  5  kilom.  breite, 
mit  Kroide-  und  Braunkohlenablagerungon  erfttllte  Bruchspalte  am  Fusse  des  Erz- 
gebirges von  diesem  abgctrennt  und  treten  aus  dioscn  inselartig  hervor.  Sic  bilden 
einen  zum  Rande  des  Erzgebirgsporphyr  parallelen  schmalen  Stroifen  von  der 
Rude  westlich  bci  Settenz  bis  an  den  Teplitzer  Sclilossberg.  In  der  Stadt  Teplitz 
selbst  ist  der  Porphyr  durch  tiefe,  z.  Th.  mit  Planerkalk  geffllte  Kliifte  in  einige 
isolirte  Hohen  getheilt.  Dazu  gehoren  nocb  die  davon  abgegliederten  Ktippchen  der 
Janegger  KircbMbl  in  WNW  und  in  NW  der  Luisenfelsen  bei  Weisskirchlitz.  Von 
der  Beschaffenheit  des  Gesteines  gilt,  was  von  dem  des  Erzgebirges  berichtet 
worden  ist.  Die  Machtigkeit  des  Teplitzer  Porpbyres  wurde  durch  die  durchge- 
ftthrte  Bohrung  zur  Gewinnung  des  Thermalwassers  bis  auf  430  m  festgestellt, 
womit  der  gangartige  Charakter  der  Lagerung  des  Porpbyres  sowobl  hier  wie  im 
Erzgebirge  nachgewiesen  ist.  Der  Zusammenhang  beider  wird  nicht  allein  durch  die 
zwischenliegende  kleine  Luisenfelsenkuppe,  sondern  auch  durch  einen  zwischen 
Hundorf  und  Kosten  in  geringer  Tiefe  unter  den  Braunkohlensandstoin  verlaufenden 
Horst  hergestellt. 

Innerhalb  des  Teplitzer  Porphyrs  erscheint  am  Sandberg  bei  Schoenau 
auch  dor  Granitporphyr  noch  cinmal  als  grobkornigcs,  leicht  verwitterndcs  Gestein. 
Auch  Nephelinbasalt  bildet  auf  der  Konigshohe  eine  kleine  versteckte  Kuppe. 
Innerhalb  des  Porpbyres  treten  auf  zwei  parallelen,  steil  Siid  fallenden  OW  strei- 
chenden  Spaltcnziigen  die  Teplitz-Schoenauer  Thermalquellen  hervor. 

Die  Insel  von  Bilin  ist  zum  grossten  Theile  von  Kreideablagerungen, 
im  Norden  auch  von  Braunkoblen-  und  Quartiirscbicliten  bedeckt,  und  nur  in  dem 
bindurchftihrenden  Biolathale  und  (lessen  rechtseitigcn  Seitenthalern,  dem  Ziscbka- 
und  Deberschethale  aufgesclilossen.  Sic  beginnt  im  Osten  bei  dem  Dorfe  Liebe- 
schitz  und  endet  am  Ohlumbcrge  bei  Bilin.  Siidwiirts  verschwindet  sie  unter  den 
Auslaufcrn  des  Mittelgebirges,  nordwiirts  kennt  man  ihr  Erstrecken  noch  im  Lie- 
genden  der  Braunkohle  der  Emmeranzeche.  Die  Scholle  besteht  aus  Zweiglimmer- 
und  Muscovitgneiss,  welclie  mit  den  Gesteinen  des  gegenttberliegenden  Erzge- 
birges ganz  iibereinstimmen.  Das  Streichen  ist  ostwestlich  (Stunde  7),  das  Einfallen 
Sildlich.  Aus  ihr  tritt  die  Noscanpbonolitbkuppe  des  Borschen  hervor,  neben  der  eine 
zweite,  die  Kautzer  Kuppe  liegt,  vielleicht  ehedem  mit  j-ener  im  Zusammenhange.  An 
ihrem  nordlichen  Ende  erhebt  sich  eine  Ecldspathbasaltkuppo,  der  Cblum,  von 
welchem  aus  ein  machtigcr  nach  Siidvvesten  gerichteter  Gang  den  Gneiss  umfasst. 
Die  Biliner  Mineralquc^leu  entspriugen  unmittelbar  aus  Kluften  im  Gneiss,  welche 
dessen  Streichen  folgen.  Nordostlich  davon  tritt  an  der  Foble  bei  Ilatsch  eine 
wcitere  kleine  Gneissscholle  aus  der  Basaltbedeckung  hervor. 

Jens<!its  des  Mittelgebirges  tritt  Gneiss  bci  W  a  t  i  s  1  a  w,  daun  bci  M  i  1  e- 
schau  unmittelbar  unter  dem  Milescbaucr  Berge  hervor,  ziemlich  in  der  Mitte 
zwischen  der  Biliner  und  der  zweitgriissten  Gneissmasse  des  Mittelgebirges,  der 
im  Elbethalc  bei  Tschernosek.  Auch  letztere  ist  gn'isstenthcils  von  Kreide- 
gebilden  iiberdeckt  und  nur  zu  beiden  Seiten  der  Elbe  zwischen  Tschernosek  und 
Libochowan,   Kleintschernosek  und  Lichtowitz  und  dem  Woparner  Thale  sicbtbar. 


*)  Laube,  Oeologie  dns  bolnn.  Erzgebirges,  II.  8,  20s  flf. 

2* 


20 

Von  Tschernosek  nach  Libochowan  treten  mit  0 — Wstreichen  und  sudlichem  Ver- 
fliichen  Phyllito,  in  welchen  zwoi  von  Kalkglimmerschiefer  begleitete  Kalkbiinder 
liegen,  dann  Ampliibolite  am  Hradek  auf,  worauf  dann  stark  eisenschtlssig  rothge- 
fiirbtc,  diinnplattigo  Zweiglimmergnoisse  folgen,  deren  Streichen  jedoch  fast  senk- 
recht  auf  dem  der  vorgenannten  Schiefer  stoht  und  die  nach  Oston  verfhichen.  Die 
Scholle  erreicht  am  Eande  der  Libochowaner  Weitung  plStzlich  ihr  Ende.  Ihr 
Erstrecken  nach  Oston  ist  nicht  weit  zu  verfolgen.  Auf  dem  linkon  Elbeufer  zeigen 
sich  ein  ahnliches,  jedoch  weniger  gut  aufgeschlossenes  Profil.  Der  Gneiss  bloibt 
dann  auf  dem  linkon  Gehiingc  des  sich  bei  Kleintsehernosek  offnenden  Woparner 
Grundes  sichtbar  und  verschwindet  dann  weiter  thalaufwiirts  unter  Kreidesandstein. 
Auf  dor  rechten  Tlialscite  gesellt  sich  ihm  ein  in  sechsseitige  Saulen  abgesonderter 
Quarzporphyrgang  mit  ostwestlichem  Streichen  zu,  welcher  bis  an  die  Elbe  reiclit. 
In  diesem  wird  das  Ende  des  grossen  Porphyrdurchbruches  im  Erzgebirge  gesehen. 

Am  weitoston  ostwiirts,  schon  an  dem  Gebiote  der  bohmischen  Kreide  tritt 
aus  dieser  auf  der  Westseite  des  aus  Phonolith  bestehenden  Maschwitzer  Berges 
eine  kleiue  aus  rothem  dunnplattigem  Gneiss  bestehende  Insel*)  hervor.  Ob  dieses 
otwas  eigenartigo  Gestein  (lurch  don  Aufbrucli  des  Eruptivgcsteines  eine  Vcriin- 
derung  erlitton  hat,  ist  bishor  noch  nicht  festgestellt  worden. 

Bezuglich.  dor  fruher  ofter  erwahnten  Scholle  von  Bongs  took**)  muss  er- 
wiihnt  werden,  dass  dieselbe  sich  nach  neueren  Untersuchungen  nicht  als  aus 
altem  krystallinisclien  Gesteine  bestehend  erwiesen  hat.  Die  krystallinische  Insel 
im  Elbethale  zwischen  Mittol- und  Niedergrund***)  tritt  iihnlich  wie  die 
boi  Tschernosek  im  Norden  von  Tetschen  zwischen  Mittol-  und  Niedergrund  zu 
beiden  Seiten  der  Elbe  und  nur  langs  dieser  aufgeschlossen  und  ringsum  von  Quader- 
sandstein  iiberdeckt  auf  5  kilom.  Erstrockung  zu  Tage.  Von  Siiden  her  betritt  man 
auf  dem  linken  Elbeufer  zuerst  Phyllite,  welche  sich  vor  Niedergrund  an  Granitit 
anlehnen.  Ihr  Streichen  ist  NW — SO,  im  Verflachen  nach  SW  gerichtet.  Bei  Tschirte 
tritt  darin  ein  Gang  von  Glimmerdiorit  auf.  Der  Granitit  ist  im  Liegenden  des 
Phyllites  ganz  gneissartig  ausgebildet.  Auf  dem  rechten  Ufer  der  Elbe  wiederholen 
sich  ganz  dieselben  Verb  ill  tnisse,  nur  tritt  der  Granitit  in  drei  getveunten  Gangen 
auf.  Dieses  Gestein  entspricht  in  seiner  Ausbildung  vollkommen  dem  Lausitzer 
Gesteine,  wie  audi  die  darangelagorten  und  einen  deutlichen  Contacthof  zeigenden 
Schiefer  weit  mehr  denen  des  Jeschken-  und  Eisenbrodergebirges  als  jenen  des  Erz- 
gebirges  gleichen.f)  Darnach  gehort  diese  Insel  eher  zum  Lausitzer  Gebirge  als 
zum  Erzgebirge    und.    ist  als  das  Bindeglied   zwischen  diosen  beiden  aiizusehen. 


*)  Arbeiten  der  geolog.  Section  I,  S.  1 4. 

**)  J.  E.  Hibsch,  Der  Doleritstock  und  das  Vorkommen  von  Blei-  u.  Silbercrzen  bei  Rong- 
stock  im  bohm.  Mittelgebirge.  Verhandl.  der  geol.  Reichsanst.  1889.  S.  '204. 

***)  Laube,  Geologie  des  bohm.  Erzgeblrges  IT.  S.  248  ft'.  —  Hibsch,  Die  Insel  alteren  6e- 
birges  im  Elbethal  nordl.  von  Tetschen.  Jahrb.  der  geol.  Reichsanst.  XLI.  Rd.,  S.  235  ff. 
f)  Herra  Prof.  Dr.  J.  K  Hibsch  in  Liebword  verdanken  wir  eine  sehr  eingehende  und 
lehrreiche  Sonderuntersuchung  dieses  Gebietes.  Die  dort  ausgesprochene  Ansiclit,  dass 
die  hier  auftretondeu  Pliyllite  dem  Untersilur,  moglicherweiso  dem  Devon  angelioren, 
kann  ich  nicht  theilen;  ich  lialte  sie  nach  wie  vor  fur  untercambrisch,  daher  alter  als 
die  dor  ISarrande'schcn  Etage  B  angehOrenden  PHbramer  Schiefer.  Das  von  mir  Glimmer- 
diorit benaunte  Gestein  bezoichnet  Herr  Hibsch  als  ampbibolisirten  Diabas. 


II.  Das  bohmische  Mittelgebirge  und  die  im  nordlichen 
Bohmen  zerstreuten  Basalt-  und  Plionolithberge. 


Von  Prof.  Dr.  Gustav  C.  Laube. 


Die  geologische  Durchforschung  des  bohmischen  Mittelgebirges  und  der 
jungplutonischen  Berge  in  Nordbohmen  war  von  der  Commission  zur  naturw. 
Durchforschung  Bohmens  urspriinglich  Prof.  Dr.  Em.  Bofickjr  zugewiesen 
worden,  der  sich  dieser  Aufgabe,  wie  seine  einschliigigen  Arbeiten*)  beweisen, 
mit  gewohntem  Eifer  und  rastloscr  Miihe  hingab.  Leider  war  es  ihm  nicht  vergonnt, 
das  Erscheinen  der  Karte  selbst  zu  erleben.  Nacli  seinem  fiir  die  Wissenschaft  zu 
friilien  Tode  iibemabm  P  r  o  f .  D  r.  0 1 1  o  k  a  r  F  e  i  s  t  m  a  n  t  e  1  die  Begehung  des  Mittel- 
gebirges, aber  audi  er  erlag  zu  friih  den  Folgen  des  Aufenthaltes  im  morderischen 
Tropenklima,  wobin  ihn  der  Wunsch,  der  Wissenscbaft  zu  dienen,  gefiihrt  hatte. 
Sollte  nun  das  Erscheinen  der  Section  II.  der  geolog.  Karte,  welcbe  in  alien 
iibrigen  Theileu  fertig  gestellt  war,  nicht  neuerlich  dadurch  verziigert  werden,  dass 
die  Ergebnisse  einer  von  dritter  Seite**)  nochmals  in  Angriff  genommenen  Unter- 
suchung  dieses  Gebirges  abgewartet  werden,  so  war  es  nur  moglich,  auf  altere 
gute  Vorarbeiten  gestutzt  die  Karte  auszufiihren.  Man  entschloss  sich  daher,  das 
Mittelgebirge   nach   den  Aufnahmen  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt***)  einzutragen. 


*)  Dr.  Em.  Bofick^,  Petrographische  Studien  an   den  Basaltgesteinen  Bohmens.   Archiv 
d.  Landesdurchforsch.  II.  Bd.,  2.  Thl.,  Petrographische  Studien  an  den  Phoiiolithgesteinen 
Bohmens,  Archiv  d.  Landesdurchforsch.  III.  Bd.,  2.  Abth. 
**)  J.  E.  Hibsch,  Kurze  Ubersicht   des   allgemeinen   geologischen   Aufbaues    des  bolun. 

Mittelgebirges,  Tschermacks  min.-petrogr.  Mittheilungen  XII  Bd.,  S.  397. 
***)  Geolog.  Karte  von  Bohmen  im  Massstab  von  1 :  144,000  Blatt  II.  Teplitz  und  Tetschen, 
III.  Reichenberg,  VII.  Leitmeritz  und  Theresienstadt.  Text  hiezu:  Jokely,  das  Leitme- 
ritzer  vnlkanische  Mittelgebirge  in  Bohmen.  Jahrb.  d.  geol.  Reichsanst.,  9.  Bd.,  1858. 
Die  Eintragung  in  die  Section  II.  ist  durch  Hinweglassung  der  in  der  Reichsanstalts- 
Karte  ersichtlich  gemachten  Tuffe  vereinfacht,  dagegen  ist  die  von  Jokely  gemachte 
Unterscheiduug  von  Trachyten  beibchalten  worden,  was  allerdings  dem  jetztgeltenden 
Begriffe  dieses  Gesteines  nicht  entspricht,  und  worunter  Boficky's  Sanidinnosean-,  Ne- 
phelinsanidin-,  Oligoklassanidin-  und  Sanidinphonolith,  durchwegs  von  trachytischem  Aus- 
selien,  zu  versteheu  sind. 


22 

Erst  nach  Fertigstellung  dor  Karte  land  sich  im  Interesse  der  guten  Sache  Pro- 
fessor Laube  bewogen,  dazu  eine  Erlfaterung  zu  geben,  soweit  dies  unter  Be- 
niitzung  der  bisherigen  Vorarbeiten  Boiicky's,  welche  vor  nunmchr  zwanzig  Jahren 
entstanden,  wohl  nicht  mehr  durchwegs  zutreffend  sind,  und  anderer  Geologen  und 
nach  eigenen  Erfabrungen  moglich  war.  Der  Verfasser  ist  sich  hicbei  der  Mangel, 
welche  unter  den  geschilderten  Umstanden  unvermeidlich  waren,  vollkommen  bc- 
wusst  und  konnte  sich  nur  eutschliessen,  die  Arbeit  in  der  Erwiigung  zu  leisten, 
dass  es  sich  hiebei  nur  um  allgemeine,  zutn  Verst&ndnisse  einer  Ubersichtskarte 
nothwendige  Angaben  handelt,  welche  durch  neuere  Ansichten,  die  zumeist  auf  ein- 
gehender  petrographischer  Untersuchung  der  verschiedenen  Gesteine  sowie  sehr 
detaillirter  geologischer  Erforschung  ortlicher  Verhiiltuisse  beruhen,  die  bei  dem 
Ausraasse  der  Karte  kaum  zum  Ausdruck  batten  gebracht  werden  konnen,  und  das 
in  der  Ilauptsache  richtige  Bild  des  Mittelgebirges  nicht  wesentlich  zu  Sndern 
vermogen. 

Diese  Darlegung  des  Sachverhaltes  musste  vorausgeschickt  werden,  um 
einer  irrigen  Auffassung  und  falschen  Benrtheilung  vorzubeugen.  Prof.  Dr.  Anton 
I'ric  sah  sich  bestimmt,  eine  ahnliche  Erklarung  den  Erliiuterungen  zu  Sect.  VI. 
der  gcol.  Karte  voranzusetzen. 


Den  Namen  „bohmisches  Mittclgebirge"  triigt  ein  in  paralleler 
Kichtung  zum  Erzgebirge  sudwest-nordostlich  streichender  Gebirgszug,  welchor  niird- 
lich  von  der  Eger  bei  Laun  beginnend  bis  an  den  Bruchrand  des  Elbesandsteingebirges 
niirdlich  von  Tetschen  und  Bohm.  Karnnitz  reicht.  Im  Siiden  und  Osten  grenzt  er  an 
die  innerbohmischen,  in  Norden  an  die  nordbohraisclien  Kreideablagcrungen,  ira 
Nordwesten  reicht  es  an  das  nordwestbiJhtnische  Braunkohlengebiet,  zwischen  Kulm 
und  Tellnitz  an  das  Erzgebebirge  heran.  Durch  das  Elbethal  von  Praskowitz  bis 
Tetschen  wird  das  Mittelgebirge  in  zwei  fast  gleichgrosse  Hiilften,  eine  siidwest- 
liclie  und  eine  nordostliche  gethcilt. 

Als  ein  Gebirge  vulkanischen  Ursprungs  ist  es  in  seinein  Bau  wesentlicli 
von  den  iibrigen  bohmischen  Gebirgen  verschieden;  es  triigt  das  Geprage  der  so- 
genannten  Kegel-  oder  Kuppengebirge  in  ausgezcichneter  Weise  zur  Schau,  indem 
es  aus  einer  Hiiufung  einzelner,  bald  niiher  an  einander  geriickter,  bald  weiter  von 
einander  liegender  Kuppen  besteht,  die  sich  aus  sedirnentaren  iiltereu  Unterlagen 
oder  auf  basaltischen  Decken  erheben,  und  die  entweder  als  eigentliche  Kuppen  in 
ihrer  urspriinglichcn  Form  vorhandon  sind,  oder  als  uneigentliche  durch  Erosion 
aus  anfiinglich  zusammenhangenden,  ausgedehnten,  miichtigen  Gesteinsdccken  und 
Stromen  ausgelost  worden  sind.  Das  siidwestliche,  im  Ganzcu  schmiilerc  Gebirge 
lasst  eine  dem  Streichen  entsprechende  Kammlinie  erkennen,  aus  welcher  der  Me- 
ronitzer  Spitzberg  (474  m),  Radclsteiu  (685  m),  Mileschauer  Klotzberg  (004  m), 
Milcschauer  (Donnersberg  835  m),  Kletschen  (505  m)  und  Glaberberg  (452  m)  be- 
sonders  hervorragen. 

Zwischen  hindurch  fiihren  mehrere  mit  Strassen  belegte  Piisse,  so  zwischen 


23 


dem  Radelstein  und  Klotzberg  einerseits  und  diesem  und  dem  Mileschauer  ander- 
seits,  und  der  zwischen  dcra  Mileschauer  und  Kletschen  gelegene  Hauptpass  die 
„Paskopole"  auf  dem  Strassenzuge  von  Teplitz  nach  Lobositz. 

In  paralleler  Richtung  zura  Kamme  verliiuft  auf  der  Nordwestseite  das 
Bielathal  zwischen  Bilin  und  Aussig,  durch  welches  die  nordwestlichen  Ausliiufer 
des  Gebirges,  der  Hohenzug  von  Bilin  zum  Prohner  Berg,  der  Wachholderberg- 
riicken  im  Siiden  von  Teplitz,  der  mit  dem  Teplitzer  Schlossberge  endigende  We- 
schener  Riickcn  abgetrennt  werden.  Geschieden  durch  das  untere  Bielathal  und 
die  Braunkohlenmulde  folgt  nordlich  zwischen  der  Elbe,  dem  Erzgebirge  und  Eu- 
lauthale  die  sogenannte  Aussiger  Platte  mit  dem  Gratschen  (352  m),  Plankenstein 
(545  to)  und  Harraberg  (494  to)  und  der  davou  durch  das  Kleischbachthal  abge- 
trennte  Riickcn  des  Strisowitzcr  Berges  (341  to)  ostl.  von  Karbitz.  Wiihrend  auf 
der  Nordwestseite  sohin  mehr  langgezogene,  weststreichende,  hie  und  da  von 
Kuppen  besetzte  Ausliiufer  vorkommen,  lost  sich  der  Gebirgskorper  auf  den  an- 
deren  Seiten  des  Gebirges  in  cine  Menge  dom-kcgel-kuppelformige  einzelne  Berge 
auf,  welche  gegen  die  Flussthiiler  der  Eger  und  Elbe  hin  immer  weiter  ausein- 
andertreten,  mit  dicsen  aber  keineswegs  ihr  Ende  erreichen.  Als  die  auffallendsten 
mogen  unter  den  vielen  genannt  werden:  Der  Lobosch  (572  to),  Suttomcr  Berg 
(503  to)  bei  Lobositz,  der  Kostial  (488  m),  Werschetin  (460  to)  bei  Trebnitz, 
Hasenburg  (417  to)  bei  Libochowitz,  der  Kozower  Berg  (356  to),  Oblik  (509  to), 
Rannayer  (455  to)  und  Milayer  Berg  (509  to)  bei  Laun.  Daran  schliesst  sich  auf 
der  Westseito  noch  der  Borscheu  bei  Bilin  (538  m). 

Der  nordiistliche  Theil  des  Mittelgebirges  hat  einen  anderen  Charakter. 
Mit  steilen  Riindern  gegen  Siiden  und  Siidosten  abfallend  hat  dasselbe  weitmehr 
den  Charakter  eincr  breiten  Hochfltiche  von  ziemlich  gleicher  Hoho,  welcher  ein- 
zelne dominirende  Kuppen  wie  der  Warhoscht  (640  m),  liohe  Wostrey  (585  m), 
Matzenstein  (587  m),  Zinkcnstein  (684  to),  Tannbusch  bei  Bensen  (527  m),  Gottes- 
berg  (554  to),  Matzelig  (666  to)  bei  Wernstadt,  Hutberg  (589  to),  Kosel  (596  m) 
bei  Bohm.  Leipa,  aufgesetzt  sind,  und  die  selbst  wieder  durch  tiefgehende  Thal- 
risse,  die  sich  mit  Ausnahme  des  Wernstadter  nach  Osten  herabfiihrenden  Thales 
durchwegs  westwiirts  gegen  das  Elbethal  offnen,  in  lange  vorwiegend  nordweststrei- 
chende  Hohenrucken  zertheilt  ist.  Durch  das  enge  Thai  des  Polzen,  in  welches 
der  Muss  westl.  von  Bohm.  Leipa  tritt,  wird  ein  nordostlicher  Gebirgstheil  zwischen 
Tetschen,  Bohm.  Kamnitz  und  Bohfn.  Leipa  gelegen  abgetrennt,  der  durch  das  breite, 
von  Markersdorf  nach  Bensen  fiihrende  Thai  in  eine  klcinere  westliche  und  grossere 
ostliche  Hiilfte  zerfallt,  aus  den  gleichfalls  einzelne  Kuppen  hervorragen  [Hofberg 
(534  to)  bei  Sandau,  Wolfsberg  (634  to),  Frostberg  (591.  to),  Schlossberg  (544  to) 
bei  Steinschiinau  und  Bohm.  Kamnitz  u.  s.  \v.| 

In  nordostlicher  Richtung,  von  Bohm.  Kamnitz  nach  Kreibitz-Georgenthal, 
Wanisdorf  hin,  hist  sich  das  bis  dahin  mehr  geschlossene  Gebirge  in  zahlreiche 
einzelne  Kegelbcrge  auf,  wie  der  Kaltenberg  (731  to),  Ahrenberg  (105  to),  Himpel- 
berg  (633  to),  gr.  Buchberg  (732  to),  Tannberg  (770  to),  Finkenkoppe  (789  m), 
Lausche  (791  to)  an  der  Landesgrenze  im  Norden,  und  weiter  im  Osten  der  Kleis 
(755  m)  bei    Haida,    der    Ortelsberg  (550  to)   bei    Burgstein,   die  Kegelberge  bei 


24 

Bohm.  Leipa,  der  Ronberg  (551  m)  und  Wilhoscht  (610  m)  bei  Graber,  G-eltsch 
(725  m)  bei  Levin  und  die  Auschaer  und  Leitmeritzer  Kuppen,  von  denen  der 
Radebeule  an  der  Elbe  (Radobyl)  (379  m)  als  letzter  genannt  werden  mag. 

Das  bShmische  Mittelgebirge  ist  vorwiegend  aus  basaltischen  Gesteinen 
aufgebaut,  welchen  sich  Tephrite  und  Phonolithe  anschliessen.  Trachyte*)  sind  nur 
selten,  Andesite  bisher  gar  nicht  nachgewiesen. 

Unter  den  basaltischen  Gesteinen  unterschied  Boricky  Magma-,  Nepkelin-, 
Leucit-,  Feldspathbasalte  und  Tracliy-  und  Tachylitbasalte.  Das  Niiliere  hicriiber 
moge  a.  a.  0.  nachgesehen  werden.  Die  letztgenannten  entsprochen  der  gegenwartig 
mit  den  Namen  Tephrit,  Basanit,  Limburgit  und  Augitit  bezeichneten  Gesteinen. 
Zu  den  Leucitbasalten  rechnet  Boficky*  auch  die  von  ihm  „Peperinbasalte"  genaunten 
Gesteine,  „welcbe  als  crhiirteter  Lavaschlamm  zu  betrachten  sind".  Darnacli  schon 
sind  sie  wold  richtiger  unter  die  Tuffe  zu  stellen.  Unter  den  Phonolithen  werden 
zwei  Gruppen,  Nepbelin-,  Leucit-  und  Nosean-Phonolithe,  in  denen  der  Sanidin  zu- 
riicktritt,  und  an  Sanidin  reiche  Gesteine,  in  welchen  die  vorgenannten  Mineralien 
minder  entwickelt  sind,  unterschieden.  Zu  ihnen  treten  noch  Plagioklas  ftihrende, 
an  Nepbelin  armere  Gesteine,  welche  Hibsch  als  tephritoid-trachytische  Phono- 
lithe  unterscheidet.**)  Auch  hier  moge  das  Niiliere  in  Boficky's  einschlagiger  Ar- 
beit nachgesehen  werden. 

Zu  den  vulkanischen  Auswurfsmassen,  welche  das  Mittelgebirge  aufbauen, 
gehoren  die  basaltischen  Tuffe,  welche  theils  geschichtct,  und  dann  zuweilen  Ge- 
schiebe  fuhrend,  theils  ungeschichtet  mit  Basalt  und  Schlackbrocken  gemengt  vor- 
handen  sind,  denen  auch  die  sogenannten  Basaltwacken,  braune,  mehr  weniger 
thonige  Gesteine  mit  eingestreuten  Augit-  und  Biotitkrystallen,  zugehiiren. 

Im  Aufbau  des  Gebirges  selbst  ist  zuniichst  der  Untcrgrund  der  cruptiven 
Massengesteine  zu  erwfthnen.  Dieser  tritt  an  vielen  Stellen  sowohl  im  Innern  als 
auch  an  den  Riindern  zu  Tage. 

Als  die  altesten  Glicder  des  Untergrundes  sind  die  im  Anhange  zu  der 
Erliiuterung  des  krystallinischen  Randgebirgcs  (S.  18)  besprochenen  krystallinischcn 
Schollen  von  Bilin,  Watislaw,  Mileschau  und  Tschernosek  zu  nennen.  Weit  verbrei- 
teter  sind  jedoch  die  Ablagerungen  der  bcihmischen  Kreidei'ormation,  vorwiegend 
der  turonen  und  senonen  Abthcilung,  Iser-,  Teplitzer-  und  Priesener  Schichten  und 
Grossskaler  Sandstein.  Um  den  ganzen  siidlichcn  Rand  des  Gebirges  von  Bohm. 
Leipa  nach  Leitmeritz  an  die  Elbe  und  weiter  fiber  Lobositz,  Trebnitz  nach  Laun 
und  hier  auf  der  Westseite  aufwiirts  nach  Bilin  sieht  man  allenhalbcn  die  Priesener 
Schichten  als  unmittelbare  Unterlage  der  Basal tberge  hervortreten.  Zwischen  Dux 
und  Teplitz  breiten  sich  bei  Hundorf  und  Loosch  die  Auslaufer  des  Mittelgebirgcs 
iiber  die  Teplitzer  Schichten  (Planer  Kalk)  aus.  Auch  zwischen  Bodenbach  und 
Kimigswald  liegen  unter  den  Basal  ten   der  Aussiger  Platte  die  Priesener  Merge!. 


*)  J.  E.  Hibsch,  Ubcr   einige  minder  bekannte  J'iruptivgesteine  des  bohm.  Mittelgebirge s, 

Tschermak,  Mineral.-petrogr.  Mitth.  IX.  Bd. 
**')  J.  E.  Hibsch,  Geol.  Aufbau  d.  b.  Mittelgeb.  a.  a.  0.,  S.  405. 


25 

Sie  bildeo  auch  noch  emeu  schmalen  Zug  l&ngs  des  Quadergebirges  von  Tetschen 
nach  bohm.  Kamnitz.  Weiter  nordlicb.  treten  die  vereinzelten  Ausliiufer  aus  dem 
Mittelquader  (Iserstufe),  und  in  Mirer  Ausbreitung  gegen  Nordosten  bin  aus  dem 
Grossskaler  Sandstein  (Ohlomeker  Stufe)  horvor.  Im  Inuern  des  Gebirges,  abge- 
sehen  von  dem  siidlichston  Theilc  fehlen  die  Kreideablagerungen,  nur  boi  Kojetitz 
gegeniiber  von  Aussig  zeigt  sich  eine  kleine,  stark  zertrllmmerte  Scholle. 

Den  Kreidebildungen  unmittelbar  aufgelagert  siud  die  Glieder  der  tongri- 
schen  Stufe  der  bohm.  Braunkolilenformation,  der  aus  wcichen,  lockeren  Scbichten, 
untermischt  mit  harten,  quarzitischen  Biinken  bestehonde  Braunkohlensandstein,*) 
welchem  sich  stollenweise  DiatomaceenschMer**)  (Polirschiefer)  und  Thone  dann 
wenig  machtige  Brauakohlen-  (Pechkohlen)  Flo'tze  zugesellen.  Uberall,  wo  innerhalb 
des  (!d>irges  die  Thaler  his  auf  dio  Unterlage  ausgcspiilt  und  nicht  mit  quartiiren 
Ablagerungen  bedeckt  sind,  treten  diese  Gcbilde  zu  Tage.  U.  z.  vorwiegend  in  der 
nordliche  Halfte  des  Gebietes,  im  Elbethal  ura  Aussig,  in  der  Teplitzer  Gegend 
u.  s.  w.  Im  Norden  von  Leitmeritz  erscheint  die  ganze  Keihcntolge  des  Unter- 
grundes,  die  Kreidestufen  bei  Pokratitz,  Braunkohlensandstein  bei  Skalitz,  Schiit- 
tenitz,  Diatomaceenschiefcr  im  Jcsuitengraben,  unter  den  Basalten  des  Langen-  und 
Kreutzberges  blosgolegt.  Im  siidwestlichen  Thoile  treten  nur  einzelne  Inseln  der 
Braunkohlengebilde  bei  Webeschan  und  in  der  Bielagegcnd,  dann  seitwiirts  von 
Meronitz  und  Merslitz  auf.  Die  darin  vorkommeuden  Pechkohlenfiotze  bei  Salesl, 
wo  sie  von  Basaltgiingen  durchsetzt  und  verkoakt  sind,  bei  Wernstadt,  LeAvin,  Pa- 
skopole,  Meronitz  u.    s.   w.  sind  odor  waren  an  manchen    dieser    Ortc   in   Abbau. 

Da  sich  auf  diesen  dem  Mitteloligocaen  angehorigen  Ablagerungen  die 
eruptiven  Massen  des  Mittelgebirges  ausbreiten,  ist  fiir  die  Bildungszeit  desselben 
in  Fingerzeig  gegeben.  Sio  fiillt  in  das  Oberoligecaen,  in  die  aquitanische  Stufe. 
Von  Boficky  wurden  in  der  Bildungsreihe  drei  Altersstufen  der  Basalte  unter- 
schieden,  der  iiltesten  gehoren  Nephclinoide,  Leucitoide  und  Magmabasalte  an. 
An  der  Scheidegrenze  stehen  die  Feldspathbasaltc.  Erstere  bilden  in  der  Kandzone 
Berg-  und  Hiigelketten  und  einzelne  Berge,  im  Innern  Strome  und  Stocke,  letztere 
bilden  ebenfalls  einzelne  Kuppen,  die  stellenwcisc  sich  in  einer  geraden  Linie  anein- 
andorreihen.  In  die  zweite  Alterspcriode  fallen  die  von  Boficky  als  Andesit-  und 
I'lumolithbasalte  bozeichneten  Gesteinc,  bcsonders  in  der  Aussiger  Platte  entwickelt, 
ferner  Leucitbasalte.  Die  dritte  Altersperiode  umfasst  die  Trachy-  und  Tachylyt- 
basalte.  Erstere  treten  vorzugsweise  im  bohm.  Mittclgebirge  zwischen  Aussig  und 
Tetschen  auf.  Sie  bilden  meist  nur  Giinge  in  den  iilteren  Gesteinen.  Naheres  hier- 
iibcr  und  ebenso  iibor  die  von  Boficky  gefundeue  Abbruchlinien  inoge  in  seinem 
Buche***)  nachgesehen  wcrden. 


*)  Hera.   Engelhardt,   Tertiiirpflanzen    a.    d.   Leitmeritzer  Mittclgebirge.    Nov.  act.  Carolo 

Leop.  1870,  beschreibt  die  Flora  derselben. 
**)  Aus  dem  Diatomaceenschiefer  von  Sulloditz  boschrieb  V.  Bieber  (Sitzber.  kais.  Akad. 
d.  W.  LXXXII.  Bd.,  1880.,  S.  101  ft,,  Reste  von  Batrachiern,  die  Flora  dieser  Ablage- 
rungen J.  Wentzel  (Fbenda  LXXXVIII.  lid.,  1881.,  S.  241.  ft'.). 
***)  Borickft  Basaltgesteine,  Seite  212  S. 


26 


Ahnlich  bemerkt  Hibsch:*)  „Die  altesten  Eruptivmassen  gehoren  basal- 
tisclien  Gesteinen,  basaltoideii  Tephriten  und  Basaniten  an.  Diese  Gesteine  treten 
vorzugsweise  in  Stromen  und  ausgebreiteten  Dockon  auf.  Am  Rande  des  Mittelge- 
birges  sind  manchc  dicso  Strcime  durch  spatere  Erosion  zum  Theil  zerstort  und  es 
halt  oft  schwer  zu  entscheideu,  ob  man  cine  Quellkuppe  oder  einen  Theil  cines 
Stromes  vor  sicli  hat.  Im  Innern  des  Gebietes  lassen  die  Eruptivmassen  einen 
besseren  Zusammenhang  erkennen." 

Beziiglich  der  Phonolithe  bemerkt  Boricky,— )  dass  sie  unzweifelhaft 
jiinger  sind  als  die  Basalte  der  1.  u.  2.  Periodc,  da  sie  aus  dicscn  kuppenfSrmig 
hervorragen.  Die  Phonolithe,  sagt  Hibsch,  sind  in  Form  von  Stocken,  iniichtigen 
kurzen  Stromen  ttber  das  ganze  Mittelgebirge  verbreitet.  Im  Innern  des  Gebirges 
schalcn  sich  die  Phonolithstdcke  allniiilig  aus  einer  Hiillc  von  Tuffen  oder  festen 
Eruptivmassen  heraus.  In  der  Peripherie  des  Mittelgebirges  ist  die  Entkleidung  der 
I'honolithmassen  beendet,  und  dieselben  iiberragen  als  Pom,  Kegel  u.  s.  w.  ihre 
Umgebung.  Im  Mittelgebirge  erkennt  man  derzeit  eine  schr  grosse  Anzahl  einzelner 
Ausbruchstellen  der  Eruptivmassen.  Heute  sind  die  grossen  Vulkane  des  Mittelge- 
birges zum  grdssten  Theile  zerstort  und  abgetragen.  Nur  ihre  Ruinen  stehen  noch, 
aus  denen  der  ehemalige   Aufbau   nur   schwer  und  miihevoll  zu  erkennen  ist.***) 

Die  Biiden  und  Boschungen  der  Bcrglehnen  der  weiten  Mittelgebirgsthiiler 
sind  mit  quartaren  Ablagcrungen  bodeckt.  Das  altcstc  Quartiir,  vorwiegend  aus 
Quarz  und  Quarzit  bestehende  Gcschiebe-Schotter,  erreieht  eine  Seehohe  von  ttber 
2G0  m,  das  niichst  jtingere  iiber  200  m  Seehohe.  Letzteres  gleichfalls  Schotter 
f'iihrt  am  Nordrande  des  Gebietes  Feuersteinspahne.  Noch  jiingere  Ablagerungcn 
aus  groben  Geschiehen  von  Mittelgebirgsgesteincn,  Gneissen,  cambrischen  Kiesel- 
schiefcru,  Quarzen,  Kreidegesteinen  u.  s.  w.,  zuweilen  moranenartige  ungeschichtete 
Willie  bildend,  dann  Sande  und  sandige  Lehme,  Aulehm  und  Loss,  mit  Resten 
grosser  Saugothiere,  Elephas  priniigenius  Blbch.,  Rhynoceros  antiquitatis  Guv., 
Equus  caballus  fossilis  Bch.,  Ibex  priscus  Woldfich,  dann  von  kleinen  Nagern 
Arctomys  Bobac  fossilis  Nhrg.,  Alactaga  jaculus  fossilis  Nhrg.,  grossen  und  kleinen 
Raubthieren  u.  s.  w.f)  bilden  das  Ende  der  Reihe  und  liegen  zumeist  an  den  Bo- 
schungen und  auf  der  Sohle  der  Thaler  selbst. 

Eine  ganz  eigenthumliche  Art  unter  den  quartaren  Ablagcrungen  des 
bohm.    Mittelgebirges    bilden    dies   Pyropen    fiihrende   Sande    am  Siidabhange   des- 

*)  Hibsch,  Geol.  Aufbau,  d,  b.  Mittelgebirges  a.  a.  ().,  S   402. 
**)  IioHcky,  Petrogr,  Stud.  a.  Phonolithgesteinen,  S.  65  IV. 

***;  Hibsch,  Allgem.  geol.  Aufbau  d.  b.  Mittelgebirges,  a.  a.  0.  S.  401  ff,  Eine  Cbersicht 
der  die  Basaltgesteine  Bohmens  betreffenden  Abhandlungen  und  Notizcn  gibt  B  o  f  i  c  U  y 
in  seinen  petrog.  Studien  an  Basaltgesteinen  S.  262.  Man  vergleiche  auch  L  a  u  b  e,  Ge&log. 
Kxcursionen  im  bohm.  Thermalgebiet,  Leipzig  1884.  Umgebung  von  Toplitz,  Scite  18  if. 

t)  Gustav  (!.  Laube,  liber  einen  Fund  diluvialer  Thierreste  im  Elbloss  bei  Aussig.  Sitzb. 
math.-nat.  K.  bohm.  Gesellschaft  d.  Wiss.  1874.,  Josef  Kafka,  Recente  und  fossile  Nage- 
thiere  Bobmens.  Archiv  der  mit,  l.andcsdurchf.  VII [.  Bd.  5.  A.  Nehring,  Einige  Nofeen 
fiber  die  pleistocaene  Fauna  v.  Turmitz  in  Bohmen.  Neucs  Jahrb.  f.  Mineralog.,  Geol. 
u.  Palaeontol.  1894.  II.  Bd.  S.  288.,  J.  N.  Woldfich  0  fossilnim  kozorozci,  Vestn  k.  o 
spol.  nauk.  tf.  math.-ph'rod.  1894.  XXIII. 


27 

selben  bei  Tfibliz,  Tlaschkowitz,  Skalken  westl.  v.  Trebnitz,  welche  dor  Haupt- 
sacbe  nach  aus  zerstSrten  Kreide-Priesenerschichten  bestehen,  denen  Pyropen,  Hya- 
cinthe  und  andere  Edelsteine  beigemengt  sind.  Endlich  die  an  Bittersalz  reichen, 
aus  umgelagerten  und  zersetzten  Braunkoblenscliichten  bestehende  Ablagerung  auf 
dor  Wcstseite  des  G-ebirges  bei  Sellnitz,  Saidschitz  und  Sedlitz. 

Die  vulkanische  Thatigkeit  der  Erde,  welche  in  der  Mitte  der  Tertiiirzeit 
das  Mittelgebirge  hervorbrachte,  hat  sich  keineswegs  auf  dcssen  Gebiet  allein,  son- 
dern,  wenn  audi  im  verminderten  Grade,  auf  die  nordlich  e  Hiilfte  von  Bohmen 
erstreckt. 

Wie  oben  bemerkt  worden  ist,  riicken  die  Kegelberge  des  Mittelgebirges 
an  dcssen  Umfang  auf  der  Siid-,  Ost-  und  Nordseitc  immer  weiter  auseinander 
und  an  sie  schliessen  sich  endlich  die  unziihligen  einzelnen  Kegelberge  an, 
welche  in  der  ndrdlichen  Halfte  des  Landes,  bis  in  die  Gegend  von  Prag,  vor- 
nehmlich  aber  im  Gebiete  der  bOhmischon  Kreide,  nordlich  von  der  Elbe  bis  an 
die  Randgebirge  verstreut  sind,  die  man  daher  als  weitliin  versprengte  Ausliiufer 
jenes  Gebirges,  mit  welchem  sie  im  Stoff  und  Alter  einheitlich  sind,  anzusehen  be- 
rechtigt  ist.  Dicse  Berge  haben  in  Bezug  auf  die  Gestaltung  der  Obcrfliiche  des 
Landes  einen  hervorragenden  Einrluss,  indem  sie,  wie  man  leicht  aus  der  Richtung 
der  Erosionsthiller  in  der  Kreide  crkennt,  eine  conservirende  Wirkuug  auf  ihre 
Umgebung  ausiibten,  und  sie  bis  in  eine  gewisse  Entfernung  vor  der  Abtragung 
schiitzten. 

Bei  den  meisten  aus  Basaltgestein  bestehenden  findet  sich  am  Fusse  ein 
Tuffmantel  ausgebreitet,  bei  vielen  damnter  auch  noch  Reste  jiingerer  Kreide- 
schichten  —  vorwiegcnd  Pricsenerschichten  —  erhalten,  die  andcrwiirts  allenthalben 
verschwunden  sind.  Solche  erhaltene  Unterlagen  zeigt  der  Rosenberg  im  Elbesaud- 
steingcbirge,  zalilreiche  Kuppen  bei  Bohm.  Leipa,  der  Rouberg  bei  Graber,  der 
Tachaberg  bei  Woken,  die  Bosige  bei  Weisswasser,  der  Wratner  Berg,  die  Hasen- 
burg  bei  Libochowitz  u.  a.  m.  Die  Mehrzahl  der  verstreutcn  Kegelberge  besteht 
aus  basaltischen  Gcsteineu,  aber  auch  Phonolithe*)  fehlen  nicht.  Hiebei  zeigt 
sich  im  Norden  des  Mittelgebirges,  dass  die  im  Elbesandsteingebirge  aufsitzenden 
Kuppen  durchwegs  aus  ersteren,  die  im  Streichen  des  Gebirges  dagegen  zwischen 
Kreibitz  und  Zwickau  gelegenen  Kegelberge  bis  an  die  Lausche  und  an  den  Hoch- 
wald  aus  letztcren  bestehen.  Von  da  ab  siid-  und  siidost-  und  westwiirts  stehen 
fast  durchwegs  Basaltkegel,  nur  an  den  Riindern  der  grossen  von  Graber  nach 
Hirscbberg  ziehenden  Senkung  machen  sich  Phonolithe  bemerkbar  u.  z.  der 
Wilhoscht,  Maschwitzer-,  Tachaberg  auf  der  Siidwest-,  der  Lange  Berg  bei  Miicken- 
hahn  und  die  Bosige  auf  der  Nordostseite  derselben.  Ganz  vereinzelt  liegt  die 
Phonolithkuppe  des  Wratner  Berges,  nordlich  von  Mscheno  auf  der  Wasserscheide 
zwischen  Elbe,  Iser  und  Polzen. 

Diesscits  der  Elbe  und  Eger  fiillt  noch  der  weit  nach  Siiden  vorgescho- 
bene,  aus  Nephclinbasalt  bestehende  St.  Georgsberg**)  (Rip)  bei  Raudnitz  auf, 


*)  Man  vergloiche  iiber  die  Geateine  einzelner  dieser  Berge  Boficky's  Arbeiten. 
**)  0.  Zakilka,  Geologicka  mapa  a  goologicke  profily  okoli  ltipu.  V  Roudnici.  1894. 


28 


welcher   als   raiichtiger   stcil   nach   alien   Seiten   abfallender  Felsklotz  aus  den  zu 
seinen  Fiissen  ausgebreiteten  Mallnitzer  Schichten  hcrvorragt. 

Schliessiich  habcn  wir  uoch  einer  der  grossartigsten  Gangbildungen,  der 
Teufelsmauer**)  zwischen  Oschitz  und  Bohm.  Aicba,  zu  gedenken.  Der 
mit  diesem  Namen  bezeichnete  Gesteinsgang  besteht  aus  Nephelinbasalt  und  ragt 
in  Form  einer  gewaltigen  Mauerruine,  die  aus  etwa  2  m  langen,  horizontalgela- 
gerten  Saulenstiicken  besteht,  5 — 10  m  iiber  den  durcbsctztcn  Quadersandstein 
empor.  Er  beginnt  bei  deni  Dorfe  Wesetz  bei  Bohm.  Aicha  und  liisst  sich  bis 
Kiidey  (8  Kilora.),  von  hier  weiter  als  Graben  iiber  Strassdorf  bei  Hiibnerwasser 
bis  gegen  den  Bosig,  im  Ganzcn  nahezu  20  Kilom.  weit  verfolgen,  wobei  er  ein 
NO-SW  gericbtetes  Streichen  einhalt.  An  den  Beruhrungsstellen  mit  dera  Ba- 
saltgestein  sind  die  Sandsteine  gefrittet  und  zeigen  saulenformige  Ablt'isung. 

Ein  zur  Teufelsmauer  parallelcr  Basaltgang  tritt  etwas  siidostlich  davon 
beim  Dorfe  Javornik  bcrvor  und  liisst  sich,  obwohl  weitweniger  auffallig  als  jener, 
bis  gegen  Budikow  fast  6  Kilom.  weit  verfolgen. 


*)  Fr.  Wurm,  Die  Teufelsmauer  zwischen  Oschitz  mid  Bohm.  Aicha,  B,  Lcipa,  1884. 


III.  Bemerkungen  zu  den  auf  der  geologisohen  Karte 
Sect.  II.  auftretenden  Sediment-Formationen. 


Von  Prof.  Dr.  Ant.  Fric. 


Den  grossten  Theil  des  vorliegenden  Blattes  decken  die  Ablagerungen  der 
Kreideformation,  welche  in  der  ostlichen  Hftlfte  durch  das  eruptive  Mittelgebirge 
von  (lem  Erzgebirge  mid  den  writer  nordlich  liegonden  Partien  der  Kreideforma- 
tion getrennt  wird.  In  der  oestliclion  Hiilfte  grenzt  die  Kreideformation  an  die  Ur- 
gebirgspartie  von  Rumburg,  Hainspach  und  an  die  von  Reichenberg-Friedland. 

Die  Permformation  1st  nur  an  wenigen  Puncten  zu  treffen  und  die  Abla- 
gerungen der  Tertiarformation  in  zerrissenen  Brocken  im  Bereicbe  des  Mittel- 
gebirges  zerstreut. 

Die  Diluvial-  und  Alluvialgcbilde  begleiten  die  grossen  Fliisse  und  fiillen 
die  Thaler  der  Kreide-  und  Tertiargebiete.  Torfablagerungen  Bind  nur  im  Erzgc- 
birge  dann  zwiscben  Dox  und  ostlich  von  der  Iser  zwischen  Turnau  und  Jung- 
bunzlau  zu  finden. 

Die  Silurformationist  durch  Gesteine  angedeutet,  welche  den  Schiefern 
und  Quarziten  des  unteren  Silurs  ahnlich  sind,  aber  gar  keine  Petrefacten  onthalten. 
Man  trifft  sie  am  nordlichen  Ende  des  Jeschkengebirges  z.  13.  hiuter  den  steil 
gehobenen  cenomanen  Schichten  am  Trogelsberge  bei  Pankratz,  westlich  von  Rei- 
chenberg. 

Ebenso  fraglichen  Alters  sind  die  schwarzen  Kalksteine,  welche  bei  Neu- 
sorge  ausgebeutet  werden  und  welche  Crinoidenstiele  enthalten.  (Archiv,  Band  I., 
pag.  257.) 

Die  Permformation  tritt  sudlich  von  der  Eger  uuter  der  Kreidefor- 
mation in  tiefcn  Thaleinschnitten  zu  Tage.  Hei  Stradonic  nordlich  von  Peruc 
enthalt  sie  kalkige  Lager  mit  Walchia  und  Fischschupen,  und  entspricht  dem 
Braunauer  Horizonte.  Ahnliche  Stellen  bei  Horan  lieferten  keine  Petrefacten. 

Ein  schmaler  Streifen  zielit  sich  am  Fusse  des  Jeschkengebirges  von  Lie- 
benau  gegen  Svfitla  Inn,  aber  auch  da  ohne  Petrefacten. 


30 

Audi  die  rothon  Thono,  wclchc  die  Jurakalke  bei  Zeidler  (Stern- 
berg) unweit  Schonlinde   begleiten   sollcn  der  Permformation  angehoren.   „Bruder" 

Lotos  1886. 

Die  J  u  information  tritt  nur  in  einem  schmalen  Streifen  an  der  Grenze 
zwischen  der  Kreideformation  und  dem  Urgebirge  in  der  Niilic  von  Schonlinde  auf. 

Brocken  dieses  Streifeus  lassen  sich  von  Zeidler  iiber  Khaa  bis  Daubitz  nach- 
weisen,  obnc  dass  ihr  Zusammenhang  derartig  klar  ware,   wie   es  der  Streifen  auf 

der  Karte  darstellt. 

Im  Arcliive  fiir  Landesdurchforschung  geschah  scbon  im  I.  Bande,  II. 
(Seite  1.0.  und  24.)  Erwahnung  von  dieser  interessanten  sonst  in  Bohmen  nirgend 
auftrctenden  Formation.  Spater  schrieb  dariiber  Prof.  Lenz  und  in  neuerer  Zeit 
wurden  die  namentlich  bei  Zeidler  aufgefundenen  Petrefacten  von  Dr.  Bruder  in 
einer  Reihe  von  kleineren  Abhandlungen  besclirieben. 

Eine  zusammenfassende  kurze  illustrirte  Ubersicht  wird  fiir  das  Arcliiv 
fiir  Landesdurchforschung  vorbcreitet. 

Ms  sind  von  den  Juraschichten  drei  palaeontologische  llorizonte  vertreten 
und  bisher  138  Arten  bekannt,  die  Theils  im  Museum  (Weissische  Sammlung) 
thcils  im  Geol.  Kabinet  der  Deutschen  Univcrsitat  in  Prag  aufbewahrt  sind. 

Diese  Arten  gehoren  nach  Bruder  folgenden  4  Stufen  an. 

A.  Kelloway-Gruppc  12   Arten. 

B.  Biarmatus  und  Trans versarius  Stufe.  2  Arten. 
(J.  Bimammatus-Stufe.  73  Arten. 

D.  Tenuilobatus-Stufe.  47  Arten.  (Verg.  Lotos  1880).  Die  gesammte  Lite- 
rate iiber  den  B.  Jura  findet  man  in  Dr.  Bruder's  Schrift  iiber  den  Jura  von 
Hohenstein.  Kaiserl.  Akad.  Wien  1885. 

Die  Kreideformation,  welche  den  griissten  Theil  unseres  Blattes 
einnimmt,  wurde  in  einer  lleibe  von  Studien  im  Archive  behandelt,  auf  welche  wir 
uns  hier  bloss  berufen  konnen. 

Die  Perucer  Sell  ich  ten  treffen  wir  auf  der  Permformation  gelagert 
siidlich  von  Laun  und  bei  Peruc,  wo  in  die  Quadersande  gram!  Schiefertlione  mit 
zahlreichen  Pflanzenresteu  eingelagert  sind. 

Weiter  (istlich  bei  M.seno  liefertei)  die  schwiirzlicben  Thonschiefer  schonc 
Farrenreste,  die  von  Corda  besclirieben  wurden  und  die  bei  Charvatec  einst  in 
grossem  Maasstabe  ausgebreiteten  (Juadersande  licferten  das  Material  zuin  Aufbau 
der  Festung  Theresienstadt. 

Am  ostlichen  Rande  des  behandelten  Blattes  treten  die  Perucer  Schichten 
in  Contact  mit  Porphyr  und  von  demselben  roth  gefiirbt  bei  Dohinka  unweit  I j Lc- 
bonau  auf,  wo  sie  reich  an  schonerhaltenen  Pflanzenresten  sind. 

Vergl.  Velenovsky :  „Dic  Flora,  dor  bohm.  Kroideformat  ion."  (Bei- 
triige  zur  Palaeontologie  von  Oesterroich-Ungarn,  herausgegeben  von  Edmund  von 
Mojsisovics  u.  M.  Neumayr.  Band  TT.     V.  1881 — 85  Wien.    „Kvetena  deskSho 


81 

cenomanu".    Rozpravy   Krai.    Oesk6   Spolecnosti   Nauk.     VII.  fady   svazek   3. 
V  Praze  1889. 

Die  Korycaner  Schichten  (Archiv  fur  Landesdurchf.  Band  I.  p.  189) 
lagern  mit  ihrer  Meeresfauna  den  Perucer  Schichten  auf,  odor  liegen  direkt  am 
Urgebirge  odor  alteren  sedimentaren  Formationen. 

Zwischen  Peruc  und  Libochovic  (z.  B.  bei  Prestavlk)  liegen  sie  durch 
Trigonia  sulcataria  charakterisirt,  als  grttnliche  Quader   auf  den  Perucer  Schichten 

In  der  Gegend  von  Bilin  liegen  die  Korycaner  Schichten  in  Form  von 
Mergeln  in  den  Schillingen  direkt  auf  deni  Urgebirge,  von  wo  Reuss  eine  grosse 
Menge  von  Petrefacten  beschrieb.  (1.  c.  p.  221.)  Bei  Kuclin  waren  sie  einmal  in 
Form  von  Hypuriten-Conglomeraten  zuganglich.  In  der  Niihe  von  Teplitz  trifft  man 
sie  auf  Kluften  des  Porfyrs  als  Conglomerate  und  Hornsteine,  bei  Weisskirchlitz 
reich  an  Petrefacten  in  der  mergligen  Facies  ahnlich  wie  auf  den  Schillingen  bei 
Bilin.  Am  Fusse  des  Erzgobirges  sind  sie  ziemlich  gehoben  als  Quadersande  mit 
Exogira  columba  Pinna  etc.,  wie  man  das  z.  P.  bei  Rosenthal  beobachten  kann. 
(1.  c.  p.  219.) 

Nordlich  von  Leitmeritz  liegen  die  Korycaner  Schichten  direkt  auf  den 
Phylliten  der  Urgebirgsinsel  bei  der  Hradeker  Kapelle  und  am  Fusse  des  Straziste- 
berges.  Bei  Bodenbach  wurden  einmal  nnter  den  Quadern  mit  Inoceramus  labiatus 
auch  cenomane  Schichten  mit  Pecten  asper  aufgeschlossen.  Fine  reiche  Fauna  dieser 
Schichten  wurde  (lurch  Geinitz  und  Reuss  aus  den  weissen  plattigen  Sandsteinen 
bei  Tissa  bekannt  (1.  c.  p.  217)  und  Reste  von  Rudisten  wics  ich  am  Spitzberg 
bei  Peterswalde  nach. 

Dann  finden  wir  noch  die  cenomanen  Quader  steilgchoben  bei  Pankrac  am 
nordlichen  Ende  des  Jeschkengebirges,  wo  sie  am  Trogelsberge  Pecten  aequicostatus, 
Exogira  columba  und  Echinolampas  geliefert  haben.  (1.  c.  p.  216.) 

Die  We  issenberger  und  Mallnitzer  Schichten  (Archiv  IV.  Band 
Nr.  1)  deckcn  das  Hochplateau  zwischen  Laun  und  Raudnitz  und  sind  es  nament- 
lich  die  typischen  Wehlowitzer  Bauplaner,  welche  in  vielen  Steinbruchen  aufge- 
schlossen sind.  Nordlich  von  der  Eger  trifft  man  sic  bei  Hradek  unweit  Laun  und 
bei  Tfiblitz.  .  Bei  Laun  lagern  auf  denselbei)  die  Mallnitzer  Griinsande,  sowie  die 
Launer  Knollen  und  die  Avellanensscbichten. 

Beide  Schichten  trifft  man  audi  am  rechten  Ufer  der  Elbe,  wo  sie  unter 
die  Quader  der  Iserschichten  einfallend  die  steilen  Lehuen  bilden,  auf  welchen  die 
Weingarten,  die  den  beruhmten  Melniker  liefern  gelagcrt  sind.*) 

Aus  der  Gegend  von  Tissa  bis  zur  Elbe  sind  die  Weissenberger  Schichten 
in  Form  von  Quadern  mit  Inoceramus  labiatus  entwickelt,  welche  allmiihlig  nach 
Osten  einfallen,  und  am  rechten  Elbeufer  die  Basis  der  zu  den  Iserschichten  geho- 
rigen  Kokofiner  Quadern  bilden. 


*)  In  der  Gegend  Ton  Leitmeritz  ist  bios  die  Basis  der  die  Weinberge  tragenden  An- 
holien  den  Weissenberger  Schichten  angehorig,  dalier  sollen  auf  dem  Blatte  die  tiefblaueD  Strei- 
fcn  scnkreebt  und  niclit  wagerecht  steheH,    denn   oben   sind   die  1'riesener  Schichten    entwickelt. 


32 

Die  am  Fusse  des  hohen  Schneeberges  nachgewiesenen  Schichtcn  rait  Ammo- 
nites Woolgari  reprasentieren  hier  die  Mallnitzer  Schichten  und  der  hohe  Bchnee- 
bcrg  eine  isolirte  Scholle  der  Kokofiner  Quader. 

Im  (Ibrigen  findet  man  auf  unserem  Blatte  die  Weissenbergcr  Schichten 
nocb  am  Ostlichen  Rande  der  Kreideformation  bci  Liebenau  von  jiingeren  Schichten 
bedeckt,  so  dass  sie  auf  der  Karte  nicht  ersiclitlich  gemacht  werden  konnten. 

Die  Iserschicliten  (Archiv  fur  Landesdurchf.  Band  V.  Nr.  2)  finden 
wir  in  ihrer  typischen  Form  als  Quadersande  (Mittelquader)  nur  ostlicb  an 
der  Elbe. 

Sie  deckten  einst  audi  die  Partie  zwischen  dem  linken  Elbeufer  und  Tissa, 
wie  dies  ein  Rest  dersolben  am  Hohen  Schnecborg  nachweist,  wurden  aber  ihrer 
lcichten  Zerfallbarkeit  wegen  abgeschwemrat. 

Sie  bilden  die  obere  Partie  der  maleriscben  Felsen  der  sachsischen  Schweiz 
und  immer  nach  Osten  einfallend,  verschwinden  sie  ostlicb  von  der  Linie  Kreibitz- 
Bohmisch  Kamnitz  unter  den  Quadern  der  Clilomeker  Scbichten,  von  dencn  sie  durch 
die  Thone  der  Priesener  Schichtcn  getrennt  werden. 

Oestlich  von  Leitmeritz  und  Meinik  sind  sie  machtig  entwickelt  bis  zum 
Fusse  des  Jeschkengsbirges  und  bis  in  die  Gegend  von  Tumau.  In  den  tiefen  Fur- 
chungsthiilern,  welche  sic;  durehsetzen,  kann  man  bci  KokoHn  die  zwei  Quaderbanke 
gut  beobachten,  auf  welchen  dann  die  petrefactenreichen  Trigoniaschichten  und  bei 
Kanina  die  Bryozoenschichten  liegen. 

Die  Iser  durchschneidet  diese  Schichtcn  von  Bakov  fiber  Jungbunzlau  bis 
gegen  Benatek  und  weil  hier  ihre  Gliederung  zuerst  klar  wurdc,  benannten  wir  sie 
eben  Iser  scbichten. 

Ihr  palaontologischer  Charakter  wird  erst  in  den  mehr  kalkigen  Trigo- 
nienschichten  klar  und  ist  hier  so  typisch,  dass  die  Behauptung,  dass  die  Iser- 
schicliten nur  eine  Facies  der  Teplitzer  Schichtcn  sind,  nur  eine  durch  nichts  bc- 
griindete  Verrauthung  ist,  welche  durch  dea  Nachweis  des  Vorkoramens  der  Tere- 
bratula  semiglobosa  ii  b  e  r  den  Trigoniaschichten  griindlich  widerlegt  wurde.  (Vergl. 
Teplitzer  Schichtcn  p.  47). 

Die  Teplitzer  Scbichten  (Archiv  fur  Landesdurchf.  Band  VII.  Nr.  2) 
sind  kings  dem  Egerflusse  und  in  der  Gegend  von  Teplitz  in.  ihrer  typischen  Form 
entwickelt,  und  ich  war  bemiiht,  deren  selbstiindiges  Auftreten  auf  dem  Blatte  durch 
rein  blaue  Farbe  ersiclitlich  zu  machen. 

Die  Terebratula  semiglobosa  ist  fur  diese  Schichtcn  das  bezeich- 
nendste  Petrefact,  das  in  den  jiingeren  Priesener  Scbichten  nie  in  anstehenden 
Schichten  vorgefunden  wurde. 

Der  grosse  Kalkgehalt  macbt  diese  Schichten  in  praktischer  Richtung  be- 
merkenswertb,  und  ncben  den  grossen  Kalkbriichen  bci  Teplitz  sind  es  neucrer 
/eit  diejenigen  bei  Lobositz,  welche  vicl  Kalk  zum  Export  liefern.  In  der  typischen 
Kalkstein-Facies  finden  wir  sie  am  rechten  Elbeufer  nur  noch  bei  Leitmeritz  und 
iirmer  an  Kalk  am  Sowiceberg  bei  Raudnitz. 

Yon  da  an  lassen  sie  sicli  ulter  den  1  serscb  i  elite n  nur  als  cine  etwa 
1  m  miichtige  Mergelschichte  unter  den  klingenden  Inoceramen-Pliinern  der  Prie- 
sener Schichten  nachweiseu.    Bei  Uepin   lieferten  sic  Terebratula  semidobosa   und 


33 


die  fiir  die  Teplitzer  Schichten  bezeichnenden  grossen  Exemplare  der  sandigen 
Foraminifere  Hoplophragmium  irregulare.  (Tepl.  Sch.  p.  117,  Fig.  165.)  Ostlich 
zwischen  Miiuchengriitz  und  Podol  machen  sie  sich  an  der  Basis  der  Priesener 
Schichten  durch  eine  Lage  vom  zahlreichen  Ostrea  semiplana  kenntlich. 

Die  Priesener  Schichten  (Archiv  fur  Landesdurchf.  Band  IX.,  Nr.  1) 
sind  auf  unserem  Blatte  vorerst  in  der  Gcgend  zwischen  Bilin  und  Laun  entwickelt, 
woselbst  sich  die  zwei  durch  Reuss's  Arbeiten  klassisch  gewordenen  Fundorte 
Priesen  und  Luschitz  befinden. 

Am  linken  Egerufer  liegen  sie  als  graue,  mehr  oder  weniger  plastische 
Thone  am  Fusse  der  Basaltberge  des  Mittelgcbirges,  welches  sie  bis  iiber  Leitme- 
ritz  b«gleiten.  (Vergl.  Note  auf  Seite  31)  Am  rechten  Egerufer  sind  ihre  spiirlichen 
Reste  zwischen  Postelberg  und  Laun,  dann  bei  Cencic  und  Brozan  zu  fmden.  Bei 
Raudnitz  sind  sie  als  weisse  klingende  Inoceramenplimer  entwickelt  und  behalten 
sie  diesen  Charakter  dann  ostwiirts  an  den  Anhohen  bei  Vysoka,  wo  sie  isolirte 
Inseln  auf  dem  Quaderplateau  bilden. 

Zwischen  Jungbunzlau  und  Bautzen  sind  sie  dann  machtiger  als  graue  Mer- 
gel  entwickelt,  und  kommen  daselbst  iiberall  am  Fusse  der  Grossskaler  Quader  der 
Chlomeker  Schichten,  wo  sie  nicht  durch  die  Sande  der  zerfallenen  Quader  ge- 
deckt  sind,  zum  Vorschein. 

Bei  Bohm.  Leipa  fallen  sie  auch  unter  die  Quader  der  Chlomeker  Schichten 
ein  und  auch  am  westlichen  Rande  derselben,  zwischen  Bohm.  Kamnitz  und  Krei- 
bitz,  treten  sie  unter  den  Quadern  der  Chlomeker  Schichten  bervor. 

Am  Fusse  von  isolirt  stehenden  Basalt-  oder  Phonolitbergen  bilden  die 
Thone  der  Priesener  Schichten  einen  Saum  der  z.  B.  am  Rollberg  bei  Niemes  oder 
beiden  Biisigbcrgen  den  Iserschichten  auflagert. 

Auch  die  kleinen  Basaltkuppen  des  Muzsky  und  Vyskef  bei  Turnau  sind 
von  Thoncn  umgehen,  welche  den  Priesener  Schichten  ahneln  aber  keine  Petre- 
facten  enthalten. 

Chlomeker  Schichten.  Archiv,  Band  II.  p.  129. 

Die  Studie  iiber  dieselben  ist  in  Vorbereitung,  und  es  soil  hier  vorderhand  nur 
darauf  aufmerksam  gemacht  werden,  dass  die  Fauna  ihrer  hochsten  Lagen  mit  der- 
jenigen  von  Kieslingswalda  iibereinstimmt.  Cardium  Ottoi  ist  das  bezeichnendste 
Petrefact.  Die  Quadersande  der  Chlomeker  Schichten  (die  Ueberquader)  liegen  auf 
den  Thonen  der  Priesener  Schichten  und  sind  nur  in  kleinen  Partien  erhalten,  wo 
sie  durch  Basaltkegel  wie  angenagelt  erscheinen.  Auf  unserem  Blatte  sind  es  zwei 
grosscre  Partien,  die  sich  erhalten  haben:  die  eine  zwischen  Jungbunzlau,  Turnau 
und  Jicin,  wo  am  Chlomekberge  bei  Winafic  zuerst  ihr  palaeontologischer  Charakter 
sichergestellt  wurde,  und  dann  nordlich  von  Bohm.  Leipa,  wo  sie  dann  ostlich  von 
Bohm.  Kamnitz  und  Kreibitz  die  machtigen  Quader  bilden,  welche  bis  gegen  Gablonz 
reichen  und  bei  den  Bahiieinschnitten  am  Tannenberge  eine  grosse  Menge  von  Pe- 
trefacten  geliefeit  haben,  welche  mit  denen  am  Chlomekbtirge  iibereinstimmen. 

3 


34 

Die  Tertiarformation  ist  durch  Susswasserablagerungen  vertreten, 
wolche  die  milchtigen  Lager  tier  Braunkohle  enthalten  und  zwischen  dem  Erzge- 
birge  und  dem  Mittelgebirge  gelagert  sind  und  in  kleinen  Partien  slidlich  bis  an 
die  Eger,  ostlich  oberbalb  Leitmeritz  bis  gegen  Bohmisch  Leipa  reichen.  (Vergl. 
Archiv,  Baud  L,  p.  26.). 

Bei  Laun  sind  es  die  durcb  Erdbrande  roth  gefarbten  Gipfel  am  linken 
Egerufer,  welche  dor  Tertiarformation  angeboren.  Die  Flora  derselben  wurde  von 
Dr.  Velenovsky  bearbeitet.  (Abhandl.  kdn.  bohm.  Gesellsch.  d.  Wiss.  .1881.  Bei 
Bilin  der  Trippelberg  von  Kuclin  und  die  in  tecbnisclier  Beziehung  wicbtigen 
Thone  von  Priesen,  welche  dieser  Formation  angeboren. 

Aus  diesen  bescbrieb  Ettingshausen  viele  Arten  von  Pflanzen  und  von  Thier- 
resten  kam  darin  bei  Dux  ein  Crocodil,  die  Lederschildkrote,  Trionyx  und  mehrere 
Fischreste  vor.  Das  nSrdliche  Ufer  der  Braunkohlenmulde  ist  bei  Ossek,  durcb 
die  an  Unionen  reichcn  Sandsteine  angedeutet.  Auch  Engelhardt  beschrieb  viele 
Prianzenreste  aus  der  Umgebung  von  Leitmeritz. 

In  neuerer  Zeit  wurden  auch  Stisswasserkalke  am  Kamm  des  Erzgebirges 
oberhalb  Stolzenhahu  sichergestellt.  (Vergl.  Klika:  Die  tertiiiren  Land-  und  iSiiss- 
wasserconchylien,  Archiv,  Band  VII.,  Nr.  4.).  Die  Diatomaceenlager  bei  Kutschlin 
und  nordlich  von  Leitmeritz  lieferten  ausser  Pflanzenresten  auch  Fische  und 
Tnsecten.  Eleine  Reste  von  Teirtiflrablagerungen  sind  noch  bei  Schluckonau  und 
nordlich  von  Friedland  als  zum  Zittauer  Becken  gehijrig  entwickelt. 

Ueber  die  Tertiiirablagerungen  bei  Warnsdorf  s.  p.  14. 


Nordisches  Diluvium.*) 

Die  nordischen  Diluvialgesebiebe  Mien  die  Thaler  dos  Urgebirges  von 
Georgenthal  nordwiirts  bis  an  die  LandeBgrenze ;  bei  Rumburg  and  Warnsdorf  sind 
cs  namentlich  die  Feuersteine  dor  baltischen  weissen  Kreide,  welche  diese  Abl;i- 
gerungen  charakterisiren  und  man  kann  dieselben  sudlich  bis  gegen  Bohm.  Leipa 
und  Gabel  verfolgen.**) 

Ausser  dem  Fouerstein  bestehen  die  Gerolle  audi  aus  schwedischen  Gra- 
niten  und  anderen  nordischen  Gesteinen. 

Die  zweite  Partie  des  nordischen  Diluviums  findet  sich  nordlich  von  Rei- 
chenbcrg  und  reicht  von  Grottau  bis  iiber  dio  gauze  Umgebung  von  Fried- 
land  hinaus. 


*)  H.    Credner,   Nordisches   Diluvium   in  Bohmen,  Sitzungsbericht  der  Naturf.-Gesollsehaft 
in  Leipzig  1875.  Nr.  6. 

**)  Slavfk  A.  Dr.,  Ueber  die  Diluvialgcrfllle  der  Umgebung  von  Friedland,  (!abel  und  Bohm. 
Leipa.  Kon.  Bohm.  Ges.  der  Wissenschal'ton   1877.,  p.  105.). 


35 


Diluvium. 


Das  Diluvium  fcritt  theils  als  Schottcr-  und  Sandablagerung  auf,  theils  als 
gelber  Loss.  Man  untersclieidet :  einen  Riesengebirgsschotter,  einen  Erzgebirgs- 
schotter  und  einen  Mittelgebirgsschotter.  Im  letzteren  sind  ausser  den  typischen 
Lossschnecken  viele  Sfiugethierreste,  Mamuth.  Rhinoceros,  Rennthier,  Pferd,  Munnel- 
tliier  etc.  vorgefunden  worden.  (Vergl.  diese  Erliiuterungen  Seite  26.  und  Kafka, 
Recente  und  fossile  Nagethiere  Bohmens.  Archiv,  Hand  VIII.  Nr.  5.,  wo  eine  Ueber- 
sicht  sammtlicher  diluvialen  Siiugethierc  enthalten  ist.  Die  Losslager  treten  in 
grosserer  Ausdehnung  bei  Bilin,  Tiirmitz,  Leitmeritz  auf  und  werden  belmfs  der 
Ziegelfabrikationgewonnen. 

Zum  Diluvium  gehoren  audi  die  Pyropenconglomerate  bei  Tfiblic,  Moronic, 
Dlazkovic,  sowie  die  oberhalb  der  Kreideformation  im  Egerthal  auftretenden,  die 
von  Reuss  beschrieben  wurden  und  fiber  welclie  jtingst  Prof.  Zaluilka  mehrere  klei- 
nere  Abhandlungen  veroffentlichte,  (K.  biilim.  Ges.  d.  Wissensch.  1883.  etc.)  und 
Dr.  Jaliu  in  Annalen  des  k.  k.  naturhist.  Hofmuseums  1891. 

In  diesen  Conglomeraten  kommen  Petrefacten  der  Teplitzer,  sowie  der 
Pricsener  Schicliten  auf  secundiirer  Lagerstiitte  vor. 

Alluvium  und  Torf. 

Die  Torf  lager  treten  am  Erzgebirge,  dann  in  der  Gegend  von  Ni  ernes, 
zwischen  Grabern  und  Hirschberg,  sowie  in  der  Reichenberger  Gegend  auf  und 
sind  eingehend  von  Prof.  Sittensky  untersuclit  worden.  (Archiv  for  Landesdurch- 
forschung  VI.  Band  Nr.  1).  Die  Alluvialausschwemmungen  fallen  die  Tlniler  und 
begleiten  die  Biiche  und  Elusse. 


Da  es  zu  weit  ftihren  wiirde,  die  gesammtc  einschliigige  I/iteratur  liber  die 
auf  unserem  Blatte  entwickelten  Sedimentformationen  hier  anzufflhren,  beschriinken 
wir  uns  darauf,  aufmerksam  zu  jnachen,  dass  in  Katzer's  Geologie  von  Bohmen  die 
betreffende  Literatur  sorgfaltig  verzeichnet  ist. 


3* 


Nil  ALT. 


Soitc 
Vorwort a 

I.  Die  krystallinisohen  Bandgebirge  und  die  Insoln  ftlterer  Uesteine  iin  Bereiche  des  bdhm. 

Mittel-  und  Elbesandsteingebirges 6 

Die  Inseln  von  krystallinischen   Gesteinen  im  Bereiche  des  Mittelgebirges  und  Elbesand- 
steingobirges '° 

II.  Das  bbhmische  Mittelgebirge  und  die  im  nordlichen  Bohmen  zorstrcnton  Basalt-  und  Pho- 
nolithberge "' 

III.   Bemerkungen  zn  den  auf  der  geologiscben  Karte  Sect.  II.  auftretenden  Sedimcnt-Formatinnen  29 


LANDESDURCHFORSGHUNG  VOX  BOHMEff.  SKiTIOX.  ir.     Geologische  Karlc  entworfen  von 


Rase  1 1  rid 


Torf 

.Soir  rutpiaii/ 
a/ 


AUuvutm 

Stare  nafdanif  hlinitc 

4a, 


Dduuiiun  Lchm 

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DUuvtum   Sofid  a  Schotter. 

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HtJiuliUnrnergel  o.  Obrr 
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'hy.crskt-  pajmtt). 


■Js»rsti\fc  MiUcLpiader 
Oiivr  AhUelptaerer 

McrftUckt  a  bctohorshe 

peufftw 


Malnitwu  Weis&enberner 
Stufk  o  I 'iiUrpUicncf 

htkovec  korycansky  a 
pcrucky. 

wxwm 

horytmnen  uiut  frwlzer' 
Sand.sU in  I  itteramuie/; 


•huvtkii  utnai 


■iiiiii/rir/mtlin// 


Perm  (xhr RothliiHjtndi-s 
Siltu'  C't  s/jodnt  drphy  a  .ttepence. 


I'nterc  firauwncUe 
PhylUt 


hrcmtla   iruOiem 


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Quarz  Sehu/tr 

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Metal 


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Biuati 

I'lmiiotil 


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Rulu 


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JVij/UU  Oneita 


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ZBICHKX  , .  SPDRIFT  -ERKIARI'XG. 


aesdorf       '"--,' 
/      Htrirru?Mti.i 


ift  STADT   mitmehruh    10.000  Eintv 

'-"^  STADT    mil  3000  to*  iO.ooo  Euuv. 

,j£«*  Sladl    nut  rvenigcrats  .7000  Eiiuv. 

''u"$s  Marktfleeken,     4  Kirche  ,     %  KnpeUo  , 

«^rf~'  ITarrdorf,      I  Kreuz,      *  Schloss,    *  Ruine 

/  >   Pdin 

\  Barf,     ,V  KmzvlnvHiusvrod.Gclwne,  *   Graphit 

$   fuihlen 
*'  Wirthshau.t ,    v  J(Lf?r!iaus ,      *  Heilbad ,     u  Gesundbrunnvn  .        .v  Jhuui 

i  Kitenbahn      ,  Station 
'.  J)ufiipfsfJu/f'  I 

Ki*cnballn 


«  H'asser-    t  #  Kiseruvirk  ,       I  2  tea  id  otter 

\  Miihlen . 
1   Wind         J  x    (rlaskutle,  KuUt-OI'en. 


Gemessene  Seeluihen      , 
AhNHU  StzttflpiuiUr* 


ntbt'h\ 


-•'' v,Vc«  Of/pack 

'finbi'i'i) 


Ppo£A.Fric  inul  Prof.  G.  Laube 


-Krulnih 


SKIDKA'HKRO 


K  KontgswahliK 


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.MaasaLth     Mett'rmaahis :    rri  r  1 1       — 


I  ;:?oo.ooo.l     Oealerr.  Maas;  QAjX^ .HIZ 


mm  ■.(»«'  K.  Klafler 


Aiugetahrt  in  der  Iitkogr.  Anstall  von  .]  sTnrskv  in  Pi-ai). 


hjU/    (X-*4r- 


MAY    6    1901 


V  -  \y 


DAS  ARCH  IV 

fur  die 

naturwissenschaftliche  Landesdurchforschung  von  BOhmen 

I.  bis  V.  Band :   Rcdaktion  von  Prof.  Dr.  K.  Kofistka  und  Prof.  J.  Krejci, 

VI.  Band   u.   s.   w. :   Redaktion   von  Prof.  Dr.  K.  Kofistka   und  Prof.  Dr.  A.  Frio. 

enlhilt  foigewk  Arkiten: 

EUSTEU     It   A   N  O. 

I.  Die  Arbeiten  der  topographisch,  n  Abtheilung  und  zwar: 

<i)  I)  a  8  Terrain  und  die  II  o  h  e  n  v  e  r  h  a  1 1  n  i  s  s  e  des  Mit telgebirges  und  des 
Sandsteingebirges   im   nOrdlichen   Bob  men    von    Prof.   Dr.    Karl    Kofistka. 

b)  Erste  Serie  gemessener  II  oh  enpunkte  in  Boh  men  (Sect.-Blatt  II.)  von  Prof. 
Dr.    Kofistka. 

<-.)  H  ()h  enschi.chtenkarte,  Section  II.,  von  Prof.  Dr.  Kofistka.  Preis  fl.  4' — 
Prcis  der  Karte  app fl.  1'60 

II.  Die  Arbeiten  dec  geologischen  Abtheilung.    Dieselbe  enthiilt: 

a.)  Vorbem.erkuii.gen  oiler  allgemeine  geologische  Verhiiltnisse  des  nOrd- 
lichen   Boli  men   von    I'rof.   .lohann    Krejci. 

i>)  Studien    im   Gebiete   der   b  6  h  m.   K  r  e  i  d  e  f  o  rm  a  t  i  o  n   von   Prof.    J.  Kreici. 

e)  Paliion  tologische  U  n  tersuchungen  der  einzelnen  Schichten  der  liohm. 
K  re  idef  ormati  on    u.  s.  w.    von  Dr.    Anton   Fric. 

•I)  Die  Stein kohlenbeck en  von  R a d n i C,  v o m  II u 1 1 e n m e i s t e r  K a r  1  F e i s t m  a n t e  1. 
Preis (1.   4-50 

III.  Die  Arbeiten  der  botanischen  A:.theilung.    Dieselbe  enthalt: 

I'rodromus    der  Flora   von  Boh  men   von  Dr.  Ladislav  Celakovsky.    (I.  Tbcil.) 
(Vergriffen.)  Preis     fl.  r— 

IV.  Zoologische  Abtheilung.     Dieselbe  enthalt: 

a)  Verzeichniss  der  Kafer  Bohmens  vom  Conservator  Km.  Lokaj. 

Ii)  Monographie    der    Land-    und    Susswassermollusken   Bohmens    vom    Assi- 

stenten  Alfred  Slavik. 
e)  Verzeichniss    der    Spinnon    des    n  6  rd  lichen    Boh  men    vom   Real-Lchrer 

E  m  a  n  u  e  1  B  a  r  t  a.    Preis fl.  2* — 

V.  Chemisehe  Abtheilung.     Dieselbe  enthiilt: 

Analytische  Untersuch  ungen  von  Prof.  Dr.  Hoffmann.    Preis 25    kr 

Preis  des  ganzen  I.  Bandes  (Abth.  I.  bis  V  )  geb tl.  9" — 

>•:    W  E  I  X  Elt     13  A  N  D. 

Erster  Theil. 

I.  Die  Arbeiten  der  toPographischen  Abtheilung  und  zwar: 

a)  Das  Terrain  und  die  Hob  e  n  v  e  rh  al  t  nisse  des  I  s  e  r-  und  des  Riescn- 
gebirges  und  seiner  siidliebeu  und  o  stl  ich  en  Vorlagen  von  Prof.  Dr.  Karl 
Kofistka. 

b)  Zweite  Serie  gemessener  Ilohenp  unkte  in  Bohmen  (Sect.-Blatt  III.)  von  Prof. 
Dr.  Kofistka. 

ej  II  6  h  e  n  s  cb  i  ch  t  e  n  k  a  r  t  e,  Section  III.,  von  Prof.  Dr.  Kofistka. 
■  il)  116  h  enschichtenkarte   des    Riese  ngebirges    von    Prof.    Dr.    Kofistka     Preis 
dieser  Abtheilung fl.  4f>0 

II.  Die  Arbeiten  der  geologlschen   Abtheilung.    I.  Theil  enthalt: 
«J  Prof.  Dr.  Ant.  Fric:  Fauna  der  S  teinkohl  enf  ormation  Bohmens. 

b)  Karl  Feistmantel:  Die  Stei  nkohlenbecken  bei  Klein- Pf  ilep,  Lisok,  S  til e c, 
Holoubkow,   M  i  r  e  s  ch  a  u  und  L  o  t  k  o  w. 

a)  Jos.  V41a  und   R.  Helmhacker:    Das  Kisensteinvorkommen  in   der    (legend 

von   Prag   und   Beraun. 
d)  R.  Helmha ck er:    Geognostische    Beschreibung    eines   Theiles    der    Gegend 

zwischen   Beneschau   und   der   Sazava.     Preis fi.  4" — 

II.  Theil  enthalt: 

Dr.  Em.    Boric ky:    Petrographische    Studien   an    den   Basaltgesteinen   Bohmens 

Preis        ,.-;.  fl.    3-50 

Preis  der  ganzen  ersten  Ilalfte  des  zweiten  Bandes  (I.  und  II.  Abtheilung  zusammen)  geb.  II.  !()■ 


DAS 


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VON 


VLAD.  JOS.  PROCHAZKA. 


(MIT  ABBILDUNGEN.) 


(ARCHIV  Ft'lR  die  naturwissenschaftliche  durchforschung 

BOHMENS.) 
X.  BAND  No.  2. 

(GEOLOGISCHE  SECTION.) 


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P  R  A  G. 

IN  COMMISSION  v.  FR.  RIVNAC.  -  DRUCK  v.  Dr.  ED.  GREGR. 

1900. 


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MAY    8    1901 


VORWORT 


Es  ist  in  der  That  leicht  und  wiederum  dooh  nur  schwer,  die  zahlreichen 
Ursachen  richtig  zu  erklaren,  warum  unser  marines  Miaocaengebiet  in  Ostbohmen 
bisher  so  geringe  Beachtung  gefunden  hat.  Ich  habe  dies  in  dem  historischen  Abschnitt 
Und  auch  an  mehreren  anderen  Stellen  dieser  Arbeit  zu  thun  versucht.  Und  dass 
es  thatsachlich  stiefmutterlich  beiseite  geschoben  wurde,  das  beweist  hauptsfichlich 
de'"  Umstand,  dass  wir  ttber  dasselbe  bisher  nur  cine  einzige,  ausfiihrlichere  Schrift 
besassen,  welche  der,  urn  die  Geologie  Bohmens  hochverdiente  A.  E.  Reuss  in  den 
60er  Jahren  geschrieben  hat.  Allein,  Reuss  war  in  derselben  nicht  im  Stande,  trotz 
seines  angeborenen  Scharf-  und  Tiefsinnes  viele  Momente,  zahlreiche  Riithsel  und 
unziihlige  Erscheinungen,  welche  bier,  auf  dem  Boden  eines  ehemals  nicht  grossen 
u«d  seichten  Meerbusens  —  zum  erstenmale  vor  die  Augen  des  iiberraschten  Be- 
°bachters  traten,  zu  erklaren. 

Ja,  es  ist  merkwiirdig,  dass,  als  audi  spiiter  II.  Wolf  auf  diesem  Gebiete 
zahlreiche  neue  Depots  marinen  Tegels  entdeckte  und  diese  J.  Krejci  neuerlich 
u>itersucht  hatte,  und  damit  klar  bewiesen  war,  dass  es  bier  noch  viel  Arbeit  fur 
ei°en  strebsamen  Geist  gebe,  sich  demand  land,  der  diesem  uberaus  interessanten 
Gebiete  regerc  Beachtung  geschenkt  hatte.  Wahrend  hier  die  Arbeit  ungestiirt  rubte, 
wurde  an  anderen  Punkten  im  hierlandischen  Neogen  eifrig,  ja  fieberhaft  gearbeitet. 
Jamais  erkannte  man,  dass  eigentlich  die  faciellen  Verhiiltnisse  und  nicht  bios  das 
Scl|einbare  Alter  die  vielfach  verschiedenen  faunistischen  und  auch  stratigraphischen 
«iithsel  zu  erklaren  mdglich  machen  und  ebenso  wurde  das  gegenseitige  Verhaltnis 
jener  erforscht.  Weiter  wurde  zu  jener  Zeit  an  der  Losung  der  Frage  gearbeitet,  in 
™le  weit  wir  berechtigt  sind,  die  iuliindiscben  Miocaenschichten  in  zwei  verschiedene 
Alters-Stufen  zu  scheiden,  die  erste  und  zweite  mediterrane,  und  welclie  Schichten 
ln  dieselbe  einzureihen  sind.  Damals  bracb  ein  beftiger  Streit  um  das  Alter  des  Schlier 
"n(l  des  Grander  Sandes  aus  und  ungefii.hr  um  dieselbe  Zeit  begann  man  sich  mit  der 
,rage  zu  befassen,  welche  Stellung  dem  Leitliakalke  im  Bereiche  der  Mediterran- 
ean ©inzuraumen  sei.  Vor  nicht  langer  Zeit  endlich  wurde  die  Frage  aufgeworfen 
n<J  Wenigstens  theilweise  gelost,  in  welchen  Beziehungen  die  Fauna  der  Sarmati- 
c,lu'i  Stufen  zur  Fauna  der  zweiten  mediterranen  Stufe  steht. 

1* 


So  wurde  im  Siiden  des  hierlandischen  Neogen  nach  und  nach  das  allgemeine 
Bild  dieser  Zeit  verandert,  aufgehellt  und  erganzt  —  aber  urn  unser  Gebiet  kurn- 
merte  man  sich  selbst  dann  nicht,  als  bereits  zahlreiche  Berichte  iiber  das  Vor- 
handensein  von  brackischen  Depots  auf  dem  weit  ausgedehnten  ausseralpinen  Gebiete 
des  marinen  Miocaen  gesammelt  waren  und  die  Ansicht  A.  E.  Eeuss :  dass  der  Cha- 
rakter  der  Fauna  von  Abtsdorf  und  Trieblitz  verschieden  von  dem  der  Fauna  des 
marinen  Rudoltitzer  Tegels,  dafiir  aber  jenem  der  Cerithienschichten  oder  dem  Sarma- 
tischen  Sande  ahnlich  sei,  nicht  nur  verlockend,  sondern  auch  vielversprechend 
dastand. 

Fiir  die  damalige  Epoche  ist  diese  Auffassung  der  Abtsdorfer  und  Trieblitzer 
Fauna  Reussen's  jedenfalls  sehr  interessant  und  charakteristisch.  Allerdings,  heute 
ist  es  etwas  anderes;  heute  kennen  wir  diese  Beziehung  vollstiindig  und  auch  das 
Verhaltnis  unserer  brackischen  Districte  zuin  Rudoltitzer. 

Dass  diese  unsere  Anschauungen  nicht  mit  den  ausgesprochenen  Ansichten 
der  80er  Jahre  iibereinstiminen,  denen  zufolge  die  Rudoltitzer  und  Abtsdorfer  Tegel 
in  den  Grander  Horizont  eingereiht  warden,  dass  darf  una  nicht  Wunder  nehmen. 
Und  wahrlich,  ich  bin  dessen  sicher,  dass  sich  darob  niemand  wundern  wird,  sobald 
er  erfahrt,  dass  diese  Anschauungen  in  der  erwahnten  Arbeit  Reussen's  fundirt 
sind,  aus  welcher  dieselben  zuweilen  nur  ein  Moment  besonders  hervorgehoben  haben, 
dass  an  jenen  bohmischen  Fundorten  sich  eine  Art  von  Cerithium  lignitarum  in 
einer  grosseren  individuellen  Zahl  vortindet. 

Zu  solchen  und  ahnllchen  Anschauungen  gelangt  jeder,  der  bios  auf  soge- 
nannte  Leitfossilien  Riicksicht  nirnmt  und  nicht  den  Gesammtcharakter  der  Fauna 
beachtet.  Aber  selbst  wenn  wir  das  beiseite  liessen,  so  ttberzeugt  uns  der  Cha- 
rakter des  Miocaen  des  nordwcstlichen  und  westlichen  Mahren,  dass  die  Ablage- 
rungen  unseres  bohmischen  Gebietes  mit  den  Ablagerungen  des  Grander  Horizonts 
nichts  Gemcinsames  haben,  aus  dem  auf  eine  Identitiit  geschlossen  werden  konnte. 
Vorerst  darf  nicht  vergessen  werden,  dass  der  Grander  Horizont  sich  weder  in 
Mittehnahren  noch  im  nordwestlichen  und  westlichen  Theile  des  Landes  typisch 
entwickelt  findet.  Wo  solltc  er  also  auf  eimnal  im  ostlichen  Biihmcn  herkommen? 
Und  wenn  er  hier  vorhanden  gewesen  ware,  hltte  die  Rudoltitzer  Fauna  den  einem 
Steinabrunner-Faunentypus  iihnlichen  Charakter?  Das  gewiss  nicht!  Nur  im  Zu- 
sammenhange  mit  dem  Miocaen  des  nordlichen  und  nordwcstlichen  Mahren  lasst 
sich  der  Charakter  des  ostbohmischen  Miocaen  richtig  erkliiren.  Nur  auf  diese 
Weise  verstehen  wir  es.  Gehen  wir  anders  vor,  so  gerathen  wir  auf  Irrwege. 

Davon  war  ich  schon  im  Jahre  1890  ttberzeugt,  als  ich  das  ausgedehnte 
Miocaen -Gebiet  des  westlichen  und  nordwestlichen  Mahren  durchstudierte  und  die 
daselbst  erbaltenen  Resultate  mit  denjenigen  verglich,  die  Reuss  anftthrt.  Diese 
Uberzeugung  hat  sich  in  rnir  gefestigt,  als  ich  ein  Jahr  spater,  allerdings  fluchtig, 
einige  wichtigere  Fundorte  unseres  ostbohmischen  Miocaens  untersuchte  und  vieles 
Vorausgesetzte  bestatigt  fand. 

Es  ist  daber  ganz  natttrlich,  dass  ich  die  Einladung  des  Herrn  Prof.  Dr. 
Anton  Frid  freudig  begrtsste,  dieses  Gebiet  von  neuem  eingehend  zu  studieren  und 
zu  beschreiben.  Seinem  Hinzuthun  danke  ich  es,   dass  mil'  im  Friihjahre  v.  J.  die 


werthvolle  Untersttttzung  der  naturwlssenschaftlichen  Section  des  Museums  des 
Konigreiches  B6hmen  in  Prag  zu  Theil  wurde,  uin  einige  entlegenere  Fundorte  auf- 
suchen  und  durchforschen  zu  konnen,  die  ich  frtther  aus  finanziellen  Rucksichten 
unbeachtet  Hess. 

Fur  diese  wirksame  Untersttttzung  statte  ich  liiermit  der  lobl.  naturwissen- 
schaftHchen  Section  des  Museums  des  K6nigreicb.es  Bohmen  in  Prag  und  dem 
Herrn  Prof.  Dr.  Anton  Fric  den  herzlichsten  Dank  ab. 

Es  ist  mir  audi  eine  angenehme  Pfiicht,  dem  Custos  der  palaeontologisch- 
geologischen  Abtheilung  des  k.  und  k.  Hofmuseums  in  Wien,  Herrn  E.  Kittl,  fttr 
'lie  Bereitwilligkeit,  mit  welcher  er  mir  einen  Theil  des  schonen  Materials  von 
fteuss  aus  dem  ostbohmischen  Miocaeu,  das  in  den  palaeontologischen  Sammlungen 
des  Wiener  Hofmuseums  deponirt  ist,  zugftnglich  machte,  zu  danken. 

Die  Abbildungen  in  dieser  Schrift  sind  —  bis  auf  unbedeutende  Ausnahmen 
—  mit  der  Camera  gezeichnet;  ich  hafte  daher  ftir  genaue  Conturen.  Sammtliches 
Material  von  dem  liier  die  specielle  Rede  ist,  ist  in  den  palaeontologischen  Samm- 
hngen  des  Museums  des  Konigreiches  Bohmen  niedergelegt. 

PRAG,  im  Mai  1895. 


Der  Verfasser. 


Verzeichnis  der  Litteratur. 


Aus  der  reichen  und  in  der  That  umfangreicken  Litteratur  des  Neogen 
habe  ich  in  das  vorliegende  Verzeichnis  nur  jene  Werke  und  Schriften  aufge- 
nommen,  deren  Gesammtinhalt  wombglich  auf  alle  Fragen  betreffs  unseres  ost- 
bflkmiscken,  marinen  Miocaens  eine  richtige,  den  gegenwartigen  Anscliauungen  eut- 
sprechende  Antwort  ertheilt  und  die  bis  jetzt  discutirt  wurden.  Ich  habe  raich 
natiirlich  nur  auf  die  hierlandische  Neogen  -  Litteratur  besckriinkt,  es  aus  Er- 
fahrung  als  uberfiiissigen  Ballast  betrachtend,  die  iiberreichen  Verzeichnisse  der 
Litteratur  des  italienischen,  franzosischen,  spanischen,  englischen,  belgischen,  deut- 
schen,  russischen  und  serbischen  Neogens  anzuftihren;  wird  ja  das  Stadium  der 
schon  hier  angefiihrten  Litteratur  dem  Leser  ein  anniiherndes  Bild  auf  jenem  aus- 
landischen  Neogengebiet  gewiihren. 

A.  d'Orbigny.  Foraminiferes  fossiles  du  bassin  tertiaire  de  Vieune.  Paris.  4°. 
A.  E.  Reuss,  Die  fossilen  Polyparien  des  Wiener- Tertiaerbeckens.  Haidinger, 
Naturwissenschaftliche  Abhandlungen.  Wien.  B.  2.  S.  1-109.  Mit  1.1  Taf. 
A.  E.  Reuss.  Neue  Foraminiferen  aus  den  Schickten  des  6sterreickischen 
Tertiaerbeckens.  Denksckriften  der  math.-naturwissensch.  Classe  der  k.  Aka- 
demie  der  Wissensckaften  in  Wien.  Band  I.  26  S.,  6  Taf. 
A.  E.  Reuss.  Fossile  Entomostraceen  des  osterreichischen  Tertiaerbeckens. 
Haidinger,  Naturwissenschaftliche  Abhandlungen.  Wien.  Band  III.  S.  41  bis 
93.  Mit  4  Taf. 

A.  E.  Reuss.  Uber  die  Foraminiferen  und  Entomostraceen  der  Septarien- 
thone  der  Umgebung  von  Berlin.  Zeitschrift  der  deutschen  geologischen  Ge- 
sellsokaft.  Berlin. 
1856—1871.  M.  Iloerncs.  Fossile  Mollusken  des  Wiener  Tertiaerbeckens.  I.  Theil. 
Gastropoden.  II.  Theil.  Lamellibranchiaten.  Abhandlungen  der  k.  k.  geologi- 
schen Keichsanstalt.  Wien. 

M..  Neuyeboren.  Foraminiferen  aus  der  Ordnung  der  Stichostegier.  Denk- 
schrift.  der  math.-naturwiss.  Classe  der  k.  Akadem.  der  Wissenschaft.  Wien. 
Band  12. 

A.  E.  Iteuss.  Die  marinen  Tertiaerschichten  Bokmens.  Sitzungsberichte  der 
math.-naturwiss.  Classe  der  k.  A.kad(>m.  der  Wissenschaft.  Wien.  Band.  39. 
S.  81.  Mit  8  Taf. 


1846. 
1848. 

1849. 
1850. 
1851. 


1856. 


1860. 


1863.  A.  E.  Eeuss.  Die  Foraminiferen  aus  der  Familie  der  Lageniden.  Sitzungs- 
bericht.  dor  math.-naturwiss.  Classe  der  k.  Akademie  der  Wissensch.  Wien 
Band  46.  S.  308—342. 

1862.    H.   Wolf.  Verhandl.  der  k.  k.  geologisch.  Reichsanstalt.  S.  304. 

1866.   A.  E.  Items.    Beitrage  zur  Kenntniss   der  tertiaeren  Foraminiferen-Fauna. 

Sitzungsbericht.  der  niath.-naturwiss.  Classe  der  k.  Akademie  der  Wissenschaft. 

Wien.  Band  49. 

1864.  F.  Karrar.  Uber  das  Auftreten  der  Foraminiferen  in  den  Mergeln  der  ma- 
rinen  Uferbildungen  des  Wiener  Beckons.  Sitzungsbericht.  der  math.-natur- 
wiss. Classe  der  k.  Akadom.  tier  Wissenschaft.  Wien,  Band.  50.  S.  692—721. 
Mit  2  Taf. 

'867.    F.  Karrer.  Zur  Koraminiferen-Kauna  in  Osterreich.   Sitzungsber.   der  math.- 

naturwiss.  Classe  der  k.  Akadom.  der  Wissenschaft.  Wien.  Band  55.  S.  692— 721 . 
1871.    I).  Stur.  Pyrula  cornuta  Ag.  im  Trieblitzer  Tunnel.  Verhandl.  der  geologisch. 

Reichsanstalt.  Wien.   1871.  S.  305. 
1871,    A.  E.   h'euss.    Die   fossilon  Korallon    dos  osterr.-ungar.  Miocaens.    Denkschr. 

der    math.-naturwiss.     Classe     der    k.    Akadem.     der    Wissenschaft.     Wien. 

Band  31.  74  S.,  21  Taf. 
'877.    ,/.  Krej6(.  Geologie  ftili  nauka  o  utvarech  zemskych    se  zvlafitniin  zfenim  na 

krajiny  Ceskoslovanske\  V  Praze.   1877.  S.  940. 
'^78.    A.    Munsoni.    Bryozoi    fossili    del    d'Austrie    e    Unghoria.    Denkschrift.    der 

math-naturwiss.  Classe   der  k.  Akadem.   der  Wissensch.  Wien.   Band  .'58,  1. 

und  II.  Theil. 
1883.    R.  Hoernes  und  M.  Auinger.    Die  Gastropoden  der  Meeresablagerungen  der 

ersten  und  zweiten  miocaenen  Mediterranstufe  in  dor  osterreich-ungarischen 

Monarchic.  Abhandlung.  dor  k.  k.  geologisch.  Reichsanstalt.  Wien.  Band   12. 

Heft  1—8. 

1883.  A.  Bittner.  Uber  don  Charakter  der  sarmatischen  Fauna  des  Wiener  Tertiaer- 
beckens,  Jahrbuch  der  k.  k.  geologisch.  Reichsanstalt.  Wien.  Band  33.  S.  13 1. 

1884.  A.  Bittner.  Zur  Litteratur  der  6sterreicb.iscb.en  Tertiaorablagorungon.  Jahr- 
buch der  k.  k.  geologisch.  Reichsanstalt.  Wien.  Baud  34.  S.  195-198. 

1884.  //.  Brady.  Report  on  the  Foraminifera  dredged  by  H.  M.  S.  Challenger, 
during  the  years  1873—1876.  (Ref.  of  the  Seient.  Results  of  the  Voyage 
ofH.  M  S.  Challenger.  Zoology  vol.  [X.  1884.  1.  Bnd.  Text  (814  S.  und 
2  Karten)  und  1  Band  (115)  Tafeln.) 

1884.  Fr.  Toula.  Uber  die  Tortiaerablagerungen  bei  St.  Voit  an  der  Triosting  und 
•  las  Auftreten  von  Cerithium  lignitarum.  Verhandl.  der  k.  k.  geologisch. 
Roichsanst.  Wien.  S.  219. 

1884.  E.  Tietsse.  Die  Versuche  einer  Gliederung  des  unteron  Neogaen  in  den  oster- 
reichischen Liindern.  Zeitschrift  der  deutschon  geologisch.  Gesellsch.  in 
Berlin.  S.  67—121. 

'885.  Th.  Fucks.  Die  Versuche  einer  Gliederung  des  unteren  Neogaen  im  Gebiete 
des  Mittehneeres.  Zeitschrift  der  deutschen  geologisch.  Gesellschaft,  in 
Berlin.  S.  131. 


8 


1885.  Th.  Fuchs.  Zur  neueren  Tertiaerlitteratur.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologisch. 
Reichsanstalt.  Wien.  S.  123—150. 

1886.  A.  Bittner.  Noch  ein  Beitrag  zur  neueren  Tertiaerlitteratur.  Jahrbuch  der 
k.  k.  geologisch.  Reichsanstalt.  Band  36.  S.  1 — 74. 

1885.    E.  Suess.  Das  Antlitz  der  Erde.  Wien-Prag.  Band  2.  S.  410. 

1889.  E.  Dreger.  Die  tertiaeren  Brachiopoden  des  Wiener  Beckens.  E.  v.  Mojsiso- 
vics  u.  M.  Neumayr,  Beitrftge  zur  Palaeontologie  Osterr.-Ungarns  und  des 
Orients.  Wien.  Band  7.  S.  179—192.  Mit  5  Taf. 

1890.  F.  Katser.  Geologie  von  Bohmen.  Prag.  S.  1428. 

1893.  V.  ./.  Prochdzka.  Miocaen  zidlochovicky  a  jeho  zvlfena.  Rozpravy  Gesk6  aka- 
demie  cisafe  FrantiSka  Josei'a  pro  vedy,  slovesnost  a  umfini.  Praha.  Ro6.  II, 
cis.  24.  64  S.  Mit  3  Taf.  (Mit  einem  deutschen  Resume.) 

1893.  E.  Tictze.  Die  geologischen  Verlililtnisse  der  Gegend  von  Olmiitz.  Jahrbuch 
der  k.  k.  geologised).  Reichsanstalt.  Wien.  Band  43.  S.  165. 

1893.  E.  Tietze.  Reisebericht.  Verhandlung.  der  k.  k.  geologisch.  Reichsanst.  Wien. 
S.  263. 

1893.  J.  J.  Jahn.  Berickt  iiber  die  Aufnahmsarbeiten  im  Gebiete  von  Hohenmauth- 
Leitomischl.  Verhandlung.  der  k.  k.  geologisch.  Reichsanstalt.  Wien.  S.  275. 

1S94.  V.  J.  Prochdzka.  0  uzemi  tak  zv.  niofskych  jilu  miocaenovych  mezi  Chocni 
a  LitomySlf.  V&tnfk  kralovske"  Ceske"  Spolecnosti  nauk  v  Praze.  Praha,. 
Cis.  3.1.  32  S. 

1894.  V.  J.  Prochdzka.  Uber  die  vermeiutlichen  miocaenen  marinen  Tegel  zwischen 
Chotzen  und  Leitoinlschl  in  Bohmen.  Verliandlung.  der  k.  k.  geologisch. 
Reichsanstalt.  Wien.  S.  269—278. 


Historischer  Absclmitt. 


Bis  in  die  50er  Jahre  war  die  Kenntnis  voin  bohmischen  marinen  Miocaen 
eine  sehr  ltickenhafte.  Bis  zu  dieser  Zeit  wusste  man  nur,  dass  das  miocaene 
Meer  seine  Wasser  nicht  nur  uber  das  mittlere  Mahren  ergossen,  sondern  dass  es 
illicit  von  hier  einen  verh&ltnissm&ssig  kleine  Ausliiufer  bis  in  das  iistliche  Bohmen 
entsendet  hatte,  oline  dass  jemand  eine  AMung  gehabt  hiitte,  wie  weit  es  sich  aus 
gebreitet  und  von  welch'  petrographischem  Charakter  seine  Sedimente  seien. 

Diese,  wie  berechtigterweise  gesagt  werden  kann,  Unkenntnis  unseres  mio- 
caenen  Gebietes  wShrte  fast  bis  in  die  60er  Jahre,  denn  auch  in  diesem  Jahrzehnte 
(von  1850  —  18(50),  wurde  desselben  so  wenig  gedacht,  wie  vorher.  Wo  inag  nun 
der  Grund  dieser  Niehtbeachtung  lichen?  Vorerst  in  seiner  Entlegenheit,  dann  aber 
,l;u'in,  dass  damals  unsere  bohmischen  Geologen  und  Palaeontologen  ausschliesslich 
nilt  den  alteren  Formationen  beschaftigt  waxen,  wahrend  den  heimischen  Tertiar- 
loi'Sehern  das  grosse  Gebiet  des  mahrischeu,  ober-  und  niederosterreichischen,  dann 
('°k  steiermarkischen,  ungarischen  und  des  siebenbiirgischen  Neogen  so  viele  neue 
■^t'scheinungen  und  sensationelle  Ergebnisse  bot,  dass  es  damals  nieraandeu  audi 
nur  einfiel,  die  miooaenen  Ablagerungen  aus  dem  nordwestlichcn  Mahren  nach 
'"'"iien  zu  verfolgen  und  diese  eingeliend  zu  studieren.  Nicht  eiuiual  als  iin  Jahre 
1853  die  Nachricht,  dass  im  Trieblitzer  Tegel  die  1'ossilen  ttberreste  von  Dinothe 
nuni  yiganteum  gei'unden  wurden,  die  Gemiither  eiuigennassen  in  Errcguug  ver- 
s^tzte,  war  unser  Gebiet  im  Stande,  jenianden  anderen,  als  den  Apotheker  G.  Erx- 
et>en  aus  Landskron  zu  fesseln,  welcher  hier  tieissig  sammelte  und,  wie  verlautet, 
eui«  seltene  Collection  von  Fossilien  aus  deniselben  besags.  Und  woher  denn  auch  I 
J-'ehlte  doch  hier  beinahe  alles,  was  auderswo,  auf  den  siidlicheu  Pundorton  den  Eor- 
schern  in  hohem  Masse  geboten  war,  was  sich  anderswo  Neigung  und  Liebe  er- 
zwang,  was  mit  einem  Schlage  den  Geologen  wie  den  Palaeontologen  anzog.  Denn 
dieso  vermissten  dort  tiefere  Einschnitte,  die  Manuigfaltigkeit  der  Schichteu,  wahrend 
Jen«,  die  dasdbst  nach  muhevoller  Arbeit  gewonnene  Ausbeute  mit  der  Ausbeute  von 
a'idoren  Orten  vergleichend,  sie  unbedeutend,  ja  armselig  fanden.  Und  damals  handelte 
88  sich  nur  um  eine  zusammenfassende  Anschauung,  um  ein  allgemeines  Bild. 
u-ses  zu  erlangen,  war  anderswo  nicht  schwer.  liberal  1  gab  es  Lehnen  jungfraulichen 
odens,  von  iiberallher  winkte  Erfolg.  Deshalb  erzielte  man  damals  hervorragende 
*©Bultate,  wahrend  wir  uns  heute  mit  Wenigem  begniigen  miissen.  Heute  erganzen 
Wlr  vielfach,  bauen  um,  passen  alte  Anschauungen  den  neuen  an. 


10 


In  diesen  Umstanden  liegt  der  Grund,  warum  unser  Gebiet  in  Mheren 
Zeiten  vernachlassigt  wurde  und  warum  heute  seine  VVichtigkeit  aaerkannt  wird 
und  lebhaftes  Interesse  erweckt. 

Es  hat  meist  geringe  Bedeutung,  wenn  es  im  Zusaramenhang  mit  dem 
grossen  miihrisch-niederosterreichischon  Miocaengebiete  augefiihrt  wird,  Interesse 
erweckt  es  jedoch  unmittelbar,  sobald  es  gelingt,  in  den  Charakter  seiner  Fauna 
Einblick  zu  gewinnen. 

Es  ist  daher  naturlich,  dass  es  nur  jenen  fesseln  konnte,  der,  vom  siidlichen 
inlandischen  Miocaen  konunend,  in  der  Verarmung  der  Schichten  an  Fossilien 
gegen  Nordeu  eine  selbstverstfiudliche  Sache  erblickte,  die  mit  den  Verhaltnissen 
des  miocaenen  Meeres  eng  zusammenhing  und  keine  zufallige  war. 

Nur  auf  diese  Weise  etkliiren  wir  uns  ganz  richtig  die  zutreft'ende  Auf- 
fassung  des  Charakters  unseres  Miocaengebietes  durch  A.  K.  Reuse  und  die  vielfach 
irrigen  spateren  Anschauungen,  die  nicht  auf  Grund  persohnlicher  Kenntnis  ge- 
wonnen,  sondern  verschiedenen  Combinationen  und  Vermuthungen  entsprangen. 

A.  E.  Reuss  kam  in  unser  Gebiet  aus  dem  nordwestlichen  Mahren,  woselbst 
er  fast  das  ganze,  grosse,  neogene  Gebiet  von  Iirunn  bis  Mahrisch-Triibau  (lurch- 
studirt  hatte.  Auf  das  ostbohmische  Gebiet  ubergehend,  sah  er  in  dessen  Sedimenten 
natiirlicherweise  nichts,  als  die  directe  Fortsetzung  des  mariuen,  mahrischen 
Miocaens.  Von  Brtinn  durch  das  Zwittawa-Thal  und  die  Kleine  Hanna  iiber  Bos- 
kowitz  gegen  Jaromeritz,  von  Gewitsch  bis  Porstendorf  bei  Mahrisch  Trflbau  stellte 
er  liberal]  den  Steinabrunner  Typus  der  Fauna  fest  und  nur  an  einigen  wenigen 
Orten  den  Badener.  Dass  er  dann  in  Folge  des  Qmstandes,  dass  er  die  Fauna  des 
Rudoltitzer  Tegels  eingehend  kennnen  gelernt  und  dann  als  er  sich  betreffs  derselben 
iiberzeugt  hatte,  dass  sie  dem  Steinabrunner  Typus  sehr  ahnlich  ist,  keine  Ursache 
gehabt,  sic  in  den  Bereich  der  Grunder  Fauna  zu  stellen,  wie  dies  selbst  nach 
ihm  noch  bis  vor  wenigen  Jahren  geschehen  war,  liegt  auf  der  Hand, 

Ebenso  lioss  sich  A.  E.  Reuss  durch  die  scheinbare  Armuth  der  Ablage- 
rungen  des  ostbohmischen  marinen  Miocaens  an  Fossilien  nicht  beirren.  Er  ver- 
stand  es  schliesslich  durch  Schlemmen,  das  zu  gewinnen,  was  ihm  durch  blosses 
Sammeln  zu  erreichen  nicht  moglich  war. 

Diesen  Umstanden  und  dann  dem  Zufall,  dass  er  in  das  ostbohmische 
Gebiet  kam,  als  die  Eisenbahn  hier  gerade  ausgebaut  wurde  und  in  der  Abts- 
dorfer,  Trioblitzcr,  Bohm.-Trubauer  und  Rudoltitzer  Gegend  frische,  tiefe  Einschnitte 
hergestellt  waren,  dankt  A.  E.  Reuss  seine*  Erfolge,  und  was  die  Rudoltitzer  Fauna 
anbelangt,  ausgezeichneten  Resultate.  Deshalb  ist  auch  seine  Arbeit  iiber  die  marinen 
ostbohmischen  Tertiarschichten  werthvoll  und  von  dauernder  Bedeutung. 

Mit  Rticksicht  darauf  will  ich  auch  die  Essenz  der  Reuss'schen  Gedanken 
und  Anschauungen  iiber  das  ostbohmische  Miocaen  mittheilen,  u.  z.  auch  deshalb, 
damit  der  Leser  erkenne,  in  welchem  Umfange  durch  diese  Arbeit  hier  zur  Erwei- 
terung  der  bisherigen  Kenntniss  dieses  hochinteressanten  Gebietes  beigetragen  wird. 

Das  Hauptverdienst  Reusse'ns  ist  unstreitig,  dass  er  richtig  d^n  Charakter 
der  einzelnen  Tegelbanke  und  Tegeldepots  des  bohmischen  marinen  Miocaens 
herausfand  und  dann,  dass  er  ihre  Beziehung  zu  den  ttbrigen  inlandischen  Miocaen- 
gebieten  feststellte.  Und  es  ist  thatsachlich  interessant,  auf  welch  kleiner  Basis  er 


11 


operirte.  Die  Hauptstiitze  bot  ilim  die  Fauna  des  Eudoltitzer  Tegels  und  erst  in 
zweiter  Linie  standen  die  Vertreter  der  Fauna  aus  dem  Abtsdorfer  und  Trieblitzer 
Tegeldep6t.  Mebr  der  Fundorte  und  Faunen  unseres  Gebietes  kannte  er  nicht. 

In  der  Umgebung  von  Rudoltitz,  dieser  wichtigsten  Fundstelle  des  ost- 
bohmischen  Miocaens,  besonders  in  palaeontologischer  Beziebung,  stellte  A.  E.  Ileus 
miocaene  Sedimentc  westlich  von  der  Ortscbaft  im  Eisenbabneinschnitte  fest.  In 
diesera  bestimmte  er  im  Liegenden  asehgvauen  Tegel,  vermiscbt  mit  kleinen  Sttickchen 
Limonit  und  einer  bedeutenden  Menge  Austern,  haufig  von  auffiillig  grossen  Dimen- 
sionen  und  auf  diesen  die  sandige  Uebergangsschichte  mit  Einlagen  von  Bankon 
feinen  Sandes,  der  von  Eisenoxyd  gelb  gefarbt  erscbien,  und  ertiberzeugte  sich  weiter, 
<lass  auf  diesen  Banken  eine  Schichte  gelblichen  Tegels  mit  reicher  Meeresfauna 
niht.  Die  Schicbtenfolge  scliloss  dann  eine  Bank  diluvialen  Gerolles  ab.  Aus  der 
oberen  Bank  eines  gelblichen  Tegels  fuhrt  A.  E.  Reuss  im  Ganzen  202  Arten 
a'i,  von  welchen  32  auf  die  Foraminiferen,  LI  auf  die  Korallen,  2  auf  die  Ecbiniden, 
7  auf  die  Seewurmer,  7  auf  die  Bryozoen,  4  auf  die  Brachiopoden,  43  auf  die 
Rivalven,  73  auf  die  Gasteropoden  und  26  auf  die  Ostrakodeu  entfallen. 

In  der  Umgebung  von  Trieblitz  erkannte  und  prttfte  Beuss  die  miocaenen 
Ablagerungen  unmittelbar  hinter  dem  Balmhofe.  Auf  Quadersandstein  gelagert,  fand 
er  dort  braunen,  an  Austernschalen  reichen  Tegel,  dariiber  einen  lichteren,  asch- 
grauen  Tegel,  (lessen  Mikhtigkeit  zu  bestimmen,  ihm  nicht  gelang,  die  er  jedoch 
ale  unbedeutend  schfttzte.  In  dieser  Hank  wurden  zahlreiche  Limonitstttckchen  und 
viele  Petrefacte  sichergestellt.  Wenige  Arten,  dafiir  aber  ein  grosser  Individuen- 
reichthum.  Insgesammt  fuhrt  er  von  bier  15  Arten  an,  von  denen  3  Lamellibran- 
chiaten  und  12  Gasteropoden- Arten  sind.  Ausdrticklicb  bemerkt  er,  dass  er  Fora- 
miniferen nicht  entdeckt  habe.  Audi  bier  deckt  das  Miocaen  eine  Diluvialbank. 

Das  Miocaendepot  von  Bohm.  Triibau  fand  er  am  wenigstens  zug&nglich. 
Tegel  constatirte  er  ebenfalls  im  Bahneinscbnitt  siidlich  von  der  Stadt.  An  Petre- 
facteu  entdeckte  er  in  dem  dortigen  Tegel  bios  die  Art  Nerita  Gratekmpana  und 
Nerita  picta,  dann  Melanopsis  impressa. 

Einigermassen  ausfuhrlichere  Nachricbten,  als  aus  dem  vorherigen  Districte,  giebt 
AH.SS  aus  der  Umgebung  von  Abtsdorf.  Das  dortige  Tegeldep6t  dehnt  sich  nach  ibm 
n<>rdlich  von  der  Ortscbaft  aus.  Seine  AblageruDgen  sind  von  einer  ziemlich  miichtigen 
^i'uvialschichte  bedeckt.  Unter  dieser  folgt  ein  gelblicher  Tegel,  reicb  an  Austern  - 
Schalen  und  Gehiiusen  von  Cerithium  Mgnitarum,  unter  welchem  ein  blaulichgrauer 
Tegel  mit  reicher  Fauna  liegt.  Diese  ist  jedoch  nur  reich  an  Individuen,  dafiir  arm 
an  Arten;  denn  scbon  Reuss  fuhrt  ihrer  nicht  mebr  als  12  an,  u.  z.  eine  Art  Fo- 
VilminifeVen,  eine  Art  Lamellibranchiaten,  8  Arten  Gastropodeu,  eine  Art  Ostra- 
koden  und  schliesslich  die  in  unseren  heimischen  marinen  Ablagerungen  seltene 
Art  eines  tertiaren  S&ugethieres  d.  i.  Dinotherium  giganteum. 

Auf  Grund  dieser  Studien  gelangte  A.  E.  Reuss  zu  der  folgenden  An- 
schauung  iiber  das  ostbohmische  Miocaengebiet :  die  Ablagerungen  der  untersuchten 
vi('''  Depots,  d.  i.  des  Abtsdorfer,  Trieblitzer,  lludoltitzer  und  Bohmisch-Triibauer 
sind  gleichalterig,  von  derselben  Stufe.  Sie  stiniuien  iiberein  mit  den  ausgedelinten  mio- 
caenen Sedimenten  der  miihrischen  Gebiete,  des  Wiener  Beckens,  des  galizisch-podo- 
lisclien  u. 


a. 


Sowie  in  Mfthren,  hatauch  in  Bohmen  eine  Erosion  und,  vielleicht  auch, 


12 

eine  locale  Emporhebung  die  ebemals  zusammenhangende  Decke  dieser  Sedimente  zer- 
rissen,  welche  uns  lieute  wie  Inselchen  in  einer  Fluth  jilngerer  Gebilde  erschefnen. 
Diese  Inseln  und  Inselchen  miocaener  mariner  Ablagerungen  deuten  die  Ausdehnung 
eines  einst  grossen  Meeresarmes  an,  welcher  in  das  bohmische  Gebiet  Kings  einer 
grossen  Dislocation  eindraug,  (lurch  welcbe  in  der  Permperiode  aus  Bohmen  nacb 
Miiliren  ein  grosser  Strom  floss,  spater  aber,  zur  Zeit  der  Kreideforniation,  eine 
Bucht  bis  gegen  Blansko  nach  Mahren  vordrang,  wiihrend  zur  Miocaenzeit,  auf 
dem  entgegengesetzten  Wege,  bier  ein  machtiger  Meeresarm  nach  Bohmen,  bis 
Bohmisch-Trtlbau  sich  ergoss.  Die  sich  verringernde  Machtigkeit  der  neogenen 
Scliicbten  in  der  Richtung  von  Miihren  nacb  Bohmen  findet  ihre  Beantwortung  in 
den  verktimmerten  Arten.  Dieser  Umstand  spricht  dafiir,  dass  das  Meer  bier  eine 
kiirzere  Zeit  gestanden,  als  in  Miihren  und  dass  aucb  hier  seichter  war,  als  in  den 
niahrischen  Gebieten.  Dass  die  neognen  Depots  Bohmens  niit  denjenigen  Mahrens 
zusainmenhangen,  beweist  der  Cliarakter  der  Fauna.  Hat  docb  das  bohmische  Neo- 
gen  79°/0  der  Arten  mit  den  Tegeln  des  Wiener  Beckons  gemeinschaftlich.  Die  Fauna 
von  Rudoltitz  aber  zeigt  die  moisten  gemeinsamen  Merkmale  mit  der  Steinabrunner 
Fauna,  woraus  folgt,  dass  sie  der  Fauna  der  in  die  Leithakalkbanke  gelagerten 
Tegel  zu  unterordnen  sei.  Dagegen  zeigt  die  Fauna  der  Rudoltitzer  Ablagerungen, 
nocb  mehr  aber  die  Fauna  von  Trieblitz  und  Abtsdorf  eine  sehr  Starke  Verwandt- 
schaft  mit  der  Fauna  der  sogen.  Cerithienschictiten  u.  a.  sich  durch  einen  grosesn 
lndividuen-  aber  geringen  Artenreichthum  auszeichnend.  Weitere  Vergleichungen 
mit  freindliindischer  Fauna  ftihrten  ilm  zu  dem  Resultat,  dass  die  bohmischen  neo- 
genen Ablagerungen  sehr  jung  sind,  dass  sie  zu  den  jiingsten  Ablagerungen  des 
Wiener  Beckons  gehoren,  ja  dass  sie  den  subapenninen  Scliicbten  aus  der  Umge- 
bung  von  Casteir  arquato,  nocb  meiir  den  pliocenen  Schichten  Siciliens  naher 
stehen,  als  den  jungen  der  hierlandischen  Gebiete. 

Zwei  Jahre  (1862)  nach  der  Publikation  der  erwahnten  Arbeit  A.  F.  Reuss's 
iiher  die  tertiiiren  bohmischen  Ablagerungen  hat  11.  Wolf  unser  neogenes  Gebiet 
geologiscb  aufgenommen.  In  seinem  Berichte  ')  tiber  die  Resultate  seiner  Arbeit, 
die  in  den  Publicationen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  in  Wien  enthalten  sind, 
schrieb  er,  dass  die  Gewftsser  des  Wiener  Beckens  in  das  ostliche  BOhmen  in  zwei 
Arinen  eindrangen,  von  denen  der  eine  bis  Wildenschwert  reichte,  wiihrend  der  au- 
dere  bis  Rothwasser  gieng.  Ausserdem  theilt  er  mit,  da.ss  er  miocaene  Tegel  in 
dei'  Umgebung  von  Rudoltitz,  Landskron,  Abtsdorf  und  Triblitz  sicherstellte.  Schliess- 
lich  sind  auf  seinem  geologischen  Karten-Blatte  „Leitoniischl-Landskron"  nocb  die 
folgenden  miocaenen  Depots  verzeichnet:  der  Jockelsdorfer,  der  Lukauer,  die  nord- 
liche  hiuter  Thomigsdorf  und  der  Schirmdorfer. 

Aucb  Prof.  J.  Krejoi  hat  alle  diese  miocaenen  Districte  sichergestellt;  denn 
er  liilirt  sie  alle  und  fast  in  denselben  Dimensionen,  wie  H.  Wolf,  auf  seinem  geo- 
logischen Karten-Blatte  der  Umgebung  von  Pardubitz-Bandskron  an.  Aber  in  seiner 
Geoloyie  vom  .1  afire  1877,  Seite  940,  fiihrt  er  sie  nicht  an;  in  dieser  bescbriinkt  er 
sich  ausschliesslich  auf  die  Berichte  von  Items,  er  wiederholt  kurz  das,  was  dieser 
knapp  erklart  hat. 


')  11.   Wolf:  Verhandl.  der  k,  k.  geologischen   Reichsanstalt  1862. 


1:J> 

Nach  diesen  Arbeiten  blieb  das  bohmische  Miocaen  lange  unbeachtet.  Nur 
seines  Fossilienmaterials,  das  Reuss  erbeutot  hatte,  wurde  zeitweilig  gedacht  und 
das  namentlich  als  einzelne  Thier-Classen  des  Wiener  Beckens  und  des  ganzon 
inl8.ndi8cb.en  Miocaens  umgearbeitet  wurden.  So  bestimmte  A.  E.  Reuss  viele  seiner 
Foraminiferen,  Ostrakoden,  Bryozoen  und  Korallen,  Mansoni  die  Bryozoen,  E. 
Dreger  die  Brachiopoden,  R.  Hoernes  und  M.  Auinger  die  Gastropoden  neu. 

Erst  in  den  70en  Jahren  wurde  unseres  Miocaens  wieder  gedacht.  So  von 
Th.  Fuchs,1)  der  behauptete,  dass  die  Rudoltitzer  und  Abtsdorfer  Scliichten  zum 
wunder  Horizont  gehoren.  Auch  E.  Tietze'1)  erwiihnt  ihrer;  desgleichen  E.  Suess.8) 

Einigermassen  abweichend  behandelt  Dr.  Fr.  Katmer*)  diese  Sediraente. 
Offenbar  ist  dies  infolge  eines  Missverstandnisses  oder  eines  t)bersehens  erfolgt, 
denn  anders  ist  es  nicbt  zu  erklaren. 

Heute  giebt  es  doch  nach  dcm  heissen  litterarischen  Karapfe  betreffs  der 
Beziehung  der  Sedimente  der  mediterranen  Stui'e  zu  den  Gebilden  der  sarmatischen 
u"d  kongerien  Stufe  niemanden,  der  die  Vermuthung  aussprache,  dass  uusere  ost- 
btihmischen  miocaenen  Sedimente  der  sarmatischen  oder  kongerien  Stufe  entsprechen. 
Und  deshalb  vermuthe  ich,  dass  auch  Dr.  Fr.  Katzer  dies  nicht  gemeint  hat. 

In  letzter  Zeit,  dem  Vorjahre,  danken  wir  einen  kurzen  Bericht  iiber 
nnser  Miocaen  dem  Dr.  E.  Tietee.6)  Tietze  theilt  in  eincm  Reisebericht  aus  Lands- 
ki'on  mit,  dass  er  neogene  Ablagerungen  im  ostlichen  Bohmen  an  verschiedenen 
Orten  entdeckt  habe  und  legt  nachdrucklichst  Gewicht  darauf,  dass  er  miocaene 
™egel  in  der  Umgebung  von  Wildenschwert  entdeckt  habe. 

Diese  Entdeckung  veranlasste  Tietze,  Dr.  J.  J.  John  aufzuforden,  nach- 
Zuforschen,  und  soweit  dies  angeht,  t.icherzustellen,  ob  die  miocaenen  Sedimente 
sich  nicht  etwa  langs  des  Adlerthales  bis  zur  Elbe  ausdehnen  und  ob  sie  westlich 
ni°ht  iiber  die  Donau-Elbewasserscheide  reichen. 

Im  Herbst  des  verflossenen  Jahres  veroffentlichte  Dr.  J.  J.  John 6)  das 
^esultat  seiner  Arbeit  in  dieser  Richtung  in  einem  Reiseberichte  aus  Hohenmauth, 
111  welchem  er  mittheilt,  dass  er  im  Chotzen-Leitomischler  Gebiete  an  23  verschie- 
denen Punkten  miocaene  Sedimente  sichergeslellt  habe  u.  z.  im  Flussgebiete  des 
Adler  bei  Brandeis,  stidostlich  dor  Eisenbahnstation  von  Chotzen,  ostlich  und  west- 
8lch  von  Srub,  bei  Dobfikow,  Zamrsk,  St.  Nicolaus,  Radhost  und  Uhersko,  bei 
klatin,  Voklikov,  Shakow,  Kosofin,  Nofin,  Dorflik,  SedliStS,  Kornic,  Leitomischl, 
^©rekvic,  Knffov,  Lhota,  Luze,  Neuen-Schloss  und  Budislau. 


1)  Th.   Fucks:  Die  Versuche  einer  Gliederung  des    des  Neogens  im  Gebiete  des  Mittel- 
^eeres  i885. 

T .  '')  E.  Tietze.  Die  Versuche  oiner  Gliederung  des  unteren  Neogen  in  den  Osterreichischen 

Undern.  1884. 

s)  E.  Suess.  Das  Antlitz  der  Erde.  Bd.  II,  S.  410. 

*)  Fr.  Katzer.  Geologic  von  Bohmen.   S.   14-28. 

)   E.  Tietze.  Reisebericht  aus  der  Gegend  von  Landskron  in  Bohmen.  1893.  S.  263. 

6)  J.  J.  John.  Bericht  iiber  die  Aufnahmsnrbeit  im  Gebiete  von  IIohenmauth-Lcitomischl. 


S 


eite  275. 


14 


Vora  Miocaen  der  Olmtttzer  Umgebung  sprechend,  erinnert  Dr.  E.  Tietze^) 
an  die  erwahnten  Entdeckungen  Jahns  und  bemerkt,  dass,  falls  spiiter  palaeonto- 
logisch  sichergestellt  wird,  dass  Jahns  miooaene  Depots  factisch  miocaener  und 
mariner  Natur  seien,  es  nothwendig  sein  werde,  die  westlichen  Grenzon  des  mio- 
caenen  Meeres  wohl  weit  im  westlichen  Elbegebiete  zu  suchen. 

Es  ist  natiirlich,  dass  mir  vor  allem  darum  zu  thun  war,  palaeontologisch 
nachzuwiesen  und  iiberhaupt  sicherzustellen,  in  wie  weit  Jahns  Ansicht  iiber 
die  weichen  Tegel  der  Chotzen-Leitomisclier  Gegend  berechtigt  ist.  Die  Resultate 
meiner  Untersuchung  habe  ich  in  den  Abhandlungen  der  kgl.  bohniischen  Gesell- 
schaft  der  Wissenschaften  niedergelegt. 2)  Durch  sie  ist  klar  erwiesen,  dass  die  er- 
wahnten Jahn'schen  Tegel  weder  mariner  noch  miocaener  Natur  seien,  sondern,  dass 
es,  wie  schon  frtiher  J.  Krejdi  und  A.  Fric  sichergestellt  haben,  aufgeweichte,  an 
zahlreichen  Stellen  durch  Regenwasser  verschwemmte  und  neuerdings  uingelagerte 
dttnnblattrige  Tegel  der  Priesener  vielleicht  auch  der  Teplitzer  Stufe  sind. 


')  E.  TieUe.  Die  geologischen  Verhaltnisse  der  Gegend  von  Olmutz.  8.  165. 
2)   V.  J.  Prochdzka.  0  lizemi  talc  zvanyVJi  mof'skycli  jilft  miocaennich  mezi  Chocnf  a  Lito- 
myslf.  Nr.  31.  --  Verhandl.  d.  geolog.  Reichsanstalt  S.  277. 


Das  Gebiet  der  marinen  Tegel. 


Unsere  bisherigen  Kenntnisse  hinsichtlich  dieses,  wie  es  sich  uns  heute 
Prasentirt,  ziemlich  ausgedehnten  Gebietes  besehrankten  sich  bios  auf  die  Berichte 
A-  E.  Reuss'ens  iiber  den  Rudoltitzer  Tegel,  die  in  der  hier  bereits  erwiihnten 
Abhandlung  iiber  die  tertiaren,  bohmischen,  marinen,  mioeaenen  Schichten  aus  den 
60er  Jahren  enthalten  waren. 

Ich  lege  hier  besonderen  Nachdruck  darauf,  dass  diese  Berichte  Reuss'ens 
sich  ausschliesslich  auf  cine  eingehenderc  Kenntnis  der  Fauna  des  Rudoltitzer 
Tegels  stiitzten.  Dass  dem  so  ist,  davon  iiberzeugen  uns  seine  Schlussfolge- 
''ungen,  einerscits  betreffs  der  ganzen  Charakteristik  dieses  Districtes,  anderer- 
seits  der  Umstand,  dass  cr  von  Rudoltitz  sprechend,  die  iibrigen  Fundorte,  Abts- 
('°vf  und  'Trieblitz,  deren  Fauna  er  auf  das  Niveau  der  Fauna  der  sarmatischen 
Stufe,  oder  wie  er  sich,  den  damaligen  Anschauungen  entsprechend,  ausdriickt,  der 
ccrithischeu  Schichten,  stellt,  beiseite  liisst. 

Soweit  es  sich  um  diese  Berichte  Reuss'ens  handelt,  muss  gerechterweise 
v°n  ihnen  gesagt  werden,  dass  sie  sehr  werthvoll  und  richtig  sind  und  dass 
s'e  etwa  nach  Beilarf  fur  die  eine  oder  die  andere  Anschauung  sich  nicht 
entstellen  lassen. 

Als  ich  die  Literatur  iiber  dieses  unser  Gebiet  studierte,  war  es  inir  an- 
i&Bglich  auffallig,  warum  neben  Rudoltitz,  Abtsdorf  und  Trieblitz  nicht  auch  die 
anderen  Fundorte  berticksichtigt  wurdcn,  deren  es  auf  der  alten  Leitomischl-Bohm.- 
Trttbauer  Karte  der  Wiener  geologischen  Reichsanstalt  genug  verzeichnet  giebt 
ebenso  auch  auf  der  geologischen  Karte  Prof.  J.  Krejci's  betreffend  die  Umgebung 
von  Pardubitz  Chrudim-Leitomischl.  Die  Sadie  wurde  mir  bald  klar,  als  ich  erfuhr, 
('!lSs  die  Miocaen-Depots  auf  den  Blattern  der  Wiener  geologischen  Reichsanstalt 
(Lukau,  Thomigsdorf,  Landskron,  Tfemosmi,  Rothwasser,  Wernsdorf,  Schirmdorf, 
°udoltitz,  Abtsdorf,  Trieblitz,  Bohmisch-Triibau  und  Wildenschwert  H.  Wolf  im  Jahre 
1-862  geologisch  ausgeschiedea  hatte,  und  dass  A.  K.  Eems  in  der  Gegend  von 
Rudoltitz,  Abtsdorf,  Triblitz  und  Bohmisch-Triibau  vor  dem  Jahre  1860  gewesen 
lst5  woselbst  er  seine  Beobachtungen  auf  die  Einschnitte  der  damals  neuerbauten 
Eisenbahn  concentrirte. 

II  Wolf,  der  gewohnt  war ,  auf  den  inahrischen ,  nieder-  und  ober- 
°sterreichischen  mioeaenen  Fundorten  stellenweise  Massen  von  Petrefacten  zu 
Sehen,  konnte  in  seinen  Berichten  iiber  unsere  mioeaenen  bohmischen  Localitaten 
uicht  anders  schreiben,    als    dass   sie    bis  auf  jene    von    Rudoltitz,  Abtsdorf  und 


16 

Trieblitz  Petrefacten  »icht  enthalten.  Allerdings  waren  derartige  Berichte  nicht  ge- 
eignet,  jemanden  zu  Untersuchungen  zu  bewegen.  Es  ist  daher  begreiflich,  dass 
sich  nicht  einraal  Reuss  selbst  in  unserem  Gebiete  wieder  eiufand,  um  das  zu  voll- 
enden,  was  er  mit  so  glucklichem  Erfolge  begonnen  hatte.  Seit  jener  Zeit,  bis  in 
das  voi'ige  Jahr,  lag  die  Forschung  unsercs  miocaenen  Gebietes  brach.  Trotzdem 
djes  der  Fall  war,  wurden  verschiedene  Urtheile  betreffs  desselben  abgegeben,  doch 
geschah  dies  immer  auf  Grund  der  Arbeit  A.  E.  Reuss'ens.  Dabei  handelte  cs  sich 
imnier  nur  um  eine  Parallelisirung  unserer  Ablagerungen  mit  anderen  und  um  die 
Abgrenzung  ihres  Niveaus  im  inlandischen,  miocaenen  Schichtensystem.  A.  E.  Reuss 
ist,  wie  bekannt,  zu  clem  Urtheil  gelangt,  dass  man  die  Rudoltitzer  Tegel  als  analog 
mit  den  Steinabrunner  betrachten  miisse.  Anders  entschieden  hieriiber  spater 
Th.  Fuchs  und  R.  Hoernes.  Indem  sie  einigen  Arten  (wie  z.  B. :  Cerithium  lignitarum), 
Bedeutung  beilegten,  sprachen  sie  die  Ansicht  aus,  dass  diese  Sedimente  dem 
Grander  Horizont  angehoren. 

In  wie  weit  die  eine  oder    die  andere  Ansicht  den  Tliatsachen  entspricht, 
wird  aus  dem  weiter  unten  geftihrten  Beweise  hervorgehen. 


Rudoltitz. 


Das  Rudoltitzer  Depot  der  miocaenen  Tegel  ist  unstreitig  das  wichtigste 
von  alien  ostbohmischen  neogenen  Districted  Seine  Wichtigkeit  liegt  einerseits  in 
der  ziemlich  reichen  Fauna,  deren  Bild  —  audi  so  weit  dasselbe  jetzt  bekannt  ist 
—  einen  tiefen  Blick  in  das  organische  Leben  der  bis  in  diese  nordwestlichen  Ge- 
genden  ausgreifenden  seichten  Bucht  des  einst  weit  ausgedehnten,  das  gauze  Mahren 
iiberfluthenden  und  tief  in  das  bohmisch-mahrische  Plateau  reicheuden  miocaenen 
Meeres  gewahrt,  andererseits  darin,  dass  in  demselben  eine  Ware  Anschauung  von 
der  unbedeutenden  Miichtigkeit  der  miocaenen  Ablagerungen  unseres  ostbohmischen, 
miocaenen  Gebietes  gewonnen  werden  kann. 

Ausserdem  hat  dasselbe  gleichzeitig  eine  geschichtliche  Wichtigkeit.  1st  doch 
Rudoltitz  jene  Fundstelle,  wo  in  Bohmen  die  ersten  Nachrichten  ftber  das  marine 
Miocaen  gesammelt  wurden.  Hier  befindet  sich  audi  bisher  dor  einzige,  einiger- 
massen  reichere  Ort,  von  wo  aus  die  Berichte  iiber  den  Charakter  des  ganzen  Gebietes 
versendet  wurden.  Dass  diese  Berichte  haufig  ttberschatzt  wurden,  das  braucht  nicht 
verwunderlich  zu  erscheinen,  geschieht  doch  das  fast  iimner,  wenn  es  an  Belegen 
mangelt  und  diese  durch  eine  oft  iippige  Phantasie  zu  ersetzen  getrachtet  werden. 

Richtig  ist  jedoch,  dass  die  ganze,  kleine  Rudoltitzer  Niederung  noch  heute 
von  miocaenen  Tegeln  ausgefiillt  crscheint.  Mit  dieser  Ansicht  stimmt  vor  allem 
die  Lage,  weiter  die  Gestalt  des  Grundgebirges  und  endlich  die  Miichtigkeit  der 
im  Eisenbahneinschnitt  aufgedeckten  Tegel.  Wenn  sich  jedoch  heute  das  Rudoltitzer 
miocaene  Depot  als  eine  kleine  Insel  priisentirt,  dann  liegt  die  Ursache  in  der  Decke 
von  jiingeren  und  jungen  Sedimenten,  deren  Miichtigkeit  stellenweise  auffallig  anwiichst, 
wiihrend  sie  anderswo  auf  einen  diinnen  Ueberzug  zusammenschrumpft.  Die  Gestalt 
der  Unterlage  und  ihre  Ausgiinge  bestimmen  die  Richtung,  in  welcher  dieser  miocaene 
District  mit  dem  nachbarlichen  Thomigsdori  -  Lukauer  im   Suden  und  dem  Lands- 


17 


kroner  im  Norden  zusammenhangt.  Von  der  Form  des  Grundgebirges  liess  sich  H.  Wolf 
leiten,  als  er  dieses  miocaene  Depot  auf  seiner  geologischen  Karte  abgrenzte  und 
ebenso  ./.  Krejci,  denn  nur  hiedurch  liisst  sich  die  Verlangerung  des  Rudoltitzer 
miocaenen  Districtes  in  der  Richtung  zu  den  nachbarlichen  Districten  auf  jenen 
geologischen  Karten  erkliiren.  Und  das  war  eben  der  Grund,  dass  auf  jenen  Kartell 
auch  doit  Miocaen  zu  finden  ist,  wo  wir  es  an  der  Oberfliiclie,  nach  jenen  Angaben, 
Vergeblich  suchen. 

Hier  muss  ich  jedocb  eine  Bemerkung  einrlechten,  welcbe  die  Umst&nde 
betrifft ,  unter  welchen  A.  E.  Reuss  das  Rudoltitzer  Tegel-Depot  beobachtet  hat 
und  wie  ich  es  gefunden,  als  ich  dasselbe  begieng  und  daselbst  meine  Untersuchungen 
anstellte. 

Schon  der  Unistand,  dass  A.  E,  Reuss  sich  in  der  Gegend  aufhielt,  als 
der  Rudoltitzer  Bahneinschnitt  hergestellt  wurde,  d.  i.  als  alles  zur  Durchforschung 
aufgedeckt  und  often  da  lag,  wiihrend  ich  nach  etwa  36  Jahren  an  Ort  und  Stelle 
kain,  die  Einschnitte  begrast,  von  Steinterassen  durchflochten  und  die  Tegel  nur 
an  einigen  Stellen  abgegraben  und  zuganglich  findend  —  illustrirt  zur  Geniige  den 
Unterscbied  der  Verhiiltnisse  und  gestattet  eine  Abschatzung  der  Ergebnisse. 

Mit  Riicksicht  auf  diese  Umstiinde  halte  ich  es  fur  unerliisslich,  kurz  und 
bundig  die  Beschreibung  der  Lagerungsverhiiltnisse  anzufuhren,  wie  sic  vou  Reuss 
,n  jenen  Jahren  bestimuit  wurden.  Hieriiber  schreibt  A.  E.  Reuss  in  der  fruher 
'-nviihnten  Arbeit  zuniichst,  dass  er  als  unterste  miocaene  Schichte  erkannte:  Ent- 
weder  einen  aschgrauen  oder  blaugrauen  Tegel,  enthaltend  zahlreiche,  in  Lignit 
vBrwandelte  Holzbruchstiiekchen  nebst  unziihligen  Austernschalen  von  ziernlicher 
Crosse.  Andere  Petrefacten  land  er  in  diesem  Tegel  nicht.  Auf  diesem  Tegel, 
taeilt  er  weiter  mit,  liegt  eine  Tegelbank  von  gelblichgrauer  Farbe,  von  sandiger 
"oschaffenheit  mit  sehr  viel  Versteinerungen,  welcbe  einige  diinne  Schichten,  theils 
'ockeren,  theils  harten,  eisenhaltigen  Sandsteines  ohne  Petrefacten  bedecken.  Das 
Hangende  dieses  Schichtencoinplexes  fand  er  zusainmengesetzt  aus  diluvialem  Gerolle, 
oberhalb  dessen  das  Schicbtensystem  eine  Lehmbank  abschloss. 

Soweit  A.  E.  Reuss  iiber  die  Rudoltitzer  Lagerungsverhiiltnisse  und  Schichten- 
'°%e  der  miocaenen  Sedimente.  Heute  sind  die  Umstftnde  allerdings  erschwert  und 
Wltissen  audi  diese  in  Erwiigung  gezogen  werden.  Aber  trotzdem  wird  es  uns 
golingen,  viele  Dinge  herauszufinden,  die  im  Stande  sind,  das  Bild  Reuss'ens  zu  ergiinzen 
Und  zu  beleuchten.  Gleichzeitig  miissen  wir  uns  vor  Augen  halten,  dass  nicht  alles, 
Was  Reuss  entdeckt  hat,  auch  uns  zu  erforschen  gelingen  wird,  nichtsdostoweniger 
V('i'mag  eine  zweckmiissige  Combination  der  erforschten  Thatsachen  der  Erklarung 
"elfend  beizuspringen. 

Was  gleich  Anfangs  unangenehm  wirkt,  ist  der  Umstand,  dass  unter  deu 
"e*"zeitigen  Verhaltnissen  es  nicht  gelingt,  unter  den  dortigen  miocaenen  Schichten 
jene  Tegelbank  aufzudecken,  in  der  Reuss  einen  auffalligen  Reiehthuiu  an  Austern 
Und  vie]  in  Lignit  verwandelten  Holzes  vorfand.  Mich  hat  dieser  Umstand  in 
Reiner  Weise  stutzig  gemacht;  im  Gegentheile,  ich  babe  ihn  natiirlich  gefunden, 
nachdem  ich  mich  fruher  in  der  Umgebung  von  Abtsdorf  iiberzeugt  hatte,  dass 
c'as<'lbst  Austern  nur  an  manchen  Stellen  in  grosserer  Zahl  auftreten,  wiihrend  wir 
Sle  anderswo  in  derselben  Tegelbank  vergeblich  suchen. 


18 


Ebenso  blieb  das  Suchen  nach  Sandbiinken  im  Rudoltitzev  Einschnitte 
resultatlos,  von  welcben  Reuss  mittheilt,  dass  sie  bis  zu  hartem  Sandsteine  ab- 
wechseln  und  auf  dem  oberen,  gelbgrauen  Tegel  aufgelagert  sind.  Den  Grund, 
warum  wir  von  diesen  Bftnken  heute  auch  nicht  mehr  eine  Spur  linden,  schreibe  icb 
einerseits  den  ungiinstigen  Umstiinden,  andererseits  der  unbedeutenden  Ausdehnung 
der  zugiinglichen  Schichten,  dann  aber  besonders  dem  Umstande  zu,  dass  diese 
oberen  Biinke  theils  weggeftthrt,  theils  mit  dem,  aus  dem  Einschnitt  gcwonnenen 
Material  verschiittet  sind,  wodurcli  man  den  Einschnitt  seit  Jabren  erweitert,  uin 
das  fortwiihrende  Rutschen  und  Reissen  desselben  zu  verb-indent. 

Von  diesen  Reuss'schen  Sandbiinken  unterscheide  icb  strong  eine  ganz 
diinnc  Bank  feinen  Sandes,  die  in  den  oberen,  gelben  Tegel  bineingelagert  ist. 
Ich  erblicke  namlich  den  Unterschied  zwischen  diesen  petrograflsch  verscbiedenen 
Ablagerungen  nicht  nur  in  der  verscbiedenen  Lage,  sondern  auch  in  dem  abwei- 
chenden  Charakter  der  Fauna. 

Diese  interessante  Sandeinlage  deckte  ich  im  Bahneinschnitt  auf,  als  ich 
mich  bemiihte,  ein  ftir  die  Untersuchung  gtlnstiges  Profil  in  den  dortigen  Schichten 
zu  finden.  Dieses  erkannte  ieh  un.terha.lb  des  Wa^chterhauses  No.  264,  wo  der  gelb- 
liche  Tegel  in  seiner  nattelichen  Lage,  direct  auf  seiner  Unterlago,  dem  permischen 
Sandstein  aufruht  Es  ist  das  derselbe  Tegel,  von  dem  Reuss  sagt,  dass  er  auf 
grauem  Tegel  liegt.  Dass  dies  thatsachlich  der  Fall,  davon  gibt  seine  Lage  Zougniss, 
denn  er  liegt  holier  als  der  graue  Tegel,  am  Boden  des  Einschnittes,  im  Niveau 
der  Schienen,  wo  er  zu  Tage  tritt. 

Dieser  graue,  bis  blaugraue  Tegel,  fuhrt,  soweit  ich  mich  personlich  iiber- 
zeugte,  an  jenen  Stellen,  wo  er  heute  aufgodeckt  ist,  keine  grossere  Menge  von  Austern- 
schalen.  Nur  hie  und  da  stossen  wir  auf  ein  veieinzeltes  Bruchstuck.  Auch  auf 
einem  Tegelhaufen  aus  dem  Einschnitte  schnuffelte  ich  ohne  Erfolg  umher,  uin  den 
Ort  zu  linden,  an  dem  sich  fur  Reussen's  Ansicht  eine  Stutze  ergeben,  d.  i.  des 
Vorhandenseins  einer  grossen  Anzahl  von  Austernschalen.  Dainit  verliert  die 
Ansicht  Reussen's  in  keiner  Weise  an  Glaubwttrdigkeit,  im  Gegentheile,  sie  beweist, 
dass,  wie  anderswo,  auch  hier  die  Austern  sich  auf  die  Sedimente  des  unteren 
grauen  und  blaugrauen  Tegels  uud  auf  jene  Stellen  beschrankten,  wo  sie  wiihrend 
deren  Sedimentation  die  giinstigsten  Lebensbedingungen  vorfanden. 

Was  den  petrographischen  Charakter  dieses  grauen  Tegels  anbelangt,  so 
stimmt  er  ganz  mit  dem  Abtsdorfer  Tegel  iiberein,  der  an  Austernschalen  reich  ist, 
dann  mit  dem  Tegel  von  Trieblitz  und  schliesslicli  mit  Tegel  der  unteren  l'auk  der 
Uingebung  von  Rybnik,  welcher,  sowie  dieser,  auch  nicht  eine  Spur  von  Petrefacten 
enthiilt. 

Der  Gesammtcharakter  dieses  blaugrauen  Tegels  zeigt  sich  nach  vielfacher 
Richtung  ttbereinstimmend  mit  dem  Charakter  der  brackischen  Tegel.  Wetiigstens 
zeugt  hievon  sein  Reichthum  an  Austern  und  die  Abwesenlieit  von  rein  marinen 
Arten.  Das  endgiltige  Urtheil  dariibei',  von  welcher  Fades  er  ist,  oh  von  bracki- 
scher  oder  mariner,  iibelasse  ich  einer  spiiteren  Untersuchung,  welche  wob]  auch 
die  bisher  unbekannte  Fauna  aufdecken  wird. 

Wichtiger  als  dieser  Tegel  ist  der  Tegel  aus  hoheren  Lagen  und  vo11 
gelbgrauer     bis    gelber    Farbe.    Er    ist     es    eigentlich,    auf    Grund    dessen    Faun8 


19 


erhaltnisse    der 
en   neogenen 


4.  E.  Reuse  das  hochinteressante  Bild  der  physikalischen 
ostbohmischen  miocaenen  Bucht  und  ihr  Verhaltnis  zu  dem 
Meere  entwarf. 

An  welcher  Stelle  des  Eisenbahneinschnittes  Reuse  in  diesem  Tegel  seine 
Fauna  erbeutete  und  zusammonlas,  ist  mir,  zu  erforschen,  nicht  gelungen.  Aus  seiner 
Beschreibung  geht  jedoch  klar  hervor,  dass  er  dieselbe  anderswo  erbeutet  hat,  als 
icli  diesmal  die  meine.  Dariiber  legt  einerseits  die  Angabe  Zeugnis  ab,  dass  seine 
tiank  gelbliehgrauen  Tegels  direct  auf  dunkelblauem  Tegel  aufruhte  andererseits 
°'nige  Unterschiede,  welche  meine  Fauna  von  der  seinen  trennen. 

Wie  schon  friiher  erwiihnt,  wurde  dieser  Tegel,  der  in  der  Bdsclmng  des 
Eisenbahneinschnittes  unterhalb  des  Wachterhauses  blosgelegt  worden  ist,  direct 
auf  Permsandstein  aufruhend,  befunden.  Die  Bank  erreicht  hier  eine  Machtigkeit 
yon  etwa  0-8  in.  und  ist  in  ilirein  oberen  Theile  durch  ein  schwaches  Biinkchen 
feinem  Quarzsands  unterbrochen,  bedeutende  Mengen  mittelgrosser,  ja  bis  grosser 
Austemschalen  von  Ostrea  giengensis  Schloth  sp.  einschliessend,  die  jedoch  ziemlich 
schlecht  erhalten  sind.  Diese  Schalen  zerfallen  augenblicklich,  sobald  wir  sie 
herauszuarbeiten  beginneu,  so  das  es  nirgend  gelang,  freie,  ganze  und  erhaltene 
Einzelstticke  zu  erlangen. 

Der  petrographische  Charakter  des  Tegels  oberhalb  und  unterhalb  der 
Sandeinlage  ist  derselbe.  In  beiden  Lagen  ist  er  fein,  plastisch  und  aus  beiden 
Kiinken  geschlemmt,  hinterlasst  er  eine  bedeutende  Menge  uberaus  feinen  Sandes, 
aus  kleinen  Quarzkornchen  bestehend,  die  von  Eisenoxyd  verfarbt  sind.  Dieser 
sandigen  Beimengung  ist  im  demselben  mehr,  als  in  den  unteren  Tegeln  ent- 
halten.  Wir  sind  daher  berechtigt,  ihn  mit  Reuss  als  einen  sandigen  Tegel 
anzusehen.  Ein  anderes  Detrit  wurde  in  demselben  bisher  nicht  nacbgewiesen. 

Seine  reiche  Fauna  ist  vielfach  herrlich  erhalten.  Die  Geliiiuse,  z.  B.,  der 
^oraminiferen,  Gastropoden  etc.  haben  einen  braunen  Anhauch,  der  jedoch  nicht  so 
intensiv  ist,  wie  z.  B.  derjenigen  aus  dem  Trieblitzer  oder  Abtsdorfer  Tegel.  Voll- 
standig  erhalten  wurden  bisher  nur  die  Gehause,  der  Mikrofauna  sichergestellt. 
Merkwuidig  ist,  dass  nur  die  Schalen  der  Ostrakoden  in  dieser  Hinsicht  eine 
A-isnahme  machen,  denn  diese  sind  in  der  Regel  zerschlagen  und  nur  sehr  selten 
ganz.  Wenigstens  an.  der  Stelle,  von  welcher  mein  Material  herruhrt,  ist  dies  der 
Fal1;  ob  Reuss  dieselbe  Beobachtung  gemacht  hat,  kann  ich  im  Momente  nicht 
entscheiden,  da  er  nirgens  dariiber,  wie  die  Geliiiuse  und  Schalen  dieser  Classen 
erbalten  sind,  sich  vernehmen  liisst. 

Wie  auf  anderen,  miocaenen,  inliindischen  Gebieten  habe  ich  auch  hier  den 
alte",  nach  meiner  Ansicht,  einzig  zum  Ziele  fiihrenden  Vorgang  bei  der  Aus- 
beutung  und  Sicherstellung  des  palaeontologischen  Schichten-Charakters  beibehalten; 
'Cfl  beschrankte  mich  niimlich  auch  diesmal  nur  auf  eine  bestimmte,  nach  langerer 
El"Wiigung  als  glinstigst  befundene  Schichte,  in  die  erhaltene  Fauna  nichts  auf- 
n*'hinend,  was  von  wo  andersher  kommt,  selbst  wenn  es  aus  demselben  Niveau, 
(1erselben  Schichte  herruhrtc. 

Die  Fauna  in  dem  wetter  unten  angefiihrten  Verzeichnisse  wurde  aus 
einem  20  Kilogramm  schweren  Tegelstiicke  ausgeschwammt.  Auf  diese  Weise  habe 
lch  den  Zutritt  fremder  Elemente  verhindert,  die  nur  Verwirrung  verursacht  bitten 

a* 


20 

und  erzielte  damit,  dass  wir  in  dieser  Fauna  ein  thatsachlicb.es,  directes  und  wahres 
Bjld  besitzen,  einen  reinen  Typus  des  gelblichen  Rudoltitzer  Tegels,  der  es  dann 
ennftglicht  die  Abweichungen  zu  erkennen,  die  bei  einem  anderen  Untersuchungs- 
vorgang  entweder  undeutlich  hervortreten,  oder  ganzlich  versehwinden. 


Die  Fauna  ties  Rudoltitzer  Tegels. 


P  i  s  c  e  s. 


Otolith 

as  (Gobius)  Friti,  Proch.  .    . 

81) 

i! 

„     Bohemicus,  Proch. 

SS 

H 

„     praeelarus,  Proch. 

ss 

n 

„    Rudolticens.,  Proch. 

ss 

y> 

„      elegans,  Proch. 

s 

r> 

(Berycidarum)   Moravicus, 

Proch.  .    . 

s 

» 

„     pulcher,   Proch. 

s 

1! 

„     Kokeni,  Proch.  . 

h 

» 

„     fragilis,  Proch.  . 

s 

» 

(inc.  sedis)  formosus,  Proch. 

ss 

0  s  t  r  a  c  o  d  a. 

Bairdia  subteres,  Rss h 

Cythere  Edwardii,  Rom ss 

„        hystrix,  Rss s 

Cytheridea  Mullen,  Miinst s 

Gasteropod  a. 

Buccinum  Hoernesi,  R.  Hoern.  u.  A.  .  s 

Pleurotoma  sp ss 

Cerithium  dolium,  Brocc s 

„         scabrum,  Olivi s 

Turritella  turris,  Bart ss 

„        Archimedis,  Brong.   .   .   .  ss 
„        bicarinata,  Eichw.      .    .    .  ss 

Fossarus  costatus,  Brocc ss 

Caecum  glabrum,  Mont,  sp ss 

„        trachea,  Mont ss 

Odontostoma  plicata,  Mont ss 

Turbinella  costellata,  Grat s 

„         pusilla,  Phil s 

„  subumbilicata,  Grat.     .    .  s 


s 

s 

.SS 

h 
h 


Turbinella  pygmea,  Grat s 

Natica  redempta,  Michti  .  .  . 
Chemnitz i a  Reussi,  M.  Hoern.  . 
Rissoa  Moulinsi,  d'Orb 

„       angulata,  Eichw 

„       Montagni,  Payr    .... 

„       Venus,  d'Orb ss 

Hydrobia  Frauenfeldi,  M.  Hoern.     .  s 
Molanopsis  tabulata,  M.  Hoern.     .    .  s 

Fissurella  Italica,  Defr ss 

Puncturella  ornata,  Rss ss 

Dentalium  mutabile,  Doderl ss 

„  Jani,  M.  Hoern s 

„         entalis,  Linne-    ....      ss 
„  Michelotti,  M.  Hoern.   .    .  s 

Ch  itonidae. 

Chiton  Reussi,  Proch ss 

„       denudatus,  Rss ss 

L  a  m  e  1 1  i  b  r  a  n  c  h  i  a  t  a. 

Gastrochaena  dubia,  Rss ss 

Teredo  Norvegica,  Spengl ss 

Corbula  gibba,  Olivi s 

carinata,  Dujard h 

Venus  fasciculata,  Rss.  ......  ss 

„       Basterotti,  Desh ss 

Cytherea  sp ss 

Circe  minima,  Mont ss 

Cardium  papillosum,  Poli ss 

Chama  gryphoides,  Linne" h 

Lucina  Dujardini,  Desh ss 

„       spinifera,  Mont s 

„       Agassizii,  Michti     .    .    •   .    .  ss 
„       strigilata,  Rss h 


')    Krklarung    der  Abkdrzung:   s  bedeutel, 
selten,  h  hautig,  hh  schr  hiiuflg  vorkommt. 


dass  die    betreffendc    Art    selteu ,    ss    sehr 


21 


Lucina  exigua,  Eichw ss 

Cardifca  rudista,  Lam ss 

»      Partschi,  Goldf s 

ii      scalaris,  Sow ss 

Nucula  nucleus,  Linne s 

Leda  fragilis,  Chemn ...,,.,  ss 

»     nitida,  Brocc s 

Area  Noae,  Linne' ss 

,:n     diluvii,  Lara ss 

n     Factea,  \Am\6 ss 

ii    clathrata,  Defr ss 

Modiola  Hoernesi,  Ess ss 

»      marginata,  Richw.     .       .   .  ss 
Ogtrea  giengensis,  Schloth.  sp.  .   .   .  Ii 

B  rachi  o  pod  a. 
Megerlea  oblita,  Miehti h 

B  r  y  o  z  o  a. 

Hornera  hippolythus,  Defr.    .    .        .  ss 

ceriopora  globullus,  Rss 8 

Heteropora  stipilata,  Hss ss 

Salicornaria  farciminoides,  Johnst.  .  ss 
Lepralia  gracilis,  Mttnst ss 

Echinodermata. 

Diadema  Desori,  Rss ss 

Verschieden  geformte  Stacheln  .    .    .  h 

Vermes. 

Sei'Pula  carinella,  Rss s 

»       crispata,  Rss h 

»      declivis,  Rss s 

A  n  t  h  o  z  o  a. 

Jhecocyathus  microphyllus,  Rss.  .    .  ss 

^enastraea  tenera,  Rss s 

/lil,li»igia  conferta,  Rss h 

For  am  in  iter  a. 

J'extuiaria  carinata,  d'Orb h 

v      »         sp ss 

Ve,'ieuilina  spinulosa,  Rss s 


Bulimina  affinis,   d'Orb h 

„         ovata,  d'Orb h 

„         ]>upoides,  d'Orb ss 

„        aculeata,  d'Orb ss 

Virgulina  Schreibersiana,  Czi2.     .    .  s 

Bolivina  robusta,  Brady     s 

„        punctata,  d'Orb s 

Lagena  strumosa,  Hss ss 

sp ss 

Nodosaria  venusta,  Rss ii 

„         (D)  acuta,  d'Orb s 

(l>)  acuticauda,  Rss.      .    .  ss 
„         (D)  elegans,  d'Orb.   .    .    .  ss 
„        (D)  Romeri,  Neugeb.     .    .  s 
„         (D)  pygmaea,  Neugeb.  .    .  ss 
„        (D)  bifurcata,  d'Orb.     .    .  ss 

„         (D)  scabra,  Rss hh 

Marginulina  Hoernesi,  Kss h 

similis,  d'Orb ss 

Oristellaria  cultrata,  Montf ss 

„         calcar,  d'Orb hh 

„         Austriaca,  d'Orb ss 

„         intermedia,  d'Orb.         .    .  ss 

„        depauperata,  Rss s 

Polymorphina  problema,  d'Orb.     .    .  s 

inequalis,  Rss ss 

„  digitalina,  d'Orb.      .    .  s 

Globigerina  bulloides,  d'Orb.     .    .   .  s 

„  bulloides  var.  triloba,  Rss.  s 

Truncatulina  lobatula,  Walker  u.  Jacob,  h 

„  Haidingeri,  d'Orb.     .    .  s 

Ungeriana,  d'Orb.  .    .    .  s 

Dutemplei,  d'Orb.  .    .    .  s 

„  praecincta,  Karr.  sp.     .  h 

Anoraalina  Austriaca,  d'Orb.     .    .    .  ss 

„         Badense,  d'Orb h 

Rotalia  beccarii,  Liime  sp s 

Nonionina  comniunis,  d'Orb h 

„         umbilicata,  Mont.  sp.   .    .  h 

„  Boueana,  d'Orb s 

Rolystoinella  crispa,  Lam hh 

„  flexuosa,  d'Orb s 

„  striatopunctata ,     Ficht. 

u.  Moll,  sp s 

„  niacella,  Ficht.  u.  Moll.  sp.  s 


22 


Vergleichen  wir  dieses  Verzeichnia  der  Fauna  mit  demjenigen  Reussen's, 
wird  es  uns  auffallend,  dass  es  weniger  Arten  enthalt,  als  jenes.  Daraus,  (lass  es 
nur  134  Arten  urafasst,  wahrend  jenes  Reussen's  202,  also  urn  68  mehr  aufweist, 
ist  klar,  dass  nnsere  Fauna  entweder  einer  anderen  Schichte  angehiirt,  oder  dass 
Reussen's  Fauna  ein  Gemenge  von  Faunen  verschiedener  Orte  und  vielleicht 
auch  aus  verschiedenen  Banken  enthalt.  Dafttr  spricht  einerseits  die  Anwesonheit 
von  brackischen  Arten,  andererseits  die  grosse  Individuenzahl  dieser  im  Reuss'schen 
Verzeichnisse  und  audi  die  Abweicbungen,  die  z.  B.  darin  bestehen,  dass  das 
erwahnte  Verzeicbnis  eine  bedeutende  Anzahl  von  Ostrakoden-  und  Gasteropoden- 
Arten  enthalt,  dagegen  aber  viel  weniger  Foraminiferen-,  Lamellibranchiaten-  und 
Fischotolithen-Arten,  als  die  diesmal  ausgescblemmte  Fauna. 

Dazu  muss  ich  ferner  bemerken,  dass  der  Reichthum  des  Rudoltitzer 
Schlemuiriickstandes  an  Petrefacten  nicht  gerade  iibergross  ist,  aber  auch  unbedeu- 
tend  kann  er  nicht  genannt  werden.  Er  niinnit  etwa  die  Mittelstellung  zwischen 
thatsachlich  reichen,  die  hunderte  von  Arten  und  tausende  von  Individuen  liefern, 
wie  z.  B.  der  Tegel  von  Borafi  bei  Tischnowic  in  Miihren  oder  der  blaugraue 
feine  Tegel  von  Lazanky  bei  Ruditz  (ebendaselbst)  u.  a.  —  und  armen,  wo  nur 
hie  und  da  sich  ein  Petrefact  findet. 

Diesmal  gew&hrte  der  Schleniniruckstand  des  Rudoltitzer  Tegels  eine  Fauna, 
wie  bereits  erwahnt,  von  134  verschiedenen  Arten,  von  denen  den  Fiscbotolitlien  11, 
den  Ostracoden  4,  den  Gastropoden  29,  den  Chitonen  2,  den  Lamellibranchiaten  28, 
den  Brachiopoden  1,  den  Bryozoen  5,  den  Vermes  .'5,  den  Anthozoen  8  und  den 
Foraminiferen  48  angehorten.  Die  Echinodermaten  lassen  sicb  nicht  artenmassig 
feststellen,  nachdem  von  denselben  nur  die  Stacbeln  und  die  Anibulakralplatten 
sich  erhalten  haben. 

Bis  auf  die  Fiscliotolihen  waren  Rtuiss  alio  iibrigen,  der  hier  angefiihrten 
Tliierclassen  bekannt.  Warum  ihm  die  ersteren  nicht  aufgefallen  waren,  und  warum  er 
von  denselben  keine  Notiz  nahin,  trotzdem  es  wahrscheinlicli  ist,  dass  er  auch  hier 
auf  sie  stiess,  liegt  im  Zug  seiner  Zeit,  welche  diesen  und  ahnlichen  Thierresten 
eine  grossere  Aufmerksamkeit  nicht  widmete,  viel  und  vollstiindigeres  Material  zur 
Verliiguug  habend,  das  zu  durchforschen  und  zu  studiren  iiberaus  nothwendig  war. 
Heute  ist  das  allerdings  ganz  anders.  Man  beachtet  auch  diese  Rtisten  und  das 
aus  verschiedenen  Grundon.  Soweit  es  sich  urn  die  Fiscbotolitlien  handelt,  sind 
diese  Griinde  folgende:  Lange  liielt  man  an  der  Hoffnung  fest,  dass  es  audi 
in  den  juiigeren  Tegeln  docli  irgendwo  auf  ihrem  ausgedelmten  Gebiete  gliickeu 
werde,  eine  reichere  Fischfauna  zu  entdecken,  welche,  wenn  auch  kein  voll- 
standiges,  so  doch  ein  annahernd  richtiges  Bild  der  Tertiiirzeit  bieten  wiirde. 
Allein,  diese  Hoffnung  hat  sich  nicht  erfiillt.  Heute  iiberblicken  wir  fast  alle 
tertiaren  Districte  in  Europa  und  kennen  ziemlich  gut  die  Fauna,  wenigstens  ihre 
reichhaltigsten  (iebieto,  aber  wir  forschen  bisher  vergeblich  in  den  feinen  miocaenen 
marinen  Tegeln  und  den  itincu  entspreclienden  Schiefern  nacli  einer  reichen  Fisch- 
1,-uina  mit  Repraseiitanten,  die  in  Abdnicken  vollstiuidig  erhalten  wiiren.  Gleichzeitig 
mit  dieser  negativen  wurde  eine  andere  Entdeckung  gemaclit;  es  wurden  namlich  an 
vielen,  verschiedenen  Orten  kleine  GehorknSchelchen  von  Fischen  ausgesehlemmt, 
von  welchen  schon  fruher  geniigend  bekannt  war,  dass  sie  hinreichend  verliissliche 


Merkmale  zur  Bestimmuiig  der  Familie  und  der  Art  bieten.  In  Deutschland  begann 
K,  Koken  in  dieser  Richtung  die  Fischotolithen  zu  studieren.  Seine  Resultate  be- 
wogen  danri  audi  micli,  dieseu  thierischen  Resten  auf  dem  Gebiete  des  inahrisch- 
aiederosterreichischen  Miocaens  meine  Aufmerksamkeit  zu  widmen  und  dadurch 
'14  verschiedene  FiaCharten  zu  bestimmen.  •  Es  ist  daher,  wie  ersichtlich,  ganz  na- 
tttrlich,  dass  ic-li,  als  ich  in  dem  Rudoltitzer  Schlemmrttckstande  Otolithen  entdeckte, 
nicht  s&umte,  sie  sofort  zu  beschreiben  und  sie,  soweit  neue  Arten  unter  denselben 
auftauchten,  audi  abbildete.  Sowie  an  anderen  Orten  ties  inlandischen  Neogenge- 
bietes,  so  war  audi  liier  meine  erste  Arbeit,  nachdem  ich  itn  Rudoltitzer  Tegel  die 
Otolithen  bestimmt  hatte,  ihr  Verhaltniss  zum  Charakter  der  Iibrigen,  dortigen  Fauna 
zu  erforschen.  Und  zu  meiner  Genugthuung  land  ich  audi  bier,  dass  der  Charakter 
derselben  sich  innig  dem  Charakter  der  iibrigen  Thiergruppen  anschiniegt  und  dass 
eigentlich  die  Fischotolithen,  die  auf  Grand  des  Vorhandenseins  der  iibrigen  Thier- 
classen  geschopften  Conclusionen  vertiefen  und  erliiirten.  Dass  dem  so  sei,  dafiir 
spricht  klar  und  laut,  dass  von  den  damals  aufgefundenen  Otolithenarten  (11)  die 
dbergrosse  Mehrheit  Vertreter  der  Gruppe  Qobiua  waren,  wShrend  die  iibrigen  der 
Gruppe  Berycidae  augehorten.  Von  den  Gobien  ist  bekannt,  dass  sie  in  den  Ufer- 
gewfissern  leben,  an  seichten  Stellen,  die  hohe  See  meidend  —  und  diese  iiber- 
wiegen  in  den  Ablagerungen  der  bohmischen  Bucht.  Betreffs  der  Beryciden,  die  ich 
diesmal  sicherstellte,  ttberzeugte  ich  mich  sclion  fruher,  dass  das  Arten  sind,  deren 
^ii"  ini  westlichen  und  nordwestlichen  Mfthren  fast  uberall  begegnen,  die  aber  in 
grosser  Individuenzahl  in  den  Tiefseeablagerungen  anzutreffen  sind,  w&hrend  sie  in 
den  Sedimenten  des  seichten  und  seichteren  Meerwassers  selten  sind. 

Nicht  minder  interessant,  als  die  vorliergehende  Thiergruppe,  sind  die 
Ostracoden.  Ich  wiederhole  oeuerdings,  dass  der  Unterschied,  den  ich  zwischen  den 
Ostrakoden  der  Reuss'schen  Fauna,  und  der  liier  citirten  kein  zufalliger  ist,  sondern 
dass  er  auf  einer  i'esten  Grundlage  physikalischer  Veranderungen  rulit.  Ich  wiirde 
vielloiclit  diesem  Umstande  keine  grossero  Bedeutung  beimessen,  wenn  ich  niclit 
iriilier  ein  ahnliches  Verhaltniss  erkannt  hiitte,  nicht  etwa  zwischen  zwei  Faunen 
desselben  Ortes,  die  von  zwei  Autoren  gesammelt  wurden,  sondern  zwischen  den 
*aunen  von  Bfihken,  die  aufeinander  westlich  von  Lomnifika  in  Mfthren  direct  auf- 
'agen.  ') 

Im  Lomnicker  miocaenen  Schichtencomplexe  tritt  in  dem  oberen,  gelblichen 
J-egel  eine  Bank  weichen  Leithakalkes  hervor,  die  bis  auf  das  Bindemittel  aus- 
^cWiesslich  aus  den  Schalen  der  Mikrofauna  zusammengesetzt  ist,  an  welcher 
/jusammensetzung  sich  ausser  den  Foraminiferen ,  Mollusken,  der  Hauptsache 
"ach,  Ostrakoden,  betheiligen.  Der  Individuen-  und  Artenreichthum  derselben  ist 
gsradezu  auffallend  gross,  so  dass  ich  berechtigterweise  die  ganze  Schichtenlage 
ai'nadi  benannte.  Das  eingehende  Studium  der  Ostrakodenfauna  dieser  Schichte  for- 
ei'te  zu  Tage,  dass  diese  Fauna  ihrem  Wesen  nach  ein  verstarkter  Typus  der  Fauna 
<  es  Tegels  ist,  der   das   Liegende  der   Ostrakodenbank   bilde   und    dass  die    Fauna 


v  ')    V.  ./.  Prochdiha :  Vorlftuflge  Mittheilimg  ilber  die  stratigraphischen  und  i'auuistischen 

rfcaltnisse  des  Miocaen  von  Mahren.  Sitzungsber.  der  kgl.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Jahrg. 
18»2.  S.  881. 


24 


des  ubergelagerten  Tegels  nichts  —  als  ein  verwandtes  Uberbleibsel  jenes  Ostra- 
kodentypus  ist.  Daraus  ergiebt  sich  natiirlich,  dass  die  Entfaltung  der  Ostrakoden 
von  den  Lebeusbedingungen  abhiingig  ist  und  dass  diese,  auf  demselben  Districte 
verschieden,  aueh  eine  verscbiedene  Entwickelung  desselben  Typus  im  Gefolge 
batten.  Nun  ist  man  im  Stande,  sich  zu  erkliiren,  wit;  es  mbglich  ist,  dass  A.  E. 
Reuss  in  derselben  Schichte  28  Arten  fand,  in  der  es  uns  selbst  nur  gliickte, 
4  Arten  sicherzustellen.  Bei  dieser  Gelegenheit,  will  ich  audi  der  Griisse  der1  Ostra- 
koden gedenken  —  im  Hinblick  auf  die  Anschauung  Reussen's  von  der  Zwerghaf- 
tigkeit  der  marinen  Arten  auf  dem  Gebiete  des  bohinischen  Miocaens  -  als  eines 
wichtigen  Merkmals.  Als  icb  von  der  vorhergebenden  Gruppe  spracli,  erwiihnte  ich 
dieses  Merkmals  nicht,  dies  fur  eine  iiberfiiissige  Sache  baltend,  allein,  bier  halte 
ich  es  fur  vortheilhaft,  nachdriicklich  daran  zu  erinnern,  dass  weder  an  den  Oto- 
lithen,  noch  an  den  Ostrakoden  audi  nur  ein  Zeichen  wahr/unehmen  ist,  das  fur 
die  Ansicht  Reussen's  sprechcn  wiirde.  Im  Gegentheil  ich  babe  zahlreiche  entwickelte 
Exemplare  entdeckt,  deren  Diuiensionen  insofern  abnorni  sind,  als  sie  grosser  sind, 
als  die  normal  entwickelten  Exemplare  aus  den  siidlichen  Fundorten  des  hierliin- 
dischen  Miocaens.  Mit  Riicksicht  auf  diesen  Umstand  und  auf  dieses  Resultat  lege 
ich  dem  erwiihnten  Merkmal  kein  Gewicht  bei,  spiiter  werden  wir  uns  aber  auch 
iiberzeugen,  dass  von  irgend  einer  principiellen  Verkummerung  —  einige  wenige 
Arten  ausgenommen  —  nicht  die  Rede  sein  kann. 

An  Gasteropoden  ist  die  diesmal  gescbleminte  Tegelbank  von  Rudoltitz 
verhaltnismiissig  arm.  Diese  Thatsache  kann  kaum  als  eine  zufallige  hingestellt 
werden,  da  di(;selbe  zweimal  unter  verschiedenen  Verhaltnissen  sichergestellt  wurde. 
Denn  schon  Reuss,  der  die  Ausbeute  unseres  miocaenen  Ftmdortes  unter  weitaus 
giinstigeren  Umstanden  vornahm,  als  dies  uns  beschieden  war,  fiihlte  diesen  Riick- 
tritt  der  Gasteropoden  im  Bereiche  des  ostbiibinischen  Miocaens,  trotzdem  er 
denselben  nicht  besonders  hervorgehoben  hat.  Mit  Riicksicht  auf  dieses,  bereits  zum 
zweitenmale  erhaltene,  gleiche  Resultat  sind  wir  in  gewissem  Masse  berechtigt, 
den  Rudoltitzer  Tegel  als  arm  an  Gasteropoden  zu  erkliiren. 

Mit  dicsem  Merkmale  liiingt  ein  anderes,  auf  den  Charakter  dieser  Fauna 
basirtes  und  nicht  minder  wichtiges  Merkmal  zusammen.  Haben  wir  niimlich  den 
Kaunen-Typus  unseres  inliindischen  Miocaen  vor  Augeu:  den  von  Baden,  Steinabrunn, 
Potzleinsdorf,  Grund.  dann  den  des  Schlier,  welchen  in  Miihren  die  Fauna  von  BoraC, 
Lazanky,  Drnowic  und  Pulgramsdorf  entspriclit,  so  vermissen  wir  beini  Rudoltitzer 
Gastropodentypus  vor  allein  jenen  Faniilien-  und  Artenreichtliuin,  welchei- eben  diese 
Typen  auszeichnet,  dann  die  Entwicklung  der  charakteristisclien  Fainiiien  wie  da 
sind:  Qmus,  Ancillatia,  MUra,  C'olumbdla,  Buccinum,  Mure.x,  Pleurotoma  und  schliess- 
lich  sehen  wir  das  vollige  Fehlen  der  folgenden  Familien:  Voluta,  Terebra,  Cassis, 
Cassidaria,  /,'andla,  Typhis,  TurbineUa,  insbesondere  Cancdlaria,  MatMlidia, 
Turbo,  Trovhus,  Solarium,  Scotland  und  Eulima.  Nicht  einnial  in  dem  Masse,  wie 
der  vollstiindige  Mangel  der  zuletzt,  bier  angefiilirten  Familien  den  Gesammt- 
charakter  der  Rudoltitzter  Fauna  mit  Riicksicht  auf  die  Faunen  der  oberen  Typen 
andert,  iindert  sich  diese  Fauna  durch  das  sehr  bedeutend  reducirte  Auftreten  der 
Familien  Conus,Annllaria,  MUra,  Columbella,  Bueeinum,  Fusus,  Phurotoma,  denn  gerade 
das  Vorbaiidensein  dieser  beschreibt  in  groben  Umrissen  den  Charakter  des  Typus 


25 


und  deutet  jenen  Typus  an,  dem  er  ahnlich  ist,  und  an  welchen  er  sich  am  meisten 
anschmiegt.  Diese  Fauna  irgend  einem  jener  Haupttypen  zu  unterordnen,  ist  nicht 
moglich.  Da  ist  bios  eine  Parallels  erlaubt,  bedingt  durch  die  gegenseitige  Aehnlichkeit 
der  physikalischen  Verhaltnisse,  unter  welchen  dieser  Typus  sich  herausgebildet  hat. 
Und  da  sehen  wir,  dass  nicht  einmal  daran  zu  denken  ist,  ihu  etwa  mit  dem 
Badener  Typus  zu  verwechsein,  oder  mit  dem  Grunder,  wie  dies  schon  wiederholt 
erfolgt  ist. 

Dem  gegenllber  weist  er  noch  am  meisten  Uebereinstimmung  mit  dem 
Steinabrunner  Typus  auf,  jedoch  nur  mit  analogen,  aber  keineswegs  gleichen 
Merkmalen. 

Ausser  dem  war  ich  bemiiht  gewesen,  sieherzustellen,  oh  uud  in  welcher 
Hftufigkeit  in  diesem  Tegel  brackiscbe  Arten  vorhanden  seien,  von  denen  Reuss  an- 
ftthrt:  Melanopsisimpressa,  M.  tabulata,  Nerita  picta  und  Cerithium  pictum.  Trotzdem 
entdeckte  ich  von  denselben  nicht  die  geringste  Spur.  Eben  dieser  Umstand  be- 
starkte  mich  in  der  Vermuthung,  das  Reussens  Fauna  aus  dem  Rudoltitzer  Tegel 
vielleicht  audi  Elements  aus  den  brackischen  Tegeln  enthalt.  Was  die  Grosse  der 
Gasteropoden  aus  dem  Rudoltitzter  Tegel  betrifft,  kann  ich  mit  Reuss  nicht 
behaupten,  dass  sic  als  Brut  erscheinen.  Ich  habe  die  Dimensionen  ihrer  Schalen 
nicht  so  klein  gcfunden,  dass  ich  mich  dieser  Anschauung  anschliessen  konnte. 

Es  ist  zwar  richtig,  das  einzelne  Schalen  klein  sind,  jedoch  sind  es  nicht 
all('-  Ich  habe  das  Material  Reussens  in  der  palaeontologischen  Saramlung  ties  Wiener 
Hofnuiseums  gesehen  und  dasselbe  nur  deshalb  verglichen,  urn  mich  hieron  so  weit 
ta  moglich  war,  zu  (iberzeugen  und  der  Eindruck,  den  ich  mituahm,  ist  der,  dass 
(,i('ser  Unterschied  ein  unbedeutender  ist  u.  zw.  ein  solcher,  wie  er  z.  B.  zwischeu  den 
ludividuou  der  Art  Chenopus  pespelecani  aus  dem  Baden-V6slauer  Tegel  und  jenen 
il«s  dem  Grundner  Sand  besteht.  Und  doch  ist  es  bis  heute  niemandem  einget'allen, 
(U«  kleineren  Grunder  Individuen  dieser  Art  als  verkununert  anzusehen,  dafiir  die 
grosseren  Baden-Voslauer  als  normal.  Ueberhaupt  thut  jeder  Unrecht,  der  die 
G''<>sse  der  Art  als  irgend  ein  wichtiges  Kriterium  ansieht, 

Dasselbe  gilt  in  gewissem  Masse  auch  von  den  LamrUibranchiaten.  Audi 
bei  diesen  ist  ersichtlich,  dass  sie  in  einem  seichten  Meerbusen  gelebt  haben,  in 
(l<'m  die  Verhaltnisse  analog  waren  jenen  des  nahen  Ui'ers.  An  Individuen 
a,1>  reicnsten  wurde  die  Art  Ostrea  giengensis  in  der  Sandschichte  befuuden.  Und 
e«  ist  in  der  That  recht  interessant,  dass  diese  Art  fast  ganzlich  verschwunden  ist 
u-  zw.  sowohl  aus  dem  llangenden  als  auch  aus  dem  Liegenden  der  gelben  Tegel- 
lage.  Ein,  wie  ersichtlich,  interessauter  Umstand,  welchen  man  sorgfaltig  zu  re- 
gistriren  hat.  Was  die  individuelle  Menge  betrifft,  so  gesellt  sich  zu  dieser  Art 
('°'bula  carinata,  Chama  gryphoides,  Lucina  strigilata  und  in  gewissem  Masse 
auch  Leda  nitida.  Zu  diesen  Auseinandersetzungen  muss  ich  gleicb  hinzufugen, 
das*  auch  die  Individuenmenge  dieser  Arten  im  Ganzen  eine  kleine  und  unter- 
8|^i'dnete  ist,  denn  nicht  eine  einzige  zeigt  sich  im  Rudoltitzer  Tegel  in  solcher 
^nge,  dass  sie  durch  die  gauze  Fauna  in  besonderem  Cliarakter  gegeben  ware. 
|)ie  PamUien-  u.  Artenvereinigung  gleicht  in  geradezu  auffalliger  Weise  dem  Steina 
brunner-,  aber  auch  dem  Grunder-Typus.  Von  diesem  unterscheidet  sie  sich  durch 
die  Armuth,  von  jenem  dafflr  durch  die  Gegenwart  der  Arten  der  sandigen  Facies. 


20 


Diese  und  die  Gegenwart  der  rein  uferlandischen  Art  Teredo  norvegica  Bind  ein 
hinreichender  Beweis  von  der  Richtigkeit  der  zu  Anfang  der  Erorterung  iiber  die 
Laiiiellibranchiaten  ausgesprochenen  Ansiclit.  Daraus  geht  hervor,  dass  das  Resultat, 
das  durch  die  Untersuchung  der  Gasteropoden  erhalten  wurde,  sich  vollstandig  mit 
diosen  Resultaten  deckt.  Von  etlichen  Arten  sind  bisher  nur  junge  Iudividien  ent- 
deckt  worden.  Eines  derselben  babe  ich  abgebildet;  es  gehort  zur  Art  Area  None. 
Doch  ausserdem  wurden  Individiuen  der  Art  Corbula  carinata,  die  kleiner  sind, 
als  sie  gewohnlich  sich  an  stldlichen  Fundorten  zeigen,  sichergestellt.  Aber  selbst 
diese  Entdeckung  irritirt  inieh  nicht  und  genllgt  mil',  auch  nicht  inn  die  friiher 
aBSgesprochene  Ansiclit  zu  verlassen. 

An  Brachiopoden  wurde  diesmal  verhaltnismassig  wenig  entdeckt,  Ich  ver- 
raochte  nur  eine  Art  sicherzustellen.  Gliicklicher  war  Rems,  dem  es  gelang,  vier 
Arten  in  bemerkenswerther  individueller  Reichhaltigkeit  ym  constatireu.  Es  1st  inehr 
als  einleuchtend,  dass  audi  diese  vorhiiltnismassig  grosse  Menge  von  Brachiopoden 
im  Rudoltitzer  Tegel  mit  dem  Gesaramtcharakter  der  (ibrigen  Gruppen  uberein- 
stimmt;  ist  ja  doch  bekannt,  dass  der  eigentliche  District  der  Brachiopoden  die 
littorale  /one  ist. 

Bryosoen  finden  sich  im  gelbliche  Rudoltitzer  Tegel  nur  sparlich  vor.  Ver- 
treten  sind  sie  durch  Arten,  die  man  mit  Reclit  Oosmopoliten  im  inliindischen  Miocaen 
nennen  kann,  da  wir  denselben  fast  iiberall  begegnen,  wo  es  eine  reichere  Fauna 
giebt.  Die  Colonien  dieser  Arten  und  ihre  Zooecien  sind  normal. 

Audi  Echinodermaten  giebt  es  daselbst  sehr  wenig.  Erhaltene  Individueu 
sind  eigentlich  gar  koine  vorhanden,  denn  was  von  ihnen  ubrig  geblieben  ist,  das 
sind  bios  die  Stacheln  und  die  Ambulakralplatten. 

Fttgen  wir  zu  den  darin  diesmal  sichergestellten  Arten  von  Seewiirmem 
(Vermes)  die  ubrigen  Arten  Reussen's,  dann  allerdings  erhalten  wir  eine  solche 
Menge,  dass  es  im  inliindischen  Miocaen  bisher  keinen  Fundort  giebt,  der  sich  mit 
dem  Rudoltitzer  messen  konnte.  Nichtsdestoweniger  ist  jedoch  diese  Thierclasse  den, 
ubrigen  untergeordnet. 

Sie  ist  so  untergeordnet,  wie  die  Korallen,  welche  ebenfalls  viele  Arten- 
jedoch  weniger  Individueu  lieferte.  Ueberaus  wichtig  ist  der  Charakter  der  Korallen. 
Schon  die  blosse  Anwesenheit  dieser  Gruppe  iiberhaui.it  driickt  der  ganzen  Fauna 
des  Rudoltitzer  Tegels  den  rein  marinen  Charakter  auf.  Ein  bestinitntes  Licht 
wirft  jedoch  auf  sie  das  Verhiiltnis  der  Einzelnpolyparier  zu  den  Stockbildnern. 
Jene  iiberwiegen,  diese  treton  zuriick.  Mit  diesem  wichtigen  Merkinale  hiingt  noch 
ein  anderes  zusammen,  d.  i.  dass  die  riffbildenden  Arten  zu  unbedeutenden 
Dimensionen  heranwachsen,  gerade  so,  wie  wir  dies  bei  den  aus  dem  Tegel  der 
Steinabrmm  -  Drnowicer  und  Baden -Borafier  Fades  stammenden  Korallenstocken 
kennen  gelernt  haben. 

Nicht  minder  infceressant  als  diese  Gruppen  sind  die  Foramniferen.  Siefesseln 
unsere  Aufmerksamkeit  einerseits  durch  den  Arten-  und  Individuenreichthum, 
andererseits  durch  die  Arten-  und  Familiengruppirung.  In  dieser  Richtung  ist  bemer- 
kenswerth,  dass  wir  da  fast  dieselbe  Familiengruppirung  und  Familionentwickelung 
haben,  wie  beispielsweise  in  den  benachbarten  uiiihrischen  Districten,  auf  dem 
(Jebiete  des  Miihrisch  Triibauer  Tegels.    Auch  hier  drticken  die  Gruppen  Eotalina, 


27 


Bulimina,  Palystomella  und  theilweise  audi  die  Textularia  dor  Fauaa  eine  eigen- 
thumliche  Charakteristik  auf,  welche  den  Ufersedimenten  zukommt,  deren 
Molluskenfauna  so  unbedeutend  ist,  als  ob  sie  decimirt  ware. 

Anders  verhiilt  sich  dies  mit  der  Artengruppirung.  Dieses  ist  frei.  Man 
Wttrde  sich  tauschen,  wenn  man  vermuthen  wollte,  dass  die  Ablagerungen  derselben 
Fades  dieselben  Arten  enthalten  niiissen.  Wenigstens  habe  ich  etwas  iihnliches 
noch  nirgends  gefunden  und  docli  erreicht  die  Zalil  der  Fundorte,  die  ich  bis  jetzt 
untersucht  habe,  eine  bedeutende  Hohe.  Doch  damit  ist,  nicht  gesagt,  dass  die 
Fauna  derselben  Facies    nicht  dieselben   und  gemeinschaftlichen  Grundzuge  batten. 

Und  gerade  diese  muss  man  beachten,  sollen  unsere  Schlussfolgerungen 
War  und  richtig  sein.  Diese  triiben  sich,  wenn  wir  jener  nicht  achten  und  uns, 
in  Details  einlassend,  an  der  Fauna  derselben  Fades  aber  von  verschiedenen 
Stellen,  absolute  Identitat  verlangen.  Auf  Grund  diescr  Auseinandersetzung  ist  das 
Endurtheil  iiber  den  Charakter  der  Facies  des  Rudoltitzer  Tegels  nicht  schwierig. 
Es  ist  audi  dann  nicht  schwer,  wenn  wir  bios  Riicksieht  auf  seine  Gruppen  nehmen, 
die  Beit  jeher  als  „leitende"  angesehen  werden,  d.  i.  in  erster  Reihe,  auf  die 
Gasteropoden  und  Lamellibranehiaten,  denn  audi  diese  Gruppen  werden  uns  zu 
demselben  Ziele  fiihren,  nach  dem  der  Gesammtcharakter  des  Rudoltitzer  Tegels 
S()  bedeutungsvoll  hinweist. 

Berucksichtigen  wir  jedoch  nach  dem  bisher  beliebten  Modus  nur  die 
Mollusken,  so  kann  man  audi  dann  zu  keiner  anderen  Anschauung  gelangen,  als 
dass    der    Rudoltitzer   Tegel    weder    in    die   Badener    nodi    Grundener    odei 


gar 
Schlierer  Facies  gehort,  sondern  dass  er  nocli  die  meisten  gemeinsamen  Merkmale 
"lit  der  Steinabrunner  Facies  aufweist,  mit  der  er  isochron  und  parallel  ist.  Diese  An- 
schauung, welche  ich  als  die  einzig  riciitige  und  mogliche  halte,  erhiirtet  in  vollein 


M 


ass< 


se  der  Charakter  der  Korallen,   theilweise    audi  der  Bryozoen,    borammiteren, 


"•«oh«  der  unaraKter  aer  ivuraneii,   uuonvyoioo    »um  u»  !«;»«»».,    - — -      > 

der  Ostrakoden,  Brachiopoden  und  Fiscbotolithen.  Mit  einem  Worte,  der  gesammte 
Znschnitt  und  Charakter  dieser  Fauna  giebt  unwiderlegliclies  Zeugnis  dafiir,  dass  der 
gelbliche  Rudoltitzer  Tegel  in  einer  Meeresbucht  abgelagert  wurde,  in  welcher  an 
(]ieser  Stelle  etwa  ahnliche  physikalische  Verhiiltnisse  bestanden  haben,  wie  sie  die 
Steinabrunner  Facies  kennzeichnen,  docli  von  dieser  sich  durch  Merkmale  unterschie- 
<le":  die  auf  der  Verschiedenheit  der  ("trtlichkeit  und  des  Milieus  basirten.  Allerdings, 
Wer  dem  Gesammtcharakter  der  Fauna  kein  Gewidit  beilegt  und  nur  einige  Thier- 
classen  berttcksichtigt  und  von  diesen  wieder  nur  etliche  Gruppen,  der  gelangt 
freilieh  zu  der  Anschauuug,  dass  der  Rudoltitzer  Tegel  mit  dem  Urunder  Horizont 
^ochron  ist  u.  dergl. 


Thomigsdorf. 


Es  ist  nur  eine  ganz  natiirliche  Sadie,  dass  wir,  indem  wir  die  Wichtigkeit 
u'id  die  interessante  Gestaltung  des  Rudoltitzer  Tegeldepots  kennen  gelernt  haben, 
&'espannt  sind,  zu  erfahren  in  welchem  Verhiiltnisse  zu  demselben  die  Nachbar- 
bezirke:  Thomigsdorf,  Lukau  und  Landskron  stelien.  Dabei  ist  klar,  dass  ich  das 
Vei'lialtnis  der  rein  marinen  Sedimente  zu  den  brakischen  im  Auge  habend,   sofort 


28 

aus  dem  Budoltitzer  Districte   nach   dem  Thomigsdorfer   Merging,   da  derselbe  in 

unmittelbarer  Nahe,  an  der  Seite  der  brackischen  Bezirke  liegt. 

Betreffs  dieses  Tegeldep6ts  ist  auch  nicht  der  geringste  Vermerk  vorhanden. 
Was  wir  ttber  ilm  wissea,  das  danken  wiv  ausscbliesslich  K.  Wolf  und  J.  Krejtt, 
die  ihn  entdeckt  und  auf  ihren  geologischen  Bliittern  verzeicb.net  haben.  Auf 
denselben  ist  er  als  kleiner  elliptischer  Bezirk  verzeichnet,  mit  seiner  Langsachse 
iiber  die  Bahntrace  gelegt  und  im  Westen  von  dieser  iiber  Hutweide  die  bis  zum 
Walde  reichend.  Nach  dieser  Angabe  miissten  sich  auf  jener  ganzen  Stracke 
miocaene  Tegel  vorfinden.  Ob  sie  dort  thatsa.cb.lich  (iberall  sind,  weiss  ich  nicht, 
denn  ich  konnte  sie  nicht  aufstSbern,  im  Gegentheil;  icli  fand  diese  ganze  Flftche 
mit  einer  Gerollanschuttung  bedeckt,  die  sich  zu  beiden  Seiten  der  Trace  im 
Bereiche  des  Wachterhauses  Nr.  262  ausbreitet. 

Gelbliche  Tege]  stellte  ich  nur  in  den  Schluchten  des  Fahrweges,  der  von 
Thomigsdorf  nach  Rathsdorf  fiihrt  u.  z.  dort  fest,  wo  dieser  die  Bahntrace  kreuzt.  Der 
dortige  Tegel  ist  dem  Rudoltitzer  bis  zur  Auffalligkeit  ahnlich,  soweit  der  iiussere 
Habitus  in  Betracht  konunt.  Sein  Riickstaud  besteht  aus  feinem  Quarzsand,  in  dem 
man  bisher  vergeblich  nach  Petrefacten  suclite. 


Lukau. 

Von  deinselben  Schicksale,  wie  das  Thomigsdorfer,  war  das  Lukauer  Tegel- 
depots  betroffen ;  man  wusste  bis  zu  diesem  Augenblicke  iiber  dasselbe  nichts  melir, 
als  dass  es  einen  kleinen,  sclunaleu  Streifen  einnimmt,  fast  parallel  mit  dem 
Dorfe,  von  der  Landskroner  Strasse  bis  zur  Eisenbahntrace  sich  hinziehend. 

Der  Charakter  dieser  Neogeninsel  war  sowohl  K.  Wolf,  als  auch  J.  Krejci 
uubekannt. 

Audi  im  Bereiche  dieses  Depots  uberzeugen  wir  uns,  dass  die  Erforschung, 
wie  liberal!  anderswo,  auch  hier  die  Decke  jungen  Gerolles  und  diluvialen  Lehms 
erschwert.  Diese  begleiten  uns  tiberall,  wohin  wir  auch  -  nach  Westen  oder 
Norden  —  aus  dem  seichten  Bacheinschnitt  heraustreten.  Trotzdem  sind  sie  nicht 
im  Stande,  uns  dt;n  Kinblick  in  die  Verbindung  mit  dem  nachbai'lichen  Thomigs- 
dorfer Depot  zu  versehleiern.  Ich  glaube  ruimlich  fest,  dass  der  hiesige  (Lukauer) 
Miocaendistrict  direct  mit  dem  Thomigsdorfer,  unter  der  ervviihnten  jungen  Decke 
zusammenhangt  und  dass  er  nur  dort  zu  Tage  tritt,  wo  das  Bachbett  diese  Decke 
durchbrochen  hat.  Auch  bier  giebt  es  kein  Plfttzchen,  wo  es  moglich  wiire,  sich  zu 
uberzeugen,  von  welcher  Miichtigkeit  der  miocaene  Tegel  ist,  und  welches  sein 
Gruudgebirge,  ob  etwa  pennischen  oder  cretacischen  Alters. 

Der  hiesige  miocaene  Tegel  ist  dadurch  interessant,  dass  er  sich  (lurch 
seinen  iiusseren  Habitus  einigermassen  vom  Thomigsdorfer  Tegel  unterscheidet, 
dann  aber  insbesondere  dadurch,  dass  er  cine  reiche,  ttberaus  wohlerhalteue  Mikro- 
fauna  birgt.  Von  Farbe  ist  er  niimlich  lichtblau,  solange  er  frisch  ist,  ist  er  fast 
schwarz;  er  ist  jedoch  leiu,  plastisch  und  hinterlasst  beim  Schlemmen  eine  geringe 
Menge  feinen  Quaizsandes  und  Detritus  von  Bruchstiicken  des  Planer. 

Welch'  reiche  Fauna  er  birgt,  geht  aus  dem  weiter  unten  angefiihrten  Ver- 
zeichnisse  hervor. 


29 


Fauna  des  Lukauer  Tegels. 


Pisces. 

Otolithus     (Berycidarumj    pulcher, 
Proch ss 

Ostracoda. 

Bairdia  subteres,  Rss s 

Cythere  hystrix,  Rss h 

Gasteropo  da. 

Oerithium  spina,  Partsch  .       .    .    .  ss 

„        scabrum,  Olivi      .    .    .    .  ss 

„         pictum,  Bart ss 

Turritella  turns,  Bart •  .  ss 

Echinodermata. 
Stacheln ss 


Fo  ram  in  if  era. 

"extularia  carinata,  d'Orb.    .  . 

Bulimina  affinis,  d'Orb.     .    .  . 

„        ovata,  d'Orb.  .    .  . 

»       aculeata,  C8i2ek    .  , 

»        Bucheana,  d'Orb.   .  . 

v<rgulina  Scbreibersiana,  Ciiz. 

Bolivina  robusta,  Brady    .    .  . 


Hoi 


'Vina  punctata.  d'Orb. 


bli 
h 

ss 
h 

ss 
ss 


Nodosaria  venusta,  Rss hh 

aculeata,  d'Orb ss 

„         Boueana,  d'Orb s 

„  semirugosa,  d'Orb.  .    .    .   ss 

„  (D)  obliqua,  Rss.     .    .    .     s 

(D)  acuta,  d'Orb.    .    .    .   ss 

„         (D)  scabra,  Rss bh 

Margulina  Hoernessi,  Rss hh 

„  similis  d'Orb ss 

Cristellaria  minima,  Karr s 

„  calcar,  d'Orb hh 

„  intermedia,  d'Orb.  .       .    li 

„  inornata,  d'Orb ss 

„         depauperata,  d'Orb.    .   .    s 

Polymorpha  problema,  d'Orb.  .  .  .  h 
„  inequalis,  Rss ss 

Globigerina  bulloides,  d'Orb.  .  .  .  s 
„  bulloides  var.  triloba,  Rss.  s 

Pullmia  sphaeroides,  d'Orb.  sp.   .   .  hb 

Truncatullina  Haidingeri,  d'Ord.  .  .  s 
„  Dutemplei,  d'Orb.  .   .  hh 

„  praecincta,  Karr.  sp.  .  hh 

Anonialina  Bedense,   d'Orb hh 

Epistorina  Partschiana,  d'Orb.   sp.  .    h 

Rotalia  Soldanii,  d'Orb s 

„       beccarii,  Limne  sp ss 

Nonionina  communis,  d'Orb.  .  .  .  hh 
„         umbilicata,  Mont.  sp.  .    .    s 


Die  Fauna  dieses  Tegels   ist  nacb    vielen  Richtungen    bin  interessant.  Vor 

allern    fesselt    sie    unsere    Aufmerksamkeit    dadurch,    dass    ihr   Gesammtcharakter 

'ebhaft  an  die  Fauna  des  Grossopatowitzer  und  Mahrisch-Triibauer  Tegels  erinnert. 

Sie  stimmt  mit  deni  letzteren   tlicils    dariu   iiberein,   dass   sie   wenig  Gasteropoden 

"'nd  Lamellibranchiaten  aufweist,  dann,  dass  sie  ebenfalls  geniigende  Mengcn  Ostra- 

k°den  enthalt,   demgegentlber   aber  weicht  sie  von   demsclben  audererseits  ab,  als 

Sle  eilH-  stark  entwickelte  Gruppe  von  Foraminiferen    (d.  i.  an  Individuen  reiehste 

Arten),  in  welcher  die  Gattungen:    Bulimina,   Bolivina,  Nodosaria,  Cristellaria  und 

.  ^alia  iiberwiegen,  enthalt.  Indem  ich  mir  diese  Merkinale  vor  Augen  lialte,  iiberlege 

rlc|i  keinen  Augenblick,  die  Fauna  des  Lukauer  Tegels  init  der  Fauna  des  Miihrisch- 

ri'bauer  uud  Gross-Opatowitzer  fur  isochron  zu  hulten,  in  welcher  man  (bum  die 

v^bmdenden  Glieder  unserer  ostbohmischen  Faunen  des  marinen  Miocaen  mit  den 

oeraus  reichen  Faunen  der   west-  und  siidmahrischen  sowie  niederosterreichischen 

e8'el  2U  erblicken  hat.  Daran  kniipfe  ich  gleichzeitig  die  Beinerkung,  dass  in  vielen 


30 

Fallen  der  Charakter  unserer  ostbohmischen  miocaenen  Faunen  unklar  and  Hire 
Beziehung  zu  den  Faunen  der  stidlichen  Gebiete  unerklarlich  bliebe,  wenn  man 
nicht  in  erster  Linie  auf  die  gegenseifeigen  Beziehungen  der  Faunentypen  and  ibr 
Ineinandergreifen  Riicksicht  nehmen  wollte.  Diese  zeigen  una  den  richtigen  Weg, 
den  wir  einzuschlagen  haben  und  wie  die  oft  in  Halden  angehauften  Facta  gesondert 
werden  miissen,  deren  blendendes  Durcheinander  so  tnanchen  vom  festen  Boden 
auf  das  schwankende  Gebiet  der  Vennuthungen  irregeftthrt  und  verftthrt  hat. 


Ziegenfuss. 

Auf  der  alten,  geologischen  Karte  der  geologischen  Reichsanstalt,  auch 
auf  der  geologischen  Karte  der  Panlubitz-Landskroner  Umgebung  des  Professors 
J.  Krejci  ist  siidlich  des  genannten  Dorfes  ein  Inselchen  mioeaener  Tegel  ver- 
zeichnet.  Im  Hinblick  auf  den  nicht  entlegenen,  miocaenen  Lukauer  und  auch  Rei- 
chenauer  District  (auf  mahrischem  Boden)  schloss  icli,  dass  ich  vielleicht  auch  dort 
diese  Ablagerungen  antreffen  werde.  Und  thatsachlich  fand  ich  daselbst  am  Stid- 
lichen Ende  des  Dorfes  iiu  Abhang  des  Feldweges  gelbgraue  Tegel,  welche  jedoch 
auf  mich  denselben  Eindruck  machten,  wie  die  gelblichen  Tegel  vom  Kreuze  hinter 
Landskron.  Das  war  jedoch  noch  imraer  nicht  hinreichend,  zu  entschciden,  welchen 
relativen  Alters  sie  seien.  Die  Antwort  auf  diese  Frage  ertheilte  spftter  der  Schlemm- 
ruckstand.  Dieser  setzt  sich  zusannnen  aus  feinem,  quarzigem  Sande  und  aus  einer 
bedeutendea  Mcuge  von  Gesteins-Bruchstttckeu  der  Kreideformation  (festen  Sand- 
steines  und  Opuka).  Petrefacten  wurden  in  demselben  koine  gefunden.  Der  petro- 
grajthische  Charakter  dieses  Tegels  und  <lie  absolute  Arinuth  an  Petrefacten  zwingen 
mich,  ihn  in  die  Gruppe  jiingerer  Tegel  einzureihen,  als  es  die  miocaenen  sind. 
Er  gehort  etwa  zur  Gruppe  jener  Tegel,  die  ich  in  der  Landskroner  Umgebung 
sicherstellte,  nordlich  von  Ob.-Johnsdorf,  danu  zwischen  Rothwasser  und  Vefmirovic 
und  endlich  in  der  Umgebung  von  Wildenschwei't,  die  auf  den  typischen  miocaenen 
Tegeln  liegen. 

Landskron. 

tlber  den  Landskroner  miocaenen  District  berichtete  zuerst  im  Jahre  1862 
//.  Wolf.1)  Sein  Bericht  lautet,  ganz  kurz  gefasst,  dahin,  dass  durch  die  dortige 
Gegend,  gegen  Norden  zu,  miocaene  Tegel  laufen.  Seit  jener  Zeit,  bis  zum  ver- 
flossenen  Jahre,  wurde  seiner  keine  Erwiihnung  gethan.  Und  der  im  verflossenen 
Jahre  publicirte  Bericht  gleicht  jenem  Wolfs,  wie  ein  Ei  dem  anderen;  denn  selbst 
Dr.  E.  Tietse'-)  verzeichnet  in  seinem  Berichte,  mit  Ausnahme  dessen,  dass  er  da- 
selbst miocaene  Tegel  sichergestellt  hat,  nichts,  auch  nicht  die  kleinste  Bemerkung, 
dass  er  in  diesem  Tegel  eine  Fauna  constatirt  hiitte. 

Auf  dem  geologischen  Kartenblatte  von  //.  Wolf  und  auf  dem  des  Prof. 
./.  Krejci  sind  dann  diese  Ablagerungen  als  drei  schmale,  lange  Streifen  verzeichnet, 


l)  H.  Wolf.  Loo.  oit.  1861— «2.  S.  804. 
'')  E.  Tietze.  Loc.  cit.   1893.  S.  263. 


31 


von  welchen  die   beidon  nordlichen   durch  die  Stadt  laufen,    von    Nonlwest    gegen 
Siidost,  bis  fast  nach  Sicheldorf. 

Von  diesen  beiden  Streifen  zweigt  sich  dann  ein  dritter  Streifen  ab,  der 
iiber  Schlossburg  nach  Siiden  lauft.  Diese  Abgrenzung  des  Landskroner  Miocaens 
ist  in  gewissem  Masse  willktirlich,  es  gilt  das  namentlicb  vom  ostlichen  Tbeile.  Nur 
soweit  es  sich  um  das  kleine  Thai  handelt,  in  (lessen  siidlichem  Theile  sich  ein 
Teichlein  ausbreitet,  habe  icli  die  Verhaltnisse  so  vorgefunden,  wie  sie  die  Karte 
Wolfs  registrirt.  Allerdings,  stellen  wir  uns  auf  den  Standpunkt,  dass  es  unerlasslich 
sei,  von  der  jungsten  SchichtenMlIe  zu  abstrahiren,  falls  es  sich  darum  handelt, 
eine  bestimmte  Abgrenzung  der  unter  derselben  gelagerten  Schichten  vorzunehmen, 
dann  freilich  entspricht  das  neogene  Gebiet  der  Umgebung  von  Landskron,  wie 
es  in  der  erwahnten  geologischen  Karte  abgesteckt  ist,  der  Wirklichkeit.  Ich  er- 
wahne  dies  bier  nur  deshalb,  uni  den  Leser,  der  sich  nach  jenen  Karten  richtet, 
von  der  Vermuthung  abzulenken,  dass  er  in  der  Umgebung  von  Landskron  ver- 
haltnissmassig  grosse  und  leicht  zugangliche  Districte  von  miocaenen  Tegeln  vor- 
finden  werde.  Er  wird  dort  nicht  mehr  als  an  den  bezeichneten  Stellen  offene,  da 
grossere,  dort  kleinere  Einschnitte,  uberhaupt  blosgelegte  Stellen  finden,  wo  der  Tegel 
zu  Tage  tritt. 

Indem  wir  diese  Tegel  prttfen,  mussen  wir  sorgfaltig  daranf  achten,  nicht 
frtther  in  unserer  Arbeit  innezuhalten,  als  wir  uns  nicht  (Iberzeugt  haben,  dass 
der  angetroffene  Tegel  factisch  ein  miocaener  ist.  Denn  nicht  alle  Tegel  sind  in 
dieser  Gegend  miocaenen  und  marinen  Charakters.  Welche  von  ihnen  schon 
heute  tnit  Bestimmtheit  als  miocaeue  erachtet  werden  konnen,  daruber  belehrt  uns 
der  Einschnitt  in  der  Ziegelei,  nordwestlich  von  der  Stadt,  an  der  Strasse,  die  von 
Landskron  nach  Wildenschwert  fiihrt.  Trotzdeni  der  Einschnitt  hier  selbst  ziemlich 
Spicht  ist,  finden  wir  ihn  doch  belehrend.  Als  ich  raich  in  demselben  befand, 
Si'uben  die  Ziegelmacher  in  die  Tiefe,  um,  wie  sie  behaupteten,  einen  fur  die  Er- 
zeugung  der  Ziegel  guten  Lehm  zu  fordern.  Sie  gruben  in  schwarzeni,  feinerem 
Tegel,  doch  von  weniger  fetter  Beschaffenheit,  der  aber  dafiir  reich  und  voll  kleiner 
Glimmerblattchen  (Muscovit)  war.  Der  Gesamnitcharakter  dieses  Tegels  war  mir,  als 
Ich  seiner  ansichtig  wurde,  auffallig,  und  ich  vermuthete,  dass  er  iniocaen  sei,  der- 
selbe  etwa,  den  friiher  //.  Wolf  und  nach  ihm  K.  Tietsse  als  neogen  betrachteten. 
Aber  ich  war  daruber  nicht  hinreichend  instruirt,  da  ich  die  erforderlichen  Belege 
n'cht  hatte,  denn  es  gelang  mir  nicht,  audi  nur  eine  Spur  von  Petrefacten  zu  ent- 
uecken,  trotzdeni  ich  eifrig  nach  ihnen  forschte. 

Auf  diesem  Tegel,  (lessen  Machtigkeit  abzuschatzen  mir  nicht  moglich  war, 
'iegt  ein  grauer  Tegel,  stellen weise  bis  ins  Griine  gehend,  gleichfalls  plastisch  und 
*est,  jedoch  ohne  Glimmerbliittchen  beigemengt  zu  enthalten.  Im  Hangenden  dieses 
Kegels  wurde  schliesslich  eine  schwache  Schichte  von  Diluviallelun  constatirt. 

Es  ist  natiirlich,  dass  die  Entscheidung  der  Frage  hinsichtlich  des  Alters 
('ei'  erwahnten  Tegel  der  Prilfung  ihres  Schlemmriickstandes  iiberlassen  werden 
musste.  Auf  diese  Weise  wurde  sichergestellt,  dass  der  Schleniuuiiekstand  des 
gtauen  bis  griinlichen  Tegels  zusammengesetzt  ist  aus  feinem  Quarzsand,  vermengt 
tint    Bruchstiicken    des   Gesteinsarten    aus   der   Kreideformation,    in   dein   es   nicht 


^■■■■■■■^■■■■■■■■■■■■■■■■■^^^■■■■■■■■■■■■i 


32 

moglich  war,  aucb  nur  eine  Spur  von  Petrefacten  festzustellen,  trotzdem  alles  beriick- 
sichtigt  wurde,    was  sie  hatte  aufdecken  konnen. 

Ein  grosseres  Interesse  erweckte  das  Schleramproduct  des  dunklen  Tegels 
der  unteren  Bank. 

Dieses  besteht  ebenfalls  aus  feinem  Quarzsand,  jedoch  ohne  Detritus  der 
Gesteinsarten  der  Kreideformation  in  dem  verhaltnismassig  genug,  durchwegs 
vortrefflich  erhaltener  Foraminiferen  entdeckt  wurden.  Das  vollstandige  Verzeichnis 
folgt  bier: 


Echinodermata.  Globigerina  bulloides,  d'Orb.     .    .    .  s 

Stacheln ss  Pullenia  sphaeroides,  d'Orb.      .    .    .  s 

Truncatulina  Haidingeri,  d'Orb.    .    .  s 

For  am  in  if  era.  „           Dutemplei,  d'Orb.    .    .  s 

Textularia  carinata,  d'Orb ss          Anomalina  Badense,  d'Orb ss 

Bulimina  pupoides,  d'Orb ss  Pulvinulina  Partschiana,  d'Orb.    .   .  s 

„        affinis,  d'Orb ss          Rotalia  beccarii,  Linne"  sp s 

Nedosaria  (D)  scabra,  d'Orb.    .    .    .   b  Nonionina  communis,  d'Orb.     .    .    .  s 

Nach  meinen  bisberigen  Erfahrungen,  f.eren  Resultat  bier  oben  angefuhrt 
ist,  ist  die  Fauna  dieses  Landskroner  Tegels  arm.  Sie  ist  bios  beschriinkt  auf  ganz 
bedeutungslose  Reste  von  Echiniden  und  cine  ziemlich  kleine  Gruppe  von  Fora- 
miniferen. Diese  letztere,  trotzdem  sie  arm  ist,  enthiilt  doch  alle  grundlegenden 
Ziige  dor  Physiognomie  der  Foraminiferen-Gruppe  des  Rudoltitzer  und  Lukauor 
Tegels.  Urn  betreffs  (lessen  eine  klare  Ansicht  zu  erhalten,  genugt  es  vollkommen, 
dass  wir  diese  Fauuen  mit  einander  vergleichen  und  vor  allom  sicherstellen,  dass 
die  bier  in  Rede  stehende  Fauna  die  Vertreter  fast  aller  Familien  enthalt,  welche 
in  jener  Fauna  (d.  i.  der  Lukauer  und  Rudoltitzer)  eine  grossere  Entfaltung  linden. 

In  der  Umgebung  von  Landskron  nach  aufgedeckten  miocaeneu  Tegelu 
forschend,  stiess  ich  auf  gelben,  in  der  Boschung  durchschnittenen  Tegel,  und 
zwar  unter  dem  Kreuze,  das  am  mittleren  Wege  steht,  der  vom  ersten  Teiche  zu 
dem  nach  dem  Schlossberge  fiihrenden  Fahrwege  sich  hinzieht  Diesen  interessanten 
Tegel  erkennen  wir  sofort  als  identisch  mit  dem  oberen  Tegel  aus  der  Ziegelei; 
derselbe  ist  namlich  ebenfalls  plastisch,  fein  und  ohne  grossere  Petrefacten.  Es 
gelang  mir  nicht,  sein  Grundgcbirge  sicherzustellen,  es  ist  mir  daher  nicht  moglich, 
iiber  aeine  Mochtigkeit  sichere  Daten  mitzutheilen,  woraus  folgt,  dass  wir  nicht 
wissen,  von  welcher  Machtigkeit  er  ist. 

Auf  demselben  liegteine  verhaltnismassig  starke  Schotterbank,  zum  grossten 
Theile  aus  Quarzgeschiebe  zusammengesetzt.  Diese  Schotterbank  gleicht,  was  ihren 
Charakter  anbelaugt,  den  ziemlich  ausgedehnten  und  miichtigen  Schotterschichten 
nordlich  von  Johnsdorf,  die  fast  auf  dem  ganzen  Terrain,  das  sich  zwischen  diesem 
Dorfe  und  Rothwasser  hinzieht,  ausgebreitet  sind. 

Der  Schlammriickstand  dieses  Tegels  ist,  wie  derjenige  des  grauen  Tegels 
aus  der  Ziegelei,  zusammengesetzt  aus  feinem  Quarzsand  und  aus  Detritus  von 
Gesteinsarten  der  Kreideformation.  In  diesem  wurden  Petrefacten  entdeckt,  jedoch 
nur  solche  der  Kreideformation  und  nicht,  wie  wir  erwarten  wurden,  der  miocaenen. 


33 

Aber  auch  von  dieser  habe  ich  wenig  entdeckt,  imr  zwei  an  Individnen  arine 
Arton ;  es  sind  dies :  Bulimina  ovuluni  Ess.  und  Textnlaria  sp. 

Ich  habe  dieson  Tegel  deshalb  hier  angefiihrt,  weil  or  manchen  zur  An- 
schauung  verleiten  konnte,  dass  or  ein  miocaener  sei.  Ware  er  es  in  der  That,  so  wiirde 
er  wenigstens  eine  sparliche  miocaeno  Fauna,  oder  doch  Spuven  derselben  enthalten. 
Welehen  Alters  er  ist,  ist  houte  noch  nicht  rathsam  zu  sagen.  Sicher  ist  jedocli, 
dass  er  don  Schottcrn  uiilier  stolit,  als  den  miocacnou  Tegeln  und  dass  er  ciiiein 
Horizonte  angehort,  dem  die  Tegel  von  Ziegenfuss,  Jolmsdorf  und  Wildenschwert 
subsummirt  werden.  Von  diesem  Fundorte  geliort  hierher  jener  gelbo  Tegel,  welcher 
die  dortigen,  machtigen  Schotterbanke  unterteuft  und  in  der  Ziegolei  nordwestlich 
von  der  Stadt  im  Hangenden  des  dunkolblauen  miocaenen  Tegels  zu  Tage  tritt. 


Unter-  und  Ober-Johnsdorf. 


Nordlich  von  Ober-Johnsdorf  hat  K.  Wolf  und  nach  ihm  ,/.  Krejci  miocaeno 
Tegel  verzeicb.net,  die  sich  von  dem  lotzten  Hauschen  des  Dories  bis  fast  zum 
Triangulirungspunkte  501  und  zum  Wallfahrtsorte  Mra.  Z.ell  ausdehnen. 

Eigentlich  schon  als  ich  durch  das  Johnsdorl'or  Thai  nach  Rothwasser 
gieng,  stiess  ich  da  und  dort  auf  gelbe,  weiche  Tegel,  die  den  Landskroner  und  Wilden- 
schwerter  Tegeln  iihnlich,  ja  fast  mit  ihnen  identisch  waren.  Jedocli  waren  sie 
uirgends  so  schon  aufgedockt,  als  in  der  Niihe  der  nordlichen  Spitze  dos  Dories 
Ober-Johnsdorf,  wo  iibcr  alien  Zweifel  ersichtlich  war,  dass  diese  Gebilde  mit 
Schotter-  und  Sandbanken  abwechseln,  dass  sie  also,  wie  K.  Wolf  und  J.  Krejci 
richtig  erkannten,  junger  als  das  Miocaen  sind. 

Nach  dieser  Erfahrung  ist  es  nur  natiirlich,  dass  ich  sehr  neugierig  auf  das 
Johnsdorfer  miocaene  Depot  war.  Der  Zufall  wollte  os,  dass  ich  in  dasselbe  nach 
einem  Wolkenbruch  kam,  der  nicht  nur  am  Gotreide,  sondern  auch  an  den  Feldern 
bedeutenden  Schaden  verursachto.  In  den  durch  den  Wolkenbruch  ausgewaschenen 
Purchen  des  Bodens  konnte  man  besser,  als  anderswo  das  Verhaltnis  dieser  weichen 
legel  zu  den  dieselben  uberlagernden  Schotterschichten  wahrnehmen,  doren  Miich- 
tigkeit  in  der  Umgebung  des  Wirthshauses  und  der  Calvaria,  als  auch  der  gegoniiber- 
'iegenden,  rechts  von  der  Strasse  sich  orhebenden  Anhohe  das  Maximum  erreicht. 
Was  den  Schotter  anbelangt,  war  mir  schon  im  Terrain  klar,  dass  er  dem  marinon 
Miocaen  nicht  angehort.  Betreffs  dor  hier  sich  vorfindenden  grauen  Tegel  war  ich 
jedooh  nicht  im  Stande,  mich  so  rasch  zu  entscheiden.  Nicht  oinmal  der  Umstand, 
(l;iss  sie  mit  grobem  Sande  abwechseln,  konnte  mein  Urtheil  beschleunigon.  Die  richtige 
Antwort  erwartete  ich  dahor  von  der  Untersuchung  des  Schlemmriickstandes.  Dieser 
Wurde  sorgfaltig  durchsucht  und  fiihrte  zu  demselben  Resultato,  wie  der  des  Lands- 
"t'oner  Tegels,  d.  h.  dass  diese  Tegel,  die  gleichzeitig  mit  Schottern  auftreten,  junger 
Seion,  als  die  miocaenen  Tegel  mit  typischer  mariner  Miocaenfauna.  Von  dieser  ist 
1,1  denselben  atich  nicht  eine  Spur,  und  falls  sie  uberhaupt  irgeudwelche  Petrefacten 
enthalten,  sind  es  stets  nur  Arten  der  Kreidel'ormation. 

Zu  diesem  Urtheil  fiber  don  sogenannten  miocaenen  District  von  Ober- 
Johnsdorf  bin  ich  nach  eingehonder  Durchforschung  des  ganzen  Terrains  gekommen, 

3 


34 


das  sich  zwischeii  Ober-Johnsdorf  mid  Rothwasser  dahinzieht.  Nicht  einmal  in 
tieferen  Einschnitten  habe  ich  die  typischen  marinen  Tegel  zu  cntdockon  vennocht. 
Ob  sio  K.  Wolf  und  J.  Krqjci  gefunden,  wciss  ich  nicht;  sie  liaben  uns  dariiber 
keinerlei  detaillirteren  Bericht  hinterlassen.  Audi  zwoifie  ich  nicht,  dass  irgendwo 
im  Liegenden  der  hiesigen  Schotter  und  des'groben  Quarzsandes  echte,  marine,  miocaeue 
Tegel  sicb  ausbreiten,  denn  sonst  liesse  aich  der  Zusammenhang  ties  miocaenen 
Depots  von  Rothwasser  mit  dem  von  Landskron  gar  niclit  erkliiron.  Aber  die  d.  z.  Vcr- 
haltnisse  nordlich  von  Ober-Johnsdorf  gestatten  uns  nicht,  von  einem  selbstiindigen 
miocaenen  District  zu  sprechen,  nachdem  dort  diese  Ablagerungen  weder  in  Hirer 
typischen  Entwickelung,  nodi  fosillftibrend  zu  Tage  treten. 


Rothwasser. 

Nachdem  icli  diese  Verhaltnisse  in  der  Umgebung  von  Ober-  und  Unter- 
Johnsdorf  kennen  gelernt  hatte,  war  es  mir  sehr  daran  gelegen  zu  erfahren,  wie 
sicb  dieselbon  in  dem  Gebiete  von  Rotliwasser  gostallen  werden,  und  dies  urn  so 
melir  als  //.  Wolf  und  spater  J.  Krejci  siidlicli  und  nordlich  des  Doil'es  marine 
neogene  Sedimente  festgestellt  und  auf  ihren   Kartenbliittern   ausgeschieden   liaben. 

Bis  zum  nordlichen  Abhang  der  Calvaria  reichen  die  Schotter  herab, 
ja  bis  an  den  Fuss  dieser  Anliohen  lassen  sie  sich  verfolgen,  und  wir  bemerkeu, 
dass  sie  audi  in  der  Niiho  des  Dories  unbedeutende  Reste  bilden.  Unter  diesen 
Schotterschichten  treten  im  Abhange  an  zahlreichen  Stellcn  gelbliche,  bis  grtinliclie 
Tegel  zu  Tage,  welche  jedoch  im  Thale  plotzlich  verschwinden,  um  sich  erst  westlich 
vom  Teiche  in  einem  Complex  sich  auszudehnen,  der  sich  nach  Westen  bis  in  den 
Wald  hinzieht.  Die  Grenzc  dieses  Tegels  scharf  zu  bestinimcn  ist  man  unter  den 
d.  z.  Verhaltnissen  nicht  im  Stande.  Auch  die  Miichtigkeit  dieser  Ablagerungen  llisst 
sich  genau  nicht  festellen,  doch  kann  man  sie  mit  Riicksicht  auf  das  Grundgebirge 
unschwer  abschiitzen ,  nameutlich ,  wenn  alle  Umstiinde  dafiir  sprechen,  dass  sie 
audi  bier  unbedeutend  ist.  Schon  aufgedeckt  fand  ich  diesen  Tegel  im  Strassen- 
einschnitt,  der  vom  Rothwasser  nach  Dittersbach  luhrt.  Der  dortige  Tegel  ist  gelb- 
lich,  lein  und  plastisch,  im  Wasser  schwer  liislich.  Beim  Schlemmen  hinterliisst  er 
oine  bedeutende  Menge  groben  Sandes  und  Ideine  Bruchstiicke  von  Gesteinsarten 
der  Krcideformation.  Seine  Fauna  ist  sparlicli,  jedoch  schon  erhalten.  Sie  besteht 
bios  aus  Foraminiferen.  Ihr  Charakter  tritt  in  diesem  Verzeichnisse  auf: 


For  aminifera. 


Textularia  carinata,  d'Orb ss 

Bulimina  affinis,  d'Orb ss 


Truncatulina  Dutemplei,  d'Orb.    .    .  ss 
Anomaliua  Badensis,  d'Orb ss 


Ausser  diesen  miocaenen  Arten  wurden  auch  die  Gehiiuse  einer  der  Krcide- 
formation angehorenden  Art  Rotalia  uinbilicata  var.  nitida  Rss.  ausgeschlemmt. 

Einigermassen  interessanter  als  der  Tegel  des  siidlichen  Depots  von  Roth- 
wasser, ist  der  im  Abhang  an  der  Strasse  nordlich  von  Rothwasser  aufgedeckte  Tegel. 


35 


Es  ist  dies  der  erste  auf  bShmischem  Terrain  sichergestellte  Fundort,  wo- 

selbst  es  moglich  war,  zu  bcobachten,  von  wo  derm  das  Muttergestein  der  miocaenen 
Tegel  Ostbohmens  herstammt.  Auf  diese  Frage  gibt  die  Fauna  des  Schleram. 
rtlckstandes  der  hiesigen  Tegel  eine  befriedigende  Antwort.  Sie  ist  aus  zwei  verschie- 
denartigen  Elementen  zusammengesetzt :  aus  dem  Kreideformationstypus  (der  Priesener 
Stufe)  und  aus  dem  miocaenen  Typus.  Daraus  geht  hcrvor,  dass  das  Muttergestein 
dieser  Tegel  kein  anderes  ist,  als  das  der  harten  Merged  der  Priesener  Stufe.  Wie  er- 
sichtlich,  ist  diese  Erkenntnis  fur  denjenigen  wichtig,  dem  die  Aufgabe  zufiillt,  das 
ostbohmische  Neogengebiet  zu  studiren,  oder  das  Alter  der  dortigen  Tegel  zu 
bestimmen  hat  und  die  Grenze  zwisclien  der  Miocaenformation,  dem  Diluvium 
und  Alluvium  Ziehen  soil.  Dass  das  keine  leichte  Saclie  ist,  beweist  das  frfther 
hier  angefiihrte.  Dass  hiezu  grosse  Vorsicht  und  cinige  Erfahrung  nothwendig  ist, 
sehen  wir  an  der  Saclie  selbst.  Diese  Umstande  crschweren  iiber  alle  Erwartung 
die  der  Erforschung  des  Ursprungs  des  Gesteinsmatei'ials  der  miocaenen,  diluvialen 
und  alluvialen  Iiiinke  gewidmete  Arbeit.  An  zahlreichen  Stellen  unseres  weiten  Ge- 
bietes  weicht  das  Wasser  die  Priesener  Mergel  auf,  lost  sie,  urn  sie  an  anderein 
Orte  wieder  abzulagern,  ein  Process,  der  seit  der  iUteren  Tertiaerperiode  unaufhorlich 
bis  auf  den  heutigen  Tag  dauert.  Auf  das  diesen  Schichten  entrissene,  dem  Meere 
zugeftlhrte  und  wieder  abgelagerte  Material,  setzten  spiiter  die  Tageswasscr  ungestort 
und  unaufhorlich  neue  verwitterte  Masse  ab,  auf  diese  Weise  eine  gleicbmiissig  cnt- 
stehende  Schichte  bildend.  Es  ist  daher  natiirlicb,  dass  Dr.  ,/.  J.  John,  auf  dem 
Ghotzen-Leitomischler  Gebiete  mit  geologischen  Aufnabmen  bescliiiftigt,  sanimmtliclie 
der  dortigen  aufgeweicliten  Mergel  der  Priesener  Stufe  als  miocaene  erkliirte.  Aller- 
dings  belehrte  uns  die  Fauna  dieser  Ablagerungen  eines  anderen. 

Auch  auf  diesem  Gebiete  liaben  wir  sorgfiiltig  auf  die  Fauna  zu  achten, 
Sobald  wir  das  Alter  der  dortigen  weiclien  Tegel  und  Mergel  abgrenzen  und  fest- 
stellen  wollen. 

Diese  treten  nordlich  hinter  dem  Dorfe  Rotliwasser  im  Abhang  reclits, 
oberhalb  der  Strasse  auf,  wenn  wir  nach  Wetzdorf  gehen,  u.  z.  gerade  dort,  wo 
die  Strasse  etwa  20  Scbrittc  in  die  llothwasser-Wetzdorfer  Niederung  einbiegt. 
Sie  sind  den  weichen,  im  Wiildclien  bei  Wetzdorf  aufgedeckten  Tegeln  sehr 
ahnlicli  und  erinnern  an  die  harten  Mergel  der  Priesener  Stufe,  die  in  demselben 
Abhang  zu  Tage  treten. 

Die  Durchforschung  dieses  Fundortes  erheischt  strenge  Sorgfalt  und  Umsicht- 
Zu  einein  solchen  Vorgaug  fordert  das  Verhaltnis  des  dortigen  marinen  Tegels  einer- 
seits  zum  Thaltegel,  andererseits  zu  den  anstehenden  Priesener  Schichten  und 
sehliosslich  zu  dem  Material,  das  durch  Verwitterung  aus  denselben  entstanden  ist. 

Der   hier   im    Abhang   an    der    Strasse    auftretende    Mergel,     weichen    ich 

wie  den  gelben  Tegel  von  Landskron  und 
spiiter  bewiesen  wcrden  wird,  als  soldier 
sich  im  Wasser  sehr  schwer,  ist  von  liclit- 
plastisch  und  fett,  dagegen  ausgetrocknet 
fiiemlich  hart.  Sein  Sclilemmriickstand  besteht  aus  feinem  Sande  mid  groben  Bruch- 
stiicken  von  Gesteinsarten  der  Kreidei'orination,  in  denen  der  Planer  und  feinkorniger 
Sandstcin  uberwiegen. 

3* 


aufanglich    in  dieselbe    Gruppe    reihtc, 
Wildenschwert,    der  sich  jedoch,    wie 
lielit  darstellt,  sondern  alter  ist,   lost 
grauer    Farbe,     im  frischen    Zustande 


86 

Die  Fauna  dieses  Mergels  besteht,  wio  hier  schon  frtiher  erw&hnt  wurde, 
aus  zwei  heterochronen  Elementen.  Das  eine,  reichere  und  interessantere,  verlegt 
die  Entstehung  dieses  Gebildes  in  die  Periode  der  Priesener  Stufe,  das  zweite  aber 
spricht  daftir,  dass  diese  Sedimente  erodirt,  dann  translocirt  wurden,  worauf  ihre 
neuerliche  Ablagerung  durch  das  miocaene  Meer  erfolgte. 

Die  Fauna  dieses  miocaenen  Tegels  ist  eine  sparliche.  Ihren  Charakter 
gibt  das  hier  angefllgte  Verzeichnis  in  groben  Umrissen  an. 


0  straco  da. 
Bairdia  heterostigma,   Rss. 


ss 


Gasteropoda. 

Buccinum  sp ss 

Cerithium  pictum,  "Fir .  ss 


Lamclli  branch  iata. 

Tellina  sp ss 

?  Ostrea  sp ss 

For  am  in  if  era. 

Cristellaria  cultrata,  Lamk ss 

„         calcar,  d'Orb ss 


Aus  diesein  Grande  ist  es  bisher  nicht  moglich,  mit  Bestimintheit  zu 
entscheiden,  welche  von  den  vier  diese  Fauna  bildenden  Thiergruppen  in  derselben 
iiberwiegt.  Ob  es  in  Zukuni't  gelingen  wird,  ist  jedenfalls  fraglich;  das  weiss  ich 
jedoch,  dass  iin  positiven  Falle  es  dann  nicht  schwer  ware,  das  Verhaltnis  genau 
anzugeben,  in  welchem  diese  Fauna  zu  unseren  marinen  und  brackischen  Faunen- 
typen  steht.  Die  hcutigen  Umstiindc  sprechen  dafiir,  dass  wir  in  der  vorliegenden 
Fauna  die  Charakteristika  beider  Typen  vermischt  vor  uns  liaben,  denn  der  Cha- 
rakter  der  Foraminiferen  entspricht  deni  marinen  Typus,  wiilirend  die  Anwesenheit 
der  Arten:  Cerithium  pictum  und  Bairdia  heterostigma  mit  dem  brackischen  Typus 
correspondirt.  Es  ware  vielleicht  richtig,  wenn  wir  den  brackischen  Merkmalen 
Gewicht  beilegten  und  den  District  von  Ilothwasser  als  einen  brackischen  procla- 
miren  wurden,  worin  uns  audi  das  Verhaltnis  dieses  Gebietes  zu  den  ubrigen  Ter- 
ritorien  untersttltzen  wtlrde,  aber  wir  finden  es  nicht  fur  rathsam  und  mocliten 
derartiges  nicht  empfehlen;  im  Gegentheile,  die  bisherigcn  Erfahrungen  zwingen 
uns  die  ganze  Frage  lieber  ungelost  zu  lassen. 

Um  meine  Erorterung  betreffs  des  palaeontologischen  Inhaltes  der  Tegel  von 
Rothwasser  zu  erganzen,  f'iihre  ich  hier  audi  scin  zweites  Element  an,d.  i.  die  Fauna 
der  Mei'gel  der  Priesener  Stufe. 


0  s  t  r  a  c  o  d  a. 
Cythere  Karsteni,  Ess. 

Cytherella  ovata,  Ilss. 

Bryozoa. 

Filisparsa  simplex,  Rss, 

For  a  mini  fera. 
Lituola  cylindrica,  Per. 
Haplostiche  clavulina,  Rss. 
Nodosaria  oligostegia,  Rss. 
„        pseud ochrysalis,  Rss. 


Nodosaria  divergens,  Pern. 

Zippei,  Rss. 
Cristellaria  ovalis,  Rss. 

„         rotulata,  Rss. 
Frondicularia  angulosa,  Rss. 

„  cf.  microsphaera,  Rss. 

„  inversa,  Rss. 

„  striatula,  Rss. 

„  cf.  coronata,  Pern. 

Globigerina  cretacea,  d'Orb. 
Rotalia  umbilicata  var.  nitida,  Rss. 


37 

Wie  aus  diesem  Verzeichnisse  erhellt,  ist  diese  Fauna  verhiiltnismassig 
reich  genug.  Uns  interessirt  augenblicklioh  mehr  als  ihr  Charakter  der  Umstand, 
dass  die  Geliiiuse  Hirer  Arten  wolil  erhalten  sind.  Das  hat  fur  uns  deslialb  Wich- 
tigkeit,  weil  es  beweist,  dass  diese  schon  erhaltenen  Geliiiuse  und  Schalen  nicht 
von  Veither  sind,  dcim  im  gegentheiligen  Falle  hfttten  sie  sichtliche  Spuren  des 
Transposes  an  sich. 

Jockelsdorf. 

Die  miocacuen  Ablagerungen  von  Rothwasser  gegen  Siidweston  verfolgend, 
bemtihte  ich  mich,  den  von  H.  Wolf  nordwestlich  von  Jockelsdorf  entdeckten  kleinen 
District  von  Tegeln,  zu  untersucben.  Er  interessirte  mich  insbesondere  durch 
seine  geradezu  auffallige  Seehohe,  welche  nach  der  Generalstaabskarte  bis  500  Meter 
erreicht.  Allein,  schon  dieser  Umstand  weckte  Mistrauen  in  mir,  und  zwar  das  begriin- 
dete  Mistrauen.  Aber  erst  an  Ort  und  Stelle  war  es  mir  moglich,  mich  von  dem 
Charakter  dieser  interessanten  Ablagerungen  zu  ttberzeugen.  Ich  stiess  auf  dieselben 
auf  einer  ziemlich  grossen  Flache,  doch  iiberall  in  nicht  entfernter  Nachbarschaft 
von  barton  Kreidemergeln,  in  welche  sie  allmiilig  iibergiengen.  Diese  Umstande,  dann 
aber  der  petrograpbische  Charakter  und  endlich  das  Resultat  des  untersuchten 
Schlemmruckstandes  erweisen  iiber  alien  Zweifel,  dass  der  weiche  Jockelsdorfer 
Tegel  kein  miocaener  ist.  sondern  dass  er  durch  Zersetzung  von  Priesener  Mergeln 
entstanden  ist. 


Wetzdorf. 

Das  gauze  Gebiet  des  kleinen  Waldes,  durch  welclien  die  Strasse  von 
Rothwasser  nach  Wetzdorf  i'uhrt,  nehnien  weiche  Tegel  ein,  die  ursprttnglich 
■//.  Wolf  entdeckt  und  als  miocaene  Sedimente  verzeichnet  hat  und  die  nach  ihm 
Prof.  ,/.  Krejci  ebenfalls  als  neogene  anerkannte.  Diese  Tegel  verschwinden  all- 
•niilig  in  der  Rothwasser- Wetzdorfer  Niederung,  u.  z.  unter  einer  diiunen  Allu- 
Vialschicht,  welche  jedoch  an  zahlreichen  Stellen  bis  auf  die  genannten  Tegel 
durchbrochen  ist.  Von  dem  erwiilinten  Waldehen  Ziehen  sich  diese  Sedimente  bis 
nach  Wetzdorf,  woselbst  sio  enden.  Ihren  Charakter  and  ihre  Ausdehnung  ent- 
biillen  auf  dieser  Seite  die  Strassengriiben  der  neu  erbauten  Strasse,  die  stellen- 
Weise  in  die  Tegel  eingeschnitten  sind.  Diese  Umstande  waren  es  eben,  die  mich 
berechtigten,  die  Anschauung  auszusprechen,  dass  die  gauze  Niederung  von  Roth- 
wasser-Wetzdorf  weiche  Tegel  von  gelblicher  bis  lichtaschgrauer  und  dunkelblauer 
Farbe  ausfllllen. 

Es  handelte  sich  nun  bios  darum,  das  Alter  dieses  Tegels  zu  bestimmen.  Die 
Lage  desselben  und  der  petrographische  Habitus  waren  fur  diesen  Zweck  iiber- 
flttssig  und  nicht  vortheilhaft.  Nur  die  Untersuchung  des  SchlemmiUckstandes  konnte 
bier  entscheiden.  Urn  betreffs  dieser  Sache  eiuen  verliisslichen  lieweis  zu  erhalten, 
w&hlte  ich  eine  Stelle  im  Waldehen,  an  der  die  Tegel  am  tiefsten  durchschnitten 
Sind.  llier  wurde  der  Tegel  von  den  dortigen  beiden  Tegelbiinken  genommen,  von 
denen   die   untere   einen   dunkleren  Tegel  enthftlt.  als  die  obere.   Das  Schlemm- 


33 

product  aus  diesen  beiden  Biinken  ist  identisch  und  setzt  sich  aus  feinem  Quarzsande 
und  Bruchstiickeu  von  Gcsteiusartcn  der  Kreideformation  zusammen.  Aron  Petre- 
facten  war  nirgends  auch  nur  die  geringste  Spur. 

Mich  rait  dor  Untersuchung  des  Schleinmriickstandes  aus  dem  Togel  dos 
W&ldchens  nicht  begnflgend,  unterzog  ich  auch  den  durch  den  Strasseneinschnitt 
dicht  am  Dorfe  blosgelegten  Tegel  dem  Studium.  Interessant  ist  das  Schichten- 
systom,  das  in  dem  erwahnten  Einschnitt  aufgedeckt  erschoint ;  es  treten  daselbst 
zu  Tage  von  oben  nach  unten : 

a)  Diluvialer  Lehm; 

b)  Tegel  gemischt  mit  Gerolle; 

c)  gelblicher  Tegel; 

d)  einc  rothliche  Sandschichte  von  Eisenoxyd  vorfiirbt; 

e)  das  Grundgebirge :  Kreidescbichten. 

Der  Tegel  dor  Schichte  c)  ist  derselbe,  wie  er  sich  im  Wiildchen  vor- 
findet.  In  soinem  Schlemmriickstande  wurde  ebenfalls  auch  nicht  eine  Spur  einer 
Fauna  nachgewiesen.  Fasse  ich  alles  zusammen,  was  mir  betreffs  dieser  weichen 
Tegel  zu  erreichen  gelungen  ist,  so  kommc  ich  zu  dem  Urtheil,  dass  auch  dioselben 
keine  miocaenen  Tegel  sind,  sondern  jener  Gruppe  des  bohmischen  Schichtenhorizonts 
angehoren,  in  die  ich  die  weichen  Tegel  nordlich  von  Ober-Johnsdorf,  nordwestlich 
von  Jockelsdorf,  westlich  von  Landskron  und  die  der  Umgebung  von  Wildenschwert 
einreihe. 

Bohm.-Trubau. 


Des  dortigen  miocaenen  Districts  erwiilmt  zum  erstenmale  11.  Wolf 
in  seinem  Rciseberichte  aus  dem  Jahre  1862.  Auf  seinem  geologiscben  Karten- 
blatte  der  dortigen  Umgebung  hat  er  das  Miocaen  in  zwei  Iuselchen  verzeichnet, 
von  denen  das  nbrdlichere  sich  im  siidostlichen  Absclmitt  der  Stadt  ausdehnt, 
wahrend  das  siidliche  vom  Bahn einschnitt  gerade  hinter  der  Briicke  beim  Bahnhofe 
durclnruert  wird.  Auch  A.  E.  Eeuss  erwiihnt  des  Bohm.-Trubauer  Miocaens,  jedoch 
nur  kurz  und  biindig.  Petrefacten  fiihrt  er  aus  demselben  nicht  an.  Warum,  das 
kann  ich  heute  nicht  entscheiden,  da  sich  vpraussetzen  lasst,  dass  er  auch  die 
Tegel  von  dieser  Stelle  schlemmte  und  den  Schlemmnickstand  untersuchte. 

So  wie  in  anderen  Depots,  so  erschwert  auch  in  diesem  die  Decke 
j  unger  Sedimente  die  Forschung  sehr.  Docli,  trotzdem  ist  es  nicht  schwer  zu 
erkennen,  dass  die  hiesigen  marinen  Tegel  weit  nach  Norden  hinausragen  und 
die  Wolf'schen  Streifen  eigentlich  zusammenschmelzen  und  bis  zu  dem  Wiildchen 
reichen,  das  die  Niederung,  welche  sich  sfldlich  des  Bahnhofes  ausdehnt  von  dem 
Schirmdorf-Gebiettrennt.  Noch  im  Jahre  1893  vermuthetc  ich,  dass  in  dieser  Niederung 
das  Diluvium  der  Kreideformation  direct  aufgelagert  ist.  Im  vorigen  Jahre  wurde 
ich  jedoch  eines  anderen  belehrt.  Wahrend  meines  letzten  Aufenthaltes  in  dieser 
Gegend  stiesa  icli  hier  auf  eine  im  Ban  begriffone  Strasse,  die  Schirmdorf  mit 
Bolim.-Triibau  verbindet.  J)ie  ziemlich  tiefen  Fundamente  dieser  Strasse  fand  icli 
an  vielen   Stellen    in  den   Tegel   versenkt,  welcher,  hiedurch  aufgedeckt,  fasst  von 


39 


dor  Ziegelei  bis  in  das  Wiildchen  in  den  Strassengriiben  zu  schen  ist.  Darait 
war  gleichzeitig  cntschieden,  dass  dor  miocaene  in  der  Ziegelei  aufgedeckte  Tegel 
sich  hier  unter  der  Decke  der  sandigen,  diluvialen  Gebilde  ausdehnt  und  endlich, 
dass  ev  direct  mit  dein  Tegel  des  EisenbahneinschniUes  in  Verbindung  steht. 

Bis  allher  war  aus  diesen  Tegcln  audi  nicht  cine  einzige  Art  bekannt. 
Heute  kennen  wir  eine  wohl  kleine,  aber  interessante  Fauna,  welche  nebstdem 
auch  dadurch  Bedeutung  hat,  dass  sic  uns  jene  Bank  zeigt,  die  von  den  ilbrigen 
als  miocaene  unterschieden  werden  muss.  Denn  auch  hier  ist  nicht  alios,  was 
Weicher  Tegel  ist  und  miocaenon  Sedimenten  iihnlicli  sieht,  miocacnen  Alters. 

Auf  diesen  Gedankon  brachte  mich  in  der  hiesigon  Gegend  die  folgende 
Beobachtung.  Im  verflossenen  Jahre  war  ich  zufalliger  Weise  im  Eisenbahnein- 
schnitte,  u.  z.  auf  dessen  Solile,  als  man  unweit  der  Briicke,  die,  wie  schon  erwiihnt, 
in  der  Nahe  des  Bahnhofes  ist,  einen  Brunnen  grub.  Man  grub  im  golblichen,  weichen 
Tegel.  Ich  nahm  ein  Handstiick  davon,  etwa  im  Gewichto  von  a/3  Kilogramm, 
gleichzeitig  auch  ein  solches  in  Gewichto  von  etwa  1  Kilogramm  von  der  Haldc 
nachst  der  Station  und  schlemmte  beide  Stiicke,  jedes  fur  sich.  Die  Resultate  waren 
verschieden.  Das  ersto  Stuck  Tegel  gab  einen  Schlemmruckstand  aus  feinem  Sando, 
jedoch  olme  Versteinerungen ;  das  zweite  Stiick  lieferte  ebenfals  einen  Schlemm- 
Hickstand  feinen  Quarzsandes,  dai'iir  mit  Petrefacten.  Nacli  dor  Fundstelle  des  der 
Hahle  entnominonen  Tegels  war  cs  nicht  schwer  zu  erkonnen,  dass  derselbe  etwa 
aus  dor  halben  llohe  des  heutigen  Bahneinschnittes  stamme.  Der  Vollstiindigkeit 
halber,  schlemmte  ich  auch  noch  den  aus  den  sandigen  Tegelschichten  der  Ziegelei 
genommen  Tegel;  docli  der  Schlemmruckstand  desselben  war  steril. 

Die  b'auna  des  Tegels  aus  dor  hiesigon  mittloron  Bank  ist  folgende: 


Gasteropoda. 

Nerita  picta,  Fer ss 

E  chin  odor  mat  a. 

Stacheln h 

Foraminifera. 
Bulimina  pupoides,  d'Orb hh 


Virgulina  Schrcibersiana,  Cziz.     .    .  s 

Nodosaria  scabra,  Rss 8 

Globigerina  bulloides,  d'Orb.    .    .    .  ss 

Pullenia  sphaeroidina,  d'Orb.    .    .    .  h 

Rotalia  beccarii,  Linne  sp h 


Es  ist  richtig,  diese  Fauna  ist  armlich.  Besehen  wir  sie  uns  jedoch  genauer, 
erkennen  wir,  dass,  trotzdem  sie  verhaltnismassig  wonig  Arten  bietet,  sie  docli  reich 
an  Individuen  ist,  wodurch  sie  sich  einigermassen  den  Faunen  aus  rein  brackisclien 
Tegcln  nahert.  Trotz  dieses  Merkinals  kann  man  sic  docli  nicht  in  den  Bereich 
diescr  einreihen.  Der  Ilauptgrund  hieiur  liegt  denn  docli  in  der  verhaltnismassig 
kedeutenden  Entwickelung  dor  Foraniiniforcn,  welche  mituntcr  (lurch  Arten  ver- 
treton  sind,  die  nirgends  in  den  Sedimenten  der  Brack-  und  in  llalbbraekwassern 
auftreten. 

Schirmdorf. 

Faast  dieselben  Ergebnisse,  wie  in  dem  Bohm.-Trtibauer  Tegel,  erzielto  ich 
bei  umfassender  Untcrsuchung  des  palaeontologischen  Charakters  des  Schirmdorfer 
Tegels.  Schon  II.   Wolf  und    J.  Krej6(   war  or   bekannt,   jedooh    nur    was    dessen 


40 


Ausdehnung  anbelangt.  Und  in  dieser  Hinsicht  muss  ich  bestatigen,  dass  sie  richtig 
bestimmt  worden  ist,  denn  thatsiichlich  breitot  sich  dor  dortige  Togel,  hie  und  da 
mit  einer  stellenweise  ziemlich  machtigen  Schicht  bedeckt,  auf  dor  ganzen  Aus- 
dehnung dos  Dorfes  aus,  wo  or  iin  Bachbette  an  zahlroichen  Stellon  aufgedeekt  ist, 
und  zwar  in  grosson  und  kleinon  Gruben,  die  cntwoder  frisch  gegraben  und  leer, 
Oder  zum  Theil  verscliiittot  sind. 

Vora  Bohmisch-Triibauer  Tegel  unterscheidct  sich  dor  hiesigo  niclit  eintnal 
durch  die  Farbe.  Sein  Schlemmnickstand  ist  ziemlich  reich  an  feinom  Quarzsand, 
dafiir  jedoch  arm  an  Detritus  von  Gcsteinsarten  dor  Kreideformation.  Audi  sein 
orgamscher  Inhalt  ist  nicht  sehr  gross;  er  enthiilt  durchwegs  Arten,  die  prachtig 
erhalten  sind,  und  die  sicli  durch  besonderen  Reichthum  an  Individuen  auszeichnen. 
Seine  Fauna  ist  folgende: 

Ostracoda.  Bulimina  affinis,  d'Orb hh 

Cytheridea  Mullori,  Miinst s  Cristellaria  intermedia,  d'Orb.      .    .  ss 

Echinodermata.  Pullenia  sphaeroides,  d'Orb.     .    .    .    s 

Stacheln s  Anomalina  Badensis,  d'Orb ss 

For  am  in  if  era.  Rotalia  beccarii,  Linne*  sp s 

Bulimina  pupoides,  d'Orb lib 

An  dieses  Verzeichnis  schliesse  ich  ein  anderes,  dessen  Material  mir  der 
Heir  Sanit&ts-Rath  Dr.  K.  Katholichy  aus  Briinn  lieh.  Er  stellto  mir  einen  sorg- 
fiiltig  ausgeschlemmten  Rtickstand  zur  Verfugung,  betreffs  (lessen  man  schon  auf 
den  ersten  Blick  erkannte,  dass  dorselbe  einem  dem  Landskroner,  beziehungsweise 
Bohmisch-Triibauer  Tegel  aequivalenten  Gebilde  augehoren  diirfte.  Dieser  Rtickstand 
stammt  aus  dem  Tegel  des  Dorfes,  or  ist  jedoch  an  Individuen  reicher  als  der, 
dessen  Fauna  oben  angefiihrt  ist.  Diesen  Reichthum  des  Schlemmproductes  des 
Herrn  Dr.  Katholicky  schreibe  ich  dem  Umstande  zu,  dass  or  ein  grosseres  Stiick 
des  Tegels  schlemmte.  Dass  seine  Fauna  aus  deniselben  Tegel  stammt,  wie  die 
moinige,  wird  jeder  zugeben,  der  die  vorangefiihrte  Fauna  mit  dor  folgenden  in 
Vergleich  zieht. 

Echinodermata.  Bulimina  affiuis,  d'Orb lib 

Stacheln s  „         punctata,  d'Orb hh 

Nodosaria  venusta,  Bss ss 

For  am  in  if  era.  n         scabra,  Rss ss 

Bulimina  pupoides,  d'Orb hh  Rotalia  beccarii,  Linne"  s]> s 

ovata,  d'Orb hh  Noniouina  communis,  d'Orb.     .    .    .     s 

Beide  diese  Verzeichnisso  sprochen  klar  dafiir,  dass  die  Fauna  d<;s  Schirm- 
dorfer  Tegels  vollstandig  mit  der  des  Bdhmisch-Trubauer,  Landskroner  und,  wie  wir 
spiitfsr  sehen  werden,  auch  mit  der  des  Wildenschworter  Tegels  ubereinstimmt.  Diese 
Uoboreinstiminung  boruht  vor  allem  in  der  goradezu  auffalligen  Kntwicklung  der  fol- 
genden A.rton:  Bulimina  ovata,  B.  affinis  und  theilweise  solbst  B.  punctata,  forner  im 
allgemeinen  Charakter  und  dann  schliesslich  darin,  dass  sic  den  Familien-  und 
Artenroichthum  dor  Faunen  dos  Rudoltitzer  und  Lukauer  Tegels  vermissen  liisst.  In 
ihrem  Wesen  erscheint  sie  jodocli  als  ein  stark  reducirter  Typus  dos  Rudoltitzer 
und  Luckauer  Tegels. 


41 


Wildenschwert. 


Der  hiesige  miocaene  District  ist  tier  nordwestlichste  Theil  ties  ostbohinischen 
Miocaengebietes.  Hinter  demselben  gibt  es  weder  nach  Nordeu,  noch  nach  Weston 
aeogeae,  marine  Sediraento.  Bis  in  diese  Gegend  reichte  das  grosse  neogene 
Meer,  (lessen  Gewasser  einst  Miihren.  Ober-  und  Niederosterreich  bedeckten  und 
sich  iiber  Ungarn,  den  Balkan  und  Kleinasien  bis  an  den  indischen  Ocean  er- 
streckten,  im  Nordeu  mit  dem  grossen,  wolhyniscli-siidrussisclien  und  mittelasiati- 
schen  Meere,  im  Westen  mit  dem  franztisischen,  dem  belgiscli-deutschen  und 
englischen,  im  Suden  sodann  mit  dem  Mittelmeere  zusammenhangend. 

Audi  betreffs  ties  hiesigon  Districtes  danken  wir  die  erste  Nachricht 
If.  Wolf.  Es  ist  merkwiirdig,  dass  dieselbe  so  schnell  verschwand,  und  class  man  sich 
derselben  erst  wieder  im  verflossenen  Jahre  erinnerte.  Dr.  E.  Tietsc  theilt  in  sei- 
ntun  Reiseberichte  mit,  dass  ein  grosser  Theil  Wildenschwerts  auf  den  neogenen 
marinen  Tegeln  ruht,  welche  bei  der  Grundaushebung  fiir  Neubauten  aufgedeckt 
wurden. 

Mir  gelang  es  nicht,  Tegel  in  den  Fundamenten  neuer  Hauser  zu  linden. 
Ich  kam  nach  Wildenschwert,  als  jene  bereits  vorbaut  und  unzuganglich  waren. 
Es  blieb  mir  daher  nichts  iibrig,  als  diese  Tegel  hinter  der  Stadt  zu  suchen. 

Ich  wahlte  aus  guten  Grtinden  den  Westen  des  stadtischen  Bayons.  Ich 
vermuthete  niunlich,  dass  ich  in  den  dortigen  Einschnitten,  Schottergruben  und  tier 
Ziegelei  Naheres  iiber  sic  erfahren  werde.  Die  Einschnitto  und  die  Schottergruben 
enttauschten  mich,  zum  Gliick  aber  nicht  die  letztere.  Doch  audi  das  in  den 
Schottergruben  erhaltene  Besultat  ist  lehrreich  und  interessant,  denn  es  bestatigt, 
dass  nicht  alios,  was  Tegel  ist,  auch  gleichzeitig  miocaenes  Sediment  sei. 

In  den  erwahnten  Schottergruben  sind  machtige,  geschichtete  diluviale 
von  sandigen  Zwischenlagen  durchsetzte  Schotterbiinke,  aufgedeckt.  Unter  diesen 
Schottern  dringt  etwa  2  Meter  oberhalb  tier  Strasse  ein  gelblicher  Tegel  hervor, 
welchen  wir,  falls  wir  ihn  in  tier  Boschung  durchgraben  lassen,  direct  auf  dem  harten 
Mergel  der  Priesener  Stufe  aufgelagert  linden. 

Was  den,  Schotter  betrifft,  muss  erganzend  hinzugefiigt  werden,  dass  der- 
selbe  in  der  hiesigon  Gegend  weit  verbreitet  ist,  und  dass  derselbe  in  petrogra- 
phischer  Hinsicht  mit  den  Schottern  von  Chotzen-Hohenmauth  harmonirt, 

Als  ich  diese  Umstande  erkannt  hatte,  war  ich  neugierig  zu  erfahren, 
welchen  Alters  beili'tuiig  der  erwahnte  Tegel  unter  dem  Schotter  sei.  Ira  ersten 
A-ugenblicke  vermuthete  icli  sogar,  dass  er  miocaener  Herkunft  ist.  Von  dieser 
Anschauung  kam  ich  jedoch  sofort  ab,  als  ich  die  Scliichtenlagerung  in  tier  Zie- 
gelei des  Herrn  J.  Hernich  eingehender  studirt  hatte. 

In  dem  dortigen  seichten  Einschnitte  treten  schwache  Schotter  hervor, 
unterteuft  von  einer  Bank  gelben  Tegels  und  ttberlagert  vom  diluvialen  Lehin. 
Wetter  forschend  stiess  ich  hier  bei  einem  frisch  gegrabenen  Brunnen  auf  eine  kleine 
Waldo  blaulichen  Tegels,  (lessen  Farbe  nach  dem  Feuchtigkeitsgrade  wechselte. 
War  er  trocken  geworden,  so  hatte  er  eine  lichtgraue  Farbe  mit  einem  Hauch 
tos  Blaue,    war  er  jedoch   feucht   und   aufgeweicht,   so   wies  er  eine  dunkelblaue 


42 

Farbe  auf.  Er  ist  fein,  plastisch  und  unterscheidet  sich  aui'fallig  von  dem  oberen 
gelblichen  Tegel.  Betreffs  dieses  Tegels  zweifelte  ich  keinen  Augenblick,  dass 
er  miocaencr  Herkunft  sei. 

Diese  Vennuthung  wurde  daim  zur  Gcnttge  dutch  den  palaeontologischen 
Inhalt  seines  Schlemmrttckstand.es  bestatigt.  Nebon  den  schdn  erhaltenen  Fossilien 
besteht  dcrselbe  auch  ausfeinem  Quarzsand,  der  jedoch  nur  sparlich  vorhanden  ist. 
Dagegen  ist  der  Schlemmriickstand  des  gelblichen  Tegels  reich  an  grobem  Sand  und 
grobem  Detritus  von  Gcsteinsarten  der  Kreide-  und  Urgebirgsformation,  doch  Petre- 
facten  wurden  nicht  constatirt. 

Das  hier  angefuhrte  Verzeichnis  enthiilt  die  Fauna  des  miocaenen  Tegels 
von  Wildenschwert : 

Foraminifera. 

Echinodermata.  Bulimina  pupoides.  d'Orb hh 

Stacheln  und  Ambulacralplatten  .    .    .  s  Anomalina  Badensis,  d'Orb h 

Rotalia  beccarii,  Linne*  sp hh 


Es  ist  zwar  richtig,  wie  iiberhaupt  aus  diesem  Verzeichnis  leicht  zu  er- 
sehen  ist,  dass  die  Fauna  des  unteren  Wildenschwerter  Tegels  (d.  i.  des  miocae- 
nen) sehr  arm  an  Arten  ist,  aber  da  darf  gleichzeitig  nicht  unerwiihnt  gelassen 
werden,  dass  gerade  die  Individuenmenge  dieser  Arten  in  die  Wagschale  fallt 
und  durch  ihre  Merkrnale  am  wichtigsten  eisclieint.  Die  in  derselben  sich  vorfinden- 
den  Arten  schmiegen  sich  eng  in  dem  charakterisirenden  Rahmen,  nur  das  bestiiti- 
gend,  was  durch  diesen  Rahmen  begriindet  erscheit.  Es  ist  uns  daher  auch  niclit 
einen  Augenblick  zweifelhaft,  in  welche  Gruppe  die  in  Rede  stehende  Fauna  uuseres 
ostbi'ihmischen  Miocaengebietes  angehiirt.  Alles  spricht  dafiir,  dass  sic  sich  als  am 
stiirksten  modificirter  und  reducirter  Typus  der  Landskroner,  Rothwasser  und 
Schirmdorfer  Tegel  priisentirt,  welche  wieder  ihre  entwickelten  Typen  in  den  Fauuen 
der  Rudoltitzer  und  Luckauer  Tegel  besitzen. 


Das  (lebiet  der  brackischen  Tegel, 


Schon  A.  E,  lieuss  war  der  eigenthllmliche  Charaktcr  dor  Fauna  der  Abts- 
dorfer  und  Triebitzer  Tege1  aufgefallen;  denn  es  entging  ihm  dor  Unterschied  nicht, 
der  dioso  von  dor  Rudoltitzer  Fauna  schied.  Dcslialb  trennte  er  auch  jeno  von  dieser 
ab,  und  als  or  von  dorsolbon  sprach,  nalnn  er  kcino  Notiz  von  dor  Rudoltitzer.  In 
dor  Rudoltitzer  Fauna  hingogen  erblickte  or  cinon  rein  marinon  Typus,  in  der 
Abtsdorfer  und  Triebitzer  abor  den  brackischen.  Es  ist  dahor  natiirlich,  dass  or 
dioso  Faunen  auf  das  Niveau  jener  der  Cerithionstufe  stellte,  die  wir  heute  mit 
einom  anderen  Namen  bezeichnen,  niimlich  mit  dem  Namon :  der  sarmatiscben  Stufe. 

Heute  allerdings,  wo  wir  im  Besitze  roicherer  Erfahrung  sind,  als  man  sie 
Vor  30  Jaliren  hatte,  seben  wir  die  Faunen  der  Abtsdorfer  und  Triebitzer  Tegel  in 
einem  einigermassen  anderen  Licbte.  Ganz  besonders,  wonn  wir  sie  mit  jeuen 
Faunen  vergleicben,  welche  Prof.  F.  Toula1)  in  seiner  Arbeit  ttber  das  Vorhanden- 
Sein  dor  Art  Cerithium  Ugnitarum  anfiitirt.  Aus  diosor  Arbeit  Toula's  gekt  hervor, 
dass  das  gemeinsame  Auftroton  der  Arten  Cerithium  Ugnitarum,  C.  Duboisi,  C. 
pictum,  Buccinum  fichbni,  Nerita  picta  u.  s.  w.  kein  zuMiges  ist,  sondern,  dass 
es  von  gewissen  pliysikalischen  Umstanden  abbiingt,  welcbe  den  brackischen 
Charakter  bedingen  und  dann,  dass  die  brackischen  Districte  zur  Miocaenzeit 
gleichzeitig  mit  den  marinen  Districten  und  Gebieten  bestanden  baben.  Toula  und 
viele  andere  sind' dor  Anschauung,  dass  die  miocaenen,  brackiscken  Depots  in 
den  Grunder  Horizont  gehoren.  Es  ist  kein  Zweifel,  dass  einige  diesem  Horizoute 
einzureihen  sind,  abor  unsero  ostbohmischen  Districte  sichorlich  nicht. 

Mit  Riicksiclit  auf  diese  brackischen  Bezirke,  deren  Toula  in  unserem 
i'diindischon  Miocaon  verhaltnismassig  genug  aufiihrt,  liandelto  es  sich  mir  vor 
allem  darum,  sicherzustellen,  ob  da  der  in  unseren  Bezirken  auftretende  Faunen- 
^Pus  mit  jeneni  aus  den  brackischen  iibereinstimmt  und  weiter,  ob  er  ein 
Ul"8prunglieher  ist,  odor  aber,  ob  or  sich  niclit,  allmalig  durch  Veriinderung  der 
l'bysikalischen  Verhaltnisse  beeiuflusst,  aus  dem  marinon  Typus  entwickelt  bat. 
A|d'  diesen  Gedanken  brachto  mich  uuwillkiirlich  der  Cliaraktor  der  Rudoltitzer 
Fauna,  wie  sie  Rouss  aufiihrt.  Ihn  vorfolgend,  bin  ich  natiirlich  darauf  gebracht 
Worden,  audi   die    Mikrofauna  eingehond    zu  beachton  und   das    in  Riicksiclit  an  I 


J)  Fr.  Toula,  Loc.  cit.  S.  -210. 


44 

alio  Biinke,  ja  selbst  die  Biinke  verschiedener  Lage.  Das  Resultat  dieser  miili- 
samen  Arbeit  ist  intoressant,  da  es  wichtige  faunistisclie  Details  aufdeckt,  welche 
uns  sonst  entgeheu  wurden.  Auf  diese  Weise  wurde  der  Charakter  der  Schirm- 
dorfer  Fauna  entdeckt  und  bestimmt,  welcher  ia  vielen  Stiicken  an  die  Fauna  von 
Laa  aus  dem  stidlichen  Miihrcn  erinnert,  denn  auch  diese  uasere  ostbohmische 
Fauna  ist,  wie  die  erwiihnte  siidmiihrische,  aus  zwei  Elementen  zusammengesetzt, 
nahmlicb.  aus  dem  brackischen  und  aus  dem  marinen. 

Ich  beginne  absichtlich  mit  Abtsdorf  den  Charakter  unserer  ostbohmischen, 
brackischen  Depots  zu  schildern. 

Ich  bin  hierzu  einerseits  dadurch  veranlasst,  dass  auf  diesem  Fundorte  cine 
reiche  reine  Fauna  vorhanden  ist,  andererseits,  dass  es  dort  moglich  ist,  eine  aus 
drei  verschiedenen  Lagen  stammende  Fauna  zu  untorsuchen  und  schliesslich,  dass  es 
daselbst  gelingt,  den  Charakter  der  Fauna  der  Austernschichte  sicherzustellen,  aus 
welcher  einstens  grossc  Stiicke  zusanimeiigewachsener  Austern  abgebrochen  und 
bios  ein  einziges  Stuck  durch  Prof.  Dr.  Anton  Frio  dam  bohmischen  Museum  ein- 
verleibt  wurden. 


Abtsdorf. 


Westlich  vom  Siidende  des  Dorfes,  das  sich  in  einer  seichten,  in  die  Turon- 
schichten  vertieften  Niederung  ausbreitet  und  durch  welche  ein  kleines  Biiehlein 
nach  Siidost  eilt,  durchfurcht  der  Eisenbahndamui  der  Staatsbahn,  etwa  10  Minuten 
hinter  der  Abtsdorfcr  Station,  miocaene  Sedimente,  gegen  Norden  jedoch  dunn- 
blftttrige  harte  Mergel.  An  den  beiden  Einschnittsboschungen,  die  stellenweise  be- 
deutend  liocli,  jedoch  nur  sanft  geneigt  und  an  einzelnen  Punkten  tief  ausgehoben 
sind,  treten  weiche,  fette  blauliche  Tegel  zu  Tage,  auf  denen  gelbliche  Tegel  liegen, 
die  von  einer  ziemlich  miichtigen  Schichte  diluvialer  Schotter  bedeckt  sind. 

Diese  Tegel  hat  zuerst  A.  E.  Reuss  palaeontologisch  ausgebeutet,  zwei  Jahre 
spater  wurden  dieselben  durch  //.  Wolf  mid  dann  erst  nach  einer  geraumen  Zeit 
durch  J.  Krejci  auf  ihren  geologischcn  Kartenblattern  ausgeschieden. 

Das  Gebiet  dieser  Sedimente  scheint  verhiiltnismiissig  klein  zu  sein,  denn 
nur  auf  einer  unbedeutenden  Fliiche  ist  es  moglich,  die  hiesigen  Tegel  deutlich 
zu  verfolgen.  Sehr  leicht  ist  dies  von  der  Brtlcke  hinter  dem  Wachterhause  No.  191 
bis  zur  niirdlichen  Nachbarbruckc.  Ebenso  sind  rechts  und  links  vom  Eisenbahn- 
einschnitte  und  der  Anschiittung  miocaene  Schichten  aufgedeckt,  jedoch  sehr  mi  - 
vollkommen.  Ganz  verdeckt  finden  wir  sie  dagegen  westlich  von  der  Bahntrace. 
Selbst  in  der  Niederung,  dstlich  vom  Damme  wurde  man  sic  vergeblich  suchen, 
weun  sie  daselbst  nicht  ein  enger,  seichter  an  der  Mflndung  des  kleiuen  Querthales, 
das  von  der  Bahntrace  zum  Neuteich  fuhrt,  befindlicher  Graben  aufgedeckt  haben 
wurde.  Ich  vermuthe,  und,  wie  ich  glaube,  ganz  berechtigter  Weise,  dass  das  hiesige mio- 
caene Dep6t  itn  turonen  Grundgebirge  vertiefte  Erosionswannen  und  Graben  ausfiillt, 
in  denen  sich  jetzt  entweder  sumpfige  Wiesen,  oder  seichto,  ziemlich  grosse  Teiche 
ausbreiten.  Diese  Anschauung  bestatigt  mitunter  auch  der  Umstand,  dass  auf  der 
gegenilberliegenden  Seite  unserer  Niederung,  hinter  dem  Sstlichen  Rande  des  Neuen 


45 


Teiches,  beim  nViehweg",  in  einer  Grube  blauer  Tegel  vom  Charakter  des  Abts- 
dorfer  und  Triebitzer   gleichzeitig  mil;  gelbem  Tegel  im   Hangenden   zu  Tage  tritt. 

Bei  den  d.  z.  Vorhaltnissen  gelingt  es  nicht,  (lit;  Mftchtigkeit  des  Abts- 
dorfer  Miocaensedimente  festzustellen.  Es  verliindcrt  dies  nicht  nur  die  Decke 
der  jtlngeren  Gebilde,  sondern  auch  der  Umstand,  dass  es  hier  keincn  Aufschluss 
siebt,  welcher  bis  auf  das  Grundgebirge  reichen  wttrde.  Allerdings,  annfthernd 
ist  es  nicht  scliwer,  diese  Mftchtigkeit  abzusehiitzen.  Was  das  betrifft,  stimine  ich 
mit  Reuss  (iberein,  dass  das  hiesige  miocaene  Scliichtensysteni  schwach  ist. 

An  einigen  Punkten  im  Eisenbahneinschnitt  ist  es  selbst  heute  nicht  leicht, 
die  Schichtenfolge  zu  bestimmen.  In  der  Kegel  tritt  der  Rasen  und  die  Terrasirung 
binderlich  in  den  Weg.  Dafiir  giebt  es  aber  dort  Stellen,  wo  es  unschwer  gelingt,  diese 
Reihenfolge  zu  beobachten  und  anzugeben.  Zu  diesen  gohort  die  Boschung  gegen- 
iiber  dem  Wiichterhause  No.  191.  Hier  kann  man  rasch  und  leicht  das  Ausgehende 
der  Austernbank  und  der  iibrigen  an  Ueberreste,  namentlich  der  Art  Cerithium  pictum 
t'eichen  Banken  wahrnehmen,  deren  Gehiiuse  sich  Hunderte  an  der  Oborfiache  der 
unteren  Hank  im  dunkelblauen  Tegel  verstreut  vorfinden. 

Die  Schichte  des  dunkelblauen  Tegels  ist  machtiger,  als  die  des  gelben. 
Ihr  Tegel  zeichnet  sich  durch  einige  Eigenschaften  aus,  denen  zufolge  es  leicht 
nioglich  ist,  ihn  zu  erkonneu.  Er  ist  weich,  plastisch;  wenn  er  friseh  ist,  so  hat  er 
fine  dunkelblaue  Farbe;  ist  er  trocken,  eine  lichtblauo.  Sein  Schlemmriickstand  ist 
sehr  geringfttgig.  Dieser  besteht  ausser  aus  organischen  Resten  auch  aus  feinem 
Quarzsand  und  sehr  wenig  Detritus  aus  Gesteinsarten  der  Kreideformation. 

Aus  dieseni  Tegel  stain mt  das  reiche  Austernmaterial,  welches  vor  Jahren 
Dr.  A.  Fric,  als  er  daselbst  die  Kreideformation  studirte,  von  hier  forffuhrte. 

Als  ich  dieses  herrliche  Material  erblickte,  war  mir  klar,  dass  es  aus  einer 
Schichte  stammt,  an  deren  Ausgehenden  sich  jetzt  zahlreiche  Austernbruchstucke 
herumwalzen.  Doch  direkte  Beweise  fehlten  mir  damals.  Diese  fand  ich  im  v.  J.  an 
der  Stelle,  woselbst  ich  die  obere  Partie  durchgraben  liess.  Unter  dieser  zeigte  sich 
eine  solche  Menge  grosser  Schalen,  dass  es  keinen  Zweit'el  gab,  dass  das  erwiihnte 
Material  thatsachlieh  aus  dieser  Bank  herriibrt.  Noch  auf  eine  andere  Weise 
gelangte  ich  zu  derselben  Uberzeugung,  und  zwar  durch  das  Studiura  der  Fauna  des 
aus  den  Austernschalen  des  Friei'schen  Materials  gewonnenen  Tegels.  Diese  Fauna 
]st  sehr  interessant  und  wichtig,  indem  sie  gleichzeitig  die  Gelegenheit  bietet,  einen 
Eaunen-Typus  zu  erkennen,   der  uns  bisher  mehr  weniger  unbekannt  war. 

Schliesslich  kann  ich  nicht  den  Eindruck  verschweigen,  den  auf  mich  das 
Ausgehonde  dieser  Austernbank  im  Terrain  gemacht  hat.  Im  ersten  Augenblicke 
Vermuthete  ich,  dass  hier  eine  Austernbank  vorliegt  etwa  vom  Charakter  der 
v°n  Btulfichovic  bei  Briinu,  der  von  Lulc  stidwestlich  von  bei  Wischau,  der  Eiwa- 
ttowitzer  nordlioh  von  Brtinn,  der  von  Zelezny  und  Dnisov  bei  Tischnowitz,  der 
von  Pfedmosti  bei  Prerau  und  der  Slatenicer  (Gross  Latein)  bei  Celechovic  in 
Mahren.  In  dieser  Vermuthung  bestJirkten  mich  vielfach  die  gemeinsamen  Arten.  Trotz 
aHedem  verscheuchte  sic  wieder  der  Umstand,  dass  all  die  friiher  genannten  mahrischen 
Austernbiinke  sich  auf  die  Abhange  der  in  das  damalige  Meer  frei  hinausragenden 
El'hebungen  beschr&nken,  wiihrend  auf  unseren  ostbbhmischen  Fundorten  die  Austern- 
bank stellenweise  in  die  iibrigen  Schichten  zieinlich  weit  ausgreift.  Dieser  Umstand 


46 


geniigtc,  urn  cinen  Untcrschied  zwischen  dieser  Austernbank  und  don  erwahnten 
mahrischen  B&nken  zu  machen.  Was  nun  dieser  Umstand  nur  theilweise  anzudeuten 
schien,  best&ttigte  die  Durchforschung  und  die  Vergleichung  der  Faunen.  Daraus 
goht  hervor,  dass  die  Fauna  der  Austernbiinke  Mahrens  eine  rein  marine,  wahrend 
in  diesem  Falle  jene  von  Abtsdorf  eine  brackische  ist. 

Die  Fossilien  dieser  Austernbank,  welche  vom  Regen  ausgewaschen,  an 
der  Obcrfliiche  urnherliegcn,  sind  grosstentheils  schlecht  erhalten.  Ganz  hesonders 
gilt  dies  von  den  Schalen  der  grossen  Austern.  Diese  zerfallen  in  diinnc  Blattchen. 
Hingegen  sind  die  iibrigen  Gehause  ausgebleiclit  und  vielfach  zersprungen.  A  us 
all  dera  ist  klar,  dass  derjenige,  welclier  unter  den  heutigen  Verhaltnissen  ini  Abts- 
dorfcr  Tegel  eine  wohlerhaltene  Fauna  erbeuten  will,  sicb  nicht  damit  begntigen 
darf,  Versteinerungen  etwa  an  der  Obcrfliiche  zu  sanuncln,  sondern  darauf  bedacht 
sein  muss,  Tegelmaterial  zu  gewinnen,  welches  von  den  Atmospharilien  unberiilirt  ist. 
Auf  diese  Wcise  erhielt  icb  die  bier  aus  dem  Abtsdorfer  Tegel  angefiihrten  Faunen. 

Die  bier  an  erster  Stelle  angefuhrte  Fauna  entstamint  einein  Tegelstttcke, 
welches  aus  einer  Austernschale  hcrausgelosst  wurde,  die  Ilerr  Prof.  Dr.  A.  Fric 
heimgebrachte.  Die  nachfolgende  Fauna  liabe  ich  jedocli  aus  einem  Tegel  ausge- 
scblenunt,  den  ich  an  Ort  und  Stelle  einer  Tegelbank  entnahm,  die  sich  in  dem 
Liegenden  der  Austernbank  befand. 

A.   Fauna  aus  der  Tegelfiillmasse  einer  Austernschale. 


Pisces. 
Otolithus  (Gol)ius)  Bohemicus,  Procb.  ss 
„       (Clupoa)1) ss 

Ostracoda. 

Bairdia  exilis,  R.ss ss 

„      obesa,  Ess h 

„      heterostigma,  Itss h 

Balan  i  dao. 

Balanus  sp ss 

sp 

Gasteropoda. 
Buccinum  Schoni,  R.  Hoern  u.  A 
Cerithium  lignitarum,  Eichw.    .    . 
„         Duboisi,  M.  Hoern. 
„  scabrum,  Olivi      .    .    . 

„  pictum,  Bart lib 

sp s 


Odontostoma  lloernesi,  Itss ss 

Turbonilla  pygmea,  Grat ss 

Nerita  picta,  Fer hh 

Chemnitzia  minima,  M.  Hoern.    .    .    I 

„  Reussi,  M.  Hoern.  .    .    .     s 

Ilydrobia  Frauenfeldi,  M.  Hoern.    .  Iili 

„        concinna,  Sow s 


Lamellibra n c Hi  at  a. 


ss 


ss 

s 
h 

s 
ss 


Teredo  Norvegica,  Spengl.    .    .    . 

Corbula  gibba,  Olivi s  s 

„      carinata,  Duj s 

?  Mactra  fragilis,  Procb h 

Tellina  spec.  (Bruchstiicke)  .    .    .    .  s 

Circe  minima,  Mont ss 

Erycina  Boheniica,  Proch s 

Modiola  biformis,  Rss ss 

Pecten  spec.  (Bruchsttick)    .   .   .   .  ss 


')  Diese  Art  fiihre  ich  bios  hier  an;  an  a.  0.  dieser  Schrift  erwahne  ich  ihrer  deshall) 
nicht,  da  mir  deren  kleiner  Otolith  leider  hei  Beginn  der  Stndien  in  Verlust  gerathen  ist  und  lol 
nicht  mehr  im  Standi;  war,  andere  aufzuflnden,  trotzdem  ich  mioh  in  dieser  liJclitung  eifrig  mid 
gewissenhaft  bomiilit  habe. 


47 


Ostrea  crassissima,  Lam Iili 

„     giengensis,  Schoth.  sp.     .    .  hh 

„     ?  Boblayi,  Desh li 

»      cochlear,  Olivi ss 


For  a  niin  if  e  ra. 

Truncatulina  praecincta,  Karr, 
Lagena  spec 


ss 


Dieses  faunistische  Resultat  ist  zwar  interossant  und  lelirheich,  allein,  es 
oefriedigt  nicht  ganz.  Es  gicbt  niimlich  nicht  genug  genau  an,  welchen  Charakters 
('10  Fauna  des  die  Austernbank  einschliessenden  Tegels  ist.  Die  physikalischen  Verhalt- 
nisse  in  den  Meeresarmen  sind,  wie  bekannt,  oft  viel  hilufiger  veranderlich,  als 
lrn  offenen  Meere.  Es  ist  daber  natttrlich,  dass  wir  dahin  gefttbrt  werden,  una  audi 
11,11  die  Fauna  der  untergeordneten  Biinke  zu  kdmmern  und  uns  mit  der  Kenntnis 
der  Fauna,  die  wir  aus  einem  kleinen  Tegelstiicke  ausschlemmen,  niclit  zu  begniigen. 
Denn,  wer  biirgt  dafiir,  dass  die  Bank  unterlialb  der  Austernschichte  nicht  den 
^harakter  des  Rudoltitzer  Tegels  haben  k8nnte  ?  Nur  die  genaue  Durchforscliung 
dieser  Bank  ist  im  Stande,  auf  diese  Frage  cine  verlassliche  Antwort  zu  geben. 
•Jesbalb  babe  ich  auch  diese  Schicbt  beriicksichtigt.  Ihr  Tegel  ist  ebenfalls  dunkel- 
Mau  u.  z.  im  friscben  Zustandc  dunkel,  im  trockcnen  dagegen  licht.  Die  in  dem- 
semen  auftretenden  Versteinerungen  sind  zuineist  gut  erhalten,  jedocb  nicht  besonders 
Qauflg.  sejn  Schleinmriickstand  enthiilt  verhaltnismassig  wenig  Detritus ;  die  Fauna 
ist  die  folgende. 

B.   Die  Fauna  des  Tegels  unter  der  Austernbank. 


Pisces. 
Utolithus  (Serranus)  insignis,  Procb.    ss 

Ostracod  a. 
,!|lirdia  cf.  obesa,  Rss h 


Gasteropoda, 

j^ccimun  Schdni,  R.  Hoer  u.  A.  .    .  h 

^rithium  picture,  Bart hh 

riatica  el  redempta,  Micbli  .    .    .    .     s 

*J(!,'ita  picta,  Fer h 

iurbonilla  pyguiea,  Grat ss 

Uleninitzia  Reussi,  M.  Hoern.  .    .    .  ss 


?  Actaeon  spec ss 

Melanopsis  tabuJata,  M.  Hoern.  .    .    b 

Rissoa  Montagni,  d'Orb h 

„       Venus,  d'Orb s 

Hydrobia  Frauenfeldi,  M.  Hoern.     .  hh 

L  a  m  e  1 1  i  b  r  a  n  c  h  i  a  t  a. 

Teredo  Norvegica,  Spengl ss 

'?  Mactra  fragilis,  Procb li 

Psammobia  spec h 

Cardium  Opatovense,  Procli.    .    .    .  hh 
Ostrea  giengensis,  Schloth  sp.  .    .    .  hh 


^  Nach  diesem  Resultate  war  ich  natiirlicberweise  bestrebt,  auch  die  Fauna 

1  die  Austernbank  iiberlagernden  Tegelschicht  kennen  zu  lernen,  Es  war  offenbar, 

a8  eigentlich  schon  aus  der  blossen  Berucksichtigung  vieler  Uinstiiude  bervorging, 

s  die  Unterschiede  zwischen  den  Faunen  dieser  Tegellagcn,  trotzdem  sie  gering 

rschienen,  sich  doch  offenkundig  dargeboten  haben. 

Auch  der  Tegel  dieser  Scbichte  unterscheidet  sicb  nicbt  wesentlich,  soweit 

sich   niiinlich   nur   uin  den  petrograpbischcn    Charakter    handelt,    von    dem  die 

•  Ustcrilbank  unterteui'eiideu  Tegel.  Denn  auch  er  ist  fein,  plastisch  und  hinterlasst 

scnieminruckstande  ausser    den  gut  erhaltenen  Fosilien  einen  feinen  Quarzsand. 


48 


C.  Die  Fauna  ties  Tegels  iiber  tier  Austernbank. 


Pisces. 

Otolithus  (Gobius)  Bohemicus,  Proch.  ss 

0  s  t  r  a  c  o  d  a. 

Bairdia  heterostigma,  Rss h 

Gasteropoda. 

Buccinum   Schoni,  R.  Hoern  u.  A.  .  s 

Cerithium  pictum,  Bart ss 

Turbonilla  pusilla,  Phill ss 

Nerita  picta,  Fer s 


Melanopsis  tabulata,  M.  Hoern.  .   .  ss 

Hydrobia  Frauenfeldi,  M.  Hoern.     .  lib 

Rissoa  Montagai,  Payr s 

Lamellibranchiata. 

Corbula  carinata,  Duj ss 

?  Mactra  fragilis,  Procli s 

Psammobia  spec s 

Cardium  Opatovense,  Proch.    .   .   .  ss 

Ostrea  giengensis,  Schloth.  sp  .   .   .  li 


Vergleichende  Uebersicht  tier  Faunen  tier  Abtsdorfer  Tegelhanke. 


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20 
21 
22 


Pisces. 

Otolithus  (Gobius)  Bohemicus,  Proch. 
„         (Serranus)  insignia,  Proch. 


0  s  t  r  a  c  o  d  a. 


Bairdia  exilis,  Pss. 


heterostigma,  Rss. 
obesa,  Rss.    .    .    . 


Bal  an i  <1  ae, 


Balanus  spec. 
„        spec. 


Gasteropoda. 

Buccinum  Schoni,  R.  Hoern.  u.  A. 
Cerithium  lignitarum,  Eichw.  .    . 

„        Duboisi,  M.  Hoern  .    .    . 

„        jiictum,  Bart 

„  scabrum,  Olivi  sp.  .  .  . 
Odontostoma  Hoernesi,  Rss.  .  .  . 
Turbonilla  pygmea,  Grat.     .    .    . 

„  pusilla,  Phil 

Natica  millepunctata,  Linn 

„       cf.  redompta,  Michli.     .    .    . 

Nerita  picta,  Per 

Chemnitzia  minima,  M.  Hoern.   .    . 

„  Reussi,  M.  Hoern.     .    . 

Rissoa  Montagni,  Payr 

„       Venus,  d'Orb 


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42 


43 
44 


Rissoa  inflata,  Andr 

Ilydrobia  Frauenfeldi,  M.  Hoern 

„         Frauenfeldi,  var.  Bohemica,  Prodi. 

„         concinna,  Sowerb 

Melanopsis  tabulata,  M.  Hoern 


L  a  m  o  1 1  i  b  r  a  n  c  h  i  a  t  a. 


Teredo  Norwegica,  Spengl.  .    , 

Psammobia  spec 

Corbula  gibba,  Olivi      .    .    . 

„  carinata,  Duj.  .  .  . 
?  Mactra  fragilis,  Procli.  .  . 
Circe  minima,  Mont.     .    .    . 

Tellina  spec 

Cardinm  Opatovense,  Procli. 
Erycina  Bohemica,  Procli.  . 
Modiola  biformis,  Rss.  .  .  . 
Ostrea  cochlear,  Poli.    . 

„      Boblayi,  Desh.  .    .    . 

„      digitalina,  Dub.    .   . 

„      giengensis,  Schoth.  sp. 

„       crassissiina,  Lam.  .    . 


Foraminifera. 

Truncatulina  praecincta,  Karr.    . 
Lagena  spec 


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Ich  fuhre  diese  vergleichende  Uebersicht  der  Abtsdorfer  Faunen  aus  zwei 
^rtindon  an,  erstens,  damit  auf  leichte  Weise  dem  Leser  gezeigt  werde,  wie  weit 
"lan  bisher  die  Fauna  dieser  hochinteressanton  Sedimente  gekannt  hat,  und  zweitens, 

amit  die  durch  zahlreiche  Details  ausgezeichneten    Hauptmerkmale  dieser  Fauna, 

10  s'o  so  scliarf  charakterisiren,  hervortreten. 

Um  wie  vie]  die  Kenntuis  der  Abtsdorfer  Fauna   durch   die  jetzige,  neue 

Ur<mf  orschung  erweitert  und  vertieft  wurde,  ist  unnothig  besonders  hervorzuheben ; 

.,    lsl  ja  nur  zu  sehr  an    dem  Verzeichnisse   zu   merken.     Und   soweit  es  sich  um 

Ue'i  eigonen,  von  jenem  der  Fauna  des  Triebitzer  Tegels  verschiedenen   Charakter 

ndelt,  ist  cs  noting,  vor  allem  nachdriicklich  zu  bemerken,  dass  er  darin  beruht, 

s  der  Abtsdorfer  Tegel  viol  reichhaltiger  an  Individuen  der  Art  Buccinum  Schoni, 

srithium  pictum   ist  und  ausserdem,    dass  er  ferner  den   Individuenreichthum  der 

Melanopsis   tabulata   verniissen   liisst    und    endlich,    dass    er   sich    an  Austern 

i'eich  erweist. 


no 

Diese  Merkmale  springen  bei  dcm  Betreten  des  Fundortes  sofort  in  die 
Augen  und  deshalb  gilt  von  denselben  mit  vollem  Rechte,  dass  sie  dem  Gesammt- 
charakter  der  Fauna  in  gewissem  Masse  den  Stempel  aufdrftcken. 

An  marinen  Arten  wurde  iin  Abtsdorfer  Tegel  audi  diesmal  nur  Unbe- 
deutendesgefunden,  trotzdem  denselben  die  eifrigste  Aufnierksamkeit  gowidmet  wurde. 
Von  diesen  Arten  gilt  der  Ausspruch  ReMSs'enS,  dass  sie  so  verkuinmort  erscheinen, 
als  ob  sie  Brut  wiiren.  Wir  iiberzeugen  uns  von  dieser  interessanten  Erscheinung, 
wenn  wir  zum  Beispiel  die  Schalen  der  Corbula  carinata  aus  unserem  Tegel  mit 
den  aus  dem  Tegel  der  Badener  Facies  oder  aus  dem  Grunder  Sande  staminenden 
Schalen  vergleichen.  Zu  deniselben  Resilltate  gelflngen  wir,  wenn  wir  ferner  die 
Schalen  der  Art  Circe  minima  aus  dcm  Abtsdorfer  Tegel  jenen  aus  der  Badener 
oder  der  Grunder  Facies  gegeniiberstellen.  flier  sei  gleieh  hinzugefugt,  dass  die 
hiesigen  brackischen  Arten  dieselben  Dimensionen  zeigen,  wio  sie  sie  in  den  marinen 
Tegeln  aufweisen;  ich  meine  z.  B.  die  Art  Cerithium  lignitarum,  oder  Cerithiuin 
pictum,  ferner  die  Foraminiferon  und  Ostrakoden. 

Aacii  diesmal  wurde  alios  gethan,  was  auf  die  Spur  des  seltenen  Fundes 
des  tertiaeren  Siiugetliieres  der  Art  Dinotherium  giganteum  hiitte  fiihren  konnen, 
(lessen  Ueberreste  hier  in  den  60er  Jahren  zufalliger  weise  in  dem  Tegel  des 
Eisenbahneinschnittes  entdeckt  wurden,  nichtsdestoweniger  blieb  unser  Bestreben 
erfolglos.  Den  seltenen,  vom  Hofrath  Bitter  von  tiacher  zum  Geschenke  gemachten 
Fund  bewahren  die  palaeontologischen  Sainmlungen  des  Museums  des  Konigrciches 
B6hmen. 


Rybnik. 

Nachdem  ich  die  Arbeit  in  dem  District  der  brackischen  Tegel  von  Abtsdorf 
beendet  und  ihre  Fauna  ausgebeutet  hatte,  begab  ich  mich  nach  dem  nachsten 
miocaenen  Districte,  zum  „Neuen  Teiche".  Ich  war  wohl  berechtigt  zu  glauben, 
dass  ich  ein  Tegelgebiet,  dasjenem  des  Abtsdorfer  aequivalent  1st,  betreten  werde. 

Bestiirkte  mich  doch  in  diesem  Gedankcn  das  Kartenblatt  der  geologischen 
Beiclisanstalt  und  das  gcologische  Kartenblatt  des  Prof.  ,/.  Krejci,  auf  welchen 
beiden  das  Depot  der  miocaenen  Tegel  bstlich  und  westlich  vom  Rybnik  dcutlich 
eingetragen  ist. 

An  Ort  und  Stelle  fand  ich  thatsiichlich  Tegel  vor,  die  in  zwei  Biiuken 
zu  Tage  traten.  Allein  der  Charakter  dieser  Sediinente  machte  auf  mich  nicht 
den  Eindruck  von  miocaenen  Bildungen.  Aus  dem  iiusseren  Habitus  schloss  ich, 
dass  ein  Sediment  vorliegt,  welches  jiinger  ist  als  das  neogaene.  Trotzdem  wagte 
ich  nicht  sofort  eine  bestimmte  Ansicht  auszusprechen,  da  icli  das  in  diesem  Falls 
allein  entscheidende  Resultat  der  Durchforschung  des  Sclilennnruckstandes  nicht 
vor  mir  hatte. 

Es  blieb  mir  also  nichts  anderes  iibrig,  als  das  Verhaltnis  dieser  Tegel 
zum  Liegenden  zu  untersuchon  und  ihre  Ausdchnung  zu  ermitteln.  Diese  ist  unbc- 
deutend.  Denn  sie  treten  nur  dort  hervor,  wo  die  jungeren  Gebildo  erodirt  sind- 
Qegenuber  dem  Damme  am  Fahrweg,  auf  dem  sogenannten  „Viehweg"  haben 
sie  die  Bewohner  aufgedeckt,   die    mit  denselben    die    Trummer    pflastcrn    und  die 


51 

Wasserdamme  ausftillen,  An  der  gedachten  Stelle  haben  dieselben  einen  Schacht 
abgetenft,  in  dem,  wio  frtther  erwahnt  wurde,  zwci  Tegelbanke  erschlossen  wurden, 
die  untere,  machtigere  von  blaulicher,  die;  obere  scliwiichere,  von  gelblicher  Farbe. 

Die  untere  Tegelbank  ahnelt  in  ihrem  Aeusseren  dem  blaulichen  Abtsdorfer 
Tegel  sehr  and  dies  umsomehr,  da  dieser  fein,  an  Kalk  verhaltnismassig  arm 
und  plastisch  ist.  Geschlemmt  hinterliess  er  im  Rtlckstand  sehr  wenig  Detritus, 
dieser  bestelit  durebwegs  aus  uberaus  feinen  l.ruchstiicken,  worunter  selbst  bei 
'"ikroskopischer  Betrachtung  keine  Spur  von  organischen  Ueberresten  nachgewiesen 
werden  konnte. 

Zu  denselben  negativen  Resultaten  gelangte  ich,  als  icli  den  gelblicben 
'(1Kel  der  oberen  Bank  geprtlft  luitte. 

Der  aussere  Habitus  dieser  Tegelbanke,  welcher  jenem  der  alluvialen 
Gebilde  gleicht,  die  fast  in  der  ganzen,  kleinen  Ebene  dor  Umgebung  von  Rybnik 
verbreitet  sind  und  die  ihr  Dasein  dem  Priesener  Merge!  verdanken,  ferner  die 
kagerungsverhaltnisse  dersolben  und  scliliesslicli  der  Umstand,  dass  die  gedachten 
"ege3  nicbt  eine  Spur  miocaener  Fauna  enthalten,  spriclit  fur  die  Ansicht,  dass  der  in 
Rede  stehende  Tegel  von  Rybnik  dem  Miocaen  niclit  angebb'rt,  sondern,  dass 
derselbe  jttnger  ist  als  soin  Liegendes. 


Triebitz. 


Etwa  eine  Viertelstunde  nordwestlich  von  Triebitz,  nordwestlich  der 
neuen  Eisenbabnstation,  dehnt  sich  auf  einer  verhaltnismassig  kleinen  Eliiche  ein 
Streifen  miocaener  Sediincnte  aus,  die  in  den  50er  Jahren  zufallig  entdeckt  wurden, 
a's  man  einen  tiefen  Eisenbahndurchstich  hintor  der  jetzigen  alten  Eisenbabn- 
station herstellte.  Damals  wollte  man  audi  auf  dieser  Trace  einen  Tunnel  haben, 
Jedoch  ohne  grosse  Auslagen  und  anstrengende  Arbeit.  Fur  diesen  Zweck  schien 
jhnen  din  sich  (pier  iiber  das  Thai  daliinziehende  Erdwelle  sehr  verlockend,  da  es 
'eichter  war  ihr  Material  (Tegel)  zu  durchbohren  als  das  der  benachbarten  Quader- 
Saudsteine.  Und  so  Btellte  man  um  miissiges  Geld  und  in  verhaltnismassig  kurzer 
^e't  einen  hiibschen  langen  Tunnel  her,  der  leider  Gottes  nur  kurze  Zeit  dauorn  sollte. 

Heute,  nach  theueren  Erfahrungen,  wiirde  es  allerdings  niemandem  einfallen, 
ln  ein,  dem  Ban  so  gclahi'liches  Material,  wic  es  der  Tegel  ist,  einen  Tunnel  zu 
81'aben,  insbesondero,  wenn  dessen  Liegendes  eine  miichtigc  Sandschicht  birgt,  zu 
welcher  die  Tagwiisser  freien  Zufluss  haben.  Anders  war  es  allerdings  damals  1  Man 
ka'mte  seine  Eigenschaften  noch  nicht  gut  genug,  und  da  man  nur  den  Vortheil 
lm  Auge  behiolt,  vertraute  man  mit  um  so  grosserer  Beruhigung  das  kostspielige 
Und  wichtigc  Work   dem  trugerischen  Tegel  an. 

Doch  sohr  bald  sollten  sich  seine  gefahrlichen  Eigenschaften  geltend 
'"achen.  Durch  Sickerwasser,  Druck  und  Belastung  rutschten  die  Boschungen  des 
uesigen  Dammes  ab,  der  Boden  des  Tunnels  begann  sich  zu  wiilben,  das  Gewiilbe 
J°  weiter,  desto  mehr  rissig  zu  werden ;  es  zeigten  sich  plotzlich  die  Anzeichen, 
('a*s  es  unerliisslich  sei,  den  der  Fahrt  so  gefahrlichen  Tunnel  entweder  oben  zu 
°«nen  oder  die  Trace  aus  seinem  Bereiche  zu  verlegen.  Das  letztere  wurde  als  das 

4* 


52 


zweckmassigere  erkanat  und  ho  ist  heute  dor  Tunnel   verlassen,   verwfistet,  tlieils 
zerfallen,  theils  zerstort. 

Trotzdem  er  aber  verlassen  ist  und  wenig  Vcrlockendes  hat,  besitzt 
er  fiir  don  boobachtenden  Goologen  nicht  geringe  Wichtigkeit.  Liegt  es  docb  auf 
der  Hand,  dass  worm  er  nicht  existirte,  wir  vergeblich  nach  den  miocaenen  Al>- 
lagerungen  in  dor  hiesigen  Gegond  suchcn  wttrden,  etwa  so  vergeblich,  wie  zum 
B.  zwiscben  Triebitz  und  Abstdorf,  an  solchen  Orten,  wo  es  zwar  liunderte  von 
Anzeichen  giebt,  die  von  der  Gegenwart  miocaenor  Ablagerungcn  Zeugniss  ablegen, 
wo  wir  aber  trotzdem  nicht  im  Stande  sind,  sie  erschlossen  oder  docli  nur  theil- 
weise  zuganglich  aufzufinden. 

Aber  auch  im  Triebitzer  miocaenen  Districte  giebt  es  sehv  vieles,  was 
nicht  augenblicklich  zu  entrathseln  ist,  worauf  d.  z.  erne  befriedigende  Antwort 
nicht  gegeben  werden  kann.  Die  Ursacbe  hierfiir  liegt  in  den  Umstanden,  von  denen 
weiter  unten  die  Rede  ist,  die  heute  zu  beseitigen  nicht  gelingt,  da  die  uns  zu  Ge- 
bote  stehenden  Mittel  lusher  unbedeutend,   ja  vielfacli  geringfiigig  sind. 

Die  grosstcn  Hindernisse  bereitet  einer  Durchforschung  des  Triebitzer 
Miocaens  olme  Widerrede  die  aus  diluvialem  Lehm  und  aus  Alluvionen  zusain- 
niengesetzte  Decke.  Dort,  wo  es  nicht  Lehm  giebt,  sind  es  gewohnlich  diluviale  Ge- 
bilde,  die  in  Form  zusammenhitngender  Decken  auftreten.  Diese  Sediinente  ver- 
schulden  es  in  erster  Reihe,  dass  es  auf  keine  Weise  gelingt,  die  Ausdehnung 
des  hiesigen  miocaenen  Districtes  genau  zu  bestimmen,  ferner,  dass  es  nicht  gelang, 
auszuforschen,  ob  nicht  etwa  die  miocaenen  Gebilde  aus  der  Umgebung  von  Triebitz, 
(lurch  die  in  die  Kreidegebilde  eingeschuittener  Thaler  ohne  Unterhrechung  in  die 
Gebiete  des  Miocaenendistrictes  von  Abtsdorf,  Rudbltitz,  Landskron  und  Bohm.- 
Triibau  sich  bindurchzwangen. 

Wie  auch  daraus  klar  hervorgeht,  ist  der  erwiihnte  Bahndurchschnitt  fiir 
uns  sehr  wichtig  und  gewinnt  noch  unbestritten  an  Bedeutung,  wenn  wir  zu  diesen 
Umstiinden  noch  die  Erfahrungen  hinzuthuen,  zu  denen  wir  im  Terrain  auf  Grund 
uuifassender  geologisch-palacontologisclnir  Studien  gelangt  sind. 

Trotzdem  heute  die  Verhiiltnisse  im  Unikreise  des  Triebitzer  Tunnels,  auf 
dem  Raume  des  dortigen  Miocaengebietes,  fiir  eine  giiindliche  Durchforschung  weit 
ungtinstiger  sind,  als  sie  s.  Z.  A.  E.  licuss  vorgefunden  hatte,  so  war  es  mir  dennoch 
nioglich,  einestheils  in  dem  dortigen  Einschnitt,  anderntheils  oberhalb  des  Tunnels 
selbst  sicli  von  der  Zusammensetzung  und  Schichtung  des  Triebitzer  Miocaens  zu 
uberzeugcn.  Ich  halte  mich  verpflichtet,  hier  mitzutheilen,  dass  als  giinstigster 
Orientirungspunkt  daselbst  der  nSrdliche  an  Ausgange  gelegene  Theil  des  Tunnels 
anzusehcn  ist.  Zwiscben  diesem  und  dem  niichsten  Luftschlot  ist  es  sehr  leicht  moglich 
beide  hiesige  Tegelbiinke  aufzudecken.  In  kurzer  Zeit  gelingt  dies  in  der  kleinen 
trichterformigen,  niichst  des  ersten  Schlotes  befindliehen  Vertiefung,  da,  sie  nicht  nur 
nicht  verwachsen,  sondern  auch  hinreichend  tief  ist  und  die  Abhange  abgegraben 
und  abgedeckt  hat.  Im  ganzen  ubrigen,  bis  zur  Strasse  reichenden  Tunnelraum 
finden  wir  kein  gclegenes  Bliitzchen,  wo  es  moglich  ware,  das  zu  beobachten,  was  wir 
dort  gesehen  haben.  Nicht  einmal  in  der  beim  zweiten  Luftschlot  befindliehen 
trichterformigen  Vertiefung  sind  die  Verhiiltnisse  giinstiger;   die  Ursacbe   liegt  vor 


53 


allem  darin,  class  die  erwahnte  Grube  tief,  von  abschtissigen  Boschungen  und  ganz 
mit  hohem  Schilf  bewachsen  ist.  Den  Tegel  zu  pviifen,  der  den  Damm  an  der 
Miindung  des  Tunnels  bildet  und  sich  zu  beiden  Seiten  desselben  hinzieht,  wider- 
rathe  icb.  Es  ware  dies  deshalb  eine  vergebliche  Arbeit,  da  jener  Tegel  auf  secundiirer 
Ldgerstatte  sich  befindet;  von  welcher  Stelle  des  Tunnels  er  stammt,  weiss  man  nicht. 
A.US  diesein  Grande  nalini  icb  keine  Iliicksicht  auf  ilm,  umso  eifriger  kiimmerte 
'c'i  micli  uni  den  Tegel  der  unversehrten  Banke,  welclie  in  der  ersten  Vertiefung 
und  der  Boschung  des  Eisenbahneinschnittes  an  der  nordliehen  Miindung  des 
funnels  blosgelegt  wurden. 

Wie  schon  fruher  erwiilmt  wurde,  ist  es  moglicli,  audi  uuter  den  d.  z. 
ungiinstigen  Verhiiltnissen,  jene  zwei  Tegelbilnke  zu  untersucben,  die  in  den  50er 
Jahren  Reuss  frisch  aufgedeckt  geseben  hat.  Wir  gelangen  rascli  zum  Ziel,  wenn 
wil'  das  Miocaeu  beriicksichtigen,  u.  z.  sowohl  im  Babneinschnitt  an  der  Miindung 
des  Tunnels,  als  audi  in  der  ersten  Grube  nachst  des  Lul'tscblotes.  Daniit  der 
Zweck  unter  alien  Umstiinden  erreicbt  werde,  ist  es  nothig,  im  Einschnitt  eine  tief  ere 
Grube  graben  zu  lassen  und  dieser  den  Tegel  zum  Scblemmen  zu  entnehmen. 
Nur  auf  diese  Weise  iiberzeugen  wir  uns  gleiehzeitig,  dass  der  Unterschied  im 
bthologisclien  Gliarakter  des  hiesigen  Tegels  ziemlicb  unbedeutend  ist,  ja  auf  den 
ei-sten  Anblick  minimal  zu  sein  scheint,  auf  welcben  Uwcksicht  zu  nehnien,  man 
oft  gar  nicht  verfiillt. 

Trotzdem  wird  audi  diese  Seite  der  hiesigen  miocaenen  Tegel  unsere  Auf- 
"lerksamkeit  in  Ansprueh  nebmen.  Sie  fesselt  unsere  Sinno,  sobald  wir  ihre 
feinere  Details  erkannt  und  ihre  Sehichtung  genauer  gelernt  liaben.  Auffiillig  ist 
beim  ersten  Anblick  die  Bank  des  unteren,  dunklen  Tegels.  Er  gemalmt  lebhaft 
an  den  unteren  Abtsdorfer  Tegel.  Er  ist  ebenfalls  bliiulicli,  im  feuchten  Zustande  von 
schwarzer  Farbe,  ferner  plastisch  und  fein.  Dem  Scblemmen  unterzogen,  hinterlasst 
61  einen  Riickstand,  bestehend  aus  feinkornigein  Quarzsand  von  weisser  Farbe  und 
au-S  einein  Detritus  von  Gesteinsarten  der  Kreidefonnation;  docb  davon  ist  nur 
Wenig  vorhanden.  Diese  Tegelbank  ist  an  Versteinerungen  ziemlicb  reich,  aber 
m'cht  in  jenein  Masse,  wie  z.  B.  die  Abtsdorfer  Austernbank  oder  der  gelbe  Ru- 
(loltitzer  Tegel.  Audi  aus  der  Triebitzer  Tegelbank  sind  zwar  genug  erbaltene 
Gebiiuse  und  Schaleu  ausgeschlemmt  worden,  mebr  jedocb  an  beschadigten  oder 
aQ  unbestimmbaren  Brucbstiicken. 

Dieser  Umstand  ist,  soweit  es  sicli  uni  die  Lamellibranchiaten  bandelt,  der 
Dtinne  dor  Wandungen  zuzuschreiben  und  vielleicht  der  heftigeren  Durchriittelung 
"er  Anschwemmung  (lurch  die  UferstrSmungen.  Icb  babe  micli  niinilicli  haufig  iiber- 
Zc,1£t,  dass  die  Bruehstiicke  schon  iin  unverletzten  Gestein  waren  und  die 
Mehrzahl  der  Schaleu,  namentlicb  die  grosseren  schon  in  der  Schichte  gesprungen 
lst'  es  ist  dalier  natiirlicb,  dass  diese  Schaleu  im  Wasser  zerfallen  und  wir  im 
kchleniinruckstande  nur  mebr  Fragmentc  erhalten. 

Die  unten  angefiihrte  Fauna  wurde  aus  einem  etwa  39  Kilogranmi  schweren 
Tegelstttck  ausgescblemmt ,  das  in  der  ISiihe  des  siidwestlichen  Ausgangs  des 
funnels  abgegraben  wurde,  u.  zw.  zwischen  diesem  und  dem  westlicbeu  Luftsclilot . 


54 


A.  Fauna  der  unteren  Tegelbank. 

Pisces.  Chemnitzia  minima,  M.  Hoern.    . 

Otolithus  (Gobius)  Bobemicus,  Proch.  ss  Rissoa  Montagni,  Payr 

Hydrobia  Frauenfeldi,  M.  Hoern. 

Ostracoda,  Melanopsis  impressa,  Kraus.     .    . 

Bairdia  heterostigma,  Rss h 

„      cf.  obcsa,  Rss h  Lam  el  Li  branch!  at  a. 

Cytherella  Mullen,  Miinst.  sp.     .    .  ss  Psamobia,  spec •     . 

V  Mactra  fragilis,  Proch 

Gasteropoda.  Cardium  Opatovense,  Proch.     .    . 

Buccinum  Schoni,  P.  Hoern.  u.A.  .     s  Ostrea  giengensis,  Schloth.  sp.  .    . 
Cerithium  lignitarum,  Eichw.   .    .    .   ss 

pictum,  Bast lib  Foraminifera. 

Turbonilla  pygmea,  Grat ss  Polymorphina  problenia,  d'Oi'b.    . 

Natica  millepunctata,   Lam.      .    .       ss  Globigcrina  bulloides,  d'Orb.    .    . 

Nerita  picta,  Fer lib  Rotalia  beccarii,  Linnee  sp.  .    . 

Chemnitzia  perpusilla,  Grat.    .    .    .  lib  Nonionina  communis,  d'Orb.      .    . 


s 
bb 

ss 


ss 
s 
s 

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ss 

h 

ss 


A.  K.  Reuss  schreibt  in  seiner  Arbeit  iiber  das  bdhmischo  Tertiiir  Seite 
272,  dass  wie  in  der  Uingebung  von  Rudoltitz,  so  auch  liier  der  graue  Tegel  von 
einem  lichteren  uberlagert  wird.  Dazu  bemerkt  er  weiter,  dass  der  erwiibnte,  untere 
Tegel  eine  bedcutende  Menge  von  Austernscbalen  birgt. 

Ich  trachtete  nach  Moglichkeit,  diese  Austernbank  zu  entdecken,  allein  alio 
meine  Bcmiibung  blieb  vergeblicb.  Dalur  gelang  es  niir,  anf  eine  Tegelbank  von 
verhaltnismiissig  reicber  Fauna  zu  stossen,  die  ich  nach  ibrer  Page  unmittelbar  in 
das  Niveau  der  erwalmton  grauen  Tegelbank  stelle.  Wie  reichliaitig  und  von  welcbem 
Cliarakter  diese  Bank  ist,  von  all'  dem  giebt  das  yorhergehende  Verzeichnis  eiu 
klares  Bild. 

Das  Ubergewicht  der  brackischen  Arten  ist  audi  in  diesem  Tegel  so  offen- 
kundig,  wie  in  den  Tegel  bank  en  der  Abtsdorivr  Umgebung.  Am  verbreitesten  und 
am  reicbsten  an  Individuen  sind  bier  diese,  Arten:  Cerithium  pictum,  Nerita  picta, 
Chemnitzia  perpusilla  und  Hydrobia  Frauenfeldi.  Von  Interesse  ist  jedenfalls,  dass  in 
dieserBank  die  Arten  Cerithium  lignitarum,  Buccinum  Schoni  und  Melanopsis  impressa 
iiberhaupt  nicht  vorkommen.  Mit  diesem  Cliarakter  der  Gastcropoden  stimmt  derje- 
nige  der  Foraminiferen  uad  Ostrakodon  die  durcb  brackisclie  Arten  vertreten  sind, 
vollkonimen  uberein.  Die  inarinen  Foraminiferentypen  erachte  ich  als  aus  den 
benaebbarten  marinen  Bezirken  eingesebwemmt.  Diesem  Faunentypus  gegeniiber 
erscbeinen  die  echten  inarinen  Arten  in  den  Hintergrund  gedriingt  und  trageu 
auch  das  Kennzcicben  der  pbysikaliscben  Verhiiltnisse  des  brackischen  Gebietes^ 
unter  dessen  Einfluss  sie  zu  leben  bemiissigt  waren,  tief  eingegraben. 

Fast  ubereinstimmend  mit  dem  unteren  Tegel  ist  der  Tegel  der  oberen 
Triebitzer  Bank.  Die  Unterschiede  sind  unbedeutend.  Ich  wurde  von  denselben 
bier  iiberhaupt  nicht  sprecben  und  derselben  audi  nicht  erwahuen,  wenn  ich  liiezu 
nicht  durcb  die  Fauna  verleitet  ware,    Diese  zeigt  namlieh  merkliche  und  ziemlicli 


55 


gewichtige  Abweichungen.  Es  ist  zwar  nieht  iiblicb,  auch  auf  die  kleinsten  Details 
zu  achten,  doch  in  unserem  Falle,  wo  es  sich  um  selbst  feiuere  Details  handelt, 
muss  man  audi  diese  kennen.  Unter  diesen  Umstiindeu  entgeht  uns  ebenfalls  nicht, 
(lass  diese  obere  Bank  lichter  ist,  reicber  an  Kalk  erscbeint  uud  dass  sie  mebr  sandiger 
Beimengung  aufweist,  als  dor  Tegel  der  unteren  Bank.  Ibr  Schlemmriickstand  ist  aus 
feinein  Quarzsand  und  aus  einem  unbedeutenden  Detritus  von  Gebirgsarten  der 
Kreidefonnation  zusammengcsetzt. 

Die  Fauna  dieses  Tegels  ist  einigennassen  an  Arten  armer,  als  diejenige 
der  unteren  Tegelbank,  dai'iir  ist  der  Individuenreicbthuin  der  Arten  in  jener 
grosser  als  in  dieser  Scbicbte.  Die  Gehiiuse  und  die  Scbalen  sind  verscbieden 
ei'halten :  im  Gestein  sind  dieselben  unverletzt,  dahingegen  an  der  Oberliiiclie  des 
A-usgehendeu  zumeist  beschiidigt.  Die  vom  Regen  aus  dera  Tegel  geschlemmten 
Geh&use  sind  weiss,  ausgebleicbt,  wabrend  die  dem  Tegel  frisch  entnommenen 
Gehause  braun  erscbeinen.  Ich  bemerke,  dass  dieses  Verhiiltnis,  welches  bier  oben 
ei'wiilmt  vvurde,  audi  auf  verscbiedenen  Fundorten  des  marinen  Miocaens  auftritt. 
Ks  gab  eine  Zeit,  wo  man  diese  Fiirbung  mit  in  Erwagung  zu  Ziehen  pflegte.  Heute 
ist  man  jedoch  da  von  abgekouimen,  denn  wir  baben  erkannt,  dass  nicht  uberall  die 
Farbung  der  Scbalen  zu  derjeniger  der  Gesteinsart  in  einem  constanten  Verhaltnisse 
stent.  Um  wenigstens  einen  analogen  Fundort  anzufiihren,  erinnere  icb  an  Borae  bei 
Tiscbnowitx;.  Uber  diesen  werde  icb  in  meiner  Scblussarbeit  iiber  das  Miocaen  des 
westlicben  Miibrens  ausfiihrlicb  sprecben. 

B.    Die  Fauna  des  Tegels  der  oberen  Bank. 

Ostracoda.  Cbenmitzia  perpusilla,  Grat.     .    .    .lib 

Bairdia  obesa,  Rss bb  Hydrobia  Franenfeldi,  Eicbw.  .    .    .  bh 

.        subteres,  Rss bb  -         Franenfeldi  var.  Bobemica, 

Procb ss 

Gasteropoda.  Melanopsis  impressa,  Kraus.    .    .    .    b 

Buccinum  Scboni,  R.  Hoern.  u.  A.  .     s  „  tabulata,  M.  Hoern.    .    .   ss 

Cerithium  pictum,  Bart h  _         ....  ... 

,.     .,  T^.  ,  Lamellibrancniata. 

i!  ligiutarum,  Eichw.   .    .    .     s 

Merita  picta,  Fer.  .    .       .....  bb         Lucina  sp ss 

Die  bier  angefubrto  Fauna  ist  einerseits  dadurcb  auffallig,  dass  sie  der 
^oraminifejren  entbebrt,  andererseits  dadurcb,  dass  ibre  Lamellibrancbiaten  stark 
reducirt  erscbeinen,  so  dass  dieselben  als  in  den  Hintergnmd  gedrftngt  erscbeinen.  Die 
Gasteropoden,  obwohl  arm,  tlbertreffen  die  iibrigen  Gruppen  in  bedeutendem  Masse. 
Bcr  Gesammteindruck,  welchen  diese  Fauna  macht,  gipfelt  dark,  dass  sie  sicb  als 
r°ducirter  Faunentypus  dm-  unteren  Bank  zeigt. 

Bebufs  besseren  VersUinduisses  des  Faunencbarakters  des  Triebitzer  Te- 
Sels>  dessen  genaue  Kenntnis  unter  den  gegenwartigen  Vorhaltuissen  sebr  wiiu- 
scbenswertb  ist,  ftthre  icb  bier  ein  suinmarisches  Verzeicbnis  seiner  Fauna  an,  wie  sie 
mu"  augmiblicklicb  aus  jenen  beiden  Biinken  bekannt  geworden  ist,  denn  nur  so  ist 
'"an  im  Stande  scbnell  und  leicbt  diese  Fauna  mit  der  Abtsdorfer  und  mit  den 
"bl'igen  Faunen  des  ostbobuiiscben  Miocaeus  zu  vergleicben. 


56 


Uebersichtliches  Verzeiclmis  der  Faunen  der  Triebitzer  Tegel. 


Name 


Tegelbank 


05 

M 

CD 

a> 

CD 

£ 

rO 

P 

o 

M 


2 
3 
4 


6 
7 
8 
9 
10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 


25 
26 
27 
28 
20 
30 


31 
32 
33 
34 


Pisces. 
Otolithus  (Gobius)  Bohemicus,  Proch.     .    . 

Ostracoda. 

Bairdia  obesa,  Rss 

„       heterostigma,  Rss 

„       subteres,  Rss 

„       Cytlieridea  Mullen,  Minister.  .    .    . 

Gasteropoda. 

Buccinum  Schoni,  R.  Hocrn.  u.  A.  .    .    .    . 

„  miocaenicum,  Michli 

Aporrhais  pes  peletani,  Phil 

Cerithium  pictum,  Bast 

„        lignitarium,  Eichw 

„         Duboisi,  M.  lloern 

Turbonilla  pygmea,  Grut 

Natica  redempta,  Michti 

„      mUlepunctata,  Lam 

Litorina  sulcosa,  Rss 

Nerita  picta,  Per 

„      Guateloupana  Per 

Chemnitzia  perpusilla,  Grat 

„  minima,  M.  lloern 

Rissoa  Montagni,  Payr 

Hydrobia  Frauenfeldi,  Eichw 

„  Frauenfeldi  var.  bohemica,  Proch. 

Melanopsis  impressa,  Kraus 

„  tabulata,  M.  Hoern 


L  a  m  e  1 1  i  b  r  a  n  c  h  i  a  t  a. 

Psamobia  spec 

?  Mactra  fragilis,  Proch 

Cardium  Opatovense,  Proch 

Area  diluvii,  Linn6 

Lucina  spec 

Ostrea  giengensis,  Schloth.  sp.     ... 


For  ami  nif  or  a. 

Polymorphic,  problema,  d'Orb.     .    . 
Globigerina  bulloides,  d'Orb.     .   .    . 

Rotalia  beccarii,  Linne"  sp 

Nonionina  communis,  d'Orb.      .    .    . 


ss 


ss 


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SS 
SS 


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57 

A.  E.  Reuss  fiihrt  in  seiner  Arbeit  16  Arten  aus  dem  Triebitzer  Tegel  an. 
In  diese  sind  drei  rein  marine  Arten  eingereiht:  Chenopus  pes  pelecani,  Buccinum 
miocacnicum  und  Area  diluvii,  von  welclien  es  diesmal  nicht  gelang,  auch  nur 
ei«e  Spur  zu  entdecken.  Dem  gegentiber  wies  ich  in  dem  hiesigen  Tegel  Foramini- 
reren  nach,  lucksichtlich  welclier  Reuss  der  Meinung  war,  dass  dieselben  in 
demselben  ttberhaupt  nicht  vorkommen  dttrften.  Ausserdem  ist  die  Zakl  der  Arten 
il"f  32  erhohfc  worden. 

Damit  ist  wohl  angedeutet,  urn  wieviel  meine  Durchforschung  die  Kenntnis 
(ler  Fauna  dieses  Tegels  vertieft  hat. 

Es  lag  mir  sehr  daran,  iin  Eisenbahndauime  die  erwahnten  marinen  Arten 
"id  Austernbanke  auszubeuten,  weshalb  ich  daselbst  an  verschiedenen  Stellen  nach- 
gvaben  liess.  Der  Zufall  wollte  es,  dass  sicli  mir  filr  diese  Arbeit  ein  Greis  anbot, 
"er  in  den  50er  Jahren  bei  dem  Triebitzer  Tunneldurclistich  beschiiftigt  war.  Als 
0|'  erfuhr,  was  ich  suche,  begann  er  sehr  lebhaft  zu  erzahlen,  dass,  als  man  den 
hiesigen  Tunnel  und  Einschnitt  grub,  die  Arbeiter  sehr  hiiufig  auf  Tegelbiinke 
stiessen,  die  (lberreich  an  grossen  Abdriieken  und  ebenso  an  Austernschalen  ge- 
Wesen  sind. 

Diese  Mittheilung  des  alten  Mamies  halte  ich  fiir  hinreichend  wichtig,  uni 
^erselben  Erw&hnung  zu  thun;  bezeugt  sie  doch,  dass  es  auch  hier,  wie  auf  dem 
Aotsdorf'er  Gebiete  Stellen  und  Blinke  mit  einer  reichen  Fauna  giebt,  wiihrend 
^'idererseits  auch  hier  Punkte  genug  vorhanden  sind,  die  auch  nicht  die  geringste 
"Pur  einer  Fauna  aufweisen. 

Dass    diesmal    diese    an   Petrefacten    reichen    Tegelbiinke    nicht    gefunden 

garden,  braucht  niemanden  in  Verwunderung  zu  setzen.     Sind  doch  die   heutigen 

mstande   namentlich   fur   Iiestrebungen   dieser    Art    die    allerungunstigsten.     Und 

cnliesslich   bedarf  es    dieser  Biinke  nicht,    um  den  Charaktcr  der  hiesigen  Tegel 

111('    ih re    Fauna    kennen  zu    lernen.    Es  geniigt  hieftir    ganz    gut    ein    Tegel    mit 

armorer  Fauna. 

Die  Richtigkeit    dieser   Anschauung    bestatigt   das   vorhergehende   summa- 

sche   Verzeichnis     Es    reicht   aus,    da   ja   aus   demselben    der  Gesammtcharakter 

1  Triebitzer  Fauna  klar  und  deutlich  hervortritt.  Weiter  sehen  wir,  dass  diese  Fauna 

it  der   Abtsdorfer  congruent  ist.     Denn   derselbe   Typus,    wie   auf   dein   dortigen 

oiete,  tritt  auch   hier  auf.  Dieselben    Kamilien,    fast  (lurch  dieselben  Arten  ver- 

l'Gten,  fiihrt  auch    der   Triebitzer    Tegel.     Die    Uuterschiede  jedoch,    welche  diese 

Y      n  Faunen   trennen,  sind  auf  das  Conto  der  Differenz  der  localeu  physicalischen 

( 'haltnisse  zu    schreiben,    welche,    einen     offenkundigen    Finfluss   auf   die    Art- 

eiltwickelung  hatten  und  sie  auch  modificirten. 

Was  die  rein  marinen  Arten  anbelangt,  so  vermuthc  ich,  dass  sie  in  diesem 
rackischen  District  autochthon  sind. 


Schirmdorf. 

Westlich  vom  Triebitzer  brackischen   Depot  breitet  sich  der  etwas  weniger 

sangliche  Schirmdorfer  District  aus.  Auf  der  alten  geologischen  Karte  der  Wiener 

_  isanstalt  ist   dieser    Bezirk   als  ein    scluniler  Streiten    verzeicb.net,    der    sich 

acnen  dem  Dorfe  und  der  Eisenbahn  fast  senkrecht  zum  Bahndamme  dahinzieht. 


58 

Das  ist  aber  audi  alles,  was  fiber  diesen  Bezirk  in  der  Litteratur  ver- 
zeichnet  ist. 

Desto  grosser  war  mein  Bestreben,  nicht  nur  seine  Ausdehnung,  sonde rn 
audi  den  Charakter  der  Fauna  kcnuen  zu  leriieu,  ausserdem  aber  aucb  sein  Ver- 
haltnis  zu  den  Nachbarbezirken,  d.  h.  zn  dem  Schirmdorfer  und  Triebitzer,  fest- 
zustelleii. 

Nach  den  geologischcii  Karten  Bchliessend,  vermuthete  icli,  dass  icb  die 
Schirmdorfer  Tegel  ostlich  vom  Dorfe,  wenigstens  in  der  Weise  aufgedeckt  finden 
werde,  wie  die  Tegel  in  der  Umgobung  von  Triebitz.  Wie  gross  war  aber  mein 
Erstaunen,  als  ich  an  Ort  und  Stelle  kam! 

Von  den  Tegeln  gabs  auch  nicht  cine  Spur!  Dort,  wo  sie  sicli  vorfinden 
sollten,  breitote  sicli  eine  in  Humus  verwandelte  Schicht  diluvialen  Lehms  und 
jflngerer  Sedimente  aus.  Auf  der  Westseite  des  Eisenbahndammes,  dicbt  an  dem- 
selben,  stiess  ich  auf  einen  zu  Tago  tretenden  Tegel  und  verfolgte  ilm  von  da  in  die 
Wiesen   hinter  den  Dannn,  wo  er  mir  wieder  unter  einor  jungen  Decke  verscbwand. 

Der  Zusammenhang  dieses  Schirmdorfer  Depots  mit  dem  Triebitzer  ist 
offenkundig.  Es  stellt  einen  sclnnalen  Streifen  dar,  Dings  dessen  sich  zur  Zeit  des 
miocaenen  Meeres  die  brackische  Zone  dem  Ufer  entlang,  dahinzog,  um  von  hier 
aus  allmahlig  in  die  marine  Zone  fiber  Schirmdorf  und  Bohm.-Triibau  iiberzugehen. 
Dafiir  spriclit  einerscits  die  Lage  dieses  Depots,  andererseits  das  nahe  Gebiet  der 
Kreideformation,  ein  eliemaliges  Meeresufer. 

Mancher  wiirde  unserem,  auf  diesem  Bezirke  bisber  einzigen  Orte,  wo  es 
moglich  ist,  die  Tegel  zu  studiren  und  auszubeuten,  allerhand  ausstellen.  Es  hat 
in  der  That  viele  Fehler,  neben  anderen  auch  den,  dass  die  betrelfende  Tegel 
daselbst  nicht  bis  zu  ihrem  Liegenden  durchschnitten  siud.  Trotzdem  ist  es  nicht 
schwer,  sich  zu  iiberzeugen,  dass  auch  hier  die  Machtigkeit  der  neogenen  Tegel  nur 
eine  relativ  unbedeutende  ist.  Wichtig  ist  die  Stelle  beim  Eisonbahnviaduct,  (lurch 
welchen  der  Fussweg  von  Schirmdorf  nach  Triebitz  liiuft,  dadurch,  dass  man  auf 
derselben  nach  Kelieben  den  petrographischen  Charakter  der  Tegel  und  die  dortige, 
verhaltnismiissig  reiclie  Fauna  studiren  kann.  Da  iiberzeugen  wir  uns,  dass  dieser 
Tegel  sicli  (lurch  dieselben  Eigenschafteu,  wie  der  Triebitzer  auszeichnet.  Er  ist 
namlich  audi  von  bliiulicher  Farbe;  im  frischen  und  feuchten  Zustaude,  zeigt  er 
sich  dunkel,  fett,  plastisch  und  fein.  Im  Wasser  ist  er  sehr  schwer  loslich  und 
hinterlasst  einen  aus  feineni  Quarzsand,  der  mit  kleinen  Splittern  von  (Jesteinsarten 
der  Kreideformation  vermengt  ist,  zusammengesetzten  Rflckstand.  Ausserdem  finden 
wir  im  letzterem  eine  flberaus  interessante  Fauna,  welche,  bis  auf  den  Umstand, 
dass  sie  eine  sehr  grosse  Menge  mariner  Foraminiferenarten  ffihrt,  (loch  nicht 
ganz  aus  dem  Rahmen  jener  Faunen  heraustritt,  die  als  brackische  angesehen  werden 
mflssen  und  das  nicht  bios  ob  der  Detailmerkmale,  sondern  auch  gleichzeitig  wegen 
ihres  allgemeinen  Habitus.  Win  gross  diese  Ubereinstimmung  ist  und  welcher 
Unterschied  zwischen  der  Schirmdorfer  und  den  fibrigen  Faunen  besteht,  win!  aus  dem 
hier  angeluhrten  Verzeichuisse  klar  hervorgeben, 


59 


Die  Fauna  des  Schirmdorfer  Tegels  am  Eisenbahnviaduct.1) 


Ostraeoda. 

Cytheridea  Mullen,  Mflnst.  sp.    .   .    h 

G  a  s  t  e  r  o  p  o  d  a. 
Buccinum  Schoni,  R.  Hoern.  u.  A.  .  ss 

Cerithium  pictum,  Bast ss 

Turritella  tuiris,  Bast.  ..'....  ss 

Nerita  picta,  F6r s 

Melauopsis  tabulata,  M.  Hoern.    .    .   ss 

L  a  in  e  1  li b  r  a  n  c  h  i a t  a, 

Corbula  gibba,  Olivi s 

Cardium  papillosum,  Poli ss 

"eraeuilina  spinulosa,  Rss s 

Nodosaria  veausta,  Rss.    .   .   . 

r,        scabra,  Rss 

Cristellaria  cultrata,  d'Orb.  .    .    . 

n  calcar,  d'Orb s 

1>olyiiiorpliina  probleina  d'Orb.  .    .    .   ss 


ss 
h 
ss 


Cardium  Opatovense,  Procli ss 

Ostfea  giengensis,  Sohloth.  sp.    .   .    b 

Ecbinodermata. 
Stacheln , h 

F  or  aminifera. 

Miliolina  consobrina,  d'Orb ss 

Textullaria  abbreviata,  d'Orb.  .    .    .  ss 

Bulimina  pupoides,  d'Orb ss 

„          nl'liiiH,  d'Orb S 

Virguliua  Scbreibersiana,  Cziz.  .    .    .  s 

Truncatulina  praecincta,  Karr.     .    .  s 

Anomalina  Badensis,  d'Orb li 

Rotalia  Soldanii,  d'Oib s 

„       beccarii,  Linne"  sp.    ...  b. 

Nonionina  communis,  d'Orb s 

„          Boueana,  d'Orb ss 


Diese  Fauna  triigt  den  Cliarakter  ibrer   Horkuul't  sebr   deutlich  eingepragt. 

^wei  Elemente  concentriren  sich  in  derselben.  Das  brackische,  welches   iiberwiegt, 

Utld    das    marine.      Dass    dieser    Cliarakter    mit    <ler    Lage   strong   ubereinstimmt, 

lst  uicbt  zu  bezweifelu,  ini  Gegentheil,    wir    miissen    daran    glauben,    denn    auders 

lasst   sich  die  Anwesenheit  dor  erwahnten   beidon  Typen   nicht   erklaren.     Gehen 

Wu'  auf  diese  Verhaltnisse  tiefer  ein,    dann  linden  wir,   dass   sie   don   Dmstauden 

eutsprocbon ,    dass   sio    iiberhaupt    natiirlicli    sind.    Es   ist   ja    audi    nicht    anders 

™0gUch.  Eine  scliarfo  Abgreuzung  gab  os  nicht,    so  wio  sio  audi    houte  nicht  exi- 

stu't.    Es  ware    daher   die  Anscbauung   i'alsch,    derzuiblge    die  Moinung    verbreitet 

wurde,   dass   es    koine   thierischen  Uborgangstypon  giebt,    oder,    dass  nur    auf  be- 

stlminteu  Gebieteu    auch  bestimmte  Thiertypen  auftreten  miissen.    Ein  Gebiot  ging 

4  bualjo  ju  ejn   .U1(ieres    dber,    alio  waron    belebt  und  infolge  (lessen  concentrirten 

lcl1  die  Arten  dort,  wo  sie  die  giinstigsten  Lebensbedinguagen  tandem  Gewaltsam 

urden  sie  nirgendshin  verschleppt ;  dass  an  dor  Grenzscheide  verschiedenartiger  Be- 

lrke  sich  dor  Cbergangsbezirk  ausdelmte  und  dass  in  diesem  sich  die  Typen  jener 


..  ')  dm  das  zu  ergaraan,  was  obeu  von  dem  orgauiscben  Gebalt  dieses  Tegels  gesagtwurde, 

."''■  icb  tier  nebenbei  seine  Fauna  ans  der  Kreideformation  an.  Daunt  meino  iebnur  die  Zahl  der 

caenen  Diepdts  mit  Faanen  zu  vermcbren,  zum  Beweise,  dass  dioso  Vermengung  der  Faunen 

e"  Ufersedimentcn,  woselbst  Priesener  Mergel  zu  Tage  tieten,  eine  gewdlmliciie  Erseheinung ist. 

For  a  in  i  nii'e  r  a. 
Textularia  praelonga,  Hss.  Lagena  nov.,  spec. 

Bulimina -variabilis,  d'Orb.  Oristellaria  rotulata;  d'Orb. 

Bulimina  ovulum  Rss.  Frondioularia  angulosa,  Rss. 

Lagena  spec.  Globigerina  cretacea,  d'Orb. 

Globigerina  marginata,  d'Orb. 


60 

verschiedenartigen  Districte  untcreinandoraiengten,  ist  selbstverstiindlich  undnatiirlich. 
Solclie  Verhaltnisse  findcn  wir  in  den  heutigen  Meeren  und  sollten  wir  sic-  negiren 
oder  auf  andere  Weise  conimentircn,  wenn  sie,  in  scharfen  Umrissen  angedeutet,  in 
Sediinenten  iilterer  Perioden  gefunden  werden? 

Scheiden  wir  den  marinen  Typus  aus  dieser  Schirmdorfer  Fauna  aus,  so 
erhalten  wir  eine,  mit  den  Artcn  des  Abtsdorfer  und  Triebitzer  Typus  conforme 
Gruppe.  Scheiden  wir  sodann  den  brackisclien  Typus  aus,  so  schmiegt  sicli  der 
zuruckgebliebene  marine  Antbeil  an  die  Fauna  des  iin  Dorfe  Schinndorf  aufgeschlos- 
senen  Tegels  an,  ferner  an  diejenige  von  Bolnn.  Triibau,  insbesondere  an  die  von 
Lukau  und  Landskron. 

Uebersichtliches  Verzeichnis  der  brackischen  Faunen. 


Name 


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22 
23 


Pisces. 

Otolitlius  (Gobius)  Pohoinicus,  Procb. 
„        (Serranus)  insignia,  Proch, 


Ostr  acoda. 


Bairdia  exilis,  Rss.     .    .    . 

„      heterostigma,  Rss. 

„       subteres,  Rss.    .    . 

„       obesa,  Rss.     .    .    . 
Cytheridea  Mulleri,  Mtlnst. 


Hal  an  id  a  e. 


Balanus  spec. 
spec. 


G  a  s  t  e  r  o  p  o  d  a. 

Buccinum  Schiini,  R.  Hoern  u.  Auinf. 
Cerithium  bilineatum,  Proch.  sp. 

pictuni  Past 

„        lignitarum,  Eichw.    .    .    . 
„         Duboisi,  M.  Hoern.   .    .    . 

„         scabrum,  Oiivi 

„         spec 

spec 

Turritella  turris,  Past 


spec 

Odontostoma  cf.  Hoernesi,  Rss. 

Turbonilla  pygmea,  Grat.  .    .    . 

Natica  conf.  redeinpta,  Micliti  . 

„      millepunctata  Lam.     .    . 


SK 


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Nerita  pi  eta,  For 

Chomnitzia  pcrpusilla,  Grat 

„  minima,  M.  Hoorn 

„  Reussi,  M.  Hoern 

Ilissoa  Montagni,  Payr 

Hydrobia  Frauenfeldi,  M.  Hoorn 

„         Frauenfeldi  var.  Bohemica,  Proch. 


coneinna,   Sowerb. 


Melanopsis  impressa,  Kraus  .    . 

„  tabulata,  M.  Hoorn. 

Fissurela  clipeata,  Gratel.     .    . 

Teredo  Norvogica,  Spongl.     .    . 

Psammobia  sp 

Corbula  gibba,  Olivi 

„        carinata,  Dujard.      .    . 
?  Mactra  fragile,  Proch.      .    .    . 

Circo  minima,  Mont 

Tollina  spec 

Cardium  papillosum,  Poli.     .    . 

„         Opatovense,  Proch. 

Erycina  Bohemica,  Proch.     .    . 

Modiola,  biformis,  Rss 

cochlear,  Poli 

lioblayi,  Desh.,    .    .    .    . 

digitalina,  Dub 

giengensis,  Schloth.  sp. 

erassissima,  Lam.    .    .    . 


Osti 


•ea 


For  aminifera. 

Miliolina  conf.  consobrina,  d'Orb.  . 
Textularia  ablireviata,  d'Orb.    .    .    . 

Verneulina  spinulosa,  Rss 

Bulimina  affinis,  d'Orb 

„         pupoides,  d'Orb 

Vaginulina  Schreibersiana,  Ciz.    .    . 

Nodosaria  venusta,  Rss 

„  scabra,  Rss 

Cristellaria  cultrata,  Montf.  .... 

»  calcar,   d'Orb 

Polyniorphina  problema,  d'Orb.  .  . 
Globlgerina  bulloides,  d'Orb.  .  .  . 
Trnncatulina  praecincta,  Karr.  sp.  . 

Anomalina  liadensis,  d'Orb 

Rotalia  Soldanii,  d'Orb 

B       beccarii,  Linne"  sp 

Nonionina  communis,  d'Orb.      .    .    . 
,,         Boueaaa,  d'Orb 


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62 


Alle  Faunen  aus  unseren  brackischen  Bezirken  stellen  einen  scharf  um- 
schriebenen  Typus,  der  auch  dann  in  markanter  Weise  hervortritt,  wcnn  er  rait 
marinon  Elementen  vermischt,  oder  vom  denselben  begleitet  1st. 

In  doin  vorliegenden  Uebersichtaverzeichnisse  ist  dor  brackische  Typus 
unseres  ostbohmischen  Miocaens,  soweit  er  mis  bis  jetzt  bekannt  geworden,  getreu 
wiedergegeben. 

Dieser  brackische  Tegel,  der  mit  den  rein  marinen  Typen  des  Baden- 
BoraCer  Tegels,  des  Steinabrunn-Drnovicer  Mergels  des  Nussdorfer-Pulgramsdorfer 
Sandes,  des  Leithakalkes  isochron,  jedoch  j linger  als  dor  Sclilior  ist,  gewinnt 
sofort  an  Bedeutung,  sobald  wir  ihn  mit  ahnlichon  oder  identischen  Typen  anderer 
Districte  vergleiehen  nnd  wenn  wir  soin  Verhilltnis  zu  den  iibrigon  Gliodern  unseres 
heimischen  Miocaens  bestimmen. 

Eine  ganze  Reihe  iilinliclier  Typen  erweckto  von  deni  Moinente  an,  wo  sie 
entdeckt  wurden,  Interesse.  doch  erst  im  Jalire  1873  wurde  ihnen  eine  einigermassen 
grossere  Aufmerksamkoit  seifens  des  Prof.  F.  Toula  zu  Theil. 

Es  war  dies  die  interessante  Fauna  von  St.  Veit  bei  Triesting  in  Steyer- 
mark,  welche  Toula  veranlasste,  deren  Stellung  gegeiiiiber  den  verwandten  Faunen 
abzugrenzen  und  sieherzustellen,  in  wie  weit  sie  von  der  Fauna  der  sarmatischen 
Stufe  verscliieden  ist  oder  mit  ihr  iibereistiuunt. 

Es  ist  nicht  ohne  Interesse  zu  erfahren,  dass  Toula,  als  er  sich  in  der  Litte- 
ratur  nach  iihnliclien  Typen,  wie  er  sie  bei  Triesting  entdeckt  hatte,  umsah,  eine 
ziemlich  bedeutende  Menge  Faunen  land,  die  trotzdeni  sie  viele  Aenlichkeit  mit 
der  St.  Veiter  Fauna  aufwiesen,  dennoch  von  verschiedenen  Autoren  verscliieden 
definirt  worden  waren.  Bald  erkannte  er,  dass  diese  Typen  mit  der  sarmatisolien 
Fauna  hochstens  die  bedeutende  Entwickelung  der  Iudividuen  gemeinsain  haben ; 
deshalb  reihte  er  sie  riclitigerweiso  in  das  Miocaen  ein,  sie  als  brackische  Facies 
dcsselben  Meeros  betrachtend.  Doch  in  einer  Hinsicht  liess  er  sich  auf  einen 
Abweg  verleiten.  Er  legte  grosses  Gewicht  auf  die  Anwesenheit  der  Art  Cerithium 
lignitarum.  Dies  verlockte  ihn  zu  der  Anschauung,  dass  die  von  ilun  angefiihrten 
brackischen  Typen  dem  Grunder  Horizonte  einzuverleiben  sind.  Ob  einige  von  den 
angefiihrten  Faunen  Toula's  diescm  Horizonte  angehfiren,  weisS  it'll  im  Augenbliclce 
nicht  ganz  bestimint,  da  diese  Saclie  bis  allher  noch  nicht  defiiiitiv  erledigt  ist; 
dass  unsere  ostbiihmischen,  brackischen  Tegel  demsclbon  nicht  angehoren,  behaupte 
ich  mit  aller  Entschiedenenheit. 

Allerdings,  heute  befinden  wir  uns  auf  einem  andern  Standpunkte.  Wir  be- 
urtheilen  die  Fauna  auf  Grundlage  des  Gesammtcharakters.  Die  sogenannten  Tjeit- 
fossilien  beachten  wir  zwar  ebenfalls,  alter  wir  betrachten  sie  nicht  als  das  allein 
Entscheidende.  Viel  grossere  Bedeutung  legen  wir  dahingegen  den  Detailinerk- 
malen  der  Fauna.  Diese  leitenden  Gedanken  gestatten  uns  iiber  Klippen  hinweg- 
zusetzen,  an  dcnen  so  nianche  Erkliirung  der  Verwandschaftverbiiltnisse  der  J^aunen 
gcscheitert  ist.  Untor  diesen  Umstiindeu  wird  es  uns  nicht  hindern,  Faunen  auch 
dann  fur  verwandtzu  halton,  wenn  denselben  die  sogenannten  Leitfossilien  abgehen. 

Von  anserem  Standpunkte  aus  betrachtet,  ergiebt  sich  fur  die  Laaer-Fauna, 
wie  sie  von  Prof.  Toula  angefiihrt   wird,    dass    dieselbe    unseren   Faunen    aus    del* 


(53 

Umgebung  von  Triebitz,  Abtsdorf  und  Schirmdorf  entspricht,  datin  aber  welter, 
dass  derselben  Gruppe  auch  noch  die  Faunen  von  Dios-Gyor,  Rakord,  des  siidlichen 
Bakonyer-Waldes,  aus  der  Gegend  zwischen  Szabolocs  und  Samogy,  PScsvdrad  (Un- 
garn),  aus  Kainyad  und  Salm  (Steyermark)  u.  a.  angehoren. 

Zura  Beweise  fur  diese  Behauptung  sei  mir  orlaubt,  einige  von  diesen 
fremden  Faunen  u.  z.  die  am  moisten  typischon  liier  anzufiihren.  Absichtlicli  wahle 
i('h  vorerst  die  erwiilinte  Fauna  von  Laa  aus  dem  siidlichen  Mahrcn.  Mit  Reeht 
Sagt  von  ihr  E.  Suess,1)  dass  sie  zusammengesetzt  sei  aus:  Land-  (Helix  turonensis 
ct('-)  Siisswasser-  (Fluviatilen)  (Nerita  picta,  Dreissena,  Melanopsis  impressa)  und 
marinen  Conchylien  (Cerithium  lignitarum,  C.  Duboisi,  C.  minutum,  C.  pictum,  C. 
nodosoplicatum,  Paludina  acuta,  Natica  millepunctata,  Venus  scalaris,  Area  lactea) 
usw.  Vergleichen  wir  diese  Fauna  mit  unserer  brackischen  Thierwelt,  so  ist  es 
°ffenkundig,  dass  beide,  bis  auf  die  marinen  Arten  und  Landformen  ubereinstinnnen ; 
dafiir  giebt  z.  B.  die  Fauna  von  Abtsdorf  oder  jene  von  Trieblitz  oder  Schirmdorf 
^e«gniss.  Ausser  diesen  Merkinalen  fallt  noch  ein  Umstand  in's  Gewicht,  und  das 
18t  <lie  Association  der  marinen  Arten.  Schon  ein  Blick  auf  dieselben  belohrt  uns, 
dass  diese  keiue  zufiillige  ist,  sondorn  dass  dieselbo  durch  dieselben  physikalischen 
Eigenschaften  bedingt  ist.  Ware  es  nicht  der  Fall,  so  wtirde  es  sehr  rathselhaft 
ei'scheinen,  warum  in  unseren  ostbohuiischen  Bezirken  sich  dieselben  marinen  Arten 
voi'finden,  wie  auf  siidlichen  Fundorten. 

Und  so  wie  diese  Laaer-Fauna  mit  unserer  brackischen  verwandt  ist,  so 
stehen  auch  die  iibrigen  Faunen  der  unseren  sehr  nahe.  Die  Verwandtschaft  wird 
aus  dem  hier  folgendcn  Verzeichnisse  ersichtlich. 


Nowosielha  in  Galizien.2) 

Cerithium  lignitarum,  Fichw. 

n        pictum,  Bart. 
Nerita  Guateloupana,  Fer. 
°strea  digitalina,  Dub. 

Di6s  Gyw  in  Ungarn.*) 

Murex  sublavatus,  Bart, 
^entluum  nodosoplicatum,  M.  Hoern. 
M      "         pictum,  Bart. 
JJei"ita  picta,  Fer. 
Melanopsis  Aquensis,  Fer. 
Ustrea  digitalina,  Dub. 
»      longirostris. 


Herender  FAsenbalinstation  in  Ungarn.*) 

Buccinum  Dujardini,  Desh. 
Pleurotoma  Jouanneti,  Des  Moul. 
Cerithium  lignitarum,  Eichw. 

„         Duboisi,  M.  Hoern. 

„         pictum,  Bast. 

„         m  ravicum,  M.  Hoern. 
Nerita  picta,  Fer. 
Natica  redompta,  Michli. 
Melanopsis  Escheri. 

„  impressa,  Kraus. 

Ztvischen  Szabolocs  und  Somogy.&) 

Buccinum  Dujardini,  Desh. 
Pleurotoma  Jouanneti,  Des  Moul. 


Mitth 


')  E.  Sues*.  Sitzungsbericbte  dor  k.  Akadem.  dor  Wissenschaften.  Wien.  \sc>r>.  S.  132. 
-)  i>.  Star.  Verhandl.  d.  geolog.  Reichsanst.  Wien.  1874.  8.  402. 
*)  •/.  Hiickh.  Jahrb.  d.  geolog.  Reicbsanstalt.  Wien.  1867.  S.  1 35. 

)  ■/.  BSckh.  Mittheilungen  zum  Jabrbuche  der  k.  ungar.  geologiseh.  Anstalt.  187'.).  S.  83. 
I  J.    Hiickh.    Geolog.    mid  Wasserverbaltnisse   der    Umgebung    dor    Stailt    Ftinfkirchen. 
0lJ-  dor  konlgl.  ungar.  geolog.  Anstalt.  1881.  S.  '2-24. 


64 

Cerithium  pictum,  Bast. 

„         Moravicum,  M.  Hoern. 
Turritolla  bicariuata,  Eichw. 
Nerita  picta,  For. 

Kainach  und  Salm. 

Buccinum  Dujardini,  Desh. 
Pleurotoma  Jouanneti,  Des  Moul. 
Coritliium  lignitarum.  Eichw. 

„         pictum,  Bart. 
Nerita  picta,  For. 
Ostrea  digitalina,  Dub. 


/  'icsvdrad  ( Ungarn).1) 

Buccinum  Dujardini,  Desh. 
Coritliium  lignitarum,  Eichw. 

„         pictum,  Bait. 
Nerita  picta,  For. 
Ostrea  digitalina,  Dub. 
Ancillaria  glandiformis,  Lam. 
Turritolla  turris,  Bart. 

„         bicarinata,  Eichw. 
Corbula  gibba,  Olivi. 
Lucina  Dujardini,  Desh. 


Zu  diesen  Verzeichnissen  muss  ich  noch  bemerken,  dass  sio  bios  die  Makro- 
fauna  enthalten.  Der  Mikrofauna  wurde  flberhaupt  wenig  Aufmerksamkeit  gowidmet. 
Violleicht  wird  spiiter  oinuial  nachgeholt,  was  man  lusher  verabsaumt  hat.  Und 
dann  wird  man  sich  audi  in  diesem  Falle  iiberzeugen,  dass  der  Faunencharakter 
nur  dann  richtig  beurtheilt  werden  kann,  wenn  alio  Elemente  dor  Fauna  nicht  nur 
beachtet,  sondern  in  alien  Details  studirt  wordon  sind.  Audi  zweiflo  ich  nicht,  dass 
die  Mikrofauna  viele  Vortheile  bioten  wird,  wie  sie  dieselbon  uns  auch  diosmal 
gowiihrt  hat,  und  dass  sio  noch  in  hohorem  Masse  die  Resultato  bostiitigon  wird, 
die  wir  durch  die  Durchi'orschung  der  Makrofauna  erhalten  habon. 

Allein,  auch  die  Makrofauna  ist  im  Stande,  zu  iiberzeugen,  dass  unsere  ost- 
bohmischen  brackischen  Faunon  sich  durch  densolben  eigonthiiudicluHi  Charakter 
auszeichnon,  welcher  den  bier  angofiihrten  Faunen  des  siidlichen  Miihrens,  Ungarns, 
Galiziens  und  Steyermarks  zukommt. 


')  V.  Ililbcr.  Jahrlmch  der  geolog.  Reiohianstalt.  1878.  S.  500. 


Schlussbetrachtunff, 


Der  Charakter  des  Tegels  von  Rudelsdorf*)  und  Lukau,  dann  von  Johnsdorf, 
Rothwasser,  Dittersbach,  Landskron,  Bohmisch-Triibau,  Sohirmdorf  und  Wildenschwert, 
schliesslich  jener  des  Tegels  von  Abtsdorf,  Triebitz,  wie  er  oben  geschildevt  wurde, 
zeichnet  in  sicheren,  klaren  Ziigen  das  Gesammtbild  der  ostbohmiscben  Bucht  ties 
miocaenen  Meeres.  Neben  dem  faunistischen  Cbarakter  wird  dieses  Bild  auch  noch 
durch  die  Miichtigkeit  der  Schichten,  die  Seehohe  der  dortigen  Sedimente  und  weiter 
(lurch  die  Physiognomic  des  Grundgebirges  erweitert. 

Und  es  ist  wirklich  interessant,  dass,  ob  wir  nun  dieses  Bild  entweder  auf 
Grund  der  Eigensohaften  der  Fauna,  odor  der  Lagerungverh&ltnisse  und  Miichtigkeit 
der  Schichten,  oder  endlich  auf  Grand  der  Physiognomie  des  Untergrundes  ent- 
wert'en,  uberzeugen  wir  uns,  dass  wir  imuier  zu  demselben  Resultate  gelangen. 

Mit  Rticksicbt  auf  diese  Umstiinde  wfthlen  wir  als  Ausgangspunkt  die  Phy- 
siognomie des  Untergrundes  und  untersuchen  wir,  inwieweit  derselben  dem  Gesamint- 
charakter  der  Faunen,  dem  petrographischen  Charakter  der  Gesteinsschichten  und 
ihrer  Miichtigkeit  entspricht. 

Betrachten  wir  das  Gebiet  des  ostbohmischen  Miocaens,  ob  nun  auf  der 
Generalstaabskarte,  oder  von  einem  erhohten  Punkte,  am  besten  zum  Beispiel 
von  der  in  der  Niihe  des  Wallfahrtsortes  Mra.  Zell  bei  Rothwasser  befmdlichen 
Cote  501,  ferner  von  der  Hoehkappe  608,  oder  von  der  Cote  601  bei  Klein  Her- 
roigsdorf,  so  bietet  sich  uns  eine  lange,  seichte,  jedocli  breite  Thalniederung,  von 
belcher  sich  zwischen  Abtsdorf  und  Triebitz  ein  aufiinglich  breites,  seichtes,  nacli 
Norden  sich  verengendes  Seitenthal  abzweigt,  das  iiber  Sohirmdorf,  Bohmisch-Triibau, 
Nallhlltte  und  Langentrttbe  bis  in  die  Umgebung  von  Wildenschwert  reicht.  Die 
erwiilmte  in  die  turonen  Schichten  eingesenkte,  an  zahlreichen  Stellen  bis  auf  Perm 
vertiefte  Thalniederung,  verengt  sich  allmiilig  nach  Norden  und  reicht  bis  in  die 
legend  von  Wetzdorf,   wosclbst  sie  einen  halbkesselformigen  Abschluss  fmdet. 

(iegen  Siiden  breitet  sie  sich  gleichmiissig  aus,  im  Westen  von  einem  geiad- 
Nnigen  Wall  abgeschlossen,  der  sich  vom  Nordost  gegen  Siidwest  hinzieht  und  den 

*)  In  Folge  elnes  Versehena  ist  in  den  vorhergehenden  Zeilen  statt  des  deutschen  Nameu 
»Hudelsdorf«  dor  deutsch  transoribirta  bohuiisehc  Name  „Eudoltitz"  gekommen;  es  wird  dalier  der 
Leser  hofiiehst  ersucht,  in  den  vorhergehenden  Blftttern  die  diesbeziigliche  Correktur  vorzunehmen. 

6 


66 


3  Coten:  621  ostlich  von  Klein  Hermigsdorf,  641)  im  Blosdorfer  Waldo,  620  sttdlich  von 
Saukopf  deutlich  bezeichnen.  Im  Osten  liegt  an  seiner  Grenze  der  Ausgang  mas- 
siger  flacher  Bergrtlcken :  Friedrichslahn,  Kirchberg,  Breite  Biiffelwiese,  Kuttlberg, 
die  sich  siidlich  tlber  Moletein  bis  Charlottendorf  Ziehen. 

Der  erwfthnte  Wall,  der  den  sfldlichen  Theil  der  Elbe-Donau-Wasserscheide 
ausmacht,  dehnt  sich  nach  Norden,  hier  rait  dem  Namen  Steinwald  bezeichnet, 
woselbst  er  gleichzeitig  den  ostlichen  Abhang  des  schmalen  Wildenschwert-Bohm.- 
Triibauer  Thales  bildet.  Dieses  lehnt  sich  im  Weston  an  ein  Plateau  an,  dessen 
Seehohe  im  Anderlu-Chlum  bei  Wildenschwert  eine  Ho'he  von  558  Meter,  im  Suchy 
pfftok  559  Meter,  im  Kozlaner  Berg  600  Meter  and  im  Abtsdorfer  Walde  5:50 
bis  588  Meter  erreicht. 

Auf  dieses  hier  umschriehone  imd  abgegrenzte  Gebiet:  die  breite  Wetz- 
dorfer-Landskron-Rudelsdorfer  Thalniederung  und  das  Schirmdorf-Bohmisch-Trubauer- 
Wildenscliwerter  Thai  beschranken  sich  die  ostbohmischen  miocaenen  Sedimente. 
Im  Siiden  schliessen  sic  sich  dem  Complex  mariner  miocaener  Tegel  an,  die  sich 
iiber  Reichenau,  Mahrisch-Triibau  mid  Trmtvka  in  das  Thai  der  Kleinen  Hanna 
ausdehnen.  Aber  audi  hier  beschranken  sie  sich  nur  auf  eine  bestimmte  Seehohe, 
die  410  Meter  nicht  iibersteigt.  Diese  Seehohe,  welcho  mit  jener,  die  diese  Sedi- 
mente in  Mahren,  Schlesien,  Nieder-  and  Qberoesterreich  u.  A.  erreiohen  ttberein- 
stimmt,  bietet  ein  verliissliches  Hilfsmittel,  sobald  es  sich  darum  handelt,  diese 
iblagerungen  zu  bestimmen  und  festzustellon.  Demi  schon  durch  die  Bertlcksichtigung 
dieser  8eeh5he  erhielt  ich  gewisse  Anhaltspnnkte  dafttr,  ob  der  Bezirk,  den  wir  zu 
priifen  haben,  ein  miocaener  sei  oder  nicht.  Uebrigens  schon  auf  der  Karte,  aller- 
dings  in  rohen  Umrissen  verrftth  die  besagte  Seehohe  bis  wohin  etwa  die  miocaenen 
Tegel  sich  erstrecken. 

Die  Seehohe  zeigt  ferner,  dass  der  Boden  dieser  Thalniederung  und  des 
Seitenthales  vora  Siiden  gegen  Norden  steigt,  was  sich  in  dem  localen  Oharakter 
der  Faunen  und  in  der  SchiclitenniJichtigkeit  wiederspiegelt. 

Indem  wir  diese  Ausdehnung  unseres  miocaenen  Gebietes  und  seiner 
Physiognomic,  insbesondere  der  Physiognomic  der  Thalsohle  ins  Auge  fassen,  ge- 
langen  wir  leicht  zum  Verstandnis  des  Charaktcrs  der  Fauna  unserer  Bezirke 
und  das  um  so  leichter,  je  sorgfiiltiger  wir  die  Details  der  Districte  beriick- 
sichtigen.  Diese  Umstftnde  kliiren  uns  dariiber  auf,  waium  geiade  die  brackischen 
Faunen  im  Triebitzer  und  Abtsdorfer  Bezirke  vorhanden  sind,  warum  der  Schiiui- 
dorfer  Tegel  ein  Gemenge  von  brackischen  und  marinen  Arten  enthalt  und  warum 
der Rudelsdorfer  und  Lukauer  Tegel  einen  rein  marinen  Faunentypus  in  sich  einschliesst, 
einen  ebensolchen,  der  an  alien  Fundorten  des  miihrischen  Miocaengebietes  zu  Hause 
ist,  wfthrend  in  der  Umgebung  von  Landskron  und  von  hier  bis  Rothwasser,  weiter 
von  Schirmdorf  bis  gegen  Wildenschwert  wir  Faunen  linden,  die  aus  Arten  zusammen- 
gesetzt  sind,  die  sowohl  an  den  Aufenthalt  im  Meereswasser  als  audi  im  Brack- 
wasser  gewohnt  waren  und  schliesslich,  warum  erst  im  Tegel  von  Itothwasser  rein 
brackisclie  Arten  auftreten,  wfthrend  z.  B.  in  den  Ladskroner  Tegeln  diesclben 
nicht  vorzukommen  prlegen. 

Dieser,  wie  ersichtlich,  bunte  Faunencharakter  der  ostbohmischen  Tegel 
zeugt  ununistosslich  fur  die  Anschauung,  dass  das  miocaene  Meer  in  seinem  Wesen 


67 

©lgentlich  von  MHbrisch-Trubau  ttber  Tschuschitz,  Reichenau ,  Lukau  bis  gegen 
Rudelsdorf  reichte  and  dass  von  hier,  je  weiter  gegen  Nonleu,  seine  Wiisser  sicli 
aussiissten  und  seine  Tiefe  abnahm.  Aus  der  Umgebung  von  Rudelsdorf  und  Lukau 
ZWangte  es  sich  durcli  eine  im  Siiden  kings  der  Grossen  Ebene,  im  Norden  vom 
Abhang  der  Bergflur  begrenzte  Enge  und  drang  fjordartig  einerseits  gegen 
Abtsdorf,  wo  es  endete,  andererseits  iiber  Schirmdorf,  Bohm.-Trubau  bis  Wilden- 
schwert.  Das  Wasser  dieses  schmalen  Fjordes  war  sehr  stark  ausgesiisst,  an  vielen 
Stellen,  in  den  Luchton,  wie  z.  B.  westlich  von  Schirmdorf,  Triebitz  und  Abtsdorf 
so  stark  braekisch,  dass  es  dem  charakteristischen  braekischen  Typus  vorthcilliafte 
Lebensbedingungen  bot. 

Gehen  wir  ferner  nur  vom  Charakter  der  Fauna  aus,  so  zerfiillt  unser 
°stb6hmisches  Miocaengebiet  in  drei  Zonea ,  die  ziemlich  scharf  von  einauder 
'ibgegrcnzt,  aber  nichtsdestoweniger  initeinander  verkniipft  sind,  indem  sie  von 
gleiclieui  Grundtypus  abstaimnen,  der  sich  unter  verschiedenen  physikalischen 
Uinstiinden  differenziert  hatte  und  so  eine  verschiedene  Physiognomie  annahm. 

Die  wichtigste  dicser  Zonen  ist  unstreitig  die  marine,  der  die  Rudelsdorfer 

u'id  Lukauer    Fauna  angehort.    Dem  Charakter  ihrer  Faunen  zufolge    schiiesst    sie 

sich  —  allerdings  bis  auf  einige  locale  Abweichungen  —  der  Borstendorf-Mahrisch- 

UDa"er  an.  Ihr  Fauncn-Tvpus  ist  parallel  zu  den  Faunen  der  Mergel  von  Trnavka 

■  ai'onieric,  Sudic,  Boskovic,  Lysic  etc.  iiberhaupt  zu  alien   des  westlichen  Miihrens, 

welche  den    Charakter  des  hoheren,  bathymetrischen  Niveaus  haben.  Wie  bekannt, 

^ht   sich  in  dieses  auch  der  Faunentypus  von  Steinabrunn,  weshalb  es  jedenfalls 

icntig  sein  wird,  dass  wir  unsere  Faunen  mit  der  niederbsterreichischen  vergleichen. 

Wr  sei  gleicb  hinzugefiigt,  dass  die  Rudelsdorfer  und  Lukauer  Faunen  mehr  mit 

°n  westmahrischen  Faunen  iibereiustimmen,  als  mit  der  Steinabrunner,  was  schliesslich 

l(!||>stverstandlieh   ist,   da   sie    doch   unter   abweichendereu   physikalischen    Bedin- 

8ungen  lebten  als  diese. 

Gewissermassen  als  Typus  der  Ubergangszone  pnlsentiren  sich  die  Faunen 

61  Tegel  von  Landskron,  Schirmdorf  (im  Dorfe),  Bohm.-Trubau  und  Wildenschwert. 

k  e  bestehen  zwar  aus  marinen  Arten,  doch  zwei  Eigenschai'ten   trennen   dieselben 

«  der  Fauna  des  offenen  Meeres,    u.  z.    einerseits   der    verhaltnismassig   geringe 

enreichthum,  andererseits  der  bedeutende  Individuenreichthum. 


Fs 


Einen  eigenthiim'ichen  Uebergangsty[)us  von  der   braekischen   zur  marinen 

*<iuna  gewiihrt   der   Schirmdorfer  Tegel.    Auf  diesem   Fundorte  ist   in   frappanter 

°ise   zu   sehen,     inwieweit   aus   der  Lage   des  Ortes    ein  Urtheil  iiber  den  Cha- 

r  (ler  Fauna  gestattet  ist.  In  ihr  sind  die  rein  braekischen  Arten  mit  den  rein 

anneu  vereinigt,  jene  priivaliren  jedoch. 

^         Demgegentiber    ist   die  Zone   der   braekischen  Fauna   genau    umschrieben. 

*   tritt   bisher    im  Abtsdorfer    und    Triebitzer    Bezirke   in    voller    Entwickelung 

■     Lass    sie    von    der    marinen   Zone    scharf    geschieden    ist,    geht    aus    ihrem 

aiakter  hervor   und   es    ist    sehr    wahrscheinlich,    dass    ihre    Gebiete     meistens 

marinen   Zurlussen  geschiitzt  waren.     Brackwiisser   in  mariner   Nachbarschaft, 

\V    '   in    °eeSegenden   setzen  einerseits   das   nahe  Ufer,   andererseits  das  seichte 

Ser  v°iaus.    Und  dass  damit   die    Schichtenmachtigkeit   verkuupft   ist,    dariiber 

6* 


68 


ist  ein  Streit  ausgeschlosson.  Solcher  imd  iihnlicher  Beispiele  giebt  es  reichlich 
sowohl  in  iilteren,  als  auch  jiingeren  Bildungen,  ebenso  gibt  es  in  don  heutigen 
Seegegenden  zahlreiche  Beispiele  hiefur. 

A.  E.  Reuss  wurde  von  den  Resultaten  seiner  Studien  zn  dera  Schlusse 
gefiihrt,  dass  die  miocaenen  Ablagerungen  Ostbohmens  den  jiingsten  neogenen 
Schichten  des  Wiener  Beckons  angehorcn,  ja  or  urtheilte  woiter,  dass  sie  eben 
subapenninen  Schichten,  den  pliocaenen  Schichten  Siciliens,  gleichen  und  schliess- 
lich,  dass  ihre  Fauna  der  jetzigen  Thierwelt  verwandter  ist,  als  der  dcs  italieni- 
schen  Pliocaens. 

Unsere  Rosultate  fiihren  uns  nicht  zu  einom  lihnlichen  Schlusse.  Reuss 
wurde,  nioiner  Ansicht  nacli,  dutch  die  Faunon  von  Abtsdorf  und  Triebitz  irre- 
gefuhrt,  betreffs  welcher  er  sich  natiirliclier  Weise  keinen  Rath  wusste,  woslialb  or 
sie  in  den  Boreich  der    sannatischen  Stufo  gestellt  hatte. 

Der  Faunencharakter  des  miocaenen  Meerbusens  in  Ostbohmen  bcstatigt 
nur  das,  was  die  in  das  bohm.-mahrischfl  Plateau  vorgoschobonen  Tiefseefaunen  von 
Borafi,  Kralic  niichst  Niiiugst  u.  d.  Oslava,  I'orna  bei  Lysic,  Hoskovic,  Knilmic  etc. 
rnit  Evidenz  zu  Tage  treteu  lassen.  Sie  zeigon,  dass  die  miocaene  Meeresbucht 
Ostbohmens  unmittelbar  an  ein  woitos,  grosses,  ganz  Miihren,  dann  Nieder-Oesterreich, 
Steyermark  etc.  tiberflutendes  Meet-  unmittelbar  anaetzte,  welches  liber  Ungarn  und 
den  Balkan  nach  Klein-Asien  roichto,  wiiln'ond  es  im  Norden  durch  Schlesien  mit 
der  grossen  wolhynisch-podolischen  Bucht  zusammonliieng  und  das  sich  durch  den 
Siidcn  Russlands  nach  Mittelasien  ausbreitete. 

Diese  Bucht  bestand  nur  so  lunge,  als  das  miocaene  Moor  das  westliche 
und  nordwestliche  Miihren  uberschwemmte.  Sie  liiirte  auf  miocaen  (marin)  zu  sein,  als 
der  Siiden  von  Mfthren  vom  sannatischen  Meere  eingenommen  wurde.  Damala  blieben 
auf  unsorein  Gebiete  wohl  nur  kleino  Soon  ttbrig,  die  im  Vorlaufe  dor  Congerien- 
Stufe  allmiUig  austrocknoten  und  in  dor  Diluvialzoit  vollstandig  vorschwandon; 
derm  wir  iinden  diese  Gebiete  mit  stellenweise  machtigem  diluvialeu,  offenbar  von 
Fliissen  staunnenden  Gerolle  verlegt. 


Uebersichtliches  mid  vergleichendes  Verzeichnis  dor  Ff 


aim  en 


avis  dem  ostbdlmiischei 

i  Miocaen. 

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Pisces. 

Otolitlms  (Gobius)  Frici,  Procli.   . 

„  Bohemicus,  Proch. 

,,                „  praeclarus,  Proch. 

»              „  Rudolticensis,  Procli. 

„       (Serranus)  insignis,  Proch. 
„      (Berycidarum)  Moravicus, 

n                „  pulcher,  Proch.     . 
i                „   Kokeni,  Proch. 
ii                „  fragilis,  Procli.  .    . 
•i     (inc.  sedis)  formosus,  Proch. 

0  s  t  r  a  c  o  d  a. 

Bairdia  subdeltoidoa  v.  Miinst.  sp. 
n        arcuata,  Miinst.  sp.  .    .    . 

ii        falcata,  Rss 

ii         glaberescens,  Rss.     .    .    . 
n        heterostigiua,  Rss.    .    .    . 

ii         subteres,  Rss 

ii        obesa,  Rss 

^ythere  galeata,  Rss 

bituborculata,  Rss.    .    .    . 

ii         plicata,  Miinst 

n        Edwardsi,  Riim 

ii        cinctella,  Rss 

ii        cicatricosa,  Rss 

n        angulata,  Rss 

deformis,  Rss 

n        hastata,  Rss 

»        Haueri,  Rom 

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In  der  Oolonne  .Rudehdorf  mit  einom  Sternchon  bezeichneten  Arten  siiul  nur  von  A.  E. 
1  un(i  ii  die  Literatur  eingeftthrt  worden. 


70 


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der  marinea  Tegel 


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Cythere  similis,  Rss.  .    .    . 

„         hystrix,  Rss.  .    .    . 

„         canal  iculata,  Rss.  . 

„        Haidingeri,  Rss.    . 

„         corrugata,  Rss.  .    . 

„         verrucosa,  Rss.  .    . 

„        polyptycha,  Rss.    . 

„         plicatula,  Rss.    .    . 

„  reticulata,  Rss  .  . 
Cytherella  compressa,  Rss. 
Cytheridea  Mulleri,  Miinst. 


Balanidae. 


Balanus  sp. 
sp. 


Gasteropoda. 

Conus    (Lepticonus)    Brezinae,    R. 

Hoern.  u.  A 

Erato  laevis,  Don 

Mitra  goniophora,  Bell.  .    .    .     •  , 
Columbella   (Mitrella)    fallax,    It. 

Hoern.  u.  Ai 

Buccinum  (Cominella)  Grundense, 
It.  Hoern.  u.  Ai.    .    .    . 
„       (Cominella)     Bohemicum , 

It.  Hoern.  u.  Ai 

n       (Niotha)  Schdni,  R.  Hoern. 

u.  A 

„       (Zeuxis)  Hoernesi,  It.  Hoern. 

u.   A 

„       reticulatum,  Linns'     .    .    . 
Chenopus  (Aporrhais)  alatus,  Eichw. 
„  „     pes  pelecani  Phil. 

Triton    (Simpulum)    Tarbellianum, 

Grat 

Murex  (Oi.cenebra)  caelatus,  Grat. 

„      (Phyllonotus)  Hoernesi,  d'Anc. 
Pyrula  (Melongena)  coruuta,  Agg. 
Fusus  (Kuthria)  intermedins,  Michti. 
Pleurotoma  (Drillia)    obtusangula, 

Brocc 

„     (Mangelia)  Vauq,uelini,;Payr. 


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Cerithium  bilineatum,   Brocchi  sp. 
„          dolium,  M.  Hoern.     .    . 
„         pictum,  Bast 

„          scabrum,  Olivi    .... 

„          Arcbiinedis,  Brongn.  .    . 
„         bicarinata, 

Scissurella  transylvaiiica,  Rss.   .    . 
„          depressa,  Rss 

Vennetus  arenarius,  Linne"     .    .    . 
»         intortus,  Lam 

Natica  redempta,  Micliti 

n       millepuiictata,  Lam.    .    .    . 
Nerita  picta,  Fer 

ii             minima,  M.  lloern.    . 

K'Sson  inflata,  Andr 

ii        Mouliusi,  d'Orb 

ii        Montagni,  Payr 

scalaris,  Dub 

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139 
140 
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142 


Risson  Venus.  d'Orbig 

Hydrobia  Frauenfeldi,   M    Hoern 
„  Frauenfeldi  var.  Boheniiea 

Proch 

„  concinna,  Sowerb.  .    .    . 

Melanopsis  impressa,  Kraus.  .    .    . 

„  tabulata,  M.  Hoern.     . 

Bulla  miliaria,  Brocc 

„       conulus,  Desliayes     .... 

„      Broccii,  Michel 

„       truncata,  Adams 

Lajonkaireana,  Bast.    .   .    . 

Fissurella  Italiea,  Defr 

„  clypeata,  Grat 

Puncturella  ornata,  Rss.     .    . 

Emarginula  clathrataeformiB,  Ficliw 

Dentaliuin  Badense,  Partsch.      .    . 

„  mutabile,  Doderl.  .    .    . 

„         Jani,  M.  Hoern.    .   .   . 

„  entalis.  Linn^    .... 

Michclotti,  M.  Hoernesi 


C  h  i  t  o  n  i  d  a  e. 

Chiton  fascicularis,  Linne"  var. 

„  multigranosus,  Reuss  . 

„  denudatus,  Reuss    .    . 

„  lepidus,  Rss 

„  rariplicatus,  Rss.    .    . 

„  siculus,  Gray?     .    .    . 

„  decoratus,  Rss.    .   .   . 

„  Reussi,  Proch.     .    .    . 


Lam  el  lib  ranch  i  at  a. 


Gastrochaena  dubia,  Pan.  . 
Teredo  Norwegica,  Spongier 
Saxicava  arctica,  Linne  . 

I'sammobia  sp 

Corbula  gibba,  Olivi    .    . 

„        carinata,  Dujard, 

?   Mactra  fragile,  Proch. 

Venus  fasciculata,  Rss.  . 

multilamella,  Lam 

,      Basteroti,  Desh.  . 


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184 


Mont. 


Cytherea  sp. 
Cyrce  minima 

Telliua  sp 

Cardium  papillosum,  Poli.  . 
Opatovense,  Proch. 
Chama  gryphoides,  Linne"  . 
Lucina  miocaenica,  Michti. 

„        Dujardini,  Desli.  .    . 

„        spinifera,  Mont.  .    . 

n        dentata,  Hast.  .    .    . 

„        Aggasizzii,  Michti.  . 

n        strigilata,  Rss.     .    . 

„        exigua,  Eichw.     . 
Erycina  Boheurica,  Proch. 
Cardita  rudista,  Lam.    . 
„        Partschi,  Gold!'. 
„       calyculata,  Linne" 
„        scalaris,  Sow.    . 
Nucula  nucleus,  Linne"    . 
Nucinella  ovalis,  Wood. 
Leda  fragilis,  Chunn.  .    . 

»      nitida,  Brocc.     .    . 
Area  Noae,  Linne"    ... 

n     barbata,  Linne  .    . 

»     Bohemica,  Rss.  .   . 

)i      diluvii,  Lam.  .    . 

»      lactea,  Linnd  .    -    . 

»      clathrata,  Defr.  .    . 

»     pseudolima,  Rss.    . 

Modioia  Hoernesi,  Rss.  . 

n         biforuiis,  Rss.    . 

»         uiarginata,  Eichw 
Pecten  substriatus,  d'Orb. 
Malvinae,  Dub.    . 

»       elegans,  Andr.    . 
opondylus  heteracanthus, 

n  Gussonei,  Costa 

Ostrea  cochlear,  Poli.     . 

n         Boblayi,  Desh.    . 

■I        digitalina,  Dub.  . 

»        giengensis,  Schlotl 

H         crassissiina,  Lam. 


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arinen  Tegel     d. 

brack.  'IVgel 

Steinabrunn 

Grund 

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217 

Brachiopoda. 
Agriope  decollata,  Chemnitz  .    .    . 

„        squamata,  Eichw 

Megerlea  oblita,  Michti 

Bryozoa. 

Hornera  hippolythus,  Defr.    .    .    . 
Celleporaria  globularis,  Bron.    .    . 

Hetepora  stipilata,  Rss 

Salicornaria  farciminoides,  Joliust. 

Echinodermata. 
Diadema  Desori,  Rss.  (Stacheln)  . 

Vermes. 
Serpula  manicata,  Rss.   . 

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A  n  t  h  o  z  o  a. 

Caryopliyllia  leptaxis,  Rss.     . 
Paracyatlius  firmus,  Phil.  sp. 
Thecocyathus  velatus,  Rss.     . 

„             iiiicrophyllus,  Rss 
Syzygophyllia  brevis,  Rss.  .    . 
Mycetopliyllia  liorrida,  Rss.   . 
Astrocaenia,  ornata,  M.  Edw.,  u. 
Astraea  crenulata,  Goldf.    .    . 
Solenastraea  tenera,  Rss.    .    . 
Cladangia  couferta,  Rss.     .    . 
Balauophyllia  varians,  Rss.     . 
Porites  incrustans,  Defr.  sp.  . 

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Die    F1  ii  u  ii  a 


der  marinen  Tegel 


F  o  r  a  m  i  n  i  1'  e  r  a. 

Miliolina  Bronniana,  d'Orb 

„        conf,  consobrina,    d'Orb 
Textularia  carinata,  d'Orb.    .   . 

„         abbreviata,  d'Orb.    . 

„         Hauerii,  d'Orb.     .    . 

„  spec 

Verneuillina  spinulosa,  Rss   .   . 
Bulimina  affiais,  d'Orb 

„         ovata,  d'Orb 

„        pupoides,  d'Orb.  .    .    . 

„        Bucheana,  d'Orb.    .   . 

„  aculeata,  d'Orb.  .  .  . 
Virgulina  Schreibersiana,  C2i2.  . 
Bolivina  robusta  Brady.     .    .    . 

„  punctata,  d'Orb.  .  .  . 
Lagena  Btrumosa,  Rss 

n        spec 

Nodosaria  (G.)  laevigata,  d'Orb. 

„  venusta,  Rss.     .    .    . 

„         semirugosa,  d'Orb.    . 

„         Boueana,  d'Orb.    .    . 

„  (D)  acuta,  d'Orb.  .    . 

„  (D)  acuticauda,  Rss. 

„         (I))  elegans,  d'Orb.  . 

n  (D)  Romeri,  Neugeb. 

„         (I))  pygtnaea,   Neugeb 

»  (D)  bifurcata,  d'Orb. 

n         (D)  scabra,  Rss.   . 

Marginulina  Hoernesi,  Rss.    . 

„  siinilis,  d'Orb.   . 

^1'istcllaria  minima,  Karr.  .    . 

ii  cultrata,  Monti*.    . 

ii  calcar,  d'Orb.  .    .    , 

n  Austriaca,  d'Orb. 

,,  intermedia  d'Orb. 

n  inornata,  d'Orb.    .    , 

n  depauperata,  d'Orb. 

1  olymorphyna  problema,  d'Orb. 
ii  inaequalis,  Rss. 

»  aequalis,  d'Orb. 

ii  digitaliua,  d'Orb. 

Globigerina  bulloides,  d'Orb. 


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280 

281 

Globigerinabulloides  var.  triloba  Rss. 
Pullenia  sphaeroides,  d'Orb.  .   .   . 
Discorbina  obtusa,  d'Orb.  sp.    .   . 
Trttncatulina  lobatula  Wal.  u.  Jac.  sp. 

„         Haidingeri,  d'Orb. 

„           Ungeriana,  d'Orb.  sp. 

„          Dutemplei,  d'Orb.  sp 

„           praecincta,  Karr.   sp. 

„           Badense,  d'Orb.   .    .    . 
Epistoinina  Partschiana,  d'Orb.  sp. 
Pulvinulina  Sclireibersii,  d'Orb.  sp. 

Rotalia  Soldanii,  d'Orb 

„       beccarii,  Linn6  sp.      .    .    . 

Nonionina  communis,  d'Orb.  .    .    . 

„           umbilicata,  Mont.  sp.   . 

„          Bou&ana,  d'Orb.    .    .    . 

Polystomella  crispa,  Lain 

„             flexuosa,  d'Orb.     .    . 
„             striatopunctata,  Ficht. 

„             inacella,  Ficht  u.  Moll. 

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Kritisches  illustriertes  Verzeichnis 

der  fossilen  Arten  der  miocaenen  Sedimente  von  Ostbdhmen. 


TOlithus  (Gobi  us)  Fritfi,  Prochdzlca.  Fig.  1.  —  Derselbe  weist  einen  langlich- 
ot'thogonalen  Umriss  auf,  ist  vorne  schwach  vereugt,  9  mm  lang,  5  mm  breit,  2  mm 
dick.  Der  Vorderrand  ist  mftssig  ausgeschnitten,  dor  Ventralbrand  beinabe  gerade, 
nur  hinten  oft  umgebogen  und  sozusagen  aus  zwei  Theilen  bestehend,  von 
denen  der  caudal-dorsale  kleiner  als  der  caudal-ventrale  und  ausserdem  ein 
bischen  nach  hinten  gebogen,  im  Ubrigen  aber  gerade  ist.  Der  Dorsalrand  ist 
Qagegen  gewohnlich  bogenformig  und  bei  dom  Hinterrande  in  cinem  starken 
Bogen  ausgespannt.  Die  Aussonsoite  der  Sagitta  wdlbt  sich  auf  der  Ventral- 
se'te  stftrker  aus  als  auf  der  gegeniiberliegenden  dorsalen,  librigens  ist  sie 
g'att,  oluie  Zierrath  und  Schichtenlinien  und  neigt  sich  iniissig  gogen  die 
schwach  zugescblrften,  zahnlosen  Riinder  zu.  Dor  verliiiltnissmiissig  broite  und 
ziemlich  tiefe  Sulcus  acusticus  tlieilt  die  innere  Fliiche  der  Sagitta  in  zwei 
ungleich  grosse  H&lften,  von  denen  die  ventrale  grosser  ist  als  die  dorsalo. 
Der  Sulcus  stellt  eiue   rinnenformige  Vertiefung  dar,  die  in  der  Mitte  schwach 


Fig.  2.     Otolithus   (Gobius)    Bohemicus, 

I'rooli.  llndelsdorf.  %  vergrOssert. 
a,  Ausson-,  b  Innenseite   der  Sagitta. 


f,'0-  I-    Otolithus  (Gobius)   Fri6i,  Proch. 
«udelsdoi-f.   */,  vergrOssert.  a  Aussen-, 

b  Innenseite  der  Sagitta. 

©rengt,    an    den    Enden   ungleich   stumpf  zugespitzt  ist.    Auf  seiner  inneren 

'ache  gibt  es  kerne  Spur  von  Colliculen,  ebenfalls  ist  es  unmoglich  die  Scheide 

'Wischen   dem    Ostium   und    der    Cauda   genau  zu  bestimmen.    Diese    scheint 

'  T0'1  (lieJeni8'e  Stelle   angedeutet  zu  sein,   wo  der  Sulcus  am  stiirksten  abge- 

ennttrt  ist.    Die  Crista  superior  stellt,    obwohl    sie  stark  entwickelt  ist,    doch 

r    eme    niedrige,    schwache  und  stumpfe  Kante  vor,    welche  boim  carinalen 

caudalen   Ende   auf  einmal   verschwiadet,   Der  gegenttberliegende,  d.  i. 


78 


caudale,  Rand  des  Sulcus  ist  am  Anfang  der  hinteren  Hiilfte  nach  oben  ge- 
bogen.  Auf  beiden  Seiton  dieses  Bogens  liegt  je  ein  concaves  Griibchen.  Ober- 
halb  der  Crista  zieht  sicli  cine  verhaltnissmasig  ziemlich  geriiumige  Area  hin, 
welche  gegen  den  Dorsalraud  zu  allmalig  verschwindet.  Entlang  des  Ventral- 
randes  verliiui't  eine  sehr  schraale  Furche,  welche  die  Ventralflache  der  Innen- 
seite  der  Sagitta  begrenzt.  Diese  Fliichc  ist  ziemlich  charakteristisch,  verhiiltnis- 
miissig  hoch  gelegt  und  oben  tlach. 

Die  Art  Otol.  Frici  stimmt  mit  keiner  Art  der  Gruppe  der  Gobiidae 
iiberein ;  es  ist  also  unmoglich,  sie  mit  irgend  einer  bckannten  Species  in  cine 
und  dieselbe  Gruppe  einzureihen.  Sie  unterscheidet  sich  durch  ihre  Merkmale 
so  vollkommen  von  alien  iibrigen,  dass  man  sie  augenblicklich  erkennen  muss. 

Am  nachsten  steht  sie  noch  der  Species  0.  praeciosus,  aber  trotzdem  fallt 
es  nicht  schwer  sich  zu  uberzeugen,  dass  sie  von  derselben  gewichtige  Merk- 
male trennen.  Man  sieht,  dass  einerseits  die  Gestalt  der  Sagitta  tiberhaupt 
abweicht,  anderseits  die  Sagitta  bedeutend  grosser  ist  und  einen  nicht  nur 
breiteren  und  langeren,  sondern  auch  abweicliend  geformten  Sulcus  besitzt.  — 
Bister  ist  diese  Art  nur  vom  Rudelsdorfer  gelben  Tegel  her  bekannt,  wo  sie 
den    bisberigen    Erfahrungen   gemass  verhaltnismassig   sehr    selten   vorkommt. 

Otolithus    (Gobius)    Bohe miens,    Prochiiska.    Fig.  2.   —   3  mm  lang,  P5  mm 

breit,  t  mm  dick.  Diese  kleine  Art  ist  schon  bei  einer  gelaufigen  Betrachtung 
(lurch  ihren  Umriss  auffallend.  Ihre  Kigenschaften  treten  jedoch  viel  Btarkei' 
zutage,  wenn  wir  sie  eingeliend  beobachten.  Und  da  fallen  uns  die  Rander 
auf:  der  carinale  und  der  caudale,  welche  einen  bogenformigen  Ausschnitt 
besitzon.  Verhiiltnissmiissig  sehr  tief  erscbeint  der  Ausschnitt  des  Carinal- 
randes,  der  zugleich  lang  ist.  Der  dorsale  und  ventrale  Rand  ist  auch  zu- 
gescharft,  ganz  und  obne  zahnchenformigen  Zierath.  Dieser  zieht  sich  fast 
geradelinig  hin,  jener  kriimrnt  sich  zu  einem  hinten  starker  gekrummten  Bogen. 
Die  Aussenseite  der  Sagitta  ist  glatt,  unter  einer  starken  Loupe  crblickeu  wir, 
dass  sie  von  coucentrischen  Schichten  bedeckt  ist.  Sie  wolbt  sich  gieichmassig- 
erreicht  in  der  Mitte  Hirer  Peripherie  ihre  maximale  Iliihe,  von  wo  aus  sie 
sich  gegen  die  Rander  hin  gieichmassig  neigt.  Die  Innenscite  der  Sagitta  ist 
tlach,  durch  den  Sulcus  acusticus  in  zwei  beinahe  gleicho  Halften  getheilt, 
von  denen,  bei  einer  sorgfaltigen  Untersuchung,  die  obere  urn  ein  bischen 
grosser  als  die  untere  erscheint.  Sulcus  fallt  durch  seine  schaufelfurmige  Ge- 
stalt auf.  Sein  V-ordertheil,  das  Ostium,  ist  breit,  vorne  zugespitzt,  besser 
gesagt  gekantet  durch  gerade,  in  einem  spitzen  Wiid<;el  zusamiiienlaufende 
Seiten.  Sein  Hintertheil  hat  eine  rinnenformige  Gestalt,  ist  verliiiltuismassig 
ziomlich  tief  und  hinten  durch  einen  Halbkreis  geschlossen.  Auf  der  Dorsal- 
seite  findet  sich  auf  der  Kante  des  Sulcus  eine  sehr  niedrige,  schwach  zuge- 
scharfte  Kante,  welche  sich  nach  riickwiirts  hin  zieht  und  dann  allmiilig 
verschwindet.  An  der  entgegengelegenen  Seite  dieser  Kante,  der  Crista  superior, 
liegt  der  stumpfe  Rand  des  Sulcus,  der,  inwieweit  er  das  Ostium  umrandct, 
schwach  bogenformig  ist,  wiihrond  er  entlang  dor  ganzen  Cauda  beinahe  gerade 
ist.  Hinter    der  Crista  erstreckt  sich  eine    seichtc  Area,,    welche  gegen  hinteu 


79 


yich  erweitert  und  in  dem  Masse  verschwindet,  je  mehr  sie  sich  dem  Dorsal- 
rand  nahert. 

0.  Bohemicus  erinnert  iin  ersteu  Augenblicke  an  jugendliche  Stadien  des 
0.  Frici.  Ich  habc  ilin  auch  eine  langere  Zeit  hindurch  dafur  gehalten.  Ein  reicheres 
Material  hat  inicli  jedocli  belehrt,  dass  liier  zwei  ganzlich  versehiedene  Artec 
vorliegen.  Die  Gestalt  der  Sagitta,  die  verhaltnissmas3ige  Grfisse  des  Sulcus 
gegenllber  den  Dimensionen  derselben,  die  Gestalt  und  Grosse  der  Cauda  und 
des  Ostium  unterstiitzen  diese  Ansicht,  ohne  die  kleinsten  Zweifel  zuzulassen. 
Die  Sagitta  ist  bei  unserer  Art  immer  vierseitig,  beiin  0.  Frici  liiiiglich,  das 
Ostium  ist  viel  breiter  als  die  Cauda,  was  bei  der  vorigen  Art  nicht  der  Fall 
■st,  es  Hiosst  bei  derselben  vielmehr  das  Ostium  mit  der  Cauda  enge  zusaminen 
und  lasst  keine  Scheide  zuriick.  Meinen  bisherigen  Erfabrungen  gemiiss  ist 
diese  Art  in  den  marinen  Sedinienten  des  buhmischen  Miocaens  verhiiltnis- 
tnassig  genug  verbreitet,  Sie  wurde  namlich  nicht  nur  im  Rudelsdorfer,  somBrn 
auch  im  Triebitzer  und  Abtsdorfer  Tegel,  und  zwar  auf  dieser  letzten  Fund- 
8tatte  sowohl  in  den  Austern  —  als  auch  in  der  oberen  Bank  entdeckt. 

'ollthuB   (Goblus)   praeclarug,   Prochdtka.   (1893.  Mioeaen  zidlochovicky"  na 

Morave  a  jelio  zvfrena.  str.  63.,  tab.  III.,  vzor  4.)  In  den  Bereich  dieser  Art 
stelle  ich  provisoricb  zwei  Sagitten,  die  vielleicht  spater,  bis  ein  reicheres 
"ergleichsmaterial  vorliegen  wird,  als  eine  neue  Art  aufgestellt  werden.  Einige 
von  iln-en  Merkmalen  zeugen  wenigstens  dafiir.  In  erster  Reilie  ist,  die  Form 
ues  Ventralrandes  zu  beachten,  welche  von  derjenigen  der  typischen  Individuen 
dieser  Art  abweicht,  ferner  bestatigt  auch  die  Grosse  der  Sagitta  diese  An- 
Schauung.  Inwieweit  jedoch  diese  Ansicht  richtig  ist,  wird  nach  meiner  Mei- 
nu'ig  erst  die  Zukunft  entscheiden.  Die  horizontale  Verbreitung  dieser  Art  ist 
nicht  minder  interessant.  Typische  Vertreter  habe  ich  im  unteren  Mergel  des 
■'hon  bei  Gross-Seelowitz,  ferner  im  Drnovicer  Mergel  (Mahren),  im  Tegel 
v°n  Walbersdorf  (Ungarn)  und  im  Grinzinger  Mergel  (Nieder-Oesterreich)  sicher 
gestellt.  In  unserem  ostbohmisehen  Gebiete  ist  die  Art  ziemlich  selten,  sie 
w,»'de  bis  jetzt  nur  im  Rudelsdorfer  Tegel  sichergestellt. 

0  lthns  (Gobltts)   Rudoltlcensig,  Proohdxha.  Fig.  3.  1  mm  lang,  1  m  breit, 

■mm  dick.  Sagitta  dieser  Art  ist  breit  elliptisch,  vorne  und  hinten  schwach 

•'usgeschnitten  (vorne  starker  als  hinten),  hier  breiter.  Der  Dorsal-  und  Ventral- 

,lnd  ist  bogenlormig,    dieser  miissig,  jener  stark    gebogen.     Alio  Bander  sind 

ganz  und  gestumpft.  Die  Aussenseite  der  Sagitta  ist  in  der  Mitte  am  stiirksten 

8  wolbt,  iin-  gerundeter  Riicken  neigt  sich  gegen  die  Bander  bin  allmiilig,  aber 

gleichmassig.  Er  ist  kahl  und  glatt.    Die  Innenseite  der  Sagitta  theilt  der  ver- 

nismfissig  breite   Sulcus  accusticus  in  cine  grflssere  dorsale  und  eine  klei- 

-  ventrale  Halfte.    Er  stellt   eine  verhaltnismassige  breite   Binne  vor,  die 

c  wach  gebogen,  genug  tief  ist  und  keine  Spur  von  einer  Theilung  in  Ostium 

<    Cauda  bemerken  liisst.  Hinten  ist  der  Sulcus  breiter  als  vorne.     Hier  ist 

el      ®ren8t  «nd  endigt  stumpf,   hinten   dagegen   ist  er  merklich    erweitert  und 

rch    eine    bogentormige    Stufe    begrenzt.     Seinen    Dorsalrand    begrenzt  eine 

'  de  Kante,  Crista  superior,  weleher  gegenllber  der  sehr  niedrige,  stumpfe 


80 

Ventralrand  liegt.  Area  seicht,  ziemlich  geraumig.  Die  Ventralfurche  zwar 
sehr  eng,  aber  scharf  und  bemerkbar.  0.  RudoMicensis  erinnert  ziemlich  leb- 
haft  an  O.  Bohemicus,  unterscheidet  sich  jedocli  von  demselben  einerseits  durch 
die  Gestalt  des  oberen  und  rixckwartigen  Theiles  der  Sagitta,  andererseits  durch 
den  abweichenden  Charakter  des  Sulcus.  Von  den  iibrigen  Arten  ist  er  leichter 
zu  unterscheiden,  als  von  der  vorigen.  -  -  Bis  jetzt  gelang  es  mir  nicht,  diese 
interessante  Art  anderswo  als  im  gelben  Tegel  von  Rudelsdorf  sicherzustellen. 

Otolithus  (Gobius)  elegans,  Prochdsha,  Fig.  4.  1-3  mm  lang,  1-6  mm  breit, 
0'8  mm  dick.  Er  ist  von  eiuera  vierseitigen  Umriss,  die  Ecken  sind  abge- 
stumpft.  Den  Vorder-  und  Hinterrand  hat  er  sehr  schwach  ausgeschnitten,  und 
zwar  den  letzteren  starker  als  den  vorderen.  Diese  Ausschnitte  vertiefen  sich 
am  oberen  Ende  mehr  als  am  entgegengesetzten  unteren.  Der  Hinterrand  ist 
am  Ventralende  —  dort,  wo  er  mit  dem  Ventralrande  zusammenliiuft,  —  schiel 
zugeschnitten.  Der  Ventralrand  zieht  sich  fast  geradlinig  li in  und  ist  in  dor 
Mitte  schwach  bogenformig.  Dagegen  ist  der  Dorsalrand  in  einem  sehr  starken 
und  regelmassigen  Bogen  gewiilbt.  Gegen  diese  geraden  jedoch  stumpfen,  zier- 
losen  Rauder  neigt  sich  gleichmiissig  die  Aussenseite  der  Sagitta,  welche  glatt 


^jga?«v 


Fig.  3.  Otolithus  (Gobius)  Rudolticensis, 

I'roch.  Rudelsdorf.  "/,  vergrossert. 
a  Ausscn-,   b  Innetiseite  der  Sagitta. 


Fig.  4.  Otolithus  (Gobius)  elegans,  Proch 

Rudelsdorf.  '';,   vergrflssert 
a  Aussen-,   h  Innonseite  der  Sagitta. 


und  ohne  jedwede  Scnlptur  ist.  Die  Innonseite  der  Sagitta  ist  flach,  durch 
den  Sulcus  acusticus  ungleichmiissig  getheilt.  Dieser  stellt  cine  gebrochene, 
aus  zwei  in  einem  stumpfen  Winkel  zusamni(mlaufenden  Theilen  bestehende, 
verhiiltnismassig  lange,  breite  und  tiefe  Rinne  vor.  Sein  Vordertlieil  —  Ostium 
—  verlauft  schief  gegen  unten  und  ist  breiter  als  der  Gaudatheil;  das  Ostium 
ist  von  zwar  schwach,  aber  dock  genug  merkbar  bogenformigen  Seiten  begrenzt. 
Der  caudale  Theil  des  Sulcus  breitet  sich  in  Centrum  der  hinteren  Hiilfte  der 
Sagitta  aus,  liegt  in  der  horizontalen  medialen  Linie  dieser  letzteren  von  geraden, 
hinten  unter  einem  stumpfen  Winkel  zusammenlaufenden  Riindein  umgeben. 
Dort,  wo  der  ubrige  Theil  mit  dem  caudaleu  zusammenhangt,  schiesst  ein  win- 
ziger  Ausschnitt  gegen  den  Dorsalrand  ab,  ohne  grossere  Dimensionen  zu  ei" 
reichen.  Entlang  des  Dorsalrandes  des  Sulcus  verlauft  die  Kante  Crista  supe- 
rior, dadurch  ausgezeichnet,  dass  sie  riickwiirts,  inwieweit  sie  die  Cauda  begrenzt, 
ziemlich  merklich,  dagegen  im  hinteren,  carinalen  Theile  sehr  schwach,  kaum 
bemerkbar  ist.  Area  ist  seicht,  in  der  Niihe  der  Crista  superior  erreicht  sie  die 
maximale  Tiefe,  gegen  den  Dorsalrand  zu  wird  sie  rapid  seichter.  Parallel  dem 
Ventralrande  verlauft  eine  sehr  schmale  Furehe,  welche  die  schwach  gewiilbte 


Ventralflache  begrenzt.  Die  Art  0.  elegant  ist  nach  der  Form  dor  Sagitta  von 
der  Art  0.  praeclarus  niclit  zu  unterscheiden,  so  lihnlicli  sind  sic  elnander. 
Man  wird  sie  aber  gleich  unterscheiden,  sobald  man  ihre  Sulci  bemerkt.  Die 
Unterschiede  sind  ja  auffallend  und  wahrhaft  gewichtig.  Das  Hauptgewicht 
ruht  auf  der  Form  des  Sulcus,  erst  in  zweiter  Reihe  auf  dem  Verhaltnisse 
des  caudalen  Theiles  zu  dem  ostialen.  —  Bisher  nur  im  gelben  Tegel  von  Ru- 
delsdorf  sichei'gestellt. 


Fig.  5.  Otolithus  (Serranus)  insignis.  Proch.  Abtsdorf.  '/i  vergr. 
a  Ausscn-,  b  Innenseite  der  Sagitta. 

Otolithus  (Serranus)  insignis,  Prochdzka.  (1893,  loc.  cit,  str.  62,  tab.  II., 
vzor  9.)  Fig.  5.  Das  vorliegonde,  schon  erhaltene  Exemplar  vom  Abtsdorfer 
gelben  Tegel  ist  3  mm  lang,  2  mm  breit,  05  mm  dick.  Es  ist  besser  erhalten 
als  moin  Original  aus  dem  unteren  Merge]  des  Vojhon  bei  Gross-Seelowitz  in 
Mahren.  Wenn  man  das  Exemplar  von  Abtsdorf  mit  jenem  von  Vojhon  vergleicht, 
scheint  es,  allerdings  nur  einen  ganz  kurzen  Augenblick,  dass  sio  von  einander 
abweichcn.  Das  Exemplar  von  Abtsdorf  bietet  niimlich  ein  vollkommenes  Bild 
dieser  prachtigcn  Art;  deshalb  habe  ich  os  audi  hier  abgebildet.  Des  Original 
von  Vejhon  hat,  wie  hier  erwiihnt  wordon  soil,  das  Rostrum  abgebrochen.  An 
diosem  Originalo  sind  die  Randziihnchen  und  Lappen  nur  angedeutet,  am  Abts- 
dorfer dagegen  scharf  begrenzt,  also  leicht  kenntlich.  Verhaltnissmiissig  tiefe 
Furchen  begrenzen  diese  Lappen,  welche  sich  in  das  Innere  der  Sagitta  fort- 
setzen  und  dort  in  Rippen  iibergehon. 

"tollthns  (Berycidarum)  Moravleus,  Prochdzka.  (1894,  loc.  cit.  str.  57.  tab. 
III.,  vzor  1.)  Fig,  6.  —  Bis  jetzt  ist  es  mir  gelungen  nur  ein  einziges  Exem- 
plar dieser  im  heimischen  Miocaen  vielleicht  am  weitesten  verbreiteten  Art  her- 


Fig.  6.  Otolithus    (Berycidarum)  Moravicus,  Proch.  Rudelsdorf.  "/,  vergr. 

a  Aussen-,  l>  Innenseite  der  Sagitta. 


auszuschlemmen.  Wie  liberal!  wurde  sie  audi  hier  vorztiglich  erhalten  gefunden. 
Keine  selbst  kleinste  Spur  irgend  einer  Beschadigung  zeigt  ihre  Sagitta.  Audi 
oietet  sie  keine  Unterschiede  voii  den  typischen  Vertretern.  Ausser  dem  Rudels- 

o 


82 


dorfer  Tegel,  gelber  Bank,  ist  diese  Art  aus  dem  Mergel  von  Vejhon  bei  Gross- 
Seelowitz,  aus  den  Tegeln  von  LaMnky,  Rudice,  Lomnice,  Bejkovice,  Bosko- 
vice,  Rcpka  und  Knihnice,  fernor  aus  den  Mergeln  von  Drnovice,  Cerna  Hora, 
Kralice  bei  NamSSf  an  der  Oslava,  Sudice  und  Jaromefice  (Mahren),  endlich 
aus  den  Meudorfer  Sanden  (Niederosterreich),  aus  dem  Ottnanger  Schlier  (Ober- 
osterreich)  und  aus  dem  Walbersdorfer  Thone  (Ungarn)  bekannt. 

Otolithus  tBerycidarum)  pulcher,  Prochdtka.  (1893,  1.  c.  str.  53,  tab.  III., 
vzor  7.)  Schon  erhaltene  Sagitten  von  dieser  interessanten  Art  kann  man  im 
Tegel  von  Rudelsdorf  und  Lukava  verhaltnissmiissig  ziemlich  hauflg  finden.  Meine 
bisherigen  Erfahrungen  iiber  ihr  Vorkommen  im  bohmischen  marinen  Tegel 
decken  sich  mit  den  Erfahrungen,  die  icli  an  zalilreiehen  miihrischen  Futid- 
orten  gemacht  habe.  Ich  schliesse  daraus,  (lass  auch  diese  Art  in  dem  Masse, 
wie  sie  fiir  das  marine  Miocaen-Gebiet  Miihrens  und  Nieder-Oesterreiehs  charak- 
teristisch  erscheint,  auch  fur  das  bohmische  Gebiet  wichtig  ist.  Wie  verbreitet 
sie  ist,  daruber  geben  die  zablreichen  unten  angefuhrten  Fundstatten  ein  klares 
Zeugnis.  Hier  hebe  ich  noch  hervor,  dass  sich  auch  unsere  bohmischen  Exom- 
plare  des  0.  pulcher  durch  alle  jene  Merkmale  auszeiclinen,  welche  die  typi- 
schen  Exemplare  von  Mahren  und  Nieder-Oesterreich  charakterisiren.  Ausser 
aus  dem  golblichen  Tegel  von  Rudelsdorf  und  dem  blaulichen  von  Lukava  fuhre 
ich  diese  Art  von  folgenden  Fundorten  an:  unterer  Mergel  von  Gross-Seelowitz, 
Bora6,  Lomnicka,  Bejkovice,  Perna  bei  Lysice,  Boskovice,  Repka,  Knihnice, 
TiSnov,  Lysice,  Drnovice,  Kralice  nachst  Nam6§<  an  der  Oslava,  Jaromerice, 
Lomnice,  Sudice,  Bedfichovice  (Bellowitz)  nachst  Brunn  (Miihren';  Nussdorf 
(Nieder-Oesterreich);  Walbersdorf  (Ungarn). 

Otolithus  (Berycldarum)  Kokeni,  Prochdeka.  (1893,  1.  c.  str.  59,  tab.  III., 
vzor  3.)  Fiinf  schon  erhaltene  Exemplare  von  dieser  wichtigen  Art  ist  es  mir 
bisher  nur  im  Budelsdorfer  gelben  Tegel  sicherzustellen  gelungen.  Die  Dimen- 
sionen  aller  gleichen  den  Dimensionen  der  typischen  Individuen,  die  an  ver- 
schiedenen  Orten  im  Gebiete  des  mahrischen  Miocaeus  entdeckt  wurden.  Nur 
durch  natiirliche  Merkmale  unterscheiden  sicli  diese  von  den  erwiihnten  Typon- 
Der  Unterschied  besteht  zuerst  darin,  dass  sie  die  Rander  fast  ganz  haben, 
der  Zahnchen  entbehrend,  die  man  nur  angedeutet  sielit.  Der  Ausschnitt  des 
Hinterrandes  ist  bei  unseren  Individuen  nicht  so  tief  und  kenntlich  wie  bei 
den  mahrischen.  Dieses  Merkmal  hat  zur  Folge,  dass  die  Sagitta  cine  fast 
ganz  ovale  Gestalt  annimmt.  In  den  wesentlichen  Merkmalen  herrscht  dagegen 
eine  vollstandige  Uebereinstimmung.  Ausser  der  erwahnten  Localitat  im  A'w- 
ddsdorfer  Tegel  wurde  0.  Kokeni  im  Tegel  von  Gross-Seelowitz,  Lazanky, 
Boskovice,  Knihnice,  Jaromefice,  Lomnicka,  Kralice  (Mahren) ;  im  Tegel  von 
Walbersdorf  (Ungarn)  und  Lapugy  (Siebenbiirgen)  entdeckt. 
Otolithus  (Berycldarum)  fragilis,  Prochdmha.  (1893,  1.  c.  str.  60,  tab.  Ill, 
vzor  11.)  Diese  hoehinteressante  Species,  die  ich  zuerst  in  dem  unteren  Mergel 
von  Vejhon  bei  Gross-Seelowitz  in  Mahren  gefunden  habe,  von  wo  sie  darin 
in  die  Sedimente  der  bohmischen  miocaenen  Meeresbucht  tlbergeht,  kommt  in 
Mahren  ziemlicli  haufig  vor.  Das  vorliegende  bohmische  Exemplar  hat  alle 
Merkmale,  welche  die  typischen  Individuen  auszeiclinen,   und   zwar   nicht  nur 


83 

aussere,  sondern  auch  innere  Merkraale,  insbesoadere  was  den  Sulcus,  die 
Grosse  und  Gestalt  der  Sagitta  anbetrifft.  Es  ist  ausgezeicbnet  erhalten  und 
entbehrt  selbst  dor  kleinsten  und  nebonsiichlicben  Merkmale  nicht.  Im  Rudels- 
dorfer  gelben  Tegel  selten,  hiiufiger  ira  untoren  Mergel  ties  Vejhon  in  Mahren. 
Otolithns  (inc.  sedis)  formogus,  Prochdsha.  Fig.  7.  —  1  mm  lang,  0  8  mm 
breit,  04  mm  dick.  Er  hat  einon  oval  on  Umriss,  die  Rander  sind  in  einen 
Saum  verflossen,  stumpf,  ganz,  ohne  Ziihnclien  und  jedwede  Sculptur.  Sein 
dorsaler  Rand  ist,  ebenso  wie  dor  ventrale  und  der  can  lale,  obenso  wie  dor 
carinale  bogcnformig.  Die  Aussenseite  der  Sagitta  wolbt  sich  gleichmassig, 
doch  sehr  massig  und  erroicht  ungei'iihr  in  dor  Mitte  die  maximale  Hone. 
Uebrigens  ist  sie  tief  und  nur  vorne  ist  ein  spiessformiges  Feld  zu  sehen, 
dem  Sulcus  entsprechend,  don  eiue  selir  wenig  verstarkte,  nur  mit  einer  starken 


L  Ifr    OBfr 


Fig.  7.  Otoiithus  (inc.  sedis)  formosus,  Prooh.  Rudelsdorf.  6/i  vergr- 
a  Aussen-,  b  Innenseite  der  Sagitta. 


Loupe  sichtbare  Kante  begrenzt,  die  in  dem  Masso  verschwindet,  wie  sie  in 
die  Mitte  dor  Sagitta  auslauft.  Das  Innere  dieser  letzteren  ist  schwacb  gewolbt. 
Vom  carinalen  Raude  erstreckt  sicb  oin  spiesformiger  Sulcus  acusticus  bis 
hinter  das  zweite  Drittol  dos  Durchmcssers  (von  vorne  nacb  hinten  gemessen). 
Der  Sulcus  ist  ausgefilllt,  sein  Boden  liegt  in  der  Hiilie  dor  boiden  Sagitta- 
Halften  und  untersckeidct  sich  von  diosen  (lurch  oine  intensivere  F&rbung. 
Parallel  den  Riuidern  verlauft  eine  schwacho  Furche  bis  zum  Sulcus.  Crista 
superior  ist  kauni  merkbar,  Area  ebenfalls  stark  reduciert,  nur  durcb  eine 
sehr  schwache  Depression  angedeutot.  Ich  konno  bisher  keine  Otolithengruppe, 
i"  die  ich  diese  hochintoressante  Art  mit  Sicherheit  oinreihen  konnte.  Durch 
die  Lage  des  Sulcus  stimmt  sie  noch  am  moisten  mit  der  Lage  der  Rhine  von 
Solea  iiberein.  Abcr  der  Sulcus  der  Solea-Specion  ist  bekanntlich  immer  vertieft 
und,  was  wichtig  ist,  an  den  Enden  geschlossen,  was  alios  bei  unserer  Art 
nicht  vorkoinmt.  Schon  dieser  Unterschied  gebietet  selbstverstandlich  Vorsicht 
Es  ist  also  wiinschenswerth,  diese  Frage  auf  einige  Zeit  beiseito  zu  logon  und 
z<i  warten,  bis  mehr  abnlichen  oder  gloichen  Materials  entdeckt  werdon  wird. 
Das  vorliegende  Exemplar  land  ich  vorziiglicb  erhalten,  ja  so  vollkommen, 
dass  es  solbst  dor  kleinsten  Details  nicht  entbehrt,  die  iibrigens  vorhiiltuiss- 
massig  leicht  und  bald  zu  bemerken  sind.  His  jetzt  nur  aus  dem  Rudelsdorfcr 
_  gelben  Tegel  bekannt. 
"ftirdia  subdeltoidea,  v.  MUnster  sp.  (1840,  A.  E.  Rmss.  Die  fossil.  Entomo- 
straceen  des  oesterr.  Tertiaerbeckens.  S.  49,  Taf.  VIII.,  Fig.  1.  —  I860  1.  c. 
s-  271.)  Typischeu  Individuen  dieser  interessanten  Art  begegnen  wir  im  Gebiete 

6* 


84 


des  bbhmischen  marinen  Miocaens  sehr  selten,  Das  wird  schlagend  bewiesen 
durch  den  bisherigen  Erfolg  der  Untersuchung  dcr  dortigen  Sedimente.  Reuss 
fand  in  don  sechziger  Jahren  ihrc  Schalen  nach  einein  offcnbar  langen  Suchen, 
wiihrcnd  es  mir  tiberhaupt  weder  im  Rudelsdorfer,  noch  im  Lukauer  Tegel, 
also  in  Sedimenten  mit  einer  reichon  Fauna,  gclungon  ist.  sie  festzustellen. 
Dagegcn  ist  B.  subdoltoidna  cine  blunge  Erscheinung  itn  mahrischen,  nieder- 
oesterreichischen,  steierm&rkischen  und  audi  im  siebenbtlrgischen  Miocaen. 
Ebenfalls  ist  sie  im  Tertiaer  Italiens  und  Frankreichs  zuhause.  Sie  greift  in 
die  Priesener  und  Teplitzer  Schichton  der  Krcideformation  zuriick,  wiihrend 
sie  jetzt  bei  den  eui'opaeischen  Kiisten  lebt. 

Bairdia  arciiata,  MUnsier  sp.  (1849,  A.  E.  Eeuss  1.  cit.  S.  49,  Taf.  VIII.,  Fig.  7. 
—  18(50.  A.  K.  Reuss  1.  c.  S.  271.  —  1867.  A.  E.  Reuss.  Die  fossile  Fauna 
der  Steinsalzablagerungen  von  Wieliczka  in  Galizien,  Sitzungsb.  d.  k.  Akad. 
d.  Wiss.  55.  JB.,  S.  149.)  Ueber  diese  Art  sclireibt  Reuss  in  der  Arbeit  fiber  den 
Wieliezkaer  Thon,  dass  der  Uniriss  ihrer  Schale  bedeutend  variirt.  Das  ist 
ein  wichtiges  Merkmal ;  ich  fiihre  es  liier  nameutlich  darum  an,  dainit  es 
vielleicht  nicht  iibcrsehen  werde  und  zu  Fehltritten  Veranlassung  gebe,  bis  es 
ein  zweites  Mai  gelingt,  bei  Rudelsdorf  jene  Bank  wieder  zu  finden,  aUS 
welclier  Reuss  die  reiche  Cypridinenfauna  anfiilirt  und  besclireibt.  Reuss  bemerkt, 
dass  diese  Art  im  Rudelsdorfer  Tegel  selten  ist,  und  fiihrt  sie  noch  von 
folgenden  Fundorten  an:  Nussdorf,  Grinzing,  Mollersdorf  (Nieder-Oesterreich; 
Wieliczka  (Galizien) ;  Kostej  (Banat);  Dax,  Leognan,  Castellarquato;  ferner 
aus  dem  oberen  Oligocaen  Deutsclilands  und  dem  franzosischen  Focaen.  Nach 
Jones  lebt  sie  im  Aegaeischen  Meere,  bei  der  Kiiste  der  Insel  Tenedos  und 
in  der  Niihe  der  Bahamischen  Inseln. 

Bairdia  exllls,  Reuss.  (1849.  A.  K  Reuss,  1.  c.  S.  51,  Taf.  VIII.  Fig.  20.  - 
I860.  1.  c.  S.  271.)  Fig.  8.  —  Die  zierlichen  Schalen  dieser  interessanten  Art 
wurden  diesmal  auch   aus    dem   Triebitzer   und    Abtsdorfer,    also    brakischeu 


Fig.  8.  Bairdia  exilis,  Reuss. 

Tricbitz.  29/i  vergrOssert. 


Fig.  9    Bairdia  obesa,  Reuss. 

Triebitz.  !8/i  vergrflgsert. 
a  seitliche,  i>  ventrale  Ansicht. 


Tegel  lierausgeschleinmt.  In  den  scchziger  Jahren  hat  sie  A.  E.  Reuss  sichel'- 
gestellt,  beschrieben  und  bestiinnit,  jedoch  nur  aus  dem  marinen  Tegel  von 
Rudelsdorf, 
Bairdia  falcata,  Reuss.  (1849.  A.  E.  Rems,  1.  c.  S.  57.  Taf.  8,  Fig.  27.  - 
1860  1.  c.  S.  271.)  Wurde  ebenfalls  nur  im  Rudelsdorfer  Tegel  und  nur  von 
Reuss  sichergestellt,  und  zwar  als  eine  grosse  Seltenheit, 


85 


Bairdia  glabrescens,  Reuss.  (1849.  1.  c.  S.  89,  Taf.  X.,  Fig.  27.  -  i860  1.  c. 
S.  271.)  Diese  Art  hat  A.  E.  Reuss  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel  besclirieben 
und  aufgestellt,  wobei  er  in  seiner  Beschreibung  bemerkt,  dass  sie  dort  selten 
ist.  Von  einer  anderen  Fuudstatte  ist  sio  meines  Wissens  bisher  nicht  bekannt. 
Auch  von  anderen  Fundorten  des  bohmischen  inarinen  Miocaens  gelang  es 
bisjetzt  nicht,  sic  festzustellen, 

Bairdia  heterostigma,  Reuss.  (1849,  Cythaerina  heterostigma  A.  E.  Reuss,  1.  c. 
S.  16,  Taf.  VIII.,  Fig.  23,  24.)  Bisher  iin  brackischen  Tegel  bei  Rothwasser 
und  Abtsdorf  ziemlich  oft  sichergestellt.  Hire  Schalen  sind  dort  schon  erhalten, 
gross,  wie  in  den  Congerientegeln  z.  B.  von  Brunn  oder  in  den  Moosbrunner 
Siisswassertegeln ;  sie  unterscheiden  sich  nicht  von  den  Individuen  aus  der 
Leithakalkfacies  von  Nussdorf  und  Heiligenberger  Sanden,  wo  sie  Reuss 
entdeckte. 

"airdia  subteres,  Reuss.  (1849,  Cythaerina  subteres  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  16, 
Taf.  VIII.,  Fig.  25.')  Koinnit  mit  der  vorigen  Art  im  Triebitzer  Tegel  verhalt- 
uissnuissig  ziemlich  haufig  vor.  Auch  ilire  Schalen  sind  hiibsch  erhalten.  In 
echt  inarinen  Sedimenten  des  ostbohmischen  Miocaens,  z.  B.  bei  Rudelsdorf, 
Lukava  u.  a.  habe  icli  sie  nirgends  entdeckt.  Bisher  flihrte  sie  Reuss  aus  den 
sannatisclicn  Sanden  von  Mauer  bei  Wien  an. 

Bairdia  obesa,  Reuss.  (1849,  Cythaerina  obesa  A,  E.  Reuss,  1.  c.  S.  1G,  Taf.  VIII., 
Fig.  26.)  Fig.  9.  —  Schon  erhaltene  Individuen  dieser  Art  sind  uamentlich  im 
brackischen  Tegel  von  Triebitz  und  Abtsdorf  sehr  haufig.  Vielfach  fiudct  man 
Schalen  in  der  natiirliclien  Lage,  nur  der  Randfaltung  entbehrend.  13.  obesa 
ist  eine  vorwaltend  brackische  Art,  aber  sie  ist  auch  in  edit  marinen  Tegeln 
zuhause.  In  diesen  stellte  sie  A.  E.  Reuss  in  der  Umgebung  von  Voslau  und 
Oedenburg  fest;  ferner  entdeckte  er  sie  in  den  Congerienschichten  bei  Brunn 
nachst  Wien  und  im  Tegel  von  Gaya  in  Mahren. 

(;ythere  galcata,  Reuss  (1849,  1.  c.  Taf.  IX.,  Fig.  20.,  S.  67.  —  1870,  1.  c.  270.) 
Im  heimisclien  Miocaen  ziemlich  selten,  nur  auf  edit  marine  Sedimente  be- 
Schrankt.  In  unserem  Gebiete  wurde  diese  Art  ebenfalls  nur  in  diesen  und 
zWar  von  A.  E.  Reuss  im  Rudelsdorfer  Tegel  sichergestellt.  Ausserdem  land 
sie  Reuss  audi  im  Leithakalk  von  Wurzing,  Freibtthel  und  St.  Nicolaus  (Steier- 
mark),  ferner  im  Salzthon  von  Wieliczka   und  im  Grinzinger   Tegel  bei  Wien. 

Cythere  bituberculata,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  77,  Taf.  X.,  Fig.  21.  -■  1860,  1.  c. 
S-  270.)  Gehdrt  zur  Gruppe  der  Arten,  die  in  Sedimenten  von  ausgesiissten 
uud  echt  marinen  Gewassern  vorkommen.  Von  Reuss  wurde  sic  im  Brunner 
^egel,  der  fast  eine  Silsswasserablagerung  ist,  und  an  einigen  Stellen  in  nia- 
i'hiem  Tegel,  z.  B,  in  Wieliczka  und  bei  Hudelsdorf  in  unserem  Gebiete  sicher- 
gestellt, wo  sie  eine  seltene  Erscheinung  ist.  Ausserdem  ist  sie  aus  den  sub- 
aPenninischen  Sanden  von  Castellarquato  nachst  Parma  bekannt. 

ythere  plicata,  MUnster.    (1849,  A.  E.  Reuss,  1.  c  S.  83,  Taf.  X.,  Fig.  21.  - 
1860,  I.e.  S.  270.)     Auch  diese   Art   ist  in  miocaenen   Sedimenten    selten  und 
ausschliesslich  aid  echt  marine  Tegel  beschr&nkt,  in  denen   sie  in  der  Facies 


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des  Leithakalkes  von  Nussdorf  und  Kostel  uad  im  Rudelsdorfer  Tegel  in  un- 
serem  Gebiete  sichergestellt  wurde.  Ausserdeni  wird  sie  aus  den  Sedimenten 
von  Osnabriick,  Dax  und  Boom  angefiihrt. 

Cythere  Edwardsi,  Roemer.  (1849,  A.  K.  Reuss,  1.  c.  S.  84,  Taf.  X,  Fig.  24  — 
1860,  1.  c.  S.  270.)  Schone  Sehalen  von  dieser  niedlichen  Art  fand  icli  nament- 
lich  in  m&hrischen  Tegeln  verbreitet,  wo  sie  hie  und  da  (Lomniftka)  eine  be- 
deutendere  individaelle  Entwickelung  erreicht.  Im  Gebiete  des  marinen  Mio- 
caens  von  Ostbohmen  ist  es  mir  nicht  gelungen  sie  zu  entdecken.  Hier  wurde 
sie  n ur  von  A.  /<].  Reuss,  und  zwar  lediglich  in  marinen  Tegel  von  Rudelsdorf 
sichergestellt.  Und  wie  hier  hat  sie  derselbe  auch  im  Leithakalke  von  Nuss- 
dorf, im  Salzthone  von  Wieliczka  entdeckt,  wahrend  F.  Romer  sie  aus  ur- 
spriinglich  tertiaerem  Mergel  beschrieben  hat 

Cythere  cinctella,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  67,  Taf.  IX.,  fig.  19.  —  I860,  loc.  cit, 
S.  270.)  Diese  Ait  ist  bisher  nur  aus  den  Rudelsdorfer  Tegeln  bekannt,  von 
wo  sie  von  Reuss  beschrieben  und  abgebildet  wurde.  Reuss  bemerkt,  dass  sie 
dort  sehr  selten  ist.  Auch  an  den  ubrigen  Fuudstiitten  des  marinen  Tegels  in 
unserer  bohmischen  Miocaenbucht  ist  es  nicht  gelungen,  sie  sicherzustellen. 

Cythere  cicatricosa,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  67,  Taf.  IX.,  fig.  21.  —  1860,  1.  c. 
S.  270.)  Bisher  im  Rudelsdorfer  Tegel  nur  von  h'euss  festgestellt.  Derselbe 
schreibt  dariiber,  cr  habe  sie  dort  ziemlich  oft  gefunden.  Ausser  diesem  Fund- 
orte  entdeckte  er  sie  im  Tegel  von  Grinzing  in  Niederosterreich,  dann  im 
gelben  subapenninischen  Sande  in  der  Umgebung  von  Castellarquato  niichst 
Parma  und  im  groben  Kalksteine  von  Bordeaux.  C.  cicatricosa  lebt  im  Mittel- 
meere. 

Cythere  angalata,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  68,  Taf.  IX.,  fig.  23.  —  1860,  1.  c. 
S.  270.)  Bisher  nur  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel,  dann  aus  dein  Tegel  von 
Grinzing  und  aus  dem  Salzthone  von  Wieliczka  bekannt.  In  unserem  Gebiete 
selten. 

Cythere  deformis,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  69.,  Taf.  IX.,  fig.  25.  —  1860,  1.  c. 
S.  270.)  Uber  diese  Art  bemerkt  A.  R.  Reuss,  dass  sie  im  Rudelsdorfer  Tegel 
sehr  selten  ist.  Ich  luge  hinzu,  dass  ich  sie  weder  dort,  noch  anderswo  im 
bohmischen  Gebiete  des  marinen  Miocaentegels  gefunden  habe.  Und  doch  ge- 
hort  sie  der  Gruppe  der  im  heiinischen  marinen  Miocaen  am  weitesten  verbrei- 
teten  Arten  an.  Ich  habe  sie  selbst  an  zahlreichen  neuen  Fundstiitten  im  west- 
lichen  und  nordwestlichen  Miihren  entdeckt,  wiihrend  A.  E.  Reuss  sie  aus  dem 
Tegel  von  Nussdorf,  Steinabrunn  anfiihrt,  ferner  aus  der  Umgebung  von  Wur- 
zing,  St.  Nicolaus  und  Freibiihl  (Steiermark) ;  Lapugy  (Siebenbiirgen) ;  Kostel 
(Miihren);  ausserdem  auch  aus  dem  groben  Kalkstein  von  Bordeaux. 

Cythere  hastata,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  69,  Taf.  IX.,  fig.  26.  —  i860,  1.  c.  S.  271.) 
Im  Tegel  von  Rudelsdorf  ziemlich  selten.  Dagegen  ist  sic  aber  sehr  haufig  und 
verbreitet  in  den  sudlichen  Gebieten  des  heiinischen  Miocaens,  wo  sie  sowohl 
in  der  Tegel-,  als  auch  Mergel-  und  Leithakalkfacies  zuhause  ist.  Borac,  Drno- 
vice,  Gross-Seelowitz,  Kostel  u.  a.  in  Miihren;  Nussdorf,  Gurschenthal,  Grin- 
zing u.  a.  in  Niederosterreich ;  Salzthon  von  Wieliczka ;  St.  Nicolaus.  Wurzing 
in  Steiermark  sind  als  ihre  reichsten  Fundorte  anzufiihren. 


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Cythere  Haiierl,  Homer.  (1849,  1.  c.  8.  70,  Taf.  IX.,  fig.  28.  -  1860,  1.  c. 
S.  271.)  Nach  A.  E.  Reus*  ist  diese  Ait  im  Rudelsdorfer  Tegel  hiiufiger  als  die 
vorige.  Ira  Ganzen  lasst  sich  jedoch  auf  Grand  dor  bisherigen  Kenntnisse  iiber 
ihre  Verbreitung  behaupten,  dass  sie  im  heimischen  Miocaen  seltener  ist  als  jene. 
Hit-  Gebiet  i>t  vorwaltend  die  Leithakalkfacies,  doch  kommt  sie  auch  hie  und 
da  in  Tegeln  oder  Mergeln  vor.  Nussdorf,  Steiaabrunn,  Grinzing  in  Nieder- 
osterreich,  Wurzing,  St.  Nicolaus,  Freibiihl  in  Steiermark,  Kostel,  Lomnicka 
in  Miiliren  konnen  als  ihre  liiiungeren  Fundstatten  angefilhrt  werden.  Von  den 
fremden  Fundorten  ist  sic  aus  dem  gelben  subapenninisclien  Sande  von  Ca- 
stellarquato  bekannt. 

Cythere  similis,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  72,  Taf.  X.,  fig.  L.  —  1860,  1.  c.  S.  271.) 
Bisher  nur  von  A.  E.  Reuss  in  unserem  marinen  Miocaengebiet  sichergestellt, 
und  zwar  im  Rudelsdorfer  Tegel,  wo  sie  nach  Reuss  ziemlieh  haufig  ist.  Ander- 
warts  ist  sie  aus  dem  Grinzinger  (Niederosterreich),  Lapugyer  Tegel  (Sieben- 
btlrgen)  und  aus  dem  Leithakalke  von  Freibtlbel  (Steiennark)  bekannt. 

Cythere  hystrix,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  74,  Taf.  X.,  Fig.  6.  —  1860,  1.  c.  S.  271.) 
Priichtige  Schalen  diesev  Art  habe  ich  bislier  aus  dera  Rudelsdorfer  Tegel,  von 
wo  sie  seinerzeit  A.  E.  Reuss  in  die  Literatur  eingefuhrt  hat,  und  aus  dem 
Tegel  von  Lukau  sichergestellt.  Namentlich  auf  dem  letzteren  Fundorte  kommen 
verhiiltnissmassig  grosse  Individuen  vor,  welche  eine  nach  aussen  stachelige 
Schale  und  am  Eude  gabelformig  getheilte  Stacheln  besitzen.  Im  mahrischen 
Miocaen  kommt  sie  ebenfalls  vor,  doch  ist  sie  hier  raehr  verbreitet.  Aus  der 
Umgebung  vou  Lapugy  (Siebonburgen)  uud  aus  den  gelben  Sanden  von  Castell- 
arquato  fiihrt  A.  E.  Reuss  diese  Species  an. 

^Jthere  canaliculata,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  76,  Taf.  X.,  Fig.  12.  —  1860,  1.  c. 
S.  271.)  Die  winzigen  Schalen  dieser  Art  entdeckte  nur  A.  E.  Reuss  im 
Rudelsdorfer  Tegol  und  zwar  fand  er  sie  ziemlieh  selten.  Mir  ist  es  weder  hier 
noch  anderwiirts  gelungon  i linen  auf  die  Spur  zu  kommen.  Dafiir  ist  die  Art 
viol  mehr  im  sudlichen  Gebiete  des  heimischon  Miocaens  verbreitet.  Grinzing, 
Gainfahren,  Meidling  (Nieder-Oosterreich) ;  Wurzing  (Steiennark);  Wieliczka 
(Polen)  und  gelben  subappeniuisclien  Sand  fiihrt  A.  E.  Reuss  als  Fundorte 
dieser  interessanten  Art  an. 

Cohere  Haidlnferi,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  78,  Taf.  X.,  Fig.  13.  —  1860, 
1-  c.  S.  271.)  Nacli  A.  E.  Reuss  kommt  sie  im  Rudelsdorfer  Tegel  vor.  Diesinal 
wurde  sie  in  deinselben  Tegel  vergeblich  gesucht.  Es  war  von  ihr  keine  Spur 
zu  entdecken.  Ohne  Wioderrede  gehort  diese  Species  der  Gruppe  von  Arten 
an,  wolche  im  heimischon  Tegol  namentlich  in  don  Sodimenten  der  Leitha- 
kalkfacies in  grosserem  Maasse  und  ofters  vorkoininen.  Zu  diesem  Rosultate 
bin  ich  in  Miihron  gelangt,  wo  ich  sic  in  einer  grosseren  Mongo  von  Individuen 
im  brockeligeo  Leithakalke  bei  Lomnicka  entdeckt  habe.  Reuss  fiihrt  sie  weiter 
an  aus  dem  Loithakalk  von  Nussdorf,  aus  dem  Merge!  von  Grinzing  (Nieder- 
Oesterreich),  von  Kostel  (Miihren) ;  von  Freibiihl  und  St.  Nicolaus  (Steiermark). 

^ythere  conugata,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  79,  Taf.  X.,  Fig.  14.  —  1860,  1.  c. 
S.  271.)  Nach  Reuss  ist  sie  im  Rudelsdorfer   Tegel  sehr  selten,  aber  auch  an 


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anderen  Fundstellen  zeigt  sie  keine  bedeutende  individuelle  Entwickelung, 
und  audi  ilirc  Verbreitung  ist  nicht  gross;  sie  ist  nur  aus  dem  Mergel  des 
Leithakalks  von  Wurzing  (Steiermark)  bekannt. 

Cythere  verrucosa,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  81,  Taf.  X.,  Fig.  16.  —  18GO,  1.  c. 
S.  271.)  Im  Allgemeinen  mehr  verbreitet  im  heimischen  Miooaen,  als  die 
vorigc  Art.  In  unsorora  Gebiete  kennt  man  sie  nur  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel, 
wo  sie  ctwas  hSufiger  vorkonunt  Nussdorf,  Grinzing  (Nieder-Oesterreich) ; 
St.  Nicolaus  (Steiermark);  Wieliczka  (Galizien)  gibt  A.  E.  Reuss  als  ihre 
Fundorte  an. 

Cy there  polyptyclia,  Reuss,  (1849  1.  c.  S.  83,  Taf.  X,  Fig.  22.—  1860  I.  c. 
S.  271.)  Sehr  selten.  Bisher  wurde  sie  nur  von  A.  E.  Reuss  im  Rudelsdorfer 
Tegel  entdeckt,  wo  sie  als  sehr  selten  crkannt  wurde. 

Cythere  plicatiila,  Reuss,  (1.849  1.  c.  S.  84.  Taf.  X,  Fig.  23.-  1860  1.  c.  S.  271.) 
Viel  veibreiteter  als  die  vorige  Art.  Von  unserem  bohmischen  marinen  Miocaen 
liisst  sich  leider  dasselbe  nicht  behaupten,  da  sie  bisjetzt  nur  im  Rudelsdorfer 
Tegel  entdeckt  ward,  wo  sie  sehr  selten  ist.  Das  gilt  namentlich  von  West- 
und  Nordwest-Mahren.  In  den  dortigen  Tegeln  und  Mergeln  begegnet  man 
ibren  zierlicben  Schalen  fast  liberal].  Bora6,  Drnovice,  Lomnicka  seien  liier 
als  neue  Fundorte  angeflihrt;  nach  Reuss  komtnt  sie  vor  bei  Grinzing,  Nuss- 
dorf, Gainfahren  (NiederSsterreich) ;  Kostel  (Mahren),  im  Salztlion  von  Wie- 
liczka (Galizien),  dann  bei  Perpignan,  Leognan  und  Dax. 

Cythere  reticulata,  Reuss.  (1849  1.  c.  S.  85,  Taf.  X,  Fig.  26.--  1.860  1.  c. 
S.  271.)  Bisher  nur  im  Rudelsdorfer  Tegel  von  A.  K.  Reuss  sichergestellt,  an  an- 
deren Orten  in  unserem  bohmischen  marinen  Miocaengebiete  habe  ich  sie  nicht 
gefunden.  Doch  auch  in  siidlicheren  Gebieten  des  heimischen  Miocaens  ist  diese 
Art  sehr  selten;  Reuss  fiilirt  sie  nur  aus  dem  Mergel  von  Kostel  in  Mahren  an. 

Cytherella  eompressa,  MUnster.  (1849  A.  E.  Jieuss,  1.  c.  S.  54,  Taf.  VIII, 
Fig.  15.—  1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c  S.  271.)  Nach  A.  E.  Reuss  ist  sie  im 
Rudelsdorfer  Tegel  sehr  selten.  An  anderen  Orten  im  Gebiete  unseres  marinen 
Miocaens  gelang  es  mir  nicht  sie  zu  finden.  Dagegen  ist  sie  eine  gauz  ge- 
wohnliche  Erscheinung  in  Tegeln  und  Mergeln,  auch  in  der  Leithakalkfacies 
nicht  nur  in  Mahren  und  da  besonders  im  nordwestlichen  Thcile,  sondern 
auch  im  siidlichen  Theile  des  Wiener  ISeekens.  Borac,  Lomnicka;  dann  Nuss- 
dorf, Grinzing,  Mollersdorf;  Wurzing;  Osnabriick;  Leognan,  Tertiiir  Frank- 
reichs  sind  als  ihr  Terrain  zu  bezeichnen. 


Fig.  10.  Cytheridea  Miilleri,  Mi'mst.  Rudelsdorf.  -7,  yergrfissert. 

Cytheridea  Miilleri,   MUnster.   (1849  A.  E.  Reuss,   1.  c.  S.  55,   Taf.  VIII,  Fig. 
21.—  1860.  A.  ./<;.  Reuss,    1.  c.  S    272.)  Fig.   10.—    In  unserem  Neogengebiet 


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zieralich  verbreitet.  Der  Tegel  von  Rudelsdorf,  datrn  der  von  Lukau,  Schirm- 
dorf  und  Abtsdorf  beherbergt  ihre  priichtigen,  zierlichen  und  niedlichen  Schalen. 
Es  ist  interessant,  dass  ini  Tegel  von  Schirmdorf,  den  ich  fur  eine  Ubergaugs- 
facios  von  der  marinen  Rudelsdorfer  zur  brackischeii  Abtsdorfer  ev.  Triebitzer 
halte,  diese  Art  in  einer  grossercn  individuellen  Menge  vorkommt  als  ini 
marinen  Gebiete.  Aber  audi  in  sudlichen  Gebieten  des  heimischen  Neogens  ist 
diese  Art  bedeutend  verbreitet.  Sie  kommt  nach  A.  E.  Reuss  vor:  im  Nuss- 
dorfer  Leitbakalk  bei  Wien,  im  Merge!  von  Gainfahren  (Niederbsterreich) 
nacli  Roemer  im  groben  Kalkstein  von  Bordeaux;  Touraine,  belgiscb.es  Ter- 
tiaer,  Umgebung  von  Limburg  u.  a.  Nach  Bosquet  lebt  sie  im  Zuydersee. 
Balanns  sp.  Die  Gehause  dieser  Art  liessen  sich  zwar  sehr  leicht  und  hiibsch 
zeichnen,  da  sie  wohl  erlialten  sind,  doch  ich  zweifle  sehr,  dass  all  das  irgend 
eine  Bedeutung  und  Wicbtigkeit  hatte.  Ich  lialte  dafiir,  dass  man  mit  den 
miocaenen  Balanen  gegenwartig  nicht  von  der  Stelle  kann,  dass  man  sie  nicht 
eininal  bestimmen  kann,  solange  das  reiche,  grosstentheils  priichtig  erhaltene 
Balanusmaterial  nicht  bearbeitet  sein  wird,  welches  aus  den  zahlreichen  Fund- 
orten  des  ausseralpinen  und  alpinen  Wiener  Beckens  in  die  reichon  palaento- 
logischen  Sammlungen  Wiens  zusammengetragen  ist.  Wenn  ich  trotzdem  dieser 
«nd  der  folgenden  Art  Erwahnung  time,  so  bezweckt  es  niclits  andcres,  als 
dass  icli  darauf  liinweise,  dass  audi  in  den  Sedimenten  unseres  bohmischen 
Miocaens,  in  den  Triebitzer  Tegeln  diese  Gruppe  gelebt  hat  und  durch  zwei 
Arten  vertreten  war. 

Die  vorliegende  Art  hatte  kleine  Dimensionen,  eine  niedrige,  roh  gefiirbte 
Schale.    Durch  ihre  Merkmale  unterscheidet  sie  sich  von  alien  mir  bekannten 
Arten  wesentlich.  Die  Deckelplatten  wurden  bisher  nicht  ontdeckt. 
"His  spec.  Gemeinsam  mit  den  oben  angefiihrten  Gehausen  wurden  im  Abts- 
dorfer Tegel   verhaltnissuiassig   grosse    und   dicke,   einer  von    der  vorigen  ab- 
weichenden  Art  angehorende  Fragmente  gefunden.  Aus  den  erwiihnten  Griinden 
lst  es  uninoglich,    audi  diese  Resto  griindlich   zu  bestimmen,    deim  sie  bieten 
keiue  Garautie  dafiir,  inwieweit  sie  sich  von  den  bekannten  und  in  die  Litte- 
''atur   eingefuhrten  Arten    unterscheiden.    Es   sei    hier   jedoch   hervorgehoben, 
dass  diese  Fragmente  klar  bewinsen,  dass  diese  Art  weit  grcissere  Dimensionen 
^I'reichte  als  die  vorige  und  sich  durch  eine  starke  dicke  Wand  auszeichnete. 
ole  war  gleichfalls  an  Austernschalen  angewachsen. 
»US  IJf-eziaae,   II  lloemes  und  Auingct:  (1879.  Die  Gasteropoden  der  Meeres- 
Ablagerungen   der  ersten   und  zweiten  Mediterranstufe    in  der   ost.-ung.  Mon- 
archie.  —  185G  Conus  Dujardini,    M.  Hoemes,  1.  c.  I,  S.  40,    Taf.  V,  Fig.  8. 
I860.  A.  K.  Eeuss,  1.  c.  S.  270.)  Im  Gebiete  des  marinen   Miocaens  von  Ost- 
hohmen  hat  ihn  bis  jetzt  nur  A.  K.  Reuss  im  Rudoltitzer  Tegel  entdeckt.  Drei 
^xempiiire,    die  er  dort  gefunden,    bewahrt  jetzt  das  Wiener  Hofmuseum  auf. 
W  sind  sozusagen  makellos,    scluin  erlialten   und  erwachsen,    von   normaler 
u»sse.  Sie  sind  so  gross  wie  diejenigen  von  Drnovice  bei  Lysice  in  Miihren, 
0  ("ese  Art   eine  gewdhnliche  Erscheinung  ist.    Nach   den  bishcrigen  Erfah- 
unS|en  ]{aim  man  (|jose  A].t  ]njt  Rec]lt    a]s  e]-ne  zjemiicii  charakteristische  fiir 

ie  legel  der  Steinabrunner  Facies   bezeichnen,    denn  sie  kommt  in  ihnen  in 


Bali 


90 


der  That  fast,  liberall  vor,  wahrend  sie  iu  Badener  Tegeln  und  in  Sanden,  wo 
sie  erscheint,  tiberall  selten  ist.  Wie  sehr  sie  verbreitet  ist,  geht  am  bestca 
aus  der  Mengo  der  Fundorte  hervor,  die  icli  hier  nach  R.  Hoernes  anftthre: 
Drnovice,  Zerutky,  Grussbach,  Nikolsburg,  Borstendorf,  Porzteich  (Miihren), 
Viislau,  Grinzing,  Niederleis,  Steinabrunn,  Gainfahren,  P5tzleinsdorf,  Ilitzing 
(Nieder-Osterreich) ;  Pols  bei  Wildon  (Steiermark) ;  Tarnopol  (Galizien) ;  Lapugy 
(Siebenbiirgen) ;  Szobb,  Hidas  (Ungarn). 

Erato  laevis,  Donovan.  (187G.  R.  Hoernes  und  Auinger,  1.  c.  S.  63.  185G.  M.  Hoernes, 
1.  c  S.  79,  Taf.  VIII,  Fig.  16.—  L860.  A.  E.  Reuss,  I.  c.  S.  270.)  Drei  Imli- 
viduen  dieser  Art,  von  Reuss  im  Rudelsdorfer  Tegel  entdeckt,  bewahrt  das 
Wiener  Hofmuseum  auf.  Erlialten  sind  alle  ausgezeichnet.  Durch  ihre  Griisse 
erinnern  sie  an  die  Individuen  von  Drnovice  in  Miihren,  wo  sie  iin  dortigen 
Tegel  hliufig  sind.  Von  irgend  einer  Degeneration  ist  bei  diesen  Individuen 
keine  Spur  zu  nierken,  alles  bezeugt  im  Gegentheil,  dass  sie  unter  denselben 
Lebensverlniltnissen  gelebt  wie  jene  im  Drnovicer  Gebiete.  Diese  Art  ist  in 
heimischen  Miocaenablagerungen  bedeutond  verbreitet;  nach  R.  Hoernes  ist 
sie  zuhause  in  den  Tegeln  von  Baden,  Kostej,  Lapugy,  in  den  Mergeln  von 
Gainfahren,  Steinabrunn,  Nikolsburg,  Szobb,  Drnovice,  Porzteich,  Grussbach, 
Lysice,  Rausnitz,  Forchtenau,  Pols  und  in  den  Sanden  von  Nussdorf,  Potzleins- 
dorf  und  Grund. 

Mitra  goniophora,  Bettardi.  (I860.  Mitra  fusiformis,  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  271. 
—  1880  R.  Hoernes  und  M.  Auinger,  1.  c.  S.  77,  Taf.  VII,  Fig.  9;  Taf.  IX, 
Fig.  11.)  In  den  Sedimonten  des  ostbohmischen  Miocaens  selten.  Nur  drei 
Individuen  bat  in  ihnen  A.  E.  Reuss  gefunden  —  zwar  schon  erlialten,  aber 
ein  bischen  kloiner  als  die  Type,  die  aus  den  siidlichen  Sedimenten  des  hei- 
mischen Miocaens  herriihren.  Diesmal  gelang  os  nicht,  auch  nur  eine  Spur 
von  ihr  aufzufinden,  trotzdein  man  ficissig  und  gewissenbaft  nach  ihr  forschte. 
R.  Hoernes  bcmerkt,  auch  Rudelsdorfer  Exemplars  unterscheideu  sich  von  den 
typischen  Individuen  der  M.  fusiformis,  gerade  wie  die  von  Steinabrunn  von 
denjenigen  von  Pols  und  Potzleinsdorf  Wie  daraus  ersichtlich,  ist  die  hori- 
zontal Verbreitung  dieser  Art  verhaltuissmassig  goring. 

Columbella  fallax,  R.  Hoernes  und  M.  Auinger.  (1.860.  Colwmbella  subulata  A. 
E.  Reuss,  1.  c.  S.  270.  —  1880.  R.  Hoernes  und  M.  Auinger,  1.  c.  S.  96.)  In 
miocaenen  Sedimenten  Ostbiilimens  selten.  Bis  jetzt  stellte  sie  dort  nur  A.  E. 
Reuss  im  Rudelsdorfer  Tegel  sicher,  wo  er  zwei  schon  erhaltene  Gehause  von 
normaler  Grosse  fand.  An  anderen  Orten  unseres  ostbohmischen  Gebietes 
wurde  von  ihr  keine  Spur  gefunden.  —  Doch  auch  ihre  von  Reuss  constatierte 
Seltenheit  bestiitigen  die  h^tzten  Beobachtungeu.  Ihr  Resultat  ist  eine  viillige 
Bestiitigung  und  Belegung  der  Anschauung,  dass  auch  diese  Art,  wie  viele 
andere,  durch  ihre  individuelle  M<mge  die  Tegel  der  Badener  Fades  charak- 
terisiert  —  wiihrend  sie  in  den  Tegeln  der  Steinabrunner  Facies  gewohnlich, 
und  zwar  beinahe  in  alien  Gebieten,  selten  ist  —  also  augenscheinlich  ein 
Merkmal,  tiberall  beachtet  werden  muss,  wo  es  sich  um  eine  facielle  Schichten- 
eintheilung  handelt.  Bei  der  Arbeit  dieser  Richtung  hilft  dann  auch  der 
Habitus  der  Individuen  und  die  Griisse  ihrer  Gehause  aus.  Man  lernt  es  klat' 


91 


Bu 


konnen,  wenn  man  unsere  ostbohmischen  Individuen  mit  den  miihrischen  und  den 
von  den  iibrigcn  Fundorten  des  niiocaenen  voralpinen  Beckens  herrtihrenden  ver- 
gleicht.  Dieser  Umstand  fiillt  sehr  auf  beim  Vergleiche  unserer  Individnen 
mit  den  westmahrischen  von  Dr  no  vice,  Lysice  und  Borac,  wo  sie  sich  nicht 
ausschliesslich  auf  die  Tegel  des  tieferen  Meeres  beschriinken,  sondern  gleich- 
sam  auch  in  den  Mergel  von  einem  bathymetrisch  hoheren  Niveau  hineinreichen, 
und  gleichzeitig  tritt  er  zutage,  wenn  man  audi  das  Materinl  von  Kostel  und 
Steinabrunn  beriicksichtigt.  Fast  zu  denselben  Resultaten  gelangt  man  durch 
das  Studium  des  Materials  aus  dem  neogenen  Gebiete  Niedenisterreichs  von 
Gaiufahren,  Knzesfeld,  Baden,  Ebersdorf,  Potzleinsdorf,  Grund,  Grinzing,  aus 
dem  ungarischcn  von  Forchtcnau,  dem  siebenbiirgischen  von  Lapugy  und  bana- 
tischen  von  Kostej. 
ccinum  Grundense,  R.  Hoemes  und  M.  Auinger.  (1882.  1.  c.  S.  118,  Taf.  XV., 
Fig.  9.  —  1800.  B.  miocaenicum  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  269.)  Prachtig  erhaltene 
Individueu  dieser  interessanten  Art  entdeckte  iin  Rudelsdorfer  Tegel  nur  A. 
E.  lieuss.  B.  Hoemes  gelangte  (lurch  einen  Vergleicb  mit  dem  Materiale  aus 
stidlicheren  neogenen  Gebieten  zur  Erkenntniss,  dass  sie  nicbt  dem  B.  miocae- 
nicum angehoren,  wobin  sie  von  Eeuss  eingereiht  wurden,  sondern  in  den 
Bereich  einer  dieser  zwar  verwandten,  jedoch  von  ihr  verschiedenen  Art 
iallen,  deren  Vertreter  im  Grander  Sande,  dann  im  Grussbacber  und  Forcbten- 
auer  Mergel  vorkommen. 

BUcciuum  Bohemicum,  A'.  Hoemes  und  M.  Auinger.  (1882  1.  c.  S.  119,  Taf.  XV, 
Fig.  10.)  A'.  Hoemes  fiihrt  diese  Art  vom  Rudelsdorfer  und  Triebitzer  Tegel  an, 
Wo  sie  den  bisherigen  Erfabrungen  gemiiss  sehr  selten  ist. 

B"<'«mtm  Schoni,  R.  Hoemes  und  Auinger.  (1882  1.  c.  S.  125,  Taf.  XV,  Fig. 
18-20.  —  1850.  B.  Dujardini  A.  K.  Reuss,  1.  c.  S.  269.)  Fig.  11.  —  Nur 
Reuss  hat  diese  Art  im  Rudelsdorfer  Tegel  in  einer  grosseren  Menge  von  Indi- 


F'fl.  II.  Buccinum  Schoni,  H.  Hoern  u.  A. 

Abtsdorf.  i/1  vergrdssert. 

a  iilteros,  b  jttngeres  Individuum. 


Fig.  12.  Buccinum  Hoernesl,  Mayer. 
ltudelsdorf.  n/i  vergrflssert. 


Viduen  sichergestellt.  In  der  Schicht  von  Rudelsdorf,  aus  welcher  ich  hier  die 
'auna  anfiihre,  babe  ich  von  ihr  keine  Spur  gefunden.  Dieser  Umstand  ist 
eachtenswerth,  da  die  brackiseheii  Tegel,  namentlicb  diejenigen  von  Abtsdorf 


92 


und  Triobitz,  eine  bedeutende  Menge  von  GehSusen  des  B.  Schdni  enthalten. 
Unter  Beachtung  dieses  Umstand.es  konnen  wir  es  fur  eine  brackische,  fur 
unser  ostb5bjniscb.es  Gebiet  charakteristisehe  Art  halten.  Ilier  kommt  es  zu 
derselben  Geltung  wie  in  anderen  brackischen  Gebieten  im  Bereiche  der  Ne- 
ogenschicliten.  Schon  Toula  hebt  das  hervor,  und  in  uuserem  Gebiete  kann 
man  sicli  dartiber  Schritt  fflr  Schritt  tiberzeugen.  li.  Hoernes  und  Auinger 
fiihren  es  an  aus  den  Sedimenten  von  Neuruphersdorf,  Soos,  Grussbach,  Enzes- 
feld,  Gainfahren,  Steinabrunn,  Kienberg,  Biscbofswart,  ferner  von  Ebersdorf, 
Niederleis,  St.  Veit,  Laa,  Lysice,  Rudice,  Forchtenau,  Wind.-Graetz,  St.  Florian, 
Kralova,  Bujtur,  llolubice  und  Olesko. 

Buccinum  Hoernesi,  Ji.  Jfoemes  und  Auinger.  (1860  B.  costulaium  var.  semi- 
striatum  A.  E.  lieuss,  1.  c.  S.  269.  —  1882  li.  IJocrnes  und  Auinger,  1.  c. 
128,  Taf.  XIV,  Fig.  16,  18.)  Fig.  12.  A.  E.  Beuss  stellte  diese  Art  im  Rudels- 
dorfer  Tegel  sicher,  mir  gelang  es  diesmal  sie  aus  dem  Triebitzer  Tegel  her- 
auszusclilenimen.  In  diesem  Tegel  wurde  sie  in  einem  einzigen,  docb  sclion 
erhaltenen  Individuura  festgestellt,  dessen  Charakter  im  Ganzen  tnit  dem 
Charakter  der  aus  der  Badener  und  Steinabrunner  Facies  bekannten  Typeil 
vollig  ubereinstiinmt. 

Buccinum  reticulation,  Linne.  (I860.  A.  E.  lieuss,  1.  c.  S.  269.)  Unter  diesem 
Namen  fulirt  lieuss  Individuen  voin  Rudelsdorfer  Tegel  an,  welcbe  mir  weder 
dort  zu  finden  nocb  in  der  palaeontologischen  Sammlung  des  Wiener  Hof- 
museums  zu  sehen  gelungen  ist.  Ebenfalls  babe  ich  in  der  Monographic  von 
li.  Ifoernes  und  M.  Auinger  irgend  welcbe  Bemerkungen  iiber  dieselben  er- 
folglos  gesucht.  Trotzdem  rcgistriere  icb  bier  diose  kleinen  Bemerkungen,  um 
dem  Ganzen  genugzuthun. 

Cbenopus  alatus,  Eichwald.  (1860.  Aporrhais  pes  pelecani  A.  E.  lieuss,  1.  c. 
S.  269.  -  1884.  li.  Hoenies  und  Auinger,  1.  c.  S.  166,  Taf.  XVIII,  Fig.  6, 
8.)  —  Diese  weit  und  breit  verbrcitete  Art  wurde  im  Gebiete  des  ostbohmi- 
schen  Neogens  bisher  nur  im  Rudelsdorfer  Tegel  sichergestellt,  Interessant  ist 
der  Umstand,  dass  die  Individuen  von  Rudelsdorf  von  denjenigen  aus  den  Tegeln 
der  Badener  Facies  und  aus  den  Mergeln  von  Steinabrunn  durch  kleinere 
Dimensionen  abweichen,  wodurch  sie  sicli  wieder  den  Individuen  aus  den 
Grunder  Sanden  enge  anschliessen.  Aus  dem  bobmischen  Gebiet  verbreitet 
sich  diese  Art  in  die  mahrischen  (Lysice,  Loinnicka,  Borac,  Zerutky,  Sudico, 
Borstendorf,  Jaromefice,  Grussbach,  Porzteich),  von  daindasniederosterreichische 
(Steinabrunn,  Baden,  Soos,  Vijslau,  Mollersdorf,  Gainfahren,  Enzesfeld,  Percb- 
telsdorf),  steiermiirkisclie  (Pols,  Maiz),  galizische  (Holubica,  Zukovce,  Tarno- 
pol),  siebenbiirgische  (Lapugy),  banatische  (Kostej)  Miocaendepots. 

Chenopus  pes  pelecani,  Philippi.  (1860  A.  E.  lieuss  1.  c.  S.  269-1882  li. 
Uoernes  u.  M.  Auinger  1.  c.  S.  167,  Taf.  XVIII,  Fig.  7,  8 ;  Taf.  XIX,  Fig.  9.) 
Auch  diese  Art  wurde  in  unserem  neogenen  Gebiete  nur  von  A.  E.  lieuss 
sichergestellt,  und  zwar  nur  im  Rudelsdorfer  Tegel.  Auch  ihre  Individuen 
sind  kleiner  als  jene  aus  den  Tegeln  der  Badener  und  Steinabrunner  Facies 
und  gleichen,  was  die  Gn'isse  der  Gehiiuse  betrifft,  den  Individuen  aus  den 
Grunder  Sanden.     Die  Gehiiuse  Reuss's    sind  prachtig  erhalten,    fast  tadellos, 


93 


gerade  so  wie  in  den  benachbarten  mahrischen  Tegeln  (Borac,  Drnovice,  Borsten- 
dorf,  JaromSifice,  LomniCka),  wo  von  sie  sich  nach  Niederoesterreich  (Steina- 
brunn, Baden,  Mollersdorf,  Gainfahren,  Enzesfeld)  und  nach  Ungarn  (Ritzing  ?) 
vcrbreiten.  Aus  deiu  Miocaen  geht  dicsc  Art  in  pliocacne  Ablagerungen  und 
von  da  in  jetzige  Meere  iiber. 

Triton  Tarbelliantnn,  Grateloup.  (1860  A.  E.  Rems,  1.  c.  S.  269.  —  1882.  R. 
Hoernes  und  Auinger,  1.  c.  S.  173,  Taf.  XXI,  Fig.  8—11.)  Diese  interessante 
Art,  welcho  sowohl  in  der  Badeuer  als  audi  in  der  Steiuabrunner  Facies  ver- 
breitct  ist,  kommt  im  Gebietc  des  ostbohmischen  Miocaens  sehr  selten  vor. 
Bisjetzt  hat  sie  nur  A.  E.  lieuss  im  Rudelsdorfer  Tegel  festgestellt,  wo  er  ein 
Gehiiuse  entdeckte,  das  jetzt  in  den  palaeontologischen  Sammlungen  des  Wiener 
Hofmuseums  aufbewahrt  wird.  Dieses  mittelmassig  grosse  Gehiiuse  stimmt 
mehr  mit  den  Individuen  aus  den  mahrischen,  namentlich  westmahrischen  als 
mit  denen  aus  den  niederosterreichischen  Sedimenten  iiberein.  Nach  R.  Hoernes 
kommt  diese  Art  im  mahrischen  Neogen  bei  Jaromerice,  Lysice,  Rausnitz, 
Zerfitky,  Kostel,  Nikolsburg,  in  niederosterreichischen  bei  Baden,  VOslau, 
Mollersdorf,  Gumpoldskirchen  und  Niederleis  vor. 

Murex  Hoernesl,  d'Amona.  (18(H).  M.  Sedgwicki  A.  E.- Reuss,  1.  c.  S  269.  — 
1885.  R.  Hoernes  und  M.  Auinger,  I.  c.  S.  211.)  Im  ostbohmischen  Miocaen 
selten.  Bisher  nur  von  A.  E.  Reuss  im  Rudelsdorfer  Tegel  sichergestellt.  Das 
v°n  ilnu  anfgefundene,  gegenwartig  im  palaeontologischen  Museum  zu  Wien 
aufbewahrte  Gehause  ist  sehr  hiibsch  erhalten,  von  mittlerer  Grosse  und  gleicht 
namentlich  denen  von  den  westmahrischen  Tegeln.  Von  da  verbreitet  sich 
diese  Art  nach  Niederosterreich  (Baden,  Voslau,  Enzesfeld,  Steinabrunn,  Gain- 
fahren), dann  nach  Siebenbiirgen  (Bujtur,  Lapugy),  Ungarn  (Szobb).  Ferner 
ist  sie  von  Touraine  und  von  Leognan  bei  Modena  her  bckannt. 

Morex  caelatns,    Grateloup.  (i860.  M.  subulatus  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  269.  — 
1885.  R.  Hoernes  und  M.  Auinger,  1.  c.  S.  217,  Taf.  XXVI,  Fig.  7-12.)  Vier 
Individuen   diescr   verbreiteten   Art   wurden  im  Rudelsdorfer  Tegel  von  A.  E. 
Reuss  entdeckt.   Sie  sind  von  normaler  Grosse   und  werden  in  der  palaeonto- 
logischen Sammlung  des  Wiener  Hofmuseums  aufbewahrt.  Im  heimischen  Neo- 
gen ist  diese  Art   in  der  Facies    der  Steinabrunner  Mergel,    gleichzeitig  auch 
"i  der  Facies  der  Badener  Tegel  verbreitet,  von  wo  sie  in  die  Grunder  Sande 
uhergeht.  Gainfahren,    Steinabrunn,    Enzesfeld,    Nikolsburg,    Rausnitz,    Borac, 
1  otzleinsdorf,  Grund,  Grussbach  werden  als  ilire  Fundorte  angefiihrt. 
yrnla  cornnta,  Agassis.  (1856.  M.  Hoernes,  1.  c.  S.  220,  Taf.  XXIII,  Fig.  1-5. 
"  I860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  269.)  Diese  Art  kommt  im  heimischen  Miocaen 
nicht  an  bestimmten  Stellen  vor  und  beschriinkt  sich  auch  auf  keine  bestimm- 
n  facies.     Im  Gegcntheile  bestatigen   die  iiber  sie   gemachten  Erfahrungen 
_e  ^nsicht,    dass   sie   fast  in    alien  Facien   und   zwar   in   den    batliymetrisch 
niedngeren  Niveaux   viel   ofter  und   hftufiger    vorkommt  als  in  den  hoheren. 
ass   diese  Ansicht    richtig   ist,   beweisen   die  gesammelten  Berichte   fiber  sie 
*us   unserem   ostbohmischen  Miocaengebiete.    Sie   kommt    hier   im   Tegel   von 
widelsdorf  und  Triebitz  vor.  In  jenem  wurde  sie  von  A.  E.  Reuss,  in  diesem 
vielleicht  von    Wolf  gefunden.    Aus  diesen   Sedimenten   ist  ein   zwar    kleines, 


^■■■■■■HHHHHHHHBHBHHMHHHHHi 


94 


dock  sehr  lehrreiches  Material  vorhanden,  das  ein  klares  und  deutlich  ge- 
zeichnetes  Bild  enthullt.  In  den  palaeontologischen  Saminluugen  des  Hofmu- 
seums  ist  ein  grosses  Gehausefragment  aufbowahrt,  das  den  Achsentheil  dar- 
stellt.  Die  Dimensionen  dieses  Bruchstiickes  beweisen  klar,  dass  die  Indivi- 
duen  dieser  Art  in  unserem  Gebiete  dieselben  Dimensionen  und  Grosse  er- 
reichten,  vvie  in  siidlicheren  Gebieten,  namentlich  in  Siid-Mahren  (Nikolsburg), 
in  Niederosterreich  (Gainfahren,  Nicderkreuzstiitten,  Enzesfeld,  Baden,  Viislau, 
Grund),  in  Ungarn  (Ritzing,  S/obb).  Zu  derselben  Ansiclit  fiihrt  auch  das 
Studium  eines  hiibsch  erhaltenen  Exeraplares,  welches  in  der  palaeontologischen 
Sammlung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  in  Wien  aufbowahrt  wird. 

Fusua  intermedins,  Michelotti.  (1856  M.  Hoernes,  1.  c.  I,  S.  281,  Taf.  XXXI, 
Fig.  4,  5.  —  1860.  A.  E.  Reuse,  1.  c.  S.  268.)  Ein  prftchtig  erhaltenes  Indi- 
viduum  dieser  Art  fand  A.  E.  Items  im  Rudelsdorfer  Tegel,  wo  seit  jener  Zeit 
kein  ahnliches  sichcrgestellt  wurde.  Es  wird  in  den  palaeontologischen  Samm- 
lungen  des  k.  k.  Hofmuseums  in  Wien  aufbewahrt.  Anderswo  in  unserem 
ostbohmischen  Gebiete  ist  es  nicht  gelungen,  diese  Art,  die  aus  den  Neogeii- 
ablagerungen  von  Miihren:  Drnovice,  Nikolsburg,  Niederosterreich  (Voslau, 
Enzesfeld,  Grinzing),  Ungarn  (Forchtenau)  und  Siebenbiirgen  (Lapugy)  bekaunt 
ist,  sicherzustellen.  Ausserdem  wird  dieselbe  aus  dem  Tertiaer  von  Turin  und 
Modena  angefiihrt. 

Pleurotoma  obtusangula,  Brocchi.  (1860  A.  E.  Iteuss,  1.  c.  S.  268.  —  1891. 
B.  Hoernes  und  M.  Auinger,  1.  c.  S.  317,  Taf.  XL,  Fig.  13—20.)  Diese  hiiu- 
rige  Art  fiihrt  aus  dem  ostbohmischen  Miocaen  nur  A.  E.  Reuss  an.  Er  schreibt 
daruber,  dass  sie  doit  selten  ist.  Trotz  aller  Versuche  gelang  es  mir  nicht, 
sie  daselbst  zu  entdecken,  noch  sie  wo  immer  auf  bobmischen  Fundorten 
sicherzustellen.  Doch  auch  in  don  palaeontologischen  Sammlungeu  des  Wiener 
Hofmuseums  babe  ich  nach  Reuss'  Material  vergeblich  gesucht  und  geforscht. 
Hier  habe  ich  sie  mit  Recht  erwartet,  da  fast  alios  hier  sich  befindet,  was 
Reuss  in  Ostbohmcn  gefunden  hat.  Offenbar  ist  audi  R  Hoernes  zu  denselben 
Resultaten  gelangt,  deun  auch  er  tbut  in  seiner  grossen  Monographie  koine 
Erwiihnung  davon,  dass  Individucn  dieser  Art  im  Rudelsdorfer  Tegel  vorkiunen. 
Nur  vermag  icli  es  mir  nicht  zu  erklaren,  warum  er  der  Arbeit  Reuse'  koine 
Beachtung  geschenkt  hat,  aus  der  es  ja  erhellt,  dass  diese  Art  auf  diesom 
Fundorte  wirklich  sichergestellt  wordon  ist. 

Pleurotoma  Yau<iuelini,  Payr.  (I860  A.  E.  Reims,  1.  c.  S  268.)  Was  diese 
Art  betrifft,  so  bescbranke  ich  mich  auf  das  von  A.  E.  Eeuss  Gesagte.  Es 
veraulassen  mich  dazu  mehrere  Griinde,  nanientlicb  der  Umstand,  dass  ich 
diese  Art  im  Rudelsdorfer  Tegel,  aus  dem  sie  Reuss  anfubrt,  nicht  gefunden 
habe,  und  daun  dass  ich  auch  Reuse1  Material  in  den  Wiener  Sammluugon 
nirgends  gesehen  habe.  Urn  zu  erganzeu,  was  noch  iibrig  bleibt,  bemerke  ich, 
dass  Reuss  gewisse  Differenzen  erblickt,  welche  das  Rudelsdorfer  Individuuffl 
von  den  Typen  aus  den  siidlichen  Vorkommnissen  des  heimischen  Neogens 
unterscheiden.  Diese  Differenzen  bestehen  darin,  dass  das  Rudelsdorfer  Indivi- 
duum  ein  schlaukeres,  dickwandigeres  Gehixuse  hesitzt  und  dass  die  Ilohe 
seiner  letzten  Windung  grosser  ist,    als  es  bei  normalen  Individucn    der   Fall 


95 

zu  sein  pflegt.  Ausserdem  zeiclinot  es  sich  (lurch  schiefe,  gekriimmte  Rippen 
aus.  Dem  kiinftigen  Studium  fiillt  die  Aufgabe  zu,  zu  entscheiden,  inwieweit 
die  mit  diesen  Merkmalen  versehenen  Individuen  zum  PI.  Vanquelini  gehbren. 

Cerithium  bilineatum,  M.  Hoernes.  (185(5,  1.  c.  I,  S.  416,  Taf.  XLII,  Fig.  22.— 
1860.  A.  K.  Reuss,  1.  c.  S.  268.)  Diese  Art  wurde  in  einer  bedeutenden  indi- 
viduellen  Menge  im  Tegel  von  Stcinabrunn,  seltener  im  Tegel  von  Lapugy 
entdeckt;  in  unserem  Gebiete  kommt  sie  selir  selten  vor.  Sie  wurde  bisjetzt 
nur  im  Rudelsdorfer  Tegel  von  A.  E,  Reuss  entdeckt  und  als  sehr  selten  be- 
zeichnet.  Mir  ist  es  weder  auf  diese.n  Fundorte  nocli  irgendwo  anders  gelungen, 
ihre  Gehause  sicherzustellen. 

Cerithium  doliollim,  Broochi  sp.  (1856  At.  Themes,  1.  c.  I,  S.  392,  Taf.  XLI. 
Fig.  11.—  i860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  268.)  Fig.  13.—  Sechs  schbn  erhaltene 
Gehiiuse  dieser  Art  vom  Rudelsdorfer  Tegal  habe  ich  in  den  Samrnlungen  des 
kon.  bbhmischen  Museums  deponiert  gefunden.  Alle  haben  die  Dimonsionen 
von  normal  erwachsenen  Individuen;  kein  einziges  tragt  Anzeichen,  die  be- 
zeugen  konnten,  dass  hier  verkiimmerte  Individuen  voiiiegen.  Hire  Merkmale 
Stimmen  also  mit  den  Individuen  aus  dem  Grunder  Sande,  Steinabrunner 
Mergel,  den  Ablagerungen  von  Tortone,  Monte  Maria  u.  a.  giinzlich  iiberein. 
A.  E.  Reuss,  dem  diese  Art  ebenfalls  aus  dem  gelben  Tegel  von  Rudelsdorf 
bekannt  war,  beinerkt,  sie  sei  daselbst  sehr  selten,  was  auch  ich  im  vollen 
Masse  bestiitigen  kann ,  da  es  mir  von  derselben  nur  kleine  liruchstucke 
sicherzustellen  gelang. 


Fi9    13.    Cerithium   doliolum,   M.  Hoern. 
Rudelsdorf.  */i  vergrOssert. 


Fig    14.  Cerithium  pictum,  Bast. 

Rudelsdorf.   5/j  vergrossert. 


ertthium  pictum,  Basterot.   (1856  M.  I  hemes,  1.  c.  I,  S.  394,  Taf.  XLI,  Fig. 

1B>   '7.    —    I860.   A.  E.  Reuss,   1.  c.  S.  268.)    Fig.   14.—   A.  E.  Reuss  fiihrt 

_1(!se  Art   audi   aus   dem   gelben  Tegel  von  Rudelsdorf  an  und  beinerkt,  dass 

sie  dort  sehr  hftufig  sei.    Ich  habe   nach  derselben    in  diesem  Tegel   auch  ge- 

°'"scht,   jedoch   erfolglos.    Mein   Resultat   fiihrt   mich  zur  Ansicht,    dass  diese 

it  in  der   inariiien  Schicht  des  graugelben  Tegels   von  Rudelsdorf  nicht  vor- 


96 


kommt  und  wcnn  sie  doch  erscheint,  dass  sie  durch  vereinzelte  Individuen 
vertreten  ist.  Alles  weist  darauf  hin,  dass  Reuss  die  erwahnte  Menge  dieser 
Art  im  blaulichen  Tegol  gesammelt  haben  diirfte.  in  joaer  Tegelbank,  wo  ich 
eine  bedeutende  Menge  von  grossen  Austerti  fand.  Diese  Art  ist  demgegentiber 
fur  brackiscke  Gebiete  bezcichnend,  wo  sie  griisstentheils  in  einer  grossen 
individuellen  Menge  vorkommt.  Das  gilt  namentlich  vom  Abtsdorfer,  Triebitzer 
und  zum  Theile  auch  vom  Schirmdorfer  Tegol,  dagegen  wurde  diese  Art  im 
Tegel  von  Uothwasser  bisher  nur  in  eincm  einzigen  Individuum  sichergestellt. 


Fig.  15.  Cerithium  lignitarum,  Eichw.  Budelsdorf. 
a  Gehiiuse,  »•■/,  vergrOssert,  b  Oberflftche,  ''■/,  vergrOssert. 


Ferner  bemerkt  Reuse  in  seiner  oben  angefttbrten  Arbeit  (S.  282),  es  sei 
nothig  zu  erwiihnen,  dass  das  bohmische  C.  pictum  mehr  tnit  dem  marineD 
C.  mitrale  als  mit  den  Typen  jener  Art  aus  brackiscben  Gewassern  iiberein- 
stimmt.  Dazu  bemerke  icli  hier,  dass  zwar  Unterschiede  existieren,  dass  si" 
jedoch  nicht  von  cinem  solchen  Gewicht  sind,  dass  sie  die  Verwandtschaft 
unserer  bohinischen  Individuen  init  denjenigen  dor  brackiscben  Gewiisser  del' 
sarmatiscben  Stufe  uberwiegen  mbchten.  Und  die  Aufstellung  einer  neuen  Art 
wiinle  sich  nicht  lohnen,  weil  ihre  Begrenzung  nicht  genug  scharf  und  klar 
wiire. 

CeritMum  lignitarum,  EiohwaU.  (1856  M.  1 ' hemes,  1.  c.  I,  S.  398,  Taf.  XLlX 
Fig.  1—3.  —  I860.  A.  E.  Items,  1.  c.  S.  273.)  Fig.  15.—  Reuss'  Erfahrungen 
iiber  das  Vorkommeu  dieser  Art  im  Abtsdorfer  und  Triebitzer  Tegel  stimineu 
mit  den  meinigen  nicht  ganz  uberein.  Reuss  schreibt,  diese  Art  sei  auf  jenen 
Fundstfttten  sehr  haufig.  Diesmal  liabe  ich  sic  daselbst  nur  in  einigen  dazU 
noch  schlecht  erhaltenen  Exemplaren  gefunden.  Ich  glaube  jedoch  an  den 
erwahnten   Reuss'schen  Bericht  und  erblicke  darin    einen  Beweis,    dass   diese 


97 


Art  sicta  auf  einige  Banke  beschriinkt,  in  <iene.ii  sie  dann  in  Tausenden  von 
Individuen  vorkomrot.  Die  Individucn  von  Abtsdorf  und  Triebitz  Bind  rait  den- 
jenigen  von  Grund,  Baden  und  Voslau  ganzlich  congruent,  Was  cine  naliere 
Verwandtschaft  betrifft,  so  erblicke  ich  sie  zwischen  ihnen  und  denen  von 
Baden,  denn  sie  haben  rait  denselben  nicht  nur  die  Dimensioned  des  Gehiiuses, 
sondern  auch  die  Dicke  der  W&nde  gemeinsam.  Frtiher  vermuthete  man,  diese 
Art  sei  besoudcrs  fiir  den  „Grunder  Horizont"  charakteristisch ;  D.  Stur  hat 
jedocli  dargetlian,  dass  sie  auch  in  Badener  Tegeln  ziemlich  hiiufig  ist,  ja  dass 
sie  auch  in  Sedimenten,  welche  man  in  das  Schlier-Niveau  eingereiht  hat, 
nicht  selten  vorkommt.  Ohne  Widerrede  ist  sie  aber  fiir  brackische  Sedimente 
bezeichnend,  in  denen  sie  weit  und  breit  verbreitet  ist.  Diesfalls  wird  sie  an- 
gefuhrt:  von  Set.  Veit  bei  Triesting;  Mauer;  Novosielko;  Zelking,  Ritzing; 
EdehSny,  Hugel  bei  Vaskap,  B&nyahegy  bei  Nagy-Sarospatak,  Dios-Gyor,  Pa- 
rastya;  von  dem  Bojczethal  nordlich  von  Nagy-Barod  im  Gebiete  von  Gross- 
wardein  ;  Herend,  Hidas,  Szabolcs,  Pecsvarad;  von  Set.  Florian,  Pols,  Windisch- 
Griitz,  Guglitz,  Kegelbaner,  Set.  Nicolaus,  Plirsch,  Gamlitz;  Kravarsko ;  Laa; 
von  Neu-Iiuppersdorf,  Neudorf,  Kirclistiitten,  Zabern,  Stronegg;  Kralova.  Ausser 
diesen  Fundorten  wird  sie  angegeben  von  Gainfaliren,  Steinabrunn,  Nikolsburg, 
Kienberg,  Niederkreuzstatten,  Weinsteig,  Ebersdorf,  Potzleinsdorf ;  Szobb ;  von 
Lapugy,  Tyrnau,  Orlowa,  Tarnopol,  Korytnica,  Salisze,  Zukovce;  Cliotin,  Jalo- 
vena,  Braila,  Kalfa,  Kischenev ;  von  Touraine,  St.  Paul  bei  Dux,  Saucats  und 
Leognan  u.  s.  w. 

Cerlthium  Duboisi,  M.  Hoemes.  (1856,  1.  c.  I,  S.  397,  Taf.  XLII,  Fig.  4,  5.  - 
I860.  A.  E.  Eeuss,  1.  c.  S.  274.)  Diese  Art,  welche  in  der  Begel  die  vorige 
begleitet,  wurde  bisjetzt  in  unserem  ostbohmisclien  miocaenen  Gebiete  nur  in 
den  brackischen  Ablagerungon  von  Abtsdorf  und  Triebitz  sichergestellt.  In  den 
Triebitzer  Tegeln  fand  sic  A.  E.  Eeuss,  in  den  Abtsdorfer  ich.  Die  aus  diesen 
beiden  Localitiiten  herriihrenden  Individuen  stimmen  z.  B.  giinzlich  mit  Grun- 
der  Individuen  iiberein.  Diese  Ubereinstimniung  ist  eine  vollstiindige  und 
bezieht  sich  sogar  auf  die  Grosser  und  Dicke  der  Wa'nde.  Fs  sei  jedocli  gleich 
hier  bemerkt,  dass  sie  audi  in  unserem  Gebiete  dem  C.  lignitarum  unter- 
Reordnet  ist. 

tei')thiura  scabrum,  CM  sp.  (1856.  M.  Hoemes,  1.  c.  I,  S.  410,  Taf.  XLII, 
Fig.  16,  17.  -  1860.  A,  E.  Eeuss,  1.  c.  S.  268.)  Grosstentheils  schadhafte 
Individuen,  denen  gewohnlich  der  Mundrand  entweder  giinzlich  oder  theilweise 
fehlt,  kann  man  in  unserem  Gebiete  ziemlich  oft  antreffen,  und  zwar  nicht 
nuv  in  marinen,  sondern  auch  in  brackischen  Tegeln.  In  jenen  habe  ich  sie 
lm  Tegel  von  Lukau  und  Rudelsdorf,  in  diesen  im  Tegel  von  Abtsdorf  und 
Triebitz  sichergestellt.  Eeuss  war  diese  Art  nur  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel 
bekannt.  In  den  Sedimenten  des  heiniischon  Ncogons  ist  sie  dagegen  sehr 
verbreitet,  und  zwar  mehr  in  den  Mergeln  der  Steinabrunner  Facies,  wo  sie 
auch  hiiufiger  vorkommt,  als  in  denen  der  Badener  oder  Schlicrfacies.  Aus 
fremden  Sedimenten  wird  sie  ans  dem  Gebiete  von  Touraine,  Castellaquato, 
Turin,  von  Sicilien,  Rhodus  u.  s.  w.  angefiihrt.  Sie  lebt  in  europiiischen 
Meeren. 


98 


Cerithium  spina,  Partsch.  (1846.  M.  Hoernes,  1.  c.  I,  S.  409,  Taf.  XLII,  Fig. 
15.)  Bisjctzt  weiss  man,  (lass  diese  Art  am  bezeichnendsten  in  den  Tegoln 
der  bathymotrisch  tieferen  Niveaus,  in  den  Tegeln  dcr  Badener  Facies  auftritt. 
Hier  zeichnet  sie  sich  durch  cine  grossentheils  auffallende  individuelle  Menge 
und  Erwachsenheit  aus.  Ich  erinnere  nur  z.  B.  an  die  Tcgel  von  Baden, 
Mijllersdorf  und  Voslau  in  Niederosterreich.  Ausserdoin  sei  jedoch  gleichzeitig 
bemerkt,  (lass  sie  sowohl  fur  diese  Sedimente  durch  jene  Eigenschaften  ge- 
wissermasscn  charaktcrisicrend  ist,  als  audi  fiir  die  Ablagerungen  der  seichteren 
Sec,  von  einem  bathymetrisch  hoheren  Niveau  dadurch  bezeichnend  ist,  dass 
sie  darin  wo  imincr  vereitizelt  und  sehr  selten  vorkomint.  Dies  gilt  auch  von 
unsercn  ostbdliinischen  Sedimenten  in  denen  bis  jetzt  cin  einziges  Geliiiuse 
dicser  Art  entdeckt  worden  ist.  Dieses  bat  den  typischen  horizontalen  Doppel- 
kreia  der  aus  klcincn,  scharfen,  auf  jedem  Umgange  deutlich  und  verhaltniss- 
massig  stark  entwickelten  Stacheln  besteht,  wodurch  cs  sich  den  Typen  aus 
dem  Tcgel  von  Baden  odcr  von  Borac  (Miihren)  engo  auschlicsst.  Ausser 
diesen  Fundorten  ist  C.  spina  im  Tegel  von  Lazanky,  Knihnice  und  im  Merge' 
von  Drnovice  (Miiliren)  im  Tegel  von  Mollersdorf  (Niederosterreich)  und 
schliesslich  im  Tcgel  von  Forchtenau  (Ungarn)  zuhauso. 

Cerithium  spec.  Aus  den  Triebitzer  Tegeln  wurden  diesmal  Gehause  heraus- 
geschlemmt,  die  ziemlich  hiibsch  erhalten  sind,  jedoch  nicht  in  d"m  Masse, 
wie  cs  cine  richtigc  specifische  Bestimmung  erfordert.  Dass  sie  eincr  neuen 
Art  angchorcn,  ist  nicht  schwer  zu  ersehen,  jedoch  das  vorliegende  Material 
ist  nicht  im  Standc,  die  Garantie  einer  richtigen  Bestimmung  zu  bieten.  Und 
nur  diesen  Umstand  beachtend  werde  ich  cine  zur  Bestimmung  und  Feststellung 
dieser  Individuen  geeignetcre  Zeit  abwarten. 

Tnrritella  turris,  Basterot.  (185(5,  M.  Hoernes,  1.  c.  I.,  S.  428,  Taf.  XLIIL,  Fig. 
15,  K).  —  18(50,  A.  E.  Reuss  I.  c.  S.  2(18.)  Im  Rudelsdorfer  Tcgel  wirklicli 
sehr  selten.  Auch  mir  gelang  es  trotz  meiner  eifrigen  und  ausdauernden  Durcb* 
suchung  nur  ein  einziges  Geliiiuse  zu  finden.  Wie  ersichtlich,  ist  das  dasselbe 
Rcsultat,  von  welchem  A.  E.  Reuss  schreibt.  Es  ist  ferner  gewiss  interessant, 
dass  ich  diese  Art  im  blaulichen  Tcgel  niichst  dem  Viaduct  bei  Schirmdorf  fest- 
gcstcllt  halxi.  Dort  wurde  ein  Individuum  entdeckt,  (lessen  Gehausedimensi" 
oncn  von  den  Dimcnsionen  der  Individuen  z.  B.  aus  dem  Drnovicer  Merge! 
oder  anderswoher  nicht  bedcutend  abweichen.  Ich  bemerke,  dass  ich  nicht 
einsclie,  wanun  das  Cieliiiuse  dieses  Individuums  fiir  kleiner  als  die  Geliiiuse 
der  normalen  Individuen  erklart  werden  sollte,  da  doch  sein  Gehause  bei  einei' 
gewissen  Anzahl  von  Umgiingen  dicselbe  Hohe  hat  wie  Individuen  von  ebenso- 
vielen  Umgangen  von  anderen  Orten.  T.  turris  ist  im  heimischen  Miocaen  eine 
gewolmliche  Erscheinung.  In  einer  grossen  individuellen  Menge  tritt  sic  i'11 
Mergel  und  in  den  Sanden  von  Gainfahren,  Enzesfeld  usw.  in  Niederosterreich 
auf.  Seltener  ist  sio  in  deiiselbcn  Ablagerungen  in  Miihren,  wo  sie  im  Tegc 
von  Drnovice  und  Borac  die  grosste  mir  bekannte  individuelle  Entfaltung  er- 
reicht.  Aussor  den  angeftihrten  Localitaten  ist  sie  auch  im  Tegel  von  Bade»i 
im  Mergel  von  Grinzing,  Steinabrunn,    Pfaffstatten,  Nikolsburg   zuhause.     Aus 


9<J 


Miihren  und  Niederiisterreich  geht  sie  in  das  Miocaen  von  Ungarn,  Sieben- 
biirgen,  Polen,  Frankreich  (Bordeaux,  Dax  usw.)  und  Wiirttemberg  (Nieder- 
stolzingen  und  Emingen)  iiber. 

Turritella  ArcMmedis,  Brongniart.  (1856.  M.  Hoernes  1.  c.  I.,  S.  424,  Taf. 
XLIII.  Fig.  13,  14.)  Audi  von  dieser  Art  wurde  nur  ein  Bruchstiick  im  Schlemm- 
rttckstande  des  Rudelsdorfer  Tegels  nacligewiesen.  Obwohl  dieses  nur  drei  Kam- 
mern  besitzt,  ist  es  doch  nicht  schwer  sich  zu  uberzeugen,  dass  das  vorlie- 
geude  Bruchstiick  wirklich  dieser  Art  angehort.  Eine  geniigende  Garantie  bieten 
uns  dafiir  die  charakteristisclien  Ringe,  welche  deutlich  iiber  die  Aussenseite 
der  Kammern  bis  in  die  Gipfelkararner  binziehen.  Die  Gegenwart  von  diesen 
zwei  Ringen  ist  bekanntlich  das  entscheidende  Merkmal,  wenn  es  sich  um  die 
Losung  der  Frage  handelt,  welcher  Art  die  Gehiitise  angehoren,  ob  dieser  oder 
der  T.  bicarinata.  Diese  Art  ist  im  heimischen  Miocaen  in  alien  Facien  und 
fast  alien  Gebietcn  verbreitet.  Am  haufigsten  wurde  sie  jedoch  in  der  Facies 
des  Leithakalkes,  und  zwar  in  den  Mergeleinlagerungen  und  daiin  in  den  den 
erwahnten  Kalksteinen  analogen  sog.  Turritellensandsteinen  gefunden.  Dire 
Fundorte  sind  die  Sedimente  der  Umgebung  von  Nikolsburg,  Alt-Rausnitz, 
Drnovice,  Lysice,  Sudice  (Miihren);  Steinabrunn,  Gainfahren,  Enzesfeld,  Baden, 
Grund  usw.  (Niederosterreicb) ;  Kr&lova\  Szobb  u.  a.  (Ungarn);  Bujtur,  La- 
P"gy  (Siebenbiirgen) ;  im  Tertiaer  Frankreichs  ist  sie  von  Bordeaux ,  Dax, 
Perpignan  bekannt  und  wird  audi  von  Korytnica  in  Polen  angefuhrt. 

A'H'itella  bicarinata,  Eichwald.  (1870.  A.  K.  Reuss,  1.  c.  S.  268.  —  1856.  M. 
Hoernes  I.  Theil  1.  c,  S.  426,  Taf.  XLIII.,  Fig.  8-12.)  Nur  Bruchstucke  dieser 
Art  wurden  diesmal  im  Schlcmmriickstande  des  Rudelsdorfer  gelben  Tegels  ge- 
funden. A.  E.  Reuss  bemerkt  iiber  ihre  individuelle  Menge  auf  unserem  Fund- 
orte, sie  sei  daselbst  sehr  hftuflg.  Aus  den  Dimensionen  der  gefundenen  Bruch- 
stiicke  schliesse  ich,  dass  auch  hier  die  Gehiiuse  dieser  Art  normale,  den  Di- 
fflensionen  der  aus  anderen  Fundorten  stammenden  Individuen  gleichende  Di- 
Wensionen  erreichten.  Auch  diese  Art,  wle  die  beiden  vorigen,  ist  in  den 
Mergeleinlagerungen  des  Leithakalkes  liiiufig  und  fiir  diese  Mergel  gcwisser- 
inassen  charakteristisch.  Doch  kommt  sie  auch  in  diesen  Sedimenten  nicht 
uberall  in  gleicher  individuellen  Menge  vor.  liiiufig  ist  sie  nur  in  den  Mergeln 
Sudmiihrens  und  Niederosterreichs,  in  West  und  Nordwest  Miibren  kommt  sie 
«agegen  in  derselben  Facies  sehr  sclten  vor.  Von  niuhrischen  Fundorten  scien 
folgende  angefuhrt:  Drnovice,  Nikolsburg,  Alt-Rausnitz,  von  den  niederoster- 
r«chischen:  Steinabrunn,  Gainfahren,  PfaffsUittcn,  Baden,  Grund.  Aus  diesen 
Gebicten  verbreitet  sie  sich  nach  Ungarn  (Szobb),  von  da  nach  Siebenbiirgen 
(Lapugy)  llll(i  ]>0ien  (Korytnice,  Szuszkowce,  Tarnopol).  Auch  wurde  diese  Art 


mi 


Tertiaer  sowohl  Nord-  als  auch  Siiditaliens  sichergostellt. 


Tn     •         ",U,C1  oowum  -worn-  ais  aucu  Duunauens  sicnergesient. 

r.!  sIjec.    Ich  erwiihne  hier  kleine  Bruclistiicke  aus  der  Austernbank  von 

nebitz.  Nach  alien  Merkmalen  schliesse  ich,  dass  sie  wirklich  dieser  Gattung 

a"gehoren.  Ob  dies  wirklich  der  Fall  ist,  diirfte  eine  kiinftige  Untersuchung 
Ui  Grund  eines  geeigneten  Materials  entscheiden.  Zum  Schlusse  dieser  kurzen 
ernerkung  behaupte  ich  mit  Bestimmtheit,  dass  die  vorliegenden  Bruchstucke 

seiner  bekannten  Art  angehoren. 


7* 


100 


Fossarus  eostatus,  Brocchi.  (1856,  M.  Hoernes,  1.  c.  I.,  S.  468,  Taf.  XLVI.,  Fig- 
25.  __  i860.  J.  £.  /iewss  1.  c.  S.  266,  Taf.  VII,  fig.  4.)  Namentlich  in  den 
mergeligen  Einlagerungen  des  Leithakalkes  haufig —  so  z.  B.  bei  Steinabrunn  — 
im  Rudelsdorfer  Tegel  nur  von  A.  E.  Reuss  sichergestellt,  welcher  daselbst 
kleine,  von  den  Typeu  etwas  abweichende  Individuen  entdeekte.  In  West- 
mahren  gelang  es  mir,  diese  interessante  Art,  deren  horizontals  Verbreitung 
nach  den  bisherigen  Erfahrungen  etwas  besehriinkt  ist,  im  Tegel  von  Borafi 
zu  entdecken,  wo  prachtig  erhaltene  Exemplare  gefunden  warden.  Ausset' 
Steinabrunn  wird  V.  eostatus  aus  dem  Tegel  von  Lapugy  (Siebenburgen),  dann 
aus  dem  Miocaen  von  Italien  and  Frankreich  angefiihrt. 

Scissurella  transsylvanlca,  A.  E.  Reuss.  (1880,  1.  c.  S.  266,  Taf.  VIL,  tig.  0.) 
Auch  diese  Art  wurde  im  Rudelsdorfer  Tegel  bisher  nur  von  A.  K.  Reuss  ge- 
funden. Ich  habe  bis  jetzt  in  demselben  Tegel  vergeblich  nach  ilir  geforscht. 
Dieses  negative  Resultat  ist  auch  in  Erwiigung  zu  Ziehen,  es  beweist,  dass 
Reuss'  Anschauung,  diese  Art  sei  auf  unserer  Rudoltitzer  Fundstatte  sebr 
selten,  richtig  ist. 

Scissurella  depressa,  A.  E.  Reuss.  (1860,  1.  r.  S.  207,  Taf.  VIL,  fig.  7.)  Nacb 
A.  E.  Reuss  im  Rudelsdorfer  Tegel  sehr  selten. 

Scissiirella  carlnella,  A.  E.  Reuss.  (1860,  1.  c.  S.  2(56,  Taf.  V.,  fig.  10.)  Nach 
A.  E.  Reuss  ist  diese  Art  im  Tegel  von  Rudelsdorf  hochst  s«*ten. 

Scalarla  clathratula,  Turion.  (1856,  M.  Hoernes  I.,  1.  c.  S.  475,  Taf.  XLVI., 
Fig.  g.  _  i860,  A.  E.  Reuss  1.  c.  S.  2(H).)  Nach  A.  E.  Reuss  ist  diese  Art 
im  Ruddelsorfer  Tegel  sehr  selten.  Diese  Ansicht  wird  auch  (lurch  das  Resultat 
unserer  Beobachtungen  bezeugt;  trotzrlem  der  Schleinmruckstand  aus  dem 
Rudelsdorfer  Tegel  griindlich  durchsucht  wurde,  wurde  keine  Spur  dieser  Art 
gefunden,  die  in  dtm  Tegeln  des  heimischen  Miocaens  sehr  selten  ist,  in  dem 
sie  sicb  bis  jetzt  auf  die  Tegel  von  Steinabrunn  bescliriinkt.  Nicbt  bios  bier, 
sondern  auch  im  auswartigen  Miocaen  ist  ihr  Gebiet  offenbar  beschrankl ;  sie 
ist  nur  aus  dem  engliscben  Crag  und  aus  den  Zukowicer  Tegeln  in  Polen  be- 
kannt.    In  britischen  Meeren  lebend. 

Skenea  ef.  carlnella,  A.  E.  Reus*.  (I860,  I.  c,  S.  266,  Taf.  V.,  Fig.  10.)  Zwei 
Gekause  aus  dem  Tegel  von  Abtsdorf  reihe  ich  provisorisch  dieser  Art  ein. 
Ich  time  es  desbalb,  weil  ich  an  den  vorliegenden  Exemplaren  einige  fttr  diese 
Art  charakteristische  Merkmale  vermisse.  Namentlich  kann  ich  an  einem  ziem- 
lich  gut  erhaltenen  Exemplare  das  Fadenstreifchen  auf  der  Aussenseite  der 
Reuss'schen  Typen  nicbt  bemerken.  Das  Exemplar  von  Triebitz  hat  kahle 
Umgange,  ohne  Zierath  und  nur  durch  quere  Zuwachsringe,  die  jedoch  sehr 
lein  and  nur  nnter  einer  starken  Loupe  sichtbar  sind,  geziert.  Die  oben  aur 
geworfene  Frage,  ob  namlich  die  Individuen  von  Triebitz  dieser  Art  ange- 
horen,  diirfte  das  kiinftige  Stadium  entscheiden,  bis  geniigendes  Vergleichs- 
material  vorliegen  wird.  Es  wird  sich  dann  hauptsiichlich  darum  handeln,  ^ll 
untersucben,  ob  es  Zwisclienformon  gibt  zwischen  denen,  welche  das  erwahnle 
Streifchen  stark  entwickelt  besitzen,  und  den  glatten,  d.  h,  streiflosen  Formed 
Ausser  der  Austernbank   des  Triebitzer  Tegels   wurde   diese  Art   im   marine" 


101 


Tegel  von  Rudelsdorf,  jedoch  auf  dieser  Fundstelle  nur  von  A.  E.  Reuss  ent- 
deckt. 

Vermetus  arenarius,  Linne.  (1856.  M.  Hoernes,  I.  Theil,  S.  483,  Taf.   XLVL, 

Fig.  15.  —  1800.  A.  E.  Reuss  1.  c.  S.  266.)  Die  im  heimischen  Miocaen  weit 
verbreitete  Art  V.  arenarius  koinint  in  alien  Facien  und  fast  in  alien  Gebieten 
vor.  Aus  dem  Miocaen  von  Mfthren,  wo  sie  sowohl  im  Silden  (Rausnitz),  als 
audi  im  Weston  (Borac)  und  Nordwesten  (Drnovice,  Sudice  u.  a.)  zuliause  ist, 
dringt  sie  in  den  Rudelsdorfer  Tegel  ein,  in  dem  sie  in  don  sechziger  Jahren 
von  A.  E.  Reuss  festgestellt  wurde.  In  Niederosterreich  erreicht  sie  in  den 
Sanden  von.  Grund  und  den  Mergeln  von  Gainfahren  die  hoehsto  individuelle 
Entfaltung  im  Badener  Tegel,  im  Mergel  von  Steinabrunn,  Pfaffst&tten,  Grin- 
zing,  Forchtenau,  Enzesfeld  ist  sie  zwar  audi  hiiurig,  jedoch  nicht  in  dem 
Masse  wie  in  dem  obenangeftthrten  Gebiet.  Wie  in  unserein  Miocaen,  so  ist 
sie  auch  in  dem  franzosischen  (Bordeaux),  italienischen  (Tresanti),  siciliani- 
sclien,  in  dem  von  llhodus,  Algerien  u.  a.  zuhause.  Im  Mittelmeere  lebend. 

^erinetus  intortiis,  Lamarck.  (1856.  M.  Hoernes,  I.  Theil,  1.  c.  S.  484,  Taf. 
XLVL,  Fig.  16.  —  1860.  A.  E.  Reuss  1.  c.  S.  266.)  Kommt  gewolmlich  in  der 
Nachbarschaft  (lor  vorigen  Art  vor,  auf  deren  Rohrchen  seine  Gebluse  oft 
angewachsen  sind.  Sehr  oft  begegnete  icli  ihm  im  Miocaen  des  westlichen 
(Borafi,  Lomnicka)  und  nordwestlichen  Mahrens  (Drnovice,  Lazanky,  Sudice 
etc.),  von  wo  or  sich  in  unser  b6hmiscb.es  Gebiet  verbroitot,  wo  er  von  A.  E. 
Reuss  im  Rudelsdorfer  Tegel  zuerst  entdeckt  wurde.  In  Stidinaliren  beschraukt 
er  sich  auf  die  Mergel  der  Leithakalkfacies  (Nikolsburg)  und  geht  nach  Nie- 
•hu'osterreich  liber,  wo  man  ihu  in  den  Mergeln  von  Steinabrunn,  Pfaffst&tten, 
Grinding  und  Nussdorf  bestimmte.  Haufig  kommt  er  vor  in  den  subapenniui- 
schen  Schichten  Italiens  und  dann  in  den  miocaenen  Ablagerungen  von  Frank- 
l"eich  (Bordeaux,  Mainot  niiclist  Dax),  England,  von  der  Schwoiz,  Wolhy- 
ttien  u.  a. 

aecuiu  trachea,  Montagne.  (1856.  M.  Hoernes,  I.  Theil  I.  c.  S.  490,  Taf.  XLVL, 
Fig.  19.  —  I860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  265.)  Fig.  11.  —  Ein  Gehause  mit 
einer  erhaltenou  Embryonalkammer  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel  herauszuschlem- 
men,  ist  auch  diesmal  nicht    gelungen.    Das   dort   orbeutete  Material  bezeugt 

&Ut,  dass  C.  trachea  auf  nuserem  Fundorte  sehr  selten  ist,  was  schon  in  den 
secluiger  Jahren  A.  E.  Ileuss  behauptote.  Das  abgebildete  Gehause  von  Ru- 
doltitz  hat  das  Gehause  auf  dem  ruckwiirtigen  Ende  mit  einem  Deckel  zuge- 
^eckt,  auf  der  Aussenseite  mit  hochst  feinen,   dicbt  gereihten  Zuwachsstreifen 

edeckt,  Diese  Streifen  sind  so  fein,  dass  man  sie  nur  uuter  einer  starken 
ul)0  betrachten  und  sich  uberzeugen  kann,   dass   sio   parallel   der  Mundung 

Wen.     Die  Dimensionen  sind  etwas  kleiner  als  bei  den  Individuen  von  Steina- 

lunn,  jedoch    gerade   so   gross   wie   bei   den  Gohiiusen   aus  dem  Mergel  von 

'  !oi'stendorf  bei  (Jerna  Hora.    M.  Hoernes    und  A.  E.  Reuss  fuhren  diese  Art 

.  ls  ('°m  Mergel  von  Steinabrunn  an,  nur  gelang  es  sie  nicht  nur  hier,  namlich 

Borstendorf,  sondern  auch  in  den  Mergeln  von  Alt-Rausnitz  sicberzustcllen. 

11  tremdlandischen  Tertiaerablagerungen   wurde   sie   schlicsslich    bei  Asti,  auf 


d 


102 


der  Insel  Rhodes,  in  Griechenland  usw.  entdeckt.  Heutzutage  lebt  sie  im  Moere 
bei  den  britischen  Kiisten. 


Fig.  16.  Caecum  trachea,  Mont, 
liudelsdorf.  **/]  vergriissert. 


Fig.  17.  Caecum  glabrum,  Mont.  sp. 
liudelsdorf.  ;l0/,  vergrossert. 


Caecum  glabrum,  Montagne  sp.  (Wood.  Crag  Moll.  I.  S.  117,  Taf.  XX.,  Fig.  8. 
—  1860.  A.  E.  Eeuss,  1.  c.  S.  205.)  Fig.  1.7.  —  Soweit  ineine  Kenntnisse 
reichen,  wurde  bisher  ein  einziger  Fundort  dieser  seltenen  Art,  und  zwar  bei 
Rudelsdorf  entdeckt.  Zum  erstenmale  bestimmte  sie  im  hiesigen  Tegel  A.  B- 
Reuss,  zura  zweitenmale  ist  es  mir  gelungen,  sie  dort  zu  entdecken.  Das  Ge- 
hiiuse  dieser  Art  untcrschcidet  man  von  dem  des  C.  trachea  sofort.  Die  Unter- 
schiede  sind  sehr  scharf  und  bestehen  einerseits  in  der  Grosse,  anderseits  in 
der  Beschaffenheit  der  Aussenseite.  Lernen  wir  diese  Eigenschaftcn  kennen, 
so  fill  It  es  uns  sehr  leicht  die  beiden  Arten  auseinanderzuhalten.  Aus  dem 
Miocaen  ist  C.  glabrwm  nur  aus  dem  Crag  bekannt;  heutzutage  lebt  es  im 
britischen  Meere  an  den  Kiisten. 

OdontOStoma  Hoemesi,  A.  E.  Reuss.  (I860,  1.  c.  S.  265,  Taf.  VII.,  Fig.  2.)  In 
den  Bereich  dieser  Art  stelle  ich  ein  schadhaftes,  aus  dem  Tegel  von  Triebitz 
herausgeschlemmtes  Gehiiuse,  das  inbetreff  der  Gestalt  und  des  ExteYieurs  mit 
der  Reuss'schen  Beschreibung  und  Abbildimg  vollkommen  iibereinstimmt.  In- 
dem  ich  weder  das  Original,  nodi  Typen  aus  dem  liudesldorfer  Tegel,  woselbst 
0.  Hoemesi  von  Eeuss  zuerst  erkannt  wurde,  bei  der  Hand  babe,  iiberlasse 
ich  es  der  Zukunft,  daruber  zu  entscheiden.  Ausser  dem  Rudelsdorfer  und  Trie- 
bitzer  Tegel  ist  diese  Art  im  Tegel  von  Baden  und  Lapugy  und  im  Merge' 
von  Steinabrunn  zuhause. 

Odontostoma  plicata,  Montagne.  (1856,  M.  lloemcs  1.  c.  I.,  S.  496,  Taf.  XLlHi 
Fig.  26.  —  I860,  A.  E.  Reuss,  I.  c.  S.  265.)  Erhaltene  und  unversehrte  Ge- 
hiiuse dieser  Art  diirften  iin  Rudelsdorfer  Tegel  sehr  selten  sein.  Trotzdem  ihnen 


103 


eifrig  und  umsichtig  nachgeforscht  wurde  und  trotzdem  eine  bcdeutende  Menge 
des  Rudelsdorfer  Schlemmruckstandes  durehsucht  wurde,  gelang  es  nicht,  sie 
zu  entdecken.  Nach  einer  langen  und  anstrengenden  Durchsuchung  wurden 
endlich  doch  zwei  (lohiiuse  entdeckt,  das  eine  von  cinem  alten,  das  andere 
von  einem  jungen  Individuum,  von  denen  jenes  die  Spitze  abgebroehen  und 
den  Mundrand  stark  scliadliaft  hat,  wahretid  dieses  zwar  eine  unversehrte 
Spitze,  jedocli  die  letzte,  jiingste  Kaunner  abgebroehen  hat.  Auch  A.  E.  Reuss 
machte  iiber  die  individuelle  Menge  dieser  Art  im  Rudelsdorfer  Tegel  dieselben 
Erfahrungen.  Seine  Bemerkung,  0.  plicata  sei  in  dem  dortigen  Sediment  sehr 
selten,  passt,  wie  ersichtlich,  sehr  gut  zu  unserem  Resultate.  Steinabrunn, 
Neudorf  und  Baden  fiihrt  man  als  ihre  Fundorte  im  Gebiete  des  niederoster- 
reichischen  Mioeacns  an.  Gleichzeitig  ist  sie  aus  dem  Tertiiir  von  Frankreich, 
Italien  und  England  bokannt.  Sie  lebt  an  den  Kiisten  Englands  und  im  Mit- 
telmeere. 

Odontostoma  imisulcata,  Beuss.  (I860,  1.  c.  S.  2G4,  Taf.  VI.,  Fig.  4.)  Winzige- 
GehiLuse  dieser  Art  kommen  nach  A.  E.  Reuss  im  Rudelsdorfer  Tegel  sehr  selten 
vor.  In  dem  diesmal  untersuchten  Schlemmriickstande  wurde  kein  einziges 
entdeckt.  Auch  ist  es  nicht  geluugen,  auf  miihrischen  Fundorten  diese  Art 
sicherzustellen,  trotzdem  eiue  bedeutende  Anzahl  von  Localitiiten  durehsucht 
und  betrikhtliche  Massen  von  geschlemmtem  Tegel  griindlich  untersucht  wur- 
den. Auch  aus  den  niederdsterreichischen  miocaenen  Gebieten  liegen  bis  jetzt 
keine  Berichte  vor,  dass  0    unisuloata  dort  zuhause  ware. 

Odontostoma  bisulcata,  Reuss.  (18(10,  1.  c.  S.  264,  Taf.  VI.,  Fig.  6.)  Auch  diese 
winzige  Art  ist  im  heimischen  Miocaen  hochst  selten.  Aber  auch  bei  Rudelsdorf, 
wo  sie  von  Reuss  zuerst  entdeckt  wurde,  kommt  sie  sehr  selten  vor.  Das  ge- 
steht  schon  in  den  sechziger  Jahren  A.  E.  Reuss  zu ;  auch  ich  habe  diesmal 
dieselben  Erfahrungen  gemacht.  In  dieser  lliusicht  gleichen  meine  Resultate, 
was  diese  Art  anbelangt,  vollkommen  den  Resultaten  bei  der  vorigen  Art.  Aus 
dem  Rudelsdorfer  Tegel  geht  0.  bisulcata  in  den  Tegel  mit  brackischer  Fauna 
nicht  iiber;  diese  Eigenschaft  hat  sie  mit  alien  bisher  aus  unserem  bohmischen 
Miocaengebiete  bokannteu  Arten  der  Gattung  Odontostoma  gemeinsam. 

Tui'I>onilla  costellata,  Gratehup.  (1856.  M.  Hoernes  I.  498,  Taf.  XLIIL,  Fig. 
27.  —  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  264.)  Urspriinglich  aus  dem  Badener  Tegel  von 
M.  Hoernes  beschriebtm,  wurde  sie  spiiter  von  A.  E.  Reuss  auch  im  Rudels- 
dorfer Tegel  entdeckt.  Das  diesmal  aus  diesem  Tegel  ausgeschwemmte  Gehause 
gehort  einem  Individuum  von  normaler  Griisse  an,  ist  jedoch,  wie  es  oft  der 
"all  zu  sein  pflegt,  sehr  scliadliaft,  indem  es  nicht  nur  die  Wirbcl,  sondern 
auch  die  jtingsten  Umgftnge  abgebroehen  hat.  Trotzdem  es  als  Bruchstiick  er- 
schoint,  kann  man  an  ihin  alle  diese  Art  in  anderen  Localitiiten  charakteri- 
sierende  Merkmale  verhaltiiissmiissig  sehr  leicht  erkennen.  Ausser  dem  Tegel 
v°n  Baden  wurde  T.  costellata  auch  in  dem  Tegel  von  Lapugy  und  dann  auf 
eitiigen  Fundorten  des  miihrischen  Miocaens  entdeckt;  Zukowce  in  Polen, 
Saint  Paul  bei  Dax  in  Frankreich,  Modena  und  CastelFarquati  in  Italien  wer- 
den  in  der  Litteratur  als  Fundorte  dieser  heutzutage  im  Mittelmeere  lebenden 
Art  angefuhrt. 


104 


Tiirbonilla  pusilla,  FhiUppi.  (1856.  M.  Iloemes  I.,  S.  500,  Taf.  XLTIL,  Fig.  30.  - 
1860.  A.  E.  Reuss  1,  c.  S.  264.)  Diese  Art  ist  dadurch  interessant,  dass  sie 
einer  Gruppe  angehort,  die  aus  sowohl  in  den  echt  marinen  Sedimenten  un- 
seres  ostbohmischen  Miocaengebietes,  als  auch  in  den  brackischen  Aequivalenten 
derselbcn  vorkoramenden  Arten  besteht.  Ilier  wie  dort  sind  ihre  Gehiiuse  schon 
erhalten,  gleieh  gross  und  bis  auf  den  Umstand,  dass  sie  ein  wenig  klein  sind, 
mit  den  aus  den  siidlicheren,  z.  B.  niahrischen  miocaenen  Fuudorten  herriih- 
renden  Gehiiusen  congruent.  Es  soil  jedoch  bemerkt  werden,  dass  diese  Art 
bei  uns  nicht  nur  im  Rudelsdorfer  Tegel,  von  wo  sie  A.  E.  Reuss  zuerst  in  die 
Litteratur  eingefuhrt  hat,  sondern  auch  in  dem  Abtsdorfer,  wo  ich  sie  diesmal 
in  dem  uumittelbar  unter  dem  Schotter  abgelagerten  Tegel  fand,  selten  vor- 
kouiuit.  Viel  reiclier  an  ihren  Individuen  sind  die  Mergel,  nainentlich  der 
Steinabrunner  Facies  (Steinabrunn,  Enzesdorf),  wiihrend  man  in  den  Tegeln 
nur  vereinzelte  Individuen  derselben  festzustellen  vermag  (Baden).  Im  franzo- 
sischen  Miocaen  ist  T.  pusilla  aus  der  Umgebung  von  Dax,  im  italienischen 
aus  der  Gegencl  von  Tarent  bekannt.  In  den  heutigen  Meeren  wurde  sie  im 
Mittelmeere  erfischt. 

Turbouilla  subumbilicata,  Grateloup.  (1856.  M.  Hoernes,  I.  Theil  1.  c  S.  499, 
Taf.  XLIII ,  Fig.  29.  —  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  264.)  Die  niedlichen  Gehiiuse 
dieser  Art  sind  im  heimischen  Miocaen  verhaltuissinlissig  ziemlich  selten.  Trotz- 
deni  sie  nur  auf  einigen  Fuudorten  entdeckt  wurden  (Steinabrunn,  Fnzesfold, 
Nussdorf,  Baden,  Lapugy),  erhellt  daraus,  dass  sie  in  der  raergeligen,  Steina- 
brunner, Leithakalk-  und  Badener  Facies  sich  verbreiten.  Im  Gebiete  des 
bohmischen  marinen  Miocaens  ist  diese  Art  selten,  indem  sie  sich  nur  aid 
den  Rudelsdorfer  Tegel  beschrankt,  wo,  wie  bereits  Reuss  bemerkt  hat,  ihre 
Gehiiuse  selten  zu  linden  sind.  Im  auswiirtigen  Tortiiir  ist  sie  in  1'olen,  Frank 
reich  (Gegend  von  Dax,  Bordeaux),  Italien  (Modena,  Castell'arquato)  und  aul 
der  Insel  Rhodes  zuhause.    Sie  lebt  bis  jetzt  im  Mittelmeere. 

Turbouilla  gracilis,  Bronchi.  (1856.  M.  Iloemes,  I.  Theil  1.  c.  S.  498,  Taf.  XLIII , 
Fig.  28.  -  I860,  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  26;}.)  Sie  wurde  im  Rudelsdorfer  Tegel 
von  A.  E.  Reuss  entdeckt,  der  sie  als  sehr  selten  hervorhebt.  Im  heimischen 
Miocaen  ist  sie  zwar  nur  aus  wenigen  Fuudorten  bekannt,  docli  reiclien  diese 
vollkomnion  hiu,  urn  sich  eine  geniigende  Vorstellung  von  ihrer  Verbreitung 
und  ihrem  Vorkommen  in  einzelnen  Facien  zu  machen.  Steinabrunn,  Nussdorf, 
Potzleinsdorf,  Fmzesfeld,  Baden,  Lapugy  sind  die  von  M.  iloemes  angefiihrten 
Fundorte,  welche  geniigend  bewoisen,  dass  sie  ausser  der  Schlier-  und  Leitha- 
kalkl'acies  in  alien  Facien  verbreitet  ist.  Das  Miocaen  von  Italien,  Frankreich, 
England  und  Rliodos  ist  als  ihr  wciteres  Gebiot  bekannt.  —  Heute  lebt  si- 
bei  den  Kiisten  Siciliens  und  Englaads. 

Turbouilla  pyginaea,  Grateloup.  (1856.  M.  1  hemes,  1.  c.  S.  502,  Taf.  XLIIF, 
Fig.  32.  —  I860,  A.  E.  Eeuss  1.  c.  264.)  Fig.  18.  —  Wenn  uns  ein  reicheres 
Material  vorlicgt,  fiillt  es  nicht  schwer,  aus  demselbeu  eine  ganze  Reihe  von 
Ubergangsforinen  von  den  typischen,  aus  siidlichen  Fuudorten  des  heimischen 
Miocaens  beschriebenen  Individuen  bis  zu  denjenigen,  welche  deutlich  stufeU' 
ionnig  gewunden  sind  und  oben  mit  einer  Falte  umrandete  Umgiinge  besitzeii, 


105 

zusammenzustellen.  Indem  wir  die  eineu  oder  die  anderen  erwiihnten  Indivi- 
duen  beobaehten,  fiillt  uns  iubetreff  des  Aeussereu  auf,  dass  die  stufenforrnig 
gewuudonen  und  mit  einer  Falte  gezierten  Umgiinge  besitzendeu  Individuen 
eine  Abart  der  typisclien  Formen  darstellen.  Meiner  Ansicht  nach  ist  es  nicht 
rathsam  und  nicht  leicht,  eine  genaue  Grenze  hier  zu  zielien.  Selbst  bei  der 
grossten  Vorsicht  sind  die  erhaltenen  Resultate  nicht  befriedigend.  Wir  sehen 


Fig.  18.  Turbonilla  pygmaea,  Unit  Abtsdorf.  30/,  vcigrdssert. 


immer,  dass  die  Merkmale  bald  stark,  bald  schwacli  variierea.  Die  vorlie- 
genden  Gehiiuse  sind  grosstentheils  hiibseh  erhalten,  und  zwar  nicht  nur  die 
aus  dem  Rudelsdorfer,  sondern  audi  die  aus  dem  Abtsdorfer  und  Trlebitzer 
Tegel  stammenden.  line  Griissc  ist  congruent  und  weicht  audi  von  der  Grosse 
der  Gehause  aus  dem  mabrischen  oder  niederosterreichischen  Miocaen  nicht 
ah.  Tin  Rudelsdorfer  Tegel  sind  nach  dem  gegenwiirtigen  Stand  der  Kenntnisse 
die  Gcliiiuse  dieser  Art  hiiutlger  als  auf  Fuudorten  mit  brackischer  Fauna. 
Diese  Erfahrungen  scheinen  gleichzeitig  zu  bezeugen,  dass  die  individuelle 
Menge  dieser  Art,  wie  sie  auf  unserer  bohmischon  Localitiit  erkannt  wurde, 
mit  jener  z.  I!,  im  Badener  Tegel  oder  Steinabrunner  Mergel  congruent  ist. 
Ausser  diesen  Fuudorten  wurde  T.  pygmaea,  noch  im  Tegel  von  Lapugy  si- 
chergestellt.  Friiher  hat  man  sic  aus  don  Sedimenten  von  Saint  Paul  niiclist 
Dax  (Frankreich)  uud  von  Modena  (Ralien)  angefiihrt. 

Aul''»<)ilUla  plicatlUa,  Brocchi,  (1856.  M.  1  hemes  1.  c  I.,  S.  503,  Taf.  XLIIL, 
Fig.  33.  ___  [ggQ)  ^  fi  R(,uss  i  c  g  263.)  Diese  seltene  Art,  im  heimischen 
Miocaen  nur  in  den  Mergeln  und  Tegeln  (Steinabrunn,  Baden)  vorkommend, 
ist  laut  Reuss'schen  Angabe  im  Tegel  von  Rudelsdorfer  sehr  selten.  Diesmal  ist 
°s  nicht  gelungen,  aus  dem  Schlemmruckstaude  des  dortigen  Sedimentes  auch 
nur  eine  Spur  von  ihrem  Gehause  zu  entdeckeu.  Ausser  unserem  und  dem 
niederosterreichischen  Miocaen  ist  sie  in  den  Ablagerungen  Italiens:  Castel'ar- 
quato,  Modena,  Asti  zuhause. 

V('taeon  semistriacus,  FSrussac.  (1850.  M.  Hoernes  1.  c.  S.  507,  Taf.  XLIV. 
Fig.  22.-1870,  A.  E.  Rems,  1.  c.  S.  263.)  Trotzdem  diese  seltene  Art  eifrig 
gesucht  wurde,   ist   es   nicht  gelungen,   ihre    Gehause   im  Rudelsdorfer  Tegel 


106 

diesinal  zu  finden,  wie  es  A.  E.  Reuss  in  den  sechziger  Jahren  unter  weit 
giinstigeren  Umstiinden,  als  es  heutzutage  bei  den  Forschungen  iin  bohmischen 
marinen  Miocaen  der  Fall  ist,  gelungen  ist.  Nur  Gainfahreu,  Voslau  und  Baden 
fuhren  A.  E.  Reuss  und  M.  Hoernes  als  Fundorte  dieser  Art  im  heimischen 
Miocaen  an.  Aus  den  auswiirtigen  Miocaenablagerungen  ist  sie  jedoch  von 
Bordeaux,  Dax,  Leoguan,  Asti,  Tortona,  Turin,  Castellarquato  und  Lissabon 
bekannt. 
Natiea  cf.  redempta,  Michehtti.  (1856.  M.  Hoernes,  1.  c.  1.  S.  522,  Taf.  XLI1, 
Fig.  3.-1870.  A.  E.  Reuss  1.  c  S.  263.)  Fig.  19.  -  Auch  uber  diese  Art 
sagt  A.  E.  Eeuss  in  der  obonangefiilirten  Arbeit,  dass  sie  ira  Rudelsdorfer 
Tegel  haufig  ist.  Die  diesmal  gemachten  Erfahrungen  ttber  ihre  individuelle 
Menge  in  diesem  Tegel  bestatigen  Reuss's  Ansicht  nicht.  Das  soil  jedoch  nicht 
besagen,  dass  sie  uicht  richtig  wiire.  Ich  bezweifle  ira  Gegentheil  ihre  Rich- 
tigkeit  nicht.   Dieser  und  noch    andere  Umstiinde   bestiitigen   niich  niimlich  in 


Fig.  19.  Natiea  cf.  redempta,  Rudelsdorf.  4/i  vergrOssert. 


der  Meinung,  dass  Reuss  cine  andere  Bank  als  ich  ausgebeutet  hat.  Auch 
dessen  wird  im  Abschnitte  iiber  den  allgemeinen  Charakter  der  Fauna  Er- 
wahnung  gethan.  Trotzdem  diese  Art  im  Rudelsdorfer  Tegel  nicht  entdeckt 
wurde,  wurde  sie  doch  in  unseren  Miocaenablagerungen,  und  zwar  in  den 
Abtsdorfer  in  der  Nachbarschaft  der  vorigen  Art  angetroffen.  Es  wurden  dort 
zwei  schon  erhaltene  Gehiiuse  gefunden.  Ich  babe  hier  beide  abgebildet,  urn 
auch  auf  die  Unterschiede  anfmcrksam  zu  machen,  die  sie  von  den  typischen 
Individuen  der  siidlichen  Fundorte  trennen.  Die  Unterschiede  bestehen  ausser 
der  Grosse  in  der  autfallend  stark  entwickelten  und  versttirkten  Flache  der 
Innenlijipe  und  theilweise  auch  in  abweichender  Form.  Ob  diese  Merkrnale 
stabil  sind,  weiss  ich  nicht,  ich  hatte  keine  Gelegenheit  mich  davon  zu  iiber- 
zeugen;  doch  auch  im  negativen  Falle  sind  sic  beachtenswerth.  N.  ef.  re- 
dempta ist  in  den  heimischen  Miocaensedimenten  in  Tcgcln,  Mcrgeln  und 
Sandcn  verbreitet ;    in  der  Leithakalkfacies  ist  sie  selten.     Die  grosste  indivi- 


107 

duello  Entfaltung  hat  sie  jedoch  in  den  Tegeln  (Voslau)  und  Sanden  (Grund) 
Niederoesterreichs  erlangt.  In  den  aequivalenten  Sedimenten  der  erwahnten 
Tegel  in  Mahren  ist  sie  sehr  selten,  welches  mahrische  Gebiet  wir  auch  durch- 
forscht  haben  mogen.  Ebeufalls  wurde  sie  im  Miocaen  von  Siebenbiirgen,  Ga- 
lizien,  Serbien  und  Steiermark  entdeckt,  ferner  wird  sie  am  Italien  und  Frank - 
reich  angefiihrt. 

Natica  mlllepilUCtata,  Lamarck.  (1856.  M.  Themes  I,  1.  c.  S.  518,  Taf.  XLVII, 
Fig.  1,  2-1860.  A.  K.  Reuss  1.  c.  S.  263.)  A.  K.  Reuss  fuhrt  diese  Art  aus 
dera  Rudelsdorfer  Tegel  an  und  schreibt  dariiber,  dass  sie  dort  hiiufig  und 
(lurch  kleine  Individuen  vertreten  ist.  Mir  ist  es  diesmal  nicht  gelungen,  zu 
demselben  Resultate  zu  gelangen.  Trotzdem  ich  den  dortigen  Tegel  sorgfaltig 
untersuchte,  land  icli  nur  ein  zum  Theil  schadhaftes  Gehause  von  N.  mille- 
punetata.  Dagegen  ist  es  gegltickt,  ihre  Gehause  im  Tegel  der  unteren  Trie- 
bitzer  Bank  festzustellen.  Das  dort  gefundene  Exemplar  ist  winzig,  etwa  von 
gleichen  Dimensionen,  wie  die  von  Reuss  im  Rudelsdorfer  Tegel  gefundenen 
Individuen.  Diese  Entdeckung  ist  in  maucher  Hinsicht  interessant  und  wichtig ; 
iuwieweit,  dariiber  ist  in  der  Betrachtung  liber  die  Faunen  unseres  bbb.miscb.8n 
Miocaengebietes  die  Rede.  Die  horizontale  Verbreitung  dieser  Art  im  heimischen 
Miocaen  ist  bedcutend,  doch  auch  die  verticale  Verbreitung  ist  eine  betracht- 
liche.  Fast  in  alien  Facien  kann  man  sie  von  Mahren  (Borstendorf,  Borac,  Alt- 
Rausnitz,  Nikolsburg  u.  a.)  nacli  Niederoesterreich  (Steinabrunn,  Baden,  Gain- 
fahren,  Enzesfeld,  Grund),  nacli  Oberoesterreich  (Horner  Beckon  :  Molt,  Loi- 
bersdorf),  Ungarn,  Siebenbiirgen,  Polen  verfolgen.  Ferner  ist  sie  in  den 
Tertiaerablagerungen  von  England,  Italien  und  Algerien  verbreitet. 


Fig.  20.  Nerlta  picta,  V6v.  Rudelsdorf.  6/i  vergrOssert. 


Merita  picta,  Mrussac.  (1856.  M.  Iloemes,  I.  535,  Taf.  XLVII,  Fig.  14.-1860. 
A.  E.  Reuss  I,  c.  S.  263.)  Fig.  20.  —  Diese  Art  babe  ich  auf  alien  miocaenen 
Fundorten  Bohmens  festgestellt.  Bei  einer  sorgfaltigen  Beachtung  ihrer  indi- 
viduellen  Menge  sah  ich,  dass  sie  in  den  brackischen  Tegeln  von  Abtsdorf 
und  Tricbitz,  weit  reicher  an  Individuen  ist  als  in  dem  echt  marinen  Tegel 
von  Rudelsdorf.     Ueberall    aber   erlangte  sie  dieselben   Dimensionen  und  ihre 


108 


Gehause  dieselbe  Dicke  dor  Wande.    Es  wurden  verhaltnissmassig  wenige  er- 
wachsene  Individuen  gefunden,   die  moisten    Gehause   geho'ren  jungen  Indivi- 
duen an.     Die  Form  dieser  und  jener  ist  mit  denjenigen   aus  den  Tegeln  und 
Morgeln   Matoens    und    Niederoesterreichs   congruent.     Diese   Uebereinstim- 
muBg  besteht  darin,    dass  audi  die  Gehause  dor  niton  Individuen  den  letzten 
Umgang   nicht   abgeschntirt,   sondern   stark  gewolbt    haben.    Die  Neigung   zu 
einer  solchen  abgesclim'irten  Form,  welche  namentlicli  die  Individuen  aus  deni 
Grunder  Sande  aufweisen,  zeigen  freilich  audi  die  grossen  Gehause  aus  unso- 
rem  Gebiete,    dodi    ist  dieses   bezeichnende    Merkmal    ilinon    nicht    im   vollen 
Masse   aufgepragt.    Die    Zeichnungen   dor  Aussonseito   dieser   Gehause    sind 
mit  jonen  identisch,    welche  wir   an  den  Individuen   aus  sudlichen  liounisdion 
Fundorten  boobachton.  Sie  sind  mit  jeneti  identiscli,  die  stark  abgeschniirte  Ge- 
hause besitzen.    Audi   unser  Material  bietet  die    Gelegenheit,  eine  uberaus 
grosse  Menge  von  Veranderungen  dieser  Zeichnungen  zu  betrachten,  wodurch 
entweder  compliciertere  oder    einfachere  Figuren   entstehen,   und   man  kann 
sich  uberzeugen,  dass  selbst  bei  der  grossten  Veranderung  diese  Figuren  doch 
einen  gemeinsamen   einheitlichen  Grundgedanken  aufweisen.    Ich  stimme  mit 
Prof.  Brusina  (iberein,  dass  man  diesen  Zeichnungen  eine  Wichtigkeit  beilegen 
muss,  doch  bin  ich   nicht   im  Stande,   Belege  fur  die    Ansicht    beizubringen, 
dass  diese  Figuren  auf  die  Spur  von  Arten  fuliren.  Nach  dieser  Ansicht  bliebe 
dann  niclits  ttbrig,  als  unser  reiches  bohmisches  Material  dieser  Art  in  nieliirre 
Arten  einzutheilen,  was   ich  jedoch   nach   meiner   Anschauung    und    nach    den 
bisherigen  Erfahrungen  nicht  fur  richtig  erachte.     N.  picta  ist  im  heimischen 
Miocaen  bedeutend  verbreitet,  am  moisten  in  den  oberen  Schichten,  z,  15.  von 
Steinabrunn  und  den  mit  diesen  aequivalonten.  Audi  kommt  sie  im  Sande  von 
Gauderadorf  und  Niederkreuzstatten  oft  vor.  In  Mahren  habe  ich  sie  im  Tegel 
von  Borae  gefunden;  aus  dein    Nikolsburger  Mergel  i'ulirt   sie  M.  Hoernes  an. 
Audi  in  den  Sedimenten  des  Miocaens  von  Ungarn,  Steiermark,  Siebenbttrgen 
und    Podolion  ist  sie  bekannt.     Ferner  i'iilirt  man  sie  aus  den  Tertiaerablage- 
rungen  IVankreichs  und  Italiens  an. 

Nerita  asperata,  Dujardin.  (1856.  M.  Hoernes  I.,  I.  c.  S.  532,  Tat.  XLVII., 
Fig.  12.  •  i860  A.  E.  Reuss  1.  c.  263.)  Audi  in  don  heimischen  miocaenen 
Sedimenten  sehr  selten.  /uorst  hat  sie  hier  A,  M.  Hoernes  entdockt  und 
boscliriobcn,  und  zwar  aus  dom  Sande  von  Grund  und  aus  dom  Tegel  von 
Lapugy;  in  den  Sechziger  Jahren  fand  ihre  hubschen  Gehause  A.  E.  Reuss 
im  Rudelsdorfer  Togo],  wo  sie  seit  dieser  Zeit  nicht  entdockt  war.  Nach  Reuss 
ist  sie  hier  selten.  Im  auswiirtigen  Miocaen:  Touraine. 

Cheimiitzia  perpusiLLi,  Grateloup.  (1856.  M.  Hoernes,  I.  1.  c.  540,  Taf.  XLIIL, 
Fig.  19.)  In  den  Bereich  dieser  Art  stelle  ich  provisorisch  hiibsch  erhaltene, 
im  Tegel  von  Triebitz  ziemlich  hiiufige  Gehause,  Die  Form  des  Gehauses  mid 
des  Gewindes,  ferner  die  Anzahl  d<-r  Windungen  stimmt  mit  typischen  Gehftuseii 
dieser  Art  iiboroin.  Abwoichend  i  t  jodocli  die  Beschaffenheit  der  Aussenseite, 
namentlicli  die  Querstreifen,  die  nicht  gleichmassig  stark,  wie  bei  den  erwahnten 
Typen,  sind,  sondern  gegen  den  in  der  Mitte  des  Umganges  befindlichen  Streifoii 
zu  an  Stiirko  zunehmen.  Diese  Merkmale  sind   stabil  und   weisen   darauf  bin, 


109 

class  man  berechtigt  ware,  die  Individuen  von  Triebitz  fiir  eine  neue  Varietat 
von  Ch.  perpusilla  zu  erklMren.  Dessenungeachtet  thue  ich  es  nicht  und  gebe 
mich  mit  der  mitgetheilten  Bemerkung  zufrieden,  wozu  ich  jedoch  hinzuffige, 
dass  ich  era  nicht  unterlassen  werde,  in  naher  Zeit  die  Stellung  unserer 
bohmischen  Individuen  den  aus  don  Badener  Tegeln,  Enzesfelder,  Gainfahrener, 
Steinabrunner  Mergeln  und  Grunder  Sanden  bekannten  Typen  gegentiber  zu 
ermitteln. 


fcJw 


h 


Fig.  21.  Chemnitzia   minima,  M.   Hoern. 

Abtsdorf,  80/j  vergr.   a,  b  das  Gebause 

von    der    Seite,    c    stark    vergrOsserte 

embryonale  Windung. 


Fig.  22.  Chemnitzia  Reussi,  M.  Hoern. 
Budelsdorf.  m/j  vergrflssert. 


Chemnitzia  minima,  M.  l hemes.  (1866,  1.  c.  S.  542,  Taf.  XLIIL,  Fig.  22.) 
Fig.  21.  —  Bisher  aus  unseren  bohmischen  Miocaenoblagerungen  nicht  bekannt. 
Ueberhaupt  gehort  sie  unter  sehr  seltene  Arten.  M.  Hoemes  z.  B.  i'uhrt  sie 
nut-  von  Baden  und  Lapugy  an.  In  unserem  Gebiete  habe  ich  sic  im  Tegel 
von  Triebitg  (untere  Bank)  und  von  Abtsdorf  (Austeru-  und  obere  Bank)  fest- 
gestellt,  an  beiden  bohmischen  Fundorten  ist  sic  ziemlich  selten.  Hire  Gehiius  e 
sind  grosstentheils  prachtigst  erhalten.  Das  grosste  ist  1'5  mm  lioch.  Die 
Oberfliiche  .ist  glatt  und  glanzend,  nur  unter  einer  starken  Loupe  sieht 
man,  dass  sie  rait  hochst  feinen  Furchen,  welche  die  Zuwachsstreifen  andeuton, 
bedeckt  ist.  Von  Rippen  wurde  koine  Spur  entdeckt. 

Chemnitzia  Reussi,  M.  Hoemes.  (1856.  I.  Theil  1.  c.  S.  511.  Taf.  XLIIL,  Fig. 
20.  —  i860  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  263.)  Fig.  22.  —  Gcwohnlich  priichtigo 
Gehause  dieser  Art,  die  namentlich  in  der  mergeligen,  audi  in  der  tegeligen 
Facies  des  heimischen  Miocaens  verbreitet  ist,  entdeckte  in  unserem  Miocaen- 
gebiete  bereitsA  E.  Eeuss  im  Rudelsdorfer  Tegel.  Aus  dem  Tegel  dieses  Fund- 
ortes  wurden  Geh&use  von  Ch.  Reussi  audi  diesmal  herausgeschlemmt  und 
ausserdem  audi  im  Abtsdorfer  Togo!  sichergestellt.  Auf  beiden  Fundst&tten 
kommt  diese  Art  vorhiiltnissmiissig  selten  vor,  und  ist  in  den  dortigen  Sedi- 
menten  (lurch  Individuen  von  normaler  Grosse  vertreten,  die  mit  don  aus  den 
Fundorten  dor  stidlichen  Gebiete  bekannten  Individuen  vollstiindig  congruent 
Sind.  Nadi  M.  Hoemes  und   A.    E.    lieuss   ist   Ch.    Reussi   im   Badener  Tegel 


110 


selten.  lin  mahrischen  Miocaen  liabo  ich  sie  im  Tegel  von  BoraS,  Lomnicka, 
Drnovice  und  Sudice  gefunden. 

Rissoa  inftata,  Andrzejowsli.  (1856.  M.  Hoerms,  1.  c,  I.,  S.  576,  Taf.  XLVIII. 
Fig.  22.  —  1860.  A.  E.  Reuss  1.  c.  S.  263.)  Sie  ist  in  mancher  Hinsicht 
interessant.  Einerseits  geht  sie  aus  der  raarinen  miocaenen  Stufc  in  die 
brackische  iiber,  anderseits  hat  sie  wiihrend  des  Miocaens  gleichzeitig  in  der 
Nachbarschaft  von  edit  marinen  und  c^clit  brackischen  Fauna,  sowie  audi  in 
Buchten  gelebt,  wo  eine  Mischung  mariner  und  brackischer  Fauna,  ihr  Leben 
fristete.  In  Miilnen  und  Niederosterreich  findet  man  Ihre  Gehiiuso  audi,  und 
zwar  in  einer  bedeutenden  individuellen  Menge  in  den  Congeilensanden  von 
Gaya  (SMmahren)  und  Brunn  (Niederfisterreich).  Im  Rudelsdorfer  Tegel  wurde 
sie  von  A.  E.  Reuss  entdeckt.  Diesmal  wurde  aus  dem  Tegel  nur  ein  einziges 
Gehiiuso  von  ihr  herausgeschlemmt,  welches  leider  bald  in  Triimmer  gieng. 
Soweit  ich  das  noch  erhaltene  GehaiHe  beobachten  konnte,  habe  ich  ersehcn, 
dass  sie  keine  wesentlichen  Untorschiede  von  den  Typen  zeigt,  die  ich  in  den 
Sanden  von  Gaya  in  bedeutender  Menge  gesammelt  habe.  Ausser  dem  Congerien- 
horizonte  Miihrens  und  Niederiisterreichs  ist  R.  inflata  aus  den  sarmatischen 
Sanden  Polens  (Szydlow,  Zalisce,  Szukowice)  und  Wolhyniens  (Staro-FoczacoW, 
Bilka,  Kuncza)  bekannt. 

Rissoa  Moiilinsi,  d'Orbigmj.  (1856.  M.  Roemes,  1.  c.  I.,  S.  570,  Taf.  XLVIII., 
Fig.  14.  —  1860,  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  263.)  Zuerst  von  A.  E.  Reuss  im 
bohmischen  marinen  Miocaen  entdeckt.  R.  Moulinsi  wurde  auch  diesmal  im 
Eudelsdorfer Tegel  als  sehr  selten  erkannt  Es  wurde  nur  ein  schadhaftes  Exemplar 
mit  abgebrocheneu  Embryonalwindungen  herausgeschlemmt.  Bisjetzt  ist  diese  Art 
in  grosserer  individueller  Menge  aus  den  Steinabrunner  Mergeln  und  den  ihnen 
aequivalenten  Sedimenten  (Steinabrunn,  Nikolsburg,  Sndice,  Enzesfeld)  bekannt- 
Auch  wurd(!  sie  im  Miocaen  von  Ungarn  (Szobb),  Italion  und  Frankreich 
entdeckt. 

Rissoa  angulata,  Mchwald.  (1856  M.  Eoemes  1.  c.  I.,  S.  577,  Taf.  XLVIII-, 
I'ig.  23.  —  1860.  A.  E.  Heuss  1.  c.  S.  263.)  Im  Gegcnsatze  zur  vorigen  Art 
ist  diese  im  Rudelsdorfer  Tegel  verhaltnissmassig  hiiufig  und  ausserdem  auch 
im  Tegeldepot  von  Triebitz  zuhause,  wo  bisher  ein  Tndividuum  sichergestellt 
wurde.  Die  Individuen  von  Rudelsdorf  zeichnen  sich  (lurch  diinne  Wiinde,  schlanke 
Gestalt  und  besonders  dadurch  aus,  dass  ihre  LSngsrippen  beinahe  gerade- 
verlaufen  und  nur  sehr  schwach  in  der  Mitte  der  Windung  gekriimmt  sind. 
Von  typischen  Gehiiusen,  wie  solche  in  einer  betriichtlichen  Menge  z.  B.  i" 
den  Congerienschichten  der  Uingebung  von  Gaya  in  Miihren  vorkommen,  sind 
bisher  nur  einige  lestgestellt  worden.  Wenn  wir  die  von  diesen  abweichendon 
Individuen  betrachten,  scheint  es,  dass  sie  vielleicht  besondere  Varietiiten 
dieser  Art  vorstellen.  Diese  Ansicht  besteht  nicht,  wenn  wir  die  vorhandenen 
Uebergaugsformen  beachten.  Wie  die  vorige,  ist  auch  diese  Art  eine  brackische, 
jedoch  auch  in  marinen  Sedimenten  verbreitete.  Im  heimischen  Neogen  reicht 
sie  bis  in  die  Congerien-Schichten  hinauf.  Fiir  unser  Gebiet  ist  sie  noch 
dadurch  wichtig,  dsss  sie  gleichzeitig  mit  anderen  brackischen  Arten  auftritt, 
was  urns  zu  einer  klaren  Vorstellung  iiber    die    Tegel    und    deren    Fauna  bei 


Ill 


Triebitz  ftihrt.  Nach  G.  G.  Schwartz  von  Mohrenstern  (Ueber  die  Familie  der 
Rissoiden,  Denkschriften  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften  Wien  1864, 
S.  54)  kommt  sie  ausserhalb  des  ausseralpinen  Wiener  Beckens  auch  im  Tcgel 
von  Lapugy,  Bujtur,  in  den  Mergeln  der  Umgehend  von  Zalisce  Szukowice, 
Olesko,  Tarnopol  vor. 

Kissoa  Montagni,  Payrandeau.  (1856.  M.  Iloemes  1.  c.  I.,  S.  569,  Taf.  XLVIIL, 
Fig.  13.)  Tn  den  Bereieh  diescr  Art  reihe  ich  zahlreiche  Gehiiuse  aus  dem 
Tegel  von  Rudelsdorf,  AUsdorf  und  Triebitz  ein.  Diese  weichen  in  vielen  Merk- 
nialen  von  den  Typen  der  11  Montagni  ab,  stimmen  jedocli  mit  jenen  in  vielen 
Eigensehaften  iiberein.  Allem  Anscheine  nach  gehSren  sie  einer  Varietat  dieser 
Ait  an.  Erwachsene  Individuen  haben  sechs  Windungen.  Die  vorletzte  Windung 
hat  funf,  die  letzte  zebn  Querringe.  Die  Querfurche  zwischen  den  obersten 
Qnerringen  ist  markanter  als  die  iibrigen.  Durch  dieses  Merkraal  erinnern 
unsere  Individuen  an  1L  Mariae.  Erst  ein  eigehendes  Studium  dieser  Merkmale 
wird  zeigen,  in  wiewoit  man  unsere  interessanten  Gehiiuse  in  den  Bereieh 
dieser  Art  einstellen  kann.  Ausser  dem  Rudelsdorfer  Tegel  wurden  Individuen 
dieser  Art  im  brackischen  Tegel  von  AUsdorf  und  Triebitz,  jedoch  auf  diesen 
Fundorten  in  einer  kleineren  individuellen  Menge  gefunden. 

Kissoa  gcalaris,  Dubois.  (1856.  M.  Iloemes,  1.  c.  I.  567,  Taf.  XLVIIL,  Fig.  12.  — 
I860,  A.  E  Reuss,  1.  c.  S.  262.)  Diese  seltene  Art,  die  Reuss  von  Steinabrunn, 
Lapugy,  und  Modena  anfiihrt  und  die  icli  in  Miiliren  in  den  Mergeln  von  Sudice 
wiederholt  sichergestelt  babe,  gelang  mir  sowie  auch  Reuss  in  unserem  Gebiete 
nur  im  Rudelsdorfer  Tegel  zu  entdecken. 

Hissoa  Venus,  d'Orbigiiy.  (1856.  M.  Iloemes,  1.  c.  I.,  S.  565,  Taf.  XLVIIL,  Fig. 
10.  --  A.  E.  Reuss,  I.  c.  S.  262.)  Diesmal  wurde  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel 
nur  ein  hubsches  Gehiiuse  ausgeschlemmt.  A.  E.  Reuss  bemerkt  ttber  diese 
Art,  dass  sie  in  unserem  Gebiete  nur  selten  ist.  Das  vorliegende  Individuum  ist  alt 
und  mit  typischen  Merkmalen  ausgezeichnet,  nach  weichen  man  es  leicht 
unterscheiden  kann.  R.  Venus  kommt  in  den  Mergeln  und  Tegeln  des  heimischen 
Miocaens  vor;  in  jenen  ist  sie  viol  hiiufiger  als  in  diesen.  In  Mahren  wurde 
sie  im  Mergel  von  Sudice,  Drnovicc,  Nikolsburg,  dann  im  Tegel  von  Borac 
sichergestellt ;  in  Niederosterreich  ist  sie  aus  den  Mergeln  von  Steinabrunn, 
Enzesfeld  und  aus  den  Tegeln  von  Baden  bekannt.  Sie  wird  auch  aus  dem 
Tegel  von  Lapugy  und  den  Scdimenten  von  Merignac  angefiihrt. 

"ydrobia  Frauenfeldi,  M.  Iloemes,  (1856.  Paludina  Erauenfeldi  M.  Iloemes,  I. 
Tl"''l,  1.  c.  S.  565,  Taf.  XLVIIL,  Fig.  10.  --  1860,  A.  E.  Reuss,  1.  c,  S.  262.) 
vk-  23.  Hunderte  von  schiin  erhaltenen,  in  alien  Entwickelungsstadien  befind- 
•ichen  Individuen  kann  man  in  den  Schlemmriickstanden  des  Tegels  von  Schirmdorf, 
AUsdorf,  und  Triebitz  sammeln.  Doch  audi  im  Rudelsdorfer  Tegel  kann  man 
sine  ziemlich  bedeutende  Menge  von  schon  erhaltenen  Exemplaren  sammeln. 
I);e  Gehiiuse  von  unseren  biihmischen  Fundorten  erreichen  normale  Dimensi- 
onen  und  bilden  eine  Wand  von  normaler  Dicke.  Irgendwelche  Abweichungen 
sind  nirgends  zu  beobachten.  Die  Congruenz,  namentlich  von  den  Idividuen  aus 
"nseren  brackischen  Sedimenten  mit  den  Individuen  der  Congerienstufe  ist  also 
v°Hstandig.  H.  Frauenfeldi  bildet  einen  Typus  fur  die  Sande  der  Congerienstufe 


112 


(Hauskirchen,  Frauenfeid),  in  denen  sie  hier  blufiger,  da  seltener  vorkommt 
In  marinen  miocaenen  Sedimenten  koramt  sie  aber  audi  vor,  und  zwar  nicht 
nur  in  echt  brackisclien,  soudern  auch  in  edit  marinen.  In  Mahren  gelang  es 
mir,  sie  in  melireren  Gebieten  festzustellen,  jedoch  immer  in  den  Sedimenten 
der  jiingsten  Tegel.  Vom  Ausland  wird  sie  ans  Wolhynien  angeftlhrt. 


Fig.  23.  Hydrobia  Frauenfeldi,  M.  Hoern. 

Triebitz.  ™/i  vergrosscit. 


Fig.  24    Hydrobia  Frauenfeldi  var. 
Bohemica,  Proch.  Triebitz.  30/1  vergr. 


Hydrobia  Frauenfeldi  var.  Bohemica,  Prochdtha.  Fig.  24.  —  Gleichzeitig  mit 
den  Gehausen  dieser  Art  babe  ich  aus  dem  Abtsdorfer  und  Triebitxer  Tegel 
(aus  der  oberen  als  auch  unteren  Baik)  schon  orhaltene  Gehiiuse  heraus- 
geschlommt,  von  denen  ich  ems  hier  abgebildet  habe.  Diese  Geliiiuse  zeichnen 
sich  dadurch  aus,  dass  ihre  letzto,  jiingste  Wiudung  mit  einem  scliarf  ausge- 
bildeten  Ringe  umwunden  ist,  aufdessen  Oberfh'iche  man  bisweilen —  aber  nur 
unter  einer  starken  Loupe  —  winzige  Hockerchen  be  ibachtcn  kann.  Dieser 
Ring  erstreckt  sich  von  der  Ietzten  Windung  auf  die  vorletzte,  wo  er  entlaag 
der  Unternaht  mit  dieser  parallel  verlauft.  Auf  altere  Windungen  geht  der 
Ring  nicht  iiber.  Dieses  Merkmal  ist  alien  gemeinsam.  An  einigen  Gcliiiusen 
ist  ein  Uebergang  von  der  typischen  H.  Frauenfeldi  zu  uusercr  Variationen  z" 
beobachten.  Inbetreff  der  Grosse,  Menge  der  Windungen,  Gestalt  und 
alien  ubrigen  Eigenschaften  ,  die  erwahnten  ausgenoininen,  weicht  unsere  Varietat 
von  den  Typen  dieser  Art  nicht  ab. 

Hydrobia  concinna,  Sowwby,  (1856.  Paludina  conoinna,  M.  Hoernes.  I.  Theil, 
I.  c.  S.  581,  Taf.  XLVIL,  Fig.  17.)  Diese  seltene  Art,  die  M.  /loonies  nur  aus 
den  Siisswasserablagerungen  von  Moosbrunn  anfuhrt,  die  jedoch  anderen  Autoren 
aus  dem  franzosischen  Miocaen  bekannt  ist,  wurde  diesma]  in  zwei  Exemplaren 
gefanden,  von  denen  das  grossere  besser  erbalten  ist  als  das  jiingere,  das 
wiederum  eine  unversebrte  Aussenseite  und  eine  gliinzende  Oberflache  der 
Wand  besitzt.  Beide  Individuen  sind  normal  gross.  In  unserem  bohmischen 
Miocaengebiete  scheint  sich  H.  concinna  nur  nuf  AUsdorf  zu  beschrankeOi 
wo  sie  in  der  Austerubank  entdeckt  wurde.  Es  wurde  wenigstens  anderswo 
von  ihr  keine  Spur  gefunden. 
Melanopsis  Impressa,  Erauss.  (1850.  M.  Hoernes  I.  c.  I.,  S.  500,  Taf.  XLlX-i 
Fig.  10.  -  1860.  A.  E.  Eeuss.  1.  c.  S.  2(52.)  Fig.  25.  —  Diese  in  den  Congerien- 
ablagerungen    uberaus   biiufige   Art   koiniut   iin    Bereiche   unserer   bohmisclie'1 


US. 

miocaenen  Dopot,  sowohl  in  brackischen  als  audi  in  marinen  Sedimenten  vor. 
In  den  brackischen  Tegeln  ist  sio  die  gewohnlichste  Erscheinung,  und  zwar 
nicht  nur  im  Rayon  von  Abtsdorf,  sondern  audi  in.  dem  von  Triebits,  und 
nanientlich  hier  ist  sie,  wio  ich  raich  iiberzeugte,  hftufig.  Auf  diesen 
beiden  Fundorten  ist  sie  eine  typische  und  zur  Bestimmung  des  Facien- 
charters  wichtige  Art.    Die  dortigen  Gehause    sind  von   wechselnder    Griisse. 


Fig.  25.  Melanopsis  impressa,  Krauss.  Abtsdorf.  '■'•/,  vergrOssert. 


Man  kann  in  ihnen  gauze  Entwickelungsreihen  von  den  winzigen  bis  zu  den 
alten  erwachsenen  Individuen  finden.  Diese  erinnern  an  Individuen  der  Conge- 
rienstufe,  die  sich  von  ihnen  nur  durch  das  untergeordnete  Merkmal  untenscheiden, 
dass  sie  dickere  Wiinde  und  eine  aussergewohnlich  angeschwollene  Aussenflache 
besitzen.  Doch  gelang  es  mir  nicht,  sie  im  Rudelsdorfer  Tegel  sicherzustellen, 
obwohl  sie  eifrig  gesucht  wurde.  Ich  meine,  das  aucii  sie  sicli  auf  die  dortige 
untere  Tegelbank  beschrankt,  woselbst  sie  von  Reuss  ursprunglich  gefunden 
wurde. 


aid, 


»nopsis  tabulata,  M.Hoernes.  (1856, 1.  c.  S.  600,  Taf.  XLIX,  Fig.  15.—  1860. 
■4.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  262.)  A.  E.  Reuss  ftthrt  diese  sehr  scheme  Art  aus  dem 
lege]  von  Rudelsdorf  und  Triebitz  an.  Mir  ist  es  diesmal  gelungen,  ihre  Ge- 
hause auf  iliren  bekannten  Fundorten  im  Tegel  von  Abtsdorf,  Schirmdorf, 
und  Triebitg  zu  entdecken,  aus  dem  Tegel  von  Rudelsdorf  lia.be  ich  sie  nicht 
"Wausgeschlemmt.  Dagegen  ha.be  ich  ihr  Vorkommen  im  Abtsdorfer  Tegel 
tpstgestellt,  wo  sie  bisher  nicht  entdeckt  worden  waren.  Indem  mir  audi  das 
Material  unseres  Museums  vorlag,  in  welchem  sicli  prachtig  erhaltene  Ge- 
hause dieser  Art  aus  Rudelsdorf  befinden,  hatte  ich  die  Gehause  von  M.  ta- 
bulata aus  alien  unseren  bis  jetzt  bekannten  Miocaengebieten,  das  Gebiet  von 
Bohmigch-Trllbau,  wo  bisjetzt  keine  Gastropoden  gefunden  worden  sind,  freilich 
ausgenommen.  Diese  Art  ist  nach  den  bisherigen  Erfahrungen  sowohl  in  un- 
seren  marinen  als  audi  brackischen  Sedimenten  sohrselten;  viel  seltener  als  M. 
•flpressa.  Meine  Erfahrungen  dariiber  bestatigen  und  ergiinzen  die  Reuss'schen, 
deren  Sinn  derselbe  wie  dec  meinigen  ist;  der  Umstand,  dass  die  aus  den  brackischen 

8 


114 


Tegeln  ausgeschlemmten  Exomplaren  kleinsind  unddass  die  aus  dem  Rudelsdorfer 
Tegel  stammcnden  Gehause  grossen  Individuen  angehoren,  ist  gewisa  interessant, 
wenn  man  frtiber  ersehen  hat,  dass  die  Gehause  aus  beiden  Facien  eine  gleiche  An- 
zahl  von  Windungen,  jedoch  verschieden  dicke  Wiindo  habon.  Diese  Abweichungen 
sind  den  Einfliissen  von  faciellen  Umstanden  und  Differenzen  zuzuschreiben. 
Diese  Ansicht  wird  auch  darcli  einen  weiteren  Umstand  bestatigt,  dass  die 
von  M.  Hoernes  beschriebenen  Gehause  dieser  Art,  von  denen  der  Autor  die 
Bemerkung  beifttgt,  sie  scien  in  den  Grander  Sand  eingeschwemrat,  inbetreff 
der  Dimensionen  mit  den  Rudelsdorfer  congruent  sind.  Ausser  unsercn  bohmi- 
sclien  Fundorten  kennt  man  diese  Art  nur  aus  den  Grander  Sanden. 

Bulla  cf,  miliaria,  Brocchi.  (1856,  M.  Hoernes,  1.  c.  I.  S.  619.  Tat  L,  Fig.  3.  — 
1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  262.)  Die  Form  des  Gehauses,  der  Charakter  der 
Oberflache  und  des  Mundrandes  veranlasscn  mich,  das  vorliegende  schadhafte 
Exemplar  in  den  Bereich  dieser  Art  zu  stellen,  deren  typische  Individuen 
A.  E.  Reuss  schon  im  J.  1860  im  Rudelsdorfer  Tegel  sichergestellt  hat.  Es 
stammt  aus  dom  Tegel  der  Abtsdorfer  Austernbank.  In  den  Gebieten  des  hei- 
mischen  Miocaens  ist  B.  miliaris  namentlich  aus  den  Sedimenten  der  Leitha- 
kalkfacies  und  des  Steinabrunner  Mergels  bekannt,  aber  auch  hier  selten  anzu- 
treffen.   Aus  dem  ayswartigen  Miocaen  wird  sie  von  Castellarqnato  angeftthrt. 

Bulla  conulus,  Deshayes.  (1856,  M.  Hoernes,  I.  1.  r.  620.  Tat  L,  Fig.  4.  — 1860. 
A,  E.  Reuss  1.  c.  S.  262.)  Im  heimischen  Miocaen  viel  weiter  als  die  vorige 
Art  verbreitet.  Aber  in  unserem  bohmischen  Miocaengebiete  ist  es  nicht  der 
Fall,  hier  ist  sie  ebenso  selten  wie  B.  miliaris.  Im  Rudelsdorfer  Tegel  stellte 
diese  Art  bisjetzt  nur  A.  E.  Reuss  sicher.  Am  hauflgsten  trifft  man  sie  in  den 
Steinabrunner  Mergeln  (Niederoesterreich),  seltener  in  den  Potzleinsdorfer 
Sanden  und  Badener  Tegeln,  in  diesen  nur  in  vereinzelten  Individuen.  Das 
Miocaen  von  Siebenbttrgen,  Steiermark,  Polen,  Frankreich,  Italien  und  Rhodus 
wird  als  ihr  weiteres  Gebiet  angeftthrt. 

Bulla  Brocchii,  Michelotti.  (1856.  M.  Hoernes,  I.  Theil  1.  c.  S.  622,  Tat  L,  Fig' 
6.  — 1860.  A.  E.  Eeuss,  1.  c.  S.  262.)  Diese  seltene  Art,  bisher  aus  den  San- 
den von  Niederkreuzstatten  bekannt,  entdeckte  in  unserem  bohmischen  Miocaen- 
sprengel  bisjetzt  nur  A.  E.  Reuss,  und  zwar  im  Rudelsdorfer  Tegel,  wo  er 
ihn  als  sohr  selten  fand.  Die  miocaenen  Sedimente  von  Dax,  Turin,  Castellaf- 
quato  sind  als  ihr  Gebiet  bekannt.  Heutzutage  lebt  sie  im  Mittelmeere. 

Bulla  truncata,  Adams.  (1856.  M.  Hoernes,  1.  c.  L,  S.  621,  Tat  L,  Fig.  5. - 
1.860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  262.)  A,  E.  Eeuss  hebt  von  dieser  Art  hervov, 
dass  sie  iin  Rudelsdorfer  Tegel  selten  ist.  Nach  M.  Hoernes  ist  sie  im  hei- 
inischen Miocaen  iiberhaupt  eine  seltene  Erscheinung,  indem  sie  bisjetzt  nur 
bei  Baden,  Steinabrunn  urn  Lapugy  sichergestellt  wurde.  Im  auswartigen  Mio- 
caen ist  sie  in  den  Sedimenten  von  Rhodus,  Sutton,  von  dem  St.  Paul-Daxer 
Beckon  zuhause.  Sie  lebt  in  europiiischen  Meeren. 

Bulla  Lajonkaireana,  Basterot.  (1856,  M.  Hoernes  I.  Theil,  1.  c.  S.  624,  Taf.  U 
Fig.  9.  —  1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  262.)  Diese  rein  brackische,  in  den  SchiCfl- 
ten  der  Sarmatischen  Stufe  in  einer  grossen  Mengo  vorkommcnde  und  fl& 
dieselben  bezeiclmende  Art  entdeckte  im  Rudelsdorfer  Tegel  nur  A.  E.  Eeuss, 


115 


und  zwar  in  einer  bedeutend  geringen  individuellen  Menge.  Diesmal  ist  es  mir 
nicht  gelungen,  ira  Schlemmruckstande  auch  nur  eine  Spur  von  ihr  aufzufinden. 
Wie  friiher  erwfthnt  worden  ist  B.  Lajonkaireana  in  den  Sarmatischen  Sanden, 
namentlich  in  Sudm&hren,  Niederoesterreich  sehr  hiking,  ebenfalls  ist  sie  im 
Tertiaer  von  Wolhynien,  Podolien,  Bessarabien,  Morea  und  Rhodos  haufig. 

Flssurella  Italica,  Defranee.  (1856.  M.  Hoernes,  1.  c.  I.,  641,  Taf.  L,  28.  — 
1860.  E.  A.  heuss  1.  c.  S.  262.)  Nur  ein  kleines.  jedocli  ziemlich  gut  erhaltenes. 
Bruchstiick  wurde  diesmal  im  Schlemmruckstande  des  Rudelsdorfer  Tegels 
uachgewiesen.  Auch  Reuss  bemerkt  in  seiner  oben  angefiihrten  Arbeit,  dass  er 
diese  Art  in  demselben  Tegel  sehr  seltcn  land.  Wie  ersichtlich,  bezeugt  also 
auch  mein  jetztiges  Resultat  iiber  die  individuelle  Menge  dieser  Art  die 
Ueuss'sehe  Ansicht.  Im  heimischen  ausserbohmischen  Miocaen  ist  F.  Italica 
namentlich  im  Sande  von  Grund,  Potzleinsdorf,  im  Sandmergel  von  Porsten- 
dorf,  dann  im  Merge!  von  Gainfahren  und  Steinabrunn  verbreitet.  Sie  ist 
ferner  weit  und  breit  in  den  Schichten  des  siideuropaeischen  Tertiaers  verbreitet, 
wo  sie  auf  zahlreichen  Fundorten  in  Italien,  Sicilien,  Frankreich,  Rhodus 
u.  a,,  gefunden  wurde.  Sit;  lebt  im  Mittelmeere. 

Fissurella  clypeata,  Grateloup.  (1856.  M.  Hoernes,  I.  644,  Taf.  L,  Fig.  26.) 
Das  dem  Triebitzer  Tegel  ausgeschlemmtc  Gehiiuse  triigt  alio  typischen  Merk- 
male  dieser  Art,  weshalb  ich  es  in  ihren  Bereicli  einreihe.  Es  ist  jedoch  sehr 
klein,  wievoneinem  verkummerten  Individuum  und  hat  bedeutend  schadhafte 
Pander,  aber  trotzdem  fallt  es  nicht  schwer  es  zu  bestimmen.  F.  clypeata 
wurde  im  Sande  von  Potzleinsdorf,  im  Mergel  von  Steinabrunn  und  im  Tegel 
von  Lapugy  bestimmt,  iiberall  in  einer  unbedentenden  individuellen  Menge. 
Aus  dem  auswiirtigen  Miocaen  wird  sie  von  Frankreich  angefiilirt  (Touraine, 
Saucats  niichst  Bordeaux). 

I'uncturella  ornata,  Reuss.  (1860.  Cemoria  ornata  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  261.  Taf. 
VII.  Fig.  5.)  Nur  ein  Gehiiuse  dieser  Art  gelaug  es  mir  diesmal  im  Rudels- 
dorfer gelben  Tegel  zu  linden.  Leider  ist  es  in  kleino  Stiickchen  zerfallen, 
sobald  der  sie  ausfiillende  Tegel  trocken  und  hart  wurde.  So  diinn  und  zer- 
breciilicli  wurde  das  Gehiiuse  des  erwiihnten  Individuum  gefunden.  Ein  iilin- 
licher  Vorfall  durfte  auch  A.  E.  Reuss  vorgekommen  sein,  denn  er  sclireibt,  er 
lege  das  Bild  dieser  Art  nur  auf  Grund  grosserer  Bruchstiicke  vor.  Was  die 
anssere  Physiognomie  der  vorliegenden  Bruclistiicke  betrifft,  so  kann  man  mit 
Recht  behaupten,  dass  sie  mit  dem  Oharakter  und  der  Besclireibung  des  von 
Reuss  abgebildeten  Exemplars  iibereinstimmt. 

Fmiii'sinnia  clathrataeformis,  Eichtvald.  (1856.  M.  Hoernes.  I.  Tlieil,  1.  c.  S. 
645,  Taf.  L,  Fig.  25.  —  1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  261.)  Ihre  Gehiiuse  fand 
im  marinen  bohmischen  Miocaen  bis  jetzt  nur  A.  E.  Reuss ;  er  entdeckte  sie 
im  Rudelsdorfer  Tegel  in  einer,  wie  er  bemerkt,  sehr  unbedeutenden  indivi- 
fluellon  Menge.  Doch  auch  in  den  si'idlichen  Gebieten  des  heimischen  Miocaens 
ist  diese  Art  selten.  Die  Sande  von  Potzleinsdorf  und  Tegel  von  Lapugy 
werden  als  ihre  Fundorte  angefiilirt.  Im  auswiirtigen  Miocaen  war  sie  friiher 
a«s  don  S(Mlimonten  von  Italien,  Sicilien,  Rhodos  und  Polen  bekanut, 


116 

Dentalium  Badense,  Partsch.  (185(3.  M,  Hoemes,  1.  Theil,  1.  c.  S.  G52,  Taf.  L, 
Fig.  30.  —  18(50.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  261.)  Diese  Art  stellte  im  Rudelsdorfer 
Tegel  nur  A.  E.  Reuss  sicher.  Er  schreibt  von  ihr,  sie  sei  dort  sehr  selten. 
Diese  Erfahrung  wird  audi  (lurch  meine  Resultate  nuterstiitzt  und  bestatigt. 
Viel  haufiger  ist  D.  Badense  im  Miocaen  von  Mahren,  Niederoesterreich,  Polen, 
Ungarn  und  Siebenbtirgen.  Sein  eingentliches  Gebiet  ist  jedoch  dor  Tegel  dor 
Badener  Facies,  in  den  Mergeln  ist  es  selten.  Daruber  haben  uns  die  Alton 
in  dieser  Hinsicht  erzielten  Resultate  belehrt,  und  audi  die  neueren  pflichten 
dieser  Ansicht  im  vollen  Masse  bei.  "Wie  bei  uns  ist  diese  Art  audi  im  Miocaen 
von  Italien,  Sicilien  und  Deutscliland  vcrbreitet. 


Fig.  26.  Dentalium  mutabile,  Doderl. 
Eudelsdorf.  '-'/,  vergrflssert. 


Fig.  27.  Dentalium  Jani,   M.  Hoemes. 
Rudelsdorf.  ''■*/,  vergrOssert. 


Dentalium  mutabile,  Doderlein.  (1856.  M.  Hoemes,  1.  c.  I,  S.  654,  Taf.  L.  Fig. 
32.  —  1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  261.)  Fig.  26.  —  Diese  Art  ist  im  Rudels- 
dorfer gelben  Tegel  sehr  selten.  Diesmal  wurde  von  ihr  nur  ein  kleines  Oe- 
hausefragment  herausgeschlemmt.  Ich.  halte  es  filr  ein  Bruchstiick  und  zwar 
ftir  die  Spitze  von  einem  grosseren  Gehiiuse.  Trotz  seiner  Kleinheit  lasst  uns 
das  vorliegende  Iiruclistiicklein  keinen  Augeblick  im  Zweifel,  welcher  Art  es 
angehort.  Die  Form,  die  Art  der  Berippung,  der  horizontale  Durchschnitt  und 
die  aussere  Strucktur,  all  das  bezeugt  einhellig  seine  Zugehorigkeit  zu  dieser 
Art.  Die  Gehiiuse  von  1).  mutabile  werden  aus  den  Mergeln  von  Steinabrunn, 
Gross-Selowitz,  Borac  und  aus  den  Inseln  Rhodos  und  Cypern  angeftihrt.  Es 
lebt  im  Mittelmeere. 

Dentalium  Jani,  M.  Hoemes.  (1856.  I.  Theil,  1.  c.  S.  658,  Taf.  L,  Fig.  37.  — 
1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  261.)  Fig.  27.  —  Im  Rudelsdorfer  Tegel  ziemlicb 
haufig.  Bisher  nur  Fragmente  herausgeschlemmt,  doch  sind  diese  htibsch  und 
von  fehlerloser  Oberfliiche.  Beachten  wir  die  Diemensionen  dieser  Fragmente, 
so  ist  es  nicht  schwer  uns  zu  tiberzeugen,  dass  sie  so  grossen  Gehausen  an- 
gehoren,  wie  sie  uns  aus  dem  Tegel  von  Baden,  Lapugy,  aus  den  Mergelo 
von  Steinabrunn,  Nussdorf  und  Borafi  u.  a.  bekannt  sind.  Nach  M.  Hoernes 
audi  im  russisch-polnisclien  und  italienisclien  Miocaen  vorkommend. 


117 


Dentalium  eutaliet,  Limit.  (1856.  M.  Hoernes,  1.  c,  I,  S.  658,  Taf:  L,  Fig.  38.) 
Es  wurde  diesmal  ira  Rudelsdorfer  Tegel  zum  erstenmale  festgestellt.  Es  ist 
tlberhaupt  im  heimisclien  Miocaon  solten;  M.  Hoernes  ftthrt  es  von  Baden 
und  Lapugy  an.  Die  vorliegenden  Gehause  wind  zum  Theile  sclilecht  fragmen- 
tarisch  erhalten,  doch  leicht  zu  bestimmen.  Dazu  verhilft  uicht  nur  die  allge- 
meine  Form  des  Gehituses,  sondern  audi  die  aussere  Structur.  In  dieser  Hin- 
sicht  ist  die  Verwochselung  dieser  Art  vieleicht  mit  D.  Jam  unmoglich.  Im 
auswiirtigen  Tertiar  ist  I),  entails  bedeutend  verbreitet,  es  wurde  im  Gebiete 
von  Frankreich,  Italien,  Sicilien,  Rhodes,  Algerien,  England  a.  u.  sichergestellt. 

"entalium  Miclielotti,  M.  Hoernes.  (1856,  1.  c.  S.  (554,  Taf.  L,  Fig..  33.)  Bisher 
nur  im  Rudelsdorfer  Tegel  nur  ein  Bruchstttck  eines  erwachsenen  Individuums  ent- 
deckt.  Die  Aussenseite  des  BruchstOckes  zeichnet  sich  (lurch  scbarfe,  einfache 
Kanten,  glatte  Felder  und  auf  diesen  (lurch  feine  parallele  Farchen  aus.  Es 
sind,  wie  ersichtlich,  durchwegs  typische  Merkmale  der  Imiividuen  vom  Ba- 
dener  Tegel  odor  Steinabrunner  Mergel. 

Chiton  fascicular!  s,  LinnS  var.  (1.860,  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  260,  Taf.  VIII,  Fig.  4.-6.) 
Nur  von  Reuss  im  Rudelsdorfer  gelben  Tegel  festgestellt.  Pbilippi  ftthrt  ihn  aus 
den  Tertiarablagerungen  Siciliens  an,  wiihrend  Wood  ihn  im  Crag  von  Luxon 
bestinunt  hat.  Er  lebt  im  Mittelineere  und  in  britischen  Meeren. 


Chit, 


on  multigranosus,  Reuss.  (1.86S,  1.  c.  S.  259,  Taf.  VIII,  Fig.  8,  9.)  Audi 
diese  Art,  wie  die  vorige,  ist  nur  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel  bekannt,  wo 
sie  A.  E.  Reuss  zuerst  entdeckt  und  beschrieben  hat.  Sie  kommt  dort  sehr 
selten  vor. 


F'9-  28.  Chiton  denudatus,  Reuss.  Rudels- 
dorf.  B0/i  vergrossert. 


Fig.  29.  Chiton   Reussi,  Proch.  Rudels- 
dorf.  80/j  vergrossert. 


Chit 


°"  denudatUS,  Reuss.  (1860,  1.  c.  S.  259,  Taf.  VIII,  Fig.  14,  15.)     Diesmal 

urde  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel  nur  das  hintere,  Endsegment  dieser  inter - 

essanten   Art   ausgescblemmt.     Nach   dem  oralen  Segment    wurde    vergebens 

3  lorscht.    Das    vorliegende,    durch  die    Abbildung   vorgefuhrte    Segment,    ist 

Pvachtig  erhalten,  trotzdem  es  auf  einer  Stelle  ein  bischen  schadhaft  ist.  Hier 

lent  man  bei  einer  starken  Vergrosserung,  dass  die  ganze  Schale  aus  sehr  diinnen 

ulchen  besteht,  die  so  liegen,  dass  sie  alle  im  Gipfel  zusammenlaufen.  In  den 

lenformigen    Furchen    zwischen    den  Situlchen  liegen  winzige  Locher,    liber 

e  chen   auf  unversehrter   Oberflacbe   sehr  niedrige,   leibformige    Hiickerchen 

sicb.  wolben. 

°e  Jf PldllS'  Keuss-  (1860>  l  c-  s-  259>  Taf-  VIIIt  FiS-  12»  13-)    A  E-  Rems 
n  (locIcte  von  seinem  Gehause  im  Rudelsdorfer   Tegel  nur  ein  Mittelsegment. 


118 


Auch  diesmal  wurde  im  Schlemmriickstande  ein  Mittelsegment  gefunden,    das 
ebenfalls  piiichtig  erhalten  ist  und  an  dem  alle  Merkmale  vollkommen  erkenn- 
bar  sind,  von  welchen  Reuss  in  seiner  Beschreibung   Erwiilmung  thut.  Es  sei 
jedoch  hier  bcmerkt,  dass  das  vorliegende  Segment  fast  gerade  und  nicht,  wie 
das  Reuss'sche,    bogenformige  Arme  und  eine  mit  hochst  feinem  Furchen  von 
verschicdenen  Richtungen  und   mit   winzigen,  in  den  Durchschnittspunkten  der 
Furchen  ligenden  Grubchen  bedeckte  OborfUiche  besitzt. 
Chiton  rariplicatus,    Reuss.    (1860,  1.  c.  S.  257,  Taf.  258,  Fig.  10,  11.)    Auch 
von  dieser  Art  wurde  bisher  ein  Mittelsegment  festgestellt,  welches  im  Rudels- 
dorfer  Tegel  A.  E.  Reuss    entdeckte.     Diesmal    wurde   von  ihr  keine  kleinste 
Spur  gefunden. 
Chiton  siculns,  Gray?    (1860,  A.  E.  Reuss,   1.  c.  S.  257,  Taf.  VIII,   Fig.  1-3.) 
Prachtig  erhaltene  Segmente  (beide  Endsegmente  und  Mittelsegment)  entdeckte 
A.  E.  Reuss  im  Rudelsdorfer  gelben  Tegel.  Seit  dieser  Zeit  wurde  nach  ihnen 
vergeblich  geforscht.  Welchen  Erhaltungszustandes  sich  Reuss'  Material  erfreut, 
wird  am  besten  (lurch  die  Zeichnungen  bezeugt,   die  er  in  seiner   Arbeit  liber 
das  bolimische  Miocaen  vorfiihrt. 
Chiton  decoratns,   Reuss.  (1860,   1.  c.  S.  257,  Taf.  VIII,  Fig.  7.)  Ausser  Mittel- 
segmentbruchstucken    wurde    von    dieser    interessanten    Art   niclits    gefunden 
A.  E.  Reuss  hat  sic;  in  der  gelben  Bank  des  Rudelsdorfer  Tegels  gefunden. 
Chiton  Kenssi,  Eroehdzka.  Fig.  27.  —  Das  hier  abgebildete  Hintersegment  weicht 
von  alien  bisher  bekanten  Arten  so  wesentlich  ab,  dass  es  berechtigt  erscheint, 
unter  einem  besonderen   Nanieii  angefiihrt  zu  werden.    Es  unterscheidet  sich 
auffallend,  und  man  kann  es  leicht  an  der  auseren  Gestalt  und  der  OberfRiche 
erkennen.  Es  ist  verhiiltnissmassig  stark  gewcilbt,  am  stiirksten  auf  den  beiden 
Seiten  der  Liingsaxe,  hinten  durch  einen  miissigen  Bogen  beendet,  vorne  iiber- 
hoben  und  mit  einem  stumpfen  Rande  urnrandet.Diesem  Rande  parallel   veilaufen 
kleinere  concentrische   Streifen,    deren  innere  Riinder  das  hintere  Ende  nicht 
erreichen,  da  sie  allmalig  verschwinden.  Die  Mitte  des  Segments  ist  stark  ge- 
wolbt,    ihre  Oberfliiche  ist  mit  gleichen  Rippen  bedeckt,    wolche  vom  Hintcr- 
rande  bis  zur  Peripherie  des  inneren  Streifens  hinziehen,  wo  sie  dann  allmalig 
zusammenlaufen.  Mit  diesen  Rippen  sind  stiirkere  Rippen  parallel,  welche  pa- 
rallel dem  Vorderrande  verlaufen.  Uber  diese  Rippen  —  parallel  mit  dem  Hin- 
terrande  —  legen  sich  feine  Streifen    und  verleihen   dem  Aeusseren  des  Seg- 
ments ein  sehr   zierliches    Aussehen.     Das  orale  und  mittlere    Segment  ist  es 
nicht  gelungcn  zu  entdecken. 
Gastrochaena  dubia,    Pennant.    (1860,  A.  E.   Reuss,  1.  c.  S.  257.  —  1870,  M- 
Iloernes,  1.  c.  II,  S.  5,  Taf.  I,  Fig.  4.)  Diesmal  in  einem  Korallenstock  der  Art 
Solenastraea  tenera  Rss.  aus  dem  Tegel  von  Rudelsdorf  entdeckt.  Auch  A.  E- 
Ueuss  ftthrt  sie  von  da  an.     Doch  ist  es  diesmal  nicht  gelungen,   unvei'sehi'te, 
erhaltene    Individuen  zu  finden,    denn  bereits  im  Stocke    wurden   die  Schalen 
in  Scherben  zerschlagen  gefunden.    Die  Griisse  der  letzteren  weist  darauf  hiBi 
dass  die  Rudelsdorfer  Individuen  kleinere  Dimensionen  batten  als  die  normaleHi 
wie  sie  in  Korallenstocken   der   Grander  Sande  eingebohrt  haufig  vorkommen. 
G.  dubia    ist  nicht  nur  in  den   heutigen    Meeren,   sondern   auch  in  tertiaerefl 


119 

Sedimenten  bedeutend  verbreitet;  ihre  Schalen  besitzen  die  Mergel  von  Gain- 
fahren  und  Kalkburg,  die  Tegel  von  Lapugy;  ausserdem  sind  sie  aus  den 
Sedimenten  von  Khodos,  Sicilien,  Italien,  der  Schweiz,  England  (Lutton)  bekannt. 
Im  Mittelmeere  und  an  britischen  Kilstend  lebend. 
Teredo  Norvegica,  Spengler.  (1870.  M.  Hoernes,  S.  c.  II,  S.  8.  Taf.  I,  Fig.  5.) 
Fig.  30.  —  Zwei  Arten  von  Bohrmuscheln :  Saxicava  artica  L-  sp.  und  Ga- 
strochaena  duhia,  waren  bisher  aus  den  marinen  Sedimenten  des  bohmischen 
Miocaens  bekannt.  Beide  bat  darin  A.  E.  Reuss  entdeckt,  und  zwar  im 
Rudelsdorfer  Tegel.  Es  ist  gewiss  interessant,  (lass  es  diesmal  geglttckt  ist,  im 
Schlemmriickstande  des  Triebitzer  und  denn  des  Abtsdorfer  Tegels  zwei  Schalen 
von  Teredo  Norvegica  zu  fmden.  Hire  Dimensionen  sind  kleiner,  als  die  der 
von  M.  Hoernes  angefuhrten  Individuen.  Nur  die  Abtsdorfer  Schale  ist  gut 
erhalten,  wahrend  die  Triebitzer  den  Wirbel  abgebrochen  und  die  Binder 
schadhaft  hat.  Die  [iussere  Strucktur  ist  an  beiden  Schalen  unversehrt.  Diese 
Art  ffthrt  M.  Hoernes  nur  aus  den  miocaonen  Schichten  von  Kalksburg  bei 
Wien  und  Neudorf  an,  ferner  aus  der  Umgebung  vo  Szobb  in  Ungarn,  Bako- 
vica  siidlicb  von  Belgrad  in  Serbien,  Ottnang  in  Oberoesterreich.  Friiher  war 
sie  aus  den  iniocaenen  Sedimenten  von  Turin,  St.  Gall,  St.  Jean  und  Saucats 
niiclist  Bordeaux,  Modena  und  Asti  bekannt.  Ebenfalls  ist  sie  aus  der  Gegend 
von  Sutton  une  Rumholt  im  Gebiete  des  englischen  Crag  bekannt.  Sie  lebt  in 
alien  Meeren  Europas  und  an  den  Kiisten  Nordamerikas. 


Fig.  30.  Teredo  Norvegica,  Spengl.  Abtsdorf.  4/i  vergrossert. 

Saxica\a  arctica,  Linnl  (1860  A.  E,  Reuss,  1.  c.  S.  256.  —  1870.  M>  Hoernes, 
H-  1.  c  S.  24,  Taf.  Ill,  Fig.  1,  3,  4.)  Bisher  wurde  sie  im  Rudelsdorfer  Tegel 

nur  von  A.  E.  Reuss  sichergestellt.  Mir  ist  es  nicht  gelungen,  ihre  Schalen 
doi't  zu  entdecken.  Ich  bin  jedoch  der  Meinung,  dass  sie  audi  in  unserem 
bohmischen  Gebiete  eben  so  selten  ist,  wie  an  den  ttbrigen  Fundorten,  im  hei- 
mischen  Miocaen,  wo  sie  entdekt  ward  im  Tegel  von  Voslau,  im  Mergel  von 
Gainfahren  und  Enzesfeld,  im  Sande  von  Piitzleinsdorf,  Grund,  im  Mergel  von 
Grinzing  und  Steinabrunn.  Crag  von  Sutton  und  Antwerpen,  Pliocaenschichten 
Siciliens,  von  lUiodus,  Modena,  ferner  die  TertiSrablagerungen  von  Asti,  Turin, 
Castell'arquato  und  Ischia  werden  als  ihre  weitoren  Fundorte  angefiihrt.  Sie 
lst  ferner  in  den  nordlichen  Meeren  verbreitet,  seltencr  kommt  sie  in  den 
Meeren  der  gemassigten  Zonen,  z.  B.  im  Mittelmeere,  vor. 
saminobia  spec.  In  dem  ich  nur  vier  ungeniigend  erhaltene  Schalen  besitze, 
vermag  ich  nicht  zu  entscheiden,  ob  sie  einer  neuen  Art  oder  der  P.  uniradiata 


120 


Brocc.  angehoren,  die  aus  den  Sanden  von  Grund,  Porstendorf  und  Ebersdorf 
bokannt  ist  uud  dort  nacli  M.  Hoernes  haufig  vorkommt.  Gegen  die  Ansicht, 
sie  gehore  dor  hier  angeftthrten  Art  an,  sprechen  einige  Merkmale,  unter  denen 
die  Gestalt  der  Schlosszahne  und  dann  der  Urastand  die  ersto  Stelle  einnimrat, 
dass  sie  keine  aussere  Kante  besitzen,  indetn  sie  eine  sanftgewolbte  und  nur 
mit  hSchst  feinen  Zuwachsstreifen  gezierte  Aussenseite  besitzen.  Diese  Um- 
stande  haben  mich  dahin  geftihrt,  dass  ich  die  Fragmente  erwiihnter  Sclialen 
hier  unter  dieser  Uberschrift  angefiihrt  habe.  Nach  den  bisherigen  Erfahrungen 
zu  schliessen,  sind  diese  Sclialen  in  den  Tegeln  von  Abtsdorf  und  Triebitz 
verhaltnissmassig  selten,  denn  sie  wurden  dariu  erst  nach  einem  langen  Suchen, 
wie  schon  i'ruher  erwahnt,  nur  in  wenigen  Exemplaren  gefunden.  Das  Vorkommen 
yon  Vertretern  der  Gattung  Psammobia  findet  sich  ubrigens  in  der  genauesten 
Ubereinstimmung  mit  dem  ubrigen  Charakter  der  Fauna  sowohl  der  Abtsdorfer 
als  auch  der  Triebitzer  Tegel.  Audi  sie  sind  ein  Beleg  dafilr,  dass  die  Scbicht, 
wo  ihre  Sclialen  vorkommen,  in  einer  massigen  Tiefe,  in  der  Niiho  der  Ktiste 
oder  in  einer  Bucht  mit  brackischem  Wasser  abgelagert  wurde. 
Corbula  gibba,  Olivi.  (I860,  A.  E.  Reuss,  1.   c.  S.  256.   —  1870.    M.  Hoernes, 

I.  C  II.,  S.  3,  4,  Taf.  HI.,  Fig.  7.)  Hiibsch  erlialtene  Sclialen  von  dieser  Art 
konnen  ausser  dem  Rudelsdorfer  auch  in  dem  Schvrmdorfer  und  Abtsdorfer  Tegel 
gefunden  werden.  Es  ist  also  interessant,  dass  diese  Art  sowohl  in  marinen, 
als  auch  in  edit  brackischen  Sedimenten  vorkommt.  Reuss  war  diese  Art  nur 
aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel  bekannt.  Es  sei  hervorgehoben,  dass  die  Rudels- 
dorfer Scbalen  in  alien  Merkmalen  mit  den  anderwartigen  Individuen  sowohl 
aus  den  niahrischen  als  auch  niederoesterreicliisclien  Fundorten  iibereinstimmen. 
Im  gefundenen  Material  gibt  es  verschieden  grosse  Individuen,  jedoch  die 
kleineren  herrschen  vor,  aber  ich  zweifle  nicht,  dass  es  im  Tegel  von  Rudels- 
dorf  auch  so  grosse  Individuen  gibt  wic  z.  13.  in  dem  von  Baden.  Mann  muss 
nur  intensiver  suchen,  urn  si  zu  finden.  Inbetreff  der  Verbreitung  dieser  Art 
im  heimischcn  Miocaen  soil  auch  hier  bemerkt  werden,  dass  sie  eine  sehr 
grosse  ist.  0.  gibba  komint  fast  iiberall  vor,  sowohl  in  der  tegeligen,  als  auch 
in  der  mergeligen  uud  Leithakalkfacies  vor.  Dasselbe  ist  auch  von  ihrer  hori- 
zontalen  Verbreitung  zu  erwahnen.  Aus  unserem  bohmischen  Gebiete  geht  sie 
nach  Mahren,  von  dannen  nach  Nieder-  und  Oboroesterreich,  Galizien,  Ungarn, 
Siebenbflrgen,  Serbien  u.  s.  w.  ttber.  Ferner  wurde  sie  im  Tertiaer  von  Frank- 
reich,  Belgian,  England,  Italien,  Sicilien,  Algerien  entdeckt.  Sie  lebt  in  ouro- 
paischen  Meeren  an  den  Kiisten. 

Corbrila  carlnata,  Dujardin.  (1860,  A.  E,  llcuss,  1.  c.  S.  256.  —  1870.  M.  I  hemes, 

II.  1.  c.  S.  36,  Taf.  III.,  Fig.  8.)  Fig.  31.  —  Schon  erlialtene  Sclialen  von  dieser 
Art  kann  man  im  Tegel  von  I'udelsdorf'm  zioinlicher  Menge  finden.  Sie  scheiiien 
dort  haufiger  zu  sein  als  die  Sclialen  der  C.  gibba.  Es  ist  zugleich  interessant, 
dass  es  mir  gelungen  ist,  eine  Schale  der  vorliegenden  Art  auch  im  dem  Abts- 
dorfer, unter  dem  dortigen  diluvialen  Schotter  abgelagerten  Tegel  zu  finden. 
Rudelsdorfer  Sclialen  weichen  durcli  nichts,  auch  nicht  durch  das  kleinste 
nebeusiichliche  Merkmal,  von  Sclialen  aus  anderen  Fundorten  ab.  Wie  die 
vorige   ist   auch   diese   Art   im  heimischen  Miocaen,  sehr  vertreitet,  wo  sie  in 


121 

don  Sedimenten  der  Leithakalkfacies,  nauieutlich  bei  Steinabrunn  die  stiirkste 
Entfaltung  erreicht.  Ira  mahrischen  Miocaen  ist  sie  verhiiltuissmassig  selten. 
Man  kennt  sie  von  Steinabrunn,  Gaiufahren,  Enzersdorf,  Kienberg,  Grund, 
Niederkreuzstatten,  Forchtenau,  Mattersdorf;  ausser  dem  wurde  sie  feruer  im 
Miocaen  von  Dngarn,  Steierinark,  Krain,  Siebenbiirgen,  Serbien,  Frankreich  und 
Italien  entdeckt. 


Fig.  31.  Corbula  carinata,  Dujard.  Abtsdorf,  */,  vergrOssert 

*i.Mactra  fragilis,  Prochdnka.  Fig.  32.  —  Unter  diesem  Namea  flihre  ich  hier 
eine  Art  an,  von  welcher  man  ein  endgiltiges  Urtheil  zu  fallen  im  Stande 
sein  wird,  bis  erhaltene,  unversehrte  Individuen  vorliegen  werden.  Docb  audi 
am  vorliegenden  schadhaften  Material  ist  es  nicht  schwer,  Abweichungen  kennen 
zu  lernen,  durch  welche  sich  diese  Art  von  den  verwandten  unterscheidet. 
Diese  Differenzen  sind  im  ersten  Augenblicke  auffallend,  ihr  Gewicht  wird 
von  dem  ligamentaren  Flttgel  erhoht.  —  Dieser  nimmt  an  Gewicht  ab,  sobald 
wil"  zu  dem  eingcnthiimlichen  Charakter  des  Schlosses  den  Blick  wenden. 
Dieses  tragt  den  Charakter  einer  Ubergangsform  zwischeu  den  Gattungen 
Syndosmya  und  Mactra  tief  eingepragt.  [nwieweit  es  dieser  oder  jener  ent- 
sPricht,   kann   ich  vorliiulig   aus   oben   erw.ab.nten  Griinden  nicht  entscheiden. 


Fig.  32.  ?  Maotra  fragilis,  Proch.  Triebitz.  4/i  vergrOssert. 
a  rechte,  b  linke  Klappe  von  innen,  c  linke  Klappe  voa  aussen. 

*Uf  diese  Fragen  gibt  ein  erhaltenes  Material  eine  klare  Antwort,   das  man 

urch  sorgfaltiges  Schlemmen  einer  grossen  Menge  von  Tegel  gewinnt.   Man 

muss  scllon  desbalb  sorgfaitig  vorgefce^  wcil  die  Schalen  dieser  Art  sehr  dtinn 

Slnd,  so  dass  sie  bei  dem  kleinsten  Drucke  zerbrechen  und  zerbrockeln.  Nach 


122 

meinen  bisherigen  Erfahruugen  ist  diese  Art  fUr  einc  echt  brackische  zu  lialten. 
Sie  wurde  aus  dcm  Tegel  von  Triebitz  und  Abtsdorf  horausgoschlemmt,  wiihrend 
im  Rudelsdorfer  Tegel  von  ihr  keine  Spur  zu  bemerken  war. 

Venus  fasciculata,  Reuss,  (1860.  Cytherea  fasoiculata  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  254, 
Taf.  VI,  Fig.  7.  —  1870.  M.  Iloernes,  1.  c.  II.,  S.  128,  Taf.  XIIL,  Fig.  5.) 
Fig.  33.  —  Ich  habe  hier  eine  rechte  Schale  eines  ganz  jungen  Individiums 
abgebildet.  Ich  habe  dies  absichtlich  gethan,  in  dem  ich  die  demselben  eigen- 
thtlmlichen,    von    den  Merkmalen    dor   Schale    eines   alten  Individiums  etwas 


Fig.  33.  Venus  fasciculata,  Reuss.  Rudelsdorf.  37,  vergrdssert.    Linke  Klappe  von  ausscn. 


abweichenden  Merkmale  hervorheben  wollte.  Diese  untergeordneten  Abwei- 
chungen  bestehen  darin,  dass  die  Aussenseite  der  Klappe  nicht  nur  mit  stark 
sich  abhebenden  Zuwachsleisten,  sondern  auch  mit  feinen  Streifen  bedeckt  ist, 
welche  letztere  in  den  Zwischenriiumen,  fruiter  bezeiclmeten  starken  Streifen 
oder  Leisten  eingcschlossen  sind.  Wie  schon  bemerkt  wurde,  sind  diese  Ab- 
weichungen  von  cinem  untergeordneten  Charakter,  und  ich  lege  ihnen  keine 
Wichtigkeit  bei,  immerhin  ist  es  aber  erforderlich,  auch  sie  nicht  zu  iiber- 
gehen.  A.  E.  Reuss  und  nach  ihm  M.  Iloernes  zeichnen  in  den  angefiihrten 
Arbeiten  ganz  erwachsene  Individuen.  Diese  Art  wurde  zuerst  von  A.  E.  Reuss 
im  Miocaendepot  von  Eudelsdorf  entdeckt,  spiitcr  fand  man  sie  auf  verschie- 
denen  Orten  im  ausseralpincn  Miocaenbecken,  z.  B.  bei  Grinzing,  Gainfahreil, 
Enzesfeld,  Steinabrunn,  Porzteich,  Grand,  Niederkreuzstiitten  und  Forchtenau. 
Aus  den  ausserwiirtigen  Ablagerungen  ist  sie  von  Bordeaux  bekannt.  Auch  in 
Ungarn,  und  zwar  in  den  Tegeln  von  Szobb  und  dann  in  Siebenbiirgen,  in  den 
Tegeln  von  Lapugy,  wurde  sic  sichergestellt. 
Venus  multilamella,  Lamarck.  (1860.  Cytherea  multilamellata  Reuss,  1.  c.  S.  252. 
[870.  V.  multilamella  M.  Iloernes,  1.  c.  II.,  S.  130,  Taf.  XV.,  Fig.  2,  3.) 
Diese  im  heimischen  Miocaen  weit  und  breit  verbreitete  Art  koniint  im  biihini- 
schen  Miocaen  nur  im  Tegel  von  Rudelsdorf,  und  zwar  sehr  selten  vor.  Diestnal 
gelang  es  nicht,  im  dcnselben  Tegel  und  auch  nicht  anderswo  im  bolnnischen 
Gebiet  ihre  Schalen  zu  entdocken.  Sie  ist  fur  die  Tegel-  und  MergelfacioS 
charakteristisch,  dagegen  kommt  sie  in  der  Sandfacies  nur  vereinzelt  vor. 
Fundorte  gibt  es  in  einer  grossen  Menge,  hier  seien  nur  die  typischen  ange* 
fiilirt:  Grinzing,   Gainfahren,  Enzesfeld,  Voshui,   Baden,    Grund  (Niederoester- 


123 


reich),  Szobb  (Ungarn),  Grussbach,  Drnovico,  Borac  (Miihren).  Meissan,  Aust- 
rank,  Ottnang  (Oberoesterreich) ;  Lapugy  (Siebenbiirgen),  Korytnice  (Polen). 
Ausser  dem  ist  sie  aus  den  tertiaeren  Ablagerungen  von  Rhodos,  Corfu,  Si- 
cilian, Italien,  dor  Schwoiz,  Algorien  u.  a.  bekannt. 

*enns  Basteroti,  Deshayes.  (1870.  Venus  Brongniarti  A.  E.  Eeuss,  1.  c.  S.  251.  — 
1870.  V.  Basteroti  M.  Hoernes,  II.,  1.  c.  S.  136.,  Taf.  XV.,  Fig.  9.)  Aus  der 
Reuss'schen  Resehreibung  schliesse  ich  wieder,  dass  Reuss  ein  hiibsch  erhaltenes 
Material  dicser  Art  gehabt  hat.  Mir  mangelt  es  fast  an  detnselben.  Es  gelang 
niir  niclit,  im  Schlennnitickstande  mehr  als  eine  nicht  allzu  gut  erhaltene  Klappe 
zu  linden.  Sie  hat  einen  vorne  schadhaften  Rand  und  gehort  ausserdern  einem 
jungen  Individuum  an.  Trotzdem  kann  man  aber  ziemlich  leicht  erkennen,  dass 
sie  der  Merkmale  nicht  entbehrt,  von  denen  Reuss  spricht  und  die  M.  Hoernes 
in  seiner  Monographic  der  fossilen  Mollusken  des  Wiener  Tertiaerbeckens  er- 
wiihnt.  Auf  zahlreichen  Fundorten  wurde  diese  Art  im  heimischen  Miocaen 
in  der  Umgebung  von  Grund,  Gainfalnen,  Enzesfeld,  Potzleinsdorf,  Speising, 
Ebersdorf,  Kienberg,  Porstendorf  und  Ritzing,  von  wo  sie  M.  Hoernes  anfiihrt, 
sicher  gestellt.  Ausserdern  erwiihnt  derselbe  Autor,  dass  sie  in  den  Tertiaerablage- 
rungen  von  Turin,  Pont-Cevoy  (Italien),  Polt  (Steiermark),  Kralov.4  und  Ne- 
niesest  (Ungarn),  Lapugy  und  Bujtur  (Siebenbiirgen)  vorkommt  und  fiigt  hinzu, 
sie  sei  audi  aus  Polen  (Korytnice)  und  aus  Wolhynien  (Szuszkowce  und  Bialo- 
zurka)  bekannt. 

^Stherea  sp.  Das  vorliegende  Bruchstiick,  das  aus  dem  gelbea  Tegel  von  Rudels- 
dorf  herausgeschlemmt  wurde,  beweist  seine  Zugehorigkeit  zur  Gattung  Cytkerea. 
Fiir  diese  Ansicht  zeugen  alle  Eigenschafteu  seines  Aeusseren.  Aber  kein  ein- 
z'ges  von  diesen  Merkmalen  erlaubt,  die  Artengruppe  richtig  zu  bestimmen. 
In  Anbetracht  dieses  Umstandes  begniige  ich  mich  mit  der  eben  gemachten 
Bemerkung. 

^irce  minima,  Montagne.  (1860.  Cytherea  Cyrilli  Reuss,  1.  c.  S.  256.  —  1870. 
C.  minima  M.  Hoernes,  1.  c.  II.,  158,  Taf.  XIX.,  Fig.  5.)  A.  E.  Reuss  hat  diese 
Art  im  Rudelsdorfer  Tegel  zuerst  sichergestellt.  Er  schreibt,  sie  sei  dortselbst 
Sehr  hiiufig.  Diesen  Bericht  kann  ich  derzeit  nicht  bestiitigen.  Meinen  Erfah- 
rnngen  gemass  ist  sie  im  gelben  Tegel  eine  seltene  Erscheinung  und  ist  durch 
kleine  und  gleichzeitig  durch  grosse  Individuen  vertreten.  Von  diesen  letzteren 
scheint  es  eine  viel  grossere  Menge  zu  geben.  Ausser  dem  Rudelsdorfer  Tegel 
habe  ich  diese  Art  audi  aus  dem  Abtsdorfer  herausgeschlemmt,  von  wo  ein 
kleines,  schadhaftes,  jedoch  ziemlich  gut  bestimmbares  Individuum  stammt. 
C  minima  ist  gewissermassen  eine  fur  die  Leithakalkfacies  bezeichnende  Art, 
sie  kommt  in  deren  Ablagerungen  verhaltnissmassig  hiiufig  vor.  Dasselhe  gilt 
auch  von  der  Fades  der  Steinabrunner  Mergel,  in  denen  ihre  Schalen  eine 
ziemlich  haufige  Erscheinung  sind;  im  Tegel  der  Badener  Facies  ist  sie  da- 
8egen  selten.  Sie  ist  im  heimischen  Miocaen  weit  und  breit  verbreitet.  Als  ihre 
"-ypischesten  Fundorte  sind  die  Umgebungen  von  Steinabrunn,  Gainfahren,  Grund, 
Baden,  Potzleinsdorf  (Niederoesterreich),  Nikolsburg,  Grussbach,  Drnovice  und 
BOra6  in  Miihren;  Forchtenau,  Ritzing  und  Hidas  in  Ungarn;  Lapugy  und 
Bujtur  in  Siebenbiirgen ;  Holubice,  Alesz  in  Galizien  zu  bezeichnen.  Ausserdern 


124 


ist  sie  aus  den  Kalamaker  (Griechenland),  schweizerichen,  italienischen  und 
belgischen  Tertiaerablagerungen  bekannt.  Sie  Iebt  im  mittellandischen  und  bri- 
tischen  Meere. 

Tellina  sp.  Aus  dem  blaulichen  Tegel  von  Triebita,  und  zwar  aus  der  oberen 
Bank,  warden  drei  Schalen  herausgeschlemmt,  von  denen  kein  Zweifel  besteht, 
dass  sie  einer  Art  der  Gattung  Tellina  angehoren.  Welcher  Art  sie  jedoch 
unterzuordnen  sind,  dartiber  Iassen  sie  uns  im  Zweifel.  Erst  ein  kunftiges 
Studium  von  einem  reicheren  Materiale  wird  im  Stande  sein,  daruber  eine 
richtige  Antwort  zu  geben.  Vorlaufig  ist  es  gewiss  interessant,  wenn  wir  in 
diesen  Brucbsttlcken  vertreter  der  Gattung  Tellina  sicher  gestellt  haben,  von 
welcher  man  bisher  nicht  gewusst  hat,  dass  sie  aucb  in  unserem  bohmischen 
Miocaensprengel  vertreten  ist. 

Cardium  papillosum,  Poll  (1860.  Cardium  pundatum  A.  E.  Reuss,  1.  e.  S.  246. 
-  1870.  C.  papillosum  M.  Hoernes,  1.  c.  II.,  191,  Taf.  XXX.,  Fig.  8.)  Im  Ganzen 
drei  Bruchstucke  von  verschiedenen  und  versehiedenalterigen  Schalen  warden 
diesmal  aus  dem  gelben  Tegel  von  Eudelsdorf  und  eine  winzige  Schale  aus 
dem  Tegel  von  Schirmdorf  herausgeschlemmt.  Zwei  Bruchstucke  haben  ein 
gat  erhaltenes  Schloss,  das  dritte,  grosste,  zwar  ein  abgebrochenes,  doch  bieten 
diese  Fragmente  die  ttbrigen  Merkmale  der  Schale  prachtig  erhalten  dar.  Das 
erwahnte  Fragment  ist  ein  binreichender  Beleg  fur  die  Ansicht,  dass  sich  die 
Individuen  dieser  Art  von  Rudelsdorf  inbetreff  des  Aeusseren  der  Schalen  von 
den  Individuen  aus  den  sudlichen  Fundorten  des  beimischen  Miocaens  in  nichts 
anterscheiden.  Indem  ich  aach  dieses  Bruchstuck  beacbte,  meine  ich,  dass 
aach  in  der  Gnisse  kein  Unterschied  besteht.  Diese  Art  ist  in  den  Sedimenten 
des  beimischen  Miocaens  ziemlich  verbreitet.  Finer  individuellen  Menge  erfreut 
sie  sich  nur  in  der  sandigen  und  sandig-mergeligen  Fades,  wUhrend  sie  in 
der  mergeligen  und  tegeligen  selten  ist.  Von  Bohmen  kann  man  sie  in  die 
Ablagerungen  von  Mahren  (Bora6,  Drnovice),  von  da  in  diejenigen  von  Nieder- 
oesterreich  (Steinabrunn,  Niederleis,  Gainfahren,  Viislau  u.  a.),  von  Uugarn 
(Knilova,  Hidas),  Siebenburgen  (Lapugy,  Bujtur),  von  Polen,  Wolhynien,  Frank- 
reicb,  Italien,  Sicilien,  Bhodus  und  Griechenland  verfolgen. 

Cardium  Opatoveuse,  Prochdska.  Fig.  34.  -  Wenn  wir  nur  Bruchstucke  dieser 
Art  vor  uns  haben,  erinnern  uns  dieselben  lebhaft  an  C.  edule  L.  Gewiss  anders 
werden  sie  uns  erscheinen,  wenn  es  gelungen  ist,  aus  den  Tegeln  von  AUsdorf, 
Triebita  und  Schirmdorf  ganze  Schalen  herauszuscblemmen.  Iiereits  hier  sei 
bemerkt,  dass  es  derselben  sehr  wenige  gibt,  viel  mehr  Bruchstucke  und  schad- 
haf'te  Schalen.  Dass  wir  nur  Fragmented  begegnen,  erklftren  wir  uns  gleich, 
wenn  wir  ihre  iiusserst  diinne  Wiinde  kennen  gelernt.  Das  war  auch  die  Ur- 
sache  davon,  dass  ich  genothig  wurde,  hier  Schalen  von  jungen  Individuen 
abzubilden.  Ich  babe  es  auch  darum  gethan,  am  ein  vollstandiges  Bild  dieser 
hochinteressanten  Art  zu  geben.  Die  Figur  34  b  stellt  eine  liuke  Klappe,  die 
l(,igur  34  a  eine  rechte  Klappe  und  zwar  von  einem  alteren  Individuum  vor. 
Die  Schalen  sind  langlich-elliptiscli,  nach  hinten  ziemlich  schwach  gestreckt 
und  hier  merklich  breiter  als  vorne.  Der  vordere  Rand  ist  starker  boaenformig 


125 

als  der  hintere,  dor  ventral.',  miissig.  Die  Aussenseite  der  Klappe  zieren  stark 
hervortretende,  rundliche,  (lurch  rinnenformige  Furchen  getrennte  Rippen.  An 
der  Innenseite  der  Schale  entsprechen  diesen  Rippen  Rinnen,  die  an  Tiefe 
und  Breite  abnehmen,  je  niehr  sie  sich  dem  Wirbel  nahern.  Ich  habe  an  den 
vorliegenden  Individuen  20—24  solche  Rippen  gezahlt.  Die  stiirksten  befinden 
sich   in   der   Mitte   der  Schale,   viel  schwachere  im  Vorder-  und  Hintertheil. 


^lauij 


Fig.  34.  Cardium  Opatovense,  Proch.  Abtsdorf.  30/,  vergrOssert. 
a  aussere,  b  innere  Ansicht  der  Schale. 

Unter  Beachtung  der  Dimensionen  der  Rippen  kann  man  die  Oberflache  der 
Schale  in  drei  Folder  theilen,  von  denen  das  mittlere  immer  als  das  grosste 
e»'scheint.  Auf  diesem  Felde  sind  die  Rippen  nicht  nur  am  stiirksten,  sondern 
auch  (lurch  breiteste  Furchen  von  einander  getrennt.  Hier  finden  wir  den  Unter- 
schied  in  der  Grosse  dor  Rippen  am  grossten  und  am  auffalendsten.  Diese  An- 
ordnung  von  Rippen  erinnert  sehr  lebhaft  auf  eine  ganz  ahnliche  Rippenan- 
ordnuug  bei  dem  C.  plicatum  Eichw.  aus  den  sarmatischen  Sanden  und  ist 
nut  dieser  ebenso  congruent,  wie  sie  von  derjenigen  der  marinen  Miocaenarteu 
abweichend  ist.  Uber  die  Rippen  und  Furchen  Ziehen  feine,  sehr  dtinne  und 
niedrige  Lamellen  bin,  welche  sich  nur  auf  dem  Rticken  der  Rippen  schwach 
emporheben  und  der  Oberflache  der  Schale  ein  zierliches  Aussehen  verleihen. 
iese  Lamellen  sind  so  fein,  dass  eine  starke  Vergrosserung  zur  deutlichen 
oeobachtung  derselben  nothig  ist.  Das  Schloss  der  linken  Klappe  besteht  aus 
ejnem  schwachen  /aim,    dem  in  der  anderen  Schale   ein  Griibchon  entspricht, 

no   aus  zwei   Seitenzahnen,   gegen   welche  cylinderformige  Leisten  zulaufen. 

le  hier  eben  hervorgehobenen  Merkmale  charakterisieren  diese  Art  und  ziehen 
^  ye  Grenze  mit  scharfen  Contouren.  Alio  bestiitigen  die  Ansicht,  dass  sie  eine 

ein  brackische  Ait  ist,  was  tibrigens  auch  (lurch  den  Dmstand  bezeugt  wird, 

ass  ihre  Schalen  bisjetzt  nicht   in  don   typischen   marinen  Ablagerungen  von 

y     *  dor{>  sondern  bloss  in  den  brackischen  bei  Abtsdorf  und  Triebitg  entdeckt 

l«en   sind.    [n  diesen  Sedimenten   dfirfen  sie  ziemlich  haufig  sein,  was  we- 

'gstens  (lurch  die  Menge  der  von  hier  stammenden  Bruchstflcke  bezeugt  wird. 

',a  Sryphoides,  Linnl  (I860.  Chama  asperella  A.  E.  Ileus,  1.  c.  S.  421— 1870., 

^•9ryphoides    M.    Hoernes,   1.    c.   S.  210,    Taf.    XXXI,  fig.  1.)    Fig.  33.  — 

"      en    schon   erhaltene    Exemplare  dieser  interessanten  und  verbreiteten  Art 

s^   dem   Budelsdorfer  Tegel   werden   in    don  Sammlungen    der  geologischen 

sta]t    dor  bohmischen  Universitat  aufbewahrt.  Es  ist  sonderbar,  dass  sechs 


126 


davon  linke  Sclialen  sind  und  nur  eino  rechte.  Zwei  gehSren  erwachseneren 
Individuen  an  (die  grosste  ist  28-5  mm  breit),  die  iibrigen  jungen.  Diese  Indi- 
viduen  machen  auf  den  ersten  Blick  den  Eindruck,  als  ob  sie  der  in  den 
Mergeleinlagerungen  des  Leitbakalkes,  uamentlich  im  Drnovicer  Mergel  (West- 
miihren)  hiiufigen  Art  Ch.  Austriaca  angeborten.  Docli  nur  fur  cinen  Augen- 
blick.  Betrachten  wir  scharfer  ihre  Eigenschaften,  so  uberzougen  wir  uns  bald, 
dass  sie  die  Merkmale  der  Art  Ch.  gryphoides  stark  ausgepragt  tragen,  Ihre 
Oberflache  ist  mit  dachformig  iibereinander  gelagerten,  am  Ende  rinnentor- 
migen  Flatten  bedeckt.  Solche  gefaltete  Flatten  triigt  nur  die  Oberflaehe  von 
jungen  Individuen.  An  alten  Sclialen  sind  grossentheils  ebene  und  nur  an  den 
R&ndern  rinnenformig  gefaltete  Platten  zu  sehen,  die  sich  als  eine  grossere 
Menge  von  verwachsenen  jtlngeren  Lamellen  darstellen.  Das  hier  abgebildete 
Exemplar  ist  jung;  ich  babe  es  starker  vergrossert  als  es  in  der  Hoernes' 
schen  Monographie  ist,  um  die  Lage  des  Scblosses,  der  Muskeleindrttcke  und 
ausserdem  auch  des  Mantelrandcs  genau  einzeiebnen  zu  konnen.  Aus  Reuss' 
Ei'fahrungen  und  theilweise  audi  aus  dem  bier  angefiilirten  Matcriale  zu 
scbliessen,    kann    man  nicbt  uuibin,  diese  Art  als  eine  iin  Ruddsdorfer  Tegel 


Fig.  35.  Chama  gryphoides,  Linne.  Rudelsdorf.  Junges  Imlividiiiun,  4/i   vergrOssert, 


biiulige  anzusprechen ;  ihre  Schalon  erfreuen  sich  hier  einer  wirklich  selteneD 
Erhaltung.  Unter  Beachtuag  der  vorliegenden  Schalen  bestebe  ich  ferne1 
darauf,  dass  audi  um  grosse  Sclialen  von  alten  Individuen  keine  Notb  wii1'6' 
natiirlicb  wenn  eine  grossere  Menge  vom  Rudelsdorfer  Tegel,  als  bisher,  s°r$' 
faltig  untersucht  worden  ware.  Die  horizontale  Region  der  Chama  gryphoiw 
im  beimischen  Miocaen  ist  eine  in  jeder  Hinsicht  bedeutend  grosse.  Hir(| 
Bltithezeit  erlebte  sie  ohne  Widerrede  in  der  Fades  der  Leithakalke  wQ(1 
Mergel,  eine  viel  geringere  Entfaltung  in  den  Sanden.    In    den    in  die  li;i|lla' 


127 


von  Leithakalk  eingelagerten  Mergeln  ist  sie  eine  gewohnliche  Erscheinung, 
so  z.  B.  bei  Steinabrunn,  Gainfahren  u.  s.  w.  Seltener  ist  sie  in  den  Sand- 
mergeln,  z.  B.  in  der  Uingebung  von  Grussbacli.  In  den  Sanden  des  Horner 
Beckens  wurden  ihre  Sclialen  in  den  Ablagerungen  von  Molt  und  Dreieichen 
sichergeatellt.  In  West-  und  Nordwest-Miihren  ist  sie  sehr  selten.  Aus  Nieder- 
oesterreich  kann  man  ihre  Spuren  in  das  Miocaengebiet  von  Steiermark 
verfolgen,  wo  sie  in  der  Leithakalkfacies  der  Gegend  von  Wildon  entdeckt 
wurde.  Ferner  ist  si  aus  Galizien,  Wolhynien,  Podolien  und  Siebenbiirgen 
bekannt.  Im  Siiden  verbreitet  si  sich  in  den  Tertiaerablagerungen  von  Rhodos, 
Korintb,  Sicilien,  Slid-  und  Mittel-Italien,  von  wo  sie  dann  in  das  Miocaen 
Frankreichs  tibergebt.  Heutzutage  lebt  sie  in  Mittelmeere. 

lucina  miocaenlca,  Michelotti.  (1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  246.— 1870.  M. 
Hoernes,  II.  Tbeil  1.  c.  S.  228,  Taf.  XXXIII,  fig.  3.)  Sie  ist  bekanutlich  in  den 
miocaenen  Sanden  der  Gegend  von  Grund  und  Grussbacli  hiiufig,  wiibrend  sie 
in  den  Tegeln  und  Mergeln  eine  sebr  seltene  Erscbeinung  ist.  Ira  Rudelsdorfer 
Tegel  ontdeckte  sie  nur  Reuss.  Er  fand,  wie  er  mittheilt,  kleinere  Exemplare, 
als  ihm  aus  dem  Tegel  von  Viislau  und  Szobb  vorlagen.  Ausser  den  erwahnten 
'■'  undorten  ist  diese  Art  audi  im  Miocaen  von  Spielfeld  (Steiermark),  Asti 
und  St.  Jeane  de  Marsac  zubause. 

lucina  Dujardini,  Deshayes.  (1870  M.  Hoernes  1.  c.  II.,  S.  235,  Taf.  XXXIII., 
"g-  7.)  ■  Bisher  wurden  drei  Sclialen  dieser  interesanten  Art,  deren 
Region  die  Sandfacies  ist,  berausgeschleuunt.  Die  Rudelsdorfer  Sclialen,  bis 
auf  eine  rechte,  sind  schadliaft,  dock  ist  dafiir  diese  vortrefrlich  erbalten.  Sie 
gehort  einem  kleineren  Individuum  an  als  z.  B.  aus  den  Sanden  von  Grund 
bekannt  sind.  In  den  Mergeln  und  Tegeln  ist  L.  Dujardini  sehr  selten.  Bisher 
kennt  man  sie  aus  der  Gegend  von  Grund,  Niederkreuzstatten,  Ebersdorf, 
Kornabrunn,  Potzleiusdorf,  Viislau,  Grussbacli,  Porstendorf,  Ottnang.  Ferner  ist 
§ie  aus  den  Tertiaerablagerungen  von  Wolhynien  und  Frankreich  bekannt. 

Uciua  spiuifera,  Montagne.  (1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  247.  —  1870.  M. 
Hoernes,  VI.  1.  c.  S.  236,  Taf.  XXXIII,  fig.  8.)  Schon  erhaltene  Sclialen  dieser 
Art  gelingt  es  sehr  selten  aus  dem  gelbon  Tegel  von  Rudelsdorf  herauszuschlem- 
men.  Bruchstueke  gibt  es  dort  jedoch  ziemlich  genug.  so  dass  cs  wahrschein- 
llch  ist,  dass  diese  Art  einer  im  Rudelsdorfer  Tegel  zahlreich  vertfetenen 
U1'"-ppe  angehort.  Schalen  von  alten  Individuen  kann  man  gleichzeitig  rait 
110,1  von  jungen  lierausschlemmeii.  Ausser  typischen  Individuen  gibt  es  im 
Rudelsdorfer  Sprengel  audi  abweichende  Exemplare,  die  den  vorderen  Schloss- 
rand  gebogen  zeigen.  Lucina  spinifera  ist  im  heimischen  Miocaen  ziemlich 
SGlten.  Sie  kommt  sowohl  in  dor  tegeligen  (Baden,  Mollersdorf,  Lazanky),  als 
1  uch  in  der  mergeligen  (Grinzing,  Steinabrunn,  Niederleis,  Kienberg,  Porsten- 
a°n)  und  sandigen  Facies  (Grund)  vor.  Ebenfall  sist  sie  im  Miocaen  von  Ungarn 
■m  Siebonbiirgen  und  in  den  Tertiaerablagerungen  von  Rhodos,  Frankreich, 
^er  Schweiz,  Italien  zuhause.  Sie  lebt  an  der  Kuste  von  Nord-Skandinavien, 
Sckottland,  England  (im  Canal  la  Manche),  Portugall,  im  Mittelmeere 
u.  s.  w. 


128 

Lucina  dentata,  Basterot.  (1860  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  246—1870.  M.  Hoermes, 
I.  c.  II.,  S.  238,  Taf.  XXXIII,  fig.  9.)  Nach  A.  E.  Reuss  ist  sie  im  Rudels- 
dorfer  Tegol  selten.  Trotzdem  sie  auch  diesmal  sorgf&ltig  gesucht  wurde, 
gelang  es  nicht  sie  zu  entdecken.  Ich  schliesse  daraus,  dass  man  auch 
kiinftigliin  die  Ansicht  Reuss'  liber  ihr  Vorkommen'  in  unserem  Miocaengebiet 
beibehalten  muss.  L.  dentata  ist  in  den  Mergeleinlagenmgen  des  Leithakalkes 
und  claim  in  den  Sanden  haufig;  in  den  Tegeln  ist  sie  dagegen  sehr  selten. 
Sie  wurde  im  heimischen  Miocaen  auf  zahlreichen  Fundorten  sicliergestellt, 
von  denen  die  typischesten  hier  kurz  angefflhrt  werden  sollen.  Steinabrunn, 
Gainfahren,  Niederkreuzstfttten,  Loibersdorf,  Grund.  (Niederoesterreich).  Por- 
stendorf  und  Grussbach.  Aus  den  miihriscben  und  niederoesterreichischen 
miocaenen  Sedimenten  geht  sie  in  die  steiermarkischon,  ungarischen,  sieben- 
biirgischen  und  wolhynischen  iiber  und  ist  auch  aus  dem  Tertiaer  von  Frank- 
reicli,  von  dor  Schweiz  und  Italien  bekannt. 

Lucina  Agassizii,  Michelottl  (i860  L.  irregularis  A.  E.  Reuss  1.  c.  S.  247, 
Taf.  IV,  fig.  5.  -  1870  L.  Agassimi,  M.  Hoemes  II.  1.  c.  S.  239,  Taf.  XXXIH, 
fig.  10.)  Die  vorliegende  Klappe,  die  aus  dem  gelben  Rudelsdorfer  Tegel  beraus- 
geschlemmt  wurde,  ist  trotz  dem  abgebrochenen  Schlosse  5  mm  hoch.  Wie 
ersichtlicli,  gehort  sie  einein  erwachsenenen  Individuum  an,  (lessen  Dimen- 
sionen  denen  der  von  M.  Hoemes  beschriebenen  Individuen  gleichen.  Ihre 
Merkmale,  inwieweit  sie  erhalten  und  deutlich  sind,  weichen  auch  nicht 
im  Kleinsten  von  den  Merkmalen  der  aus  siidlicheren  Fundorten  deS 
heimischen  Miocaens  stammenden  Individuen  ab.  Aus  dem  Rudelsdorfer 
Tegel  geht  diese  Art  in  die  Mergel  und  Tegel  von  Niederoesterreich  iiber,  in 
denen  sie  in  der  Gegend  von  Gainfahren,  Steinabrunn,  Kienberg  und  Baden 
entdeckt  wurde,  und  von  dannen  in  die  steiermarkische  Leithakalkfacies  und 
in  den  Tegel  von  Lapugy  in  Siebenbiirgen.  Ausser  dem  ist  sie  aus  dem 
Tertiaer  von  Wolhynien,  von  der  Schweiz  und  von  Italien  bekannt. 


Fig.  36.  Lucina  strigillata,  Reuss.  Rudelsdorf. 

a  rcchte  Klappe  von  ausseu  4/i  vergrflssert,  b  dieselbe  von  innen  "/,  vergrOssert. 

Lucina  strigillata,  Reuss.  (1860, 1.  c.  S.  246,  Taf.  IV.,  Fig.  6.  —  1870,  M.  Hoemes 
1.  c.  S.  240,  Taf.  XXXIIL,  Fig.  13.)  Fig.  36.  —  Auch  diesmal  ist  es  gelungen, 


129 

diese  Art  im  Tegel  von  Rudelsdorf  sicherzustellen.  Ausser  zwoi  Bruclistiicken 
mit  einer  hiibsch  erhaltenen  Oberflache  wurde  darin  eine  vollkommen  erhaltene 
Schale  eines  jungen  Individuums  gefunden,  an  welcher,  wie  an  der  Abbildung 
ersichtlich,  alle  Merkmale  der  typischen  Formen  sich  finden.  Aber  trotz  diesen 
wechselseitigen  Obereinstimmungen  tr&gt  sie  dennoch  cin  Merkmal,  das  unter 
anderen  Umstlinden  zur  Aufstellung  einer  selbstiindigen  Species  verfiihren 
mochte.  Diese  Abweichung  besteht  in  der  Form  der  abgebildeten  Schale,  welche 
anstatt  eines  ovalen  einen  etwas  starker  in  die  Breite  ausgezogenen  Urariss 
besitzt,  und  ferner  darin,  dass  ihr  vorderer  Schlossrand  eingebogen  ist,  was 
bei  den  typischen  Individuen  nicht  der  Fall  ist;  diese  haben  eincn  fast  ge- 
raden  vorderen  Schlossrand.  Ich  begniige  mich  init  dieser  Bemerkung  and 
hoffe,  dass  es  in  der  Zukuft  noch  besser  begriindet  wird.  L.  strigillata  ist  eine 
im  heimischen  Miocaon  sehr  seltene  Art  ausser  dem  Rudelsdorfer  Tegel 
wurde  sie  bisher  nur  im  sandigen  Mergel  von  Forchtenau  entdeckt. 
lucina  exigua,  Eichwald.  (1860  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  246.  —  1870  M.  Hoernes 
II.  Theil,  1.  c.  S.  243,  Taf.  XXXIIL,  Fig.  12.).  Die  kleinen  Schalen  von  dieser 
Art  sind  nach  den  bislierigen  Erfahrungen  in  den  dem  Leithakalke  einge- 
lagerten  Mergeln  am  hiiufigsten,  namentlich  in  der  Umgebung  von  Stciuabnmn, 
in  Tegcln  der  Gegeud  von  Nikolsburg,  Olmtitz  und  Grnssbach  in  Mahren; 
Niederleis,  Grund  in  Niederoesterreich ;  Forchtenau  und  Ritzing  in  Ungarn 
entdeckt.  In  West-  und  Nordwestmahren  sind  sie,  falls  sie  doit  tiberhaupt 
vorkommen,  sehr  selten.  Wie  man  schliessen  darf,  ist  diese  Art  audi  im  Rudels- 
dorfer Tegel  sehr  selten,  denn  A.  E.  Reuss  schreibt  diesbezliglich,  er  habe 
sie  dortselbst  sehr  selten  gefunden.  Ich  luge  hinzu,  dass  es  diesmal,  trotzdem 
nach  ihren  Schalen  sorgfiiltig  geforscht  wurde,  nicht  gelang,  auch  nur  eine 
Spur  von  ihnen  zu  entdecken. 


Fig.  37.  Erycina  Bohemica,  Proch.  lludelsdorf.  40/,  vergrossert.  Linke  Schale. 

^'^.Vcina  Bohemica,  Prochdzla.  Fig.  37.  —  Die  Schale  hat  eine  fast  elliptische 
Gestalt,  ist  verhaltnissmiissig  stark  gewiilbt,  symmetrisch,  und  an  beiden  Seiten 
gerundet.  Die  Oberflache  ist  glatt,  stark  gliinzend,  und  nur  unter  einer  starken 
Loupe  sehen  wir  daran  sehr  schwache  Zuwachsstreifen.  Das  Schloss  besteht 
>n  der  rechten  Schale  aus  einem  stark  nach  vorne  verschobenen  Zahne,  dem 
in  der  linken  Klappe  eine  hart  unterj  dem  Wirbel  gelegene  Grube  entspricht. 

9 


130 


In  der  rechten  Klappe  verliiuft  vom  Wirbel  nach  rttckwftrts  eine  enge  Grube, 
in  welche  der  mftssig  verlangerte  Seitenzahn  der  gegeniiberliegenden  Klappe 
einfiillt.  In  der  linken  Klappe  hingegen  erhebt  sich  hinter  dem  Wirbel  der 
bereits  erwahnte  Seitenzahn,  von  welchem  ebenfalls  eine  nach  rflckwftrts  sich 
ziehende,  aber  sehr  enge  Furche  sich  hinzielt.  Die  Muscheleindriicke  kreis- 
formig,  klein  und  seicht,  der  Mantelrand  ganz.  E.  Bohemica  nnterscheidet 
sich  einerseits  durch  die  Gestalt  der  Schale,  anderseits  durch  die  Ausbildung 
des  Schlosses  von  den  ubrigen  Arten  des  Genus  Erycina.  Es  unterliegt  daher 
keinen  besonderen  Schwierigkeiten,  handelt  es  sich  darnm,  diese  Art  von  den 
aus  dem  einheimischen  Miocaen  bereits  bekannten  Formen  fern  zu  halten. 
Dabei  iiberzeugt  man  sich  stets,  dass  dieselbe  der  in  der  dortigen  Sandfacies 
ziemlich  haufig  auftretendcn  und  darin  verbrciteten  Art  E.  Amtriaca  noch 
am  niichsten  steht.  Vergleicht  man  jedoch  ihre  Schalen  etwas  genauer,  erkenut 
man  hinliinglich,  dass  die  vorliegende  Species  bereits  durch  die  Gestalt,  resp. 
durch  den  Umriss  der  Klappen,  ferner  aber  auch  durch  die  Ausbildung  des 
Schlosses  von  E.  Austriaca  abweicht.  Noch  scharfer  tritt  der  Unterschiod  zu 
Tage,  wenn  man  E.  Bohemica  der  ebenfalls  auf  die  Sandfacies  unseres 
Miocaens  beschrankten  Species  E.  ambigua  gegenuber  stellt.  E.  Bohemica  ist 
im  Rudelsdorfer  Tegel  ziemlich  haufig;  ihre  Klappen  linden  sich  darin  sehr 
schon  erhaltcn,  gleichzcitig  kommt  sic  aber  auch  im  brackischen  Tegel  von 
Abtsdorf  vor,  worin  sie  ebenfalls  eine  haufige  Erscheinung  ist,  und  deren  Schalen 
sich  darin  eines  sehr  hubschen  Erhaltungszustandes  erfreuen. 

Cardita  rudista,  Lamarck.  (18(50.  Cardita  divericosta  A.  E.  Reuss,  loc.  cit.  S. 
248,  Tab.  VIII,  Fig.  1(5.  —  1870.  M.  Hoemes,  II.  Theil.  loc.  cit.  S.  268, 
Tab.  XXXVI,  Fig.  2.)  A.  E.  Reuss  bemerkt  in  der  Beschreibung  dieser  Art, 
dass  dieselbe  in  dem  Rudelsdorfer  Tegel  haufig  ist.  Diesmal  ist  es  mir  jedoch 
nicht  gelungen,  auch  nur  eine  Spur  von  ihren  Schalen  zu  entdecken.  Gewiss 
mit  Reicht  stellt  A.  E.  Reuss  in  der  oben  erwahnten  Monografie  diese  Species 
als  eine  fur  die  Leithakalkfacics  charakteristische  dar,  die  in  den  heiinischen 
Tegeln  nur  mehr  selten  anzutreffen  ist;  dieser  Ansicht  priichte  ich  urn  so 
mehr  bei,  als  ich  beziiglich  ihrer  Verbreitung  im  mahrischeu  Miocaen  Zu 
ahnlichen  Resultaten  gelangt  bin.  Fttr  diese  Anschauung  spricht  ni'unlich  der 
Umstand,  dass  diese  Art  in  dem  Mergel  von  Jaromo-fice  und  Drnovice,  der 
sich  in  vielfacher  faunistischer  Beziehung  an  die  Seite  des  Mergels  von 
Porstendorf  stellt,  von  wo  dieselbe  von  Reuss  angefuhrt  wirrt  —  zu  Hause 
ist,  wogcgen  dieselbe  in  den  dortigen  tieferen  Tegeln  noch  mirgends  anzu- 
treffen war.  Aus  Miihren  ubergeht  sie  in  die  miocaenen  Gebilde  von  Nieder- 
oesterreich  (Grinzing,  Nussdorf,  Heiligenstadt,  Gaiufahren,  Baden,  Mollersdoi'f 
Marx),  von  dort  in  diejenigen  von  Siebenbflrgen  (Lapugy),  von  Galizi^11 
(Tarnopol,  Oleszko)  und  von  Wolhynien  (Zukowce  und  Zalisce).  Ferner  ist  sie 
bekannt  aus  den  Tertiaergebilden  von  England,  von  Italien,  Rhodos  und  Cypern- 

Cardita  Partschi,  Gddfuss.  (I860.  A.  E.  Reuss,  loc.  cit.  S.  248.  —  1870.  M- 
Hoemes,  II.  Theil,  S.  270,  Taf.  XXXVI,  Fig.  3.)  Diese  Art  erfreut  sich  in 
den  Mergeln,  namentlicli  in  den  dem  Leithakalke  eingelagerten  Mergelbiinken 
einer  bedeutenden   individuellen  Entl'altung,  dagegen  in  den  Tegeln  geluirt  sifi 


131 


zu  den  Seltenheiten.  ber  auch  in  unseren  ostbohinischen  Miocaentegeln 
kommt  diese  Form  den  bisherigen  Erfahrungen  entsprechend,  selten  vor. 
Wenigstens  spricht  dafttr  das  von  Reuss  erhaltene  Resultat,  welches  ihn  zu 
der  Bemerkung  bewogen  hat,  dass  Cardita  Partsehi  in  dem  Rudelsdorfer 
Tegel  sehr  selten  zu  finden  ist.  Dieser  Anschauung  pflichte  vollinhaltlich  bei, 
denn  es  ist  mir  darin  niclit  gelungen  deren  Klappen  festzustellen,  [trotzdem 
ich  eifrig  nach  ihnen  geforscht  babe.  Aus  dem  ostbohmischen  Miocaen  liisst 
sich  diese  Art  durch  das  Miocaengebiet  von  Miihren  (Drnovice,  Sudice,  Alt 
Rausnitz,  Ilrusovany,  Nikolsburg)  nach  Niederoesterreich  (Steinabrunn,  Nieder- 
leis,  Grinzing,  Potzleinsdorf,  Viislau,  Mollersdorf,  Grund  etc.),  dann  nach 
Ungarn  (Purbach,  Ritzing,  Szobb),  fenier  nach  Siebonburgen  (Lapugy,  Bujtur), 
Serbien  (Rakovica  nachst  Belgrad),  Steiermark  (Polls),  dann  nach  Galizien 
und  Wolhyuien  verfolgen.  Ausserdem  ist  sie  in  den  Miocaensedinienten  der 
Umgebung  von  Perpignan,  Dax,  Bordeaux  und  in  jenen  der  Umgebung  von 
Turin  (Peahen)  zuhause. 

Cardita  ealyculata,  Linne.  (1860.  A.  E.  Reuss,  loc.  cit.  S.  250.  —  1870.  M. 
Hoernes,  II.  Theil,  loc.  cit.  S.  274,  Taf.  XXXVI,  Fig.  7.)  Auch  von  dieser 
Art  bemerkt  A.  E.  Reuss,  dass  dieselbe  in  dem  Tegel  von  Rudelsdorf  selten 
vorkOmmt  und  darin  (lurch  Individuen  vertreten  ist,  deren  Klappen  kleinere 
Dimensionen  aufweisen,  als  anderswo  in  unserem  heimischen  Miocaen.  M. 
Hoernes  schreibt  in  seiner  oben  angefiihrten  Monographie,  dass  C.  calyculata 
im  oesterreichischen  Miocaen  auf  die  Sandi'acies  (Grund  und  Potzleinsdorf) 
beschninkt  ist;  seit  der  Zeit  jedoch  ist  sie  aber  auch  im  Tegel  von  Lapugy 
eutdeckt,  was  ich  hier  bios  registrire  und  dem  Auftreten  derselben  im  Grunder 
Sande  anschliesse,  und  dies  nur  deshalb,  um  zu  zeigen,  dass  man  sich  selten 
auf  die  nur  in  einer  bestimmten  Facies  auftretenden  Arten  verlassen  kann. 
Ausserdem  wurde  C.  calyculata  in  den  Miocaengebilden  von  Frankreich 
und  von  Italien  nachgewiesen.  Lebt  im  Mittelmeere. 

Cardita  scalaris,  Sowerby.  1860.  A.  E.  Reuss,  loc.  cit.  S.  248  --  1870.  M.  Hoernes, 
II.  Theil,  S.  274,  Taf.  XXXVI,  Fig.  12.)  Audi  diesmal  wurde  im  Rudelsdorfer 
Tegel  von  dieser  in  der  Leithakalkfacies  sehr  verbreitcten  Form  nur  mehr 
eine  kleine,  linke  Klappe  eutdeckt.  Wie  ferner  bekannt  ist,  beschrankt  sich 
C.  scalaris  nicht  nur  auf  die  Leithakalkfacies,  sondern  greift  auch  in  die 
des  Tegels  iiber,  wo  sie  jedoch  zu  den  Seltenheiten  gehort,  immerhin  aber 
ist  ihre  Verbreitung  auch  in  den  Tegeln  eine  ziemlich  bedeutende.  Im  mah- 
rischen  Miocaengebiete  wurde  dieselbe  in  dem  Mergel  von  Drnowice,  Sudice, 
Alt  Rausnitz,  Nikolsburg,  dann  in  dem  Tegel  von  Borac  etc.  nachgewiesen; 
von  hier  kann  man  sie  in  das  Miocaen  von  Niederoesterreich  (Steinabrunn, 
Porzteich,  Grinzing,  Gainfahren,  Forchtenau,  Baden,  Loos,  Grund  etc.),  ferner 
iu  desjenige  von  Galizien,  Russisch-Polen  und  Siebenbiirgen  verfolgen ;  ausser- 
dem wurde  sie  in  den  Tertiaergebilden  von  Italien,  Frankreich,  England  und 
Sudamerika  festgestellt, 

^Wcula  nucleus,  Linne.  (1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  245-1870.  M.  Hoernes, 
1-  c.  II.,  s.  297,  Taf.  XXXVIII.,  Fig.  2.)  Das  vorliegende  winzige  Bruch- 
stuck   aus    dem    Rudelsdorfer  gelbeu   Tegel  mag  etwa   einem  kleiuen   Indivi- 

9* 


132 

duum  angehoren,  einem  kleineren  als  wir  solchcn  in  den  Tegeln  z.  B.  von 
Bora6  in  Miihren  oder  von  Baden  in  Niederoesterreich  begegnen.  Nicht  nur 
in  diesen  Tegeln,  sondern  auch  in  den  Mergeln  und  Sanden  ist  diese  Art  ini 
heimischen  Miocaen  zuhause,  wo  sie  die  grosste  individuelle  Entfaltung  in 
den  Sanden  von  Grund  und  Grussbach  erreicht.  Dureh  Miihren  (Porstendorf, 
JaromeHce,  Lazanky,  Borac,  Alt-Rausnitz,  Nikolsburg,  Grussbach)  kann  man  sie 
nach  Niederoesterreich  (Grund,  Niederkreuzstiitten,  Potzleinsdorf,  Speising), 
nach  Galizien  (Wieliczka,  Potilicz,  Holubica,  Olesko),  Wolhynien  (Stankowce, 
Salisze)  und  bis  nach  Siebenbiirgen  (Lapugy,  Bujtur)  vertolgen.  Ferner  die 
Tertiaerschichten  von  Rhodos,  Isthraos,  Korinth,  Sicilien,  Italian,  von  der 
Schweiz,  von  England  werden  als  ihre  Fundorte  angefiihrt.  Heutzutage  lebt 
sie  in  alien  europiiischen  Meeren. 

Nucinella  oralis,  Wood.  (18(10.  Nuculina  ovalis  A.  E.  Reuse,  1.  c.  S.  244,  Taf. 
IV.,  Fig.  4.  —  1870.  Nucinella  ovalis  M,  Hoemes,  1.  c.  II.  201,  Taf.  XXXVIII., 
Fig.  8.)  Diese  seltene  Art  entdeckte  im  Rudelsdorl'er  Tegel  bisher  nur  Reuss. 
Doch  auch  anderwarts  ist  sie  nur  in  wenigen  Exemplaren  bckannt,  so  z.  15. 
aus  den  Sanden  von  Forchtenau  und  den  Tegeln  von  Lapugy. 

Leda  fragilis,  Chemnitz.  (I860.  Leda  minuta,  A.  E.  Reuse,  1.  c.  S.  255.  —  1870. 
L.  fragilis  M.  Hoernes  1.  c.  II.  S.  307,  Taf.  XXXVIII.,  Fig.  8.)  Sechs  mehr 
oder  minder  gut  erhaltene  Bruchstiicke  ist  es  diesmal  gelungen,  aus  dem  gelben 
Tegel  von  Rudelsdorf  herauszuschlemmen.  Wenn  wir  ihre  Mcrkmale  eingehend 
bctrachten,  iiberzeugen  wir  uns  bald,  dass  sie  erwachsenen,  ebenso  grossen 
Individuen  angehoren,  wie  aus  zahlreichen  Fundorten  des  heimischen  Miocaens 
vorliegen.  In  der  tegeligen,  mergeligen  und  auch  sandigen  Facies  ist  diese 
Art  zuhause.  Die  grosste  individuelle  Entfaltung  erreicht  sie  in  den  Tegeln, 
wiihrend  sie  in  den  Mergeln  und  namentlich  in  den  Sanden  selten  ist.  Sie  ist 
von  iiberaus  zahlreichen  Fundorten  bekannt.  Es  seien  hier  nur  einige  wichtigere 
angefiihrt:  Porstendorf,  Lazdnky,  Jaromelice  und  Porzteich  (Miihren),  Baden, 
Loos,  Voslau,  Steinabrunn,  Grund  (Niederoesterreich),  Maix,  Forchtenau,  Szobb 
(Ungarn),  Korod,  Lapugy,  Bujtur  (Siebenbiirgen),  Wieliczka,  Lemberg  (Ga- 
lizien), Zalisce  (Wolhynien).  Aus  den  auswartigen  Tertiaerablagerungen  ist  sie 
von  der  Insel  Rhodos,  von  Sicilien,  Italien,  Frankreich  und  Belgien  bekannt. 
Bisjetzt  lebt  sie  im  Mittelliindischen  und  Adriatischen  Meere. 


Fig.  38.  Leda  nitida,  Brocc.  Rudelsdorf.  4/i  vergrOssert.  Linke  Schale. 

Leda  nitida,  Brocchi.  (I860.  A.  K.  Reuss,  I.  c.  S.  245.  —  1870.  M.  Hoemes  II. 
1.  c.  S.  308,  Taf.  XXXVIII.,  Fig.  !).)  Fig.  38.  —  Schon  erhaltene  Schalen 
dieser  Art,  welche  in  der  sandigen,  mergeligen  und  tegeligen  Facies  des  hei- 
mischen Miocaens  verbreitet  ist,  warden  auch  diesmal  aus  dem  Tegel  von  Ru- 


133 

delsdorf  hcrausgeschlemmt.  Drei  Schalen  von  verschiedenen  Individuen  wurden 
gefunden.  Alle  sind  tadellos  und  verschieden  gross.  Daraus  schliesse  ich,  dass 
es  auch  im  hiesigen  Miocaende[)<")t  Excmplare  von  Dimensionen  z.  B.  der  Ba- 
dener  Individuen  gibt.  Aus  den  miilirischen  Tegeln  (Lazanky,  BoraC)  und  san- 
digen  Mergeln  (Vejhon  bei  Gross-Seelowitz  und  Grussbacb)  geht  diese  Art  in 
die  Tegel  von  Baden  und  Sande  von  Grund  iiber.  Ferner  ist  sie  aus  den 
Tertiaerablangerungen  von  Sicilien,  Corfu,  Italien  und  Frankreich  bekannt. 
Area  Noae,  Lmnl  (1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  241.  —  1870.  M.  Therms, 
II.  Theil,  1.  c.  S,  324,  Taf.  XLIL,  Fig.  4.).  Fig.  39.  —  A.  E.  Reuss  fend  von 
dieser  Art  im  Rudelsdorfer  Tegel  nur  Bruchstucke;  mir  gelang  es,  aus  dem- 
selben  eine  schbn  erhaltene  Klappe  von  einem  jungen  Individuum  herauszu- 
schlemmen.  Ich  habe  sie  hier  stark  vergrossert  abgebildet.  Auf  den  ersten 
Blick  scheint  sie  von  den  bekannten  Typen  etwas  abzuweichen.  Diese   Unter- 


Fig.  39.  Area  Noae,  Linne.  Eudelsdorf.  :,%  vergrossert.  Rechte  Schale. 


schiede  werden  zu  niclits,  wenn  wir  sie  sorgfaltig  beobacliten  und  die  Form 
der  Rippen  und  Anwachsstreifen  dieser  Schale  mit  den  Rippen  der  jungen 
Individuen  aus  sudlichen  Fundorten  vergleiehen.  Es  erscheint  uns  dann  die 
Oberflachenbeschaffenheit  unserer  Klappe  als  eine  einfache,  wiihrend  wir  die 
Rippen  und  ihre  Queranwachsstreifen  als  verstarkt  und  theilweise  durch  eine 
Verschmelzung  von  mehrereu  Streifen  entstanden  erkennen.  Je  alter  das  Indi- 
viduum, desto  mehr  weicht  es  von  unserem  Individuum  ab,  und  zwar  gerade 
durch  die  ehen  erwiihnten  Merkmale.  A.  Noae  kommt  noch  am  haufigsten  in 
den  Leithakalkmergeln  (Steinabrunn,  Gainfahren,  Niederleis)  vor,  wiihrend  sie  in 
den  Tegeln  (Lapugy)  und  Sandmergeln  (Grussbach)  selten  ist.  In  den  auswartigen 
Miocaensedimenten  ist  sie  bedeutead  verbreitet;  sie  wild  in  der  Litteratur  aus 
den  lnseln  Rhodos  und  Cypern,  aus  dem  Isthmus,  aus  Italien,  Sardinien  und 
Frankreich  angefuhrt.  Sie  lebt  im  Adriatischen  und  Mittelliindischen  Meere. 
A,'«'a  barbata,  Linnl  (I860.  Area  Helbingi,  A.  K.  Reuss,  1.  c.  S.  243,  Taf.  IV., 
Fig.  5.  —  1870.  A.  barbata  M.  Boernes,  II.  Theil,  S.  327,  Taf.  XLIL,  Fig. 
(>  ~11.)  Nach  A.  E.  Reuss  ist  diese  Art  im  Rudelsdorfer  Tegel  haufig.  Er  be- 
s^hreibt  und  bildet  hier  eine  schon  erhaltene  Schale  ab,  welche  lebhaft  an  die 
Schalen  aus  dem  dunkeln  Tegel  von  Borac  in  Mahren  erinnert.  Diesmal  ist 
es  nicht  gelungen,  im  Rudelsdorfer  Tegel  audi  nur  ein  Bruchstiicklein  dieser 
Art  zu  entdecken.  Wie  auf  diesem  Fundorte,  ist  sie  auch  anderswo  in  den 
m'ihrischen  Tegel-  und  Mergeldepdts  sehr  s<>lten.  Nur  in  den  Grander  Sanden 


kommt  sie 


in  einer  grosseren  individuellen  Menge  vor.  Aus  dem  niederoester- 


134 


reicliischen  Miocaen  geht  A.  barbata  in  das  Miocaen  von  Steiermark  (Um- 
gebung  von  Wildon),  Siebenbiirgen,  Galizien,  Wolhynien,  dann  in  dasjenige  von 
der  Schweiz,  von  Frankreich,  Italien,  Sicilien,  Rhodos  und  Cypern  fiber.  Heut- 
zutage  lebt  sie  im  Adriatisclicn  und  Mittelliindischen  Meore. 

Area  Bohcmica,  Reuss.  (I860,  1.  c.  S.  241,  Taf.  III.,  Fig.  IS).  Sic  wurde  bisjetzt 
im  Rudelsdofer  Tegel  nnr  von  Reuss  entdeckt.  M.  Hoernes  thut  von  ihr  in 
seiner  grossen  Monographic  keine  Erwiihnung.  Diesmal  blieben  alle  Versuche, 
im  Schlemmriikstande  des  Rudelsdorfer  Tegels  ihre  Schalen  aufzufinden  erfolglos. 

Area  diliwii,  Lamarck,  (i860,  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  241.  —  1870  M.  Hoernes, 
1.  c.  II.,  S.  .'533,  Taf.  XLIV,  Fig.  8.)  Es  wurde  ein  Bruchstflck  von  einem 
erwachscnoren  Individuuin  aus  dem  Tegel  von  RudeUdorf  herausgeschlemint ; 
gauze  Schalen  wurden  nicht  entdeckt.  Reuss  sind  junge,  von  den  Typen  aus 
den  siidlichen  Fundorten  etwas  abweichende  Individuen  bekannt.  A.  dttuvii 
komint  in  alien  Facien  vor.  Die  grosste  individuelle  Entfaltung  hat  sie  in  der 
Leithakalkfacies,  namentlich  im  siidmiihrischen  und  niederoesterreicbischen  Ge- 
biete,  erreieht.  Hier  wie  dort  und  dann  im  Miocaengebiet  von  Steiermark,  Krain, 
Ungarn,  Siebenbiirgen,  Serbien,  Russisch-Polen  ist  sie  an  zahlreichen  Fund- 
stellen  zuhause.  Doch  audi  fiber  die  auswiirtigen  Tertiaerablagerungen  ist  sie 
weit  verbreitet;  sie  kommt  in  Frankreich,  in  der  Schweiz,  in  Italien,  auf  der 
Insel  Corfu  und  in  Algerian  vor. 

Area  lactea,  Linne.  (1860.  Area  nodulosa  A.  E.  Reuss  1.  c.  S.  246.  —  1870  A- 
lactea  M.  Hoernes  II.  Theil,  1.  c.  S.  336,  Taf.  XLIV.,  Fig.  6.)  Aus  dem  Rudels- 
dorfer Tegel  wurden  zwei  Bruchstilcke  herausgeschlemmt.  Die  Dimensionen 
derselben  und  die  Dicke  ihrer  Schalenwand  bezeugt,  dass  sie  grossen  Indivi- 
viduen  angehi'uen,  in  dem  sie  die  Dimensionen  der  Individuen  aus  den  Mergel- 
einlagerungen  des  Leithakalks  besitzen.  A.  lactea  ist  in  den  Mergeleinlage- 
rungen  des  heiinischen  Leithakalkes  (Sudice,  Drnovice,  Mikulov,  Gainfahren 
u.  s.  w.)  eine  bekannte  Erscheinung,  eine  seltene  jedoch  in  den  Sanden  z.  B. 
von  Grund,  in  den  Sandmergeln  ■/,.  B.  von  Grussbach  und  in  den  Tegeln  von 
M6llersd)rf.  In  diesen  Verhiiltnissen  kommt  sie  dann  im  Miocaen  von  Steier- 
mark, Ungarn,  Siebenbiirgen  und  Galizien  vor.  Im  auswiirtigen  Tertiaer  ist  sie 
ebenfalls  bedcutend  verbreitet,  sie  wird  von  zahlreichen  Fundorten  von  Italien, 
Frankreich,  audi  in  denen  von  der  Schweiz,  von  Wolhynien,  von  England, 
von  den  Iseln  Rhodos  und  Cypern  angefuhrt.  Sie  lebt  an  den  Kiisten  von 
Britannien,  Nord-Spanien,  Portugal,  im  Mittelliindischen  und  Adriatischen  Meere. 

Area  elatbrata,  Defrance.  (I860.  A.  E.  Reuss  I,  c.  8.  240.  —  1870.  M.  Hoernes, 
VI.  Theil,  1.  c.  S.  340,  Taf.  XLIV.,  Fig.  10.)  Gauze  Schalen  von  dieser  im 
heimischen  Miocaen  fast  auf  die  Mergeleiiilagerungen  des  Leithakalkes  be- 
schrankten  Art  wurden  bisher  im  Rudelsdorfer  Tegel  nicht  gefunden.  Die  zwei 
herausgeschlemmten  Bruchstiicke  sind  von  verschieden  alten  Individuen.  Das 
gr&ssere  von  ihnen  gehort  einem  Individuuin  von  normalen  Dimensionen  an 
Reuss  hebt  hervor,  diese  Art  sei  auf  unserem  bohmisehen  Fundorte  klein  und 
seiten.  Ausser  den  Mergeln  von  Steinabrunn  und  JaromeHce  wird  sie  auch 
aus  den  Sandmergeln  von  Porstendorf  und  den  Sanden  von  Potzleinsdorf  angeftthrt, 
ferner   nocli  aus  dem   Tegel  von  Lapugy   und  liujtur,    aus  dem    Tertiaer  von 


135 

Frankreich,  Italien,  Rhodes  unci  Cypeni.  Ob  sie  im  Mittelmeere  lebt,  ist 
bisher  unentschieden. 
Area  pseildolima,  Reuss.  (I860,  1.  c.  S.  239,  Taf.  IV.,  Fig.  2.)  Auch  diese  Art 
fiihrt  M.  Hoemes  in  seiner  grossen  Monographie  nicht  an.  Ich  beschr&nke 
mich  nur  auf  die  Bemerkung,  dass  ich  in  dein  Tegel  von  Rudelsdorf  naeh 
ihren  win/.igen  Schalen  umsonst  geforscht  liabe.  Ebenfalls  wurde  auf  deu 
zahlreichen  Fundorten  Mahrens  von  ilir  koine  Spur  entdeckt.  Reuss  schreibt 
von  ihr,  sie  sei  auf  unserem  bohmischen  miocaenen  Fundorte  sehr  selten. 


Fig.  40.  Modiola  Hoernesi,  Reuss.  Rudelsdorf.  3%  vergriissert. 

Modiola  Hoernesi,  Reuss.  (1870.  M.  Hoemes  1.  c.  II.,  S.  347,  Taf.  XLV.,  Fig.  2.) 
Fig.  40.  —  In  den  Bereich  dieser  Art  stelle  ich  vorlauiig  eine  winzige,  aus 
dem  Rudelsdorfer  Tegel  herausgosclileuimte  Schale,  trotzdem  sie  einige  von 
den  Typen  abweichende  Merkmale  besitzt.  Sie  unterscheidet  sich  von  ihneu 
einerseits  durch  den  allgeineiuon  Umriss,  anderersoits  durch  kleiuere  Diinen- 
sionen  und  dann  auch  durch  eine  iiusserst  dunue  Schalenwand.  Ob  diese  Merk- 
male wesentlich  oder  nebensachlich  und  untergoorgdnet  sind,  dariiber  wird  eine 
kiinftige  Forschung  auf  Grand  von  einem  reicheren  Materiale,  als  das  vor- 
liegende  ist,  zu  entscheiden  haben. 

Modiola  biformis,  Reuss.  (1860  1.  c.  S.  239,  Taf.  IV.,  Fig.  3.  —  1870  M.  Hoemes, 
'•  c.  II.,  S.  348,  Taf.  XLV.,  Fig.  4.)  Von  A.  E.  Reuss  zuerst  im  Rudelsdorfer 
Tegel  entdeckt,  wurde  diese  Art  spiiter  von  M.  Hoemes  im  Mergel  von  Steina- 
brunn,  Gainfahren,  im  Tegel  von  Mollersdorf  sichergestellt  und  ausserdern 
wurden  zahlreiche  Schalen  von  ihr  in  den  Tegeln  Siebenbiirgens  gefunden. 
Diesmal  aber  wurde  keine  einzige  Schale  dieser  hiibschen  Art  im  Scblemmriick- 
stande  des  Rudelsdorfer  Tegels  gefunden.  Dieser  Umstand  bestiitigt  nieine 
Verinutbung,  das  dor  Ausspruch  Reuss  iiber  das  Vorkommen  dieser  Art  auf 
unserem  bohmischen  Fundorte  richtig  ist. 

ifIodiola  marginata,  Eichivald.  (1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  239.  —  1870  M. 
/hemes,  1  c.  II.  S.  351,  Taf.  XLV.,  Fig.  6.)  Aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel 
wurde  eine  winzige,  ziemlich  gtinstig  erhaltene  Schale  dieser  Art  herausge- 
schlennnt ;  sie  ist  nur  2  mm  breit.  Ich  kann  auf  Grund  dieser  Schale  nicht 
©utscheiden,  ob  alle  Individuen  dieser  Art  so  waren  wie  diese  Schale  erscheint, 
niiinlich  verkiiininert.  Ich  halte  unter  Beachtung  anderer  Arten  von  Rudels- 
dorf einen  solchen  Schluss  fiir  voreiltig.  Eber  meine  ich,  dass  die  vorliegende 
Schale  einem  ganz  jungen  Individuum  gehQrt.  Es  sei  jedoch  bemerkt,  dass 
man  unter  dem  Mikroskop  fast  alio  Merkmale  erwachseuer  Individuen  zu  be- 
Merken  vermag.  Dock  auch  dieser  Umstand  ist  in  unserem  Falle  nicht  mass- 


1 36 


gebend.  Ich  Iiberlasse  absichtlieh  diese  problematische  Frage  der  Zukunft, 
indem  ich  fest  tiberzeugt  bin,  dass  sie  geliist  werden  wird,  aber  nur  auf 
Grand  eines  reichen  Materials.  Diese  Art  ist  fur  unsere  Rudelsdorfer  Fuud- 
statte  und  gleichsam  fiir  das  ganze  bohmisehe  Miocaengebiet  interessant.  Sio 
interessiert  vnrerst  deshalb,  weil  sie  eine  lange  und  lange  Zeit  liindurch,  und 
zwar  riclitig,  fur  ein  Leitfossil  der  sarmatischen  Stufe  gehalten  wurde,  in 
welcher  sie  in  einer  griisseren  individuellen  Menge  im  sogenannten  Hernalser 
Tegel,  dann  in  den  Sanden  von  Wiesen  unweit  Mattersdorf  u.  a.  sichergestellt 
wurde.  Gegen  Siiden  erstreckt  sich  ihre  Region  in  die  Tertiaerablagerungen  von 
Siid-Steiermark,  gegen  Osten  in  die  Umgebung  von  Pest,  in  das  Comitat 
Borsod,  gegen  Nordea  und  Osten  nach  Galizien,  Wolhynien  >nd  Bessarabien. 

Pecten  snbstriatns,  d'Orbigny  (1860.  Pectenpusio  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  236,  Taf.  IV., 
Fig.  9.  —  1870  Pecten  substriatus  M.  Iloernes.  II.  Theil,  1.  c.  S.  408,  Taf. 
LXIV.,  Fig.  2.)  Im  Rudelsdorfer  Tegel  nur  von  lieuss  sichergestelt.  Die  Schalen 
wurden  als  sehr  kleinc  Dimensionen  besitzend  und  sehr  leiclit  zerstorbar  ge- 
funden.  Diesmal  wnrden  von  ihnen  keine  selbst  kleinsten  Brucbstiicklein  ge- 
funden.  P.  substriatus  geht  aus  dem  bohmischen  Miocaen  in  das  mahrische 
iiber,  wo  er  in  den  mergeligsandigen  Sedimenten  von  Porstendorf  und  in  den  Mer- 
geln  von  Grussbach  sichergestellt  wurde.  In  den  letzteren  verbreitet  er  sich 
dann  iiber  Niederoesterreich  (Steinabrunn,  Gainfahren,  Marz  u.  s.  w.),  wo  er 
audi  in  den  Grander  Sanden  vorkornmt.  Aus  diesen  Sanden  liisst  er  sich  in 
den  Sand  des  Horner  Beckens,  namentlich  von  Burgschleinitz,  Meissenan 
u.  s.  w.  verfolgen,  von  dannen  in  die  Miocaengebiete  von  Steieraiark,  Un- 
garn,  Banat,  Siebenbiirgen  und  Wolhynien.  Ausserdem  wird  er  aus  dem  fran- 
zosischen,  schweizerischen  und  englischen  Tertiaer  angefiihrt. 

Pecten  Malvinae,  Dubois.  (1860.  Pecten  operculars.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  236. 
—  1870  P.  Malvinae  M.  Iloernes,  1.  c.  II.  S.  114,  Taf.  LXIV.,  Fig.  5.)  Nach 
A.  E.  Reuss  ist  diese  Art  im  Rudelsdorfer  Tegel  sehr  selten.  Er  bemerkt,  er 
habe  winzige  Schalen  von  geringen  Dimensionen  gefunden,  welche  eine  kleinere 
Anzahl  von  Rippen  als  die  Individuen  aus  den  Fundorten  des  siidlichen 
Miocaengebietes  besassen.  P.  Malvinae  ist  in  der  Leithakalkfacies  weit  ver- 
breitet. In  Mahren  wurde  er  in  den  Mergeln  von  (jross-Seelowitz,  Austerlitz, 
Drnovice  und  Sudice,  in  Niederoesterreich  in  der  Umgebung  von  Grund, 
Potzleinsdorf,  Gainfahren  u.  s.  w.  entdeckt,  auch  in  den  Sanden  des  Horner 
Beckens  ist  er  anwesend  und  erreicht  in  den  Sanden  von  Grubern  eine  so 
starke  Entfaltung,  dass  er  dort  ganze  Schichten  zusammensetzt.  Er  wurde 
dort  in  der  Umgebung  von  Mailberg,  Loibersdorf,  Molt,  Burgschleinitz  u.s.  w. 
nachgewiesen.  Auch  im  auswartigen  Miocaen  ist  er  bedeutend  verbreitet. 
Desgleichen  ist  er  in  den  Miocaensediinenten  von  Steiermark,  Polen  und  Un- 
gam  zuhause.  Der  Miocaen  von  Frankreich  (Touraine,  Perpignan,  Barcelona, 
die  Sande  der  (legend  von  Bordeaux),  Baiern,  der  Schweiz,  Wolhynien  hat 
seine  Schalen  in  Fttlle  geliefert. 

Pecten  ele^JUis,  Amirs.  (1860.  Pecten  sarmentilius  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  326.  —  1870. 
l>.vlc<jans  M.  Ifoemes,  II.  Abth.,  1.  c.  S.  416,  Taf.  LXIV.,  Fig.  6.)  Auch  diese 
Art  gelang  es  bis  her  nur  A.  E.  Reuss  im  marinen  miocaeuen  Tegel  Bohmeus 


1.37 


sicherzustellen.  In  den  Sehlemmruckstanden,  die  ich  bisher  zur  Verfflgung 
hatte,  habe  icb  nicht  einmal  wiuzige  Schalen  von  kleinen  Individuen  gefunden, 
von  denen  Reuss  in  der  bier  angefuhrten  Arbeit  Erwiibnung  thut.  Reuss  be- 
merkt,  seine  Schalen  kommen  im  Rudelsdorfer  Tegel  ziemlieb  hiiufig  vor. 
Meine  Erfahrungen  widerspreelien  diesem;  doch  beacbtet  man  die  Umstiinde, 
unter  welchen  diesclben  gewonnen  wurden,  so  fiibrt  man  diese  Resultate  auf 
ein  richtiges  Mass  zuriick.  Audi  P.  elegans  ist  im  heimischen  Miocaen  sehr 
verbreitet.  Sein  eigener  Rayon  ist  die  Leitliakalk-  und  dann  die  Sandfacies.  In 
den  Tegeln  ist  er  selten.  Sehr  hiking  wurde  er  in  den  Mergeln  von  Grinzing, 
Nussdorf,  Ileiligenstadt,  Gainfahren,  Kostel,  Steinabrunn,  Nikolsburg  und  Ze- 
riitky  (Miiliren)  gefunden,  dann  in  den  Sanden  von  Gainfahren,  Burgschleinitz, 
Meissenau.  Ausserdem  ist  er  im  Miocaengebiet  von  Steiermark,  Ungarn,  Sie- 
benbtirgen,  Galizien  und  Serbien  zuhause. 

8Pondylus  heteracanthus,  A.  E.  Reuss.  (i860.  1.  c.  S.  237,  Taf.  V.,  Fig.  l.) 
I  in  Rudelsdorfer  Tegel  bisher  nur  von  A.  E.  Reuss  entdeckt.  Es  wurden  zwei 
rechte  Schalen  gefunden.  M.  Hoernes  thut  von  ihnen  im  II.  Theile  seiner 
Sclirift  ttber  die  tertiaeren  Fossilien  des  Wiener  Beckens  keine  Erwahnung. 
Er  dtirfte  sie  nicht  zur  Hand  gebabt  haben.  A  E.  Reuss  behauptet,  die 
Rudelsdorfer  Schalen  weichen  von  den  Lapugyer  ab.  Ich  registriere  nur  diesen 
Ausspruch.     Vielleicht  wird  eine   kunftige   Zeit  in  dieser  Sache   entscheiden. 

8Pondylus  Gussonei,  Costa.  (1860.  A.  E.  Reuss  1.  c.  S.  237,  Taf.  IV,  Fig.  8.) 
Diese  Art  ist  bisher  nur  aus  den  Rudelsdorfer  Tegeln  bekannt,  anderswo  in 
miocaenen  heimischen  Gebieten  wurde  sie  nicht  entdeckt.  Im  bohmischen 
Gebiete  hat  sie  Reuss  sichergestellt,  wo  er  eine  linke  obere  Schale  fand. 

°strea  cochlear,  Polih.  (1870  M.  Hoernes,  II.  Theil,  1.  c.  S.  435,  Taf.  LXVI1I, 
Fig.  1—3.)  Ein  grosses  Bruchstiick  einer  linken  (grosseren  unteren)  Schale 
wurde  im  Rudelsdorfer  Tegel  entdeckt.  Von  gleich  grossen  Schalen  aus  anderen 
Fundorten  ist  sie  nicht  zu  unterscheiden.  Die  Ubereinstimmung  ist  gross  und 
offenbar.  Sie  besteht  nicht  nur  in  der  Grosse,  sondern  auch  in  der  Dicke  der 
Schale  und  uberhaupt  im  ganzen  ausseren  Charakter.  Bisher  war  diese  Art 
aus  dem  bohmischen  Miocaen  nicht  bekannt.  Nach  den  bisherigen  Erfabrungen 
ist  sie  daselbst  selten,  doch  etwa  so  selten  wie  in  den  Mergeln  und  Mergelein- 
lagerungen  des  Leithakalkes.  0.  cochlear  ist  im  heimischen  Miocaen  weit  und 
hreit  verbreitet,  und  zwar  in  alien  Facien.  Aus  Bohmen  geht  sie  nach  Mfthren 
liber  (Porstendorf,  Jaromfifice,  Drnovice,  Lysice,  Lazanky,  Borac,  Lomnicka, 
Kostel,  Pozofice  u.  s.  w.),  von  dannen  nach  Niederoesterreich  (Steinabrunn, 
Grinzing,  Sievering,  Nussdorf  u.  m.  a,),  dann  nach  Ungarn  (Forchtenau,  Marx, 
Margarethen,  Kostej  usw.l,  Steiermark,  Kroatien,  Siebenbiirgeu,  Galizien, 
Oberschlesien.  Ferner  ist  sie  aus  den  tertiaeren  Sedimenteu  von  Italien,  Corfu 
bekannt.  Sie  lebt  im  Mittelmeere. 
8trea  Boblayi,  Deshayes,  (1870,  M.  Hoernes,  II.  Theil  1.  c.  S.  444,  Taf.  LXX., 
Fig.  1—4.)  i?ig  4i.  —  Die  AUsdorfer  Exemplarc  dieser  Art  weichen  vom  Typus 
durch  untergeordnete  Merkmale  ab;  am  meisten  jedoch  durch  die  allgemeine 
*°rm,  die  vielfach  sehr  veranderlich  ist,  und  auch  durch  das  Schloss,  (lessen 
Bimensionen  gewohnlich  kleiner  sind  als  bei  den  Typen.  Trotzdem  kann  man 


138 


jedoch  nicht  umhin,  sie  in  den  Bereich  dieser  Art  einzureihen.  Sie  haben  so  viele 
gemeinsame  Merkmale,  dass  es  keine  schwicrige  Aufgabc  ist,  ihre  systematische 
Stellung  richtig  anzugcben.  Urn  ein  Beispiel  anzufiihren,  woraus  erhellen  uiochte,  wie 
die  Gestalt  der  Schale  Veriinderungen  unterliegt,  bildete  ich  hier  eine  reclite 
Sclialo  eines  inittolgrossen  Individuums  ab,  welche,  wie  es  nicht  nothig  ist 
besonders  hervorzuheben,  sehr  schon  erhalten  ist,  wie  iiborhaupt  das  ganze 
Austernmaterial  von  Abtsdorf  als  ein  der  Durchforschung  sehr  giinstiges  zu 
bezeichnen  ist.  A.  E.  lieuss  fiihrt  diese  Art  in  der  Monographic  von  M. 
Hoernes  aus  deni  Tegel  von  Triebitz  an.  Das  Gebiet  dieser  Art  im  heimischen 


,. ' 


Fig.  41.  Ostrea  Boblayi,  Desh.  Triebitz.  Kino  rechte  Schale  in  der  nat.  Grosse. 


Mioeaen  ist  kleiner  als  dasjenige  der  vorigen  Art.  Sie  ist  im  raahrischen 
Miocaen  selten.  Bisher  wurde  sie  dort  nur  in  den  Mcrgeln  von  Gross-Seelo- 
witz  und  Nikolsburg  entdeckt.  Audi  in  Niederoesterreich  ist  sie,  soweit 
bekannt,  auf  die  Mergel  von  Steinabrunn  und  Grosshonein  und  auf  die  Sande 
von  Gauderndorf  und  Bischof'swart  beschrankt.  Aus  dera  auswiirtigon  Miocaen 
wird  sie  von  Cilicien,  Lycion,  von  den  Ufern  des  Tajo,  von  der  Insel  Malta, 
von  Algerien,  von  den  Inseln  Cypern  und  Kreta  angeftlhrt. 
Ostrea  digitalina,  Dubois.  (1860.  Ostrea  Meriani  A.  E.  Ecus*,  1.  c.  S.  23i5 
Taf.  V,  Fig.  3-4,  G.  —  1870  0.  digitalina  M.  Hoernes,  1.  c.  II,  S.  447, 
Taf.  LXXIII,  fig.  1-9.)  A,  E.  Beuss  ftfttrt  diese  Art  aus  dem  gelben  Tegel 
von  Rudelsdorf  an.  Er  land  sie  daselbst  durch  sowohl  kleine  als  audi  grosse 
Iudividuen  vertreten.  Mir  gelang  es,  hiibscli  erlialtene  Sclialen  dieser  Art  i" 
einer   reichen,    von    Prof.  Dr.  A.  Frit  von  Abtsdorf  gebrachten  Collection  zu 


139 

fraden.  Der  grtindlichen  Beschreibung  dor  Rudelsdorfer  Individuen  in  der 
oben  angefuhrten  Arbeit  von  Reuss  fiige  ich  tiber  die  Abtsdorfer  Exemplare 
nur  eine  kleine  Bemerkung  boi,  und  zwar,  dass  die  Oberflitche  dor  linkeu 
Schalen  selten  mit  hervortretenden  Rippen  bedeckt  ist.  Haufig  zieren  nur 
schwach  angedeutete  Rippen  die  Oberfla'che  dieser  Schalen ;  manchmal  sind 
diese  so  schwach,  dass  die  Oberfiaehe  rippenlos  scheint.  Die  Art  0.  digitalina 
ist  im  Abtsdorfer  Togel  ausser  der  0.  giengensis  und  0.  crassissimu  am 
haufigsten.  Dagegen  ist  sie  auf  den  iibrigen  bohmischen  miocaenen  Fundorten 
selten  und  wurde  bislier  nicht  entdeckt.  Verbreiteter  als  hier  ist  sie  im  Miocaen- 


Fi 


"'  '*2.  Ostrea  giengensis,  Schloth.  sp.  Abtadorf.  a  linko,  b  reehte  Schalo  yoii  innen,  verkleinert. 

%  der  nat.  Grosse. 


gebiet  von  Miihren  (Porstendorf,  Lysice,  Borac,  Alt-Rausnitz,  Pozofice,  Kostel, 
Nikolsburg) ;  von  Niederoesterreich  (Umgebung  von  Wien,  Steinabrunn,  Bischofs- 
w&vt,  Grund  usw.) ;  voin  Horner  Becken  (Eggenburg),  von  Ungarn  (Oedenburg, 
Ma''x,  Margarethen  etc.),  von  wo  sie  in  das  iVIioeaen  von  Steiermark,  Slavo- 
m°ii,  Istrien,  Banat,  Siebenburgen,  Galizien,  Baiern  u.  a.  ttbergeht.  Ferner 
Wurde  sie  in  den  tertiaeren  Sedimenten  von  Frankreich,  Belgien  u. 
obachtet. 


a. 


be- 


Ostret 


il  giengensis,    Sehlotheitn   sp.    (1860.  Ostrea  Cyrnusi  A.  E.  Eeuss 
230,  Taf.    VII.  Fig.   1.   -      1870.    0.  giengensis   M.  1  hemes,  II.  Theil, 


C.  S. 

c.  S. 


452 


Taf.  LXXV11I,  Fig.  1;  LXXIX,  Fig.  1,  2;  Taf.  LXXX ,  Fig.  1.)  Fig-  42. 


140 


Die  hier  abgebildete  linke  Schale  gehort  einem  ungewohnlich  grossen  Indivi- 
duum.  Wenn  man  sie  mit  Schalen  von  anderen  Fundorten,  namentlich  aus  den 
sfldlichen  Gebieten,  vergleicht,  so  iiberzeugt  man  sich  Ieicht,  dass  die  kleineren 
den  dortigen  Schalen  von  mittelgrossen  Individuen  entsprechen.  Ich  habe  sic 
hier  auch  deshalb  abgebildet,  damit  die  Auschauung  von  der  Bescliaffenheit 
des  Muskeleindruckes  documentiert  werde,  welcher  sozusagen  die  Mitte  der 
L&ngsaxe  einnimmt  und  gegen  aussen  hin  verschoben  ist.  Darauf  muss  ich 
gleichzeitig  die  Bemerkung  ankniipfen,  dass  bei  einigen,  namentlich  bei  den 
unregelmiissig  gewachsenen  Individuen  von  Abtsdorf  der  Mnskeleindruck  in 
der  Kegel  gegen  den  Vordcrrand  verschoben  ist,  manchmal  so  weit,  dass  es 
den  Eindruck  macht,  wie  wenn  sie  in  den  Bereich  der  Art  0.  crassissima 
gehoren  und  ihr  junges  Stadium  vorstellen  mochten.  Doch  bald  uberzeugt 
man  sich,  dass  dies  nicht  der  Fall  ist,  dass  diese  Schelen  wirklich  in  den 
Bereich  dieser  Art  gchoren.  Dafttr  bieten  immer  die  auffallendsten  Belege  die 
von  den  Schlossern  der  0.  crassissima  Ieicht  unterscheidbaren  Schliisser.  Die 
Art  0.  giengensis  ist  im  Tegel  von  Abtsdorf  iiberaus  hiking.  Sie  setzt  dort 
fast  eine  Bank  zusammen.  Manchmal  grabt  man  ganze  Schollen  von  ver- 
wachsenen  Schalen  in  der  naturlichen  Lage  aus.  Ganze  entwickelungsge- 
schichtliche  Reihen  lassen  sich  aus  dem  mir  vorliegenden  Materiale  zuaammen- 
stellen  Diese  begrunden  zur  Geniige  die  Ansicht,  dass  dem  Abtsdorfer  Tegel 
Schalen  von  mehreren  Arten  eingelagert  sind.  Diese  Art  ist  auch  im  EudeU- 
dorfer  Tegel  zuhause.  Hiiufig  ist  sie  dort  nur  in  der  sandigen  Einlagerung 
der  kleinen  Kuppe,  auf  welcher  das  Wachterhaus  am  Rudelsdorfer  Eisenbahn- 
einschnitt  steht.  Auch  die  dortigen  Individuen  erreichen  keine  grosseren 
Dimensionen  als  die  Abtsdorfer.  Sie  sind  schlecht  erhalten,  zerfallen  gleich, 
sobald  man  sie  in  die  Hand  nimmt  oder  aus  dem  Tegel  herauspraepariert- 
0.  giengensis  ist  sowohl  in  dem  heimischen,  als  auch  in  dem  auswiirtigen 
Miocaen  weit  verbreitet.  Aus  den  Loibersdorfer  Sanden  kann  man  sie  bis  in 
den  Lithothamnienkalkstein  und  von  dannen  in  die  Sande  der  sarmatischen 
Stufe  vcrfolgen.  Im  Horner  Becken  kommt  sie  ausser  den  Loibersdorfer  Sanden 
auch  in  denjenigen  von  Dreieichen,  Eggenburg,  Thallern  vor;  in  Mahren 
findet  sie  sich  in  den  Mergeln  von  Nikolsburg,  in  Niederoesterreieh  in  den 
Mergeln  von  Nussdorf  u.  s.  w.  Ebenfalls  ist  sie  in  Uugarn,  SteiermaA 
Kroatien,  ferner  in  den  Tertiaerablagerungeu  von  Frankreich,  der  Schweiz. 
Italicn,  Kleinasien  u.  a.  verbreitet. 
Ostrea  crassissima,  Lamarck.  (1870.  M.  Hoernes,  II.  Theil,  1.  c.  S.  455.  Taf- 
LXXXL,  Taf.  LXXXIL,  Fig.  1,  2,  Taf.  LXXXIII.,  Fig.  1,  3,  Taf.  BXXXlV.) 
Diese  Art  fiihrte  aus  den  bohmischen  Miocacnsedimenten  A.  K.  lieuss  in  M- 
Hoernes  Monographie  iiber  die  Mollusken  des  "Wiener  Tertiaerbeckens  in  die 
Litteratur  ein.  Er  stellte  ihre  Vc^rtreter  im  Tegel  von  Triebitz  sicher.  D'e 
auffalende  Dicke  und  Grosse  einiger  Schalen  aus  dem  Abtsdorfer  Tegel  hat 
mich  genbthigt,  sie  in  den  Bereicht  dieser  Art  einzureihen.  Diese  Ansicht  bat 
namentlicht  eine  (lurch  ihren  Charakter  von  den  Schalen  der  vorigen  A't 
auffiillig  abweichetule  Schale  bestatigt.  Diese  sind  nie  so  dick  und  besitzen 
kein  so  starkes  Schloss  wie  jene.     Eine  endgiltige    Entscheidung    dariiber  be* 


141 


halte  ich  mir  fiir  die  Zukunft  vor,  bis  ich  ein  reicheres  und  besser  erhaltenes 
Material  aus  uuseren  bohmischen  mioeaenen  Fundorten  vor  der  Hand  haben 
werde.  0.  crassissima  wird  von  zahlreichen  Fundorten  des  heimischen  Miocaeus 
angefiihrt.  Grosse  Individuen  tinden  sich  oft  in  den  Sandon  des  Horner Beckens 
(Nondorf,  Holenstein,  Kienberg  bei  Eggenburg  u.  s.  w.).  Auch  in  den  Mergeln , 
namentlieh  in  den  sandigen,  ist  sie  hiiufig;  sie  ist  aus  dem  Mergel  vonSteina- 
brunn,  Niederleis,  Nikolsburg,  Kfenovice,  Ritzing  u.  a.  bekannt.  Aus  dem 
mahrisch-bohmischen  und  niederoosterreichischen  Miocaen  geht  sie  in  die  ter- 
tiaeren  Sedimente  von  Steiermarck,  Kroatien,  Ungarn,  Siebenbiirgen,  Wiirt- 
temberg,  Italien,  Albanien,  Frankreicli,  Algerien  u,  a.  iiber. 

ASriope  decollata,  Chemnitz.  (1860  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  227.  —  18S9.  Dreger, 
Die  tertiiiren  Brachiopoden  des  Wiener  Beckens,  S.  283,  Taf.  I.,  Fig.  1  -  5.) 
Bisher  hat  sie  auf  unserem  Gebiete  nur  A.  E.  Reuss  im  Tegel  von  Rudelsdorf 
entdeckt,  wo  er  sie  ziemlich  oft  fand.  In  den  Anmerkungen  der  oben  ange- 
fiihrten  Schrift  lesen  wir,  dass  die  Rudelsdorfer  Exemplare  dieser  Art  den 
wi  Meere  lebenden  Individuen  gleichen,  was  eine  wahrhaft  interessante  Erkennt- 
niss  ist,  indem  sie  einen  Beweis  rnehr  liefert,  dass  nicht  alle  Arten  im  Tegel 
v«n  Rudelsdorf  gegeniiber  den  Individuen  aus  den  Fundorten  der  siidlichen 
Gebiete  verkiiramert  ersclieinen.  Die  horizontale  Verbreitung  dieser  Art  in 
neogcnen  Sedimenten  ist  ziemlich  bedeutend,  das  wird  durch  den  Umstand 
schlagend  bewiesen,  das  ihre  Individuen  im  Wiener  Beckon  (Eisenstadt,  Fels- 
bei'g,  Forcbtenau,  Niederleis,  Rausnitz),  ferner  in  Galizien  (Holubice,  Pieniaki, 
Podjarkow),  in  Steiermark  (Wildon),  in  Siebenbiirgen  (Lapugy),  in  Italien 
(Turin,  San  Fernando,  M.  Pelegrino  bei  Palermo,  St.  Filippi  bei  Messina)1 
auf  der  Insef  Cypern  (Larnaka),  Rhodos  (Hedenborg),  dann  im  siidlichen 
Frankreich,  in  Wolhynien  und  auf  Malta  sicher  gestellt  wurden.  Sie  lebt  im 
Mittelmeere  auf  sandigem  Boden  und  in  der  Nulliporenfacies  in  der  Tiefe  von 

(,.      8  bis  -564  Knoten;    auch   wurde   sie  im   Atlantischen   Ocean   sicher   gestellt. 

ella  Neapolitans,  Scacchi.  (18(50.  Ayriope  Neapolitana  A.  E.  Reuss,  S.  228. 

J-   188!).  Dreger  1.  c  S.   185,  Taf.  I.,  Fig.  6,  7,  8.)  Audi  diese  Art  stellte  in 

( on   Sedimenten    unseres    marinen   Miocaens   nur  A.  E.  Reuss  sicher,    wo  er 

'•'re  Schalen  im  Rudelsdorfer  Tegel  entdeckte  und  bemerkto,  dass  sie  dort  eine 

seltene  Erscheinung  sind.     Ich  habe  ihr  auch   nachgeforchst,   jcdoch  umsonst, 

"nd  zwar  sowohl    im  Rudelsdorfer  Tegel,    als  auch  in  den  iibrigen   Fundorten 

"nseres  bohmischen    Gebietes.     Daraus  kaun  man  scldiessen,    dass  auch  diese 

Ft  hier   seltener   ist  als  die  vorige,    was  mit   dem   Umstande   ubereinstimmt, 

(  ass  sie  diese   Eigenschaft  audi   auf  den  iibrigen   Localitiiten    des  heimischen 

'ocaens   theilt,    wo   sie  im  Mergel  von  Steinabrunn,    in    der  Umgebung  vom 

J'unen  Kreuz,    Nussdorf,    ferner  bei  Lysice,   Lapugy,    Kostej    und  ausserdem 

dor  lnsel  Rhodos  gefunden  wurde.  In  den  heutigen  Meeren  lebt  sie  im  Adria- 

ischen,  Mittellandischen  Meere  und  niichst  den  Canarien-  Inseln  in  den  Tiefen 

^istT  30~-130  Knoten- 

k  e«a  Squamata,   Eichwald.  (I860.  Agriope  squamata  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  228. 

j~    1889.  Dreger  1.  c.  S.  186,    Taf.  L,    Fig.  12—14.)     Diese   seltene    Art  ist 

er   nur    aus  dem   Rudelsdorfer   Tegel  bekannt,    von  einem    anderen    Orte 


142 


unseres  Miocaensgebietes  gelang  es  niclit  sie  sicherzustellen.  Ausserdem  wurde 
sie  auch  in  den  Mergeln  von  Galizien  (Holubice,  Pieniaki,  Zukowce),  Sieben- 
biirgen  (Lapugy),  Steierrnark  (Kochmllhle  afichst  Ehrenhausen)  und  auf  Rliodos 
gefunden.  Sie  lebt  im  Mittelmeere. 


Fig.  43.  Megerlea  oblita,  Michel  sp.  Rudelsdorf.  o^Seitenansicht  von  verbundenen  Schalen. 
b  Schalen  von  einem  alteren  Individuum,   Innenansicht.  «/i  vergrdssert. 


Megerlea  oblita,  McheloM.  (1860.  A.  E.  Items  1.  c.  S.  227.  —  1889.  Dreger 
1.  c.  S.  190,  Taf.  IL,  Fig.  6-9.)  Fig.  43.  —  Diese  Art  ist  im  Rudelsdorfer 
Tegel  die  hiiufige.  In  der  Rogel  sind  ihro  Schalen  schon  erhalten,  so  daSS 
man  sehr  bald  alle  ihre  selbst  feinsten  Merkmale  kennen  lernen  kann.  Ursprun- 
glicli  wurde  sie  von  A.  E.  Reuss,  spiiter  audi  von  mir  entdeckt,  dock  nui*  "" 
Schlemmriickstande  des  Rudelsdorfer  Tegeh,  und  zwar  nur  in  Brucbstticken. 
M.  oblita  ist  in  den  heimischen  Miocaenablagerungen  verhliltnissmassig  zieinl'^1 
verbreitet;  sie  wurde  ausserdem  Rudelsdorfer  Tegol  auch  im  Tegel  von  Jar*5" 
merice,  Porstendorf,  ferner  in  der  Lcithakalkfacies  der  Umgebung  von  GrieS* 
Wildon  und  Ehrenhausen  (Steierrnark)  nachgewiesen.  Aus  dem  italienischen 
Neogen  wird  sie  aus  der  Umgebung  von  Turin  und  Tortona  angefuhrt. 

Hornera  hippolytlms,  Def ranee.  (1878.  A.  Maneom.  I  Briozoi  fossili  del  d'  Austria 
e  Ungheria.  '  Denkschr.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  Wien  Rand  38,  S.  8,  Taf.  VI" 
Fig.  22;  Taf.  VII.,  Fig.  26.)  Fig.  44.  — -  Diese  Art  ist  im  mahrischen  Miocaen- 
gebiete  fast  iiberall  zuhause.  Soweit  wenigstens  meine  Erfahrungen  reicbelh 
habc  icli  wenige  von  den  dortigen  Fundorten  kennen  gelernt,  wo  sie  nic  > 
vorkiime.  Auf  dem  Gebiete  unseres  ostbohmischen  marinen  Miocaens  ist  e$ 
anders,  hier  kommt  sie  sehr  selten  vor,  denn  bisher  ist  es  mir  gelungen,  sie 
nur  im  Rudelsdorfer  Tegel  in  einem  Bruchstucke  ferstzustellen.  AndersW« 
und  auch  in  dem  fossilienreichen  Tegel  von  Lukau  wurde  sie  crfolglos  8e' 
siicht.  Und  wie  in  Miihren,  wo  sie  in  den  Mergeln  und  Tegeln  von  Lomnickj1' 
Drnovice,  Borac,  Rausnitz,  Kostel,  Porzteich  etc.  gefunden  wurde,  so  wur<J 
sie  auch  anderswo  im  heimischen  Miocaen  in  der  Umgebung  von  Nussdo)  - 
Eisenstadt,  Morbisch,  Podjarkov,  Baden,  Steinabrunn,  Mederleis,  ForchtenaU> 
Kroisbach,  Wildon  und  Ehreshausen  entdeckt.  ( 

Celleporaria  globularis,  Rronn.    (Cellepora  globularis  A.  E.  Reuss  1.  c.  S-  ; 


1878  Mawsoni,    1.  c.  S.  51,    Taf.  I.,   Fig.  2.)     Sie  wurde  bisher  im  g1 


elben 


143 

Tegel  von  Rudelsdorf  nur  von  A.  E.  Eeuss  sichergestellt.  Rcuss  bemerkt,  sie 
sei  dortselbst  selten.  Diesmal  gelang  es  nicht,  sie  dort  nachzuweisen,  und 
auch  anderswo  wurde  nach  ihr  vergebens  geforscht.  Vie]  ofter  kommt  sie 
im  Siiden  des  heimischen  Miocoengebietes  vor.  Eigentlich  ist  sie  bereits  in 
Mahren  eine  ziemlich  haufige  Erscbeinung,  namentlich  in  den  Sedimenten  der 
Leithakalkfacies  und  des  oberen  Mergels.  Von  daher  ist  sie  aus  dem  Mergel 
von  Drnovice  bekannt;  Manzoni  fiihrt  sie  an  aus  der  Umgebung  von  Kostel 
(Mahren),  Gaudenzdorf,  Steinabrunn,  Garschenthal,  Niederleis,  Kalladorf,  Grin- 
zing  (Niederoesterreich) ;  Miechowicc  (Oberschlesien) ;  Wielizka,  Podjarkov 
(Galizien);  Lapugy  (SiebenMrgen) ;   Dios  Jeno,  Bujtur  (Uugarn). 


f\l   44.   Hornera   hippoly 
jn"8,  Reuss.  Rudelsdorf. 

J,1n     i3l.     vn™,.      «*„„!,     .,„ 


'/i   vergr.   Stock  von 
vorne. 


Fig.   45.   Salicornaria   far- 
oiminoides,  JohnBt.  Rudels- 
dorf. "/i  vergrossert. 


Fig.   46.    Discoflustrflla   Novaki,   Proch. 
Rudelsdorf.  S9/,  vergrossert. 


Heteropora   stipilata,    Rcuss.    (1878  Mamom  1.   c.  Taf.  XL,    Fig.    45.)  Die  se 
seltene  Art  fiihrt  Manzoni  ausserdein  Nmsdorfer  Tegel  auch  aus   dem  gelben 

Tegel  von  Rudelsdorf  an,  wo  ich  sie  bis  jetzt  vergeblich  gesucht  habe. 
Salicornaria  farciminoides,  Johnston.  (1874.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  143,  Taf.  XII, 
rig.  ;j — 13.)  Fjg,  45.  —  Diese  Art  gelang  es  mir  diesmal  zum  ersten  male  im 
nuddsdorfer  Tegel  zu  ontdecken.  Es  wurde  eine  winzige  Colonie  heraus- 
geschlemuit,  die  zwar  abgebrochen  war,  doch  ziemlich  gut  erhalten  um  an 
•hr  alle  fur  diese  Art  bezeichnenden  Charaktere  zu  abwahren.  Auf  anderen 
rundorten  unseres  bohmischen  Miooaens  habe  ich  ihr  vergeblich  nachgeforscht. 
Dagegen  findet  sie  sich  im  Gebiete  des  uiahrischen  Miocaens  fast  auf  jeder 
Fundstatte,  namentlich  in  der  Sand-  und  Mergelfacies.  Dasselbe  gilt  auch 
yon  dem  niederoesterreichischen  und  ungarischen  Gebiete.  Hier  wie  dort  wurden 
ihre  gewohnlich  schon  erhaltene  Colonien  in  Hulle  und  Fiille  nachgewiesen. 
Heuss  fiihrt  sie  an :  von  Nussdorf,  Enzersdorf,  Steinabrunn,  Niederleis,  Raus- 
mtz,  Winden,  Eisenstadt,  Morbisch,  Podjarkov,  Wieliczka,  Miechovice;  ferner 
lst  sie  aus  dem  englischen  Crag,  aus  den  neogenen  Sedimenten  von  Rhodos 
Und  aus  dem  oberen  und    mittleren    Oligocaen   Deutschlands    (Cassel,   Nieder- 


kauf 


ungen,  Kleinfreden,  Sollingen)  bekannt. 


144 


Membranipora   gracilis,    Munster  sp.   (Lepralia  gracili    A.    E.   Reuss,  I.  c.  S. 
266.  —  1874.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  184,  Taf.  X,  Fig.  5-7).  Ich  kann  nur  die 
Ansicht    Reuss'    bestatigen,    dass    diese   Art   im  ostbohmischen  Neogen  selten 
vorkommt.    Reuss   hat   sie   den  Schalen  von  den  im  Rudelsdorfer  Tegel  gefun- 
denen  Austern  aufgewachsen    gefunden.     Diesmal    wurde  jcdoch    von    ihr   auf 
dieser  Local itiit   keine   Spur   nachgewiesen.    Dagegen    wurde   ihre  Colonie  auf 
einer  Austernschalc  aus   dem   Tegel   von    Abtsdorf   gefunden.    Der    Vergleich 
mit  Arten   aus  marinen  Sedimenten   fiihrte  zur  Ansicht,  dass  die  veranderten 
physikalischen    Einflusso    weder    auf   den    Zellen,    nocli   auf  der  Colonie  eiae 
merkbare  Aenderung  hervorgerufen  haben.  Wenigstens  konnte  man  es  erwarten  I 
Diese    Art    scheint    nach    den    bisherigen    Erfahrungen   auch    im  bohmischen 
Miocaengebietet  genug   verbreitet,    wenigstens   mehr   als   die    dort  entdeckten 
Arten.    Ich    beriihre    diese    Eigenschaft    absichtlich.    Ich    sehe   darin    ein  go- 
wichtiges,  niitzliches  Merkmal.  Ich  erblicke  darin  nichts  Zufiilligcs.   Bs  mtisste 
ja  dann  auch  das  ein  zufiilliger  Umstand  scin,  dass  sie  auch  auf  den  abrigen 
Fundorten  des  ausser  alpinen  neogenen  Beckons  verbreiteter  ist  als  die  Mehr- 
zahl  der  von  daselbst  bekanten  Bryozoenarten.    Die  reichste  individuelle  Ent- 
faltung  erreicht  sie  in  der  Bryozoenfacies,   doch  auch  in  der  sandigen  koinint 
sie    haurig   und    oft  vor,    dagegen  begegnen  wir  derselben  in  den  Tegeln  und 
Mergeln  selten.  Aus  dem  miihrischen  Miocaen  ist  sie    von  Kostel,  Kralic  und 
Zacany,    aus    dem    niederoesterreichisclien   von   Steinabrunn,    aus    dem    steir- 
markischen  von  der  Gegend  von  Guschenthal,  aus  dem  ungarischen  von  Eisen- 
stadt  und  Kroisbach,  aus  dem  siebenbiirgischen  von  Buytur   bekanut.    Ferner 
kennt  man   sie   aus   dem   Miocaen   von  Frankreich  (Doug,    Thoringe'),   Italien 
(Castellarquato),  Rhodos.  Sie  reicht  bis  in  die  Sedimente  des  oberen  Oligocaen 
(obstrupp)    zuriick  —   durch    Miocaen    und  Pliocaen  geht  sie  in  die  heutigen 
Meere  (Adriatisches  Meer)  iiber. 
?  Discoflustrella  IVovaki,  Prochdzlca.  Fig.  46.   —  Das    spiirliche  Material,    das 
ich  bisher  aus  dem    Rudelsdorfer   Tegel   herausgeschlemmt    liabe,    liisst  keine 
eingehende    Beschreibung    und    Aufstellung    dieser    fur    unser    ostbohmisches 
Miocaen    interessanten    Art   zu.     Bisher    wurde   darin  nur  ein  Exemplar,  eine 
nicht    einmal    ganze    Colonie    entdeckt.    Es  fehlt    derselben  das  obere    Ende, 
welches   abgebrochen  ist.    Dieser  Umstand  hat  verschuldet,  dass  ich  vorlaung 
noch  die  Gattung,  zu  welcher  sie  gehort,  nicht  genau  feststellen  kann.    Nach 
den  iibrigen  Merkmalen  theilt  sie  noch  am  meisten  gemeinsame  Eigenschaften 
mit  der  Gruppe,  welche  d'Orbigny  Discoflustrella  benaunt  hat.    Der  Stock  ist 
cylinderformig,   oben   sehr   schwach  verengt,  innen  hohl.  Die  Zellen  liegen  i» 
schiefen  von  rechts  und  links   nach  oben    verlaufenden   und   einander   schnei- 
denken    Reihen.    Sie    haben    keine    Riinder,    diese  hiegen  in  der  Obertlacheii- 
peripherie.    Ihre   Gestalt  ist  trichterformig,  ihre  Liingsaxe  steht  zur  Langsaxe 
des  Stockes  senkrecht. 
Eschara    coscinophora,    Reuss.  (1860,   1.  c.  S.   223.  —  1877   Manzoni  1.   c.  S- 
62,  Taf.  VIII,  Fig.  2,  5).    Diese  interessante  Art,  deren  Vertreter  man  durch 
die   miocaenen   Sedimente  in  das  obere  und  untere  Oligocaen  verfolgen  kann, 
kommt    in   unserem    Gebiete  nur  im  Rudelsdorfer  Tegel,  und  zwar  auch  hier 


145 


sehr  selten,  vor.  In  dieser  Hinsicht  stellt  sie  sich  den  vorigen  Arten  zur 
Seite,  die  ebenfalls  in  den  Tegeln  der  Badener  und  in  den  Mergeln  der  Steina- 
brunner  Facies  selten  sind.  Aus  dem  ostbohmischen  Miocaen  gebiete  verbreitet 
sich  diese  Art  nach  Miihren  (Kostel),  von  dannen  nach  Niederoesterreicli 
(Nussdorf),  Ungarn  (Forchtenau).  Sie  reicbt  in  die  Sedimente  des  oberen  und 
mittlereu  Oligocaen  zuruck,  von  woselbst  sie  aus  der  Umgebung  von  Latdorf 
bekannt  ist. 

Serpula  manicata,  Reuss.  (1860,  1.  c.  S.  223,  Taf.  III.,  Fig.  5.)  Die  zierlichen 
Rohrchen  dieser  Art  sind  bisber  bios  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel  und  nur 
A.  E.  Reuss  bekannt.  Diesmal  wurde  von  ihnen  nichts  entdeckt,  trotzdem 
ilne  Spuren  eifrig  gesucht  wurden.  Ich  kenne  sie  aus  eigener  Auschauung 
nur  aus  den  Tegeln  von  Borac,  wo  sie  in  der  Nachbarschlaft  einer  iiberaus 
reichen  Tiofsee-Fauna  liegt. 

Serpula  qulnqueslgnata,  Reuss.  (1860,  1.  c.  S.  224,  Taf.  Ill,  Fig.  6.)  —  Nach 
A.  E.  Reuss  ist  diese  Art  im  Rudelsdorfer  Tegel  seltener  als  die  vorige.  Ob 
es  wirklicb  der  Fall  ist,  kann  ich  nicht  entscheiden,  da  es  mir  mich  vergonnt 
worden  ist,  ihre  hubschen  Rohrchen  zu  entdecken.  Zu  den  bisherigen  Kennt- 
nissen  tlber  sie  fttge  ich  noch  bei,  dass  sie  wie  im  Rudelsdorfer  Tegel,  so 
aueh  im  Borafier  Tegel  und  ausserdem  auch  im  Drnovicer  Mergel  gleichzeitig 
mit  dor  Ail  8.  manicata  auftritt. 

SerpUla  granosa,  Reuss.  ( 1860,  1.  c.  S.  225,  Taf.  Ill,  Fig.  9.)  -  Nach  A. 
E.  Reuss  ist  diese  leicht  erkenubare  Art  in  dem  Rudelsdorfer  Tegel  sehr 
selten. 

8erpvila  carinella,  Reuss.  (1860,  1.  c  S.  224,  Taf.  Ill,  Fig.  7.)  Unversehrte 
Fxemplare  dieser  Art  sind  im  Rudelsdorfer  Tegel  sehr  selten,  doch  auch 
cragmente  sparlich.  Diese  Erfahrungen  hat  schon  Reuss  gemaclit  und  diesmal 
Wurden  sio  nur  bestiitigt.  Trotzdem  wir  gewohnlich  nur  Bruclistiicke  gewin- 
nen,  fiillt  es  nicht  schwer,  sie  von  anderen  Arten  zu  unterscheiden.  Am 
meisten  verhilft  dazu  die  iiussere  Form  des  Rohrchcns,  theilweise  audi  der 
Durchschnitt.  Inwieweit  es  am  vorliegenden  Materiale  moglich  war  fest  zu- 
stellen,  ist  die  iiussere  Form  bedeutenden  Veriinderungen  unterworfen,  die 
darin  bestehen,  dass  die  Liingskanten  bisweilen  stark  verschwinden  und  selten 
scharf  wind. 

erPUla  crispata,  Reuss.  (1860,  1.  c.  S.  225,  Taf.  Ill,  Fig.  8.)  —  Die  Rohrchen 
dieser  Art  sind  nach  nieinen  Erfahrungen  im  Rudelsdorfer  gelben  Tegel  ver- 
h&ltnissmassig  ziemlich  haufig.  Es  ist  jedoch  gleich  hinzuzufiigen,  dass  es 
Zwar  genug  Bruclistiicke,  doch  sehr  wenige  erhaltene  Individuen  gibt.  Einige 
vo"  diesen  Rohrchen  weichen  von  den  Typen  ah,  indem  sie  eine  Oberfiiiche 
ohne  Furchen  und  convexe  Kanten  besitzen,  doch  auch  in  diesem  Falle  wird 
'lire  Oberflftche  mit  Anwachskreisen  desselben  Geprages  bedeckt,  wie  wir 
Sl('  an  mit  einer  Furche  gezierten  Exemplaren  gewahren. 
kerl>ula  lacera,  Reuss.  (1860,  1.  c.  S.  225,  Taf.  Ill,  Fig.  10.)  -  Auch  diese  Art 
Ist  im  Rudelsdorfer  Tegel  sehr  selten.  Bisher  kennt  sie  nur  A.  E.  Reuss, 
welcher  schreibt,  es  seien  von  ihr  nur  Bruclistiicke  gefunden  worden. 

10 


146 


Serpula  placeutula.  Reuse.  (I860,  1.  c,  S.  226,  Taf.  Ill,  Fig.  11.)  —  In  den 
Bereich  dieser  Art  stelle  ich  winzige,  sehr  kurze  Rohrchen  von  grosseren 
Windungen,  welche  diesmal  aus  dem  gelben  Rudelsdorfer  Tegel  hiibsch  er- 
halten  herausgeschlemint  wurden.  Ich  hatte  ursprtinglich  die  Absicht,  sic  auf 
eine  giinstigere  Zeit  zn  verschieben,  doch  habe  ich  mich  sparter  anders  ent- 
schlossen ;  es  veranlasste  mich  hiezu  namentlich  dor  Umstand,  dass  ich  einigo 
hiibsche  Bruchstiicko  rait  fast  unvcrsehrter  Oberflacbe  i'and.  Diese  haben 
mich  auf  die  Spur  dieser  Art  gefuhrt.  Trotzdem  zweifle  ich  uoch  jetzt,  ob 
diese  Bruchstiicke  wirklich  hioher  geho'ren.  Darum  bestehe  ich  darauf,  dass 
auch  in  dieser  Sache  nur  ein  kttnftiges  Studium  eines  reichen  —  entschieden 
reicheren,  als  ich  eben  vorhanden  habe  —  Materials  uns  einc  richtige  Antwart 
zu  gebeu  vermag. 

Spirorbis  declivis,  Reuss.  (1860,  I.  c.  S.  226,  Taf.  Ill,  Fig.  12.)  —  Don  feinen 
Rohrchen  dieser  Art  begegnen  wir  in  den  heimischen  Miocaenablagerungen 
ziemlich  hiiufig.  Gewohnlich  sind  sie  den  Austei'nschalen  aufgowaohson,  selteu 
den  Schalen  von  anderen  Arton.  Ilaufig  kouimt  es  vor,  dass  man  von  ihnen 
nur  einen  Abdruck  der  Basis  findet.  Die  Ursache  hievon  ist  die  in  der  Regel 
dtinne  Wand,  welche  sehr  oft  bei  einen  Auschlago  zerfallt.  Im  Rudelsdorfer 
Tegel  ist  die  vorliegendo  Art  sehr  selten,  in  den  Littorahiblageruugen  des 
nordwestlichen  und  westlichen  Mahren  kommt  sie  aber  ofter  vor. 

?  Diadema  Desori,  Reuss.  (1860,  1.  c.  S.  218,  Taf.  Ill,  Fig.  3.)  -  Mit  dieseffl 
Namen  bezeichnete  Reuss  sehr  dtinne  Echinidenstacholn  von  *  cylindrischor 
Form,  welche  gewissermassen  aus  kurzen,  dutenformig  ineiuaudergestechten 
Kegeln  zusammengesetzt  sind,  deren  Oberflache  gleiche,  regelmassig  gewolbte 
Faden  zieren.  Den  Korper,  dem  diese  Stacheln  angehoren,  kennt  man  nicht. 
Nach  einem  langen  Suchen  habe  ich  im  Schlommruckstande  des  Rudelsdorfer 
Tegels  nur  ein  Stachel  gefunden.  Und  est  ist  interessant,  dass  auch  sie  die 
Spitze  und  den  Stiel  abgebrochen  hat,  wie  die  Stacheln,  welche  ich  auf  ver- 
schieden  Orten  im  mJihrischen  Miocaen  entdeckte. 

Cydarus  polyacantlius,  Reuss.  (1860,  1.  c.  S.  223,  Taf.  Ill,  Fig.  4.)  —  Ich  er- 
wahne  bier  auch  diese  Stachel,  welche  ebenfalls  im  mahrischon  Miocaen 
vorkoramt.  Doch  auch  hier  kennt  man  bishor  die  Art  nicht,  welche  die  Stacheln 
dieser  Form,  geziert  haben.  Reuss  bemerkt,  diese  Art  von  Stacheln  sei  i" 
Rudelsdorfer  Tegel  hiiufig.  Mir  gelangen  nicht,  auch  nur  eine  einzige  i>" 
Schlemmriickstande  des  dortigeu  Tegels  zu  finden.  —  Ausser  diesen  Stacheln 
habe  ich  auch  andere  Arten  von  Stacheln  im  Rudelsdorfer  Tegel  sicliergestellt- 
Sie  sind  ganzlich  denjenigen  iilmlich,  welche  ich  seinerzeit  aus  dem  Tegel  von 
Walbersdorf,  und  zwar  aus  dem  aus  den  Schalen  herausgeschabten  und  »uS 
den  Korpern  des  Seeigels  Brissopsis  Ottnanyensis  gewonnonen  Tegel  heraus- 
geschlemmt habe.  Soweit  moine  bisherigen  Erfahrungen  von  diesen  schonen 
winzigen  Stacheln  reichen,  bezeugen  sie,  dass  dieselben  sowohl  in  den  Tegel" 
und  Mergeln  von  Mahren,  Niederoesterreich  und  Oberoostorreich,  als 
in  unseren  bohmischen  verhiilnissmiissig  hiiufig  sind. 

Caryopliyllia   leptaxis,    Reuss.    (I860.    Cyathim  elavus  Reuss,  1.  c.  S.   ! 
1872.    Die    fossilen    Korallen    des    bsterr.-ungar.    Miocaens.    S.    207, 


aii^b 


Taf.  1' 


147 


Fig.  8.)  —  A.  E.  Reuss  bemerkt  in  seiner  Abhandlung  fiber  das  bohmische 
marine  Miocaen,  diese  Art  komme  ira  Rudelsdorfer  Tegel  sehr  selten  vor. 
Da  es  an  geeignetem  Materiale  inangelte,  vermuthete  Reuss  damals,  er  habe 
einen  Vertreter  der  Scacchischen  Art  Cyathina  clams  vor  sich,  was  er  sparter 
in  seiner  grossen  Monographic  iiber  die  fossilen  Miocaenkorallen  ricbtigstellte. 
Die  Erfahrung  Reuss'  iiber  die  individuelle  Menge  dieser  Art  im  Rudelsdorfer 
Tegel  bestatige  diesmal  audi  icl»  vollinhaltlich.  Es  gelang  namlich  auch  mir 
nur  ein  Fragment  von  dera  oberen  Kelcb  dieser  interessanten  Art  zu  linden, 
trotzdem  nacli  ganzen  Kelchen  lange  und  eifrig  geforscht  wurde.  Auf  den 
ersten  Blick  scheint  es,  dass  sich  dieses  Bruchsttlck  nicht  gut  bestinnnen 
lasst.  Wer  jedoch  das  Reuss'scbe  Original  dieser  Art  nur  eimal  in  der  Hand 
liatte,  wird  nicht  lange  im  Zweifel  sein;  ihre  Merkinale  sind  so  auffallend, 
dass  sie  uns  keinen  Augenblick  im  Zweii'el  lassen. 

Paracyathus  firmus,  PMlippi  sp.  (1860  A.  E.  Reuss,  I.  c.  S.  213,  Taf.  I, 
tig.  1—3.  —  1872.  1.  c.  S.  218,  Taf.  III.,  fig.  4,  5.)  —  Urspriinglich  von 
Philippi  in  den  oberen  Oligocaenscbichten  Deutschlands  entdeckt,  wurde  diese 
Art  sparter  von  A.  E.  Reuss  im  Rudelsdorfer  Tegel  festgestellt,  wo  auch  ich 
die  Gelegenheit  hatte,  sie  zu  erkennen  und  aus  dem  dortigen  gelben  Tegel 
herauszuschlemmen.  Was  Reuss1  Beschreibung  betrifft,  kann  ich  nichts  hinzu- 
fttgen,  als  dass  diesmal  ein  sehr  kleines  Polyparium  mit  voller  Anzahl  der 
ausseren  Querleisten  entdeckt  wurde.  Diese  Art  ist  sehr  selten.  Bisher  wurde 
sie  ausser  dem  Rudelsdorfer  Tegel  nirgendswo  im  heimischen  Miocaen  nach- 
gewiesen. 

*&ecocyathus  velatiiB,  Reuss.  (1860.  J'aracyathus  velatus  Reuss,  1.  c.  S.  214, 
Taf.  I,  fig.  4-7.  —  1872,  1.  c.  S.  213,  Taf.  II,  fig.  5.)  —  Diese  seltene,  im 
heimischen  Miocaen  sehr  spfirlich  auftretende  Art  wurde  eine  lange  Zeit 
nindurch  nur  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel  bekannt,  wo  sie  A.  E.  Reuss  zu- 
erst  entdeckte.  Vor  Jahren  gelang  es  mir,  sie  auch  im  Boracer  Tegel  festzustellen 
in  einer  individuelleu  Menge,  die  man  mil  Recht  eine  bedeutende  neuen  kann. 
In  unserem  bohmischen  Tegel  ist  sie  dagegen  eine  verhaltnissmassig  seltene 
Erscheinung.  Erst  nacli  einer  l&ngeren  Durchsuchung  gelingt  es,  ihre  winzige 
Polyparien  zu  finden,  welche  leider  fast  inuner  stark  schadhaft  sind.  Reuss' 
Originate  bezeugen  zur  Geniige,  dass  im  Rudelsdorfer  Tegel  auch  ganz 
erhaltene,  tadellose  Individueu  zu  linden  sind. 
ecocyathii8  microphyllus,  Reuss.  (1872,  1.  c,  S.  220,  Taf.  II,  fig.  8,  9. 
Im.  XIX,  fig.  1.)  Diese  Art  finden  wir  in  der  Regel  gleichzeitig  mit  der 
vorigen.  Reuss  hat  dies  im  Rudelsdorfer  Tegel,  ich  wieder  auf  einigen  Fund- 
orten  im  Gebiete  des  mahrischen  iVliocaens  z.  B.  in  Borac  festgestellt.  Diesmal 
gelang  es  mir  nicht,  ihre  Polyparien  im  Rudelsdorfer  Tegel  zu  finden.  Die 
Ursache  davon  erblicke  ich  nattirlich  in  ihrer  unbedeutenden  individuellen 
Menge.  Ich  habe  mich  last  auf  alien  ihren  Fundorten  uberzougt,  dass  ihre 
mdividuelle  Menge  der  vorigen  Art  gegenflber  untergeordnet  ist.  ttberall  sind 
aber  din  diese  Arten  trennenden  Unterschiede  gleich  deutlich  und  von  Gewicht. 
Lbr<!  horizontale  Verbreitung  ist  nicht  gross,  im  Gegentheile  verhaltnissmassig 
Klein,  beschriinkt.  Von  ihren  Gebieten  ist  vor  allem  der  westmahrische  Sprengel 

io« 


Th 


148 


zu  nermen,  wo  sie  im  Tegel  von  Borac  eine  genug  haufige  Erscheinung  ist; 
ausserdem  ist  auch  das  sudmiihrische  Gebiet  beaclitungswerth,  wo  sie  im  Tegel 
von  Porzteich  nachgewiesen  wurde. 

Syzygophyllia  brevis,  Reuse.  (I860,  1.  c.  S.  217,  Taf.  I,  fig.  10-1.2;  Taf.  II, 
fig.  10.  —  1872,  1.  c.  S.  232,  Taf.  V,  fig.  6—9.)  Urspriinglich  im  Budelsdorfer 
Tegel  von  Reuss  entdeckt,  wurde  sie  von  ihm  auch  in  dem  Tegel  von  Lapugy 
sichergestellt,  doch  auf  diesem  Fundorte  in  einer  weit  grosseren  Menge  als 
in   unserem  Tegel.    Diesinal    wurde  nach  ihren  Polyparien  crfolglos  geforsclit. 

Mycetophyllia  horrida,  Reuss,  (1860,  1.  c.  S.  217,  Taf.  II,  fig.  1,  2.  —  1872, 
1.  c.  S.  235,  Taf.  VI,  fig.  5.;  Taf.  VII,  fig.  1.)  —  Beim  Verfassen  der  Mono- 
graphic der  fossillen  Koralen  des  oesterreichisch-ungarischen  Miocaens  hatte 
Reuss  dasselbe  Material,  das  or  in  der  Arbeit  iiber  die  marinen  Miocaen- 
schichten  Bohmens  beschrieben  und  abgebildet  hatte.  Kin  paar  Stockfragmente 
von  dieser  interessanten  Art,  von  welchen  diesmal  lei  der  keine  Spur  zu  ent- 
decken  war,  trotztdem  ihuen  eine  besondere  Aufmerksamkeit  gescbeukt  wurde 
und  ich  bemiiht  war  sie  festzustellen,  das  ist  alles.  Doch  auch  dies  bestiitigt 
die  Angabe  von  A.  E.  Reuss,  dass  diese  Art  in  Rudelsdorf  sehr  selten  ist, 
wahrend  sie  anderenorts  im  bohmischen  Miocaengebiete  iiberhaupt  nicht  vor- 
kommt. 

Astrocaenia  ornata,  M.  Edw.  et  H.  (1872.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  236,  Taf.  XIII, 
fig.  4.)  Ebenfalls  eine  sehr  seltene  Art,  und  zwar  nicht  nur  in  unserem 
bohmischen  Miocaen,  sondern  iiberhaupt.  —  Ausser  dem  Rudelsdorfer  Tegel  ist 
sie  nur  noch  aus  den  Sedimenten  von  Turin  bekannt,  aus  dcnen  sie  von  A 
M.  Edwards  zuerst  beschrieben  wurde. 

Astraea  crenulata,  Goldfuss.  (1860.  Siderastrea  crenulata  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S. 
18.  —  1872,  1.  c.  S.  245,  Taf.  XII,  fig.  12.)  Den  kleinen  Stocken  von  dieser 
Art  begegnen  wir  im  heimischen  Miocaen  ziemlich  hiking,  in  unserem  bohmi- 
schen  jedoch  sehr  selten.  Nur  im  Rudelsdorfer  Tegel  hat  sie  vor  Jahren  A- 
E.  Reuss  entdeckt.  Von  dieser  Zeit  bis  heutzutage  wurden  sie  dort  nicht 
entdeckt.  Vergeblich  ist  auch  meine  Miihe  gewesen.  Aus  dem  bohmischen 
Miocaentegel  geht  A.  crenulata  in  den  mahrischen  iiber  (Porstendorf  und  Man'"- 
Triibau),  aus  diesem  in  den  niederoesterreichischen  (Voslau,  Gainfahreii; 
Mollersdorf,  Piitzleinsdorf  (Sande),  dann  in  die  ungarischen  Mergel  (Rolirbach, 
Mattersdorf  und  Marxer  Kogel  bei  Oedenburg),  endlich  in  die  Leithakalk'" 
von  Steiermark  (Wildon,  Flamberg)  und  ausser  dem  ist  sie  auch  in  den 
Molter  Sanden  des  Horner  Beckens  zuhause.  Ebenfalls  wurde  sie  in  der  Unv 
gebung  von  Saucats  und  Piacenza  entdeckt. 

Solenastraea  tencra,  Reuss.  (1872,  1.  c.  S.  246,  Taf.  VII,  fig.  5.)  Fig.  47.  — 
Priichtig  erhaltene,  vom  verewigt(H)  Landskroner  Apotheker  E.  Erxleben 
geschenkte  Bruchstiicke  von  zwei  Stocken  habe  ich  in  dor  palaeontologische" 
Sannnlung  des  Museums  des  Konigreiches  Bohmen  gefunden.  Die  DimensioneD 
von  diesen  aus  dem  gelben  Rudelsdorfer  Tegel  stanimenden  Bruclistiicken 
unterscheiden  sich  nicht  bedeudend  von  den  Stocken  aus  z.  B.  Sudicer  Mcrgeln- 
Wodurch  sie  einen  iiberraschen,  ist  freilich  ihr  Totalcharakter ;  sie  sind  ver- 
hiiltnissmassig  klein,  etwas  kleiner  als  diejenigen  aus  den  mahrischen  Merge!*1 


149 

dor  Leithakalkfacies.  Doch  in  den  Dimensionen  der  Zellen  gibt  es  gar  keine 
Abweichung.  Ubrigens  werden  die  hier  geschilderten  Betraehtungen  schon 
durch  die  hier  ausgefiihrten  Abbildungen  zur  Genuige  documentiert.  Ferner 
liefern  sie  den  Beweis,  dass  auch  die  Anordung  des  Septalapparates  der 
Rudelsdorfer  Stocke  mit  derjenigen  der  mir  bekannten  Typen  von  siidlichen 
Fundorten  congruent  ist.  Das  eigene  Gebiet  dieser  hochinteressanten  Art  ist 
sowohl  Tegel  als  audi  Merge].  In  jener  Facies  ist  sie  jedoch  selten,  durch 
kleine  Stiicke  vertreten,  in  dieser  ist  sie  haufig  und  die  dortigen  Stocke 
weisen  grossere  Dimensionen  auf.  Kostel  und  Sudice  in  Miihren  und  Cilli  in 
Steiermark  ftthrt  Reuss  als  Fundorte  dieser  Art  an,  wozu  zur  VervollstJindi- 
gung  noch  Borac,  Lazauky,  und  Drnovice  beizufiigen  sind. 


Fig.    47.    Solenastraea   tenera,   Reuss. 

a  Ansiclit  eines  Stockos  in  halber  nat. 

Grosse;  A  "/,  vergrosserte   Kelche  und 

Zwisclienraum. 


Fig.  48.  Clatlangia  conferta,  Reuss. 

Rudelsdorf. 

Ein  Stock  von  der  Seite  in  natiirlicher 

Grosse. 


cladangia  conferta,  Reuss.  (1860.  Cladocera  multkaulis  Reuss,  1.  c.  S.  219, 
Taf.  II,  Fig.  3_6.  __  1872.  A.  E.  Reuss  1.  c.  S.  247,  Taf.  XVI,  Fig.  1-7; 
Taf.  XVIII,  Fig.  3.)  Fig.  48.  —  Zwei  sch5n  erhaltene  Exemplare  dieser  weit 
und  breit  verbreiteten  Art  von  Rudelsdorf  bewahren.  die  palaeontologischen 
Samrnlungen  des  Museums  des  Konigreiches  Bohmen  auf,  ausserdem  ist  ein 
gleichfalls  tadelloser  Stock  in  den  Satninlungen  des  geologischen  Instituts  der 
oohmiachen  Universitiit  aufbewalirt.  Alle  haben  ziemlich  hiibsch  erhaltene,  nur 
an  den  Randern  ein  bischen  abgeriebene  Kelche.  Es  ist  iiberhaupt  interessant, 
dass  auch  dicse  Art  in  den  sandig  mergeligen  Miocaenablagerungen  von  Porsten- 
dorf  unweit  von  Miihrisch-Triibau  zuliause  ist,  von  wo  sie  sich  nach  Sud- 
mahron  dann  nach  Niederoesterreich  (Steinabrunn,  Kienberg)  und  Ungarn 
(Ritzing)  verbreitet. 
alanophyllia  varians,  Reuss.  1860,  1.  c.  S.  220,  Taf.  II,  Fig.  7  bis  9.  —  1872, 
'•  «•  S.  y,r>2,  Taf.  XV,  Fig.  3  -  6.)  Bisher  wurde  diese  Art  irn  Rudelsdorfer 
eSei  nur  von  A.  E.  Reuss  nacligewiesen,  der  sie  auch  aus  den  Miocaen- 
s^dimenten    von   Porstendorf,    Hausbrunn    (Westinahren)  und  Lapugy  (Sieben- 


mo 


Bisher   nur   im   Tegel    von  Schirmdorf  in  einem  hubsch  erhaltenen  und 
erwachasenen   Exemplars  gefunden.   Das  vorliegende  Gehause  weicht 


von 


biirgen)  beschrieb.  Aus  anderen  bohmischen  Fundorten  ist  sie  nicht  bekannt. 
In  der  grossten  individuellen  Menge  habe  ich  sie  in  don  Tegeln  von  Borac 
kennen  gelernt,  wo  bedeutend  grosse  und  dicke  Polyparien  abgelagert  sind, 
die  jedoch  ebenso  unvollkommen  erbalten  sind  wio  die  Rudelsdorfer,  von 
welchen  Reuss  bemerkt,  dass  sie  abgebrochene  Kelche  haben. 

Porites  incrustans,  Defrance  sp.  (i860,  A.  E.  Reuse,  1.  c.  S.  221.  -■  1872 
A.  E.  Reuss,  1.  c  S.  261,  Taf.  XVII,  Fig.  5,  6.)  Auch  diose  Art,  hat  im 
Rudelsdorfer  Tegel  bisher  nur  A.  E.  Reuss  sichergostellt.  In  den  stidlichen 
Gebieten  des  heimischen  Miocaens  ist  sie  sehr  verbrcitet,  und.  zwar  nicht  nur 
in  Mahren,  sondern  auch  in  Niederoesterreich,  Ungarn  und  Steiermark.  Ihi'0 
Stocke  erreichen  in  den  Sanden  eine  bedentende  Grosse,  wahrend  sie  in  den 
Tegeln  nur  in  geringe  Dimensionen  wachsen. 

Miliolina   Bronniana,   d'Orbigny.   (1846    Quingueloculi  na   Bronniam  d'Orbigsy 

Die  loss.  Foraminiferen  d.    Tertiaer-Beckens  von  Wien   S.   287,  Taf.  XVIII' 

Fig.  4  bis  6.  —  1860,  A.  E.  Reuss.    Die  marinen  Tertiaerschichten  Bohmens 

und  ilire  Vorsteinerungen,  S.  213.)      -  Diese  ziemlich  seltene  Art  hat  in  don 

marinen  Sedimenten  Bohmens  bisjetzt  nur  A.  E.  Reuss  entdeckt.    Die  Arten 

dieser  Gattung  nehmen  bekanntlich  je  naher  dor  Littoralzone,  desto  mehr  ab. 

Auch  unser  Gebiet  ist  ein,  wie  ersichtlich,  hinreichender  Beleg  daftir. 

Miliolina  cf.  consobrina,  d'Orbigny.  (1846,  1.  c.  S.  '277,  Taf.  XVII,  Fig.  10-  120 

■  ganz 

don 

Typen  dieser  Art  namentlich  (lurch  einen  schlaukeren  Dmriss  und  dann 
dadurch  ab,  dass  es  eine  in  ein  sehr  kurzes  cylinderformiges  Rohrchen  vex- 
langerto  Mlindung  besitzt.  Unter  Beachtung  dieses  Merkmals  trenne  ich  das 
Schirmdorfer  Exemplar  von  den  Typen  und  stelle  es  beiseite.  Vielleicht  bis  em 
reicheres  Material  vorliegen  wird,  wird  os  uns  gelingen  festzu  stellen,  inwieweit 
die  Exemplare  von  Schirmdorf  von  don  d'Orbigny'sohon  Typen  abweichen  una 
ob  man  einen  Vertreter  einor  neuon  Ait  odor  nur  eine  Varietat  dieser  A'' 
vor  sich  hat. 
Textularia  carinata,  d'Orbigny.  (1846,  1.  c.  S.  248,  Taf.  XIV,  Fig.  32—34.  - 
1860,  A.  E.  Reusss,  1.  c.  S.  213.  --  1886.  //.  Brady,  Raport  on  the  Fora- 
minifera,  S.  360,   Taf.   XLII,  Fig.   15,    16.)   Fig.   49.  Diesmal    in   schon 

erhaltenen    und   ganz    erwachsenen    Exeraplaren    gefunden.    Dor    allgemem 
Charaktor  derselbon  stimmt  rait  demjenigen  dor  Individuen,  die  ich  auf  w]y 
reichen   Orton   in  den  miocaenen   Gebieten  von  West-  und  Nordwest-Mahre 
herausgeschlemmt    habe.    Von   den    Individuen  aus   den  Tegeln  der  Dado"''1 
Fades   des   inneren    Wiener   Reckons    weichen  sic  namentlich  darin  ab,  das 
sie   einen   verhaltnissmassig    stark   hervortretenden    Medianrticken    besitze  > 
was  dem  Gehiiuse    eine    llache,    zusammengedriickte    Gestalt    verloiht.    Dies 
hochinterossante   Art  roiclit  bis  in  das  Eocaen  zurttck,  und  zwar  in  die  D011' 
doner  Thone,  geht  durch  alle  Stufen  des  Oligocen   in   das  Miocaen  uber,  * 
sie  woit  und    breit  und  fast    in   alien  Horizonton    verbreitet    ist,    von   dann 
durch  das  Pliocaon  in  die  heutigon  Meere,  wo  sio  in  massigen  Tiefen  vou 
Knoten  lebt.   —   Im  heimischen  Miocaon  ist  sio   in  alien  Facien  verbreite  , 


151 


aber  am  gewohnlichsten  ist  sie  in  den  Tegeln  dor  Badener  Facies,  wo  sie 
grossentheils  durch  bis  auffallend  grosse  Individucn  vertreter  ist.  Solclie  habe 
ich  itn  Tegel  von  Lukau  entdeckt.  Uberhaupt  kann  man  von  dieser  Art, 
soweit  es  sich  um  ihre  Verbreitung  im  bob.miscb.en  Gebiete  handelt,  mit  Recht 
behaupten,  dass  sie  auch  hier  -  -  im  marinen  Sprengel  —  haufig  ist,  trotzdem 
ibre  individuelle  Menge  nicht  so  gross  ist.  Sie  wurde  ausser  dem  Tegel  von 
Lukau  auch  im  Tegel  von  Rudelsdorf,   Landskron   und    Rothwasser   entdeckt. 


Fig  49.  Textularia  carinata, 
d'Orb. 

a9/i   vergriisscrt. 


Fig.  50.  Verneuilina  spinu- 

losa,  Roiisa. 

:'"/i  vergrOssert. 


Fig.    51.    Bulimina    affiuis. 

d'Orb. 

ao/i  vergr6ss8rt. 


Textularia  abbreviate,  d'Orbigny.  18' 6,  1.  c.  S.  249,  Taf.  XV,  Fig.  6-11. 
Im  Tegel  von  Schirmdorf  wurde  ein  Gehause  von  dieser  interessanten  Art 
entdeckt;  die  bisher  im  Gebiete  unseres  ostbohinischen  marinen  Miocaens 
unbekannt  war.  Es  gehort  einem  erwachsenen  Individuum  an,  von  gewohn- 
lichen  Dimensionen,  wie  sie  die  Individuen  dieser  Art  auf  sudlichen  lieimischen 
Fundorten  aufweisen.  Sie  ist  hier  aus  der  Badener  und  Leithakalkfacies 
bekannt  (Nussdorf). 

textularia  llauerii,  d'Orbigny.  (1846,  1.  c.  S.  250,  Taf.  XVIII,  Fig.  4-6.  — 
1860  A.  E.  Eeuss,  1.  c.  S.  213.)  Uber  diese  Art  sclireibt  A.  E.  Reuss,  sic 
sei  im  Rudelsdorfer  Tegel  selir  selten.  Damit  miissen  wir  uns  zufriedengeben. 
Uns  gelang  es  nicht,  sie  zu  entdecken,  trotz  einem  emsigen  Nachforschen. 
l>i(^ses  negative  Resultat  bestatigt  nur  die  fruhere  Erfahrung  Reuss'.  Nur  aus 
ilen  Mergeln  von  Nussdorf  und  Grinzing  ist  diese  Art  bekannt.  Von  einer 
anderen  Localitlit  kennt  man  sie  nicht. 

'e*tularia  spec.  Indem  ich  nur  drei  Bruchstiicke  aus  dem  gelben  Rudelsdorfer 
Tegel  liabe,  wage  ich  es  nicht  zu  behaupten,  dass  sie  einer  neuen  Art  an- 
gehoren.  Einige  Umstiinde  bezeugen  /war  diese  Ansicht,  doch  andere  wieder- 
sprechen  ihr,  indem  sie  an  eine  bereits  von  Reuss  aus  den  Rudelsdorfer  Tegeln 
angeftlhrte  Art,  namlich  T.  Hauerii,  erinnern.  Zuerst  habe  ich  auch  vermuthet, 
diese  Fragmente  gohoren  ihr  an,  doch  spiiter,  als  ich  sie  mit  den  Typen  der 
erwahnten  Art  verglichen  hatte,  belehrte  ich  mich  eines  anderen.  Wodurch 
diese  Bruchstiicke  vor  allein  von  alien  Arten  abweichen,  ist  einerseits  die 
Oberfiachenbeschaffenheit  der  Kammern,  welche  mit  groben  unregelmassig 
vertheilten  Hockerchen  bedeckt  sind,  andererseits  die  winzigen  Dimensionen 
des  Gehiiuses.  Dieses  Merkmal  scheint  darauf  hinzuweisen,  dass  es  vielleicht 
junge  Individuen  sind,  diesein  widerspricht  jedoch  die  nur  den  erwachsenen 
Individuen  eigene  Anzahl  der  Kammern.  Aus  diesen  Gruuden  bin  ich  ge- 
aothigt,    ein    endgiltiges  Urtheil  iiber  diese  Exemplare  einer  kiinftigen  Unter- 


15-2 


suchuug   zu  uberlassen,   der  es  vielleicht  gelingt   oin   reicheres    Material   zu 
fiaden. 

Veraeullina  spinulosa,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  10.  Taf.  II,  Fig,  12.  —  1.884. 
11.  Brady,  1.  c.  S  384,  Taf.  XLVII,  Fig.  1—3.)  Fig.  50.  A.  E.  Reuss  bemerkt 
in  seiner  Abhandlung,  diese  Art  sei  im  Rudelsdorfer  Tegel  selten.  Diesem 
wiedersprechen  gewissermassen  die  Erfahrungen,  welche  ich  diesmal  darilber 
gewounen  habe.  Das  Resultat  nieiner  Forschung  fiihrt  mich  naturgemiiss  zur 
Ansicht.  dass  Verneuilina  spinosa  im  Rudelsdorfer  Depot  eine  ziemlich  ge- 
wohnliche  Erscheinung  ist  and  dass  sie  sich  nicht  nur  durch  eine  seltene 
Niedlichkeit  dor  Gehiiuse,  soadern  auch  durch  Erwachsenheit  und  Grosse 
auszeichnet.  Die  bisher  gefundenen  Geh&use  sind  insgesammt  schon  erhalten. 
Die  Ubereinstimmung  der  Rudelsdorfer  Individuen  mit  anderwiirtigen  Exeffl- 
plaren  ist  in  jeder  Hinsicht  eine  absolute.  Abweiclmngen  entdeckt  man  nicht 
selbst  wenn  man  eifrigst  darnach  forscht,  Diese  Art  liisst  sich  bis  in  da* 
obere  Oligocaen,  aus  diesem  durch  das  Miocaen  von  Miihren,  Niederoesterreick, 
Steiermark,  Baiern,  Schlesien  in  das  Plicaen  von  Italien  und  Spanien  und 
durch  das  Postpliocaen  der  Insel  Ischia  in  die  heutigim  tropischen  und  sub- 
tropischen  Meere  verfolgen,  wo  sie  in  miissigen  Tiefen  lebt.  Nur  aus  deffl 
Rudelsdorfer  Tegel  ist  sie  im  bohmischen  Miocaengebiet  bekannt,  aus  den 
ubrigen  dortigen  Fundorten  wurde  sie  nicht  nachgewiesen. 

Bulimina  affinis,  d'Orbigny.  (1884  Brady,  1.  c.  S.  400,  Taf.  L,  Fig.  13  a,  b.) 
Fig.  51.  —  Ich  habe  absichtlich  von  der  Gruppe  B.  affirm,  B.  ovata  und  B- 
pupoides  diese  Art  abgebildet,  weil  sie  dazu  am  geeignetsten  befunden  wurde 
und  vor  allem  um  zu  ermdglichen,  unsere  bohmischen  Individuen  von  diesoi 
Art  mit  den  Individuen  Brady's  zu  vergleichen,  welche  bekanntlich  von  den 
abgobildcten  Individuen  d' 'Orliyny 's  etwas  abweichen.  Wie  schon  ein  fltich- 
tiger  Vergleich  uns  hinreichend  belehrt,  ist  unser  Individuum  mit  donjenigen 
Brady's  identisch  und  von  den  Individuen  der  oben  erwiihnten  Arten  genafl 
different.  Nicht  nur  jenes,  sondern  alle  gefundenen  Individuen  sind  pr&chtlg 
erhaltea,  tadellos.  Am  abgebildeten  Individuum  fiillt  die  MUndung  durch  ihre 
verhaltnissmassig  grosse  Dimensiouen  auf.  Da  bemerke  icli  sogleich,  dass  i*'1' 
im  vorliegenden  reichen  Materiale  Individuen  mit  normaler  Mlindung  habe- 
Diese  Art  gohdrt  zu  einer  Gruppe,  die  in  unseren  miocaenen  Sedimenten 
bedeutend  verbreitet  ist.  Ihren  priichtig  erhaltenen  Gehiiusen  begegnet  man 
sehr  hiiufig  im  Tegel  von  Rudelsdorf,  Lukau,  Landskron,  Rothwasser  u"1 
Schirmdorf.  Und  es  ist  wirklich  interessant,  dass  ihre  individuelle  Meng0 
gegen  die  Kiiste  des  derzeitigen  mioeaenen  Meeres  zu  wiichst. 

Bullmlna  ovata,  ffOrbigny.    (1846,  1.  c.  S.  185,  Taf.  XII,  Fig.   13,  14.  —  l8w 

A.  K.  Reuss,  1.  c.  S.  212.)  Auch  diese  Art  istr  in  den  Ablagerungen,  die  Wif 
nach  den  heutigen  Erfahrungen  fiir  littoral  halten,  hauliger  als  in  don  wertel 
vom  Gestade  abgelagerten  Sedimenten.  Sic,  vervollstandigt  mit  B,  affinis  un 

B.  pupoides    das    ISild,    dessen  Positiv  sich  uns  auch  in  den  jetzigen  Meeren 
zeigt,  denn  auch  in  diesen  sind  sie  auf  fast  dieselben   Zonen    bcselirankt  W 
zur  Zeit  des  Neogens.    Wir   linden   ihre  hochst  prachtigen  Gehause  im  Teg* 
von    Rudelsdorf,  Lukau  und  Schirmdorf.  Und  wie  hier,   ist  sie  auch  uber  ,lllS 


153 

neogene  Gebiet  von  Miihren,  Niederoesterreich  verbreitet,  von  wo  sie  gegen 
Norden  ins  Neogen  von  Polen,  gegen  Osten  liber  Ungarn  nach  Siebenbtirgen, 
gegen  Sttden  nach  Italien,  ferner  gegen  Norden  nach  Schottland  vordringt; 
ausserdem  ist  sie  ira  Tertiaer  Kanad^s  zuhause.  Durch  das  Miocaen  kann 
man  sie  bis  in  das  Eocaeu  der  Insel  Wight  verfolgen.  In  den  jetzigen  Meeren 
ist  sie  ebenfalls  ziemlieh  verbreitet,  wo  sie  im  nordlichea  und  siidlichen 
Atlantischen  Ocean  in  der  Littoralzone  an  den  Kiisten  lebt.  Audi  wurde  sie 
aus  verschieden  Tiefen  von  1400—2100  Knoten  ausgefischt. 
Bulimina  pupoides,  ffOrbigny.  (1846,  1.  c.  S.  185,  Taf.  XI,  Fig.  11,  12.  — 
1860  A,  E.  Reuss,  1.  c.  S.  212.  —  1884.  Brady,  1.  c.  S.  400,  Taf.  L, 
Fig.  15.)  Zuerst  hat  sie  im  bohmischen  Miocaen,  iin  Rudelsdorfer  Tegel,  Reuss 
nachgewiesen.  Audi  mir  gelang  es,  ihre  priichtig  erhalteneu  Gebiiuse  in  dem- 
selben  Tegel  festzustellen.  Dagegen  uberzeugte  icli  mich,  dass  sie  zu  jenen 
Arten  gehort,  welche  in  diesem  Gebiete  fast  iiberall  vorkommen  und  deren 
individuelle  Menge  gegen  die  ehemalige  Kiiste  zunimmt.  Dieso  Ansicht  hat  in 
mir  die  Uuraasse  ihrer  Gehause  erlnirtet,  die  ich  aus  dem  Tegel  von  Bohmisch- 
Triibau,  Wildenschwert  und  Schinndorf  herausgeschleinmt  liabe.  Ausser- 
dem wurde  sie  audi,  jedocli  selten,  im  Tegel  von  Schinndorf  unweit  vou  dem 
Eisenbahneinschnitt  nachgewiesen.  Und  wie  hier  im  bohmischen  Gebiete  ist 
sie  audi  im  Neogen  von  Miihren,  Niederoesterreich,  Ungarn  etc.  verbreitet, 
von  wo  sie  in  das  Tertiaer  von  Italien,  Schottland  und  Kanada  iibergoht. 
Sie  lebt  im  nordlichen  Atlantik,  im  Indischen  und  Sud-Ocean,  ausserdem 
wurde  sie  an  den  Kiisten  vom  Kap  ausgeschwemmt. 


Fig.  52.  Bulimina  aculeata,  d'Orb. 

Rudelsdorf.  30/i  vergrOssert. 


Fig.  53.  Virgulina  Schreibersiana,  CvM. 
Lukava.  ;i"/t  vergrOssert. 


"'liinina  aculeata,  d'Orbigny.  1849,  A.  E.  Reuss,  Neue  Foraminiferen  aus  den 
Schichten  des  oesterreichischen  Tertiaerbeckens.  Denkschriften  der  kais.  Aka- 
demie  der  Wissenschaften  Wieu  I.  Band,  S.  374,  Taf.  XLVIII,  Fig.  13.  — 
'«<><>.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  21.2.  -  1884  Brady,  1.  c.  Taf.  LI,  Fig.  7—9.) 
Fig,  52.  __  Unsere  bohmisehen  Exernplare,  von  denen  das  abgebildete  aus 
(l,lm  Rudelsdorfer  Tegel  stammt,  sind,  wie  man  erkennt,  wenn  man  sie  mit 
Brady's  Original  vergleicht,  mit  diesem  vollstiindig  ubereinstimmend.  Nur  die 
Stacheln  findet  man  kiirzer  und  nur  auf  die  ftltesten  Kamrnern  beschninkt. 
vv;i«  jedoch  die  Erhaltung  des  Gehiinses  betrifft,  kann  man  sie  ebenfalls  als 
•'■me  sehr  giinstige  bezeiclmeu.    In   dieser   Hinsicht  steht  das  vorliegende  Ma- 


154 


terial  von  Rudelsdorf  und  Lukava  dem  mahrischen  und  niederoesterreichischen 
nicht  nach,  wo  sie  in  der  mergeligen  und  tegeligen  Facies  entdeckfc  wurden. 
In  den  heutigcn  Meeren  lebt  sie  in  den  Tiefen  von  1000-2740  Knoten  und 
zwar,  soweit  unsere  Erfahrungen  gehen,  im  nordlichen  und  sttdlichen  Atlan- 
tischen  Ocean. 
Virgullna  Schrcibersiana,  OUiek.  (1.848.  Haidingers  Naturwissensehaftlicbe 
Abhandlungen   II,   S.  147,    Taf.  XIII,    Fig.  18-21.  I860   A.    E.    Reuss, 

1.  c.  S.  213.  -  1884.  Brady,  1.  c.  S.  414,  Taf.  LII,  Fig.  1-3.)  Fig.  53.  - 
Seltsam  ist,  dass  diese  Art  im  Tegel  von  Lukau  oft  vorkommt,  wahrend  es 
in  dem  benacbbarten  Rudelsdorfer  nur  nach  einem  muhsamen  Sucben  gclingt, 
ibre  gewohnlich  priichtig  erhaltenen  Gehausen  zu  finden.  Ebenffalls  schon 
erbaltenen  Gehausen  dieser  charakteristiscben  Art  begegnen  wir  auf  zahl- 
reichen  Localitiiten  des  heimischen  Miocaens.  Sie  sind  in  der  Tegelfacies  von 
Miibren  (Borac,  Knihnice,  Sebranice  u.  s.  w.),  Niederoesterreich  (Grinning, 
Enzersdorf  etc.);  ebenfalls  kennt  man  sie  von  Castellarquato  und  Aslrupp- 
Audi  unsere  Rudelsdorfer  Individuen  sind  hochst  scbim  erhalten,  indem  sie 
durcbwegs  eine  gliinzendc  und  glatte  Oberflache  und  vollkomnien  entwickelte 
Gehiiuse  besitzen.  Und  wie  im  Miocaen,  so  ist  audi  in  den  jetzigen  Meeren 
diese  Art  weit  und  und  breit  verbreitet,  denn  sie  wurde  im  Sttdlichen,  Nordli- 
chen, Pacifischen  und  Indiselien  Ocean  festgestellt,  (bum  im  Mittelmcero  und 
im  Rothen  Meere,  wo  sie  liberal]  in  verschiedenen  Tiefen  —  von  10  bis  8000 
Knoten  —  lebt. 

Bolivilia  robusta,  Brady.  (Non  B.  Karreri  Prochdeka,  1893,  Miocaen  Zidlocho- 
vicky  na  Morave  a  jebo  zvifena,  tab.  VI,  vzor  6  ab.  1884.  Brady,  1-  c 
S.  421,  Taf.  LV,  Fig.  7—9.)  Die  aus  dem  Gross-Seelowitzer  Tegel  heraus- 
gescble'inmtcn  Individuen,  die  ich  im  J.  1893  beschrieben  und  abgebildet  habe, 
uuterscheiden  sich  auf  den  ersten  Blick  von  Brady's  Typon  auffallend  genug. 
Namentlich  weichen  von  denselben  jene  Individuen  ab,  deren  Oberflache  von 
einander  entfernte  llockerchen  tragt,  wodurcli  die  gauze  Oberfliiche  gehockert 
erscheint.  Das  Material  von  Rudelsdorf  und  Lukau  lebrt  jedoch,  dass  es  ausser 
diesen  Individuen  andere  gibt  von  denselben  allgemeinen  Charakteren,  doch 
mit  den  von  Brady  bescbriebenen  Individuen  congruent,  und  zwar  haben  dtese 
auf  der  Oberfliiche  anstatt  begrenzter  Hocker  Knospen  von  stumpfeu  Contoured 
die  in  einander  iibergehen,  verchwimmen  und  einander  dnrchsetzen,  was  "in 
Folge  hat,  dass  die  ganze  Oberflache  einen  entweder  netzartigen  oder  unregel- 
miissig  warzenformigen,  fur  die  Individuen  Brady's  bezeichnenden  Charakter 
annimmt.  Eben  diese  Merkmale  haben  mich  veranlasst,  die  Individuen  von 
Gross-Seelowitz  der  Brady'sclien  Gruppe  unterzuordnen,  und  zwar  umso  eher, 
je  grossere  Uebereinstimmungen  und  kleinere,  ja  unbedeutende  Differenzen  es 
gibt.  Bisjetzt  wurde  diese  Art  aus  den  jetzigen  Meeren  angeftthrt.  Sie  wurde 
aus  den  Tiefen  von  10- 1900  Knoten  im  sttdlichen  Pacifik,  ferner  im  nordlichen 
Pacifik  und  im  nordlichen  Atlantischen  Meere  entdeckt. 

Bolivilia  punctata,  d'Orbigny.  (1846.  Bolivina  antiqua  d'Orbigny,  1.  c.  S.  240, 
Taf.  XIV,  Fig.  1.1—13.  -  ■  1860.  A.  K.  Reuss  1.  c.  213.)  A.  E.  Reuss  bemerkt, 
sie  sei  im   Rudelsdorfer  Tegel  ziemlich  haufig.     Diesmal   gelang   es  mir  nicht, 


155 


dasselbe  festzustellen.  Trotzdem  ich  von  dortselbst  ziemlich  viol  Material 
(Tegel  und  seinen  Schleramriickstand)  hatte  und  os  sorgfaltig  durchsuchte, 
gelang  es  mir  nicht  ihr  Gehause  zu  entdecken.  Das  soil  niemand  fiir  einen 
Gegenbeweis  von  Reuss'  Angabe  halten.  Es  ist  ja  hinreichend  bekannt,  wie 
unsicher  in  dieser  Hinsicht  die  Littoralsedimente  sind.  Nach  meiner  Meinung 
ergibt  eiae  ktinftige  Ausbi'ute  wieder  ein  anderes,  wenn  aueh  im  Wesentlichen 
congruentes  Resultat.  Dagegen  wurde  aus  dem  Tegel  von  Lukau  eine  Anzahl 
von  schon  orhaltenen  Individuen  herausgeschlemmt,  welche  ebenso  gross  sind, 
wie  jcno  anderswoher  aus  dem  heimischen  Miocaen  und  dieselben  Merkmale 
zur  Scliau  tragen  wie  diese.  Ueberhaupt  kann  man  keia  selbst  kleinstes  Unter- 
schiedchen  gewabren,  das  darauf  hinweisen  mochte,  dass  unsere  ostbohmischen 
Individuen  von  z.  B.  iniihrischen,  nieder-  oder  oberosterreichischen  o.  a.  Indi- 
viduen difterieren.  Im  Miocaen  von  Miihren  und  Niederosterreich  treffen  wir 
ihre  Gehiiuse  fast  auf  jeder  Localitat;  von  den  iniihrischen  sollen  bier  folgende 
erwahnt  word  en  :  Borac,  Drnovice,  Iioskovice,  Knibnice;  von  den  niederoster- 
reichischen:  Baden,  Grinzing  und  Enzersdorf,  ausserdem  sind  sie  aus  dem 
Tegel  von  Lapugy  (Siebenburgen)  und  Wieliczka  (Galizien)  bekannt.  Ferner 
wurde  diese  Art  im  Londoner  Tegel,  in  den  Tertiaerscbichten  von  Hampshire, 
Baiern  und  in  den  Glacialablagerungen  von  Scbottland  uachgewiesen.  Sie  ist 
eine  cosmopolitische  Art,  nach  Brady  lebt  sie  zwischen  75°  35'  ndrdlichen  und 
53°  siidlicher  Breite  im  niirdlicben  und  siidlicbeu  Atlantisclieu  Ocean,  im 
Rothen  Meere  und  im  Mittelineere. 

kagena  strumosa,  Eeuss.  (1862.  A.  E.  .Reuss.  Die  Foraminiferen-Familie  der 
Lagenidae.  Sitzurgsbericbte  der  k.  Akademie  der  Wissenschaftee  in  Wien,  46. 
Band  S.  328,  Taf.  IV,  Fig.  49.)  Fig.  54.  — -  In  den  Bereich  dieser  Art  stelle 
ich  vorlaufig  (bis  auf  den  abgebrocbenen  Hals)  ein  schon  erbaltenes  Exemplar 
•'ins  dem  Rudelsdoifer  Tegel,  welches  ich  nicht  als  Typus  von  einer  neuen 
Art  aufstellen  will,  trotzdem  manche  Unistiinde  dazu  auffordern.  Zu  dieser 
That  ndthigt  mich  das  uugeniigende  und  sparliche  vorliegende  Material.  Die 
zu  einer  vorsichtigen  Einreibuug  dieses  Exemplares  zwingenden  Merkmale 
Weichen  auffallend  genug  von  jenen  ab,  welcbe  wir  an  typiscben  Individuen 
von  Lagena  strumosa  seben.  Vorerst  fallt  die  Berippung  unseres  Exemplars 
auf.  Wabrlich  ist,  dasselbe  dim  Typen  der  Reuss'schen  Species  iihnlich,  doch 
nicht  gleicb.  Es  weicbt  von  ihr  theils  durcb  die  Form  des  Gehauses,  welche 
birniormig  angeschwollen  ist,  theils  (lurch  die  Rippen  ab,  deren  es  weniger 
gibt  als  bei  den  typiscben  Individuen.  Dann  audi  dadurch,  dass  seine  Rippen 
gegen  den  Hals  und  gegen  den  unteren  Mittelpunkt  des  Gehauses  zu  verschwin- 
(l(-"-  Dieser  Abweichnngen  eingedenkt,  halte  icb  dai'iir,  dass  es  vielleicbt  spater, 
bis  mehr  und  audi  besser  erhaltenes  Material  vorliegen  wird,  gelingt,  die 
Grenzen  zwischen  den  Typen  dieser  Art  und  den  bier  aus  dem  Rudelsdorfer 
uiarinen  Miocaentegel  aiigefiihrten  Individuen  zu  Ziehen. 

'ageua  spec.  Indem  ich  nur  ein  Exemplar  zur  Disposition  babe,  das  iiberdies 
fU»  Halse  schadbaft  ist,  vermag  icb  nicht  seine  Artengreuze  bestimmt  zu  be- 
zeichnen,  wesbalb  ich  mich  damit  zufrieden  gebe,  dass  ich  es  verzeichne  und 
lu't   den    verwandten    Arten  vergleiche.     Zu   diesen    gehdren  in   erster    Ileihe 


156 

L.  hispida  und  L.  aspera,  welche,  wie  unser  Rudelsdorfer  Exemplar  eine  mit 
winzigen  unregelm&ssig  vertheilten  und  zusammengedruckten  Hockerchen  be- 
deckte  Oberflachc  besitzen.  Was  die  Form  des  Gohiiuses  betrifft,  so  besteht 
fast  kein  Uaterschied  zwischen  dem  vorliegenden  Rudelsdorfer  Individuum  una 
den  hier  aufgefuhrten  Arten,  Ob  es  aber  wirklicli  einer  von  den  genannten 
Arten  angehort,  dariiber  wird  audi  in  diesem  Falle  die  Zukunft  entscheiden. 
Nodosaria  (G.)  laevigata,  d'Orbigny.  (1846,  1.  c.  S.  29,  Taf.  I,  Fig.  4—7.  — 
18GO.  Glandulina  ovula  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  209.  —  1884.  Brady,  1.  c.  S.  720, 
Taf.  LX.)  Bisher  hat  sie  im  Rudelsdorfer  Tegel  nur  A,  E.  Reuss  sichergestellt, 
welcher  bemerkt,  sie  sei  dort  sobr  selten.  Eine  ziemlich  gewohnliche  Erschei- 
nung  1st  sie  dagegen  in  den  miocaenen  Sedimenteu  von  Mahren,  dann  in 
denen  von  Niederosterreich  (Nussdoi'f,  Grinzing,  Baden  u.  s.  w.),  dann  in 
Steiermark  (St.  Egid).  Mit  ihren  Abarten  reicht  sie  bis  in  die  untere  Trias 
zuriick,  von  wo  sie  sich  durch  fast  alio  geologischen  Epochen  vcrbreitet.  Heut- 
zutage  ist  sie  auch  im  Meere  vcrbreitet,  sie  lebt  von  79"  45'  nordlicher  Breite 
angefangen  bis  zu  53°  siidlichar  Breite. 


♦ 


Fig.  54.  Lagena  strumosa,  Reuss. 
Rudelsdorf  ao/i  vergrOssert. 


Fig.  55.  Nodosaria  venusta,  Reuss. 
Rudelsdorf,  ""/-,  yergrOssert. 


Nodosaria  venusta,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  3,  Taf.  I,  Fig.  5.  -  I860,  1.  o.  8' 
209.)  Fig.  55.  —  Bereits  A.  E.  Reuss  erwiilmt  diese  Art  im  Tegel  von  Bu' 
delsdorf.  Auch  diesmal  wurde  sie  darin  entdeckt,  nur  in  einer  verlisiltniss- 
miissig  grossen  Menge.  so  dass  die  Ansicbt  Reuss',  sie  sei  im  Rudelsdorfei 
gelben  Tegel  selten,  in  dem  Sinne  richtiggestellt  werden  muss,  dass  d'esC 
Art  in  dor  unmittelbar  dem  pormischen  Sandstein  auflagernden  Bank  gelbo11 
Tegels  verhiiltnissmassig  liiiufig  und  durch  insgesamint  hubsch  ja  herrlich  <"" 
haltene  Ivdividuen  vertreten  ist.  Das  abgebildete  Exemplar  ist  dadurch'interes- 
sant,  dass  es  liings  der  Liingsaxe  schwach  einigebogen  ist,  wodurch  es  gewis- 
sermassen  die  Regelmiissigkeit  der  ludividuen  verliert,  von  deren  Reihe  ReuSS 
das  am  regelmassigsten  entwickelte  abbildete.  Trotzdem  es  dieser  zieinli0' 
viele  gibt,  ja  diese  auch  manchmal  iiberwiegen,  so  gibt  es  docli  ausser  ihne" 
Individuen,  aus  deren  Gruppe  das  vorliegonde  stammt.  Auch  die  Rippenza'1 
variert  oft.  Ebenfalls  pflegt  die  Lange  derselben  verschieden  zu  sein.  Und  ,/Al 
diesen  Merkmalen  gesellt  sich  endlich  auch  dasjonigo,  dass  bei  mancnen 
Individuen    die   erste    Kammer  der  Stacheln  entbehrt,  odor  sehr  oft  eine  vei- 


157 


ktimmerte  und  nur  durch  oin  winziges  Knopflein  vertretene  Stachel  besitzt. 
N.  venusta  ist  nacb  meinen  bisherigen  Erfahrungen  im  Tegel  von  Eudelsdorf 
und  ebenso  in  dem  vou  Lukau  hiiufig,  wo  ihre  Individuen  audi  priichtig  er- 
halten  Bind,  wfthrend  sie  im  Tegel  von  Schirmdorf  sehr  selten  ist.  Von  Bohmen 
geht  sie  in  das  Miocaen  Westmahrens  (Sebranice)  und  von  dannen  in  das- 
jenige  Niederoesterreichs  (Grinzing  bei  Wien)  iiber. 

^ordosaria  scmirugosa,  d'Orbigny.  (1846,  1.  c.  S.  34,  Taf.  I,  Fig.  20—23.) 
Sie  ist  (iberhaupt  in  den  heimischen  Miocaenablagerungen  selten.  Dasselbe 
gilt  audi  von  unserem  Gebiete.  Nur  auf  einer  Fundstfttte  wurde  sic  dort  nach- 
gewiesen,  und  zwar  im  Tegel  von  Lukau.  Zwei  hubsche  Exemplaro  wurden 
im  Scblemmruckstande  des  dortigen  Tegels  gefunden,  Das  grossere  von  ihnen 
ist  priichtig  erhalten,  bis  auf  die  embryonale  Kammer,  die  zur  Hiili'te  zer- 
quetscht  ist,  dem  kleineren  fehlt  der  Hals  der  Endkammer.  Die  bei  dieser 
Art  besonders  charakteristische  Oberflliche  beaitzen  sie  unberuhrt.  Die  sehr 
kurzen  Stacheln  ragen  auf  alle  Seiten  fast  diametral  heraus.  Eisner  wurde  dieso 
Art  in  der  Regel  im  Tegel  der  Badener  Facies  gefunden ;  unsere  Entdeckung 
stellt  sie  auch  im  Thone  einer  seichteren  See  fest  und  ist  in  dieser  Hinsicht 
also  auch  interessant  und  hat  ibre  Bedeutung. 

^odosarla  Bou^ana,  d'Orbigny.  (1846.  Dentalina  Boueana  d'Orbigny,  1.  c.  S. 
47,  Taf.  I,  Fig.  4-6.  -  (1860  A.  E.  Eeuss,  1.  c.  S.  209).  Diese  im  hei- 
mischen Miocaen  weit  und  breit  verbreitete  Art,  wo  sie  nicht  nur  in  Tegeln, 
sondern  auch  in  Mergeln  auftritt,  wurde  in  unserem  bohmischen  Gebiete  der 
uiaiinen  miocaenen  Tegel  zuerst  von  A.  E.  Eeuss  im  Eudelsdorfer  Tegel 
entdeckt.  Trotz  einem  emsigen  Sucben  und  Forschen  gelang  es  mir  nicht,  ihre 
grosstentheils  immer  biibschen  Gehause  im  Schlemmrtlckstande  des  Tegels  von 
Rudelsdorf  nachzuweisen,  dagegen  gelang  es  mir  ihr  Gebiet  dadurch  zu  er- 
weitem,  dass  ich  sie  im  Tegel  von  Lukau  fand,  wo  sie  nach  den  bisberigen 
Erfahrungen  eine  seltene  Erscheinung  ist  und  jener  vortheilhaften  Erhaltung 
entbehrt,  d<>r  sie  sich  namentlich  auf  den  miibrischen  Fundorten  erfreit. 

^Odosarla  (D.)  acuta,  d'Orbigny.  (1846,  1.  c.  S.  56,  Taf.  II,  Fig.  40-45.) 
Eisher  wurde  diese  Art  nur  in  zwei  Exemplaren  im  Eudelsdorfer  Tegel  ge- 
funden. Beide  sittd  schadhaft.  Das  kleinere  besitzt  einem  erhaltenen  hinteren 
Theil  des  Gehiiuses,  der  grossere  vordere  Theil  ist  abgebroclien.  Dagegen 
s'nd  beide  Fragments  vortrefflich  erhalten,  so  dass  ibre  Vergleichung  mit  den 
■fypeu  keine  Schwierigkeiten  bereitet.  Was  die  Dimensionen  der  Kammern 
Oetrifft,  ist  es  nothig  zu  orwiihnen,  dass  sie  den  Dimensionen  der  Individuen 
aus  dem  inneralpinen  Becken  gleichen.  Ausserdem  wurde  sie  auch  im  Tegel  von 
Lukau  gefunden.  N.  acuta  ist  nicht  nur  im  Miocaen,  sondern  auch  im  Oli- 
gocaen  verbreitet  Prof.  M.  Hantken  entdeckte  sie  in  oligocaenen  Mergeln 
von  Ungarn,  mir  gelang  es  sie  auch  im  oligocaen  von  Pausram  nachzuweisen. 
Weit  verbreiteter  ist  sie  jedoch  im  Miocaen,  wo  sie  in  den  Tegeln,  im  Scliier, 
Schlieaslich  im  Mergel    und    im    Leithakalke    von    Miihren,   Niederoesterreich, 

jj-od0beroesten'eich  und  Sehlesien  zuhause  ist. 

OSarla    (I).)    acutlcauda,    Eeuss.  (1851,  Ueber  die  foss.  Foraminiferen  und 
Entomotraceen  der  Septarieuthone  der  Uingebung  von  Berlin.  -   1863.  A.  E. 


158 


Reuss.  Beitr&ge  zur  Kenntniss  dor  tertiaeren  Foraminiferenfauna.  Sitzungs- 
berichte  der  k.  Akademie  dor  Wissenschaften  48.  Band  S.  45,  Taf,  IHi 
Fig.  26.)  Bisher  nur  im  Rudelsdorfer  Tegel  in  einem  schonen  Exemplare, 
jedoch  ohne  Terminalkammer  sichergestellt.  Dieses  Geh&use  stimmt  in  der 
Anzahl,  Form  und  Grosse  dor  Kammern  ganzlich  niit  don  Individuen  der 
Art  N.  elegans  uberein.  Ich  tronno  es  docli  von  dieser  Art  auf  Gruad  eiues 
Merkmals,  das  ich  von  hinreichendem  Gowichte  finde,  aamentlich  da  ich  es 
frtlber  an  vielen  und  violen  Individuen  als  constant  konnen  gelernt  habe.  Icb 
kehre,  wie  ersichtlich,  fiber  die  Ansiclit  Brady's  zu  derjenigen  A.  E.  Reuss 
zurtick.  tlber  dieses  und  andere  ebenfalls  ids  geringftlgig  anerkannte  Merkmale 
werde  ich  binnen  Kurzoin  auf  oinoin  anderen,  passenderen  Orto  sprechen. 
Nodosaria  (D.)  elegans,  d'Orbigny.  (1846,  1.  c.  S.  45,  Taf.  I,  Fig.  52  66.) 
Diese  Art  war  bisher  aus  marinen  miocaenen  Sedimenten  Bohmens  nicM 
bokannt.  Diesmal  wurde  sie  jedoch  in  einigen  Individuen  aus  doni  Tegel  von 
Lulcau  und  oin  erwachsenes  Exemplar  aus  doin  Rudelsdorfer  Tegel  heraus- 
geschlemmt.  Die  Individuen  von  Lukau  sind  so  gross  wit;  die  aus  dem 
iniihrischen  Miocaon,  audi  ihre  embryonale  Kammer  lauft  in  eino  Stache 
aus,  was  dem  Gehause  das  Anseheu  der  von  A.  E.  Reuss  N.  acuticauda 
benannton  Art  verloiht.  (Ueb.  d.  foss.  Foraminiferen  und  Entomostracoen  a- 
Septarienthones  d.  Umgebuug  von  Berlin.  1851.)  N  elegans  ist  ziemlich  _  start 
im  Oligocaen  verbreitet,  wo  sie  Reuss  in  Ungarn  und  Deutschland  und  ich  in 
Miihren  fand.  Finer  viel  grossoren  Vorbreitung  erl'reut  sie  sicb  im  Miocaon, 
wo  sie  in  der  Tegel-,  Mergel-  und  Leithakalkfacies  zubause  ist. 


Fig.  56.  Nodosaria  (D)  Roemeri,  Neugeb 
Rudelsdorf.  23/i  vergrossert. 


Fig.  57.  Nodosaria  (0)  pygmaea, 
Neugeb.  Rudelsdorf.  a3/i  vergrossert. 


Nodosaria  (I).)  Roemeri,  Neugeboren.    (1856,  1.  c.  S.  12,  Taf.  II,  Fig.   L3 
—  .1884.  Brady,  1.  c  S.  505,  Taf.  LXIII,  Fig.  1.)  Fig.  56.    Sie  wurde  tost* 
nur    im    Rudelsdorfer   Tegel    in   zwei  htibsch  erbaltenen  Individuen  gefunile"' 
von  denen  das  grflssere  ganz  erwachsen  ist  und  sich  durch  die  Merkmale  d 
als    typiseh   von    Neugeboren  beschriebon  und  abgobildeten   Individuen  aus  a& 
siebenbiirgischen   Tegeln    auszeichnet.  Brady  mint  diese  Art  aus  dem  u5rdU* 
chen  Atlantischen  Ocean  aus  den  Tiefen  bis  400  Knoten  an. 

Nodosaria    (I).)  pygmaea,  Neugeboren.    (1856.   Die  foraminiforen  aus  der 
nung    der   Stich'ostegior.    12.    Band,  8.  80,  Taf.  11,  Fig.  9.)   Fig.  57. 
Art  ist  im  Rudelsdorfer  Tegel  sehr  selten.  Bisher  wurde  daraus  nur  oin  scho 


Diese 


159 

erhaltenes  Individuum  mit  Merkmalea  herausgeschlemmt,  welche  die  Individuen 
aus  den  Lapugyer  Tegeln  in  Siebenbiirgen  zur  Schau  tragen,  von  wo  sie 
vom  Pfarrer  Neugeboren  zuerst  beschrieben  und  in  die  Litteratur  eingefuhrt 
wurden. 
Nodosaria  (D.)  bifurcata,  d'Orbigny.  1846,  1.  c.  S.  20,  Taf.  II,  Fig.  38,  39.  — 
1849.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  367,  Taf.  XLVI,  Fig.  10.  -  1860.  A.  E.  Beuss, 
1.  c  S.  209.)  Von  dieser  seltenen  Art  wurde  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel 
nur  ein  stark  schadhaftes  Individuum  herausgeschlemmt.  Wenn  wir  die  Menge 
des  geschlemmten  Tegels  crwiigeu,  miissen  wir  der  Ansicbt  Reuss'  beipflichten, 
dass  diese  Art  im  Rudelsdorfer  Tegel  sehr  selten  vorkommt.  Von  dem  vorlie- 
genden  Gebiiuse  ist  die  terminale  und  die  embryonale  Kammer  abgebrochen, 
an  den  ttbrtlggebliebenen  kann  man  sich  jedoch  genau  iiberzeugen,  dass  die 
Merkmale  unseres  schadhaften  Individuums  mit  den  Merkmalen  der  Individuen 
derselben  Art  aus  dem  Badener  Tegel  tibereinstimmen.  Ausser  diesem  Fund- 
orte  kennt  man  N.  bifurcata  noch  aus  dor  Gegend  von  Nussdorf,  Lapugy, 
Miechowice  u.  a. 


H  .  Fig.  58,  Nodosaria  (D)  scabra,  Reuss. 

^eitenansiclit  eines  -'7,  vergrOsserten  G-ehauses,  b  stark  vergrOsserte  zwei  jttngste  Kammem. 

Nodosaria  (I).)  scabra,  Reuss.  (1849,  1.  c.  S.  3,  Taf.  I,  Fig.  7,  8.  ■■  1860. 
Dentalina  pilosa,  Reuss  1.  c.  S.  209,  Taf.  Ill,  Fig.  1.)  Fig.  58.  -  Nachdem 
ich  schijn  erhaltene  Rudelsdorfer  Exemplars  mit  den  Typen  dieser  Art  vcr- 
glichen  hatte,  gewann  ich  die  feste  Uberzeugung,  dass  D.  pilosa  aus  dem 
Rudelsdorfer  Tegel  nichts  auderes  ist  als  ein  Vertreter  der  N.  scabra.  Durch 
die  IT ntersu chung  der  Oberflache  der  Rudelsdorfer  Gebiiuse  unter  einer  starken 
Loupe  (Iberzeugte  ich  mich,  dass  sie  eine  gerippte  Oberflache  besitzen  und 
d_ass  zwischen  den  —  allerdings  sehr  schwachen  --  Rippen  eine  Reihe  von  win- 
zigen  Grttbchen  liegt.  Die  jiingste  Kammer  entbebrte  dieser  Zierden.  Anf 
alteren  Kammern  werden  die  Rippen  niedriger  und  dafur  treten  kleine  Stacheln 
anf,  welche  gegen  die  erste  Kammer  zu  grosser  werden.  Je  nach  dem  Alter 
,ll'«  Individuums  reichen  die  Stacheln  entweder  hoeh  hinauf  bei  jungen  odor 
niedrig  bei  alten  Individuen.  Dadurcb  ist  eine  Verschiedeuheit  der  Gestalten 
und  auch  der  von  den  wirklichen  Typen  der  N.  scabra  abweichende  Charakter 
unserer  Individuen  bedingt.  Und  wie  in  Rudelsdorf,  so  ist  diese  Art  auch 
1111   Tegel   von  Lukau,  Landskron,  Bohmisch-Trtibau  und  Schirmdorf  (Viadukt) 


160 

zuhause.  Auf  alien  diesen  Ftmdorten  sind  ihre  Gehause  erwachsen,  vielfach 
auch  abnormal  gross  and  boinahe  tadellos.  Eine  ganz  gcwohnliche  Erscheinung 
ist  iV.  scabra  in  don  Mioeaenablagerungen  von  Miihren  und  Nicderoesterreich. 
Sie  bindet  sich  an  keino  bestimmte  Facies,  im  Gegentheil  ist  sio  in  alien 
zugegon.  Im  J.  1892  babe  ich  ihre  Gebiiuse  auch  im  oligocaenen  Mergel  von 
Pausram  gefunden. 
Marginulina  Iloeraesi,  Reuss.  (I860  Cristellaria  Hoernesi,  1.  c  S.  210,  Taf.  Ill, 
Fig.  2.)  Fig.  59.  —  Die  Gehause  dieser  schonen  Art  wurdon  audi  diesmal 
giinstig  erhalten  gefunden.  Sie  gehbren  erwachsenen  Individuen  an,  von  denen 
das  grossere  2  mm  lange  misst.  Reuss  schreibt  in  der  erwahnten  Abhandlung, 
sein  Exemplar  von  7  Kammorn  messe  0-75  mm.  Daraus  geht  natiiiiirJi  hervor, 
dass  die  Grosse  des  Gebiiuscs  dieser  Art  in  verbaltnissmassig  bedeutend  vou- 
einander  entfernten  Grenzen  variiert.  Es  sei  noch  hervorgehoben,  dass  die 
Kammern  nicht  immer  gleicli  gowolbt  sind.  Vielfach  kommen  Exemplare  mit 
fast  Aachen  Kammern  vor,  infolgedessen  erscheint  das  Gehause  stark  zu- 
sammengedriickt.  Das  kann  man  jedocli  durebwegs  an  iilteren  Kammern,  nie 
an  der  terminalen  betrachten.  Diese  ist  immer  stark  convex  und  an  der 
Mundseite  mit  einer  schwachen  abgestumpften  Kante  geziert.  Wenn  wir  A.  E. 
Reuss'  Resultate  mit  den  unsrigen  zusammenziehen,  gewinnen  wir  den  SchlusS, 
dass  sich  diese  Art  nicht  wax  auf  den  Iludelsdorl'er  gelben  Tegel  beschrankt, 
sondern  auch  im  Tegel  von  Lukau,  wo  sie  verhaltnissmassig  ziemlich  selten 
ist,  vorkommt.  Auf  den  tibrigen  miocaenen  Fundorten  wurdo  sic  bisher  nicht 
entdeckt. 


Fig.  59.  Marginulina  Hoernesi,  Reuss. 

Kudolsdorf.  !8/i  vcrgrossert. 


Fig.  60.   Marginulina  similis,  d'Orb. 

Rudelsdorf.  ''■'/,  vergrOssert. 

a  Vorder-,  b  Seitenansicht  des  Gehauses. 


Marginulina    similis,    d'Orbigny.    (1846,  1.   c.   S.   69,    Taf.   Ill,    Fig.    15,    16.) 

Fig.  60.  —  Diese  Art  bat  //.  Brady  der  Gruppe  untergeordnet,  auf  deren 
Spitze  er  die  Typen  der  Art  M.  glabra  gestellt  hat.  Ich  folge  hier  aus 
wesentliehen  und  gewichtigen  Grttnden  Brady  nicht,  von  welchen  Grttnden 
ich  sparter  in  einer  selbstandigen  vergleichenden  Arbeit  liber  die  Foramim- 
feren  des  mahrischon  Miocaens  sprechen  werde.  Das  Resultat  meiner  ver- 
gleichenden Studieu  fiihrt  zu  den  alteren  Meinungen  d'Orbigm/s,  Hems'  und 
F.  Karrers,  nach  welchen  man  die  Individuen  dieser  Art  in  die  Schranke 
jener  Species  nicht  hineinbringen  kann  —  wie  es  Brady  far  moglich  halt. 
Das  Individuum  dieser  Art  von  Rudelsdorf  und  Lukau  bietet  uns  auch 
einen  Beleg  dafur;  iuwieweit,  daruber  ein  auderesinal. 


161 

Cristellaria  minima,  Karrer.  (1864,  Ueber  das  Auftreten  der  Foraminifereu 
in  den  Mergeln  der  marinen  Uferbildangen  des  Wiener  Beckens,  I.  Theil,  S. 
707,  Taf.  I,  Fig.  8.)  —  Winzige,  gewohnlich  prachtig  erhaltene  Gehiiuse 
dieser  Art  sind  im  heimischen  marinen  Miocaen  vernaltnissmassig  sebr  selten. 
Sie  wurden  ursprtinglich  im  Tegel  Westslavoniens  in  der  Umgebung  von  Ben- 
kovac  entdeckt;  auch  in  Mahren  habe  ich  Gelegenheit  gehabt,  von  ihrer  Ge- 
genwart  mich  zu  (Iberzeugen.  Zufallig  habe  ich  sie  auch  in  unserem  Gebiete, 
und  zwar  im  Tege!  von  Lukau  entdeckt.  Das  von  dort  stammende  Gehiiuse 
ist  prachtig  erhalten,  jedoch  von  Dimensionen  wie  die  gewohulichen  Typen. 

Cristellaria  cultrata,  Montf.  (1846  d'Orbigny,  1.  c  S.  96,  Taf.  IV.,  Fig.  10—13. 
—  1884.  II.  Brady,  1.  c.  S.  550,  Taf.  LXX.,  Fig.  4.  6.)  Verhaltnissmassig 
selten  findet  man  im  Schlemmriickstande  des  Rudelsdorfer  und  Schirmdorfer 
Tegels  die  Gehiiuse  dieser  Art.  Sie  sind  durchwega  flacher  als  die  aus  dem 
mahrischen  Miocaen,  ihr  Mitteltheil  tritt  mehr  hervor  und  der  Nabel  ist  stark 
hervortretend,  gerundet.  Ihr  Lamellarrand  erreicht  keine  grossere  Breite,  ist 
jedoch  scharf  und  diinn.  Diese  Art  erscheint  zum  erstenmale  im  Oligocaen  von 
Ungarn  und  Miihren,  ebenfalls  ist  sie  auch  aus  dem  Oligocaen  von  ltalien 
bekannt.  Aus  dieser  Formation  gent  sie  in  das  Miocaen  iiber,  wo  sie 
eine  grosse  nicht  nur  horizontal,  sondern  auch  vertikale  Verbreitung  erreicht, 
Sie  ist  nicht  nur  aus  dem  Schlier,  sondern  auch  aus  den  Badener  Tegeln, 
Steinabrunner  Mergeln  und  Einlagerungen  im  Leithakalke  bekannt,  und  zwar 
in  mahrischen,  ober-  und  niederosterreichischen,  ungarischen  und  schlesischen 
Gebieten.  Im  bohmischen  Miocaensprengel  wurde  sie  bisher  nur  im  gelben 
Rudelsdorfer  und  blaugrauen  Schirmdorfer  Tegel  entdeckt. 


Fig.  61.  Cristellaria  calcar,  d'Orb. 
Rudelsdorf.  27,  vergrfissert.  a  Seiten-,  b  Vorderansicht  des  Gehauses. 

ristellaria  calcar,  d'Orhigny.  (1846,  1.  c.  S.  99,  Taf.  IV.,  Fig.  18,  20.  —  1860 
4.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  210).  Fig.  6.1.  Diese  Art  kommt  im  Rudelsdorfer  gelben 
^egtd  hiiufiger  als  im  Tegel  von  Lukau  vor.  Die  Individuen  von  verschiedeuen 
F'titwiciclmigs-Stadienkann  man  hier  durchwega  schon  erhalten  herausachlemmen. 
Gleich  beira  ersten  Anblick  der  Rudelsdorfer  Individuen  wird  es  una  auffallend 
kSei1',  dass  sie  mehr  oder  minder  der  zierlichen  Stacheln  entbehren.  Wenn  wir 
sie  aber  sorgfiiltiger  beobachten,  finden  wir  auch  diese  Dornen  an  ihnen,  jedoch 
verktimmert.  Nur  an  einem  Individium  war  ich  im  Stande,  erwacbsene  Stacheln 
zu  finden.  M it  langen  und  dttnnen  Stacheln  gezierte  Gehiiuse  mochten  wir  ver- 
geblich  suchen.  Or.  calcar  gehiirt  ohne  Widerrede  der  Gruppe  der  inteves- 
Bantesten  Arten  an.     Sie  reicht  bis  in  das  uutere  Oligocaen  von  Deutscbland, 

li 


162 


in  das  raittlero  Oligocacn  Miihrens,  von  dannen  geht  sic  in  die  Miocacnsedi- 
mente  (lber  und  ist  in  ihnen  weit  uiul  breit  verbreitet  (Miihren,  Schlesien, 
Obcr-  und  Niederosterreich,  Siebenbiirgen,  Ungarn).  la  den  heutigcn  Meeren 
lebt  sie  in  verscbiedenen  Ticfen  und  steigt  bis  in  die  Tiefe  von  580  Knoten  hinab. 

Cristellaria  Anstriaca,  d'Orbigny.  (1846,  1.  c.  S.  102,  Taf.  V.,  Fig.  1,  2).  Diese 
leicht  erkennbare  Art,  dercn  horizontalo  und  vertikale  Verbreitung  im  heimi- 
schen  Miocaen  bis  auffallend  gross  ist,  war  bisher  uns  dem  bSbmiscben  Miocaen 
nicbt  bekannt.  Diosmal  gelang  es  mir  zwar,  sie  nachzuweisen,  doch  wurden 
nur  ein  Paar  Individuen  im  Rudeladorfer  Tegol  entdcckt.  Diese  stimmen  mit 
den  typischen  Exemplaren  von  Miihren  und  Niederosterreich  vollig  iiberein. 
Wie  dort,  so  sind  auch  auf  unscrem  bohmischen  Fundorte  ihre  Gehiiuse  schon 
erbalten,  vielfach  tadellos  gefunden  worden. 

Cristellaria  intermedia,  d'  Orbigny.    (184(5,   1.  c.  S.  104,   Taf.  V.,  Fig.  3,  4). 

Ein  schon  erhaltones  Gehiiuse  eines  jungen  Individiums  wurde  diesmal  aus 
<lem  gelben  Tegel  von  Ruddsdorf  herausgeschlemmt.  Von  den  typischen  miihri- 
schen  und  niederosterreichischen  Formen  ist  es  nicht  zu  unterscheiden  und 
auch  nur  durch  die  kleinste  Abweichung  zu  trennen.  Die  Lage  und  das  gegen- 
seitige  Verhaltnis  der  Kammern,  die  Lage  und  Form  des  Nabcls  und  del' 
peripherischen  Riickenkante  sind  auch  an  ihm  so  charakteristisch,  dass  man 
die  vorliegende  Art  keineswegs  der  Art  (Jr.  crepidula  Fichtel  et  Moll  sp.,  wie  es 
Brady  that,  unterordnen  kann.  Im  Gegentheil  zcugen  die  erwiilinten  Merkmale  nur 
fur  die  Ansicht  dJOrbigny's  von  der  Selbstiindigkeit  dieser  Art.  Jedoch  auch  die 
Individuen  aus  dem  Tegel  von  Lukau,  wo  es  derselben  eine  ziemlich  bedeutende 
Menge  gibt,  und  auch  aus  dem  Tegel  von  fichirmdorf  bestiitigen  jene  Ansicht. 
Was  die  Verbreitung  dieser  Art  in  mahrischen  und  iiberhaupt  heiniischen 
Tegeln  betrifft,  so  kann  hier  crwiihnt  werden,  dass  sie  eine  bedeutende  ist. 

Cristellaria  inomata,  d'Orbigny.  (1846  Robulina  inornata  d'Orbigng,  1.  c.  S.  102, 
Taf.  IV  ,  Fig.  25,  26.  —  I860  A.  E.  lieuss,  1.  c.  S.  200).  Trotzdem  ich  nach 
den  winzigen  Gehiiuscn  dieser  prachtigen  und  interessanten  Art  fieissig  g°" 
forscht  iiabe,  liabe  icli  sie  bislier  im  Rudelsdorfer  und  Lukauer  Tegel  nicht 
gefunden.  Dagegen  ist  sie  in  den  Tegeln  Miihrens  (Drnovice,  Pametice,  Knih- 
nice,  Jarouierice,  Boskovice  u.  s.  w.),  Niederosterreichs  (Baden),  Siebenbiirgeiis 
(Lapugy)  hiiufig  und  verbreitet. 

Cristellaria  depauperata,  Eems.  (1851,  I.  c.  S.  70,  Taf.  I.,  Fig.  29).  Drei  Ge- 
hiiuse gelang  os  bis  jetzt  nachzuweissen.  Alio  sind  theilweise  scliadhal't,  doch 
nicht  dermassen,  dass  sie  eine  genaue  Bestimmung  erschweren  mochten.  Sic 
fallen  durch  winzige  Dimensionen  auf,  sonst  sind  sie  mit  don  aus  mahrischen 
Fundorten  bekannten  Typon  congruent.  Urspriinglich  von  A.  b).  Hems  i'n 
Septarienmergel  des  cleutschen  Oligocaens  entdcckt,  wurde  diese  Art  von  m'r 
im  J.  1890  von  mir  im  Oligocacn  von  Pausram  sichergestellt  und  friiher  auf 
verschiedenen  Orten  Miihrens  und  im  Tegel  von  Doinbrau  nachgewiesen.  Im  gelben 
Tegel  von  Rudclsdorf  und  im  bliiulichcn  von  Lukau  ist  sie  cine  seltene 
Erscheinung,  auf  den  ubrigeu  Miocaenfundorten  scheint  sie  zu  fehlen. 


163 


Polymorphina  (G.)  problema,  WOrbigny.  (1846.  CMtulina  proilema  d'Orbigny 


1.  c.  S.  224,   Taf.  XIL,  Fig.  26-28.  —  I860.  4.  E.  Hems,  1.  c.  S.  212. 


1884. 


Brady  1.  c.  S.  568,  Taf.  LXXIL,  Fig.  20;  Taf.  LXXIII.,  Fig.  1).  Fig.  62.  - 
Diese  Art  entdeckte  im  Rudelsdorfer  Tegel  urspriinglich  A.  K.  Reuss.  Das 
hier  abgebildete  Individuum  nimmt,  was  die  allgemeine  Form  des  Gebauses 
und  die  Anordnung  der  Kammern  betrifft,  die  Mittelstellung  zwischen  den 
typischen  Individuen  dieser  Art  und  der  urspriinglich  von  A.  E.  Reuss  aus 
dem  Oligocaeu  Deutschlands  beschriebenen  Art  P.  laneeolata  ein.  Es  ist  vorztig- 
licli  erhalten  seine  Oberflache  glatt  und  glanzend.  Aber  audi  im  Tegel  von 
Lukau  gelang  es  schone  Individuen  dieser  Art  zu  finden,  welche  ich  audi  aus  dem 
Tegel  von  Schirmdorf  berausgeschlemmt  babe.  Die  Art  P.  problema  geliort 
der  kosmopolitisohen  Gruppe  der  Foraminiferen  an.  Sie  lebt  in  alien  Meeren 
von  79°  26'  nordlicher  Breite  an  in  milssigen  Tiefen,  indem  sie  in  die  maxi- 
male  Tiefe  von  155  Knoten  hinabsteigt.  Hire  Varietaten  geben  bis  in  den 
Lias  und  kommen  fast  in  alien  geologischen  Horizonten  vor.  Nainontlicb  sind 
sie  im  Miocaen  von  Mahren  (Hausbrunn,  ISorac  u.  s.  w.),  Niederosterreich 
(Mollersdorf,  Grinzing,  Nussdorf),  Steiermark  (Wurzing),  Galizien  (Lemberg, 
Wieliczka),  Oberschlesien  (Miechowice),  Baiern,  von  der  Schweiz  und  von 
Italien  verbreitet. 


Fig.  62.  Polymorphina  problema, 
d'Orb.  Rudelsdorf.   23/L  vergrfissert. 


Fig.  63.  Polymorphina  inaequalis, 
Reuss.  Rudelsdorf.  40/i  vergrossert. 


Polymorphina  inaequalis,  Reuss.  (1849  Globulina  inaequalis  Reuss,  1.  c.  S.  13, 
Taf.  III.,  Fig.  9).  Fig.  63.  —  Das  abgebildete  Exemplar  erinnert  lebhaft  an 
das  Original  der  Brady'schen  Art  P.  gibba.  Ich  babe  frtiher  gemeint,  dieses 
Rudelsdorfer  Exemplar  gebore  wirklich  dieser  Art  an,  doch  ein  eingebenderes 
Studium  hat  mich  belehrt,  dass  dies  nicht  der  Fall  ist.  Diese  Art  ist  iiberhaupt 
selten,  wo  sie  immer  zuhause  ist,  dasselbe  gilt  audi  vom  Tegel  von  Lukau. 
Gewohnlich  ist  sie  Iriibsdi  erhalten.  Audi  von  unserem  Individuum  kann  man 
dasselbe,  doch  nur  insoferne  behaupten,  dass  es  einen  stark  schadhaften  Mund- 
theil  hat.  Trotzdem  ist  es  nicht  schwer,  sich  niit  seinen  interessanten  Merk- 
malen  vertraut  zu  machen.  Zu  diesen  ist  audi  das  zu  reihen,  dass  sie  ver- 
bal tnissmiissig  stark,  starker  als  die  typischen  Individuen,  zusamniengedriickt 
ist.  Bis  jetzt  beschrankt  sie  sich  nur  auf  das  mahrische,  steiermiirkische  und 
niederosterreichische  Miocaengebiet,  wo  sie  in  grosserer  individueller  Menge 
in  den  Mergeln  der  Leitliakalfacies  gefunden  wurde. 

^lymorplliua    aequalis,    d'Orbigny.     (1846.    Globulina  aequalis  d'Orbigny,    1.    c. 


S.  227,  Taf.  XIIL,  Fig.  11,  12. 


1860.  A.  E.   Reuss,   1.  c.  S.  212.)     Wurde 


164 


bisher  ira  Rudelsdorfer  Tegel    qui*   von  A.  E.  Reuss  entdeckt. 
dass  sie  auf  dom  erwiihnten  Fundorte  sehr  selten  ist. 


Er   bemerkt, 


Polymorphina  digitalina,  d'Orbigny,  (1846,  1.  c.  S.  235,  Taf,  XIV.,  Fig.  1—4. 
—  1860.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  212.)  Zuerst  von  Reuss  im  gelben  Rudelsdorfer 
Tegel  entdeckt,  wurde  sie  diesmal  nicht  nur  da,  sondern  audi  im  Tegel  von 
Triebitz  festgestellt.  Die  Gehause  von  unseren  beiden  Fundorten  sind  hiibsch 
erhalten  nnd  geichen  in  dieser  Hinsiclit  den  anderwiirtigen.  Namentlich  gilt 
dies  von  den  Gehausen  aus  dem  Rudelsdorfer  Tegel.  Diese  Art  gehiirt  der 
Gruppe  der  im  hehnischen  Miocaen  weit  verbreiteten  Arten  an.  Sie  geht  aus 
dem  bdhmischen  Gebiete  in  das  raiihrische  (Borac,  Ornovice  u.  a.)  iiber,  dann 
in  das  niederosterreichische  (Nussdorf) ;  steiermarkische  (Wurzing,  Freibiihl), 
siebenbiirgische  (Lapugy),  oberschlesische  (Miechowice)  u.  a. 

ftlobisernia  bulloides,  A'Orbigny.  (1884.  Brady,  1.  c.  S.  593;  Taf.  LXXVIL, 
Taf,  LXXIX,  Fig.  3—7).  Fig.  64.  —  Bisjetzt  waren  die  Globigerinen  aus 
bohmischen  miocaenen  Sedimenten  nicht  bekannt.  Reuss  gelang  es  nicht,  sie 
in  irgend  welchem  dortigen  Depot  zu  finden,  und  cs  ist  wahrscheinlich,  dass 
er  ihnen  emsig  nachforschte.  Dieser  Uinstand  scheint  mir  genug  von  Gewicht, 
um  von  ihm  Gebrauch  zu  machen  und  einige  Worte  an  ihn  anzukuiipfen.  Es 
ist  hochinteressant,  dass  sich  die  Globigerinentegel  und  -Mergel  ausschliess- 
lich  nur  auf  Mittelmahren  beschranken.  In  den  Auslaufem  der  bohmisch- 
miihrischen  Hochlandes  sucht  man  sie  vergebens.  Sie  existieren  dort  tiberhaupt 
nicht.  Wenn  wir  die  Globigerinen  im  nord-  und  westmahrischen  Miocaen  be- 
trachten,  gewahren  wir  eine  merkwurdige  Erscheinung,  die  darin  ihr  Interesse 
hat,  dass  die  individuelle  Mengc,  jo  mehr  man  sich  den  Kiisten  des  Miocaen- 
meers  niihert,  d.  h.  je  weiter  man  in  die  Ausliiufer  der  dortigen  Miocaen- 
gebiete  vordringt,  desto  mehr  abnimmt.  Das  habe  ich  friiher  in  Mahren  be- 
obachtet  und  durch  zahlreiche  Belege  erhiirtet.  Die  grosse  Seltenheit  von 
Globigerinen  im  Tegel  von  Ruddsdorf,  LuJcau,  Landshron  und  Bohmisch  Tril- 
bau  ist  nur  ein  weiterer  Beweis  von  der  richtigen  Beobachtung  —  und  hat 
ihren  Grund  nur  in  der  Lebensweise  der  Globigerinen.  Sie  sind  bekanntlich 
pelagische,  auf  offener  See  lebende  Thiere.  In  unsere  Bucht  wurden  sie,  vvio 
ersichtlich  und  klar,  nur  in  einer  unbedeutcnden  Menge  durch  Strommungen 
eingetragen,  die  Ilauptmasse  von  ihnen  sank  abgestorben  in  der  Region  der 
damaligen  liohen  See  zu  Boden.  Audi  das  bisher  einzige  im  Rudelsdorfer  Tegol 
entdeckte  Gehftuse  ist  vortrefflich  erhalten.  Es  ist  gross  wie  jedes  von  ander- 
warts,  ilie  Kammern  sind  so  wie  hoi  typischen  Individuen  angeordnet  —  mi* 
oinem  Wort,  es  wcicht  auch  nicht  in  einem  einzigen  Merkmale  von  den  In- 
dividuen aus  den  mahrischen  Globigerinen-Tegeln  und  Mergeln  ab.  Von  del* 
Kreideformation  angefangen  ist  dies*!  Art  in  alien  jiingoren  Formationen  ZU." 
hause.  Als  sehr  verbreitet  wurde  sie  im  Miocaen  und  zwar  sowohl  in  dem 
heimischon,  als  auch  in  dem  auswartigen  erkannt.  Bei  uns  kommt  sie  fast 
in  alien  Facien  vor,  die  sandige  nicht  ausgenommen.  In  den  heutigen  Meeren 
ist  sie  ebenfalls  weit  und  breit  verbreitet.  Mit  Recht  wurde  sie  unter  die 
kosmopolitischen  Arten  eingereiht. 


165 

Globigerina  buloides  var.  triloba,  Eeuss.  (18  id,  1.  c.  vol.  I.,  S.  374,  Taf.  XL VII., 

Fig.  11.  —  1884.  Brady,  1.  c.  S.  595,  Taf.  LXXIX,  Fig.  1,  2;  Taf.  LXXXL, 
Fig.  2,  3).  Fig.  65.  -  Audi  die  ftehause  von  dieser  Art  sind  offenbar  im 
Tegel  von  Rudelsdorf  und  LuJcau  hochst  selten.  Es  wurden  nur  acht  Exem- 
plare  gefunden.  Sie  ist  vorziiglich  erhalten,  ontbolirt  jeder  selbst  kleinsten 
Beschadigung.  Sie  ist  vorziiglich  dadurch  interessant,  dass  sie  ein  unversehrtes 
und  so  vollkommen  entwickeltes  Mundungsdachleiu  besitzt,  dass  dasselbe  ein 
vollstandiges  Bild  iiber  seine  Beziehung  zur  Miindung  gibt.  Diese  durch  die 
Anordnung  dor  Kammern  auffallende  Form  begleitet  uberall  die  vorige  Art. 
Sie  ist  aber  kein  junges  Stadium  von  derselben,  wie  man  es  aucb  seinerzeit 
vermuthete.  Ihre  horizontale  und  vertikale  Verbreitung  im  heimischen  Miocaen 
ist  gross,  der  der  vorigen  Art  gleich. 


Fig.  64.    Globigerina  bulloitles,  d'Orb. 
Rudelsdorf.  B%  vergrOssert. 


Fig.  65.  Globigerina  bulloides  var. 
triloba,  Reuss.  Rudelsdorf.  30/i  vergr. 


Pullenla  sphaeroldes,  d'Orbigny.  (1826.  Nomonina  bulloides  d'Orbigny  Ann.  So. 
Nat.  vol.  VII.,  S.  293,  Nr.  1,  I.  Modele.  --  1846.  d'Orbigny  1.  c.  S.  107, 
Taf.  V.,  Fig.  8—10.  —  1884.  Brady,  1.  c.  S.  600,  Taf.  LXXXIV.,  Fig.  3,  4). 
Bisher  wurde  sie  im  bohmischen  Gebiete  des  marinen  Miocaens  zwar  nur  im 
Tegel  von  Lukau  und  LandsJcron  nachgewiesen,  docb  bier  in  eiuer  bedeuten- 
den  individuellen  Menge  und  in  schrjn  erhaltenen  ladividuen.  Diese  decken 
sicb  vollkommen  mit  den  miilirisrlien  und  zeigeu  weder  in  der  Griisse  des 
Gehiiuses  noch  in  was  anderem  irgend  welcbe  Abweichungen.  Ihre  horizontale 
Verbreitung  ist  sehr  bedeutend.  Aus  dem  miihrisehen  Miocaen  verbreitet  sie 
sich  in  das  nieder-  und  oberosterreichische,  von  dannen  nach  Ungarn,  Banat, 
und  Galizien;  sie  ist  in  den  neogenen  Sedimenten  der  Insel  Malta,  im  Crag 
von  Norfolk  und  Suffolk,  dann  im  Septarieumergel  von  Deutschland  zu  iinden. 
Reuss  und  Murson  fiihren  sie  aus  den  Kreideablagerungen  von  Westfalen,  von 
der  Insel  Rtigen  und  aus  der  Umgebung  von  Krakau  an.  Sic  gehdrt  der  Gruppe 
der  kosmopolitischen  Arten  an  —  sie  lebt  in  den  Meeren  zwischen  70"  nord- 
licher  und  54°  sudlicher  Breite,  gewohnlich  in  der  Laminarieuzone,  wo  sie  bis 
in  die  Tiefe  von  2700  Knoten  hinabsteigt. 

Discorblna  obtlisa,  d?  Orbigny.  (1846).  Eosalina  obtma  a"  Orbigny,  S.  179, 
Taf.  XI,  Fig.  4—6.  —  18(50.  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  212.  —  1884.  Brady, 
1.  c.  S.  644,  Taf.  XCI,  Fig.  9.)  Diese  seltene  Art  gelang  es  im  bohmischen  Mio- 
caen nur  A.  E.  Reuss  im  gelben  Rudelsdorfer  Tegel  sicherzustellen.  Uberhaupt 
ist  es  ein  Zufall,  wenn  man  aus  dem  Tegel  irgend  eines  Fundortes  ihre  inte- 
ressanten  Gehause  lierauschlemmt.  Und  docli  scheint  sie  nach  den  bisherigen 
Erfahrungen   ziemlich    verbreitet    zu   sein ;    sie    wurde  in  den  Sedimenten  der 


■ 


166 


Umgebung  von  Nussdorf,  Grinzing,  Enzersdorf,  Baden  (Niederoesterreich) ; 
Orlova  und  Knihnice  (Miihron) ;  St.  Nicolaus  (Steiermark) ;  Wieliczka  (Gali- 
zien);  Miechowice  (Oberschlesien);  Cassel;  Castellarquato  nacbgewieseu.  In 
den  heutigen  Meeren  beschrankt  sie  sich  auf  die  Littoralzone,  wo  sie  in  mas- 
sigen  Tiefen  lebt. 


Fig.  66.    Truncatulina  lobatula, 

Walk.  u.  Jacob,  sp.  :"V,  vergrossert. 


Fig.  67.  Truncatulina  praecincta, 

Karr.  sp.  a  Untenansicht,  b  Obenansicht 
des  Geh&uses.  80/i  vergrOsaert. 


Truncatulina  lol)atulii,    Walker  et  Jacob,  sp.  (1846.  Rotal'ma  lobatula,  d1  Orbujny 

1.  c.  S.  168,  Taf.  IX,  Fig.  18—23.  —  1860.  A.  K.  Reuss,  1.  c.  S.  211.  — 
1884.  Brady,  1.  c.  S.  600,  Taf.  XCII,  Fig.  10.,  Taf.  XCIII.)  Fig.  66.  —  Sie 
ist  im  Eudelsdorfer  Tegel  ziemlich  hiiufig,  vorzilglicli  erhalten  und  (lurch 
normal  erwachsene  Individuen  von  gewdhnlicher  Grdsse  vertreten.  Ich  babe 
ein  Exemplar  von  Rudelsdorf  abgebildet,  um  gleichsam  einen  Beweis  darzu- 
bringen,  dass  die  dortigen,  Individuen  auch  vom  Originale  Brady's  in  niclits 
abweicben.  Auch  an  ihm  sieht  man  ja  klar,  wie  ihr  Gehause  von  starken 
Wanden  umgoben  wird,  die  auf  dor  Oberflache  in  Gestalt  von  verhaltniss- 
miissig  dicken  Leistcn  hervortreten,  welche  einen  mit  zahlreichen  breiten 
Knotchen  wie  besiiten  Rttcken  baben.  Diese  Eigenschaften  sind  am  Bible 
d'Orbiyny's  nicht  zu  seben.  Ich  bemerke,  dass  dieses  der  Gruppe  von  Indi- 
viduen angehort,  welche  diinne,  niedrig  beendete  Wiinde  besitzt.  In  den  ma- 
rinen  miocaenen  Sedimenten  des  bdhmischen  Gebietes  ist  diese  Art  nur  auf 
den  Rudelsdorfer  Sprengel  beschrankt,  dagegen  ist  sie  im  Miocaengebiete 
von  Mahren,  Nieder-  und  Obordsterreich,  Galizion,  Ungarn  und  Steiermark 
verbreitet.  Sie  komnit  da  fast  in  alien  Facien  vor,  am  hiiufigsten  in  der  tege* 
ligen,  obwohl  sie  auch  in  der  mergeligen  haufig  ist.  Hire  Varietaten  gehen  bis 
in  die  Steinkonlenformation.  Bedeutend  verbreitet  ist  sie  jedoch  nur  im  Ter- 
tiaer.  Doch  auch  in  den  heutigen  Meeren  ist  sie  eine  gewohnliche  Erschei- 
nung.  Sie  lebt  in  der  Littoral-,  Laminarien-  und  Oorallenzone,  wo  sie  in  ver- 
schiedenen  Tiefen  vorkommt,  indem  sie  auch  bis  in  die  Tiefe  von  3000 
Knoten  hinabsteigt. 
Truncatulina  Haidingeri,  ri'  Orbiyny.  (1846.  1.  c.  S.  154,  Taf.  VII.  Fig.  7  9. 
—  1884.  Brady,  1.  c.  S.  mi,  Taf.  XCV,  Fig.  6.)  Urspriinglich  beschrieb  sie 
d' Orbiyny  aus  den  Miocaensedimenten  des  Wiener  Beckens,  spater  wurde 
sie  als  die  im  heimischen  Noogen  horizontal  verbreiteteste  Ait  erkannt.  Dann 
wurde  sie  auch  im  Eocaen  und  im  Pliocaen  von  Italien,  Spanien  und  Sicilien  ent- 
deckt,  vor  einigen  Jahren  wurde  sie  endlich  in  heutigen  Meeren  naehgewieseu, 


167 


wo  sie  in  verschiedenen  Tiefen  im  siidlichen  und  ndrdlichen  Atlantischen 
Ocean,  im  Indischen,  Rothen  und  Mittellandischen  Meere  lebt.  Auf  unserem  Ge- 
biete  Btellte  sio  zuerst  A.  E.  lieuss  im  Eudelsdorfer  Tegel  fest,  wo  es  mir  eben- 
falls  gelang,  liiibsclie  GeMuse  von  ilir  zu  finden,  aussordera  habe  icli  sie  im 
Tegel  von  Lulcau  und  LandsJcron  nachgewiesen. 

Truncatullna  Ungeriana,  d'  Orbigny  sp.  (1846,  1.  c.  S.  157,  Taf.  VIII,  Fig. 
16—18.  —  1884.  Brady,  1.  c.  S.  664.  Taf.  XCIV,  Fig.  9.)  Audi  die  Gehiiu.se 
dieser  Art,  aus  dem  Eudelsdorfer  Tegel  herausgeschlemmt,  sind  tadellos  und, 
wie  icli  mich  iiberzeugt  habe,  zieinlich  hlufig.  Gross  sind  sie  wie  die  Gehiiuse 
der  Typen  aus  den  siidlichen  Fundorten  des  heimischen  Miocaens.  Nur  selten 
findet  man  dort  kleine,  wie  verkiimmerte  Gehiiuse.  Und  es  1st  wirklieh  nichts 
Schweres  sich  zu  iiberzeugen,  dass  diese  scheinbar  vorkummerten  Gehiiuse  uner- 
wachsenen,  jungen  Individuen  angehoren.  Im  heimischen  Miocaen  ist  diese 
Art  sehr  verbreitet  fast  in  alien  Facien,  ebenfalls  audi  im  auswartigen  Neogen 
sind  ilne  Grenzen  ausgedehnt.  Audi  in  pliocaenen  Ablagerungen  ist  sie  haufig 
namentlich  in  siideuropaischeii  Gebieten.  Dagegen  ist  sie  im  Londoner  Thone 
selten.  In  den  heutigen  Meeren  ist  sie  ebenfalls  eine  gewohnliche  Erscheinung. 
Sie  lebt  im  Atlantischen  Ocean,  im  Mittelmeere  in  den  Tiefen  von  70—600 
Knoten,  ferner  im  Siidatlantischen  Ocean  und  im  nordlichen  Pacifik  in  der 
Tiefe  von  37—2600  Knoten. 

Tnmeantxilma  Dutemplei,  ff  OrUgny.  (1846.  1.  c.  S.  157,  Taf.  VIII,  Fig. 
19-21.  —  1860.  A.  E.  lieuss,  1.  c.  S.  211.  —  1884.  Brady,  1.  c.  S.  665, 
Taf.  XCV,  Fig.  5.)  Die  grosstententheils  schon  erhaltenen  Gehiiuse  dieser 
Art  koinnien  im  Tegel  von  liudelsdorf,  Lulcau,  Landskron  und  Kothwasser 
verhaltnissmiissig  zieinlich  haufig  vor,  obwolil  nicht  in  dem  Masse  wie  z.  B. 
Rotalia  beccari.  Hire  Grosse  und  allgemeiner  Charakter  unterscheidet  sich 
nicht  von  typischen  Individuen  aus  Fundorten  sei  es  des  norddlichen  sei  es 
des  siidlichen  Gebietes,  wo  sie  bekanntlich  fast  iiberall  vorkommen,  wo  ein 
Tegel,  Mergel  oder  diesen  analoge  Sande  sind.  Es  ist  also  natiirlich,  dass  es 
selu-  viele  Fundorte  dieser  Art  gibt;  wir  fiihren  hier  nur  die  wichtigsteu  von 
ihnen  an:  Borac,  Drnovice,  Raitz,  Knihnice  (Miihre);  Baden,  Voslau,  Giinzing, 
Steinabr'unn  (Niederoesterreich) ;  Rohi6,  Freibiehl  (Steiermark) ;  Wieliczka, 
Lemberg  (Galizien);  Habiihl,  Mairhof  (Baiern) ;  Lapugy  (Siebenburgeu) ;  Mie- 
diowice  (Preussisch-Schlesien) ;  Castell'  arquato  (Italien).  In  den  heutigen 
Meeren  (im  siidlichen  Atlantik  und  Pacifik)  lebt  sie  audi  bis  1900  Knoten 
Tiefe. 

^'Uneatuliua  praecincta,  Karrer  sp.  (1867.  F.  Karrer,  Zur  Foraminiferen- 
Fauna  in  Oesterreich,  S.  189,  Taf.  V,  Fig.  7.  -  1884.  Brady,  1.  c.  S.  667, 
Taf.  XCV,  Fig.  1  —  3.)  Fig.  67.  —  Sie  ist  ohne  Widerrede  die  gewOhnliste 
Foraminiferenart  im  Tegel  von  RudeUdorf  und  Lulcau;  sie  wurde  jedoch 
tlucli  aus  dem  Tegel  von  Abstdorf  und  Schirmdorf  herausgescblemmt  Hunderte 
v"u  hen-lich  erhaltenen,  grossen  und  erwachsenen  Individuen  kann  man  dort 
herausschlemmen.  Ihr  Charakter  fiillt  gleich  beim  ersten  Anblick  auf.  Die 
Gberflache  des  Gehiiuses  verbindet  und  die  hervortretenden  Kammern- 
sdieidewiinde  identificieren  diese  Individuen  mit  den  Typen  Karrers.  Inwieweit 


168 

dariiber  belehrt  hinreichend  schon  das  abgcbildete  Ivdividuum.  Unter  Be- 
achtung  der  Menge  von  Gehiiusen  dieser  Art  in  unserem  bohmischen  Miocaen- 
tegel  kann  man  ihr  mit  Recht  eine  gewisse  Wichtigkeit  zuerkennen,  doch 
nur  eine  solche,  wie  sie  ihr  auch  auf  sudlichen  Fundorten  zukommt.  Da  wurde 
sie  zuerst  von  F.  Karrer  im  Tegel  von  Kostcj  im  Banat  entdeckt;  mir  ge- 
lang  es,  das  Gebiet  ihrer  Verbreitung  auf  Mahren  auszudehnen,  wahrend  os 
J.  Sequensa  gelang.  sie  im  Miocaen  und  Pliocaen  Siiditaliens  festzustellen. 
Brady  entdeckte  sio  in  der  Korallenriffacies  in  den  Tropcn  unweit  von  den 
Philippinischen  Inseln  in  der  Tiefe  von  95  Knoten  und  im  siidlichen  Pacifik 
in  der  Tiefe  von  If)— 255  Knoten. 
Anomalina  Austriaca,  d'Orbigwy.  (1846,  1.  c.  S.  172,  Taf.  X,  Fig.  4—9.)  Sie 
wurde  nur  aus  dem  gelben  Tegel  von  Rudelsdorf  herausgeschlemmt.  Das  vor- 
liegende  Individuum  zeiclmet  sich  durch  etwas  grdssere  Dimensionen  als  die 
gewohnlichen  sind.  Dies  scheint  durcli  die  jungste  Kammer  verschuldet  zu 
sein,  deren  Dimensionen  diejenigen  einer  jungen  Kammer  iiberbieten.  1"' 
Obrigen  ist  sie  mit  den  Typen  aus  den  siidlichen  Fundorten  congruent. 


} 


J 


Fig.  68.  Anomalina  Badensis,  d'Orb. 

Rudelsdorf.  30/i  vergrossertcs  fl change: 

a  von  oben,  b  von  unten. 


Fig.  69.  Rotalia  beccarii,  L   sp. 

Rudelsdorf.30/,  vergrOssertes  Gehftuse: 
a  von  oben,  b  von  unten. 


Anomalina  Badensis,  d'Orbigny.  (1846,  1.  c.  S.  171,  Taf.  X,  Fig.  1—3.) 
Fig.  68.  —  Die  prachtigen  Gehause  dieser  Art  findet  man  im  Gebiete  unseres 
ostbohmischen  marinen  Miocaens  bedeutend  verbreitet  und  auf  ihren  Fundorten 
gewdhnlich  in  einer  namhai'ten  Menge  von  Individuen.  Als  an  Iiidividuen  affl 
reichsten  habe  ich  sie  im  Tegel  von  Lukau  sichergestellt,  auch  im  Tegel  vou 
Rudelsdorf,  Wildemohu/ert  und  Schirmdorf  ist  sie  eine  gewdhnliclie  Erscheinungi 
wahrend  sie  im  Tegel  von  Landsliron,  Kothwasser  und  Sschirmdorf  (Dorf)  sehf 
selten  ist.  Auch  im  Gebiete  des  mahrischen  Miocaens  ist  sie  bedeutend  ver- 
breitet, von  wo  sie  dann  nach  Niederoesterreich,    Ungarn    u.    s.  w.    eindringt. 

Eplstomina  PartecMana,  c?  Orbigny  sp.  (1846.  Rotalina  Partschiana  d'Orbigtty 
1.  1.  S.  153,  Taf.  VII,  Fig.  28-30,  Taf.  VIII,  Fig.  1-3.  -  1884.  Brady, 
1.  c  S.  699,  Taf.  XCV,  Fig.  3-21.)  Bislier  in  unserem  Gebiete  nur  im  Tegel 
von  Lukau  und  LandsJcron  nachgewiesen,  jedoch  auch  hier  nur  in  einig@D 
schon  erhaltenen  Individuen,  deren  Gehausedimensionen  von  den  Dimensionen 
der  Individuen  aus  siidlichen  Fundorten  nicht  abweichen.  Im  mahrischen  Mio- 
caen ist  sie  dagegen  eine  gewohnliche  Erscheinung,  namentlich  in  den  Tegeln 
der  Badener  Facies,  in  einer  kleineren  Menge  tritt  sie  in  Mergeln  von  ba- 
thymetrisch  hoheren   Niveau   auf.   Dieselben  Merkmale  tragt  sie  auch  im  Mio- 


169 

caen  von  Niederoesterreich,  Sttditalien,  Spanien,  auch  im  Londoner  Thono  und 
im  Septarienthone  Deutsclilands.  In  den  heuttgen  Meeren  lebt  sie  im  nord- 
lichen  Atlantisclien  Ocean,  im  nordlichen  Pacifik  und  audi  in  Mittelmeere. 

Plllvinulina  Schreibersii,  cf  Orbigny  sp.  (1846,  1.  c.  S.  154,  Taf.  VIII,  Fig. 
4_6.    _    I860.  A.  E.  Reuss   1.  c.  S.  7.  1884.   Brady  1.  c.  S.  697,  Taf. 

XCV,  Fig.  1.)  Fig.  66.  —  Bisher  wurde  sie  nur  im  Rudelsdosfer  Tegel  von 
A.  E.  Reuss  sicliergestellt.  Diesmal  wurden  ihre  Gehiiuse  vergeblich  gesucht. 
Sie  ist  namentlich  in  der  Leithakalkfacies,  viel  seltener  in  der  Sandfacies  in 
den  miocaenen  Sedimcnten  von  Oesterreich,  Siiditalien  und  Spanien  verbreitet. 
In  heutigen  Meeren  lebt  sic  in  m&ssigen  Tiefen  von  :3 — 435  Knoten. 

Rotalia  Soldanii,  a"  Orbinny.  (1826.  d'  Orbigny.  Ann.  Sci.  Nat.  vol.  7,  S.  278, 
Nr.  5,  Module  Nr.  86.)  Sie  ist  in  bohmischen  marinen  Miocaensedimenten 
selten,  bisher  wurde  sie  nur  im  Tegel  von  LuJcau  nacligewiescn.  Hier  ist  sie 
durch  typischo  Individuen  vertreten,  welclie,  indem  sie  wahrhaft  charakteri- 
stische  Merkmale  besitzon,  nicht  zulassen,  dass  man  sie  in  den  Bereich 
anderer  verwandten  Arten  einreihe.  Dieser  Umstand  hat  mich  veranlasst,  der 
urprtinglichen  Auffassung  d'  Orbigny's  beizupflichten.  Schon  in  den  benach- 
barten  Gebieten  des  westmahrischen  Miocaens  ist  R  Soldanii  eine  hiiufige, 
ja  gewohnliche  Erscheinung;  von  dorther  verbreitet  sie  sich  iiber  die  Gebiete 
des  nieder-  und  oberosterreichischen,  galizischen,  ungarischon,  siebenbtirgischen 
Miocaens  und  dringt  auf  die  Insel  Malta  vor.  Reuss  entdeckte  sie  auch  im 
Septarienmergel  Deutsclilands  nnd  Hantken  im  Oligocaen  Ungarns.  In  den 
heutigen  Meeren  lebt  sie  im  nordlichen  und  siidlichen  Atlantisclien  Ocean, 
im  Mittelmeere,  im  siidlichen  und  im  nordlichen  Pacifischen  Ocean,  wo  sie 
in  verschiedenen  Tiefen  lebt  und  nach  den  bisherigen  Erfahrungen  in  die 
Tiefen  von  2000  Knoten  hinabsteigt. 

Rotalia  beccaril,  Linni  sp.  (2846.  Rotalina  Vienensis  d'  Orbigny,  1.  c.  S.  177, 
Taf.  X,  Fig.  22-24.  —  1860  A.  E.  Reuss,  1.  c.  S.  212.  —  1884.  Brady, 
1-  c  S.  704,  Taf.  GVI.I.  Fig.  2.,  3.)  Fig.  69.  -  A.  E.  Reuss  bemerkt  in 
seiner  Arbeit  iiber  die  ostbiihniisclien  Miocaenablagerungen,  diese  Art  sei 
im  Rudelsdorfer  Tegel  sehr  selten.  Meine  Erfahrungen  bezeugen  dies  nicht, 
im  Gegentheile  ist  sie  laut  denselben  dort  ziemlicb  haufig  und  vielfach  durch 
prachtig  erhaltene  Individiien  vertreten.  Doch  auch  schadhafte  gibt  es  dort 
genug,  was  auf  die  Rechnung  des  --  in  der  Regel  dunnwiindigcn  Gehauses 
failt.  Und  deshalb  ist  es  kein  Zufall,  dass  wir  oft  Gelniiise  ohne  die  jungsten 
Kammern  berausschlemmen.  Was  die  Grosse  betrifft,  muss  ich  Zeugniss  abgeben, 
dass  ich  keine  Unterschiede  zwisclien  den  Rudelsdorfer  Gehiiusen  und  denen 
von  siidlichen  Fundorten  finde.  Einige  unsere  Individuen  scheinen  auffalend 
gross  und  erreichen  die  Dimensionen  der  grossten  Individuen.  Ausser  dem 
Rudelsdorfer  Tegl  habe  ich  diese  Art  im  Tegel  von  Lukau,  Landshron,  Roth- 
wasser,  Wildenschwert  und  Schirmdorf  sicliergestellt.  Es  ist  kein  Zufall,  dass  sie 
in  den  Littoralsedimeuten  von  Rothwasser,  Wildenschwert,  Schirmdorf  sehr  reich 
an  Individuen  ist.  Es  stimmt  ja  damit  auch  die  Beobachtung  ihrer  recenten 
Vertreter  uberein.  Diese  Art  und  die  Gruppe,  welcher  schon  fruhrer  Erwahnung 
gethan   wurde,    bieten   erhebliche    Belege   fur  die  Anschauung,   dass  auch  die 


170 

Foraminiferen  zu  den  in  Betracht  zu  ziehenden  Thierklassen  ziihlen  konnen, 
wenn  es  sich  um  die  Bestimmung  der  Fades  oder  des  relat.  Alters  handelt. 
Das  eigentliche  G-ebiet  dieser  Art  ist  die  Leithakalkfacies ;  bier  erreicht  sie  einen 
bedeutenden  ja  den  grSssten  individuellen  Reichthum  mid  Dimensionen.  Diese 
Eigenschaft  tritt  desto  mehf  hervor,  je  seltener  sie  in  den  Tegel-  und  Schlier- 
ablagerungen  auftritt.  Unter  denselben  Umstanden  kommt  sie  auch  im  Tertiaer 
Italiens  und  Spaniens  vor.  Ebenfalls  wurde  sie  auf  der  Insel  Rhodos,  in  Bul- 
garien  u.  a.  sichergestellt,  forner  ist  sie  im  englischen  Crag  und  den  post- 
tertiaeren  Ablagerungen  Englands,  Scbottlands,  Islands  und  Italiens  zu  liause. 
In  den   jetzigen    Meeren  lebt  sie  hiking  in  der  Littoral-  und  Laminarienzone. 

Nonionina  communis,  d'  Orblgny.  (1846,  1.  c.  S.  106,  Taf.  V,  Fig.  78.)  Ich 
babe  sie  diesmal  im  Tegel  von  Rudelsdorf,  Landskron,  Sohirmdorf,  Tricbits 
und  Lukau  naeligewiesen.  Sie  kommt,  wie  daraus  ersichtlich,  in  unseren  echt 
brackischen  (Triebitz)  und  auch  echt  marinen  Tegeln  (Rudelsdorf  und  Lukau) 
vor.  Es  liegen  schon  erhaltene,  normal  grosse  Individuen  von  typischen  Merk- 
malen  vor.  Trotzdeni  ich  moglichst  beiniiht  war,  Difforenzen  zwischen  brackischen 
und  marinen  Individuen  zu  entdecken,  ist  dieses  Streben  erfoglos  geblieben. 
N.  ammunis  koinnit  fast  in  alien  Facien  vor,  am  haufigsten  jedoch  in  der 
Tegelfacies,  wahrend  man  in  der  Sandfacies  ihre  Individuen  vereinzelt  una 
nach  einer  langen  Zeit.  muhseligen  Suchens  findet. 

IVonioniiia  limbilicata,  Montague  up.  (184(5.  N.  Soldanii  d'  Orbigny,  1.  c.  S. 
10(5,  Taf.  V,  Fig.  15,  16.  -  -  1860.  A.  E.  Eews,  1.  c.  S.  210.  —  1884.  Brady 
1.  c.  S.  740.  Aat.  CIX7  Fig.  3.)  Fig.  70.  —  Ich  babe  sie  diesmal  wie  A.  $■ 
Eeuss  im  EudeUdorfer  und  dann  auch  im  Tegel  von  Lukau  festgestellt.  Ls 
wurden  durebwegs  schOne,  nicht  schadhafte  Exemplare  gefunden,  namentlich 
die    von    Lukau    uberraschen   durch    bedeutende    Dimensionen   des    Gehiiuses. 


Fig.  70.  Nonionina  umbilicata,  Mont.  sp. 

80/]   vergrossertcs  Gehiiuse: 

a  von  vorne,  b  von  der  Seite. 


Fig.  71.  Nonionina  Bouei,  d'Orb. 

B0/j  vergrOssertes  Gehftuse  von  der  Seite. 


Nonionina  Bou6ana,  d'  Orbiyny.  (1846,  l.  c.  S.  L08,  Taf.  V,  Fig.  LI,  120 
Bisber  wurden  ihre  Gehiiuse  nur  im  Tegel  von  Eudeludorf  und  Lukau  nacb- 
gewiesen,  auf  beiden  Fundorten  nur  in  einer  unbedeutenden  Individuenmenge- 
Brady  bildete  ein  von  dem  d'  Orbigm/s  bedeutend  abweichendes  [ndividuuffl 
ab.  Das  hier  abgebildete  stimuit  viillig  mit  deujenigen  von  d'  Orbigny  uberein 
und  weicht  bis  auffallend  von  jenem  Bradys's  ab,  Dieser  Umstand  ist  ge* 
wrehtig  genug,  um  erwiilmt  zu  werden.  Es  konnte  denn  leicbt  geschehen,  dass 
die  Grenzen    dieser    Art   auf  Kosten  der  Richtigkeit  und  der  genauen  Arteu- 


171 

bezeichnung  erweitert  wllrden.  Zurttck  reicht  sie  bis  in  das  Oligocaen  Deutsch- 
lands,  verbreitet  is  sie  im  Mioeaen  des  Wiener  Beckens  imd  Sttditaliens.  Sie 
lebt  in  massigen  Tiefen  von  11—200  Knoten,  grosstentheils  in  der  Litto- 
ralzone. 
Polystomella  crispa,  Lamarck.  (1846  cP  Orhigny,  1.  c.  S.  125,  Taf.  VI,  Fig. 
9—14.  _  1884.  Brady,  I.  c.  S.  7)36,  Taf.  GX,  Fig.  6.  7.)  Fig.  72.  -  Schon 
A.  E.  Reuss  bemerkt,  diese  Art  sei  fm  Rudelsdorfer  Tegel  sehr  haufig.  Auch 
diesmal  wurde  die  Wahrheit  dieser  Betrachtung  bestatigt.  Ihre  zierlichen  Ge- 
hause erfreuen  sich  einer  geradezu  seltenen  Erhaltung.  Sie  sind  so  gross,  wie 
die  typischen  Individuen  aus  den  Fundorten  der  Mergel-  oder  Sandfacies,  wo  sie, 
wie  es  liingst  bekannt  ist,  sehr  haufig  sind ;  auch  die  Dimeusionen  haben  sie  wie 
diese.  Das  wird  am  besten  durch  das  abgebildete  Exemplar  bestatigt.  In  der 
Tegelbank  ist  P.  crispa  selten.  Dieser  Umstand  im  Vorkommen  ist  charakte- 
ristiseh  und  verdient  Beacbtung  Die  horizontale  Verbreitung  dieser  Art  erscheint 
bedeutend.  Man  begegnet  ihren  Individuen  fast  liberal!,  wie  in  mahrischen 
Gebieten  (Bora6,  Drnovice,  Lomnicka,  Lazanky,  JaromeTice ,  Porstendorf, 
u.  a.),  so  in  niederoesterreichischen,  (Baden,  Nussdorf,  Grazing,  Euzersdorf, 
Gotzleinsdorf) ;  in  oberosterreichischen  (Kienberg),  steiermarkirchen  (Ro- 
hitsch,  Freibtthl,  Wurzing,  St.  Nicolaus),  ungarischen  (Kniiova  n.  a.), 
Galizischen  (Wieliczka),  oberscblesischen  (Miechowice),  bairisehen  (Hausbach, 
Bucbleiten,  Mayerhof)  Ferner  ist  sie  der  in  Umgebung  von  Bordeaux,  Caste- 
larquarto  und  Siena,  auf  der  Insel  Rhodes  zuhause.  Sie  reicht  in  das 
Eocaen  von  Paris  zurttck,  geht  durch  das  deutsche  Oligocaen,  (lurch  das  oben 
angeftthrte  Mioeaen  in  das  Pliocaen  Italiens  und  Siidwest.  Spaniens  ttber,  von 
dorther  dann  in  die  Sedimente  des  Quaternars  von  Nord-  und  Sttd-  Europa 
und  weiter  in  die  heutigen  Meere,  wo  sie  in  massigen  Tiefen  bedeutend  ver- 
breitet ist. 


Fig.  72.  Polystomella  crispa,  Lamk.  Rudelsdorf.  23/j  vergrossertos  Gehause. 

1>0lyst(nnella  ttexuosa,  tfOrgigny.  (1846  1.  c.  S.  127,  Taf.  VI,  Fig.  15,  16.) 
Sie  kommt  in  der  Regel  mit  P.  crispa  vor,  mit  der  sie  verwandt  ist. 
Bisher  kennt  man  sie  aus  dem  ostbohmischen  Mioeaen  nur  aus  dem  Tegel 
V()n  Rudelsdorf,  wo  es  mir  diesmal  gelang,  hiibsch  erhaltene  Gehause  zu  ent- 
decken.  Die  Grosse  derselben  und  ihre  allgemeinen  Charaktere  sind  mit  den 
Gehausen  aus  sftdlichen  Fundorten  des  heimischen  Miocaens,  woselbst  sie  auch 
°')ie  seltene  Erscheinung  sind,  congruent.  Nussdorf,  Baden  ftthrt  WOrMgny 
a,s  ihre  Fundorte  an,  nebstdam  kennt  man  sie  aus  dem  Tegel  von  B  irac 
u*id  dem  Mergel  von  Drnovice  (Miihren). 


172 


Polystomella  striatopunctata,  Fichtel  und  Moll.  sp.  (1846.  d'Orbigny,  1.  c. 
S.  122,  Taf.  VI.,  Fig.  1,  2.  -  ■  1884.  Brady  1.  e.  S.  737,  Taf.  OX.,  Fig.  10). 
Diese  von  den  Polystomellen  verbreiteste  Art  warde  bisher  in  unserem  Ge- 
biete  im  Rudelsdorfer  Tegel  in  prachtig  erhaltenen  Exemplaren  festgestellt. 
Es  diirfte  keia  Zufall  stun,  dass  sie  audi  in  Mahren  eine  geringe  Verbreitung 
besitzt,  wahrend  sie  sicb  in  Niederosterreich  als  eine  gewo'hnliche  Erscheinung 
zeigt,  Audi  sie  reicht  bis  in  das  Eocaen  des  Pariser  Beckens  und  in  die 
Nummulitenablagerungen  Steiermarks  zurfick,  von  wo  sie  durch  das  untere 
und  obere  Oligocaen  von  Deutschland  und  Frankreich  in  das  Miocaen  von 
Oesterreich  und  Baiern,  in  den  Crag  Engiands  und  in  das  Tertiaer  Italiens 
•  ubergeht.  Sie  lebt  noch  heutzutage  in  alien  Meeren  in  massigen  Tiefen  vou 
600—2000  Knoten. 

Polystomella  macella,  Fichtel  und  Moll.  sp.  (1846.  P.  Fichteliana  d'Orbigny, 
1.  c.  S.  116,  Taf  VI.,  Fig.  7,  8.  —  1884.  Brady  I.  c.  S.  737,  Taf.  XC,  Fig.  8, 
9,  11).  Sie  1st  in  den  Sedimenten  des  niarinen  bohmisdien  Miocaens  selten. 
Sie  wurde  dort  nur  im  Tegel  von  Rudelsdorf  sichergestellt.  In  dieser  Hinsicbt 
stimint  dieses  Gebiet,  was  die  horizontale  Verbreitung  dieser  Art  betrifft,  mit 
dem  Miocaen  von  Mahren  (iberein.  Aus  diesem  verbreitet  sie  sich  in  die  Tegel 
von  Wieliczka,  von  Italien  und  ist  audi  aus  dem  Pliocaen  der  Nikobaren-Inseln 
bekannt.  Audi  kommt  sie  im  Crag  von  Suffolk,  im  Postpliooaen  von  Kalabrien 
vor.  In  den  heutigen  Meeren  beschrankt  sie  sicli  auf  den  Siiden,  wo  sie  an 
der  Kuste  in  der  Boreal-  und  Littoralzone  lebt. 

HeteroHtegina  costata  d'Orbigny.  (1846.  1.  c.  S.  121,  Taf.  XII.  Fig.  14—17.  - 
1860.  A.  K.  Reuss  1.  c.  S.  21.2).  Diese  in  der  Leithakalkfacies  besonders 
hiiufige  Art  stellte  im  Gebiete  des  bohmisdien  marinen  Miocaens  nur  A.  &• 
licuss  sidier  und  zwar  im  Rudelsdorfer  Tegel,  wo  er  sie  hilufig  fand.  Trotz 
dieser  Erfahrungen  war  ich  nicht  im  Stande,  in  demselben  Tegel  aucb  n111' 
eine  Spur  von  ihr  zu  finden.  Diese  Erscheinung  erklare  ich  mir  dadurcb,  dass 
Reuss  eine  andere  Bank  ausgebeutet  hat  als  ich,  eine  Bank,  wahrend  deren 
Ablagerung  hochstwahrscheinlidi  andere  physikftlische  Umstande  herrschten,  als 
zur  Zeit,  wo  der  gelbe,  unmittelbar  der  Permformation  aurtagernde  Tegel  unter 
dem  Rudelsdorfer  Wachterhaus  abgelagert  warde.  Jedoch  man  kann  audi  eine 
andere  Erklarung  zulassen,  und  zwar  in  dem  Siune,  dass  der  Tegel  in  welchetn 
diese  Art  von  Reuss  in  einer  griisseren  Menge  nachgwiesen  wurde,  aus  einer 
anderen  Localitat  stainmt.  Inwieweit  dieses  oder  jenes  richtig  ist,  win!  in 
der  Zukunft  zu  entscheiden  sein.  —  Gewissermassen  ist  man  berechtigt,  dies" 
schone  Art  fiir  einen  Vertreter  der  seichteren  Meeres  zu  halton.  Das  wii'd 
durch  alle  unsere  Kenntnisse  von  ihr  bestatigt.  Sie  wurde  entdeckt  in  der 
Gegend  von  Nussdorf,  Grinzing,  Enzersdorf,  Steinabrunn  (Niederosterreich); 
Wurzing  (Steiermark) ;  Wieliczka  (Galizien);  Miechowice  (Oberschlesien) ;  ferner 
in  der  Umgebung  von  Cassel  und  CastelParquato. 


INHALT 


Seite 

Vorwort ;s 

Litteratur-Verzeichnia <> 

SiBtoriacher  Abschnitt 10 

"as  Gebiet  der  marinen  Tegel lfi 

Rudelsdorf  (Rudoltitz) 16 

Die  Fauna  des  Rudeladorfer  (Rudoltitzer)  Tegels 20 

Thomigadorf 27 

Ijiikau 'J,s 

Die  Fauna  dea  Tegels  von  Lukau 2!> 

Ziegenfuas ;!0 

Landakron 30 

U  »ter-  imd  Ober-Johnsdorf :!;! 

Rothwaaser 34 

Jockeladosf 87 

Wetzdorf 37 

Bohmiach-Trtibau ;i8 

Schirmdorf  (Dorf) ;!9 

Wildenschwert 41 

)l(!  Gtebiete  dor  brackischen  Tegel .  48 

Abtsdorf 44 

Die  Fauna  aus  dem  Tegel  der  Austcmschalen 46 

Die  Fauna,  des  Tegels  unfcer  der   Austernbank  . 4? 

Die  Fauna  des  Tegela  fiber  der  Austernbank 48 

Vei'gleicbende  Uebersicht  dor  Faunen  der  Abtadorfer  Tegelbanke 48 

Ivybnik 60 

Triebitz SI 

Die  Fauna  der  uuteren  Tegelbank 54 

Die  Fauna  der  oberen  Tegelbank 5!"> 

Vcrgleichendes  Verzeiohnis  der  Faunen  der  Triebitzer  Tegel B6 

Schirmdorf  (beim  Kisenbahnviaduct) r>7 

^      Fauna  des  Sohirmdorfer  Tegels 5i) 

ebersichtliches  Verzeichnia    der  brackiachen  Faunen 60 

Scbluss (55 

ebersichtliches  und  vergleicbendes  Verzeichnia  der  Faunen  aus  dem  ostbohmiachen  Miocaea  69 

"isches  illustrirtes  Verzeichnia  der  fossilen  Arten 7,; 


SU   XV   E  ITER,     BAN  D. 

Zweiter  Theil. 

III.  Botanische  Abtlieilung.    Dieselbe  euthalt: 

Prodromns  der  Flora  von  Bohmen  von  Prof.  Dr.  Ladislav  Celakovsky  (II.  Theil). 
(Vergritt'en.)  Preis fl.  260 

IV.  Zoologische  Abtlieilung.    Dieselbe  enthalt: 

a)  Prof.  Dr.  Ant.  Fric:     Die  Wirbelthiere  Bohmens. 

V       »         x         D  „         Die  Flussf'iscberei  in  Bohmen. 

c)      n         *         „  „  Die  Krusteiithiere  Bohmens.    Preis fl.  3-— 

V.  Chemische  Abtlieilung. 

Prof.  Dr.  Em.  Boficky:    tlber   die  Verbreitung  des  Kali  und  der  Phospliorsiiu  re 

in   den  Gesteinen  Bohmens.     Preis 60  kr. 

ireisder  ganzen  zweiten  Halfte  des  zweiten  Bandes  (III.,  IV.  u.  V.  Abth.  zusammen)  geb.  fi.  5  — 

I>  B,  I  T  T  E  It     B  A  N  D. 

I.  Topographische  Abtlieilung. 

»  eizeichuiss  der  in  den  J.  1877 — 1879  vom  k.  k.  mil.-geogr.  Institut  trigo  no  m  e  tri  s  eh 
bestimmten  II 6  h  e  n  von  Bohmen  heransgegeben  von  Prof  Dr.  Karl  Kofistka  und 
Major  R.  Daublebsky  von  Sterneok 11.  1-80 

II.  Geologische  Abtlieilung. 

J-  Heft.  Petrographi  s  che  Studien  an  den  Ph  onolithges  teinen  Bohmens  von 
Prof.  Dr.  Em.  Boficky.   Preis      . fl.  1  — 

'•  Deft.  Pe tr ographische  Studien  an  den  M  elaphyrgesteinen  Bohmens  von 
Prof.   Dr.   Em.   Boficky.    Preis fl.  1  — 

"•  Heft.  Die  Gcologie  des  bohmischen  Erzgebirges  (I.  Theil)  von  Prof.  Dr. 
Gustav  Laube.    Preis fi.  2-— 

III.  Botanische  Abtheilung. 

J'lodromus  der  Flora  von  Bohmen  von  Prof.  Dr.  Ladislav  Celakovsky.  (III.  Theil 
Schluss.)   Preis fl.  2"40 

IV.  Zoologische  Abtlieilung. 

.V  Heft.     Die  Myriopoden  Bohmens  von  V.  V.  Bo  sick  y.    Preis 60  kr. 

J-  Heft.     Die  Cladoceren  BOluneiis  von  Bohuslav  Hellich.    Preis fl.  1'60 

V.  Chemisch-petrologische  Abtlieilung. 

'emente  einerneuen  chemisch-mikroskopischen  Mineral-  und  Gesteinsanalyse 
von  Prof.    Dr.  Boficky.    Preis   .     • fl.  140 

V  I  E  R,  T  E  B.    BAND. 

°-  1.    Studien    im    Gebiete    der    bohmischen    Kre  ideformation.     Die    Weissen- 
j,  berger  und  Malnitzer  Schichten  von  Dr.  Anton  Fric.     Preis fi.  3-  — 

•  *•  Erlftuterungen    zur    geologischen   Karte    der   Umgebungen   von  Prag  von 
„      _     J.  Krejci  und  K.  He  1  m hacker .    .    fl.  4-50 

•  ».  Prodromns    der    Flora    von    Bohmen    von    Prof.  Dr.    Ladislav    Celakovsky 
^  (IV.  Theil.)     Nachtrage  bis  1880.     Verzeichniss  und  Register fl.  2  40 

'•  4.    Petro  1  ogische    Studien    an   den    Porphyrgesteinen    Bohmens   von   Prof.   Dr. 
No    r    Em.  Boficky  und  Jos.  Klvana fl.  1-80 

•  6.    Flora  des  Flussgebietes  der  Cidlina  und  Mrdlina  von  Prof.  Ed.  Pospichal. 

'•  6.    Der  H  angend  flotzzug  im   Schlan-Bakonitzer  Steinkohlenbecken  von  Carl 
Feistmantel fl.  2- 

f  Cr  n  f  t  e  r    b  a  n  d. 

"'  F    Erlauternngen   zur  g e o  1  o g i s ch e n  Karte  d e s  E i s e n g e b i r g e s  (2, e  1  e z n e  h o r y) 

und  der  angrenzenden  Gogenden  im  bstlichen  Bohmen  von  J.  Krejci  und 

No    9    a"  Helmhacker    ... fl.  2-— 

•  ■•   Studien     im    Gebiete    der     bohmischen     Kreidef ormation.     III.    Die    Iser- 

No    q    schichten.    Von    Dr.  Anton  Fric fl.  3  — 

No    1    "-e  m'tteH)0nm-  Steinkohlenablagerung  von  Carl  Feistmantel     .    .  fl.  1/20 
No    t'   ^'e  ^je',ermoose  (Musci  Ilepatici)  Bohmens  von  Prof.  Jos.  Dedecek.  fl.  1'  — 

■  "■   Orographisch  -  geotektoni  s  che    Ubersicht     des     silurischen    Gebietes     im 

No    s>    J?'tt'eren  Bohmen.    Von  Johann  Krejci  und  Karl    Feistmantel  .    .    .    .  fl.  2* — 

o.   Prodromns  der  Algenflora  von  Bohmen.    I.  Th.  Von  Dr.  A.  Hansgirg.    fl.  1*40 


No.  l. 


Nu. 
No. 

2. 
3. 

No. 

4. 

No. 

5. 

No. 

6. 

S  E  O  H  S  T  E  R,     13  A  N  I>. 

Uber  die  Torfmoore  BOhmens  in  naturwissenschaft  lich  e  r  u  ml  nationa  1- 
6 k o n o m i s ch  e r  Beziehung  m i  t  Berucksi&htigung  der  Moore  dor  N a c  h  b  a  r- 
lander.  Von  Dr.  Fr.  Sitensky.  I.  Abth.  Naturwissenschaftlicher  Theil.    .    .    .  fi.     2-80 

Die  Susswasserbryozoen  Bohmens.    Von  Jo  sef  Kafka fl.     120 

Grundzage  einer   HyStographie  ilea   KOnigreiches  Bohmen.    Von   Dr.  F.J. 

Stud  ii  i  (ikn fl.      j-50 

Geologie   des   bohmischen  Erzgebirges.    II.  Theil.    Von  Dr.  Gustav  C.  Laube. 

fl.    2-50 
Untersuchungen    iiber   die  Fauna   der  Gewasser   Bohmens.    I.  Metamorphose 

der  Trichopteren.  I.  Serie.   Von  Fr.  Klapalek fl.     f-20 

Prodromus  der  Algenflora  von  Bohmen.  I.  Th.  Forts.  Von  Prof.  Dr.  An  to  n 
Hansgirg fi.    •{•_ 


SI  I  E  B  E  PSf  T  E  R,    BAND. 

No.  1.  Die  Flechten  der  Umgebung  von  Deutseh  brod  von  Jos.  Novak.  .  .  fl.  1.— 
No.  '2.    Studieu  im  Gebiete    der  bohmischen   Kreideformation.   IV.  Die  Teplitzer, 

Schichten     Von  Prof.  Dr.  Ant.  Fric        ff.     ;$• — 

No.  3.   Tiber    die   chemische    Zusammensetzung   verschiedenfir  Ackererden  und 

Ge  steine  liiiliraeu's    und   iiber   ihren   agronomischen    Worth.     Von   Dr.  Jos. 

II  an  am  an  n ff      2 — 

No.  4.  Die  tertiaren  Land-  und  Susswasser-  Conchy  lien  des   nordw    B  Oh  men  von 

Gottlieb  Klika v ff.    240 

No.  5.  Die  Myxomyceten  Bohmens  von  Dr.  Lad.  CelakoYSky  (Sohn)  .....' fl.'  1*20 
No.  6.   Geologische  Karte   von   Bohmen.    Section  VI.    Entworfen  von  Prof.  J  oh.  Krejoi 

Mit  Erlauterung  von  Prof.  Dr.  A.  Fric.   Preis fl.    2-20 

A  C    II  T  E  IX      B  A  IN   O. 

Ubcrsicht    der   Thatigkeit   der   naturw.   L  andesdur  chf  ors  ch  u  ng   v.   J.     1804 

bis  1890  von  Prof.  Dr.  K.  Kofistka  .    .  fl.  —  W 

Untersuchungen  der  Fauna  d.  bohm.  Gewasser.   II.    Fauna  d.  bbhm.   Teiche 

von  Jos.  Kafka fl.     j-o() 

Monographic  der  Ostracoden  Bohmens.  Von  Wenzel  VaVra    .   '    !    '.  fl.    260 
Prodromus   der   Algenflora   von   Bohmen.    Zweiter  Theil.    Von  Prof.  Dr.  Anton 

Hansgirg fl.     3'— 

Reeente  und  fossile  Nagethiere  Bohmens.  Verfasst  von  Josef  Kafka,    fl.    2.20 


No.  1. 

No.  '2. 

No.  3. 

No.  4. 

No.  5. 

No.  fi. 


Untersuchungen   iiber   die  Fauna  der   Gewasser    Bohmens.    I.  Metamorphose 
der  Trichopteren.  II.  Serfc.     Von  Prof.  Fr.  Klapalek fl.     P80 

N  E   CJ  NTEH      HAND. 

No.  1.   Studien    im    Gebiete   der    bohmischen    Kreideformation.    V.     Priesene 

Schichten.     Von   Prof.    Dr.  Ant.  Fric ...  fl.    3'  — 

No.  2.   Untersuchungen  ii  !>  or  d  i  e  Fauna  d  er  Ge  was  s  or  Bohmens.  IV.'  Die  Thierw  e  1 1 

des  Unterpocernitzer   und    Gatterschlager  Teiches    als  Resultat   der  Ar- 

beiten    an   der   ii  b  e  r  t  rag  bar  e  n   zoologischeu   Station.     Verfasst  von  Prof.  Dr. 

Ant.  Fric  und  Dr.  V.  Vavra fl.     .'! 

No.  3.   Das  Moldauthal  /.  wischen  Prag  und  Kralup.  Eine  petrograph.' Studio  ron  Josef 

Klvafia ....       .......  fl     1"50 

No.  4.   Die  chemischeBeschaffenheit  der  fliessenden  Gewasser' BOhmens.  I.  Theil. 

Bydrochemie  des  Egerflusses.    Von  Dr.  Jos    Hanamann fl     1-50 

No.  fi.   Geologische  Karte  von  Bohmen.   Section  III.  Entworfen  von  Prof.  Dr.  Ant.  Fric 

und  Prof.  Gustav  C.  Laube ff.     250 


E    It       IS   A  1ST  E>. 

Section  II.    Entworfen  von   Prof 


>■:  E  1 1  N    r 

No.  1.  Geologische  Karte  von  BOhmen.  Section  II.  Entworfen  von  Prof.  Dr.  An  Fric 
und  Prof.  Dr.  Gustav  C.  Laube II  '    2*86 

No.  2.    Das  ostbOhmische  Miocan  von  V.  J.  Prochtlzka      ....  .       .       "   !   ."  fl,"      3'— 

No.  8.  Untersuchungen  aber  die  fauna  der  Gewasser  Bohmens.  III.  Untersuchung 
zweier  BOhmerwaldseen,  des  Schwarzen  und  des  Teufelssees.  Durchgefahrt  auf  <}<■>■  aber- 
tragbaren  zoologischeu  Station.     Von  Prof.  Dr    Ant.  Fric  und  Dr.  V.  Vavra  .fl     2*50 

Nr.  4.  Studien  im  Gebiete  der  bOhmichen  Kreideformation.  VI.  Die  Chlomekerr 
Schichten.    Von  Dr.  Ant.  Fri6 A.  3  — 

Nr.  5.  Die  chemische  Beschaffeoheit  der  fliessenden  Gewasser  '  Bohmens. 
[I.  Theil.   Hydrochemie  der  Elbe.    Von  Dr.  Jos.  Hanamann fl.  ISO 

E  i  L  F    r  1 :  1 1    is  A  n  r>. 

Nr.  4.  Geologische  Studien  aus  SttdbOhmen.  I.  A  us  do  m  bOhmisch-m  fthrischen 
Hochlande.    Das  Gebiet  der  Oberen   Nuzarka.    Von  J.  N.  "Woldfich.fi.  2'50 


Mrnok  von   Dr.  Kd. 


Or6(fr  In   I*rag  1900    —   SolbstTorlsp;. 


MUS.  COMP.  ZOOL 


Slc/f 


DAS  ARCH  IV 

ftir  die 

Qatiirwissenschaftliche  Landesdurchforschung  von  Bohmen 

I.  bis  V.  Band :   Redaktion  von  Prof.  Dr.  K.  Kofistka  und  Prof.  J.  Krejci, 

VI.  Band   u.    s.   w. :   Redaktion   von  Prof.  Dr.  K.  Koristka   nnd  Prof.  Dr.  A.  Fric. 

cntlllit  folgeniio  Arbeiten : 

E  JE*  S  rr  E  Ft     BAND. 

I.  Die  Arbeiten  der  topographischcn  Abtheilung  nnd  zwar: 

a)  Das  Terrain  und  die  Ilohenverhaltnisse  des  Mittelgebirges  und  des 
Sandsteingebirges    im    nordlichen    Bohmen    von    Prof.    Dr.    Karl    Kofistka. 

b)  KrsteSerie  gemessen  or  Hob  enpunkte  in  Bobmen  (Sect.-Blatt  II.)  von  Prof. 
Dr.  Kofistka. 

c.)  Hob  ensehichtenkarte,  Section  IT.,  von  Prof.  Dr.  Kofistka.  Preis  fi.  4-— 
Preis  der  Karte  app fi.  1*60 

II.  Die  Arbeiten  der  geologischon  Abtheilung.    Dieselbe  enthalt: 

a)  V  orbemerkungcn    oder    allgemeine    geologische   Verhiiltnisse    des   nord- 
lichen   Bobmen   von   Prof.   J  oh  anil    Krejci. 
/-jSt udien    im   Gebiete   der   biilim.    Kreideformation   von  Prof.   J.  Kreici- 

c)  I'n  liion tologische  Untersuchungen  der  einzelnen  Schichten  der  bohm- 
Kreideformation    u.  s.  w.   von  Dr.    Anton   Fric. 

d)  DicSteinkohlenbocken  von  B,adnic,  vomHuttenmeisterKarlFeistmantel. 
Preis n.  4-50 

III.  Die  Arbeiten  der  botaniscben  A!  thcilung,    Dieselbe  entbalt: 

Prodromus    der  Flora   von  Bobmen  von  Dr.  Ladislav  Celakovsky.    (I.  Theil.) 
(Vergriffen.)  Preis fl.  V— 

IV.  Zoologische  Abtheilung.     Dieselbe  enthalt: 

a)  Verzeiehniss  der  Kiifer  Bohmens  vom  Conservator  Em.  Lokaj. 

b)  Monographic  der  Land-  und  Siisswassermollusken  Bohmens  vom  Assi- 
stenten  Alfred  Slavfk. 

c)  Verzeichniss  der  Spinnen  des  nordlichen  Bobmen  vom  Real-Lehrer 
Fmanuel   Bart  a.     Preis fi.  'Z'~~ 

V.  Chemische  Abtheilung.     Dieselbe  enthiilt: 

Analytische  Untersuchnngen  von  Prof.  Dr.  Hoffmann.    Preis 25    kr. 

Preis  des  ganzen  I.  Bandes  (Abth.  I.  his  V.)  geb fi.  9'— 

rS>  W  E  I  T  E  Ft    13  A  N  o. 

Erster  Theil. 

I.  Die  Arbeiten  der  topographischen  Abtheilung  und  zwar: 

a)  Das  Terrain  und  die  Hohenverhiiltnisse  des  Isor-  und  des  Riesen- 
gebirges  und  seiner  siidlichen  un  d  ostlichen  Vorlagen  von  Prof.  Dr.  K  ar 
Kofistka. 

h)  '/,  weite  Serie  gemessener  Hob  enpunkte  in  Boh  men  (Sect.-Blatt  III.)  von  Pro! 
Dr.  Kofistka. 

e)  IT  6  h  e  n  s  ch  i  ch  t  e  n  k  a  r  t  e,  S  e  c  t  i  o  n  III.,  von  Prof.  Dr.  Kofistka. 

rf)  Hob  euscb  ichtenkarte  des  Rie  sengebirges  von  Prof.  Dr.  Kofistka  Preis 
dieser  Abtheilung • A-  4;>" 

II.  Die  Arbeiten  der  geologischen  Abtheilung.    I.  Theil  enthalt: 

a)  Prof.  Dr.  Ant.  Fric:  Fauna  der  S  teinkohlenf  o  rmation  Bohmens. 

b)  Karl  Feistmantel:  Die  S  teinkohlenbeckcn  bei  Kl  ein-Pf  ilep,  Lisek,  Stilec, 
Holoubkow,   Mire  schau  und  Lo  tkow.  , 

c)  Jos.  Vala  und  R.  Helmhacker:  Das  Kisensteinvorkommen  in  der  Gegen<' 
von   Prag   und   Beraun.  , 

d)  R.  Helmhacker:  Geognostiscbe  Beschreibung  eines  Theiles  der  Gegen" 
zwischen    Beneschau  und  der  Sazava.     Preis fl-  *" 

II.  Theil  entbalt: 

Dr.  Fm.    Boficky:    Pe  trogr  aphiscb  e    Studien   an    don   Basaltges  teinen   BOhmen 

Preis         A-     ;  ";' 

Preis  der  ganzen  ersten  Hftlfte  des  zweiten  Bandes  (f.  und  II.  Abtheilung  zusammen)  geb.  fl.   •*'  " 


UNTERSUCHUNGEN 


UBER  DIE 


FAUNA  DER  GEWASSER  BOHMENS. 


in. 


Untersuehung  zweier  Bohmerwaldseen,  des  Sehwarzen 
Sees  und  des  Teufelssees. 

I  )urchgefUhrt 

auf  der  iibertragbaren  zoologischen  Station 


Prof.  Dr.  Ant.  Fric  und  Dr.  V.  Vavra. 


Mit  vielen  Abbildungen  im  Texte. 


V-A.rohiv  der  natu-rwissenschafbliohen.  Laudesdurohforsohung  von  Bohmen.) 

Band  X.    Nro.  3. 


PRAG. 

DRUCK  VON  Dr.  EDV.  GRfiGR.  —  KOMMISSIONS-VERLAG  VON  FR.  RIVNAC. 

1897. 


Einleitung. 


Die  Sec 


Seen  des  Bohmerwaldes  iibten  gewiss  von  jeher  auf  jeden  Freund  un- 
seres  Vaterlandes  einen  besonderen  Zaubcr  aus  und  umsoinehr  auf  den  Natur- 
orscher,  der  in  ihren  der  Sage  aach  unergriindlichen  Tiefen  grosse  ScMtze  aus 
<lcr  Thierwelt  vermuthete. 

Die  landschaftlich    prachtvoUe  Lage  dcrsolben  rief  mancbe  begeisterte  Schil 
aerungen  he 
die  Tin, 


tnt 


rvor,  auch  wurde  ilire  Grosse  und  Tiefe  oberflfichlich  untersucht,  aber 
>rwelt  blieb  lange  unbekannt. 
Als  beim  Beginne  der  zoologischen  Arbeiten  der  Landesdurcliforschung  Vieles 
el'essante   besonders   an  Crustaceen   in   den   verschiedenen    Gewiissern   Bohmens 
fleckt  wurde,  da  entschlossen  wir  uns  auch  einen  Versuch  der  Untersuchung  der 
mlll"«waldseen  in  Angriff  zn  nehmen. 

Iffi  Juni  1871  begannen  Dr.  A.  Fric,  B.  Hellich  und  unser  Diener  Jos.  Stiaska 
Lisenstein  aus  Ausfltlge  zu  machen,  und  zwar  wurde  am  14.  Juni  der  Teufel- 
see  «nd  am   is.  der  Schwarze  See  untersucht. 

Dies  geschah   auf  einem  nur  aus  einigen  Kliitzen    verfertigten  Floss  mittelst 
ss  Ketschors   aus  grober  Leinwand.     Die  Bcute  wurde  theils  an  Ort  und  Stelle 
u>1  Setnan,    theis  lebend  in  das  cine  Stunde   weit  entfernte  Seeforsterhaus 
b  tragen  und  dort  inikroskopirt. 

do     r       <^esem  Tage  wurde  zum  erstenmale  an  einem  Siisswasser  die  Fauna  nach 
"  Regionen,  der  Lage  und  Tiefe  untersucht. 

uru   die    Tiefenverhaltnisse   wurden    einigermassen    sichergestellt   und   zwar 

grosste  Tiefe   vor   der   Seewand   auf  120'  sowie   die   allmahlige  Abnabme   der- 

gegen  den  Abfluss  hin  constatirt. 

Uber  die  interessanten  Resultate  berichtete  Dr.  Fric  bereits  am  15.  Juli  1871 

(jj     > ,         U11K   der  kirn,  bohm.   Gesellschaft   der  Wissenschaften  zu  Prag  und  da 

,l(l         v  °ine  Aufsatz  wenig   bekannt  und  schwer  zugiinglich  ist,    reproduciren  wir 

en  SOw*-it  er  den  Schwarzen  See  betrifft,  wie  "folgt: 

inteh'iK  ^oe'   Dieser  gr^SSte   und  schiinste  aller  Bohmerwaldseen  hat 

^i  ialb  der  Seewand   an  inanchen  Stellen  bis  120'  Tiefe,   in  der  Mitte  etwa  60' 
Und  a  '  i?    ^eSengesetzten  Ende  gegen    die  Schleusse  hin  wird  er  iinmer  seichter 
eichter,  so  aass  er  da  oft  nur'  iq— 15'  Tiefe  hat. 

l* 


die 
selben 


Fischt  man  am  Ufer  stehend  mit  dem  SchSpfnetze  die  reinen  unbewachsenen 
Stellen  ab,  so  fangt  man  den  grossaugigen  Polyphemus  oculus  dann  Cyclops  coro- 
natus1),  Cyclops  minutus1),  Diaptomus  castor2)  und  zahlreiche  Cyclopsbrut. 

Ms  wir  auf  dem  Floss  iiber  den  See  hintlber  fuhren,  lieferte  die  Oberflache1 
Diaptomus  castor2),  Cyclops  coronatus  •''),  Cyclops  minutus8)  Claus,  Bosmina  longi- 
spina4)  und  zahlreiche  Cyclopsbrut.  Alle  diese  Arten  waren  von  auffallend  leb- 
hafter  rother  Farbe. 

Das  grosse  Schopfnetz  in  einer  Tiefe  von  3'  unter  dem  Wasserspiegel  gehalten, 
erschien  etwa  nach  5  Minuten  mit  einer  gallertigen  Masse  angefullt,  die  das  A.us- 
sehen  von  gekochtem  Sago  oder  von  farblosen  Fischroggen  hatte.  In  ein  Gins  mil 
Wasser  gethan,  liess  sich  die  Masse  als  Tausende  von  Individuen  des  Uolopediur" 
gibberum  erkennen,  unter  denen  fast  gar  koine  der  anderen  kleinen,  den  See  be- 
wohnenden  Arten  sich  befanden.  Die  ganze  unzahlbare  Menge  waren  lauter 
Weibcben. 

Dadurch  aufgemuntert,  liessen  wir  das  grosse  Schopfnetz  zu  einer  Tiefe  vofl 
circa  15—20'  auf  einem  Seil  berab  und  fuhren  dann  iiber  den  See  der  Lange  nach 
hiniiber.    Wier  erhielten  wieder  lauter  Holopedium  gibberum  (Weibchen). 

Als  das  Netz  spater  auf  die  Tiefe  von  60'  herabgelassen  wurde,  enthielt  es 
fast  lauter  grosse  Daphnia  pulex8)  und  longispina 6)  und  nur  einige  wenige  Holo- 
pedien,  welche  beim  Heraufziehen  durch  die  hdheron  Wasserschichten  mogen  hinein- 
gekommen  sein,  jedenfalls  scheinen  die  Daphnien  die  alleinigcu  Bewohner  del 
grossten  Tiefen  des  Schwarzen  Sees  zu  sein.  Sie  zeichnen  sich  von  den  an  del' 
Oberflache  vorkonnnenden  Arten  durch  Farblosigkeit  aus. 

Stellt  man  sich  die  Vertheilung  der  verschiedenen  Crustaceenarten  des  Sees 
tabellarisch  zusammen,  gewinnt  man  nachfolgendes  Bild : 


0  b  e  r  fl  a,  ch  e. 


Polyphemus  oculus 


Cyclops  Bosmina 

minutus,  coronatus       longispina 


Polyphemus  oculus 


Diaptomus  castor 


Diaptomus  castor 


Holopedium   gibberum 
3—20' 

Daphnia  pulex  et  longispina 
40—60'. 

Es  ware  sehr  zu  wiinschen,  dass  der  See  zu  verschiedenen  Jahrcszeiten  grundh0 
nach  Crustaceen  hin  untersuclit  werden  mochte;  derm,  abgesehen  von  dem  wissei1' 


')  Cyclops  fubcus,  Cyclops  serrnlatus. 

a)  I),  denticornis  Wiera. 

8)  Cyclops  strenuus.     ')  Bosmina  bonemica. 

6)"j  Daphnia  ventricosa. 


schaftlichen  Interesse,  haben  besonders  die  Holopedien  wegen  ihrer  ansehnlichen 
Grosso  als  Fischnahrung  eine  praktische  Bedeutung.  Icli  wtisste  mir  in  der  That 
nicht  recht  zu  erklaren,  wovon  die  jungen  Forellen  leben  sollten,  falls  sie  diese 
Crustaceen  verschmahen  mdchten. 

Von  Insecten  fanden  wir  itn  Wasser  bloss  zablreiche  Pliryganeaenlarven,  dann 
Cyrinus  natator,  Hydroporus  palustris,  un  auf  der  Oberflache  zwei  Hydrometra- 
Arten. 

Ausserdem  ftlllte  sich  gewohnlioh  das  Sehopfnetz  mit  verschiedenen  Kafern, 
(,ie.  von  den  uberhangenden  Baumen  in's  Wasser  gefallen  sind. 

Die  Wttrmer  waren  sparsam  (lurch  zwei  Blutcgcl  vertreten:  Nephelis  vulgaris 
"nd  Aulacostoma  gulo. 

Bei  Vergleich  mit  dem  jetzigen  Stand  der  Fauna  wird  es  zu  ersehen  sein, 
Wie  sehr  sich  die  Verhaltnisso  in  beiden  Seen   nach  25  Jahren    verandert   haben 

CCber  die  Untersuchung  der  iibrigen  Bohmerwaklseen  berichtete  Prof.  Dr.  Fric 
n»  Jabre  1873  am  21.  Miirz  ebenfalls  in  den  Sitzungsber.  d.  k.  b.  Ges.  der  Wissen- 
schaften.) 

Einige  Jabre  spiiter  sandte  die  naturhist.  Section  des  Museums  iiber  rneinen 
Antrag  zwei  jiingere  ,Kr;ifte  nach  dem  Bohinerwalde,  daniit  sie  die  Arbeiten  an 
den  Seen  fortsetzen,  dieses  fiihrte  aber  zu  keiner  Publication. 

B.  ilellich  arbeitete  spiiter  eingehend  an  dem  von  uns-  mitgebrachten  Mate 
"ale  und  berichtet  in  seinem  Werke:  Die  Cladoceren  Bohmens  auf  Seite  120  iiber 
'•ie  Cladoceren-Fauna  der  Bohmerwaldseen. 

tm  Jahre  1887  brachtc  W.  V.ivra  einige  Proben  aus  dem  Schwarzen  See  und 
(|<>1"  Teufelsee  mit,  von  welchem  Materiale  im  speciellen  Theile  eine  Erwiihnung 
Semacht  werden  wird. 

Bn  Ganzen  konnte  von  einer  Kenntniss  der  Fauna  der  Seen  mit  Ausnahme 
('ei'  Crustaceen  keine  Rede  sein  und  erst  als  die  ubertragbare  (oder  audi  „flie- 
Sende")  Station  ins  Leben  gerufen  wurde  und  an  zwei  Teichen*)  gute  Dienste 
"lil(,hte,  entschlossen  wir  uns,  dieselbe  an  das  I  Her  des  Schwarzen  Sees  zu  stellen, 
w<)  sie  fast  4  Jahre  unseren  Arbeiten  die  erspriesslichsten  Dienste  envies  und  iiber- 
lauPt  eine  solche  Untersuchung,  wie  iiber  dieselbe  in  diesem  Buche  berichtet  wird, 
m°glich  machte. 

Mit  den  Resultaten  sind  wir  nur  theilweise  zufrieden,  denn  wir  erwarteten  bei 
s°  intensive,!-  Arbeit,  wie  wir  sie  vornahmen,  viel  mehr  und  waren  iiberrascht  von 
dein  Verschwinden  mancher  Arten  oder  deren  Abnahme  im  Vergleich  zu  der  ersten 
^"tersuchung.  Das  6ftere  bedeutende  Wechseln  des  Wasserspiegels,  die  Besetzung 
(les  Sees  mit  Fischen  mogen  darauf  Einfluss  gehabt  haben. 

Wahrend  dieser  4  Jahre  besuchte  ich  mit  Dr.  Viivra  die  Station  achtmal  in 
^°u  Monaten  Mai  bis  November.  Wir  arbeiteten  daselbst  im  Ganzen  64  'Page  und 
l'achten  der  Sache  viele  Opfer  an  Zeit  und  Bequemlichkeit. 


forScl 


Dr.  A.  Fric  und  Dr.  V.  Vilvra. 
ng-    Band  IX.    Nro  2. 


Untersuchung  zweier  Teiche.    Arcliiv  fur  Landesdurch- 


6 


Wie  bei  den  Schilderungen  der  oben  erwlilinten  Teiche  wollen  wir  zur  Ver- 
vollstandigung  des  Bildes  auch  hier  eine  kurze  Schilderung  dor  Flora  und  Fauna 
der  Umgebung  der  Seen  voranschicken  und  einige  Daten  zur  Frage  liber  die  Ent- 
Btehung  der  Seen  beifugen. 

Durch  Bearbeitung  einzelner  Partien  forderten  uns  Prof.  Dr.  Hansgirg,  Di- 
rector K.  Steinich,  K.  Polak  und  Dr.  K.  Hanamann. 

Die  ftirstl.  Hobenzollernscbe  Domanenverwaltung  gestattete  freundlichst  fiber 
Ansucbcn  des  Comitds  fiir  Landcsdurcbforschung  die  Aufstellung  der  Station  am 
See  und  wies  die  Forstverwaltung  an,  uns  nacli  Kraften  zu  unterstlitzen.  Dies 
geschah  voni  Herrn  Oberforster  JuJ.  Konuirek  aufs  ausgiel)igste,  wofiir  wir  ihffl 
den  besten  Dank  aussprechen. 


Transport   und  Aufstellung   der  fliegenden  Station,   und  Auszug  aus 

dem  Tagebuche. 


Nachdem  die  Station  vom  Ufer  des  Gatterschlageiteiches  mtlhevoll  per  Axe 
bis  auf  den  Bahnhof  in  Neuhaus  gebracht  wurde,  fiilltc  sie  hier  einen  Waggon,  der 
■hi  Gewichte  von  1500  kg  als  Eilgut  nach   der  Station   Spitzberg  gesandt  wurde. 


Fig.  i.     Die  fliegende  zoologische  Station  am  Ufer  des  Schwarzen  Sees.  1892-96. 

^i''  reisten  nach  und  fanden  denselben  bei  unserer  Anknni't  in  Spitzberg  sclion 
^m  Platze.  Auf  zwei  Fuhren  mit  Ochsengespann  brachte  man  bis  2  Uhr  Alles  zum 
Ufer  des  Sees  und  bis  4'7,  Uhr  Nachmittag  stand  das  Hiiuschen  fertig  da,  zur 
b Iossten  Uberrascliung  der  Holzarbeiter,  die  bier  passirten. 


8 

Die  Ebenung  des  Terrains  machte  bei  der  blockigen  Beschaffenheit  sehr  viel 
Mtthe,  Alte  Baume  mussten  beseitigt  und  grosse  Blocke  gesprengt  werden.  Wegen 
der  Feuchtigkeit  des  Bodens  wurde  ein  gemauerter  Sockel  angefertigt,  auf  den- 
selben  ein  Holzrahmen  gelegt   und  erst  aut'  diesen  die  Station  aufgestellt  (Fig.   I)- 

Fur  die  Durchfiihrung  dieser  Vorbereitungen,  welche  mehr  als  eine  Woche 
in  Ansprucli  nahmen,  sagen  wir  der  loblichen  Forstverwaltung  in  Eisenstein  unseren 
besten  Dank. 

Das  Hiiusctien  wurde  niit  den  Fcnstern  nacli  Norden  am  rechten  Ufer  des 
Sees  aufgestellt  und  spater  zum  Schutze  gegen  neugierige  Tonristen  mit  einem 
Verhau  umziiumt. 


Auszug  aus  dem  Tagebuche. 

181)2.    Genehmigung  der   Aufstellung  der  zool.   Station    am    Ufer    des    Schwarzen 

Sees. 
26.  VIII.  Excursion>um  Schwarzen  See  belrafs  Aut'tindung  des  Platzes  zur  Aufstellung 
der  Station. 

29.  VIII.  Commission  mit  Herrn  Obeifiirster  Komarek.     Genaue   Bezeichnung  des 

wo  die  Station  aufzustellen  ist. 

Versuche  mit  Planktonfischen  ergaben  Holopedium  und  Polyphemus. 

30.  VIII-  Orientierungsausnug  zum  Teufelssee,  behufs  Constatirung  der  Verhaltnisse, 

unter  denen  daselbst  gearbeitet  werden  ki'mnte. 

3.  X.  Ubersiedlung   der  Station   vom  Gatterschlager   Teiche  nacli    dem    Bahnhofe 

Neuhaus. 


4.  X.    Reise  nach  dem  Spitzberge. 

5.  X.    Transport  der  Station  vom  Bahnhof  Siiitzberg  zum  Ufer  des  Schwarzen  Sees 

und  Aufstellung  des  Hauschens  in  3  Stunden. 

6.  X.    Erste  Versuche  mit  Tlanktonfischerci. 

27.— 30.  X.     Dr.   Vavra  photografirte   den  stark   entblossten  Seegrund,   da  wegen 
Reparatur  der  Schleuse  urn  2-70  m  der  See  abgelassen  wurde. 
Fauna   sehr   arm,    die  Obertiache   lieferte   auf  etwa    100  m  bios  3  Cyclops 
strenuus. 
Isoetes  Wiesen  gut  sichtbar. 

18!)3. 

18.  7_ — 30.  VII.     RegelmassigeS Arbeit  auf  der  Station. 

Untersuchungen  der  Fauna  in  Abstiinden  von  je  zu  5  bis  zu  4-0  m. 
Messungen  der  Temperatur. 


22.  9.-27.  IX.  Regelm&ssige  Arbeit.  Planctonuntersucbungen.  Temperaturmessungen. 
Durchsicbtigkeit  des  Wassers  bei  Sonnenscbein  auf  2-40  m  constatirt. 
Beobachtungen  der  Fauna  und  Flora  dor  Umgebung  des  Sees. 
Gelegentlich  Tiefenmessungen. 

1894. 

20.— .28.  .liuii.  Normale  Arbeit.  (Verlust  zweier  Tiefennetze.)  Temperatur-  und 
Tiefenmessungen. 

U. — 18.  September.    Normale  Arbeit. 

18«»5.  Im  Jimi  wurde  erne  kleine  Hutte  am  sttdlichen  Ufer  des  Teufelssees  aufge- 
Stellt,  urn  die  Instrumeute,  die  von  der  ttiegenden  Station  heriibergetragen 
wurden,  in  Sicherlieit  bringen  zu  konnen. 

16. — 23.  Juli.    Arbeiten  am  Schwarzen  See  und  am  Teufelssee. 
Temperatur-  und  Tiefenmessungen. 

(Erkrankung  des  Prof.  Fri6  macMe  in  diesem  Jahre  den  abermaligen  Besucb 

des  Bolimerwaldes  unmo'glich). 

1896.  Im  April  wurde  Herr  Hotelier  Prokop  ersucbt  fiber  den  Zustand  des  Eises 
am  Schw.  See  zu  bericbten.  Derselbe  theilte  mit,  dass  der  See  mit  einer 
Eisdecke  von  20  cm  bedeckt  sei,  auf  welchem  58  cm  Scbnee  und  Wasser 
liege. 

Ant's  Eis   konne   man  sich   nicbt    wagon    und    dor  Weg   vom  Honzontalweg 
zum  See  sei  nur  mit  Schneeradern  passirbar. 

Dadurch  zeigte  es  sich,  dass   es  unausfiihrbar  ist,  die  Temperatur  des  Sees 
zur  Zeit,  wo  er  noch  mit  Eis  bedeckt  ist,  sicberzustellen. 

3-— 12.  September.  Arbeiten  am  Teufelssee,  uamontlich  die  Untersucliung  des  Lito- 
rale  und  der  Bodensedimente.  Absendung  von  Wasserproben  a  10  L.  an 
Dr.  Hanamann  in  Lobositz  behufs  chemischer  Untersucliung.  Genaue  Tempe- 
faturmessuncen  des  Schwarzen  Sees.  Ubertragung  dor  Station  oach  Podiebrad. 


°ie  Flora  des  Schwarzen  Sees  und  des  Teufelssees  und  ihrer  Umgebung. 

Von  Karl  Polsik. 

Von  Seite  der  zoologischen  Abtheilung  des  Comite's  flir  die  Landesdurchfor- 
Schung  von  Bohmen  ergieng  an  mich  der  ehrende  Auftrag,  einc  botanische  Skizze 
"llserer  zoologisch  nun  erfovschten  Bohmerwaldseen,  d.  i.  des  Schwarzen  Sees  und 
ll<>s  Teufelssees  zu  entwerfen  u.  z.  in  dem  Sinne,  wie  ich  eine  solche  schon  friilier 
von  dem  Teicbe  in  Unter-roceraitz  entwarf  und  fur  das  „Archiv  der  Landesdurcb- 
torschung«  niederschrieb.] 


10 


Diesera  /Vuftrage  folgend,  unternahm  ich  zu  Pfingsten  1895  einon  Ausflug  zu 
den  genannten  Seen,  urn  auch  den  Charakter  der  Friibjahrsflora  daselbst  kennen 
zu  lernen,  als  mir  die  Sommerflora  jener  Gegend  schon  von  frtiher  her  bekannt  war. 

Der  Schwarze  See  bildet  gewissermassen  ein  von  drei  Seiten  durch  none  Berg* 
wande  eingefasstes  und  daher  stark  beschattetes  Basin  der  von  der  torfigen  See- 
wand  (1343  mii.  d.  M.)  herabsttirzenden,  uamentlich  im  Fruhjahr  ausgiebigen  und 
sich  hier  ansammelnden  Wassormassen  und  fullt  somit  mit  seinem  1008  m  ii.  d.  M. 
gclegencn  Wasserkorper  den  Grand  des  hier  entstandenen  Bergkessels  aus. 

Rundum  ist  der  See  von  Fichtenwald  umgeben,  in  dem  von  anderen  Baum- 
arten  zumeist  nur  die  Buche  hervortritt. 

An  den  meisten  Stellen  tritt  der  Baumwuchs  und  die  Waldflora  bis  dicht  ans 
Wasser  heran  zur  Ansiedelung  einer  eigentlichen  Strandflora  keinen  Raum  lassend. 

Die  hier  in  zusammenhangender  Masse  den  Boden  iiberziehenden  Heidelbeeren 
stehen  bei  hoherem  Wasserstande,  so  namentlich  im  Frtlhjahre,  z.  Th.  im  Wasser, 
bildend  so  eine  unnattirliehe  Strandvegetation  und  wetteifernd  in  der  Behauptung 
des  Terrains  nur  mit  den  saftig  griinen  Polstern  der  Torfmoose.  Selbst  die,  wie 
die  Reste  von  Pfahlbauten  aus  dem  Wasser  ragenden  morschen  Baurastriinke,  be- 
herbergen  eine  ttppige  Eeidelbeervegetation. 

Obzwar  der  Schwarze  See  im  Gebiete  der  Mora,  von  Bohmen  als  Fundort 
zweier  seltenen  Pflanzen  bertthmt  ist  u.  z.  des  interessanten  Sparganium  a/fine  (Fig.  2) 
das  nicht  gar  zahlreich  in  derNiihe  des  Hauptzutrittes  zum  See  wachst  und  dessen 
am  Wasser  fluthende  Blatter  an  jene  von  Glyceria  fluitans  erinnern,  ferner  des  in 
der  Flora  von  Bohmen  so  seltenen  Wasserfarnes,  IsoUes  lacusiris  (Fig.  3)  der  nur 
bei  niedrigem  Wasserstande  dort  zu  entdecken  ist,  so  ist  doch  dieser  See  einer  der 
pflanzenarmsten  Wasserkorper  unserer  Heimat.  tfbertroffen  wird  er  nur  durch 
seinen  Nachbar,  den  Teufelssee,  der  audi  eine  Art  Bergkessel  ausfttllend,  bei 
sonstigem  Pflanzenmangel  auch  diese  zwei  Pflanzen  nicht  beherbergt.  Nur  einmal 
erhielt  ich  von  Dr.  V.  Vavra  ein  Stttckchen  Zanichelia  aus  dem  Teufelssee,  das  er 
bei  seinen  zoologischen  Forschungen  ausfischte,  doch  dtlrfte  die  Pflanze  wolil  nur 
zufallig  durch  Wasservogel  hierher  gerathen  sein,  ohne  sich 

Von  jenen  Wasserpflanzen,  deren  Vorhandensein  fur 
verschiedenen,  als  Fischnahrung  geschatzten  Kerbthiere  so 
mit  Ausnahme  einer  kleinen  Colonic,  von  Glyceria  fluitans 
Man  ware  geneigt  anzunehmen,  dass  der  in  einem  anderen 
Lakka-See,  als  hftufig  angegebene  Potamogeton  rufescens 
wftre,  doch  ist  dem  nicht  so,  denn  Niemand  fand  die  Pflanze  hier.  Selbst  Oalli- 
triche  und  Lemna,  deren  Kxistenz  auch  das  reinste  Quellwasser  zusagt,  konnte 
ich  hier  nicht  entdecken.  Auch  die  an  Gewiissern  welch  immer  Art  seiten  man* 
gelnde  Uferflor'a,  bestehend  aus  Carexstocken,  Juncusarten,  Miinzen  und  Wasser- 
ehrenpreis  u.  ii.  vermisst  man  ganzlich  und  in  dem  Mangel  an  diesen  Pflanzen 
entbehren  auch  vielc  Wasserinsecten,  beziehungsweise  deren  Larven  die  nothigei1 
Schutzpiatze  fiir  ihre  Uberwinterung  und  Kntwickelung,  als  sie  das  WurzelgoflecM 
dieser  Pflanzen  fur  diese  Zwecke  vornehmlich  aufsuchen.  Koin  Schilf  und  kein 
Schilfgras  ragen  am  Ufer  empor  und  nur  die  Moosdecke  ist  da,  wo  es  fur  die 
Heidelbeere  zu  feucht  ist  —  oder,  bei  niedrigem  Wasserstande,  nur  der  Sand. 


angesiedelt  zu  haben. 
die  Entwickelung  der 
wichtig  ist,  ist  hier 
keine  Spur  zu  linden- 
Bohmerwaldsee,  dew 
auch    hier   zu    finder) 


11 


Der  Bohmerwald  stand  schon  seit  jelier  im  Rufe  botanisch  arm  zu  sein.  In 
der  That,  wenri  hier  audi  einige  Pflanzen  vorkommen,  die  im  Gebicte  der  Flora 
von  Bohmen  nur  von  da  verzeichnet  sind  und  an  die  sicli  auch  ein  weiteres  geo- 
graphisches  Interesse  kntipft,  so  gehort  die  Umgebung  dieser  Seen,  mit  Ausnahme 
der  in  dem  Schwarzen  See  vorkommenden  zwei  seltenen  Wasserpflanzen,  zu  jenen 

pnanzenarnien  Localitiiten,  die  ftir  den  Boh- 
merwald so  allgemein  charakteristisch  sind. 
Bei  der  botanischen  Durchfsclmng  dieses 
Gebietes  entstelit  hier  ein  fur    die  Flora 


r"x 


FiQ 


Isoetes  lacustris. 


81  2,  Sparijaniumjaffine.  '/.-.  der  nat.  GrOsse. 
l'hotogr.  Dr.  V.  Vavru. 

"f^issermassen   negatives  Interesse,    indem   man  wahrzunehmen   beginnt,  dass  hier 
eille   Menge   von   gewohnlichen    Pflanzenartcn    fehlt,    die    man   auf  anderen   Loca- 


12 


litaten  untor  gleicher  Hohe  und  an  demselben  Substrat,  gewiss  finden  wtirde,  sei 
audi  dass  dev  Grids,  das  hier  vorkommende  Gestein,  von  vielen  Pflanzenarten  so 
gemieden  wird  wie  dor  rotbe  permische  Sandstein. 

Die  Flora  des  hier  zu  schildernden  Gebietes  gehort  ihrem  hauptsachlichen 
Charakter  nach  zu  unserer  gewohnlichen  Flora  des  Bergwaldes,  doch  untermischt 
mit  Elementen,  die  zur  subalpinen  Flora  gehoren,  so  man  die  Riesengebirgsflora  in 
Vergleich  zieht,  als  dort  dieselben  Arten  in  entsprechen  Hohenlagen  haufig  vor- 
kommen.  Von  diesen,  soweit  in  der  weiteren  Umgebung  des  Sdiwarzen  Sees  vor- 
kommend,  waren  anzufuhren: 

Athyrium  alpestre  (Auf  der  Seewand),  Lunula  maxima,  sehr  haufig  und  oft 
auf  den  schattigsten  Waldstellen,  Homogyne  alpina,  Mulgedium  alpinum  an  Bachen 
mid  Ranunculus  aconitifolius,  audi  haufig;  ferner  ist  eine  kleine  Partie  Legfohre 
(Pinus  pumilio)  an  der  Seewand  und  eine  kleine,  Ereudig  vegetirende  Gruppe  dieser 
Baumart  hart  am  Sdiwarzen  See  hervorzuheben. 

Ausserordentlich  arm  ist  daselbst  die  Flora  desFriihjahrs  und  des  Vorsommers. 
Die  Wahrnehmung,  welch'  eine  grosse  Anzahl  von  gewohnlichen  Waldblumen,  die 
sowohl  der  Ebene  als  dem  waldigen  Berglande  angehoren,  hier  feh.lt,  kommt  urn 
diese  Zeit  am  moisten  zur  Geltung.  Auffallend  ist  hier  der  ganzliche  Mangel  der 
bei  uns  so  weit  verbreiteten  Waldveilchen,  Viola  silvestris  und  Riviniana.  Anch 
keine  der  Friihjahrspotentillen  zferte  hier  den  Waldsaum  und  die  lichten  Gebiische. 
Von  Papilionaceen  und  Cruciferen,  bis  auf  Cardamine  amara  beim  Seeforster,  sah 
ich  hier  auch  keine  Vertreter.  --  Saxifraga  granulata  fehlt  hier  audi  ganzlich  unci 
die  beiden  Chrysosplenium- Arten,  halten  sich  nur  an  der  Thalsohle  und  kominen  am 
Bache,  der  aus  dem  Sdiwarzen  -See  entspringt  aufsteigend,  nicht  bis  zu  diesem 
hinauf.  Hepatica  triloba,  Ranunculus  auricomus,  Galeobdolon,  Lauiium  inaculatum 
nnd  viele  andere  Repraesentanten  der  Waldflora  scheinen  hier  audi  zu  fehlen.  Diese 
Umstande  spredien  dafur,  dass  in  der  relativ  niedrigen  Hohe  des  Sdiwarzen  Sees. 
soldi'  klimatisclie  Verhiiltnisse  herrschen  miigen,  die  nur  wenig  hoheren  Pflanzeu 
zusagen,  wozu  nodi  vielleicht  die  von  vielen  Aiten  gemiedene  Bodenart,  Gneis,  viel 
beitragen  diirfte. 

Wie  sonst  an  rauhen  und  hiiher  gelegenen  Fundorten,  so  holt  audi  hier  die 
Frtihlingsflora  das  Aufbliihen  der  Sommerblumen  ein.  Am  2.  Juni  vorigen  Jahres 
bluthen  im  Waldo  entlang  des  Weges,  der  von  dem  Pensionat  am  Spitzberge  zum 
Schwarzen  See  fiihrt,  beispielweise :  Homogyne  alpina,  Caltha  palustris,  Anemone 
nemorosa,  Viola  palustris,  V.  arenaria,  Oxalis  acetosella,  Soldanella  montana,  Me- 
landryum  rubrum,  Alchemilla  vulgaris  und  noch  wenige  andere.  Luzula  maxima  war 
erst  im  Aufbliihen  begriffen.  Audi  von  den  verschiedenen  gcmeiuen  Waldseggen 
(Carex  digitata,  verna,  etc.)  bemerkte  ich  keine  Art. 

Der  hier  zumeist  sehr  schattige  Hochwald,  (lessen  Boden  mit  einer  Moosdecke 
iiberzogen  ist  die  an  Uppigkeit  ihres  gleichen  sucht,  gewiihrt  zumeist  nur  an  seinen 
lichterenJStellen,  namentlich  am  Rande  Raum  zur'Ansiedeluug  der  Waldflora.  Nur 
einige  BMapparten,  namentlich  Lycopodium  annotinum,  ferner  das  hier  miter  den 
Farnen  hiiufigste  Blechnum  spicant,  bringen  Abwechslung  in  dieses  eintormige,  nicht 
nur  den  Boden,  sondern  alle  Stemblocke  und  felsigen  Erhohungen  rundum  iiber- 
ziehcnde  Grtin  der  schwellenden,  fenchten  Moosdecke.     Da  wo  das  Terrain  fur  die 


13 


Ansiedelung  der  Heidelbeere  gunstiger  war,  ist  sie  das  dominirende  Element.  Die 
dichte  Moosdecke  durchrieseln  stellenweise  kleine  Biiche,  zumeist  nur  Wasser- 
striemen,  die  oft  nach  kurzem  Lauf  sich  in  der  Moosdecke  wieder  verlieren.  Ent- 
lang  dieser  Biichlein  und  an  feuchten  Stellen  siedelte  sicli  Caltha  palustris  in  Menge 
an  zumeist  ohne  mit  einer  anderen  phanerogamen  Pflanze  untermischt  zu  sein  und 
es  contrastirt  dieser  Standort  nicht  wenig  mit  jenem,  an  dem  man  diesc  Pflanze  zu 
sehen  gewohnt  ist,  als  sie  doch  sonst  offene  Wiesen  vorzieht.  Am  2.  Juni  stand 
<Ucse  Pflanze  in  den  Waldern  an  dem  Schwarzen  See  nodi  in  ilirem  vollen  Bluten- 
schmucke.  In  den  tieferen  Lagen,  so  in  den  Waldern  urn  das  Haus  des  Seeforsters, 
weist  die  Flora  eine  grossere  Mannigfaltigkeit  auf,  und  zu  den  bereits  erwahnten 
I'tlanzen  gesellen  sich  noch  Petasites  albus,  Senecio  crispatus,  Circaea  lutetiana 
«•  a.  bei.  Mulgedium  alpinum  komint  am  Bache,  der  durch  den  Abfluss  des  Schwarzen 
x<'os  entsteht,  haufig  vor,  und  steigt  bis  zum  See  hinauf.  —  Von  nicht  bltLhenden 
Pflanzeu  wurden  liier  noch  bemerkt  Polygonatum  verticillatum,  Actaea  spicata  und 
Senecio  fuchsii,  Prenathes  purpurea  u.  a.  Spater  im  Sommer  ist  Trientalis  euro- 
Paea  an  passenden  Stanclorten  haufig  zu  linden.  Sehr  arm  ist  dieses  Gebiet  an 
Hieracien;  auf  meinem  Sommerausfluge  land  ich  hier  nur  H.  vulgatum  und  mu- 
i"orum,  doch  audi  diese  nur  sehr  zerstreut.  An  offenen  quelligen  Stellen  mit  tor- 
Sgem  VViesengrund,  wo  im  Fruhjahre  Pinguicula  vulgaris,  Valeriana  dioica,  Pedi- 
cularis  sylvatica,  Scorzonera  humilis,  Coeloglossum  viride  u.  ii.  bliihen,  ist  spater 
bn  Sommer  Willemetia  hieracioides  zu  finden,  interessant  mit  Rucksicht  auf  unsere 
heimatliche  Flora  dadurch,  als  sie  im  Bohmerwalde  und  dem  angrenzenden  Gebiete 
die  Nordgrenze  ihrer  Verbreitung  in  Europa  erreiclit  und  sonst  nirgends  in  Bohmou 
Welir  zu  finden  ist. 

Wie  bereits  crwahnt,  ist  es  nicht  uninteressant  zu  bemerken,  welche  Pflanzen 
Man  in  den  Wiildern  in  der  Hohe  des  Schwarzen  Sees  vermisst. 

Die  in  unsercn  Bergwiildern  so  massenhaft  vorkommendcn  Fame  Aspidium 
filix  mas  und  Athyrium  filix  femina  mochte  man  als  bier  giinzlich  fehlend  anzu- 
nehnien  geneigt  sein,  wenn  an  dem  westlicben  lifer  des  Sees  auf  berieselten  Felsen 
nicht  einige  Stiicke  wachsen  wurden  u.  z.  in  Gesellschaft  von  A.  oreopteris.  Pteris 
aquilina)  die  doch  gerne  in  Gesellschaft  von  Heidelbeeren  wiichst,  sah  ich  hier 
nb-gends.  Vielleicht  bedingt  es  die  grosse  Feuchtigkeit  der  Wiilder,  dass  sich  dieser 
Fa-rn  selbst  auf  trockeneren  Stellen  nicht  ausiedeln  kann.  Blechnum  spicant  ist 
nier,  wie  bereits  erwahnt,  der  hiiuflgste  Farn,  neben  dem  kommt  recht  haufig,  doch 
ni('bt  ttppig,  Aspidium  spinulosum  und  Phegopteris  Dryopteris.  Sonderbar  auch, 
dass  auch  auf  entsprechenden  Localitiiten  die  Rubusarten  nur  sporadisch  vorkommen. 
^ie  Himbeere  bemerkte  ich  iiberhaupt  nicht  und  von  Brombeeren  fand  ich  zer- 
streut  nur  hie  und  da  einen  Strauch  von  Rubus  glandulosus  und  Rubus  radula.  — 
V°n  Strauchern  fallen  Sambucus  racemosa  und  Sorbus  aucuparia  auf,  bildend  hie 
Ulld  da  das  Unterholz.    Selten  steht  unter  denselben  auch  Lonicera  xylosteum. 

Pemerkenswerth  ist,  dass  die  Ileide,  Calluna  vulgaris,  auch  die  offenen 
Stellen  meidet.  In  der  Uingcbung  des  Schwarzen  Sees  konnte  ich  keinen  Stock 
davon  entdecken  und  weiter  davon  fand  ich  kleine  Colonien.  die  nur  ein  kiimmer- 
Hches  Dasein  fristeten. 


14 

Urn  eiu  botanisches  Bild  dieser  Localitiit  so  im  einzelnen  zu  entwerfen,  dass 
nicht  nur  alle  Pfianzenarten,  die  hier  zu  alien  Jahreszeiten  zu  finden  sind,  aufge- 
zab.lt  werden,  soudern  dass  audi  diejenigen  Arten,  die  fur  unsere  Gebirgswalder 
charakteristisch  sind,  hier  als  fehlend  namhaft  gemacht  werden,  dazu  waren  weit 
mehr  Excursionen  nothig  als  vielleicht  der  Zweck  dieser  fliichtigen  Skizze  bcan- 
sprucht.  Diese  Skizze  genilgt  aber,  dass  die  grosse  Pflanzenarmiit  dieses  Gebietes 
soweit  geschildert  erscbeint,  als  man  darnach  schliessen  kann,  wie  artenann  auch 
die  Insectenfauna  bier  sein  muss,  und  die,  soweit  sie  als  Nahrung  der  in  den  Seen 
lebenden  Fische  in  Betracht  gezogen  werden  kann,  nur  wenig  zur  Geltung  kommen 
diirfte. 


Die  Fauna  der  Umgebung  des  Schwarzen  Sees  und  des  Teufelssees. 

Saugethiere. 

Von  griisseren  Saugethieren  kommen  auf  der  Seewand  regelmiissig  Eehe  vor, 
von  denen  jahrlich  4 — 8  Stuck  erlegt  werden.  Das  Wahrnehmen  eines  Hasen  von 
Seite  der  Touristen  gebort  zu  den  grossen  Seltenbeiten,  dennoch  werden  bei  den 
Jagden  in  der  Umgebung  des  Sees  jahrlich  25—50  Stuck  erlegt,  Diese  Armut 
an  Wild  hangt  mit  dem  rauhen  Klima  und  den  hier  im  Winter  lageruden  unge- 
heuren  Schneemassen  zusammen. 

Vom  Hirschwild  verirrt  sich  zuweilen  ein  Stttck  vom  Kubani  bis  nach  dem 
Spitzberg,    wo    ein  Stuck  bei  der  Baumschule   am  Horizontalwege  gespttrt  wurde. 

Im  Jahre  1894  wurde  ein  lGender  verfolgt,  aber  nicht  erlegt.  Im  17.  Jahr- 
hundert  sprechen  alte  Urkunden  nur  von  „  /iehstuck" . 

Im  Jahre  1754  geschieht  in  eiuem  Vortrage,  mittelst  dessen  Graf  Kolovrat  in 
Deschenitz  die  Waldweide  in  den  See-Waldungen  den  Bauern  von  Eisenstrass 
verpachtete,  die  Erwiihnung,  dass  sie  „von  jedem  Harm  die  Bratxen  und  vom 
Hirschen  den  Ziemer,  was  die  Hirten  abzufiihrr.n  haben",  woraus  zu  schliessen  ist, 
dass  hier  so  wohl  Hirsclie  als  Haren  vorkamen.  Der  Tradition  nach  wurde  1811 
am  siidlicben  Ende  der  Seewand  im  sogenannten  Spiegelwald  ein  Bar  erlegt. 

Von  schadlichen  Saugethieren  werden  im  Durchschnitt  jahrlich  3  Fticb.se,  3 
Marder,  2  Iltise,  2  Wieseln  geschossen. 

Ein  verwildeter  Kater,  der  mehr  als  ein  Jahr  in  der  Umgebung  des  Sees  be- 
obachtet  wurde  und  der  Losung  nach  zuweilen  mit  den  grossen  Waldameisen  fur 
lieb  nehmen  musste,  wurde  bei  der  Station  in  Eisen  gefangen  und  erwies  sich 
als  ein  vom  Seeforster  desertirtes  Individuum. 

Fischotteru  wurden  im  Jahre  1895  4  Stttck  gefangen. 

Diese  Daten  erhielt  ich  vom  Ilerrn  Oberforster  Jul.  Komarek.*) 

Dei  dem  blockigeu  Terrain  in  der  Umgebung  des  Schwarzen  Sees  war  es 
eine   schwere  Aufgabe    die  Uferfauna    sicherzustellen.     Maid    hemerkten  wir,    dass 


*)  Vergleiche  Excursion  des  Forstvereines  1882. 


15 

unsere  Ktichenabfalle  von  verschiedenen  kleinen  Nagera  besucht  werden  und  stelltea 
nahe  der  Station  Federfallen  auf,  welche  Arvicola  glareola,  Agricola  agrestis  und 
Mus  syfoaticm  lieferten.  Ausserdem  setzten  wir  ein  verkehrt  conisches  aus  Zink- 
blech   verfertigtes   Gefass  (Fig.  4.)  am  Ufer  in  den  Boden  ein,  bedeckten  es  lose 


Fig.  4.    Fangapparat  auf  Insecten,  Mause  und  Eidechsen. 

Keisern,  und  urn  die  Offuung  vor  Re-en  m  schiitzen,  deckteu  wir  es  mit  einem 
erlegten  Brette  zu.  Taglich  fanden  wir  darin  verschiedene  Insecten,  Eidechsen 
^Pitzniiiuso,  Wtthlmause  etc. 

Konnte  dieser  Apparat  taglich  revidirt  werden,    dann  wurde  man  gewiss  eine 
mhafte  Reihc  von  Thieren  am  Ufer  des  Sees  nachweisen,  von  deren  Gegenwart 
mai»  sonst  keiue  Ahnung  hat. 

Von  Nagethieren  ist  das  hiiufigste  die  Waldwuhlmaus  Arvicola  glareola,  welche 

sehr  grossen  Exemplaren  in  der  Nahe  der  Station  gefangen  wurde.    Ein  Weib- 

1(311  liatte  die  Linge  von  15  em. 

ol    ,i.         eillz'Reslnal  wurde  die  Erdmaus  Agricola   agrestis  knapp  am  Seeufer  be- 

acntet  und  am  niichsten  Tage  gefangen.  Es  ist  dies  das  erste  in  Bohmen  sicher- 

bestellte  Vorkommen. 

Inn  Jlemllcl1  nilufi8'  War  auch  Mm  sylvaticus,  der  im  letzten  Winter  sogar  in  das 
dra  re  der  Station  eindrang  und  bier  viel  Scbaden  verursachte.  Fiinf  Exemplare 
8  "Sen  in  eine  Flasche,  in  welcber  Reis  enthalten  war,  nachdem  dieser  ver- 
in  ,  war'  Lassen  sie  sich  wechselseitig  auf  und  wir  fanden  bei  unserer  Ankunft 
Schwa*      ascne   ein    ganzea    mumificirtes    Exemplar    und   von    den    flbrigen    4  die 

wanze  uud  die  ausgefressenen  Schadel. 
"MtteuZ      aUS  der  weiteren  Umgebung  des  Sees  uns  eingelieferten  Hausmiiuse  Mus 
aber  '  "*  zolc,lnotci1  sich  durch  briiunlicb  ockergelbe   Bauchseite  aus,  welche  Farbe 

an  den  ausgestopfton  Exemplaren  stark  verblasste. 
lOm.i  -'e    WassersP'tzmaus  Crossopus   fodiens  und  Sorex   vulgaris  geriethen  etwa 
UcU  m  unseren  Fangapparat. 


If) 


Crocidura  aranea  wurde  todt  auf  einem  Fusssteig  gefunden. 

Der  Dachs  fehlt  liier  ganz,  aber  der  lgel  soil  sich  in  den  letzten  Jahren  stark 
vermehrt  haben. 

Von  Fledermausen  konnton  wir  trotz  fleissigen  Aufpassens  keine  sicherstellen. 
Einmal  sahen  wir  eino  ganz  kleine  Art  fliegen,  wahrscheinlich  V.  pipistrellus.  1>^S 
Vorkommen  von  V.  Leisleri  aus  dieser  Gegend  ist  friiher  constatiert  worden. 

Es  sind  also  in  der  Umgebung  des  Sees  zu  verzeichnen : 


1. 

2. 

Q 
Oi 

4. 
5. 
6. 

7. 


10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 


Vesperugo  Leisleri  —  die  rauhhaarige  Fledermaus, 

Vesperugo  (pipistrellus?)  ■ —  die  Zwergfledermaus. 

Crossopus  fodiens  —  die  Wasserspitzmaus. 

Sorex  vulgaris  —  die  Waldspitzmaus. 

Erinaceus  europaeus  — •  der  Igel. 

Felis  catus.  domesticus  —  die  Hauskatze. 

Canis  vulpes  —  der  Fuchs. 

Ursus  arctos  —   der  Bar. 

Mustela  martes  —  der  Bauramarder. 

Foetorius  putorius  —  der  litis. 

Foetorius  vulgaris  —  das  Wiesel. 

Lutra  vulgaris        die  Fischotter. 

Sciurus  vulgaris  —  das  Eichhornchen. 

Mus  musculus  —  die  Hausmaus. 

Mus  sylvaticus  ■ —  die  Waldmaus. 

Arvicola  glareola  —  die  Waldwuhlmaiis. 

Agricola  agrestis  —  die  Erdmaus. 

Lepus  timidus  —  der  Haase. 

Cervus  elaphus  —  der  Edelhirsch. 

Cervus  capreolus    -  das  Reb. 


Die  Vogel. 

Der  Bohmerwald  steht  im  Rufe  sebr  vogclarm  zu  sein,  was  davon  herkoiniut, 
dass  die  Touristen  meist  erst  im  August  und  September  hier  eintreffen,  wo  jeder 
Wald  stille  ist. 

Ganz  anders  verhiilt  sich  die  Sache,  wenn  man  schon  im  Mai,  zur  Zeit,  w° 
noch  meterhoch  der  Schnee  liegt,  hier  eintrifft. 

Da  ertont  vom  fruhen  Morgen  bis  tief  in  die  Nacht  der  melodische  Gesang  <ieS 
Eothkehlchens  von  dem  an  den  Ufern  des  Sees  etwa  15  Paare  briiten.  Auch  der 
Gesang  der  Drossel  und  der  Finken  triigt  zur  Aniuut  dieser  idillischen  Gegend  bci- 

Doch  wollen  wir  unsere  Beobachtungen  dem  System  nach  verzeichnen.  ^ir 
batten  erst  spater  uns  mit  Schusswaffen  versehen,  aber  konnten  doch  bei  deiu 
blockigen  Terrain  manche  Art  kleiner  Viigel,  die  wir  horten,  nicht  erlegen,  um  ^l° 
Species  sicherzustellen. 


17 


Der  gemeine  Bussard  flog  nur  einmal  ilber  den  See  und  ein  Wespenbmsard 
wurde  in  der  Nahe  erlegt. 

Der  FinJcensperber  nistot  einige  Hundert  Sclirittc  nordlicb  voni  Pavillion  und 
e*n  anderes  Paar  in  der  Nfthe  des  Spitzberges.  Zahlreiche  Skelette  von  Drosseln, 
*inken  und  Meisen,  die  wir  unter  deni  Horste  sammelten,  zeigt  die  Gefahrlichkeit 
(llGses  Raubers  fttr  die  kleine  Vogelwelt. 

Ein  mir  vom  Herrn  Oberforster  Konutrek   eingeliefertes    altes  Weibchen  des 
Ihurmfatken  hatte    14  Stuck  Bergeidechsen    im  Kropfe   und  dieses    war  wolil  die 
rsacke,  dass  es  wfihrend  der  Verdauungssiesta  erlegt  werden  konnte. 

Von  Eulen  vernahmen  wir  nur  die  Stinnue  einer  kleinen  Art,  wahrscheinlich 
fhene  noctua  auf  der  Seewand  und  eine  ganze  Familie  des   Waldhaum  Hess  sich 
eines  Abends  an  der  Lehne  unterhalb  des  llorizontalweges  laut  horen. 

Der  Schwarespecht  ist  in  der  Umgebung   des  Sees  Standvogel  und  hatte  am 
Pitzberg   sein  Nest  in  einer  kernfaulen   Buche    und   nachdem  der  Baurn  gefallt 
_  Urde,  fand  man,  dass  vom  Eingangslocbe  zum  Grunde  des  Nestes  die  Entfernung 
■in  betrug.    Es  euthielt  nur  ganz  wenig  Federn. 

Ein  anderes  Exemplar  des  Schwarzspecbtes   wurde  kurzlick  im  Dohnensteig 
««angen  und  kani  in  eine  Privatsammlung.    Andere  kleinere  Spechtarten   horten 
lr  wiederbolt,  aber  bekamen  sie  nicbt  zu  Gesicbt. 

Den  Ku/cu/c   horten  wir    aus    dor  Feme  tiefer  unten,    etwa  beim  Seeforster 
otters  rufen. 

Der  Eisvogel  erscliien  nur  einmal  am  Seeufer. 
^  Der  ZamMmg  ist  ein  standiger  Bewohner  der   Umgebung  des  Sees  und  die 
bjs6.       '  welclle  sick  in  Menge  bei  unseren  Kjokenmoddings  einfanden,  lockten  ihn 

s  ln  die  unmittelbare  Nahe  der  Station. 
rotl  /        Daumliiufer   erlegten   wir  in  der  Form   von  Certhia   familiaris  mit   rost- 
sic]  K'k  Riicko"  und  schneeweissem  Bauche.  Der  Kleiber  Sitta  caesia  W.  et  M.  liisst 
tnei  nders  ™  Herbst  horen.     Von  Meisen  wohnen  bier  in  Menge  die  Tannen 

Q.    ®w'   deren  Gesang  man  don  ganzen  Tag  hort  und  die  audi  unweit  der  Station 

ot''n.     Ungeniert  nahm  die  Meise  zum  Nestbau  das  W 
UUSorer  Transportkorbe. 
hat       ,ltener  ist  die  Haubenmeise 

Ein  junges  Exemplar  erlegten  wir  am  24.  Juli. 
er  Baumpieper  war  regelmiissig  in  der  Umgebung  des  Teufelssees  zu  horen. 
Xan    ((as  Sohwarzplatl  Sylvia  atricapUla  nistet  regelmiissig  in  der  Nahe  der  „grossen 
am  Horizontalwege,  wo  wir  auch  dfters  seinen  Gesang  wahrnahmen. 
°n  Laubvogeln  vernahmen  wir  nur  die  Sylvia  Jitis. 
Sees      aS  gemeine  Groldhahnchen  ist   wobl    der  haufigste  Vogel  der  Umgebung  des 

"  un,i  brtltet  auch  daselbst. 
um  Ti   1G  ('os  ^eos  wumen  hiiufig   von  der  GebirgsbachsteUe  besucbt,    welche 

U™  unterhalb  des  Sees  nistete. 

Paviii     °  We*8se  Hachstelso  erschien  seltener  und  hielt  sicb  mehr  bei  dem  grossen 
Vll'on  auf. 

,<!l  der  Seewand  nistete  ein  Paar  des   Wassrrschwdtzcrs  knapp  am  Wassor  ■ 


T'erg  aus   den   Stricken 


die  aber   auch  in  der  Niil 


ie 


des  Sees  genistet 


18 


spiegel    untcr  don    Felsblocken.      Kin  junges   eben   flttggea  Exemplar   erlegten  wir 

28.  Juli.  .    . 

Die  Wacholderdrossel  horten  wir  Ende  Juli.  Die  Singdrossel  sang  sehr  rleissig 
im  Mai  an  don  Ufern  des  Sees,  im  Juli  nicht  mehr.  Die  zahlreichen  Reste  dieses 
Vogels  unter  dem  Sperbernest  zeigen,  wie  gefahrlich  dieser  Riiuber  diesem  edlen 
Singvogcl  ist. 

Die  Eingdrossel,  Turdus  torquatm  kommt,  otwas  weiter  am  Oser  vor.  DaS 
Eothkehlchen  ist  sehr  haufig  und  der  Hamrothschwanx  zeigte  sicli  im  Herbst  in 
dor    Nahe    der    Station.     Kino  Dorfschwalbe    wurde   am   25.  August   am   See    be- 

obachtet. 

Dor  KreusscJmabd  halt  sich  constant  in  der  Nahe  der  grosson  Fichten  an 
der  Tunnelhalde  auf  und  ttberflog  auch  oft  don  Sco.  Am  17.  Miirz  erhielton  Wir 
von  dor  genannten  Localitiit  oiu  Nest  mit  3  halbfliiggen  Jungen,  deren  Schnabel 
nodi  keine  Andeutung  der  Kreuzung  zeigte.  Das  Nest  bestand  aus  Tannenreisern 
und  war  mit  Moos  und  Wollo  ausgepolstort,  abor  ontliiclt  kern  Pech.  Es  war  bios 
3  m  vom  Boden  entfornt,  nahe  beim  Stamme  auf  einem  Seitonaste.  Breite  23  cm, 
die  Vertiefung  9  cm. 

Dor  Buchfinh  sang  sehr  eifrig  im  Mai  an  don  Ufern  des  Sees.  Dass  or  spater 
verschwand,  mag  das  nahe  nistende  Sperborpaar  am  Gewissen  habon. 

Don  Ze'mg  horten  wir  nur  oinmal. 

Der  Gimpel  kommt  im  Winter  an  don  Seeufern  auf  den  Sperberbaumen  vor. 

Ein  Sperling  erschien  einmal  am  29.  August. 

Dii;  Rabenkrdhe,  Coram  corona  nistet  in  dor  Partie  zwischen  dem  See  und 
dem  Spitzberg. 

Der  Tannenheher,  Nucifraga  caryocatactes  ist  in  dem  vom  See  nach  Nordcn 
gelegenen  Oser-.Walde  Standvogel  und  nistet  hior,  da  ganz  junge  Vogel  vom  Forst- 
personale  im  Sommer  beobachtet  wurden.  Seine  Stimme  horten  wir  auch  im  Sep- 
tember auf  der  Seewand. 

Von  Tauben  kommt  nur  die  IlolMaube  vor. 

Das  Auerwild  ist  bier  ein  hiiufigor  Standvogel  und  es  werden  alljahrlic' 
mehrere  Stuck e  in  der  Balz  erlegt.     Dor  Birkhahn  fehlt. 

Das  Haaelhuhn  nistete  unweit  vom  See  und  die  Stimme  dor  Jungen  lockte  zu 
.lagdversuchen,  welche  boi  dom  blockigen  Terrain  leider  erfolglos  blieben.  Ein  a» 
Boden  im  Moose  angelegtes  Nest  mit  2  Eiern  brachten  wir  von  da  fur  die  M»' 
seumssammlung.  , 

Ein  Nest  der  Waldschnepfe  mit  vier  leereu  Eiern  wurde  uns  vom  OserwaW 

eingeliefert. 

Von  Wasservogeln  kamen  bios  2  Arten  zur  Beobachtung  und  zwar  ein  Pa* 
Knuckenten  am  26.  Juli,  welche  t'ruh  urn  8  Uhr  don  See  umkroisten,  urn  gleic 
darauf  zu  verschwinden.  . 

Eines  Tages    gewahrten    wir   in   dor   Diimmorung  untcr    der  Seewand    erflj 
jungen  Lappentaucher  etwa  in  der  Grosse  des  Pod.  rubricollis.     Derselbe  war  W 
nigor   schou,    tauohte   nicht   boi   unsoror   Anniiherung   und   als   or  endlich  aufflofr 
schien  or  verwundet  zu  sein.     Wir  verschoben  dio  Jagd  auf  don  nachsten  Morge  ■ 
alter  dor  Vogel  war  nicht  mohr  zu  sehen. 


19 


Verzeichnis  tier  in  tier  Umgebung  ties  Schwarzen  Sees  beobachteten  Vogelarten.1) 


Buteo  cincrcus  Bp. 
Pernis  apivorus  Cuv. 
Accipiter  nisus  Pall. 
Tinunculus  alaudarius  Br. 
Athene  noctua  Bp.(?) 
Syrnium  aluco  Sav. 
Picus  martius  L. 

Cuculus  canorus  L. 
Alcedo  ispida  L. 
Troglodytes  europaeus  Cuv. 
Certhia  familiaris  L. 
Sitta  caesia  M.  et  W. 
Parua  ater  L. 
Parus  cristatus  L. 
Anthus  arboreus  Bechst. 

Motacilla  sulphurea  Bechst. 
Motacilla  alba  L. 
Cinclus  aquaticus  Bechst. 
Turdus  pilaris  L. 


Turdus  musicus  L. 
Turdus  torquatus  Fr. 
Phyllopneuste  troehillus  Meyer. 

Regulus  cristatus  Ray. 
Sylvia  atricapilla  Lath. 
Lusciola  rubecula  K.  et  Bl. 
Lusciola  erythaca  Bp. 
Ilirundo  rustica  L. 
Nucifraga  eariocatactes  Cuv. 
Corvus  corone  L. 
Fringilla  coelebs  L. 
Passer  domesticus  Bp. 
Fringilla  spinus  L. 
Pyrrhula  vulgaris  Pall. 
Loxia  curvirostra  L. 
Columba  oenas  L. 
Bonasia  sylvestris  Brehm. 
Tetrao  urogallus  L. 
Querquedulla  circia  Bp. 
Podiceps  subcristatus  ? 


Reptilien. 

g     _     u  deu    hiiufigsten   Erscheinungen   gehdrt  in   dor   Umgebung   des   Schwarzen 
jjj      ( 1(!  Bergeidechse  Lacerta  vivipara,  welche  an  sonnigcn  Tagen  im  Somnier  aus 
en  Schlupfwinkeb  hervorkommt. 

sad       D  ihr°r  IIiiun8'1crit   1(mm  man  sicl1  eincn  Begriff  machen  nach  der  That- 
pla  G'  daSS  °in  'Weibcllpn  (1es  Thurmfalken  im  Kropl'e  14  Stiick  erwachsener  Exem- 
au8<r°     c'Kor  Eidechse  enthielt.  Die  moisten  batten  den  Kopf  abgerissen  und  diese 
siebige  Mahlzeit  mag  wobl  die  Erlegung  des  Vogels  begttnstigt  haben. 

gele  •     l°  Kremotter   kommt   an   der  unterhalb   des  Sees  und   des  Horizontalweges 
C]u  8°110"   Abdachung  in  der  Varietftt  Pelias  prester  vor,    die  nur  ein  altes  Weib- 

1  oer  gewohnlichen  Pelias  berus  ist. 
Pavil].    6  '''^Jdnattrr,    Tropidonotus   natrix   wurde  im  Juli  1895  in  der  Niihe  des 

l01's  am  Seeufer  in  zwei  Exemplaren  erlegt. 
Schw   ^   "ur^ematter  Tropidonotus  tcsselatus   wurde  unterhalb    des  Dammes  des 


sees  von  Dr.  Vavra  am  21.11.  95  beobachtet. 

i8  Vft  le.  omenclatiiL-  stimmt  rait  derjenigen,  die  in  dem  bei  uns  weit  verbreiteten  Werke 
Publicist  knropas"  angewandt  ist,  und  mit  dero  im  Archft  for  Landesdurchforschung  Band  II. 
nSystej  .  ,■       z(!il'l'nis  der  V6gel  Bflhmens.  Die  neu  geanderten  Namen  flndet  man  inReichenow's 

•'       atisches  Verzeichniss  der  Vfigel  Deutschland's". 


»Dj 


20 


Amphibien. 


Am  bezeichnendsten  fur  den  See  ist  der  Alpenmolch  Triton  alpestris,  welcher 
im  Winter  unter  Steinen  und  Baumrinden  verweilt,  abcr  dann  schon  im  Mai  im 
See  unterhalb  der  Seewand  angetroffen  wird.  Die  Ablage  der  Eier  fallt  in  den 
Monat  Mai,  sclieint  aber  langere  Zeit  zu  dauern,  denn  wir  fanden  zu  gleicher  Zeit 
Eier  und  mehrere  Stadien  der  Larven.  Im  nachsten  Friihjahre  erbalten  die  Larveu 
eine  Liinge  von  3  cm  und  siud  schon  am  Baucbe  schon  roth. 

Die  leeren  Eierschalen  findet  man  spiiter  im  Jahre  oft  am  lifer  von  ver- 
schiedenen  niederen  Organismen  uberfallen.  Aucb  ein  isolirtes  Spermatozoon  wurde 
in  dem  mit  dem  See  in  Verbindung  stehenden  Tiimpel  beiin  Microscopiren  gefundem 


.''"'■      M    '.*   ■:;"        '■   ■    .':   *»,    ; 


■\V.  V  j. 


i      "  ':  ■" 


Fig.  5.    Triton  alpestris.     Obeii  das  Miinuolien,  anten  das  Weibchen. 

Es  wurde  mittelst  Formalin  ein  Parchen  ftir  die  Museumssammlungen  VvilC', 
parirt.  In  den  Lungen  fanden  wir  an  8  Stuck  einer  Ascaride.  tm  Dickdarm  z^e 
Infusorien,  eine  scbmale  Bursaria  und  ein  Nyctotberes. 

Von  Frdscben  ist  liana  temporaria  sehr  bilufig  und  paarte  sich  b»  ^ ,l 
zwischen  den  abgerindeten  am  Ufer  im  Wasser  herumliegenden  Baum&sten  '"^ 
Wurzeln,  denen  sie  in  der  Farbe  auffallend  glich  und  zwischen  denen  sie,  so  lan» 
sie  stillstand,  nur  sciiwer  beineikt  werden  konnte.  Die  in  Paarung  bcgriffenen  Thier 
hatten  folgende  Farbung.  Das  Mannehen  unten  schwach  rosa,  die  Schlafenflecke 
blass,    oben   stark   dunkel    gefleckt.     Das   Weibchen   unten  schwefelgelb.     Im   ,,u 


21 

waren  Kaulquappen  ohiie  und  mit  Fiissen  haufig  am  Ufer  zu  beobachten  und 
sammelten  sich  an  ins  Wasser  geworfenen  Geflugelknochen  massenhaft.  Vorjahrige 
kleine  Froschchen  hielten  sich  in  Menge  im  Moose  am  Ufer  auf.  Die  alten  Thiers 
&afen  wir  dann  im  Juli  einzeln  im  Walde. 

Zu  Bombinator  igneus  gehorige  Kaulquappen  fanden  sich  im  Juli  massenhaft 
a"  der  Sparganiumlocalitat. 

KriUen  (Bufo  cinereus)  hielten  sich  in  tier  Niihe  des  Pavilions  auf. 


F  i  s  ch  e. 


Das  Vorkommen  von  grossen  Forelleu  bis  60  cm  Lange  war  langst  constatiert 
""d  es  erhielt  das  Museum  zwei  Exemplare  schon  in  den  50.  Jahren  durch  Ver- 
fflittlung  des  Prof.  Emanuel  Purkyne\  Alio  Pemiihungen  diese  grossen  Exemplare 
wit  der  Angel  zu  fangen  blieben  erfolglos. 

Dass  sie  zuweilen  doch  angebissen  haben,  bcweist  ein  Exemplar,  das  wir 
vom  Herrn  Oberforster  Komarek  erhielten,  bei  welchem  die  vordere  Schnauze  fehlte 
und  zugeheilt  war. 

Der  grossen  Forellen  wird  man  nur  dann  habhaft,  wenu  sie  zur  Laichzeit 
llu  October  in  das  von  der  Seewand  herabHiessende  Bachlein  aufsteigen,  wobei 
S1°  entweder  geschossen  werden  Oder  es  wird  ihnen  durch  eiue  Schleusse  vor- 
sichtig  der  Kttckgang  gesperrt. 

In  den  lotzton  Jahren  wurden  diese  laichreifen  Fische  zur  Erziehung  von 
embryonirten  Eiern  beniitzt. 

Pa  dor  aus  dem  See  fliessende  Bach  Forellen  i'uhrt,  so  ist  das  Vorkommen 
der  Forellen  im  See  leicht  erkliirlich. 

Ein  von  uns  im  Juni  1894  geschossenes  Exemplar  von  50  cm  Liinge  erwies 
8Ich  als  ein  unausgelaichtes  Weibchcn,  dass  immerfort  die  Laichstelle  unter  der 
Seewand  besuchte. 

Sehr  verandert  hat  sich  aber  die  Fischfauna  des  Sees,  seitdem  Herr  Ober- 
orster  J,  Komarek  die  Finsetzung  von  Prut  verschiedencr  Edelfische  alljiihrlich 
0rnimn.it.     Die  mir  freundlichst  mitgetheilten  Daten  siud  folgende: 

1.  Im  Mai  1890  wurden  1800  Stuck  junge  in  Brutapparaten  in  Eisenstein  ge- 
z°gene  Saiblinge  in  den  Schwarzen  See  eingesetzt.  In  18  Monaten,  am  29.  Oktober 
1891  wurden  davon  mehrere  gefangen  in  der  Liinge  von  20— 22  cm,  im  Jahre  1892 
batten  sie  schon  25—26  cm. 

V-  Im  Mai  1892  wurden  abermals  8950  junge  Saiblinge  eingesetzt. 

•'■•  Im  Mai  L893  setzte  Herr  Komarek  30.000  junge  Saiblinge  in  meiner  Gegen- 
^t  in  den  Schw.  See  und  ausserte  Besorgnis,  ob  die  jungen  Fische  in  dem  klaren 
Nasser  genug  Nahrung  finden. 

Durch  Zufall   geschah  es,   dass  wir  am  nachsten  Tage  beim  Fischen  auf  der 

soetes-Localitiit  einen  der  eben  ausgesetzten  Saiblinge  fingen.     Die  Untersuchung 

es  Darminhaltes  erwies,    dass  der  Fiscli  etwa  40  Stuck  kleine  Krebse  Acroperus 

cocephalus  zu  erhaschen  verstand  und  man  daher  um  seiu  Fortkommen  nicht 


22 

besorgt  zu  sein  braucht.  Ein  Saibling  von  82  cm  Lftnge,  dor  mich  gefangen  wurde, 
hatto  3000  Holopcdien  im  Magen. 

Die  Besetzungsversuche  wurden  durch  guten  Erfolg  gelohnt,  denn  schon 
wurden  Saiblinge  von  30  cm  Lange  gefangen  und  hluften  sich  heuer  im  Juni  in 
Schaaren  beim  Pavilion,  wo  sie  von  den  Touristen  gefuttert  wurden. 

Heuer  im  September  schwammcn  30  cm  lange  Saiblinge  ganz  ungeninrt  vor 
der  Station  und  vom  Forstpavillon  aus  wurden  viele  mit  dor  Angel  auf  Schmetten- 
kase  gefangen. 

4.  Am  10.  April  1893  wurden  5000  junge  Maranen,  Corregonus  Wartmani 
in  den  See  cingesetzt,  aber  bisher  keine  hcrangewachsene  bemerkt. 


Die  Wirbellosen. 


Die  Mollusken- Fauna  erscheint  als  sehr  arm.  In  der  Umgebung  des  Schwarzen 
Sees  und  des  Teufelssees  wurden  im  Moos,  unter  grossen  Blocken  und  unter  der 
Rinde  modernder  Baumstrllnke  folgende  Arten  gesammelt: 

Limax  maximus  L.  var.  cinereo-niger  Wolf. 
Limax  maximus  L.  var.  cinereus  Lister. 


Malacolimax  tenellus  Nils. 
Agriolimax  agrestis  L. 
Vitrina  diapliana  Drap. 
Vitrina  elongata  Drap. 
Hyalinia  fulva  Mull. 
Arion  subfuscus  Fels. 


Patula  ruderata  Stud. 
Helix  arbustorum  L. 
Clausilia  cruciata,  Stud. 
Clausilia  laminata   Mtg. 
Clausilia  bidentata  Strom. 


Von  den  K&fern  sind  fiir  die  Umgebung  besonders  bczeiclmend  die  GebirgS* 
arten :  Carabus  auronitens,  Linnei  und  arvensis,  und  Leistus  piceus. 

An  den  Holzliaufen  wurden  Hylecoetes  dermestoides,  Bostrychus  autographusi 
laricis,  lineatus,  bidens,  Hylesinus  paliatus,  Ips  quadripustulatus,  Rhizophagus  dispar, 
Rhagium  bifasciatum  und  Toxotus  cursor  gesammelt. 

Von  den  Fliegen  war  im  Waldo  hinter  der  Station  besonders  auffallend  die 
schone,  eine  Huinm<dart  nachahrnende  Mesembrina  mystacea.  Die  Jh'emsen  be- 
suchten  iifters  das  Innere  der  Station,  cs  waren  die  fiber  3  cm  grossen  TabanuS 
sudetieus,  dann  Tabanus  glaucopis  und  autumnalis. 

Im  Mai  1895  wurden  wir  bei  schwiilor  Luft  von  einer  grossen  Menge  der' 
winzigen  Flohschnacke  (Ceratopogon  pulicarius  L.)  ttberfallen,  die  sehr  empfindlich 
sticht. 

Die  Ndzfltiglcr  sind  durch  die  Wasserflorfliege  (Sialis  lutaria  L.)  und  durch 
die  Kocherrliegen  Phryganea  striata  und  Chaetopteryx  villosa  vertroten. 

Im  Moose  waren  besonders  zahlreich  die  Springschwttnse  Orchesella  rufescens, 
Macrotoma  plumbea  und  flavescens. 


23 


Chemische  Zusammensetzung  des  Wassers  aus  dem  Schwarzen  See.*} 

Von  Dr.  J.  Hannamann  in  Lobositz. 

Das  Wasser,  geschopft  am  3/9.  186G,  war  sehr  klar,  mit  einem  sehr  schwachen 
Stich  ins  Gelbe,  geruch-,  geschmacklos,  sehr  weich  und  gab  nur  einen  Gesammt- 
rtickstand  von  18  Milligranim  im  Liter,  wovon  12-3  mgm  minoralischen  mid  5"7  mgm 
°rganisclien  Ursprungs  sind. 

In  10  Liter  des  Seewassers  waren  enthalten  Grammes  und  in  1  Liter  Milli- 
grammes: 

In   10  Litem  Bestandtheile  In  10  Litem   In  1  Liter 

Grm.  Guns.      Milligrms 

Koclisalz  .    .    .  0-0079        Natron 0'0154  L54 

Bittersalz     .    .  0-0213        Kali 0-0095  0"95 

Kalisulfat     .    .0-0175        Kalk 0-0107  1-07 

Gyps         .    .    .  0-0260         Magnesia 0'0071  0-71 

Eisensulfat   .    .  00041        Manganoxyd 0-0029  0'29 

Mangansulfat  .  0-0075        Eisenoxydul 0-0014  0-14 

Kieselsaueres  |    0-0275        Schwefelsaure 0-0448  4-48 

Humussaueres     0-0570        Chlor      0-0048  0-48 

Natron            J  0-0112        Kieselsaure 0-0275  2-75 

Quellsiiure  u.  Extractstotfe  .    .  Q-Q570  5- 70 

Summa    .   .  0-1800                                                      0-1811  18-11 

SauerstofE  ab  fur  Chlor  .    ■    ■  Q-Q011  0-11 

gins  0-1800  18-00  mgs 
Lie  Gesaminthiirte  des  Wassers  betriigt  nur  ()-2  deutsche  Hiirtegrade. 

In  100  Gew.-Thcilen  des  Gesanimtruckstandes  und  des  mineraliseben  Riick- 
8tandes  sind: 

Natriumoxyd      8*55  ....  12-43 

Kaliumoxyd 5-27  ....    7*65 

Calciumoxyd       5-94  ....    8-49 

Magnesia 3'95  ....    5-78 

Manganoxyd 2-15  ....    3-13 

Eisenoxydul    ........    0'78  ....    I'll 

Schwefelsaure 24-48  ....  85'58 

Chlor 2-67  ....    387 

Kieselsaure 15-04  .   .   .   .  21 -96 

Organisclie  Stoffe ■  31-17  100-00 

100-00 

B  ■  Wahrend  des  Druckea  erhielten  wir  die  Disertatiou  des  Herrn  Karl  Metzger  ausUrach: 

'  rage  zur  Kenntniss  der  hydrographischen  Verhaltnisse  des  bayr.  Waldes,  wo  die  Analyse  des 
Sers  'm  Schwarzen  See  folgendermassen  angegeben  wird: 

SO  S(100  Theile  K"cliStand  enthielten  Na20  2<J%,  Ka0  25%,  CaO  6-54%,  MgO  2-48%,  CI  7-86%, 
:|  8'90'%>  Si02  io-o7  A1S08  Fe208  2-09%,  OOa  7-888/0.    Trookenrackstand  in  1000  com.  0-0600- 


24 

Unter  den  Extractstoffen  befindefc  sich  audi  em  durch  Alkohol  ausziehbaretf, 
harziger  Stoff,  der  dem  Wasser  eine  gelbe  Fiirbung  verleiht. 


Chemische  Zusammensetzung  des  Wassers  aus  dem  Teufelssee. 

Das  eingedampfte  concentrirte  Wasser,  geschopft  in  der  Mitte  des  Sees  am 
3/9.  1896,  war  stark  gelbgrtin  gef&rbt,  sehr  klar,  geschmacklos,  schwach  alkalisch 
reagirend,  hinterlies  nach  dem  Eindampfen  am  Wasserbade  und  Trocknen  bei 
150°  C  nur  einen  Gesammtriickstand  von  L9'36  Milligram  pro  Tutor  oder  0*19  gr 
pro  10 Liter.  Die  1936  mgm  bestanden  aus  12-42  mgm  mineralischen  und  (5-94  mgw 
organischen  Ursprungs. 

des  Seewassers  waren  enthalten  Grammes  u.  in  1   later   Milli- 


In  10  Litem 
grammes : 

In   10  Litem 
Gramms 

Kochsalz 0-0157 

Bittersalz 00255 

Kaliumsulfat 0-0181 

Gyps 0-0165 

Kohlens.  Kalk     ....  0-0052 
Eisenoxyd  u.  Thonerde    0-0012 

Manganoxyd 0-0018 

Kieselsaueres 0-0265 

u.  Humussaueres    .    .    .  0-0694 

Natron Q-Q137 

Summa  ....  0"1936 


In  10  Litem  In  1  Liter 
Bestandtheile                              Gramms       Mllgrm 

Natron ()-()22()  2-20 

Kali 0-0098  0"98 

Kalk 0-0097  0-97 

Magnesia      0-0085  0-85 

Manganoxyd 0-0018  0-18 

Eisenoxyd  u.  Thonerde  .  0-0012  0-12 

Kieselsaure      0-0265  2"65 

Schwefolsaure 0-0350  3*50 

Chlor 0-0095  0-95 

Kohlensiiure 0-0023  0"23 

Quellsaure 

Humuss&ure 

u.  Extractivstoffe 


Summa  .    .    .  0-1957 
Sauerstoff  ab  fiir  Chlor  .    .    .  0-0021 


19-57 
0-21 


0-1986 £»■  19-36  ml- 

In  100  Gew.  des  Gcsammtriickstandes   und  des  Mineralriickstandes  sind  ent- 
halten : 

Bestandtheile  in  Procenten  : 


Natrium  oxyd 1.1-31 

Kaliumoxyd 5-00 

Calciumoxyd 4-97 

Magnesiumoxyd      .    .        .    .    4-33 
Eisen-  u.  Alluminiumoxyd   .    0-6O 

Manganoxyd 0'90 

Schwefeleaure 17-92 

Kohlensaufe 1-15 

Fttrtrag  .   ..  46-18 


17-51 
7-74 
7-69 
6-70 
091 
1-40 

27-75 
1-79 


71-49 


25 


Ubertrag    .   .  46-18  7149 

Clilor 4-90  7-59 

Kieselsaure 13-51  20-92 

Org.  Stoffe .  35-41  Stiuima  100*00 

Summa  .    .    .  lOO'OO 

Die  beiden  uutersuchten  Seewiisser  sind  ungewohulich  weiclic  Wiisser.  Dem 
organischen  Lcben  schadliche  oder  conservirende  Stoffe  sind  in  irgend  erheblicherer 
Menge  iu  keinem  dieser  Seewiisser  zu  finden,  iiberhaupt  iiberrascht  das  Wasser 
durch  seine  Armuth  an  Mineralstoffen,  wahrend  es  Extractivstoffe  organischen  Ur- 
sprungs  bis  zu  30%  seines  fixen  Riickstandes  onthiilt. 

Der  grossere  Gehalt  an  Alkalicn  mid  organischen  Stoffen  im  Verhaltnis  zu 
den  iibrigen  Bestandtheilen  verleiht  dem  Wasser  die  gelbgriine,  in  grosser  Tiefe 
und  schattiger  Umgebung  bis  schwarze  Farbe,  weil  die  Humussiiuren  und  der  harz- 
artigo  geloste  Korper,  der  dem  Wasser  eine  deutliche  griinlich-gelbe  F&rbung 
verleiht,  von  den  Alkalien  im  Wasser  in  Losung  gelialten  werden  und  der  Kalk- 
gehalt  der  Seewiisser  ein  iiusserst  geringer,  der  der  organischen  Stoffe  ein  holier 
'St,  kann  eine  Ausscheidung  der  letzteren  durch  die  alkalischen  Erden  nicht  er- 
i°igen,  wie  dies  an  kohlensaueren  Kalk  reichcren  und  an  Hurnusstoffen  armen 
Wftssern  sofort  geschieht. 

Aber  audi  der  Gehalt  an  fixen  und  kohlensaueren  Alkalien  triigt  zur  Liisuiig 


der 


organischen  Extractivstoffe   wesentlich  bei.    Hire  Menge  steht  dem  Schwefel- 


s«uregehalt   der  Wiisser  nicht  sohr  nach.    Die   Quantitat  der  Sulfate  aber  iiber- 
Schreitet  nicht  6  Mllgr  pin-  Liter  und  die  an  Kali,   Magnesia,  Kalk  und  Eisen  ge- 

undene  Schwefelsiiure  ist  theilweisc  aus  verwitterten,  im  Urgebirge  eingesprengten 
ochwefelkiesen,  theilweise  aus  den  organischen  Zersetzungsproducten  des  Waldes 
durch  Oxydation  hervorgegatigen. 

Die  merkwiirdige    Erscheinung,    dass  die  Holzstiimme  im  Wasser  dieser  Seen 
lr  langsam  verfaulen,  diirfte  auf  dem  Umstande    eincr  starken  Auslauguug  aller 

Woissartigcn  extractiven  organischen  Matcrien,  so  wie  auf  die  gleichzeitige  Ab- 
S('heidung  der  geliisten  Kieselsiiure  in  den  feinen  Poren  des  Holzes  zuriickzufuhien 

e"i,    wodurch    nach    und   nach   eine  Verkiesolung  der  Holzfaser   eintritt,    die  dem 

auerstoff  des  Wassers    den  Zutritt  verwehrt.     Sobald  sich  niimlich  das  alkalische 

asser  noch  weiter    mit    Extractivstoffen    des  Baumsaftes   sattigt,    vermag  es  die 

SelSste  Kieselsiiure  nicht   langer   in  Losung   zu  erhalten   und  diese  verbindet  sich 

r1'  Kalk  und  Kisenoxyd    des  Holzsaftes   zu  in  Wasser   unldslichen   Verbindungen, 

e   m   den  Poren   und    Zellgangen    des    Holzes   niedergeschlagen   werden    und  die 

0  ztaser  vor  dem  weiteren  Z  rstorungsprocess  schiitzen,  sie  formlich  verkieseln 
.  ei  Versteinern.  Auch  die  Eisensalze  des  Wassers  konnen  durch  Wechselzersetzung 

1  Holzstamme    abgelagert  werden,    und  so  diirfte   sich  aus  der  Analyse  eines  im 
e  Jahrzehnte  lang  gelegenen  Holzstammes  besser  noch  als  aus  der  Analyse  des 

e°wassei\s  die  Ursache  des  fiiulniswidrigen  Verhaltens  des  Holzes  feststellen  und 
genOgend  erkliiren  lassen. 

Das    Wasser  des    Tevfelssees  unterscheidet   sich   vom    Wasser  des  Hchwarzen 
8  I1Ux  wenig.    In  Reinheit  und  Weichheit  wetteifert  es  mit  diesem.    Es  enthalt 


26 

aber  niehr  harziger  quantitativ  nieht  genau  genug  trennbarer  und  bestimmbarer 
Stoffe,  mehr  Chlorverbindungen  und  ctwas  weniger  Sulfate  als  das  Wasser  des 
Schwarzen  Sees,  dagegen  noch  mehr  Natron.  Es  ist  weichcr  als  das  Flusswasser 
der  oberen  Moldau,  das  bekanntlicli  zu  den  weichsten  bekannten  Flusswiissern 
Europas  gehot. 

Die  Ruckstiinde  der  Wasser  sind  in  dem  diesjahrigen  regenreichen  Jahre  noch 
etwas  geringer  als  in  trockenen  Jahren.  Es  ist  aber  die  dunkle,  von  organisclien 
Materien  herruhrende  Fftrbimg  und  die  Aruiut  an  Mineralstoffen,  namentlich  an 
Kalk,  fur  die  Seen  des  Bohmerwaldes  charakteristisch,  im  Gegensatz  zu  dem  grossen 
Kalk-  und  Mineral stoffgeh alt  des  Wassers  der  Seen  in  den  Kalkalpen,  die  dadurch 
ihre  Klarheit  und  schon  grttne  bis  blaue  Farbe  erhalten  und  eine  reichere  Flora 
und  Fauna  bergen. 

Schon  Weith  hat  1877  vor  etwa  19  Jahren  in  einer,  die  chemische  Zusam- 
mensetzung  der  schweizerischen  Gewiisser  enthaltenden  Schrift  mit  Riicksicht  alii 
deren  Fauna  nachgewiesen,  dass  untcr  sonst  gleichen  Verhiiltnissen  dasjenige  Ge- 
wasser  am  fischreichsten  war,  welches  am  meisten  gelOsten  doppelt  kohlensaueren 
Kalk  enthielt.  Man  kann  daher  durcli  zerfallenen  Kalk  ein  weiches  Toichwasser 
verbessern.  Die  von  den  Wasserthieren  ausgeathmete  Kohlensiiure  lost  den  frisch 
gefallten  staubfeincn  kohlensaueren  Kalk  auf,  was  man  durcli  Experiment  in 
Gefasser  von  Glas  leicht  nachweisen  kann.  Das  Kalken  der  Teiche  wurde  iibrigcixs 
schon  amAnfang  dieses  Jahrhunderts  empfohlen,  aber  zu  dem  Zwecke,  urn  die  lur 
die  Aufzucht  der  Forellenbrut  riachtheiligen  kleinen  Stichlinge  zu  todten. 

Der  Kalkgehalt  des  Wittingauer  Goldbachwassers,  das  die  sammtlicheu  Teiche 
dieser  Gegend  speist,  ist  ebenfalls  sehr  klein,  or  betragt  im  Durchschnitt  vielfacher 
und  verschiedenjahriger  Untersueliungen  nur  3  Mllgr.  in  1  Liter  oder  3  <jm  in 
100  Liter.  In  1200  I  oder  12  q  Goldbachwasser  ist  erst  die  Kalkmenge  fiir  einen 
ausgewachsenen  Karpfen  enthalten,  der  nach  meinen  Analysen  36  gm  Kalk  xn 
runder  Zahl  bedarf.  Es  beanspruchen  daher  Fische  und  Krusteathiere  in  der  That 
bedeutende  Kalk-  und  Phosphorsiiuremengen  zum  Aufbau  ihres  Korpers,  welcher 
sich  bekanntlicli  verhiiltnismiissig  sehr  rasch  vollzieht  und  ebenso  natiirlicli  ist  es, 
dass  mit  solchem  Lc^bewesen  reich  besetzte  Gewiisser  eine  starke  Entkalkung  er* 
fahren  miissen,  die  nur  (lurch  reichliche  Zuniisse  oder  kiinstliche  Zuthaten  oder 
(lurch  conscquente  Zufiitterung  paralisirt  werden  kann. 


Chemische  Untersuchung  eines  Schlammes  aus  dem  Schwarzen  See. 

Wassergehalt  87-88°/,,,  Trockensubstanzgehalt  desselben  12-12"/,,. 

Der  untcrsuchte  Schlamm  hat  eine  tiefschwarze  Farbe,  ist  von  teigiger,  fettxg61 
Consistenz,  von  schwach  harzartigem  Geruch,  der  nach  kurzcr  Zcit  an  der  Luft  xn 
einen  ubelriechenden  Fiiulnisduft  ttbergeht,  88fl/0  Wasser  und  12%  TrockenmaSBe 
enthiilt.  Letztere  besteht  zu  48°/,,  aus  organisclien  u.  etwa  52%  aus  Mineralstoffen, 
indem  sich  die  zersetzten  organisclien  Substanzen  des  Waldes  mit  verwittertem  l)u" 
tritus  vennengt  am  Boden  des  ruliigen  Sees  ablagern. 


27 


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In  loo  Gew.  bei  110°  C  getrockneten  Schlainmes 

Gebundenes  Wasser l(>-32 

Fettstoffo 2-14 

Fettsiiuren 0*29 

Harze  (griinliche) 5-54 

Stickstoffhaltige  Stoffe 8 '69 

Humussauren 3-18 

Humusstoffe 8-07 

Pflanzenreste 3-83 

Phosphorsiiure 0-71 

Schwefelsaure        0-16 

Kalciumoxyd 0-28 

Eisen-oxydul  u.  -oxyd 9"43 

Aluminiumoxyd (>-56 

Magnesia 0-63 

Manganoxyd 0-05 

Kaliumoxyd 0-42 

Natriumoxyd 040 

Zeolithische  Kieselsaure 9-78 

Eisenschtissiger  Tlion 8-45 

Quarz  u.  viel  Glimmer 15'32 

Sinnma  . 


Gluhverlust  =  48-06°/0, 


Kohlenstoffgehalt  =  19-01° 


.  99-95% 
Stickstoffgehalt  =  1-39%. 


In  Salzsiiure  losliclie 
Mineralstoffe  18-34°/0 


In  Kali  loslich  978. 
In  Siiuren  und   Alka- 
lien  unlosliehe  Mineral- 
stoffe =  23-77°/0. 


Wie  aus  der  vorliegenden  Analyse  ersichtlich  ist,  enthalt  der  trockene  Schlamm 

'      ^  /o   Harze,    2"/0   Fette  und  Fettsauren,    Humussauren  und  Pflanzenreste  und 

einen  nicht  unbetrachtlichen  Phosphorsauregehalt  fiber  0-7°/0  der  Trockensubstanz. 

agegen    ist  die   Schwefelsaure    durch  das  Seewasser  gelost  worden   und  ein  sehr 

Seringer  Antheil    im  Schlamm  zuruckgeblieben.    An  Kalk  sind  die  Verwitterungs- 

■   0('ucte  des  Schlanimes  sehr  arm,  daher  konnen  auch  nicht  grossere  Kalkmengen 

Wasser    der   beiden  Seen   enthalten   sein,    dagegen   ist    der  Schlamm   reich  an 

isenoxyd   und  Eisenoxydul    und   wiirde   bei   grosserem  Gehalt   an  Schwefel,   nach 

au  cn  Fiern  riechen  miissen,  was  der  Schlamm  nicht  thut. 

Her  hohe  Gehalt  an   zeolitischer  Kicselsiiure,   die  Armut   an    Alkalien  zeigt 
nr  fortgeschrittenen   Zersetzungsgrad    des  1'eldspatigen  Antheiles  unter  dem  Ein- 
so  organischer  Zersetzungsproducte  der  Mineraltrttmmer  an,   deren  schwer  ver- 
erbare  Reste  wesentlich  aus  Glimmer  und  t'einem  Quarz  bestehen. 


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1 080  m 


A)  Schwarzer  See. 

Lage,  Grosse,  Zufllisse  und  die  Entstehung  des  Schwarzen  Sees. 

Der  Schwarze  See,  auch  Bistritzer  See  genannt-  liegt  nordostlich  am  Urge- 
birgskanmi,  der  sich  vom  Spitzberge  gegen  Zweerek  und  Oser  hinzieht. 

Er  liegt  vor  der  steilen,  an  300  m  hohen  Seewand  in  der  Meereshdho  von 
1008  m  und  hat  bei  vollkommener  Spannung  die  Ausmass  von  1840  Hektaren. 


Fig.  6.    Plastische  Darstellung  der  Terrainverhaltnisse  in  der  Umgebung  des  Scbwarzen  Sees  und 
des  Teufelssees.    Photographirt  nach  einem  yom  Genoralstabe  verfertigten  Gypsmodolle. 

Die  im  Wcsten  sich  erhebende  Seewand  besteht  aus  drei  parallel  laufenden 
Felsrflcken,  von  denen  der  dem  See  am  nachsten  stehende,  der  niedrigste  ist.  Das 
sfldliche  Ende  dieses  niedrigsten  Kammes  ist  durch  eine  Kluft  abgetrennt  und 
eben  in  Fortsetzung  dieser  Kluft  in  den  See  hlnein  ist  die  tiefste  Stelle  des  Sees 
40  Meter. 


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29 


Der  zweite  Rticken  zieht  sich  etwa  in  der  Mitte  dor  Seewaad  ober  dem 
ersten  Rticken. 

Dor  dritte  Rticken  erreicht   die  Hohe  von  1343  m  and  bildet  don  obersten 

Kamin  dor  Seewand. 

Der  eimige  Zujluss  des  Schwarzon  Sees  milndet  als  oin  kleines  aber  muntoros 
Bachlein  unter  der  Seewand  in  der  stldwestlicben  Ecke.  An  seiner  Mttndung  hat  Herr 
Oberforster  Kouuirek  eino  Schleusse  erricbtet,  in  dor  wahrend  der  Laicbzeif  die 
Forellen  und  Saiblinge  gefangen  werden,  wenn  dieselben  in  das  Bachlein  zur  Eier- 
ablage  einzudringen  tracliten. 

Die  LagerungsverMltnisse  beider  Seen  sind  recht  War  an  dor  Pbotographie 
eines  Models  des  Generalstabes  zu  sehen   (Fig.  6.). 

Das  Gcstein  ist  oin  quarzreicher    Glimmerschiefer  mit   Einlagerungen  von 

Pegmatit. 

Die  von  der  Seewand  gegen  den  Abfluss  des  Seos  zusammenlaufenden  Ab- 
hange  bes'ehen  aus  grossen  Felsblocken,   die  gegenwartig  einen  etwa  40jabrigen 

Nadelwald  tragen. 

Diese  Blocke  reichen  tief,  etwa  20  m  in  den  See  hinein,  wie  man  deutlich 
an  der  von   Dr.  Vavra,  angefertigton  Photographic  (Fig.  7.)  wahmehmen  kann. 

In  Bezug  auf  die  Entstehung  des  Sees  bestehen  verscbiedene  Ansichten.  Die 
Ansicht,  dass  das  Becken  im  festen  Felsen  ausgehohlt  ist,  widerlegt  wold  der 
Anblick  auf  die  entblossten  Ufer.  (Fig.  7.) 

Man  stimmt  moist  darin  (Therein,  dass  die  den  See  im  Winkel  umgebenden 
Blockmassen  durch  Gletscherthatigkeit  entstanden  sind. 

liber  diose  Frage  zu  urtbeilen,  sind  wold  nur  diejenigen  bcrcchtigt,  welche 
•lie  Gletscberfanomene  der  Alpen  studirt  haben.  Aber  auch  diese  differiren  mehr- 
fach  in  ihren  Ansichten.    Mit  dieser  Frage  beschaftigte  sich  Fr.  Bayberger: 

Geograpbisch-geologiscbe  Studien  aus  dem  Bohmerwalde.    Die  Spuijen  alter 
Gletscher,  die  Soon  und  Thaler  des  Bohmerwaldes. 
Petermanns  Mittheilungen.   Erganzungsheft   Nr.  81.    Derselbe  sagt  i>.  34:   „Der 

Wall  des  Schwamen  Sees  1st  eine    eelrte  Morcine   mit  Blocken  eerschiedenster 
Grosse,  mit  geglattetem  und  geritstem  Gerolle. 
Eine  polemische  Kritik  Baybergers  Arbeiten  erschien: 
Bericht  ttber  eine  gemeinsame  Excursion  in  den  Bblimerwald  von  A.  Penck, 
A.  Bohm  und  A.  Rodler  in  Wien.     Zeitscbrift  der  Deutsche.!  Geol.  Gesell- 

schaft.  1887  p.  68. 

Aber  auch  diose  giebt  p.  74  in  Beziehung  auf  den  Schwarzen  See  zu,  das 
die  grosseren  BlticU  des  Whiles  Kritmngen  erhennen  lassen. 

Wir  benutzten  don  liingeren  Aufenthalt  an.  Schwarzon  See,  uni  auch  Daten 
ZUr  Losung  dieser  Frage  zu  sammeln  und  bescbriinkon  uns  auf  das  Hervorheben 
zweier  interessanter  Erscheinungen.  Eratens  die  Darstellung  des  Seebpdens  wahrend 
der  starken  Ablassung  des  Soos.  (Fig.  7.)  Man  sieht,  dass  der  Blockwall  bis  auf 
25  m  in  den  See  hinoinragt,  aber  dies  scheint  schon  die  gauze  Breite  des  Walls 
im  See  zu  sein,  derm  wir  kamen  beim  Dredgen  in  der  mittleren  Partie  tie  in 
Collision  mit  Felsblocken. 


1 


Fig.  7.    Der  Schwarze  See  bei  Herabsetzung  des  Wasserspiegels   urn  275  cm.    Photographirt  von  Dr.  Vavra  im  Oktober  1892. 


31 

Zweitens  sicherten  wir  das  Bild  eiaes  friscb  ansgegrabenen  Blockes,  der 
Gliittung  und  Kritzung  zu  erkennen  giebt.  (Fig.  8.) 

Ieh  veranlasste  die  ttberfiihrung  dieses  Blockes  in  das  Forstpavillon,  am  sein 
ZerstSren  zu  verhindern,  alter  man  hat  spater  den  Block  wieder  herausgeschafft 
und  mit  der  gegliitteten,  abgerundeten  und  gekritzten  Fliicho  nach  unten  gewendet. 


Fifl 


iruben  aiu  nordlicheu  Rande  des  bees.    Durch- 


8.    Abgerundeter,  gekritzter  Felsblock,  ausgegral 

messer  60  cm.    Gewioht  muthmasslich  4  mg     Photograllrt  von  Dr.  Viivra. 


Ein  intercssantes  Phaenomen  beobacbteten  wir  an  der  Seewand  wahrend  der 
Schneeschmelze  im  Mai  1894.  Es  bildeten  sick  mehrere  nach  unten  gebogene 
S&ttel-Linien  von  Schnee,  welche  allmahlig  mit  Getose  herabrutschten. 

Diese  Erscheinung  liinterliess  audi  in  der  Waldvegetation  Spuren  und  wenn 
man  die  sudlichere  Partie  der  Seewand  betrachtet,  so  gewahrt  man,  dass  der  Wald- 
bestand  eben  solche  Sattel  bildet. 


Die  Tiefenmessungen. 

Uber  die  Tiefe  des  Schwarzen  Sees  war  bei  meinem  ersteu  Besuche  des  Boh- 
merwaldes  die  Sage  verbreitet,  dass  dieselbe  unergrtadlich  ist.  Die  von  mir  im 
Jahre  1881  mit  sehr  primitiven  Mitteln  vorgenommene  Messung  ergab  120  Fuss 
als  grSsste  Tiefe  unter  der  Seewand. 

Die  Forstverwaltung   nalun   im  Winter    (lurch   im    Eise   gehauene   Offnungen 
einige  Messungen  vor  im  Jahre  188 1,  welehe  die  grosste  Tiefe  auf  40  m  sicherstellte. 
°  Um   die  Form   des   Gnmdes   sicherzustellen,    fulirten   wir  an    117  Messungen 
(Fig.  9.)  aus  und  zwar  folgendermassen : 


32 


Zuerst  warden  dem  Ufer  entlang  21  Puncte  fixirt,  welche  entweder  durch 
markaritc  Gegenstiinde  erkennbar  waren  odor  die  auf  Felsen  and  Baumen  mit  Kalk 
kenntlich  gemacht  wurden.     Die  Punkte  waren: 


1. 
2. 
3. 

4. 


Die  fliegende  Station. 
Die  Schleusse. 
Weissbezeichneter  Block. 
Ein  Baumstrunk. 
Kin  weissbezeichneter  Block. 


6.  Pavilion. 

7.  Weisses  Dreieck. 

8.  Weisse  runde  Scheibe, 

9.  Weisses  Kreuz. 
10.  Durchliau. 


Fig.  10.    Apparat  zu  Tiefenmessungen.    Photograflrt  von  Dr.  V.  Vavra. 

11.  Weisses  Kreuz  an  der  Seewand. 

12.  Weissbezeichneter  Block. 
18.  Weissbezeichneter  Bauni. 

14.  Ein  bezeichneter  Baum  am  rechten 
Ufer  des  Laubwiildchens. 

15.  Ein  bezeichneter  Baum  am  linken 
Ufer  des  Laabwftldchens. 


16. 

Ein  Baumstrunk 

im 

See. 

17. 

Durchhau. 

18. 

Eine  Weissbuche 

19. 
20. 

Durchliau. 
Durchliau. 

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21. 

Ein  bezeichneter 

Baum. 

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33 

Bei  Windstille,  die  hier  eine  grosse  Seltenheit  ist,  stellten  wir  den  Kahn 
zuerst  zwischen  zwei  Puncte  z.  B.  18.  und  7.,  (siehe  Fig.  9)  wandten  dann  den- 
selben  in  die  zwei  andere  Punkte  verbindende  Linie  urn,  /,.B.  14—  20;  und  liessen 
nun  das  Senkblei  herab,  wobei  33  m  Tiefe  constatirt  wurde.  Die  ersten  Messungen 
wurden  mit  einer  Schnur  gemacht,  die  von  Meter  zu  Meter  mit  rother  Seide 
markirt  war.  Da  zeigte  es  sich,  dass  die  trocken  gemessene  Schnur  im  Wasser 
sich  urn  10°/0   verkiirzte. 

Das  nachste  Jahr  verscbafften  wir  una  ein  Drathseil,  zu  (lessen  Gebrauche  uns 
die  Direction  der  Gewerbeschule  in  Prag  eine  geeignete  Winde  anfertigen  Hess,  deren 
Bild  wir  in  Fig.  10.  geben. 

Das  Drathseil  wurde  mit  Messingdrathringen  von  Meter  zu  Meter  signirt 
und  von  5—5  m  mit  rother  Seide  markirt.  Zum  Bremsen  der  Winde  wurde  das 
Ruder  benutzt. 

Ms  Ergebnis  der  durchgefiihrten  Messungen  erwies  sich  vor  Allem,  dass 
der  Seegrund  unterhalb  der  Seewand  steil  abfallt  (siehe  die  Karte  Fig.  (.».  Mes- 
sungspuncte  12,  13)  und  in  der  Fortsetzung  der  Spalte  des  ersten  Seewandriickens 
die  grosste  Tiefe  von  40  m  erreicht. 

Ferner  wurde  in  der  Tiefe  von  32  m  zwischen  Punkt  14  und  15  ein  Platteau 
constatirt,  das  etwa  200  m  im  Durchmesser  hat. 

Weiter  gegen  den  Abtiuss  ist  eine  auffallende  ibnahme  der  Tiefe  von  32  zu 
zu  17  m  (zwischen  den  Puncton  19  und  6)  wahrzunehmen. 

Dann  ninmit  die  Tiefe  allmiihlig  bis  zum  Schleussen-Damm  ab.  Die  Errichtung 
des  Dammes  hob  nur  unbedeutend  den  Stand  des  Sees. 

Der  See  bestand  schon  vor  der  Anbringung  des  Dammes  und  dieser  war  wohl 
ursprttnglich  durch  einen  naturlichen  Blockwall  gebildet,  bevor  er  behufs  Anlegung 
des  Fahrweges  modern  regulirt  wurde. 


Temperatur,  Farbe  und  Durch sichtigkeit  des  Wassers  des  Schwarzen 

Sees. 

Die  Temperatur  des  Wassers  des  Schwarzen  Sees  wurde  wiederholt  wiihrend 
der  Sommermonate  gemessen  und  zwar  mittelst  des  Tiefseethermometers  von  Negretti 
et  Zambra  (Fig.  11),  welches  beim  Heraufziehen  umgekippt  win),  wobei  die  Queck- 
silbersaule  abreisst  und  auf  der  Skala  am  ursprtmglich  oberen  Ende  der  Roln-e  ge- 
uiessen  wird. 

Somit  erliiilt  man  genau  die  Grade,  welche  in  der  gemessenen  Tiefe  waren, 
ohne  dass  beim  Heraufziehen  die  warmeren  oberen  Schichten  darauf  Einfluss  hatten. 

In  der  Begel  wurden  die  Messungen  an  der  tiefsten  Stelle  durchgeftihrt,  indem 
man  den  Kahn  mittelst  eines  grossen  Steines  verankerte  und  dann  von  5—10  m  das 
Thermometer  immer  auf  10—15  Minuten  herabliess.  Aueh  das  war  iihnlich  wie 
bei  den  Tiefenmessungen  nur  bei  vollkommener  Windstille  moglich. 


A 


B 


Fig.  11.  Das  Tiefseethcrmometer  von  Negretti   et  Zambra  in  '/i  "at.  Grosse. 
A.  beim  Herabsinken.     B.  beim  Heraufziehen. 


35 


Temperatur  des  Wassers  <l«'s  Schwarzen  Sees  in  C°. 


Luft 

Oberflache 

1  m 

10  m 

15  m 

20  m 

25  m 

30  m 

35  m 

1893. 

Mai  .... 

16-0 

9-0 

4-2 

4-2 

Juli  .... 

14-8 

4-6 

22f> 

16-4 

14-4 

5-8  j  4-8 

45 

4-5 

4-5 

4-4 

September    . 

15-4 

11-5 

Ll-5 

6-0 

5-0 

4-8 

4-6 

1894. 

Juni     .    .   . 

16-4 

13-2 

12-0 

7-8 

5-2 

5-0 

4-9 

4-8 

4-6 

In  der  vdrliegenden  Tabelle  ist  die  plotzliche  Temperaturabnahme  zwischen 
I  mid  10  m  Tiefe  auffallend. 

Hi  elder'*)  hat  nun  festgestellt,  dass  in  don  Alpenseen  zwischen  9  und  II  m 
eine  Schicht  vorkommt,  in  dor  ein  plotzlicher  Sprung  in  der  Temperatur  vorkommt 
niit  einer  Differenz  von  6 — 8"  C  und  nennt  dieselbe  „Spruiigschicht".  Es  werdon 
also  damit  von  mis  ganz  ahnliche  Verhaltnisse  fiir  die  Bohmerwaldseen  konstatirt. 

Die  Farbe  den  Wassers  wird  durch  eine  von  Forel  konstruirte  Skala  in  Glas- 
rohre  untersucht.  V)r  hat  dazu  bestimmte  Mischungen  von  Salzen,  welche  verschie- 
dene  Farbungen  von  blau  bis  griln  ergeben,  gebraucht.  Die  Forel'sche  Skala  weist 
13  verschiedene  blaue  und  griiae  Farbentone  auf.  Dies*!  hat  Ule  durch  eine  braune 
Salzlosung  auf  21  Tone  vermehrt.  Herr  0.  Wagner  aus  Leipzig  hat  nacli  dieser 
Skala,  (lit;  Farbe  des  Wassers  im  Schwarzen  See  als  einen  zwischen  Nro  12 
und   13  stehenden  griinlichbraunen  Ton  bestimmt. 

Die  Durchsichtigkeit  des  Wassers  im  Schwarzen  See  wurde  durch  Herablassen 
eines  weissen  Tellers  im  September  L893  an  260  cm  bestimmt,  variert  aber. 


Algen  des  Schwarzen  Sees. 
Zusammengestellt  rait  Hilfe  von  Prof.  Dr.  A.  Hansgirg. 


Die  A.lgen-Flora  des  Schwarzen  Sees  ist  sehr  arm.  Die  am  Ulbr  unter- 
tauchten  Baumstamme  und  Steinblocke  sehen  fast  wie  rein  geputzt  aus,  nurhieund 
da  trifft  man  einige  Algenfaden.  Eine  reichlichere  Menge  trifft  man  an  den  Isogtes- 
Wiesen,    doch  oirgends  findet  man  grossere   Aigenanhaufungen.  Im  Schwarzen  See 

*;  Eichter  .!•).,  Die  TemperaturverhaltiiiBse  der  Alpenseen.Verh.  d.  9.  Deutsch.  Geographen- 
foiges  zu  Wion.   1891. 

3* 


36 

und   theils  auch   im  Teufelssee   wurden  von  uns  und   vom    Autor   des  „Prodromus 
der  Algenflora   von  Bohmen"*)  folgende  Arten  sichergestellt : 

I.  Rliodopliyceae. 

Batrachospermvm  vagum  (Roth)  Ag.  auch  var.  b), 

keratophytum  (Borg.)  Sir.    An  den  Isoetes-Wiesen. 
Chantransia  Ilermani  (Roth)  Dew.    An  Stoinen  festsitzend. 

II.  CMorophyceae. 

Oedogonium  crispulum  Wittr.  &  Nordst., 

„  cryptoporum  Wittr.,  tenuissimum  Hansg. 

Stigeoclonium  tenuc  Ktz.  Im  Teufelssee  an  Baumstammen  unter  der  Seewand, 

aus  dem  Zufluss  verschleppt. 
Conferva  Jloccosa,  Vauch.,  tenerrima  Ktz.,  am  Ufer. 
Ophiocytium  cochleare  Eichw.     Unter  anderen  Algen. 

Tetraspora  gelatinosa   (Vauch.)  Desv.     In   dem  Tlimpel   neben  dem  Abflusse. 
Protococcus  botryoides  (Ktz.)  Krch.  Zwischen  den  Litoralalgen. 
Mongeotia  parvula  Hass.,  viridis  (Ktz.)  Wittr. 

Closterium  striolatum  Ehrb.,  parvulum  Nag.  Zwischen  den  Litoral-Algen. 
Euastrum  didelta  (Turp.)  Ralfs.,  ansatum  (Ehbg.)  Ralfs.  Ebenfalls  init  folgenden : 
Dysphinctium  palangula  Br6b. 

Tetnemorus  minutus  DeBy.  Sta.wastrum  muticum  Brel).,  hirsutum  (Ehbg)  Iirob., 
Micrasterias  notata  (Gre>.)  Ralfs. 

III.  Cyanopliyceae. 

Stigonema  informe  Ktz.,  oeellatwm  (Dillw)  Thr. 

Scytoncma  jiguratum  Ag.    Am  Ufer  haufig. 

Tolypothrix  lanata  (Desv.)  Wartm.  Haufig  an  den  untertaucliten  Baumstammen 

festsitzend. 
Calothrix  parietina  (Nag.)  Thr.,  oolitaria  Krch.     In  beiden  Seen. 
Lyngbya  rigidula  (Ktz.)  Hansg.     Ebenfalls. 
Gkocapsa  magna  (Brdb.)  Kiitz.     Am  Ufer  beider  Seen. 
Chroococcus  minutus  (Ktz.)  Niig.     Zwischen  Litoralalgen. 


Diatomeen  des  Schwarzen  Sees. 
Von  K.  Steinich. 


Die  beigefttgte    Fig.   12.   stellt    die  Diatomeen,    die  sich    in    dem  Schlamm 

aus  einer  Tiefe  von  20  bis  35  m  befanden  vor.  Es  sind  folgende  Arten: 

Navicula  gigas  F.  Fig.  12.  Nr.  5)  stimmt   ganzlich   mit  der  Abbildung  bei  Schmidt 

(Taf.  42.  Fig.  12),  aber  ist  noch  grosser.  Wahrend  Schmidt   die  Exemplare 

von  0'33  mm  Lange   abbildet,    kominen   im  Schwarzen    See  Exemplare  von 

039  bis  0-41  mm  Lange  vor,  bei  denen,  wie  in  der  unseren  Abbildung  oben 


*)  Dr.  A.  ITansgirg    „Prodromns   dor  Algenflora    von  Bohmoii".  2.  Archiv  dor  naturwissen- 
gohaftl.  Landesdurohforsohuag  von  BSbmen.  I.  Theil.  Im  IV.  Bd.  Nr.  6.  II.  Theil.  Im  Bd.  VIII.  Nr.  4- 


Fig.  12.  Diatomeen  ties  Schwarzen  Sees. 
13.  Navicula  tabellaria  Kg.  2.  Navicula  stauroptera  Gm.  4.  Navicula  gibba  Kg.  5.  Navicula 
gigas  E,  (>.  Navicula  rhomboides  E.  7.  Navicula  Hilseana  Jan.  8.  Navicula  serians  Kg.  9.  Nitzschia 
sigma  8m.  10.  Stauroneis  anceps  var.  gracilis.  11.  14.  Surirella  linearis  Sm.  12.  Navicula  Bre- 
bissonii  Kg.  13.  Navicula  borealis  Kg.  14.  v.  11.  15.  20.  Suriiella  biseriata  var.  bif'rons  Kg. 
16.  Himantidium  arcus.  17.  Gaillonella  distans  E.  18.  Himantidium  pectinale  Kg.  19.  Tabellaria 
ttooulosa  Ag.  20.  v.  15.  21.  Eunotia  robusta  Pritsch.  22.  Cocconema  parvura  Sm.  23.  Cymbella 
stomatophora  Gr.  21,  llantzschia  amphioxya  Grun.  25.  Gaillonella  lirata  Kg-  20.  28.  Gaillonella 
sp.  27.  Himantidium  majus  var.  bidens.  Sm.  28.  v.  2(>. 


38 


rechts  veranschaulicht  ist,  leicht  eine  dichte  Schraffirung  wabrzunehmen  ist, 
von  der  Grunow  bei  Pinnularien  eine  Erwahnung  thut. 

Navicula  major  E.     Bis  0\30  mm  lang.     Haufig. 

Navicula  viridis  Kg.    Nur  0*5  mm  L.,  mit  liberal!  paralleler  Schraffirung. 

Navicula  tabellaria  Kg.  (Nro  1.)  Lange  0'09— 044  mm.  Stimmt  mit  der  Ab- 
bildung  von  Vanhoerck.  Immer  ohne  Punkte  in  dem  medianen  Zwischen- 
raum.  Seltener  ist  die  Form  Nro  3.,  die  von  einigen  zu  Navicula  acro- 
sphacria  =  punctata,  gestellt  wird,  obzwar  bei  dieser  dor  mediane  Zwischen- 
raum  meiner  Moinung  oacb  immer  punctirt  ist. 

Navicula  stawoptera  Grw.  (Nr.  2)  mit  don  ahnlich  wio  hoi  N.  mesolepta  E.  ge- 
well'en  Seiten,  manchmal  zur  N.  divergens  tibergehend.  Nur  dor  von  der 
Mitte  zu  don  Seiten  sich  verbreitende  Stauros  macht  dieselbe  erkennbar. 

Nicht  hiiufig. 
Navicula  gibba   Kg.    (Nr.    4).     Bis  0*08  mm    hint;',    mit   dem    zu  don    Seiten  sich 
verengenden  Stauros. 

Navicula   Brcbissonii  Kg.  (Nr.   12).     Ziemlich   haufig. 

Navicula  borealis  Kg.  (Nr.  13).     Seiten 

Navicula  Hilseana  Jan.  In  schmalen  Exemplaren,  aber  zuweilen  auch  in  so  breiten, 

dass  dieselben  an  N.  Brauniana  erinnern.    Seiten. 
Navicula  affinis  E.     In  typischon  Fonnen. 
Navicula  amphirrhynchus  E.     Seiten. 
Navicula  rhomboidcs  E.  (Nr.  (!)  040—0M4  mm   L8nge.     Von    regelmftssiger  rliom- 

boischon  Form. 
Navicula  crassinervis  Brdb.     Kleiner,  von  nur  0*05— O065  mm  Lange. 
Navicula  serians  Kg.  (Nr.  8).     Sehr  haufig  von  0-06 — 040  mm  Liinge,    manchmal 

audi  vvinzig,  nur  von  0,025  mm  Lange.  Komnit  in  den  beiden,  rhomboischen 

und  seltener  Ianzettfijrmigen  Fonnen  vor. 
Stawoneis  phoeniccnteron  E.     0'09  mm  lang,  sehr  seiten. 
Stauroncis  anceps  var.  gracilis  (Nr.  10),   einziger  Zeuge  von  der  geographischen 

H5he  des  Sees.  Zart,  0*05— 0-06  mm  lang,  mit  vorgezogenen,  seiten  keulen- 

fonnigen  Spitzen.    Seiten. 
Cymbetta  stomatophora  Or.  (Nr.  23).    Seiten. 

Cocconema  parvum  W.  Sin.  (Nr.  22).  0'036—  O04  mm  lang.    Ziemlich  haufig. 
Amphora  oralis  K.     Sehr  seiten. 
Cocconeis  pcdiculus  E.    Ebonfalls  sehr  seiten. 

Himantidium  peetinale  Kg.  (Nr.  18).    0-0'—  0*05  mm  lang.    Sehr  haufig. 
Himantidium  arms  E.  (Nr.   16).  O06— 042  mm  lang.    Ziemlich  seiten. 
Himantidium  majus,  var.  bidens  Sin.  (Nr.  27).  Fine  in  hoheren  Lageii   vorkommende 

Diatomee.    Sehr  seiten. 
Eunotia  robusta  Pritsh.  (=  Himantidium  polyodon  F.)  (Nr.  21).     Sehr  haufig.     In 

Fonnen  mit  5  bis   19  Zillmon    am  ttiicken.     Dabei   nimmt  die   Lange  in  ge- 

wissem  Verhiiltnis  zu,  so  dass  <lurchschnittlich  bei  einer  Lange  von  : 

mm  6%     7,     71/,,     8,     8'/,,     9,     9l/„     18,     IF. 

ist  die  Zahl  der  Zahne :        7,      8,      9,     10,     11,     12,     13,     16,     L9. 


39 

Swirella  biseriata  var.  bifrons  Kg.   (Nr.  15,  20).  0'14— 0'24  mm  lang.  Tn  gymme- 

trischen  unci  auch  haufig  seitlich  assymmetrischen  Formen.   Sehr  haufig. 
Swirella  linearis  Sin.   (Nr.  11 — 14).    004— 0'09  mm  lang  und  von   veranderlicheK 

Form.   Ziemlich  hanfig. 
Hanteschia  amp/doxy*  Grun.  (Nr.  24)  in  kurzen  Formen  von  0'04— 0'06  mm  Lange. 
Nitrj.se/iia  sigma  Sm.  (Ni.  9).    Nur  in  einigen  Exemplaren.    Der  Kamm  unregel- 

massig  punctirt. 
Tabellaria  flocctdosa  Ag.  (Nr.  ID),  0-02— 0-03  mm  lang.     Haufig. 
Tabellaria  fenestrata.  E.     Seltener. 
Meridion  constrictum  R.     Sehr  selten. 
Q-aillonella  (Meridion)  distans  E.  (Nr.   17),  sehr  haufig. 
Oaillonella  Urata,  Kg.,  cine  in  den  Soon  vorkommende  Art. 
Gaillonella  sp.  (Nr.  26.  28). 

In  jedem  Tropfen  fanden  sich  Eunotia  robusta  Pr.,  Surirella  biseriata  Kg., 
Navicula  serians  Kg.,  und  Himantidium  pectinale  Kg.  vor.  Dem  Vorkommen  dieser 
Arten  nach  lasst  sich  (lie  Beschaffenheit  des  Sees  gar  niclit  zu  bestimmen. 

Die  oben  erwiilmten  Arton  kommen  fast  alio  audi  in  der  Ebene,  z.  15.  in  den 
Elbetiimpeln  vor,  die  ausgesprochenen  Bergarten  werden  dagegen  trot/,  der  hoben 
Lage  des  Schwarzen  Sees  ganzlich  vermisst. 


Fauna  des  Schwarzen  Sees, 
1.  Pelagische  Fauna. 


Die  pelagischen  Fange  wurden  in  den  Monaten  Mai  bis  October  gemacht, 
da  der  Schwarze  See  und  der  Teufelssee  vom  Monate  November  bis  Ende  April 
fast  ganzlich  unzuganglich  ist. 

Eine  interessante  Vergleichung  bieten  die  jetzigen  Resultate  mil,  den  von 
Prof.  Dr.  A.  Eric  ini  Juni  im  Jahre  1871  erzielton. 

Damals  enthielt  das  Netz  Tausende  von  Individuen  des  Holopedium,  wahrend 
in  der  jetzigen  Beobachtungsperiode  diese  Art  sehr  sparlich  war.  Daphnia  ventri- 
cosa  wurde  damals  ebenfalls  in  grosser  Monge  in  den  tieferen  Schichten  beobachtet, 
jetzt  haben  wir  dieselbe  ini  Schwarzen  See  nur  im  October  1892  gefischt,  in  den 
drei  folgenden  Jahren  ist  sie  ganzlich  verschwunden,  Auch  eine  Diaptomusart 
(Diaptomus  denticornis  Wierz.)  wird  damals  erwahnt,  wahrend  sie  jetzt  vermisst  wird. 

Diese  Veranderuug  der  pelagischen  Fauna  ist  wahrscheinlich  Folge  von  ausseren 
Einfliissen. 

Zuerst  wurde  der  See  in  der  Zeit  stark  mit  Saiblingen  beset/1;  und  wir  hatten 
Gelegenheit  uns  zu  iiberzeugen,  welchen  Einfluss  deren  Gegenwart  anf  die  Fauna 
austlbt.  Bei  den  friscb  eingesetzten  Fischchen  haben  wir  bei  den  nach  zwei  Tagen 
gefangenen  Exemplaren  den  Darm  mit  Acroperus  leucocephalus  vollgestopft  gefunden. 
'n  einem    arossen,    .'i2  cm  langen   Saibling  haben    wir   im  Magen   3000  Individuen 


40 

von  Holopedium  gezahlt,  an  einem  Tage  im  Juui,  wahrend  an  demselben  Tage  dass 
pelagische  Netz  auf  einer  Streckevon  etwa  500  Metern  nur  einige  Exemplare  dieses 
Krebses  enthielt. 

Ein  weiterer  Umstand,  der  auf  die  Veranderung  dor  Fauna  wirken  kann,  1st 
die  Trockenlegung  dor  Uferregion.  Aehnlieh  haben  wir  schon  dies  am  Gatter- 
schlager  Teiche  erlebt.*) 

Im  Jahre  1892  wurde  der  Wasserspiegel  dcs  Schwarzen  Sees  urn  275  cm 
herabgesetzt  (Fig.  Nr.  7.  Seite  30),  wodurch  grosse  Flachen  des  Ufers  trocken- 
gelegt  wurden. 

Im  nachsten  Sommer  ist  in  Folge  (lessen  aus  der  Uferregion  Polyphemus, 
aus  der  pelagischen  Daphnia  verschwunden,  deren  Wintereier  eben  an  diesen  Stellen 
sich  ansammeln  und  so  am  trockenen  Ufer  liegen  blieben.  Als  der  See  (hum  wieder 
zwei  Jahre  vollgespannt  war,  wurde  eine  Zunabme  des  Planktons,  was  seine  Menge 
betrifft,  wahrgenommen   und  Polyphemus   ist  wieder   in  der  Uferregion  erschienen. 

Die  pelagische  Thierwelt  bildet  im  Schwarzen  See  an  der  Oberflache  bis  ZU 
drei  Meter  Tiefe  Holopedium  gibbenm  und  Cyclops  strenum,  in  den  grosseren 
Tiefen  erscheint  Daphnia  ventricosa  und  Bosmina  bohemica.  In  den  spateren  Mo- 
naten   ist  dann   aussclilicsslich   Cyclops   strenuus   der   einzige    Bewohner  des  Sees. 

Im  Folgenden  ist  der  Erfolg  der  pelagischen  Fange  chronologisch  zusammen- 

gestellt. 


6.  October 


27.  October 


1893. 

13.— 18.  Mai 


Oberflache 

T.  des  Wassers  12"  C 

1  Meter  Tiefe 


5  M.  Tiefe 

Oberflache 

Luft-T.  9°  C 

Wasser-T.  5-5°  0 


Oberflache 
(13.)  Luft-T.   L3°  C 
Wasser-T.  7"  0 

10  M.  Tiefe 


Fang  sehr  arm       j  Holopedium 


Fang    sehr  sparsam 


Auf  eine  lange 
Strecke:  3  Exempl. 


Sparsamer  Fang 


8] 


larsamer  Fang 


Holopedium 
Daphnia  ventricosa 
Cyclops  strenuus 

Holopedium 
Daphnia  ventricosa 

Cyclops  strenuus 


Junge  Ilolopedion 


Cyclops  strenuus 


*;  Fri8  und  Vavra,  Die  Thierwelt  des  Cnterpocernitzer  und  Gatterschlager  Teiohes  als 
Resnltat  der  Arbeiten  an  der  (Ibertra^baren  zoolcgischen  Station.  Arohiv  f.  naturw.  LancUs- 
diu-chf.  v.  Bfthmen.  IX.  '2.  Prag  1894. 


41 

18.— 30.  Juli 

Oberflaohe 

tlber  did  ganze  Lange' 

Einige  Cyclops  stre- 

des Sees,    dor  stark 

nuus,*  Holopedium, 

unter  dem  Normale 

und  dickwandige 

t 

stand: 

Algcn  Scytonema. 

1  M.  Tiefe 

5  Exempl. 

Holopedium 

Zahlreich  : 

Nauplius 

5  M.  Tiefe 

Selir   armor  Fang 

Holopedium 
Bosmina  bohemica 
Cyclops  strenuus 

22—2(5. 

September 

Oberfliiche 

Sehr  sparsames  Ma- 

Bosmina bohemica 

terial 

Holopedium  (2  Exmpl.) 

5  M.  Tiefe 

Holopedium  mit  Som- 

mereiern 
Bosmina  bohemica 

Cyclops  strenuus 

10  M.  Tiefe 

(zahlreiche  Metanau- 
plien) 

Cyclops  strenuus 
(in  copula) 
Bosmina  bohemica 

15  M.  Tiefe 

Sparliches  Material 

Cyclops  strenuus 

(einige  Exemplare) 

20  M.  Tiefe 

Sehr   sparliches  Ma- 

torial 

Cyclops  strenuus 

18!>4. 

Uber  die  ganze  Lange 

Holopedium  (adult. 

20—28.  Juni 

Oberfliiche 

dos  Seos: 

otwa  .">o  Exempl.) 
Bluthenstaub  dor  Co- 

niforon 
Floscularia  an  den 

Algen 

1  M.  Tiefe 

Holopedium 

(adult,  und  juv.) 

5  M.  Tiefe 

Einige  Exemplare 

Holopedium 
Cyclops  strenuus 
(Mctauauplien) 

15  M.  Tiefe 

Einige  Metanauplien 
v.  Cyclops  strenuus 

42 


11—18. 
September 


18!>5. 

16—23.  Juli 


18!Mi. 

September 


20  M.  Tiefe 
Oberfliiche 

10  M.  Tiefe 

15  M.  Tiefe 
20  M.  Tiefe 

Oberflache 

5  M.  Tiefe 

10  M.  Tiefe 
15  M.  Tiefe 

20  M.  Tiefe 

Oberfliiche 
2  M.  Tiefe 

5  M.  Tiefe 


Einige  Exemplare 


Zahlreich 


Sparliches  Materia 


Metanauplien  von 
Cyclops  strenuus 

Holopedium 
Cyclops  strenuus 
sparlich 

Bosmina  bobemica 
Cyclops  strenuus 

Wie  in  10  m 

(Verlust    des    Tief- 
netzes^ 


Sehr  sparliches  Ma-     Holopedium  juv. 


terial 

Zahlreich 
Sparlicher 


Sehr  arm 
Reichliches  Material 

Sparliches  Material 


Cyclops  strenuus 

Bosmina  bohemica 

Cyclops  strenuus  juv. 

Cyclops  strenuus 
Cyclops  strenuus 
Bosmina,  bohemica 
sparlich 

Cyclops  strenuus 


Cyclops  strenuus 

Cyclops  strenuus 
in  copula! 

Cyclops  strenuus 


2.  Ufer-  und  Bodenfauna  des  Schwarzen  Seas. 

Die  Ufer  des  Schwarzen  Sees  sind  vorwiegend  von  Felsblocken  gebildet. 
Zwischen  den  Felsentrummern  liegen  da  ganze  Baumstamme  oft  von  grossen  Di- 
mensionen.  Doch  fast  keiue  lebenden  Wesen  finden  da  ihre  Wohnstatte.  l»i(' 
Steine  sind  von  den  Wellen  bier  ganz  rein  geputzt,  nur  hie  und  da  findet  man  eine 
Nephelis  und  ihre  Cocone,  oder  das  Larvengehause  einer  Kocherfliege,  eine  Sialis- 
oder  Libellula-Larve.  Die  Stamme  sind  ausserst  sparsam  von  braunen  Algen 
Tolypotbrix  und  Scytonema  besetzt.  Der  einzige  rege  Bewohner  dieser  6den  CJfer- 
regiOn  ist  Polyphemus  oculus. 


43 

Belebter  ist  schon  das  CJfer,  wo  Sphagnum  und  Preiselbeeren  vegetiren.  Da, 
Wo  der  torfige  Untergrund  des  lifers  vom  Wasser  bespult  wird,  findet  man  regel- 
ffiiissig  gewisse  Rhizopoden  und  die  fur  den  See  eigenthilmliche  Alonopsis  elongata 
nebst  einigen  anderen  Oladoceren. 

Nur  an  zwei  Stellen  sind  kleine  Flachen  von  besonderer  Vegetation  bedeckt, 
namlich  die  nordostliche  Ecke,  und  am  siidlichen  Ufer  eine  kleine  Bucht  nahe  der 
Seewand,  die  von  Sparganium  affine  und  von  Glyceria  bewachsen  sind.  Da  herrscht 
verhaltuismassig  schon  regeres  Leben,  das  in  dem  Bilde  (Fig.  13)  einigermassen 
fur  den  Laien  veranschaulicht  ist.  Neben  der  Alonopsis  ist  daselbst  noch  Acro- 
perus  und  Oeriodaphnia,  dann  zwei  Cyclops-Arten  vorhanden,  die  von  kleinen 
Fischchen,  Saiblingen  und  Forellen,  eifrig  verfolgt  werden.  Auch  verschiedene 
1'iU'ven  von  Kocherfliegen  und  Gelsen  fallen  denselben  zum  Opfer.  Ini  Boden- 
schlamm  lebt  an  diesen  Stellen  die  seltene  Acantholeberis  curvirostra. 

Eine  Eigenthiimlichkeit  des  Schwarzen  Sees  sind  die  Isoetes- Wiesen,  die  sich 
in  einer  Tiefe  von  etwa  6  m  unter  dem  Wasserspiegel,  bei  vollgespanntem  See, 
in  der  Nahe  des  Abflusses,  am  siidlichen  Ufer  unweit  der  zoologischen  Station  und 
dann  unter  der  Seewand  bei  der  Mundung  des  Seebaches  befinden.  (Siehe  Fig.  9.  S.  J.) 

Die  starke  Herabsetzung  des  Wasserspiegels,  welche  wegen  Schleussenrepa- 
ratur  nothig,  aber  fiir  unsere  Arbeiten  in  vieler  Beziehung  ungtinstig  war,  hatte 
Wieder  den  Vortheil,  dass  die  Isoetes-Wiesen  leicht  zuganglich  wurdeu  und  mil. 
einer  Stange  von  21/s  m  ausgebeutet  werden  konnten. 

Hat  man  die  in  der  Tiefe  durchschimmernden  Pflanzen  aus  dem  sandigen, 
zwischen  FelsblGcken  gelagertem  Boden  herausgestochen,  so  kamen  sie  von  selbst 
auf  die  Oberflache  geschwommen. 

Wir  legten  uns  ein  Isoetesaquarium  an  und  hatten  so  Gelegenheit,  die  Thier- 
Welt,  welche  an  diese  Pflanze  gebunden  ist,  genau  zu  untersuchen. 

Ini  Folgenden  sind  die  faunistischen  Resultate  nach  den  verschiedenen  Fund- 
orten  zusammengestellt. 


1.  An  dem  felsigen  Ufer. 


October    L892. 


Polyphemus  oculus,  zahlreich 
Alonopsis  elongata 
Ceriodaphnia  pidchella    „ 
Acroperus  leucocephalus 
Chironomus  Larven 


Juli   1893. 


Polyphemus  oculus^  zahlreich. 
Alonopsis  elongata 
Acroperus  leucocephalus 
Alona  guttata 
Cyclops  fuscus 
Taphrocampa  annulosa 
Difflugia  globosa 


Fig.  is.    Leben  am  Ufer  bis  zum  Niveau  der  Isoetes-Wiesen  uud  in  der  Mitte  des  Schwarzen  Sees. 
(Nach  Skizzen  von  Dr.  Ant.  Frio  gezeichnet  von  Prof.  B.  Bause). 
1    Grossaugiger    Seekrebs  (Polyphemus   oculus).     2.  Gestrichelter  Linsenkrebs    (Alonopsis    elongata).     3.  Langarmiger   Buckelkrebs    (Holopediu.nl 
gibberum).     4.   Brauner    Hupferling   (Cyclops   fnscus).     5.  Forelle   (Salmo   fario).     oa.  Alpensaibling   (Salmo  salvelinus).     6.  Larve   der   gestreiften 
Kocherfliege     (Phryganea    striata).     7.   Kocherfliegen-Larve    (Limnophilus-larva).     8.    Glockenthierchen    (Vorticella    nebulifera).     9.  Raderthierchen 
(Rotifer   macrurus).    10.  Brachsenkraut   (Isoetes   lacustris).    11.  Raderthierchen   (Floscnlaria   edentata).     12.  Strudelwurm    (Stenostoma  leucops). 


45 


Mi  L893. 


Juni  1894. 


1896. 


Difflugia  pyriformis 
Eylais  setosa 
Diplodontus  fuscatus 
Larven  von  Kocherfliegen : 
Chaetopteryx  villosa 
Phryganea  striata. 

{Polyphemus  gandich  verschwunden). 

Alonopsis  elongata,  zahlreich. 

Pleuroxus  nanus 

Chydorus  sphaoricus 

Stigmaeus  scapularis 

Larven  von  Chaetopteryx  villosa 


Polyphemus,  Acroperus  leucoeephalus, 
Pleuroxus  excisus. 
Im  Torfe  vor  der  zool.  Station:    Difflugia  arcula 

Navicula  rhomboides 
Tabellaria  flooulosa 
Guillonella  lirata. 


2.  Uferfauna  an  den  von  Glyceria    und  von  Sparganium  bewachsenen 

Stellen. 


Acroperus  leucocophalus 
Ceriodaphnia  pulchella 
Eurycercus  lamellatus 
A  cantholeberis  curvirostra 
Chydorus  Bphaericus 
Cyclops  fuscus 
Cyclops  serrulatus 


Diaschiza  pacta, 
Stylodrilus  Gabretae 
Chironomus-(Larven) 
Chaetopteryx  villosa-(Larve) 

Navicula  gibba 
Navicula  gigas 
Larvo  von  Triton  alpestris  (24.  VI.  1894). 


3.  Bodenfauna  an  den  von  Brachsenkraut  (Isoetes  lacustris)  bewachsenen 

Stellen. 


Alonopsis  elongata 
Acroperus  leucoeephalus 
Eurycercus  lamellatus 
Eyocryptus  sordidus 
Cyclops  fuscus 
Cyclops  serrulatus 
Diaschiza  pacta 
Metopidia  lepadella 
Floscularia  edentata 
Rotifer  niacrurus 
Taphrocampa  annulosa 
Monostyla  lacustris 


Dorylaimus  stagnalis 
Pachydrilus  sphagnetorum 

Mesostoma  l'ostratum 
Stenostoma  leucops 
Diplodontus  fuscatus 
Eylais  setosa 
Stigmaeus  scapularis 
Macrobiotus 
Liranophilus-Larven 
Chirononius-Larven 
Acineta  (auf  Cyclops) 
Vorticella  nebulifera 


46 


Difflugia  acuminata 
Difflugia  globulosa 
Centropyxis  aculeata 
Nebella  collaris 
Euglypha  ciliata 
Navicula  Brebissonii 


Navicula  borealis 
Navicula  rhomboides 
Navicula  tabellaria 
Navicula  serians 
Surirella  biseriata 
Eunotia  robusta. 


4.  Fauna  am  Grunde. 

a)   G  r  u  n  d  i  a  d  e  r  T  i  e  f  e  von  6  m. 

Gemulae  und  Nadeln  von  Euspongilla  lacustris  gemein. 

Kopfe  und  Schalen  von  Bosmina 


Nebella  collaris 
Vorticella  nebulifera 


Surirella,  biseriata  zahlreich. 


b)  Grund  in  der  Tiefe  von  15  m. 

Ausgewaschener  Schlamm  besteht  aus  pflanzlichen  Resten,  macerirten  Blattern 
von  Sphagnum,  aus  Holzfasern,  Bluthenstaub  von  Nadelholzern  und  feinen  Sand- 
kornchen  und  Glimmer. 


Alonopsis  elongata 

Pleui?oxus  excisus 

Canthocamptus  Schmeili 

Oypria  ophthalmica 

Leere  Schalen  und  Kopfe  von  Bosmina 

Ephippien 

Stylodrilus  Gabretae 

Tubifex  rivulorum 

Arcella  vulgaris 

Centropyxis  aculeata 


Difflugia  acuminata 
Difflugia  pyriformis 
Difflugia  arcula 
Oorythion  dubium 
Nebella  collaris 
Nebella,  bohemica 

Surirella  biseriata 
Navicula,  rhomboides 
Eunotia  robusta,. 


c)  Grund  in  der  Tiefe  von  20 — 25  m. 


Allona  affinis 

Kopfe  und  leere  Schalen  von  Bosmina 

Ephippien  von  Daphnien 

Cypria  ophthalmica 

Canthocamptus  Schmeili 

Monotus  lacustris 

Dorylaimus  stagnalis 

Chironomuslarven 

Nadeln  von  Euspongilla  lacustris 


Difflugia  pyriformis 
Difflugia  urceolaris 
Cyphoderia  ampula 
Nebella  collaris 

„       bohemica 
Surirella  biseriata 

Bluthenstaub  der  NadelhOlzer 
Excremente  von  Chironomus-Larven. 


d)  (i  ru  ii  tl  i  ii  (l  er  Tie  fe  v  o  a  30- 


Arcella  vulgaris 
„        angulosa 
Difflugia  pyriformis 
arcula 


Nebella  collaris 

„       bohemica 
Cyphoderia  ampula 


47 


Im  G-anzen   alles  todt. 

Kopfe,  Ieere  Schalen  und  Ephippien  von  Bosmina  bohemica,   Daphnia  ventri- 
cosa,  Ceriodaphnia  pulchella  und  Alona  affinis. 
Dann  zahe  Excremente  und  Bluthenstaub. 

Diatomeen  siehe  pag.  36.  Fig.  V2. 


Der  Bodenschlamm. 

Der  dunkelbraune  Schlamm,  welchen  das  IJetz  aus  verschiedenen  Tiefen 
herausholt,  hat  je  nach  dor  Tiefe,  aus  der  er  stammt,  audi  eine  etwas  abweichende 
Beschaffenheit  und  wir  kdnnen  vier  Categorien  unterscheiden :  1.  Tiefen-Schlamm. 
2.  Plateauschlamm,  3.  Abflussschlamm,  4.  Litoralschlamm. 

1.  Der  Tiefenschlamm  von  35 — 40  m  ist  fast  ganz  leblos. 

Er  besteht  aus  lauter  thierischen  Excrementen.  die  theils  rand  theils  walzen- 
formig  sind  und  wahrscheinlich  von  Phryganaenlarven,  Chironomuslarven  and  von 
Crustaceen  herrtihren  mogen.  Pflanzlicher  Detritus,  z.  15.  Holzfasern,  Bluthenstaub 
von  Coniferen  und  macerirte  Blattchen  von  Sphagnum  bilden  einen  geringen  Theil 
dieses  Bodenschlammes.  Sandkorner  gehSren  zu  Seltenheiten,  haufigersind  G-limmer- 
blattchen.  Haufig  sind  Diatomeen.  Auf  dem  Schlamme  liegen  Reste  von  Bosminen 
und  Daphnien,  dann  Ephippien  von  Daphnia  ventricosa,  Cyprisschalen,  Gemmulen 
von  Spongillen   und  zahlreiche  Rhizopodenschalen. 

Im  Ganzen  ist  alles  todt. 

'2.  Der  Plateauschlamm  aus  der  Tiefe  von  20 — 25  m  zeigt  schon  mehr  Leben. 
(Fig.  14.)  Seine  Zusammensetzung  ist  dieselbe  wie  beim  Tiefenschlamm,  lasst  man 
ilin  aber  etwas  durchgesiebt  1. — 2  Tage  auf  einer  seichten  Schtissel  stehen,  so 
koinmen  allmahlig  mehrere  lebende  Thiere  zum  Vorschein.  Als  weisse  Puncte 
erscheinen  die  sehr  bezeichnenden  Monotus  und  hie  und  da  ein  Tubificid.  Auch 
fanden    wir  da  den  Strudelwurm  Mesostoma  rostratum. 

Von  Crustaceen  hat  hier  seinen  Wohnsitz  der  Cauthocamptus  Schmeilii  und 
die  Oypria  ophthalmica. 

Von    den  Rhizopoden  waren  manche  lebend,    so  auch  die  grossen  Diatomeen. 

Diesen  Platteauschlamm  untersuchten  wir  hauptsachlich  von  dem  Plateau  vor 
der  Seewand,  Stldlicb  von  der  grossten  Tiefe  und  aus  der  Mitte  des  Sees. 

3.  Der  Abflussschlamm  findet  sich  im  untersten  Theile  des  Sees  gegen  die 
Schleusse  hin  und  zeichnet  sich  durch  sehr  viol  Pflanzendetritus,  namentlich  Blattchen 
von  Sphagnum,  aus.  Massenhaft  sind  oft  stellenweise  Crustaceenschalen  und 
Ephippien  angehauft. 

4.  Der  Litoralschlamm  ist  stellenweise  sandig,  stellenweise  torfig. 


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49 


3.   Verzeichniss  der  im  schwarzen  See  beobachteten  Arten. 
Wtirzelfttssler  (Rhizopoda). 


Am  Grunde  sowohl  beim  Ufcr  als  auch  in  don  tieferen  Schichten  findet  man 
im  schwarzen  Sec  die  Wurzelfttssler.  Es  sind  zuerst  die  unumganglichen  Arcella 
und  Difflugien-Arten,  und  daneben  die  dun  torfigen  Grand  liebenden  Nebelliden. 


Hyalodiscm  Umax  Dnj.  An  don  von  Glyceria  bewachsenen  Stellen.  Diese  Amoebe 
anderte  sehr  rasch  ihre  Korperform  von  dor  langlichen  in  eine  birnformige 
mid  wieder  in  die  langliche. 

Arcclla  vulgaris  Ehbg.  (Fig.  L3.  Nr.  16.)  [Arch.  IX.  2.*)  p.  41  Fig.  11.]  Regel- 
massig  am  Grunde  bis  zu  20  m  Tiefe.  In  30  m  Tiefe  seltcn,  audi  die  var. 
angulosa  Ehbg. 


'flugia  piriformis  Forty.    (Fig.  13.  Nr.  14.)    [Arch.  IX.  2.  p.  41.  Fig.  12].    In 
alien  Tiefen  haufig. 

DiJ'jlugia  acuminata  Ehbg.     Am  Ufcr  |Arch.  IX.  2.  p.  42.  Fig.  13]  auf  Brachsen- 
kraut-Wiesen  und  in  15  m  Tiefe. 

DiJ'jlugia  urceolata  Cor.   [Arch.  IX.  2.  p.  42.  Fig.  14].   Eimnal  in 
25  m  Tiefe. 

DiJ'jlugia  globulosa  Duj.    Am  Ul'or  und  auf  Brachsenkraut-Wiesen. 

Difftugia  arcula  Leidy.  (Fig.  15.)  Ihre  Schale  ist  chitinos,  durch-    Fiarc'uia  uS'* 
scheinend  und  von  sparlichen  Glimmerplftttchen  bedeckt.    Sie     Vergr.  isomal. 
konnnt  regelmftssig  ziemlich  hiiulig  am  torfigen  Dfer  vor.  Sol- 
tenor  in  15  m  bis  30  m  Tiefe. 

Centropyxis  aculeata  (Fig.  13.  No.  15.)  St.    Nicht   seltcn  auf  den  Brachsenkraut- 
Wiesen  und  in  15  m  Tiefe. 

Cyphoderia  ampulla  Leidy.     Nur  am  Grunde  in  20  bis  35  m  Tiefe. 

Nebella  collaris  Leidy.    Regelmassig  liberal]  am  Grunde  zu  treffen. 

Ncbclla  bohemica  Tar.  (Fig.  10).    Diese  im  stidlichen  Bohmen  weit  verbreitete  Art 
fanden  wir  im  Schwarzen  See  am  Grunde  in  einer  Tiefe  vou  15 — 30  m. 


'■)  Frit  und  Vdvra,  Die  Thierwelt  des  UnterpoiSernitzer  und  G-atterschlagerTeicb.es  als  Re- 
sultat  der  Arbeiten  an  der  llbertragbaren  zoologischen  Station.  Axchiv  der  naturw.  Landes- 
durohforschung  von  BOhinen.  IX.  Band.  Nr.  2. 


50 

Euglypha  ciliata  Leidy.    (Fig.  17.)    Setter  an  den  [soetes-Wiesen  und  am  Grunde 
in  15  nt,  Tiefe. 


Corythion  dubmm  Tar.     Am  Grunde  in   15  m  Tiefe. 


Fig.  16.  Nebella  bohemica  Tar. 
A.  Schalcs  mit  dem  Thiere  von 
vonic.  />'.  Schalo  von  der  ge- 
druckten  Seite.  Vergr.  loomal 
(naoh  Tar.). 


(,ig.  17.   Euglypha  ciliata   Leidy. 

Vergr.  SOOtnal. 

(nach  Tar.). 


A.ufgussthierchen  (Infusoria). 


Die  Aufgussthierchen  kommen  im  Plancton  des  Schwarzen  Sees  ausserst 
selten  vor.  Nur  als  wir  uns  ein  Aquarium  mit  Isoetes  anlegten,  Hind  in  dem- 
selben  nach  mehreren  Tagen  Infusorien  erschienen,  von  denen  wir  nur  fliichtige 
Skizzen  aufnehmen  konnten,  da  dieselben  nur  sehr  voriibergehend  sicb  unter  dem 
Mikroskope  zeigten.  Es  waren  einige  Euglena-Arten,  Glaucoma  scintillans,  Colpoda 
Steinii  und  einige  Paramecium  und  Stylonicliia. 

Zwischen  den  Algen  an  den  Isoetes-Wiescn  trat'eu  wir  regettnftssig  Vorticella 
nebulifera  an.    (Fig.  12,  Nr.  8). 

An  den  Antennen  und  an  den  Mandibeln  von  Cyclops  fuscus  fanden  wir  im 
October  1802  eine  Bchon  von  uns  im  Arch.  IX.  2.  p.  43.  Fig.  L9  abgebildete 
Acineta  mit  dicken,  kurzen  Tentakeln.  Wir  hofften  dieselbe  in  den  folgenden 
Jahren  naher  studieren  zu  konnen,  dieselbe  kam  aber  Ieider  nicht  mehr  zum 
Vorschein. 


51 


Sponglae  (Schwttmmc). 


Euspongilla  lacmtris  L.  Sttsswasserschwamm.   Bei  der  Durchmusterung  von  Grund- 
proben   aus   einer  Tiefe    von   6   bis   25   m   fanden   wir   hSufig   Nadeln   und 
Gemmulae  einer  Spongilla-Art.    Die  letzteren  sind  dadurch  interessant,  dass 
sie   mit  einigen   Nebenmicrodioden   und  nebstdem  mit 
stacheligen,  schwach  gekrummten  Nadeln  versehen  sind. 
(Fig'.    18.)    Wir   liaben   also   rait   einer  tlbergangsform 
zwischen    Sp.   lacustris    und    rhouana    zu   tlnm.    Diese 
letztere  Varietat  besitzt  an  den  Gemmulen  glatte  Nadeln 
und  Nebenmicrodioden,  wahrend  die  typische  Sp.  lacustris 
Gemmulae  ohne  Microdioden  mit  stacheligen  Nadeln  hat. 
Den  Schwamm  selbst  haben  wir  vergeblich  gesucht.  Audi 
bei  dem  niedrigsten  Wasserstand  des  Sees  im  Jahre  L892 
kam    er    nirgends    zum  Vorschein.     Das    haufige   Vor- 
kommeu   der  Gemmulen   und  Nadeln  ira  Grundschlamm 
zeigt  alter,  dass  dieser  Schwamm  an  einem  unzuganglichen  Orte  in  betracht 
liclier  Menge  vegetirt. 


Fig.  is.    Gemmula 
eines  Siisswasser- 
schwamm.es  (Eu- 
spongilla lacustris  L.) 
aus  dem  Schwarzen 
See.  Vergr.  50mal. 


Warmer  (Vermes). 

Die  Fauna  der  Wtlrmer  im  Schwarzen  See  ist  als  arm  m  bezeichnen.  Die 
von  Brachsenkraut  bewachsenen  Stellen  lieferten  hauptsachlich  Raderthierchen, 
wahrend  das  A.uswaschen  des  Grundschlammes  einige  Strudelwurmer,  unter  diesen 
den  interessanten  Monotus,  und  sparliche  Oligochaeten  lieferte. 


Stenostoma  leucops   Osc.   Schm.    (Arch.  IX. 
[soetes  im-Juli. 


p.  45.  Fig.  22).    Selten  zwischen 


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Fig.  19.  Mesostoma 
rostratum  Ehbg.   Vergr.  4()mal. 


Fig.  20.  Monotus  lacustris 
Zach.    Vergr.  4()mal. 


4* 


52 

Mesostoma  rostratum  Ehbg.  (Fig.  19.)  Zwischen  Isoetes  und  am  Grande  in  L5  m 
Tief'c.    Im  September  waren  viele  Exemplare  mit  Eiern  angefilllt. 

Monotus  lacustris  Zach.  (Fig.  20).  Dieser  interessante,  mit  einem  Gehorsteinchen 
versehene  Strudelwurm  wurde  zuerst  im  Jahre  1881  im  sogenannten  „Grossen 
Koppenteiche"  im  Riesengebirge  von  Dr.  Otto  Zacharias  gefunden*)  und  be- 
schrieben.  Spelter  wurde  dieselbe  Art  in  Russland  in  Peipus  und  in  meh- 
reren  Schweizer  Seen**)  gefunden.  Die  Art  ist  also  fur  die  hochgelegenen  Seen 
charakteristisch  und  vielleicht  hangt  seine  Verbreitung  mit  den  Erscheinungen 
der  Glacialperiode  zusammen.  Wir  fanden  das  Thier  am  23.  Juni  1894  im 
Schlamme  aus  25  m  Tiefe.  Es  erschien  am  n&chsten  Tage  auf  der  Ober- 
flache  des  in  diner  flachen  Schale  unter  Wasser  gehaltenen  Schlainmes  als 
weisser  Punkt.  Die  von  uns  im  Juni  gefundenen  Exemplare  waren  geschlechtlicb 
imreif  und  von  l-5  mm  Liin^e.  Zacharias  gibt  die  Grosse  der  von  ihni  im 
August  im  grossen  Koppenteiche  gefangenen  Exemplare  bis  an  .')  mm  Lange 
an,  wobci  die  Thiere  geschlechtsreif  waren.  In  den  zwei  folgenden  Jahren 
ist  uns  dieser  interessante  Strudelwurm  nicht  mehr  zu  Gesicht  gekommen. 

Dorylaimus  stagnates  Duj.  Ziemlich  regelmSssig  an  den  Brachsenkraut-Wiesen, 
audi  aus  25  m  Tiefe. 

Stylodrilus  gabretae  Vejd  ***)  Dieser  interessante  Lumbriculid  wurde  im  J.  I  SSI 
zuerst  im  Bohmerwalde  und  zwar  in  einem  sumpfigen  Graben  zwischen 
Panzer  und  Spitzberg  entdeckt.  ****)  Der  Schwarze  See  ist  bisher  also 
der  zweite  Fundort  dieses  interessanten  Wurmes.  Die  Art  ist  durch  die 
langen  Penisrohren  ausgezeichnet.  Wir  fanden  diesen  Wurm  am  16.  Mai  1893 
im  Grundschlamme  vor  der  zool.  Station  in  einer  Entfernung  von  15  m  vein 
Ufer  und  am  2(1.  Juli  1894  zwischen  Glyceria  am  Damm  und  im  Grund- 
schlamme aus  15  m  Tiefe.  Die  Exemplare  erreichten  eine  Lange  von  3,5  cm 
iiml  waren  nicht  geschlechtsreif. 


Tubifex    rkulorum    Lam.     Nicht    haufig    im   Grundschlamme    aus 
Tiefe.     Die  Exemplare  waren  nicht  geschlechtsreif. 


und  30  m 


*)  Dr.  0.  Zacharias,  Studien    Qber  die  Fauna  des  grossen  und  kleinen  Teiches  im  Riesen 
gebirge.    (Zeitschrift  f.  wiss.  Zool.  XLI,  1885.) 

**)    Fr.  Zschokke,   Die  Thierwelt   der    Hochseen.    Verb,   der   deutscn.   zool.  Ges.   auf  <l°r 
I.  Jaliresrers.  von  1891. 

+**)  Vej'lor.ilnj,  System  und  Morphologic  der  Oligochaeten.    Prag  1884. 

****;  Silva  gabreta  lieisst  bei  Balbin  (Miscellanea  Regni  Boheraiae)  dm-  Bohmerwald. 


53 


Pachydrilus  sphagnetorum  Vejd,  Diesen  Enchy- 
treiden  fanden  wiv  am  torfigen  Ufer  und 
auf  den  Brachsenkraut-Wiesen,  die  Exeni- 
plare  waren  ebenfalls  nicht  geschlechtsreif. 

Aulostomum  gulo  Moq.-Tandon.  Wurde  vom  Dr. 
A.  Fri6  im  Jahre  L871  im  Seebache  unter 
dem  Diumii  gefunden.  Jetzt  haben  wir  die- 
selbe  weder  im  See  noch  im  Abflusse  gefundeD. 

Nephelis  vulgaris  Moq.-Tand.  Cocons  und  junge 
Individuen  fanden  wir  unter  den  Steinen  am 
Ufer  im  September  1890. 

Floscularia  edentata  Coll.  (Fig.  21).  Kommt  regel- 
m&ssig  an  den  aus  den  Brachsenkraut-Wiesen 
stammenden  Algen  festgesetzt  vor.  Einmal 
fanden  wir  dieselbe  an  der  Obei'fliiclie  des 
Wassers  auf  macerirten  Holzfasern.  Boson- 
dors  auffallend  ist  der  Stiel,  dor  im  contra- 
hirten  Zustande  scharfe,  spitzige  Dornen  auf 
jedem  Ringe  bildet. 

Rotifer  macrwus  Schrank.  Ebenfalls  an  don 
Brachsenkraut-Wiesen  ziemlich  haufig. 

Taphrocampa  annulosa  Gosso.     Kommt  nur  vor-     Fig.  21. 

einzelt    vor.    Wir    fanden    dieselbe    an    don 

IsoStes-Wiesen  und  auch  in  der  Uferzone  am 

felsigen  Ufer. 
Diaschim   pacta   Gosso.     (Fig.   22.)     Erscheint   nur   auf  don 

Isoetes  und  Glyceria  bowachsenon  Stellen. 
Monostyla  lunaris  Ehbg.    Ziemlich  haufig  zwischen  Isoetes. 
Metopidia  lepadella   Ehbg.    Zwischen  Algen   aus   don  von  Isoetes 

und  Glyceria  bewachsenen  Stellen. 


Krustenthiere  (Crustacea). 

Wasserflohe   (Gladocera). 

Holopedium  gibberum  Zad.  (Fig.  13.,  23.,  24.)  (Arch.  IX.  2.  p.  104. 
Fig.  69.)     Ist  der  bezeichnende  pelagische  Bewohner  in  der     F 


Floscularia  edentata,  Coll. 
Vergr.  280mal. 


von 


Diaschiza 


Mitte   dos  Schwarzen   Sees.     Im   Jahre  1.871   (Siehe  pag.  4.)      ^jjjj  g™^ 

wurde  das  Netz  mit  einer  unzahlbaren  Masse  von  Holopedium 

angefullt,   wahrend  dor   letzten  Jahre  kann  man  dessen  Vor- 

kommen  nur  als  spftrlich  bezeichnen.    Die  Ursache  dieser  Erscheinung  wurde. 

schon  auf  Seite  39.  besproehen.    Im  Mai  erschienen  im  See  die  ersten  Jungen. 


54 


(Fig.  24).  Diese  entbehrten  ganzlich  des  Buckets  am  Riicketi  und  sind  rait 
einer  ansehnlichen  Druse  im  Nacken  versehen,  die  wohl  die  gallertige  Hiille 
secernirt.  Die  jungen  sind  audi  schon  von  einer  ausserst  zarten  Hulle  um- 
geben,  die  sich  wahrend  des  Lebens  mittelst  Methylenblau  farbt.  Sie  Bchwimmen 
mil-  dem  Kopfe  uach  unten  gewendet,  wahrend  die  alteren,  sobald  der  Uiicken- 
buckel    zur    Aufhahme    von    Eiern    ausgebildet    ist,    mit    diesem   each    unten 


Fig.  23.    Holopedium  gibberum  Zadd.  in      Fig.  24.  Holopedium  gjbberum  Zadd.  Junges 
der  gallertigen  Iliillc.    Vorgr.  20mal.  Thier.    80mal  vergr. 

gewendet  sich  bewegen.  (Fig,  23.)  Die  gallertige  Hiille  ist  sofort  zweimal  so 
gross  als  das  Thier  selbst.  Am  Vorderende  ist  dieselbe  mit  einem  tiel'en 
Ausschnitt  (a),  durch  welchen  die  Antenncn  hervorragen,  versehen.  Am  Ilinter- 
ende  ist  in  der  Hiille  in  der  Gegend  des  Afters  audi  eine  Spalte  (b)  wahrnehmbar. 
Der  Buckelkrebs  erscheint  iin  Schwarzen  See  im  Mai,  wo  wir  im  Plancton 
nur  ganz  junge  Individuen  fanden.  Im  Juli  trafen  wir  dieselben  neben 
erwachsenen  Individuen,  die  schon  im  Brutraume  Sommereier  trugen.  In  der 
ersten  Halfte  des  Octobers  erscheint  Holopedium  im  Schwarzen  See  nur  nocb 
sparlich  und  Ende  dieses  Monats  wurde  es  dann  nicht  mehr  beobachtet.  Ver- 
gleichen  wir  das  Auftreten  des  Holopediums  im  Schwarzen  See  mit  dem  im 
Gatterschlager  Teiche  in  Stld-Bohmen  bei  Neuhaus  (Arch,  IX.  2.  p.  104), 
so  sehen  wir,  dass  es  im  See  um  einen  Monat  spiiter  auftritt,  da  dort  das 
Holopedium  schon  im  Miirz  in  jungen  Individuen  und  in  den  drei  folgenden 
Monaten  massenhaft  vorhanden  ist.  Dagegen  vcrscliwindet  dasselbe  im  Gatter- 
schlager Teiche,  der  um  600  m  o.  d.  M.  niedriger  als  der  Schwarze  See  liegt, 
schon  im  September,  im  Schwarzen .  See  lebt  es  noch  im  October.  Das  Bolo- 
pedium   bildet  im  Schwarzen   Sec  cine  wichtige  Nahrung  der  Saiblinge  und 


56 

Forellen,  was  wir  schon  oben  (Seite  39.)  besprochen  haben.  In  Folge  dessen 
hat  das  friihere  massenhafte  Auftreten  des  Holopedium  aufgehort.  Das  Holo- 
pedium  wurde  bei  Konigsberg  von  Zaddach  entdeckt  mid  bisher  noch  in 
Bohmen,  Galizien,  Frankreich,  England,  Schottland,  Danemark,  Norwegen, 
iiit  nordlichen  Russland,  in  Island,  in  Gronland  und  in  Nordamerika  gefuuden. 
Duphnia  longispina,  0.  F.  Miill.  var.  ventricosa,  Hellich  (Fig.  25)  (Syn.  Daphnia 
brevipennis  Sars).  Diese  von  Hellich  aufgestellte  Art  bildet  eine  Varietat 
von   Daphnia   longispina  0.  F.  Mailer   und    ist  mit  Daphnia   brevipennis  Sars 


Fig.  25.    Daphnia  longispina  var.  ventricosa,  Hell. 


identisch.  *)  (1.  c.  p.  293.)  Im  Jahre  1871  wurde  dieselbe  voni  Prof  Dr.  Frifi 
und  B.  Hellich  in  grosser  Menge  im  Schwarzen  See  in  dor  Tiefe  von  20  m 
gefischt,  jetzt  haben  wir  dieselbe  nur  am  6.  October  1892  in  einer  Tiefe  von 
5  m  beobachtet.  Wie  schon  erwahnt  wurde,  ist  in  demselben  Monate  der 
Wasserspiegel  fast  um  3  m  wegen  dor  Schleusse-Reparatur  orniedrigt  worden, 
und  von  der  Zeit  an  sahen  wir  die  genannte  Art  im  Schwarzen  See  nicht 
mehr.    Dagegen  war  diese  Daphnia  im  Teufelssee  ununterbrochen  vorhanden. 

Ceriodaphnia  pulchella  Sars.  Haufig  in  der 
Dferzone,  hauptsachlich  an  den  von 
Glyceria  bewachsenen  Stellen  voni  Juni 
bis  October.  Im  September  erschienen 
auch  die  Mannchen. 

Bosmina  bohemica  Bell.  (Fig.  26.)  Lebt  in 
dei'  Mitte  des  Sees  in  einer  Tiefe  von 
1  bis  15  m  in  reichlicher  Anzahl  voni 
Juli  bis  September.  Diese  Art  wurde  vom 
Hellich  im  Jahre  1871  im  Schwarzen 
See  entdeckt  und  bescbrieben  W.  11  art- 
wig*-)  sagt  von  der  iihnlichen  llosmina 
berolinensiS   tmhof:    „Hatten  die  Stttcke     Pig.  86.  Bosmina  bohemica  Hell.  90mal  vergr. 


M 


*)  ./.  Ulchard,  Revision  des  Cladoceres.    II.  Partie.  Paris,  1896. 

**)  W.Eartwig,  Die  Krebsthiere  der  Provin*  Brandenburg.    (Natnrw.  Wochenschr.  X  Hand. 
''.  4.'!.  1896.) 


5G 


2— ?,  Eier  im  Brutraume,  so  war  ich  oft  ira  Zweifel,  ob  ich  sio  als  B.  bohemica 
oder  Bosm.  berolinensis  ansprechen  sollte.  Die  Stticke,  welche  ich  ohne 
Bedenken  sofort  als  I>.  berolinensis  ansprach,  hatten  meist  keine  Eier  oder 
Embryonen  im  Brutraume.  Ich  bin,  nachdem  ich  eine  grossere  Anzahl  von 
Stucken  beider  Formen  untersuchte,  zu  dor  ftberzeugung  gelangt,  dass  Bosmina 
berolinensis  Imhof  keine  Species  ist,  sondern  nur  aus  jungeren  oder  sonst  wie 
im  Wachsthum  zurttckgebliebenen  Stucken  der  Bosmina  bohemica,  Hellich 
besteht. 


Fig.  27.    Acantholebeis  curvirostris  0.  F.  Mull.    40m,il  vergr. 

Acantholeberia  curvirostris  0.  F.  Mull.    Diese   Art   haben  wir   im  September  im 

Grundschlamme  zwischen  Glyceria  und  Sparganium  in  grosser  Anzahl  gefunden. 

Dor  Hinterrand  ist  sehr  lang  beborstet,  die  Borsten  brechen  aber  sehr  leicht 

ab.    Diese  sind  auch  nicht  an  dor  Figur  dieser  Art  bei  Hellich  abgebildet. 

(Arch.  III.  pag.  69.  Fig.  30.) 
Il.yocryptus  sonlidus  Liov.  (Arch.  IX.  2.  p.  53.  Fig.  35.)  Nur  sparlich  im  Scblamme 

von  Brachsenkraut-Wiesen. 
Eurycercus  lamellatus,    0.   F.   Mull.    (Arch.   II. 

Glyceria  und  Isoetes. 
Acroperua  leucoeephalus  Koch.   (Arch.  III.  p.  79. 

Isoetes,   Glyceria  und  Sparganium  vom  Juni 


4.    p.    239.    Fig.    45.)     Zwischen 


^^ 


Fig.  28.    Alonopsis  eionyata,  Sara  (nach  Hellich). 

70mal    rergr.    al  Lippenanhang.   m   Cuticularor- 

nament,  e  Embryo. 


Fig.  37.)  Am  Ufer  und  zwischen 
bis  October  gemein.  Bildet  die 
Nahrung  dor  jungen  Saiblinge,  bei 
denen  wir  don  Darm  m it  dieser 
Art  vollgestopft  fanden. 
Alonopsis  dongata  Sars.  (Fig.  28.)  nach 
Hellich,  Arch.  III.  p.  81.  Fig.  39.) 
Kommt  am  Ufer  und  zwischen 
Isoetes  mill  Sparganium  und  am 
Grunde  bis  zu  15  m  Tiefe  in 
grosser  Mongo  vor.  Sio  halt  sicb 
am  Grunde  und  wurde  vom  Juni 
his  October  beobachtet. 


57 

Alona   affinis,    Leyd.    (Arch  TX.    2.   p.   108.   Fig.   74).     Nur    spitrlich  im  Boden- 

schlamme  bis  zu  25  m  Tiefe. 
Alona  guttata,  Sars.   (Hellich,  Chid.  pag.  92.   Fig.  4'.).   50).    Nur   vereinzelt   an 

felsigen  Ufern. 
Plewoxus  excisus  Fischer.  (Hell.  Chid.  p.  99.  Fig.  56.    Nicht  h&ufig  iin  Litorale 

und  am  Grande  bis  zu  15  m  Tiefe. 
Pleuroxm  nanus  Baird.  (Archiv  II,  4.  Crust,  p.  240.  Fig.  59).    Vereinzelt  an  dera 

felsigen  Ufer. 
Plewoxus  truncatus    0.    K.   Mull.   (Archiv  II.   4.  p.   244.   Fig.  5;!).     Nur   sp&rlich 

in  dei-  Uferzone. 
Chydorus  sphaericus  0.  F.  Mull.  (Arch.  IX.  2.  Fig.  39).    Ziemlich  hiiufig  am  Ufer 

und  zwischen  Glyceria. 


Fig.  29.    Polyphemus  pediculus  l)e  Geer.    40mal  vergr. 

Polyphemus  pediculus  I)e  Geer.  (Fig.  29.)  Lebt  vorzugsweise  an  den  felsigen 
Ufern,  wo  es  keine  Vegetation  gibt  und  zwar  in  der  Kegel  in  grosser  Anzalil 
Wir  liaben  denselben  vom  Juni  bis  September  beobachtet,  Nach  dem  niedrigsten 
Wasserstande  im  Jahre  1894  erschien  diese  Art  iin  niichsten  Jahre  nicht  mehr. 
Nachdem  der  See  dieses  .la.hr  vollgospannt  wurde,  erschien  Polyphemus  in  der 
Uferzone  wiedor. 

Muschelkrebse  (Ostracoda). 

Cypria  opldhalmica  (Jur)  (Arch.  IX.  2.  p.  56.  Fig.  41)  (Fig.  14  nr.  18).  1st  der 
einzige  Muschelkrebs,  der  im  Schwarzen  See  lebt.  Er  kommt  hiintig  in  der 
Uferzone  und  am  Grunde  bis  zu  25  m  Tiefe  vor.  In  einem  nahe  am  Danim 
gelegenen  Ttimpel,  der  mit  dem  See  oft  in  Verbindiing  ist,  trafen  wir  Cyclo- 
cypris   globosa   (G.  0.  Sars),   die  wir  aber  uiemals  im  See   selbst  fanden. 


Spaltflissler  (Copepoda). 

Cyclops  strenuns  Fisch.  (Arch.  IX.  2.  p.  57.  Fig.  44).  Lebt  mit  dem  Holopedium 
in  der  pelagischen  /one  und  setzt  in  einigen  Monaten  allein  das  Plancton 
zusammen.     Im    Mai    und    im  Juli   siml    die  Nauplien    und   Metanauplien,  die 


58 


(lurch  grosse  Fetttropfen  lebhaft  roth  gefarbt  erscheineu,  baufig.  [in  August  und 
September  sind  die  geschlechtsreifen  Individuen  in  grosser  Menge  vorbanden. 
Ende  September  sind  wieder  die  Nauplien  vorherrscbend.  Dieser  Hlipferling 
lebt  in  der  pelagischen  Zone  grosstentheils  in  einer  Tiefe  von  1  bis  5  m, 
docb  trifft  man  ilm  audi  an  der  Oberfl&che  und  in  der  Tiefe  bis  von  15  m. 
Cyclops  fuscus  .lur.  (Arch.  III.  4.  p.  21.8.  Fig.  11).  Lebt  vorzugsweise  in  der 
Uferzone  und  ist  ein  steter  Bewobner  der  Brachsenkraut-Wiesen  und  zwischen 
Glyceria  und  Sparganium.  Die  Exemplare  waren  dunkeloliv  gefarbt. 
Cyclops  serrulatus  Fisch.  (Arch.  III.  4.  p.  222.  Fig.  18).   Hauflg  zwischen  Glyceria 

und  Sparganium. 
Cyclops  nanus  Sars.  Diese  Art  hat  Dr.  Mrazek*)  an  einer  von  Sparganium  be- 
wachsenen  Stelle  im  Schwarzen  See  gefunden.  Wir  haben  dieselbe  nicht 
beobachtet,  In  dem  neben  dem  Damm  gelegenen  Tumpel  haben  wir  Cyclops 
crassicaudis  Sars  gefunden.  Dieser  winzige  Bupferling  war  von  einera  kreide- 
weissen  Aussehen. 
Canthocamptus  Schmeili  Mraz.  Diese  von  Dr.  Mrazek  in  Pribram  entdeckte  Art 
wurde  ausser  Bfihmen  nocli  in  Deutschland  und  in  Schottland  gefunden.  Wir 
haben  dieselbe  aus  dem  Bodenschlamm  aus  einer  Tiefe  von  15  m  erhalten. 

Diaptomus  denMcomis  Wierz.  (Fig.  24.)  (Diaptomus  castor  b.  Fri6, 
Sitzungsber.  d.  b.  (ies.  d.  Wiss.  1871,  siehe  audi  Seite  4  der 
vorliegenden  Arbeit.)    Dei   der  Revision  des  vom  Jahre  1871 
stammenden  Materiales  fanden  wir,  dass  die  frtiher  als  Dia- 
ptomus  castor  bezeichnete  Art  der  von  Wierzejski  beschrie- 
bene    Diaptomus   denticornis   ist.     In   der   Beschaffenheit    des 
fiinften  mannlichen   und  weiblichen  Fusspaares  stimmten   die 
erwiihnten  Exemplare   mit   dieser  Art  ganzlich    (iberein,    doch 
das    letzte    Glied   der    rechten,    mannlichen   Antenne,    zeigte 
nicht  den  charakteristischen  Zahn,  sondern  nur  einen  stumpfen, 
hyalinen  Vorsprung  (Fig.  80).    Dies  stimmt  also  mit  den  von 
Wierzejski  im  Czorba-See  im  Tatragebirge  gefundenen  Exem- 
plaren.  **)    Der  erwahnte  Autor  halt  diese  Varietat  nur  fiir 
eine   Friiblingsform.     Wierzejski    hat    diese    Form    Mode   Mai 
gesammelt,   Fric   hat   sie   im   Juli   gefunden.    Wir   haben   diesen   Diaptomus 
weder  im  Schwarzen  See    noch   im  Teufelssee  gefunden,    obzwar  ihn  Fric  und 
Hellich  im   .).  1871   als  haufig  angeben.     In  Bohmen  ist  diese  Art  noch  aus 
dem  Plockelsteiner  un  1  dem  Arber-See  im  Bfthmerwalde  bekannt. 


Fig.  80.  Zwei 
letzten  Glieder  d. 
rechten  miiniili 
lichen  Antenne 
von  Diaptomus 
denticornisWierz. 
290mftl  vergr. 


Spinnenthlere  (Arachnoidea). 

Die  Wassermilben  (Hydrachnidae)  sind  im  Schwarzen  See  nur  durcb  einige  Arten 
vertreten.     Wir  trafen    dieselben   an   den   von  Glyceria   und  Sparganium   be- 


*)  Mvdzek,  Dr.  AL,  Pffspevky  k  poznaiii  sladkovodnich  Copepodft  (Sitzungsber.  d.  k.  holim. 
(ies.  d.   Wiss.  1893.  VIII.). 

**)  Wierzejski  A.,  [Jbersicht  der  Crustaceen-Fauna  G-alisriens.  (Akad.  d.  Wiss.  in  Krakau  1895.) 


59 

wachseneu  Stellen,  wo  aie  qui-  vereinzelt  leben.  Folgende  Beschreibung  der 
von  una  gesammelten  Hydrachniden  des  Schwarzen  Sees  verdanken  wir  Herrn 
K.  Thon. 

Eyla'is  setosa  Koenike.  Nur  eine  Nymphe.  Diese  stimmt  mit  der  aus  einem 
Teiche  bei  Gol6-Jenikau  gefundenen  Art,  die  Herr  F.  Koenike  in  Bremen  als 
KylaTs  aetoaa  anerkannt  hatte.  Die  yorliegende  Nymphe  weicht  nur  unbe- 
deutend  in  der  Form  der  Palpen  von  den  reifen  Exemplaren  ab. 

Diplodontus  fuscatus  Thon  (Fig,  81.)  weicht  von  der  bekannten  Art  (Diplodontus 
despiciens  0.  F.  Mull.)  so  ab,  dass  man  dieselbe  als  eine  neue  Art  betrachten 
muss.  Das  Mannchen  1st  V2  mm  lang,  der  Leib  ist,  kugelffirmig,  etwaa  flach, 
ahnlich  wie  bei  I),  despiciens.  Die  Farbe  ist  tief  braun.  Die  Augen  ahnlich 
wie  bei  I),  despiciens  gestellt.    Die  Palpen  weichen  von  dieser  Art  wesentlich 


fig-  81.    Diplodontus  fuscatus,  Thon.    1.  Von  unten.    45ma]  vorgr.    2.  Palp,  mit  der  Lippe. 

.'(.  Mandibel.    4.  Genitalplatte. 


ab.  Das  zweite  Glied  ist  vie!  langer,  die  Borsten  sparsamer.  Das  vierte 
Glied  starker  und  kiirzer,  das  letzte,  acheerenformige  Glied,  machtiger.  Man- 
dibel langer  und  achlanker  als  bei  I),  despiciens.  Die  Lippe  weicht  nur 
wenig  ab,  das  Rostrum  ist  langer  und  schwiicher.  Die  Epimeren  sind  ver- 
haltnissmassig  kleiner  und  wetter  von  einander  geriickt.  Alle  Borsten  sind 
feiner  als  bei  I),  despiciens.  Die  Genitalplatten  sind  viel  schmaler  und  langer, 
fast  gerade,  die  Zahl  der  Stigmen  eine  geringere.  Die  Anne  des  Chitingerflates 
sind  stark  und  kurz.     Die  Oberflache  des  Leibes  ist  granulirt. 

■fyrhenurus  wens,  Mull.    Auf  den  Isoetes-Wiesen  nur  vereinzelt. 

Die  Tardigraden   sind    durch    den  Macrobiotus  macronyx  Duj.  vertreten,   der 

111  der  Dferzone  und  zwischen  den  Algen  auf  den  Brachsenkraut-Wiesen  lebt. 

Es  werden  audi  einige  Acariden  in  der  Uferzone  und  audi  zuweilen  pelagisch 

'"  der  Mitte  des  Sees  beobachtet,   die   zufallig   aus  dem  Moose  am  Ufer   in   das 

Wasser  gelangen.     1  inter  diesen  war  Stigmaeus  scapularis  C.  L.  Koch  haufig. 


60 

Insecten 

(Hexapoda). 

Die  Insecten-Larven  findet  man  im 

Schwarzen  See  nirgends  in  grosserer  Menge. 

I  )ie  ChironomuS'LavYen 

leben   im 

Schlamme  am  Ufer  und  am  Grunde,    aber 

immer  nur  vereinzelt. 

Zwischen  Glyceria  uud 

Sparganium  konunen  die  Larven  von  Cloe  und  Nemura 

vor  uud  nur  ganz  vereinzelt 

eine  Libellula-L&we. 

Ziemlich  haufig  ist  da 

die  Larve 

von  Stalls  lutaria  L.  (Fig    1.4.  Nr.   11.) 

An   den    CJfern   sind   < 

ie   Kocher 

Siegen-Larven    von    Phryganea   striata   uud 

besonders   von    Chaetopteryx 

villosa,   nebst   einer   naher   unbestimmbaren   Limno- 

philus-Larve  haufig. 

Die  Wasserwanzen  sind 

durch  die 

seltene  Glaenocorisa  cavifrons  Thorns,  uud 

die  Wasserlaufer  durch   die 

Hydrometr 

i  paludum   Fabr.  und    Velia   currens    Fabr. 

vertreten. 

Am  Ufer  tummeln  sicl 

einige  W 

isserkafer  Gyrinus   natator  L.,    Hydroporus 

palustris  L.  und  der  seltene 

Hydroporus  lotus  Steph.  herum. 

Systematische  Ubersi 

cht  tier  im 

Schwarzen  See  gefunrtenen  Arten. 

Hyalodiscus  Iimax  Duj. 

Monotus  lacustris  Zach, 

Arcella  vulgaris  Ehbg. 

Dorylaiinus  stagnalis  Duj. 

Arcella  vulgaris  var.  angulosa  Ehbg. 

Stylodrilus  Gabretae  Vejd. 

Difflugia  pyriformis  Perty. 

Tubifex  rivulorum  Lam. 

Difflugia  acuminata,  Ehbg. 

Pachydrilus  sphagnetorum  Vejd. 

Difflugia  urceolata  Cor. 

Aulostomum  gulo  Moq.-Tand. 

Difflugia,  globulosa  Duj. 

Nephelis  vulgaris  Moq.-Tand. 

Difflugia  arcula  Leidy. 

Floscularia  edentata  Coll. 

Centropyxis  aculeata  St. 

Rotifer  macrurus  Schr. 

Cyphoderia  ampulla  Leidy. 

Taphrocampa  annulosa  Gosse. 

Nebella  collaris  Leidy. 

Diaschiza  paeta  Gosse. 

Nebella  bohemica  Tar. 

Monostyla  lunaris  Ehbg. 

Euglypha  ciliata  Leidy. 

Metopidia  lepadella  Ehbg. 

Corythion  duliium  Tar. 

llolopedium  gibberum  /add. 

Acineta  crassipes  Fr. 

Daphnia   longispina   0.   F.   Mull.   var. 

Euglena  sp. 

ventricosa  Hell. 

Glaucoma  scintillans  Ehbg. 

Ceriodaphnia  pulchella  Sars. 

Colpoda  Steinii  Maup. 

Bosmina  bohemica  Eell, 

Vorticella  nebulifera  Ehbg. 

Acantholeberis  curvirostris  0.  F.  Mull. 

Euspongilla  lacustris  L. 

Ilyocryptus  sordidus  Liiv. 

Stenostoma  leucops  Osc.  Schm. 

Eurycercus  lamellatus  0.  F.  Mull. 

Mesostoma  rostratum  Ehbg. 

Acroperus  leucocephalus  Koch. 

61 


A-lonopsis  elongata  Sars. 
Alona  affinis  Leyd. 
Alona  guttata  Sars. 
Pleuroxus  excisus  Fisch. 
Pleuroxus  nanus  Baird. 
Pleuroxus  truncatus  ().  F.  Mull. 
Chydorus  sphaericus  0.  F.  Mull. 
Polyphemus  pediculus  De  Geer. 
Cypria  ophthalmica  Jur. 
(Cyclocypris  globosa  Baird.) 
Cyclops  strenuus  Fisch. 
Cyclops  fuscus  Jur. 
Cyclops  serrulatus  Fisch. 
Cyclops  nanus  Sars. 
(Cyclops  crassicaudis  Sars.) 
Canthocamptus  Schmeili  Mraz. 
Diaptomus  denticornis  Wierz, 
Eylai's  setosa  Koen. 
Biplodontus  fuscatus  Thon. 
Arrhenurus  virens  Neum. 


Macrobiotus  tnacronyx  Duj. 
Chironomus  (Larven). 
Cloe  (Larven). 
Nemura  (Larven). 
Libellula  (Larven). 
Sialis  lutaria  L. 
Phryganea  striata  L. 
Chaetopteryx  villosa  Pict. 
Limnophilus  (Larven). 
Glaenocorisa  cavifrons  Thorns. 
Hydrometra  pallidum  Fabr. 
Velia  currens  Fabr. 
Gyrinus  natator  L. 
Eydroporus  palustris  Fab. 
Bydroporus  latus  Steph. 
Salmo  trutta. 
(Salmo  salvelinus.) 
(Coregonus  roaraena.) 
Etana  temporaria. 
Triton  alpestris. 


B)  Dor  Teufelssee. 


Urspriinglich  hatten  wir  die  Absicht  nach  Abschluss  dor  Arbeiten  am 
Schwarzen  See  die  fliegende  Station  auf  1  oder  2  Jabre  an  das  Ufer  des  Teufels- 
;;,'<'s  zu  iibertragen.  Nach  reiflioher  Erwagung  dor  Unzug&nglichkeit  mittels  Wagen 
entschlossen  wir  uns  die  Dntersuchung  des  Teufelssees  von  der  Station  am 
Schwarzen  See  aus  durchzuftthren.  Auf  Fursprache  des  Ilerrn  Oberforster  Komarek 
verschaffte  der  Waldverein  in  Eisenstein  einen  Kahn  nach  dem  Muster  des  von 
ins  gebrachten  und  sind  wir  dem  Vereine  fur  die  Gestattung  der  Benutzung  des- 
selben  zu  Dank  verpflichtet.  Urn  die  mit  grosser  Mtihe  hierhergeschafften  Geriitli 
schafften  nicht  jeden  Tag  zurticktragen  zu  mttssen,  sowie  um  Obdach  bei  starkem 
l!'i'«cii  zu  flnden,  liessen  wir  nahe  dem  Fusssteige,  der  vom  oberen  Wege  herab- 
fuhrt,  ein  kleines  Hauschen  von  4  D  Meter  Bodenflache  nach  dem  Entwurfe  des 
Herrn  Oberfbrsters  Komirek  herstellen.  Trotz  diesen  zwei  Ililfsmitteln  war  das 
Cbertragen  des  Materials  mit  vielen  Unzukommlichkeiten  verbunden.  Dazu  gesellte 
sich  noch  die  ganzliche  Ruin  der  Schleusse,  welche  den  Wasserspiegel  um  21Ji  m 
herabsetzte  und  die  Uferfauna  stark  schadigte.  Es  kann  daher  die  nachfolgende 
Schilderung  der  gemachten  Erfahrung  keinen  Anspruch  auf  VoUstandigkeit  machen. 

Es  war  aber  doch  behufs  des  Vergleiches  mit  dem  Schwarzen  See  und  bei 
dem  Qmstande,  dass  der  Teufelssee  um  30  m  holier  liegt,  nothig,  denselben  zu- 
gleich  zu  untersuchen. 


62 


Lage,  Grosse,  Zufliisse  und  Entstehung  des  Sees. 


Dor  Teufelssee  liegt  in  derselben  Gebirgskette  wie  der  Schwarze  See,  von 
dem  er  durcli  die   1343  m  hohe  Seewand  getrennt  ist. 

Dor  Teufelssee  liegt  an  der  siidostlichen  Seite  der  Seewand,  die  im  Hintcr- 
grunde  des  Sees  ebenfalls  steil  in  den  Set1  herabfallt,  so  dass  hier  audi  cine  an 
Gletscherphanomen  erinnernde  Cirkusbildung  entsteht,  ahnlich  wie  beim  Schwarzen 
See.     (Fig.  32.) 


Fig.  8?.    Der  Teufelssee.    (Phot,  von  F.  Knitky  in  Kolin.) 


Die  Ausiii.'iss  des  Teufelssees  betragt  10*87  Hektar. 

Am  nordlichen  Ufer  miindet  in  den  Teufelssee  ein  kleines  Bachlein,  das  von 
den  Abblngen  des  Spitzbergos  (1199  m  o.  d.  M.)  herabfliesst,  ein  anderes  Bachlein 
stiirzt  gerade  von  der  Seewand  am  westlichen  Ufer  herab.  Andere  Zuflusse  trocknen 
im  Hochsommer  aus.  Der  Abfluss,  der  Seebach,  mundet  in  den  Eisenbach  nnd  dieser 
in  den  Fluss  Regen  in  Bayern.  Somit  gehSrt  der  Teufelssee  zu  dem  Donaugebiete, 
wiihrend  der  Schwarze  See  zn  dem  Elbegebiete  gehdrt,  da  sein  Abfluss  bei 
Klattau  in   die  Uhlavka  mundet. 


"Was  die  Entstehung  des  Teufelssees  anbelangt,  so 
hung  des  Schwarzen  Sees  Gesagte.     (Siehe  pag.  29). 


lilt  das  von  der  Entste- 


63 


Die  Tiefenmessungen. 

Die  Tiefenmessungen  wurden   am  Teufclssee  in  der  beim  Schwarzen  See  be- 
sprochenen  Weise  (Seite  31)  durchgefuhrt. 

Die  Tiefe  wurde  an  64  Punkten  gelothet.    (Fig.  33.) 


'■s    38.    Tiefenkarte    des  Teufelssees   nach   64  von  Dr.  Fric    und  Dr.  Vavra  durchgefiihrten  Mes- 

s"ngcn.     a,  b,  o  Zuflllsse,   d  Abfluss.     1  —  10   markirte   Messungspimkte,   n   die  Schutzhutte.     Der 

Kreis  in  der  Mitte  deutet  die  Ausdehnung  der  grossten  Tiefe  an. 


64 

Die  grtfsste  Tiefe  liegt  nicht  wie  im  Schwarzen  Sec  nahe  der  Seewand, 
sondern  ziemlich  in  der  Mitte  des  Sees,  wo  die  Lothung  35  m  als  die  grosste 
Tiefe  ergab.  Die  Ufer  fallen  hier  auch  niclit  so  steil  ab,  so  dass  der  Boden  des 
Teufelssees  eine  kesselformige  Vertiefune  darstellt. 


Temperatur,  Farbe  und  Durchsichtigkeit  des  Wassers  des  Teufelssees. 

Die  Temperatttrmessungen  des  Wassers  ergaben,  dass  ahnlich  wie  im  Schwarzen 
See  in  einer  Tiefe  von  20  m  bis  zum  (Irunde  eine  stete  Temperatur  von  4*2°  bis 
4"8°  C.  herrscht.  Wir  hatten  Gelegenbeit  die  Temperaturmessungen  nur  in  zwei  ver- 
schiedeneu  Monaten  durchzufiihren,  wegen  der  hier  selten  herrschenden  Windstille. 


Jul  i  1895    .   .    .    . 
September  1896  . 


Luft 

Olicrlliii'lii' 

5  m 

10  m 

1 5  in- 

'20   m 

25  -in. 

19-5 

17-2 

9  8 

5-0 

4.8 

4-8 

4-6 

13-0 

11-2 

10-2 

5-8 

4'6 

4-2 

4-2 

30     85  in 

4-6 
4-2 


Die  Farbe  des  Wassers  stimmt  nach  Herr  0.  Wagner  mit  dem  Nr.  15  der 
Scala  nach  Ule  iiberein. 

Die  Dwchsichtigkeit  des  Wassers  haben  wir  an  eincm  bellen,  BOnnigen  Tage 
im  September  auf  430  em  bestimmt. 


Fauna  des  Teufelssees. 

Vom  Teufelssee  sagt  dr.  Fric"  in  der  auf  der  Seite  4  erwahnten  Abhandlung: 
„Der  Teufelssee  hat  schon  eine  viel  geringere  Tiefe.  stimmt  aber  beztiglich  der 
Crustaceen  ganz  mit  dem  Schwarzen  See,  nur  sind  die  Eolopedien  viel  sparsamer 
vorgefunden  worden.  Weil  die  Ufer  gar  nicht  mit  Schilf  bewachsen  sind,  fehlen 
auch  hier  die  Lynceuse  ganz." 

Die  Ufer  des  Teufelssees  sind  ganzlich  kahl,  ohne  jede  Vegetation.  Nur  im 
Jahre  1894,  als  der  See  noch  vollgespannt  war,  fanden  wir  in  der  nordwestlichen 
Ecke  am  Ufer  eine  kleine  Wiese  von  Zanichelia  palustris,  die  aber,  nachdem  der 
Wasserspiegel  urn  250  cm  herabgesetzt  wurde,  in  Folge  der  Trockenlegung 
ganzlich  verschwand. 


1.  Pelagische  Fauna. 

Wiihrend   unserer  Arbeit   am  Teufelssee    vom  Jahre   1894  bis  1896   erscltion 
Holopedium  gar  nicht  mehr.   Dasselbe  wurde  noch  von  Hellich  1877  in  reichlicher 


65 


Menge  gefangen.   Wahrend  der  erwahnten  Zeit  warden  die  pelagischen  Fange  nur 
von  Cyclops  strenuus  and  von  Daphnia  ventricosa  gebildet. 

In  nachstehender  TabeUe  sind  die  pelagischen  Fange  chronologisch  angefuhrt : 


1894. 

September 


181>r>. 

Juni 

Juli 


18%. 

September 


Oberflaclie 

5  Meter  Tiefe 

15  M.  Tiefe 
30  M.  Tiefe 


Oberflaclie 

1  M.  Tiefe 

2  M.  Tiefe 

3  M.  Tiefe 

5  M.  Tiefe 

10  M.  Tiefe 
15  M.  Tiefe 


20  M.  Tiefe 
25  M.  Tiefe 

Oberflaclie 


Sehr  sparliches  Ma- 
terial 

Sparliches  Material 


SpMiches  Material 
Reichliches  Material 

Aufstellung  der  Schutz- 

hiitte 

Sparlicher  Fang 
Reichlicher  Fang 
Reichlicher  Fang 
Reichlicher  Fang 

Reichliches  Materia] 


Sparliches  Material 


Sparliches  Material 


Cyclops  strenuus 

Daphnia   (audi  juv.) 

ventricosa 
Cyclops  strenuus 

Daphnia    ventricosa 

(ohne  Eiern) 
Cyclops  strenuus 

Daphnia  ventricosa 
mit  1 — 2  Sommer- 
eiern 


Cyclops  strenuus 

Cyclops  strenuus 

Cyclops  strenuus 

Cyclops  strenuus 
Daphnia  ventricosa 

Cyclops  strenuus 
Daphnia,  ventricosa 
(junge  Stadien) 

Dasselbe 

Daphnia  ventricosa 
einige  grosse  Exem- 
plare 

Cyclops  strenuus 

Exuvien. 

Cyclops  strenuus 
Cyclops  strenuus 

Cyclops  strenuus 


66 


1890 

1  M.  Tiefe 

September 

5  ffl.  Tiefe 

10  M.  Tiefe 
15  M.  Tiefe 


Reichlicheres  Material 

Reichlichcs  Material 

einige  Exemplare  mit 

Sommereiern 

Spiirliches  Material 

Spiirliches  Material 

Einige  Exemplare 


Cyclops  strenuus 
viele  Mannchen 

Cyclops  strenuus 
Daphnia  ventricosa 


Cyclops  strenuus 
Cyclops  strenuus 
Daphnia  ventricosa 


2.   Ufer-  und  Grundfauna  des  Teufelssees. 

Ilellich  (1877)  fiilirt  einige  Lyneeiden  an,  die  er  am  Ufer  des  Teufelssees 
gesammelt  hat.  Es  sind  Acroperus  leucocephalus,  Alonopsis  elongata,  Pleuroxus 
excisus  und  PI.  truncatus.  Dieselben  Arten  kommen  audi  im  Schwarzen  See 
vor.     Wir  fanden  nachstehende  Vcrhaltnisse : 


1.    An   den   Ufern. 

Uberall  an  den  Ufern  ist  Polyphemus  pediculus  vorherrschend,  gewohnlich 
in  grossen  Massen. 

Hie  mid  da,  wo  Pflanzendctritus  zwischen  Steinblocken  angehauft  ist, 
halt  sich  audi  Alonopsis  elongata  und  Acroperus  leucocephalus  auf. 

Am  westlichen  Ufer,  wo  im  Wasser  viele  Baumstiimme  liegen,  trifft  man 
ausser  den  genannten  Arten  noch  Ceriodaphnia  pulchella  und  Eurycercus  lamellatus. 

Hier  beleben  den  Wasserspiegel  grosse  Schaaren  von  Glaenocorisa  cavifrons 
und  Gyrinus  natator. 


2.    fauna  am  Grunde. 

Im  Grundschlamme  in  einer  Tiefe  von  20  bis  35  m  ist  ebenfalls  wie  im 
Schwarzen  See  fast  alles  todt. 

Im  Grundschlamme  aus  einer  Tiefe  von  20  m  (siehe  Fig.  33.  zwischen  Punkton 
11  und  16)  waren  besonders  auffallend  leere  Schalen  und  Kopfe  von  Bosmina 
bohemica,  obzwar  wir  dieselbe  im  Teufelssee  in  den  Jahren  1898—1897  niemals 
lebend  fanden. 

Auch  Ilellich  (1877)  fiihrt  dieselbe  nicht  aus  dem  Teufelssee  an,  80  dass 
man  annehmen  kann,  dass  dieselbe  jetzt  giinzlich  aus  dem  Teufelssee  verschwunden  ist. 

Es  wurden  noch  in  diesem  Schlamnie  einige  Khizopoden  und  Diatomeen,  dann 
ziihe  Excremente,  vermuthlich  von  Phrygaueen-  und  Chironomus-Larven,  Bllithen- 
Staub  von  Nadelholzern  und  Prtanzendetritus  wahrgenommen. 


67 

Im  Grundschlamme  aus  35  m  Tiefe  wurde  lebendig  nur  der  Musehelkrebs 
Cyclocypris  laevis  angetroffeh.  Der  Schlamm  ist  da  sehr  zahe,  riecht  nacli  Eisen 
und  enthiilt  viele  Glimmerplattchen.  Ausser  den  Ilesten  von  Bosminen,  Daphnien 
und  verschiedenen  Insectenlarven  findet  man  nur  macerirte  Blattchen  von  Sphagnum 
und  Pflanzendetritus. 


3.  Bemerkungen  zu  den  im  Teufelssee  gefundenen  Arten. 


Audi   im  Teufelssee  findet  man  im  Grundschlamme   zahl- 
Susswasserschwammes,    den  Schwamm    selbst   haben   wir 


Buspongilla  lacustris 

reiche  Nadeln    des 

nicht  beobachtet. 
Holopedium  gibberum.     Kric  und  Hellicli  fuhren   dasselbe  aus  dem  Teufelssee  an, 

sagen  aber  von  demselben,   dass   es  nicht  in  so  grosser  Menge  vorhanden  ist 

als  im  Schwarzen  See.    Uns   kam   es  wahrend  den  Jahren    1893  bis  1896 

nicht  mehr  zu  Gcsicht,   so   dass   man   annehmen   kann,    dass   es   ganzlich  aus 

dem  Teufelssee  verschwunden  ist. 
Daphnia  longispina  var.  ventricosa  Hellich.     Lebt  in   iihnlichen  Verhiiltnissen  wie 

im  Schwarzen  See.    Sie  bevorzugt  cine  Tiefe  bis  15  m  und  war  im  Juli  sehr 

zahlreich  vorhanden.     Im  September  erschienen  auch  die  Mannchen. 
Ceriodaphnia  pulchella.     An   den  Ufern   ziemlich   gemein.     Im   September  fanden 

wir  auch  viele  Mannchen. 
Bosnrina  bohemica.     Hellicli    hat    dieselbe  nur  im  Schwarzen  See    gefunden.    Im 

Grundschlamme  des  Teufolssees   sind  aber  viel(>,  leere  Schalen  und  Kopfe  von 

Bosmina  bohemica,  im  See  selbst  haben  wir  dieselbe  auch  nicht  mehr  wieder- 

gefunden. 
J'ohjphenms  pediculus.     Lebt  an    den  Ufern   oft  in   grosser   Menge,   und   sammelt 

sich   hauptsachlich  an  flachen,   mit  Steinblocken  besetzten  Uferpartien,  wo  er 

schon  mit  blossem  Auge  wahrgenonimen  werden  kann. 
Vychpa  strenuus.    Setzt  hauptsftchlich  das  Plancton  zusammen. 


4.  Verzeichniss  der  im  Teufelssee  beobachteten  Arten. 


Arcella  vulgaris. 

Diffiugia  pyriformis  Perty. 
acuminata  Ehbg. 
globulosa  Duj. 

Euspongilla  lacustris  L. 

Holopedium  gibberum  /add. 
Daphnia  longispina  var.  ventricosa,  Hell. 
Ceriodaphnia  pulchella  Sars. 
Bosmina  bohemica  Hell. 


Eurycercus  lamellatus  0.  F.  Mull. 
Acroperus  leucocephalus  Koch. 
Alonopsis  elongata  Sars. 
Pleuroxus  excisus  Fisch. 
Pleuroxus  truncatus  0.  F.  Mull. 
Polyphemus  pediculus  De  Geer. 


Cypria  ophthalmica  Jur. 

Cyclocypris  laevis  0.  F. 

Cyclops  strenuus  Fisch. 
Cyclops  fuscus  Jur. 


Mull. 


5* 


mHHHHHHHMM 


68 


Cyclops  serrulatus  Fisch, 

Diplodontus  fuscatus  Thon. 
Arrhenurus  virens  Neum. 
Perla  (Larve). 
Chironomus  (Larvo). 
Phryganea  striata. 


Ohaetopteryx  villosa. 
Glaenocorisa  cavifrons. 
Notonecta  glauca. 
Gyrinus  natator. 
Salmo  trutta. 
liana  temporaria. 
Triton  alpestris. 


Vergleich  der  untersuchten  zwei  Bohmerwaldseen   mit  anderen  Seen 
Bohmens  und  mit  den  hochgelegenen  Gebirgsseen  uberhaupt. 

I.  Vergleich  der  Bdhmerwaldseen  mit  elnander  und  mit  den  Riesen- 

gebir#sseen. 

Ausser  den  zwei  untersuchten  Seen,  namlich  dem  Schwarzen  See  und  dem 
Teufelssee  ist  irn  Bohmerwalde  als  Gebirgssee  nur  noch  der  Plockersteinersee  an- 
zusehen,  der  alle  Eigenschaften  des  Gebirgssees  tragt.  Der  schon  in  Bayern  ge- 
legene  Arbersee  weist  eine  tlppige  ausgedehnte  Wasserflora  auf,  so  dass  aucb  die 
Fauna  einen  vorwiegend  litoralen  Charakter  tragt. 

Die  Fauna  diescr  Seen  ist  (lurch  zwei  Kormen  charakterisirt,  die  alien  ge- 
meinsam  sind.  Es  ist  Daphnia  longispina  var.  ventricosa  (Schwarzer  See  und 
Teufelssee),  und  var.  caudata  (Plockensteiner  und  Arber-See)  und  Diaptonws 
denticornis. 

Im  Plockensteiner  See  kommt  ausserdem  auch  Heterocope  saliens  vor.  Der 
Schwarze  See  und  der  Teufelssee  sind.  ausserdem  durch  das  Holopedium  giVberwm 
charakterisirt,  das  aber  auch  in  einigen  grosseren  Teichen  von  Stidbohmen  ge- 
funden  wurde. 


Schwarzer 
See 


Teufelssee 


A.rber  S. 


Plocken- 
steiner S. 


Holopedium  gibbcrum    .    .    .    . 

Polyphemus  oculus 

Daphnia  ventricosa 

Daphnia  caudata 

Diaptomus  denticornis    .    .    .    . 
Heterocope  saliens     


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


Ausser  den  Bohmerwaldseen  gibt  es  in  BShmen  nur  noch  zwei  Gebirgsseen, 
die  beiden  Koppenteiche  im  Riesengebirge.  Diese  wurden  schon  zweimal  von  Dt- 
Otto  Zacharias  eingehend  untersucht. 


69 


Die  beiden  Seen  sind  fast  urn  200  M.  hoher  als  die  B5hmerwaldseen  gelegen. 
(Schwarzer  See  1008  M.,  Teufelssee  1030  M.,  kleiner  Koppenteich  1168  M.,  grosser 
Koppenteich  1218  M.  o.  M.) 

Die  Bohmerwaldseen  sind  bedeutend  grosser.  Das  Ausmaass  des  kleinen 
Koppenteiches  betriigt  2"9  Ha.,  des  grossen  Koppenteiches  (V5  Ha.,  des  Teufelssees 
10-87  Ha.,  des  Schwarzen  Sees  18'46  Ha. 

Die  Tiefe  der  beiden  letztgenannten  Seen  ist  ebenfalls  bedeutender.  Die  grosste 
Tiefe  des  kleinen  Koppenteiches  betriigt  6'5M.,  des  grossen  23  M.,  des  Teufelssees 
35  M.  und  des  Schwarzen  Sees  40  M. 

Es  sei  noch  beraerkt,  dass  das  Reckon  aller  der  genannten  Seen  im  Urgebirgs- 


massiv  eingebettet  ist. 


Interessant  ist  die  Thatsache,  dass  der  grosse  Koppenteich  und  der  Schwarze 
See  den  Strudelwurm  Monotus  lacustris  und  das  Brachsenkraut  (Isoetes  lacustris) 
bewirthet,  die  beide  in  Bohmen  nur  in  diesen  zwei  Seen  vorkommen. 

Das  Bolopedium  gibberum  fehlt  aber  in  den  Riesengebirgsseen.  Aus  dem 
faunistischen  Verzeichnisse  dor  beiden  Koppenteiche  ist  ersichtlich,  dass  viele  Rhizo- 
poden,  Strudelwtirmer,  Raderthicrchen,  Cladoceren,  dann  die  Forelle  und  der  Alpen- 
molch  den   lSohmerwaldsecn  gemeinsam  sind. 

Unser  Verzeichnis  der  im  Schwarzen  See  beobachteten  Arten  weist  83  Arten, 
das  von  Dr.  Zacharias  *)  aus  dem  grossen  Koppenteiche  :$(>  Arten  auf.  Dieser  Unter- 
schied  ist  wohl  der  Hilfe,  die  uns  die  tibertragbare  zoologische  Station  geboten 
hat,  zuzuschreiben, 

Folgende  Arten  kommen  sowohl  im  Schwarzen  See  im  Bohmerwalde,  als  im 
grossen  Koppenteiche  im  Riesengcbirge  vor: 


Difflugia  pyriformis 

Diffiugia'  globulosa 

Euglypta  ciliata 

( lyphoderia  margaritacea 

Vorticella  sp.  auf  Cyclops 

Stcnostoma  leucojis 

Monotus  lacustris 

Dorylaimus  stagnalis 

Rotifer  vulgaris  (macrunis  im  Schwarz.  See) 


Monostyla  lunaris 
Daphnia  longispina 
Alona  affinis 
Acroperus  leucocephalus 
Cliydorus  sphaericus 
Tolyphemus  oculus 
Cyclops  strenuus 
Trutta  fario 
Triton  alpestris 


*)   Dr.  0.  Zacharias  Mini   /•;.  Lemmermann,    Brgebnisse  einer  biologischen  Excursion  an  die 
Hochseen  und  Moorgew&sser  des  Riesengebirges.    Berlin  1896. 


70 

II.  Vergleich  dcr  Hohmerwaldseen  mit  anderen  hochgelegenen 

Gebirgsseen. 

Am  nachsten  liegt  una  dor  Vergleich  mit  don  Tatraseen,  deren  Fauna  durch 
Wierzejski*)  und  Daday**)  bekannt  wurde. 

Die  Tatraseen  sind  ahnlich  wie  die  Bohmerwaldseen  durch  das  Vorkommen 
vou  Holopedium  gibberum,  Polyphemus  oculus,  Diaptomus  denticornis  und  Hetero- 
cope  sal  ions  charakterisirt.  Es  ist  fast  die  siidliche  Grenze  von  Holopedium,  da 
es  in  den  Alpenseen  nicht  mehr  zuin  Vorschein  kommt. 

Fauna  dcr  Alpenseen  ist  von  Imhof  und  Zschocke***)  zusammengestellt. 

Das  Resultat  dieser  Forschungen  zeigt,  dass  wir  in  hochgelegenen  Gebirgsseen 
eine  uberraschend  kosmopolitische  Fauna  nebst  nordisch-alpinen  Formen  autreffen. 

Eine  ziemliche  Reihe  von  don  Kosmopoliten  treffen  wir  ebenfalls  in  don 
Bohmerwaldseen.  Es  ist  unter  anderen  Diffiugia  pyriformis,  Dorylaimus  stagnalis, 
Daphnia  longispina,  Alona  affinis,  Pleuroxus  excisus,  Acroperus  leucocephalus,  Chy- 
dorus  sphaericus,  Cyclocypris  Iaevis,  Cypria  ophthalmica,  Cyclops  strenuus,  Cyclops 
serrulatus,   die  sowohl  in  den  Alpenseen,   als  audi  im  Flachlande  wiederkommen, 

Uberraschend  ist,  worm  wir  das  Verzeichnis  der  Thierwelt  dor  Seen  ties 
Felsengebirges  in  Nordamerika  betrachten,  und  nebst  alten  Bekannteii  aus  unseren 
Soon  audi  Holopedium  und  Polyphemus  wiederfinden.  Forbes f)  fiilirt  folgende 
Arten  an : 


Difflugia  globulosa 

Hydra  fusca 
Cyclops  serrulatus 
Daphnia  pulex 
Sida  crystal  I  ina 
Scapholeberis  mucronata 


Enrycercus  lamellatus 
Simocephalus  vetulus 
Acroperus  leucocephalus 
Chydorus  sphaericus 
Holopedium  gibberum 
Polyphemus  pediculus 


Es  ist  ersichtlich,  dass  die  Bohmerwaldseen  eine  Fauna  beherbergen,  die  am 
meisten  don  Tatra-Seen  ahnlich  ist. 

Zum  Schlusse  sei  noch  hervorgehoben,  dass,  wie  wir  es  bei  Schilderung  der 
Fauna  dor  untersuchten  Bohmerwaldseen  besprochen  haben,  die  Fauna  der  Seen 
nicht  ganzlich  constant  ist,  sondern  im  Laufe  der  Jahre  sich  in  Folge  ausserer 
Verhaltnisse  andert,  indem  einige  Formen,  die  einst  sogar  den  Hauptbestandtheil 
der  Fauna  zusammensctzten,  verschwinden  konnen,  manchmal  wieder  mine  orschoinen. 


*)  Dr.  A.  Wierzejski.  Przegl^d  fauny  skorupiak6w  galicyjskich.  (Sprawozdanie  komisyi 
Bzyograf.  Akad.  Um.  w  Krakowio.  T.  XXXI.  1896.) 

**)  Daday   Beitrage  zur  Kenntniss  der  Microfauna  der  Tatraseen.   (Term,  Vi\/..  XX.)  1807. 
"**)  Ztchocke  ¥.,  Die  Fauna   hochgelegener  Gebirgsseen.   (Verh.  d.  Naturf.  Ges    in    Basel, 
lid.  XL  Heft  I.) 

f)  Wbrbei  8.  A.  A  preliminary  report  on  the  aquatic  invertebrate  fauna  of  the  Sellowston 
National  Park,  Wyoming  and  of  the  Flathead  Region  of  Montana.  (Bull,  of  the  U.S.  Fish 
Comm.  for  1801.  Wah.    L808.) 


71 

Durch  unsere  Arbeiten  erscheint  die  Aufgabe  dor  Untersuchung  der  beiden 
Bohmerwaldseen  nicht  dofinitiv  gelost,  was  die  Folge  dor  schwierigen  Verhaltnisse 
ist,  mit  denen  wir  zu  kampfen  button,  und  spatere  Forschungen  werden  hoffentlich 
das  entworfene  Bild  erganzen. 


Literaturverzeichnis. 


10 
ii 

12 
13 


1885 

1887 
1887 

1887 

1.888 


Indem  wir  auf  die  neueren  Literaturverzeicbnisse  bei  Zschocke  (35)  und 
Apstein  (36)  verweisen,  fllhren  wir  hier  aur  einige  der  fttr  unsere  Arbeit  wichtigen 
Schriften  an. 


Frit  A.    tiber  die  Fauna  der  Bohmerwaldseen  (Sitzungsber. 

d.  k.  bohm.  Akad.  d.  Wiss.  1871  Prag). 
Frig  Dr.  Ant.    Die  Krustenthiere   BShmens.    (Arch.  f.  Lan- 

desdurchf.  v.  Bohmen.    II.  Bd.  IV.  Abth.) 
Frig  Dr.  A.  Uber  die  Crustacoonfauna  dor  Wittingauor  Toiche 

und   fiber  weitere   Untersuohungen  der  Bolimorwaldseen. 

(Sitzungsber.  dor  k.  bohm.  Akad.    d.  Wiss.  1873  Prag.) 
Ildlich  B.   Die  Cladoceren  Bo'hmens.   (Arch.  f.  nat.  Landes- 

durchf.  v.  Boliracu.)    Bd.  III.  IV.  Abthlg. 
Tardnek  R.     Monographio    der   Nobelliden   Bohmens.    Mit  5 

Tafeln.    (Abb.  d.  konigl.  bohm.  Ges.  d.  Wiss.  VI.  Folge 

11.  Band  Nr.  8.) 
Wierzcjski    Dr.  A.     Materialy    do    fauny  jezior    tatranskich. 

Spraw.  kom.  fyz.  t.  XVI. 
Vejdovsky    F.     System    und    Morphologio    der    Oligochaoten. 

Prag. 
Bayherger   Fr.     Goographisch-geologische    Studion    aus    dem 

Bohmerwalde.    (Petermann's    Mittlieilungen   Ergiinzungs- 

heft  Nr.  81.) 
Imhof  O.  F.   Studien  liber  die  Fauna  hochalpiner  Seen,  ins- 

besonde're    des  Kantons   Graubtinden.    (Jahresb.   d.  nat. 

Ges.  Graubiindon.     Jahrg.  XXX. 
Imhof  0.  E.  tiber  die  mikroskopiscbe  Thierwelt  hochalpiner 

Seen.  (Zool.  Anz.  X.) 
Fenck,  Bohm  u.  Rodler.    Bericht  liber  eine  genieinsame  Ex- 

cui-sion  in  den  Bohmerwald.  (Zeitschrift  d.  deutsch.  geo- 

logischen  Ges.  1887). 
Zacharias  Dr.  0.     Zur   Konntnis   der   pelagischen   und  lito- 

ralen  Fauna   norddeutscher  Seen.     (Zeitschrift  f.   wiss. 

Zoologie.    Hand  XLV.  2.) 
Imhof  /<;.  0.    Die  Vertheilung  der  pelagischen  Fauna  in  den 

Siisswasseibocken.  (Zool.  Anz.  XL) 


1 

1871 

2 

1.872 

3 

1873 

4 

1877 

5 

1882 

0 

1882 

7 

1.884 

8 

1885 

72 


14 

18!  io 

15 

1890 

1(5 

1891 

17 

1891 

18 

1891 

19 

1891 

20 

1  892 

21 


22 


23 


24 
25 
2« 

27 


2S 
2!) 

:$o 


1892 


1893 


1893 


1893 

1894 
1894 
1894 


1894 

1 895 
1895 


Imhqf  M.  0.  Das  Cladocerengenus  Bosmina.  Zool.  Anz.  X1IT. 

1890 
Seligo.    Hydrobiologische    Untersuchungen.     1.  Zur  Kenntnis 

dor  Lebensverhaltnisse  in  einigen  Westpreussischen  Soon. 

Schr.  d.  Naturf.-Ges.  zu  Danzig.   N.  F.  Hot,  7.  Heft.  3, 
Eichter  E.    Die  Temperaturverhaltnisse  dor  Alpenseen.   Ver- 

handlung  d.  9.  deutsch.  Geographentages  in  Wien  1891) 
VdvraDr.  V.  Monographic  dor  Ostracoden  Bohmens.  (Archiv 

f.  Landesdurchf.  v.  B6hmen.  VIII.  Band  Nr.  3.) 
Zacharias   Dr.  0.    Die  Thier-  und   Pflanzenwelt  des  Siiss- 

wassers.   II  B&nde.    Leipzig. 
Zschocke  Dr.  F.     Weiterer  Beiti'ag  zur  Kenntnis   dor  Fauna 

der  Gebirgsseen.    Zool.  An/.  Nr.  3(50  u.  361. 
Kafka  F.  Untersuchungen  der  Fauna  dor  Gewasser  BShmens. 

II.  Fauna  dor  bohm.   Teiche.    (Archiv  f.  Landesdurchf. 

v.  Bohmen.     VIII.  Band  Nr.  2.) 
Querne  J.  de  d  Richard  J.   Sur  la  faune  p&agique  de  quel- 

ques  lacs  des  Ibuitos-Pyrcnees.    (Assoc,  fr.  pour  l'avanc. 

des  sciences  Congr^s  de  Pari). 
Forbes  3.  A.    A  preliminary    report   on  the   aquatic    inverte- 
brate fauna  of  the  Yellowstone  National  Park,  Wyoming 

and   of  the   flathead  Eegiou  of  Montana,    (Bull,   of   the 

U.  S.  Fish.  Com.  Washington). 
Kiapdlek  F.    Untersuchungen  iiber  die  Fauna   der  Gewasser 

Bohmens    I.  Metamorphose   der  Trichopteren.    1.  Serie. 

(Archiv  f.  Landesdurchf.  v.  Bohmen). 

I.  Serie  VI.  Bd.    Nro  5. 

II.  Serie,  VIII.  Bd.    Nr.  0. 

Mrdnek  Al.  Beitrag  zur  Kenntnis  der  Harpacticidenfauna  des 

Siisswassers.     (Zool.  Jahrb.  v.  Spengel.  VII.  Band. 
imhof  F.  0.     Das  Flagella'engenUs   Dinobryon.    (Zool.  Anz. 

XVII.  1894). 
Stinyclin  Th.  Zwei  neue  Daphnidon  aus  dem  schweizer.  Hoch- 

gebirge.    (Zool.  Anz.  Bd.  XVII). 
Fric  Dr.  A.    und    Vdvra  Dr.  A.      Untersuchungen   iiber   die 

Fauna  der  Gewasser   Bohmens.    IV.    Die  Thierwelt  des 

Unterpooernitzcr  und  Gatterschlager  Teiches  als  Resultat 

der  Arbeiten  an  der  ubertragbaren  zoologischen  Station. 

(Archiv  f.  Landesdurchf.  v.  Bohmen,  IX.  Bd.  Nr.  2.) 
Zschocke  F.    Die  Thierwelt   der  Jurasoen.    (Revue    suisse  do 

zoologio.     Tom.  II.  Livr.  2.) 
Hartwig  W.  Die  Krebsthierc  der  Provinz  Brandenburg.  (Na- 

turwiss.  Wochonschrift.    X.  Band  Nr.  415.) 
Kofoid  C.  A.    A  report   upon  the  Protozoa,  observed  in  lake 

Michigan   and  the   inland    lakes    in  the  neighborhood  oi 


31 

1895 

32 

1895 

33 

1895 

34 

1895 

35 

1895 

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1896 

37 

L896 

38 

1896 

39 

1896 

40 

1896 

41 

1896 

42 

1897 

43 

1897 

44 

L897 

46 

4(» 

47 


1S97 
1897 

1897 


Charleroix,   during  the  summer  of  1894.    Bull.  Micliig. 

Fish  Conim.  Nr.  6. 
Stenroos  R.  E.   Die  Cladoceren  der  Umgebung  von  Helsing- 

fors.    (Acta  Soc.  Fauna,    Faunica.  XI.  Nr.  2.) 
Stingdin  Th.     Die   Cladoceren   der    Umgebung    von   Basel. 

(Revue  Suisse  de  Zoologie.   Bd.  III.) 
Wiergejski  Dr.  A.   Przeglad   fauny  skorupiakow  galicyjskich 

(Sprawozdanie  komysii  fyz.  Akad.  Um.  Krakow.  T.  XXXI. 
Zacharias  Dr.  <>.    Uber   den   Unterschied  in  den   iufgaben 

wandernder    und  stabiler  Susswasserstationen.    (Biolog. 

Centralblatt.  Bd.  XV.  Nr.  9.) 
Zschocke  F.    Die   Fauna   ho chgelegener   Gebirgsseen.    (Verb. 

(1.  naturf.  Ges.  in    Basel.    Bd.  XI.    Heft  I.) 
Apstein  Dr.  C.    Das   Stisswasserplankton.    Methode   und  Re- 

sultate  der  quantitativen  Untersuchung.  Kiel. 
Illinois    State    Laboratory    of   Natural    History.    —    Biennial 

Report    of  the  State    Laboratory    and    special    report  of 

the  University  Biological  Experiment  Station. 
Richard  J.    Revision  des  Cladoceres  Paris  1896. 
Ward  II.  B.    A  biological   examination   of  lake  Michigan  in 

the   traverse  Bay  region.    Bull,   of  the  Michigan   Fish 

Comm.   Nr.  6. 
Zacharias    Dr.    <>.     Quantitative    Untersuchungen    iiber    das 

Limnoplankton.    Berlin. 
Zacharias  Dr.  0.  u.  Lemmermann  E.    Ergebnisse  einer  bio- 

logischen  Excursion  an  die  Hochseen  und  Moorgewasser 

des  Riesengebirges.    Berlin. 
Daday  Dr.  Eug.  v.    Beitrage  zur  Kenntniss  der  Microfauna 

der  Tatra-Seen.    (Termeszetrajzi  Fiizetek.    Vol.  XX.) 
Frilsch  Anion  MI>.  Fresh-Water  biological  Stations:  Europes 

Example.    „Nat.  Science".    Vol.  X.  Nr.  61. 
Kofoid  C.  A.    Plankton  Studies.     Methods  and  apparatus  in 

use   in   plankton    investigations   of  the  biological   expe- 
riment  Station   of  the    University   at    Illinois.     Bull,    of 

the  111.   St.  tab.   of  Nat.  Hist.   Urb.  111.    Vol.  V.  art.  1. 
Scmir/icld   D.  J.    Wanted,   a   British  fresh-water   Biological 

Station.  „Nat.  Sc."    Vol.  V.    Nr.  59. 
Wagner   Dr.    P.,    Die  Seen    des   Bohmerwaldes.    Fine   geo- 
logisch-geographische   Studie,   zugleich  ein   Beitrag  zur 
Losung  des  Karproblems.    Leipzig. 
Vcsmir.  Itn  Jahre  1897  wurde  eine  Reihe  von  Abbandlungen 

uber  die  Bohmerwaldseen  veroffentlicht. 


-5HMS- 


Inhalt. 


Einleitung •'' 

Transport  und  Aufstellung  dor  diegenden  Station  und  Auszug  aus  dom  Tagebuche  ....  7 

Die  Flora  des  Schwarzen  Sees  und  des  Teufelsseea  mid  ihrer  [Jmgebung.  Von  Karl  Polak  '.) 

Die  Fauna  tier  Umgebung  des  Schwarzen  Sens  und  des  Teufelssees 14 

Chemische  Zusammensetzung  des  Wassers  aus  dem  Schwarzen  See.  Von  Dr.  J.  Hannamann  M 

Chemische  Zusai ensetzung  des  Wassers  aus  dem  Teuf'elssee   ....       24 

A.  J)er  Schwarze  See. 

Lage,  GrOsse,  Zuflusse  und  die  Entstehung  des  Schwarzen  Sees     .      28 

Die  Tiefenmessungen 81 

Temperatur,  Farbe  und  Durchsichtigkeit  des  Schwarzen  Sees 88 

Algen  des  Schwarzen  Sees.     Von  Prof.  Dr.  A.  Eansgirg 86 

Diatomeen  des  Schwarzen  Sees.     Von   R.  Steinieh 86 

Fauna  des  Schwarzen  Sees. 

I.  Pelagische  Fauna :i9 

'_'.  Ufcr    und  Bodenfauna 42 

:;.  Verzeichniss  der  im  Schwarzen  See  beobachteten  Arten 49 

B.  Der  Teufelssee. 

Lage,  GrOsse,  Zuflusse  und  Entstehung  des  Sees 62 

Die  Tiefenmessungen <>;! 

Temperatur,  Farbe  und  Durchsichtigkeit  des  Wassers  des    Teufelssees 64 

Fauna  des  Teufelssees. 

1.  Pelagische  Fauna 64 

2.  Uf'er-  und  Grundfauna  des  Teufelssees 66 

."!.  liemerkungen  zu  den  im  Teufelssee  gefuudenen  Arten 67 

4.  Verzeichniss  der  im  Teufelssee  beobachteten  Arten 87 

Vergleich  der  untersuchten  zwei  BOhmerwaldseen  mit  anderen  Seen  Bohmens  und  mil  den 

hochgelegenen  Gebirgsseen  (Iberhaupt ,irt 

I.  Vergleich  der  BOhmerwaldseen  mil  einander  und  mit  den  Riesengebirgsseen    .  68 

II.  Vergleich  der  BOhmerwaldseen  mit  anderen  hochgelegenen  Gebirgsseen   .       .  70 

Literaturverzeichniss 71 


X  AV  EITEPt     T3ANO. 

Zweiter  Theil. 

in.   Botanische  Abtheilung.    Dieselbe  enthalt: 
Prodromal  der  Flora  von  Bohmen  von  Prof.  Dr.  Ladislav  CelakovskMIL  Theil 


(Vergriffen.)  Preis 

IV.    Zoologische  Abtheilung.    Dieselbe  enthalt: 
a)  Prof.  Dr.  Ant.  Frie:     Die  Wirbelthiere  Bohmens. 
b) 


c) 


Die  Flussfischerei  in  Bohraen. 
Die  Krustcnthiere  Bohmens     Preis 


fl.  3-— 


V.   Chemische  Abtheilung. 

r.  Em.  B 
den  G  e 
Preis  dor  ganzen  z 


Prof.  Dr.  Em.  Boficky:   Cber  die  Verbreitung  des  Kali  und  der  Phosphorsfture 
G^^n  name'r^eitXndes-aiL.  IV.  u.  V.Abth/zusammen)  geb.  fl.  5- 


r>  R,  I  T  T  E  n    BAN  o. 


y.r„l.inIS0S?th d6enAbJthS?!:i8T9    vom  1,  1,   mi!,geog,  I?^-   ^onometrisch 
,ten   IT  6  b  en   von  Bohmen  herausgegeben  von  Prof  Dr.   Karl  Koi 

sk 


b  e  s  t  i  m  m  t 

Major  R.  Daublebsky  von  Stei 


fl.  1-80 


II.    Geologische  Abtheilung. 


n    den    Phonolithgesteincn    Bohmens    von 


I.  Heft.    Petrographische    Studien    an    den    Rhonomngesteinen    DOUIn«u|    ,w« 
Prof.  Dr.  Em.  Boficky.   Preis •    •_".:    '    '      '  r. _ 

II.  Heft.    Petrographiiche   Studien    an    den   Melaphy rgesteinen    liohmens    von 

Prof.   Dr.   Em.   Boficky.    Preis •    •    •    •    •        ■  .•    ■    •    •    ■    ' V  * 

III.  Heft.    Die   Geologie    des    bohmischen    Erzgebirges    (I.   Theil)    von    Prot.    ut^ 

Gustav  Lanbe.    Preis 

III.  Botanische  Abtheilung.  .  , 
Prodromal  der  Flora  von  Bohmen  von  Prof.  Dr.  Ladislav  Oelakovsky.     (HI.  IheU 

Schluss.)   Preis 

IV.  Zoologische  Abtheilung. 

I.  Heft.     Die  Myriopoden  Bohmens  von  F.  V.  Kosicky     Preis.  _ «    villi 

I  J.  Heft.     Die  Cladoceren  Bohmens  von  Bohuslav  Hellich.    Preil 11.  1  bU 

V.  Chemisch-petrologische  Abtheilung. 

Elemente  einer  neuen  chemisch-mikroskopischen  Min  eral- und  G  estcinsanalyse 

von  Prof.   Dr.  Boficky.    Preis   .    • 


No.  1. 
No.  2. 
No.  3. 

No.  4. 
No.  6. 
No.  6. 


No.  l, 


No.  2. 

No.  3. 

No.  4. 
No.  5 


No. 


6. 


VIERT  hZ  IX    B  AND. 

Studien    im    Gebiete    der    bohmischen    Kre  ideformation.     Die    Wellies 
berger  und  Malnitzer  Schichten  von  Dr.  Anton  Frio.     1  rets  .    .    .    .        £.  o 
ErUuterungen    zur   geologischen   Karte   der   Umgebungen   von  Pragjon 

J.  Kreiei  und  B,.  Helmhacker     . •    ■    •    •    •        •   : ,      '   '  A.'u'knvakv 

Prodromus  der  Flora  von  Bohmen  von  Prof.  Dr.  Ladislav  Celakovsky. 
(IV.  Theil.)  Nachtrage  bis  1880.  Verzeichnisi  und  Register  •••••■  pi'V  Dr 
Petrologischc    Studien    an  den   Porphyrgestemen   Bohmens  von   P™1^ 

Em.  Bofickv  und  Jos.  Klvafta ,;,•«',.■''    '    V>-„/  i?,i    Pn'on'fphil 

Flora  des  Flussgebietes  der  Cidlina  und  Mrdhna  von  Prof.  Ed.  1  osplcnal 

Der  Hangondflotzzug  im  Schlan -Rakonitzer  Steinkohlenbecken  TO^Carl 
Feistmantel ■   • 

FUN  F  T  I"-  it      15  A  N  D- 

Erll Ut.rung.n  .«  geologischen  Karte  t^| -"^^.^  ^^K 
und  der  angrenzenden  Gegenden  im  obtnoien  r>u"i  ^    ^       j  fl    ^  _ 

R.  Helmhacker    .    .    .  •        ■    •        •        •    ■  „  "   .', '.» '_, ,,  ts'nr,      ttt     Die    Iser- 

Studien    im    Gebiete    der    bohmischen    Kreidef ormation.     ill.    »10fl*s;$e_ 

schichten.    Von    Dr.  Anto n  Frio.  ■        ■    'ro„:"t'    '  „ tpi  «    i-20 

Die  mittelbohm.  Steinkohlenab  agerung  von ^Carl  Jeistmantel    g  •  *  1  ._ 

Die  Lebermooie(Musci  Hepatic. \*«*™™y™  *. j  UH  ^hen  GeMetes  im 
Orographisch-geotektonische   Ubers  cht     iu    snui   ^  fl    2._ 

mittleren  Bohmen.    Von  J  ohan  n  Krej  ci  und  ^atl   Feiitma|tel  .    .       .  n.  - 
Prodromus  der  Algenflora  von  Bohmen.    I.  Th.  Von  Dr.  A.  Hanigirg. 


No.  1, 


No. 
No. 

2, 
3. 

No. 

4. 

No. 

5. 

No. 

6. 

se  o  it  e  r  i;  it    it  a  n  d. 

uber  die  Torfmoore  Bohmens  in  naturwissenschaft licher  und  national- 
okonomischer  Beziehung  m i t  B e r (1  c k s i o h t i gu n g  dor  Moore  d e r  \  .i  c  h  ha r- 
lander.  Von  Dr.  Fr.  Sitensky.  I.  Abth.  Naturwissenschaftlicher  Theil.   .    .    .  fl.    2>80 

Die  Siisswasserbryozoen  Bohmens.    Von  Josef  Kafka fl.     120 

Grundzuge   eine'r  Ilyetographie  des   KOnigreiche  s   BOhmen.    Von    Dr.  F.J. 

Studnifika     .... fl     \  .50 

Geologic  des   bohmischen  Erzgebirges.    II.  Theil.    Von  Dr.  Gustav  C.  Laube. 

II.    250 
Untersuchungen   iiber  die  Fauna   dor  Gewftsser  BOhmens.    I.  Metamorphose 

der  Trichoptcrcn.  I.  Serie.   Von  Fr.  Klapilek fl,     120 

Prodromus    der   Algenflora    von    BOhmen.    I.  Th.    Forts.    Von   Prof.  Dr    Anton 
Hansgirg fl.    ;{._ 


S  I  E   H  E  JNT    V  E  It     B  A  IV  D. 

No.  1.    Die  Flechten   der  Umgebung  von  Deutschbrod  von  Jos.  Novak.   .   .fl     1 

No.  2.    Studieu  im  Gebiete   der  bohmischen   Kreideformation.   IV.  Die  Tepl'itzer. 

Sell  i  elite  11     Von  Prof.  Dr.  Ant.  Fric fl     $■_! 

No.  3.   Uber    die   chemische    Zusammensetzung    ver  sell  icdencr  Ackererd'en   und 

Ge  steinc  Bohmen's   und   ilber  iliren   agronomischen    Werth.     Von  Dr.  Jos. 

II  a  n. 1,111  a  nn _  U      o-— 

No.  4.   Die  tertiarcn  Land-  und  Kii  ss was  ser- Conch yli  en   des    nordw.   Boh  men  von 

Gottlieb  Klik a a     2-40 

No.  5.  Die  My  xo  my  cot  en  Bohmens  von  Dr.  Lad.  Celakovsky  (Sohn)  .  .'  .'  .'  .  fl  120 
No.  6.    Geologische  Karte   von   Bohmen.    Section  VI.    Entworfen  von  Prof,  joh  '  Krc  j  hi 

Mit  Frliiuterung  von  Prof.  Dr.  A.  Fric.   Preis fl     o-20 


No.  1. 
No.  2. 

No.  3. 

No.  4. 

No.  5, 

No.  6. 


A   <J    I  I     I     i;    IS        15   A  N  O. 

Ubersicht    der  Thfttigkeit  der   naturw.  Landesdurchf ors chune  v 

bis   1890  von   Prof.   Dr.  K.  Kofistka ., 

Untersuchungen  der  Fauna  d.  bOhm.  Gewftsser.   II.    fauna  d.  bOhm. 
von  Jos.  Kafka 

Monographie  der  Ostracoden  Bohmens.  Von  Wenzel  Viiv'ra    .    .    .    . 
Prodromus   der  Algenflora  von   BOhmen.    Zweiter  Theil.    Von  Prof.  Dr. 


.1.  1864 
fl.  —-30 
Tei  eli  e 
fl.  1-20 
fl.    2  60 

Anton 


Hansgirg fl     3._ 

Recente  und  fo  ssile  Nagethiere  BOhm  ens.  Verfasst  von  Josef  Kafka,  fl'  2  20 
Untersuchungen  iiber  die  Fauna  der  Gewftsser  Bohmens.  I.  Metamorphose 
der  Tnehopteren.  II.  Serie.    Von  Prof.  Fr.  Klapalek fl     1-80 


N  E  IJ  N  T  E  Ft      B  AND. 

No.  1.   Studien    im    Gebiete  der    bohmischen    Krei  deform  ati  on.    V.     Priesener 

Schichten.    Von  Prof.   Dr.  Ant.  Frifi A     •[•__ 

No.  2.   Untersuchungen  iiber  die  Faun  a  der  Gewftsser  Bohmen  s.  IV.  Di  e  Thierw'elt 

des  Unterpocernitzer  und   Ga tterschlager  Teiches   als  Resultat  der  Ar- 

beiten   an   der  iibertragbare  n   zoologischen   Station.     Verfasst  von  Prof  Dr. 

Ant.  Fric  und  Dr.  V.  Vavra A     o__ 

No.  8.   Das  Moldauthal  zwischen  Prag  und  Kralup.  Eine  petrogr'aph.'studie  von  Josef 

K I  van  a #       j.sn 

No.  4.   Die  chemischeBesehaffenheit  der  fliessenden  GewasserBoh  me  n  s    [Theil 

Hydrochemie  des  Fgerflusses.    Von  Dr.  Jos    Hanamann     ....  fl      1-50 

No.  6.   Geologische  Karte  von  Bohmen.    Section  III.  Entworfen  von  Prof  Dr.  Ant   Fric 

und  Prof.  Gustav  C.  Laube A.     '»-50 

Z   E   I  1    Pn  T  E  IX      BAN  I>. 

No.  1.   Geologische  Karte  von   BOhmen.    Section  II.    Entworfen  von  Prof.  Dr   Ant   Fric 

und  Prof.  Dr.  Gustav  (J.  Lan be H       O"80 

No.  2.   Das  ostbdhmische  Miocan  von  V.  J.  Prochazka      .    .    .    .    .    ,   '.   '.    .'        "   ."    '  fl'    _•_ 

No.  3.   Untersuchungen  iiber  die  Fauna  der  Gewftsser  BOh men's.   III.  Untersuchung 

zweier  Bohmerwaldseen,  des  Schwarzen  und  des  Teafelssees.    DurchgefQhrt  auf  dor  fiber- 

tragbaren  zoologischen  Station.     Von  Prof.  Dr.  Ant.  Fric  und  Dr.   V.  Vavra      fl      2-50 


Drnck   von  lir.  Ed.  Grigr  in  1'nig  1897    —  Selb»tvorlag. 


,J[       WHITNEY  LIBRARY, 
MUS.  COMP.  ZOOL. 


DAS   A R  C  H  I  V 

fur    (lie 

natiirwissenschaftliclie  Landesdurchforsclmng  von  Bfihmen 

I,  bis  V.  Band :    Rcdaktion  von  Prof.  Dr.  K.  Kofistka  mid  Prof.  J.  Krejci, 

VI.  Baud    11.    s.    w. :    Rudaktion    von  Prof.  Dr.  K.   Eofistka   und  Prof.  Dr.   A.  Trie. 

enthalt  foigende  Arbeiten : 

E  n  8  T  E  R,     BAND. 

I.  Die  Arbeiten  dor  topographischen  Abtheilung  und  zwar: 

a)  Has  Terrain  und  die  H  o  h  e  n  v  e  r  li  al  t  n  i  S  S  e  d es  Mi ttelgeb irges  und  d e s 
San  (1  stein  gebirgos    im    n  or  d  lichen    Iiohmen    von    Prof.    Dr.    Karl    Kofistka. 

l)ErsteSerie  gemessen  er  Hob  enpunktc  in  Iiohmen  (Sect.-Blatt  II.)  von  Prof. 
Dr.  Kofistka. 

e)  II  oli  enschichtenkartc,  Section  IT.,  von  Prof.  Dr.  Kofistka.  Preis  fl.  4-— 
Prcis  der  Kartc  app * fl.   1*60 

II.  Die  Arbeiten  der  geologisrhcii  Abtheilung.    Dieselbe  enthalt: 

a)  Vorbemerkungen  oder  allgemeine  geologische  Verhiiltnisse  des  nord- 
lichcn    Poll  m  en   von    Prof.   Johann   Krejci. 

b)  Studio  n    im    Gebiete   der   bohm.   K  r  e  i  d  e  f  o  r  m  a  ti  o  n   von   Prof.   J.  Kreici. 
cJPalaontologische    Dn  tersuchungen    der    einzelnen    Schichten    der    bohm. 

Kre  i  d  e  forma  tio  n    u.  s.  w.   von  Dr.    Anton   Fric. 

d)  Die  Ste  i  n  kohl  en  b  eel;  en  von  1!,  adnic,  vom  H  iittenmeister  Karl  Fcistm  an  t  el. 
Preis     .    .        fl-  4-50 

III.  Die  Arbeiten  der  botanischen  A  th<  ilung.    Dieselbe  enthalt: 

Prodromus   der  Flora  von  Iiohmen  von  Dr.  Ladislav  Celakovskv.    fl.  Theil.) 
(Yergriffen.)  Preis     fl.  1— 

IV.  Zoologischo  Abtheilung.     Dieselbe  enthalt: 

a)  Verzeichniss  der  Kafcr  Bohmens  vom  Conservator  Em.  Lokaj. 
yMonographie    der    Land-    und    Siisswassermollusken    Bohmens    vom    Assi- 
st en  ten  Alfred  Slavik. 

c)  Verzeichniss  der  Spinnen  des  nordlichen  B  6  h  m  e  n  vom  Real-Lehrer 
Emanuel    Ba  r  t  a.     l'reis fl.  -'— ~ 

V.  Chemiscbe  Abtheilung.     Dieselbe  enthalt: 

Analytische  Untersuchungen  von  Prof.  Dr.  Hoffmann.    Preis 25    kr. 

Preis  des  ganzon  I.  liandes  (Abth.  I.  bis  V.)  gob fl.  9  — 

V,   \V    E3   ITER     U  A  N  D. 
Erster  Theil. 

I.  Die  Arbeiten  der  topograph ischen  Abtheilung  und  zwar: 

aj  Dai  Terrain  und  die  Hob  env  erb  ii  1  tnisse  des  I  s  e  r-  und  des  Kiesen- 
gebirges  und  seiner  siidlicben  und  Ostlichen  Vorlagen  von  Prof.  Dr.  Ivarl 
Kofistka. 

I)  V.  weite  Serie  gemessener  Hflhenpunkte  in  Bohm  en  (Sect.-Blatt  III.)  von  Prof- 
Dr.  Kofistka. 

e)  It  6  b  e  n  s  ch  i  ch  t  e  n  k  a  r  t  e,  Section  111.,  von  Prof.  Dr.  Kofistka. 

d)  Hohenschi  chtenkarte  des  Itie  se  ngebirges  von  Prof.  Dr.  Kofistka  Preis 
dieser  Abtheilung fl.  4-.'" 

II.  Die  Arbeiten  der  geolosisclieii   Abtheiluug.    I.  Theil  enthalt: 

a)  Prof.  Dr.  Ant.  Fric:  Fauna  der  S  te  inkoh  1  onf  o  rmation  Bohmens. 

b)  Karl  Feistniantel:  1)  i  e  S  t  ei  nkohl  enb  ecken  bei  Klein-Pf  ilep,  Lisek,  Stilec, 
Holoubkow,   Mi  re  sch  an  und  Lotkow. 

c)  Jos.  Vala  und  It.  Helm  hacker:  Das  Eisens tein vorkommen  in  der  Gegenfl 
von   Prag   und   Beraun. 

d)  R.  Helmhacker:  Geogno  stische  Beschreihung  eines  Theil es  der  Gegeiid 
zwischen    lieneschau   und    der   Sazava.     l'reis .    .    .    fl.  4 

II.  Theil  entbiilt: 

Dr.  Em.    Hofickv:    Pc  tro  gr  aphis  ch  e    Studien   an    den   Basaltges  teinen   Bohmens 

Preis        .    .  " fl.     •'(•■r»° 

Preis  der  ganzen  ersten  llillfte  des  zweiten  Bandes  (I.  und  II.  Abtheilung  zusammen)  geb.  fl.  10'-" 


STUD  I  EN 


im  Gcbielc  der 


BOHMISCHEN  KREIDEFORMATION. 


Untersuchungen  k  einzelnen  Scliicta. 


YI. 


Die  CMomeker  Soliiolxtezx. 


Von 


Prof.   Dr.   ANT.   FRlfc. 


Mit  vielen  Textfiguren. 


(■A.rchiv   der   nLaturwi»«ensohafblioheil  Landesdurohforsohung  von  Bohmen.) 

(Band  X.  Nro.  4.  Geolog.  Abtheilung.) 


P  R  A  G. 

URUCK  VON   Ur.  KDV.  GREGR.  —  KUMMISSIONS-VERLAG   VON   PR.  RIVNAC. 

1897- 


VORWORT. 


Mit,  der  vorliegenden  Abhandlung  iiber  die  jungsten  Schichten  unserer 
Kreidefonnation  bescliliesse  ich  die  Reihe  der  Studien,  die  ich  im  Jahre  1864  an- 
gefangen  und  im  Jahre  1869  zu  veniffentlichen  begonnen  habe. 

Es  sind  dies  die  von  uns  als  Chlomeker  Schichten  bezeichneten 
Sandsteine,  welche  den  Priesener  Schichten  aufgelagert  sind.  Wir  wiihlten  diese 
Bezeichnung  aus  dem  Grunde,  weil  auf  der  Localitat  Chlomek  bei  Jungbunzlau 
zuerst  ein  zur  Beurtheilung  des  palaeontologischen  Charakters  hinreicliendes  Ma- 
terial aufgefunden  warde.  Bevor  dies  geschah,  wurden  diese  Schichten  von  Prof. 
Krejfii  als  Grossskaler  Sandstein  bezcichnet.  Es  sind  dies  Schichten,  die  meist  als 
Ueberquader  bezeichnet  wurden  und  die  in  Bezug  auf  die  Fauna  den  Schichten 
V()'i  Kieslingswalde  aequivalent  sind. 

Der  einzige  Fundort,  welcher  Geinitz  und  Reuss  Material  lieferte,  war 
Kreibitz,  doch  fehlten  dort  eben  die  fur  diesen  Horizont  bezeichnenden  Arten, 
w<-il  daselbst  nur  die  tiefsten  Lagen  der  Clilomeker  Schichten  entwickelt  sind. 
Die  mangelhafte  Erhaltung  der  Versteinorungen,  die  mit  wenig  Ausnahmen  nur  als 
Steinkerne  vorliegen,  erschwerte  sehr  die  genaue  Bestimmung  und  oft  musste  zur 
Anfertigung  von  Gypsabgussen  in  die  Negative  geschritten  worden,  um  wenigstens 
0ll|e  anniihernd  richtige  Bestimmung  zu  ermoglichen. 

Palaeontologen,  welche  gewohnt  sind  mit  prachtvoll  erhaltenen  Exemplaren 
iujs  Frankreich,  England,  Deutschland  und  von  Mastricht  zu  arbeiten,  sehen  freilich 
Veriichtlich  auf  unser  Material,  aber  uns  bleibt  nichts  anderes  iibrig  als  es  so  zu 
verarbeiten,  wie  es  vorliegt,  und  eine  Vervollkommnung  unserer  Arbeit  der  Zukunft 
Zu  uberlassen. 

Wir  werden  sehen,  dass  im  Bereiche  der  Chlomeker  Schichten  mehrere 
Petrefacten  ftlhrende  Horizonte  vorkommen  und  auch  die  Gruppirung  der  Arten 
nach  dem  [Jmstande  variert,  ob  wir  es  mit  Ablagcrung   in  grosseren  Tiefen  Oder 

ut  Dfergebilden  zu  thun  haben. 

i* 


Seit  dem  Erscheinen  der  Schriften  von  Walther  „Bionomie  des  Meeres" 
ist  dor  Werth  solcher  Arbeiten,  wie  es  die  vorliegende  ist,  ein  selir  fraglicher  und 
deren  Durchfuhrung  eine  ziemlich  undankbare  Sache,  aber  die  begounene  Schil- 
derung  dor  Aufeinanderfolge  von  palaeontologischen  Horizonten  unserer  Kreide- 
formation  musste  vollendet  werden  und  wird  doch  spateren  Forschungen  zur 
Basis  dienen. 

Der  Umstand,  dass  eine  Anzahl  von  Artec  Protocardium  Hillanum,  Car- 
dium  productum  und  die  Gattungen  Acteonella,  Nerinea  und  Keilostoma,  die  bei 
uns  in  den  cenomanen  Korytzaner  Schichten  auftraten,  spater  verschwanden,  am 
wieder  in  den  Chlomeker  Schichten  aufzutreten,  zeigt,  wie,  sehr  vie!  von  don  Facies- 
verhaltnisson  in  Bezug  auf  das  Erscheinen  mancher  Arten  abhangt. 

In  Bezug  auf  die  Durchfuhrung  des  illustrirten  kritischen  Verzeichnisses 
verfolgte  ich  dieselben  Grundsiitze  wie  in  den  friiheren  Studien,  indem  ich  mit 
Riicksicht  auf  die  einheimischen  Freunde  der  Palaeontologie  recht  viele  Abbil- 
dungen  gab  und  in  Bezug  auf  Citato  dor  nicht  abgebildeten  Arten  micli  nur  auf 
die  bei  uns  leicht  zug&nglichen  Schriften  beschrankte. 

Bei  don  Gastropoden  halfen  mir  die  vorbereitenden  Studien  fiber  die  Ga- 
stropoden  der  bohmischen  Kreideformation  dos  Herrn  Prof.  Weinzettels,  aus  denen 
auch  viele  Abbildungen  mit  seiner  Einwilligung  entlehnt  wurden,  wofur  ich  ihm 
zum  besten  Danke  verpflichtet  bin. 

Eine  Zusammenfassung  der  Gesammtresultate  meiner  Studien  (Iber  die 
bdhmische  Krei deformation  soil  Gegenstand  der  naolisten  Studio  sein. 

Prag,  im  August  181)7. 


Dr.  A.  Fric. 


I.  Charakteristik  und  Gliederunff  der  Chlomeker  Schichten. 


Die  Chlomeker  Schichten  sind  in  Form  von  machtigen  Quadersand- 
steinen  entwickelt,  die  nur  an  wenigen  Orten  Petrefacten  fuhren.  Sie  wurden  theils 
als  oberer  Quader  theils  als  Ueberquader  bezeichnet,  da  die  wenigen  Petrefacten, 
•lie  sie  fiihrten,  auffallend  von  denen  des  unteren  cenomanen  Quaders  (Korytzaner 
Schichten)  verschieden  waren. 

Petrefacten  dieses  Horizontes  wurden  zuerst  von  Reuss  und  zwar  von  Kroi- 
bitz  angeftihrt,1)  aber  als  aus  dem  unteren  Quader  stammend  betrachtet,  reichten  sie 
nicht  bin  das  Alter  dieser  Schichten  zu  pracisiren;  (hum  wurden  von  Geinitz2) 
mehrere  A.rten  erwahnt. 

Wiihrend  man  ausserhalb  von  Bohmen  im  Glatzischen  durch  die  Arbeit 
V()l1  Geinitz  (iber  Kieslingswalda s)  fiber  den  Reichthum  der  Fauna  belehrt  wurde, 
Ziehen  wir  bei  uns  in  den  ersten  Jahren  der  Landesdurchforschungsarbeiten  ganz 
1111  unsicheren  (Iber  den  palaeontologischen  Charakter  dieser  Quader,  welch-  stellen- 
weise  auf  den  Priesener  Schichten  gelagert  erschienen,  stellenweise  aber  direkt 
l|('n  alteren  Quadern  der  [serschichten  auflagerten,  ohne  dass  zwischen  denselben 
eine  Grenzschicht  erkannt  werden  konnte.  Zu  dieser  Zeit  nannte  sie  Prof.  Krejcf 
(lil>  Grossskaler  Sandsteine.  Erst  nacbdem  am  Chlomekberge  bei  Jungbunzlau  und 
beim  Eisenbahnbau  am  Tannenberge  zahlieiche  Petrefacten  gefunden  warden,  er- 
kannten  wir  ihre  ihnlichkeit  niit  denen  von  Kieslingswalda,.1) 

Da  uns  die  Localitat  Ghloniek  zuerst  in  Bohmen  hinreichendes  Material 
an  Petrefacten  lieferte,  so  benannten  wir  diese  Schichten  Chlomeker  Schichten. 
Nanientlich  war  es  Cardium  Ottoi,  welches  uns  die  Gleichaltrigkeit  mit  Kieslings- 
walda erwies. 

Die  Bauptmasse  der  Chlomeker  Schichten  besteht  aus  Quadersanden,  welche 
1111  Habitus  kaum  von  den  Kokoriner  Quadern  der  Iserschichten  abweichen,  aber 
v"'1  mtlrber  sind  und  leicht  verwittern.  Dass  nicht  alle  diese  Quaderpartien  bereits 
Verschwunden  sind,  hat  man  den  Basalten  zu  verdanken,  von  welchen  sie  vielfach 
durchbrochen  sind  und  wie  von  Nageln  festgehalten  werden.  (Vergl.  Priesener 
Schichten  Profil.  Nr.  20,  21,  pag.  37,  38.) 

')  Reuss.  Verst.  ■/..  l'>.  p.  1'haladomya  caudata  II-  p.  is. 

2)  Das  Quadersandgebirge,  p.  60. 

:l)  Versteinerimgen  von  Kieslingswalda,  1843. 

')  Archiv  fur  Landesdurchf.  I.  Band  II.  p.  167. 


€    3 


Fig.  I.  Partie  tier  Chlomeker  Sandsteine  unweit  des  Marienfelsens  in  Grossskal  (Bad  Wartenberg). 
1.  Feste  Schichte  nn't  grossen  wagrechteD  HobJungen.  2,  Schichte  mit  unregelmassig  rertheilten 
Hohlungen.  8.  Schichte  mit  kleinen  in  Eteihen  geatellten  Hflhlungen  nach  Spongien.  4.  Oberhalb 
des  festen  Sandsteins  liegende  Schichte  mit  zwei  regelmassigen  Reihen  von  Eohlungen.  5.  Sandstein- 
conglomerat  mit  Reihen  von  rundem  GerOlle  and  einer  weicheren  mit  HOhlungen  rerseheneii  Schichte. 

Das  liegende  der  Chlomeker  Qua  dor  sind  in  der  Regel  die  Priesener 
Schichten,  wie  man  das  deutlich  in  dor  Linie  zwischen  Bohm.  Kamnitz  und  Krei- 
bitz,  dann  boi  Dneboh  am  Fusse  des  Muskiberges  boi  Mtinchengratz  (Priesener 
Schichten  pag.39),  bei  Chlomek  und  an  mehreren  anderen  Orten  beobachten  kann. 
Oft  verdeckt  aber  der  von  don  vorwittertcn  Quadern  herruhrende  Sand  ganz  das 
Liegende  und  nur  zahlreiche  Quellen  und  tippigo  Vegetation  verrathen  das  Vorhan- 
densein  der  fctten  Mergel  der  Priesener  Schichten  z.  B.  beim  Bad  Wartenberg 
und  bei  Sobotka.  (Fig.  2.) 

Nordostlich  von  Turnau  bei  Zbiroh  und  Voderad  liegen  die  Chlomeker 
Quader  direkt  auf  den  Iserschichten,  so  dass  die  Grenzschichte  nicht  nachweisbar 


Fig.  2.  Chlomeker  Sohichten  unterhalb  des  Muskiberges  bei  Waldek  unweit  Miinchengratz.  Die  Basis  der  Wande  ist  durch  das  Verwitterungsprodukt 

der  Quader  in  Form  losen  Sandes  verdeckt. 


ist.  Diesfiihrte  uns  in  den  ersten  Jahren 
der  Arbeiten  zu  der  irrigen  Ansicht, 
dass  <lie  Priesener  Schichten  an  die 
Grossskaler  Quader  bei  Wartenberg  nur 
angelagert  und  daher  jflnger  seien  als 
die  Quader  selbst. 

E  i  ii  11  an  ge  n  d  es  der  Chlomeker 
Schichten  giebt  es  eigentlich  nicht, 
denn  dies  sind  die  jtingsten  Ablage- 
rungen  unserer  Kreideformation,  welche 
dann  nur  selten  mit  etwas  diluvialem 
Lehm  oder  bloas  von  der  Ackerkrume 
bedeckt  sind. 

Die  Lager ung  der  Quader  der 
Chlomeker  Schichten  ist  durchwegs  ho- 
rizontal und  ant'  dem  Wege  von  Tan- 
nenberg  nach  Schonlinde  kann  man  die 
wagerechte  Anlagerung  an  das  Urge- 
birge  gut  beobachten.  Die  hochste 
Schichte  der  Sandsteine  ist  sehr  reich 
an  Pectunculus  Geinitzii,  welcher  das 
letzte  Thier  der  Kreideperiode  bei  uns 
in  Bohmen  darstellt.*) 

Bezuglich  der  Lagerung  der  Chlo- 
meker Schicliten  in  ihrem  Verhaltnisse 
zu  den  alteren  Schichten  unserer  Krei- 
deformation  dtirfte  man  aus  dem  in 
Fig.  '.).  gegebenen  schematischen  Profil 
die  richtige  Anschauung  gewinnen.  iin 
ganzen  sieht  man,  dass  vom  westlichen 
Rande  bei  Tissa  die  Schichten  alio 
mlissig  nach  Osten  einfallen.  Die  ceno- 
manen  K  o  r  y  t  z  a,  n  e r  S  c  li  i  c  h  t  e  n,  die 
bei  Tissa  in  einer  Seehohe  von  565  m 
anstehen,  liegen  in  Tetschen  schon  aahe 
dem  Wasserspiegel  in  L20  m  Seehohe, 
wo  sie  zuweilen  mit  threr  charakte- 
rischen  Versteinerung  dem  Pecten  asper 
aufgedeckt  werden;  nach  Osten  hin 
verschwinden  sic  ganz. 

Die  sandigen  Fades  der  Weis sen- 
be  rger   Schichten    mit    Inoceramus, 

*)  Uiber  die  Lagerungsverhaltnisse  ver- 
handelt  Prof.  Krej'61  im  Archiv  I'iir  Landes- 
durchforschung  I.  B.  II.  Abth.  i>.  60,  12!),  157. 


9 


welche  die  eigentlichen  malerischen  Felswande  oberhalb  Tissa  in  einer  Seehohe 
von  615  m  bilden,  erheben  sich  in  dem  Elbethal  bei  Tetschen  mir  noch  zur  Hohe 
von  295  m,  urn  auch  nacli  Osten  bin  ganz  zu  verschwinden.  (Die  Malnitzer  Schichten 
wies  ich  am  Fusse  des  Schneeberges  tiach  530  m.) 

Din  [ser schichten  bilden  don  Hohen  Schneeberg  in  einer  Hohe  von 
719  m,  bilden  im  Elbethal  die  hochsteu  Gipfel  der  malerischen  Sachsischen  Schweiz 
bis  zu  einer  H6he  von  443  m  (Prebischtthor),  fallen  dann  bei  Dittersbach  stark 
nach  Osten  ein  und  bei  Rennersdorf  liegen  ihre  hochsten  Lagen  nur  noch  in  371  m, 
u"i  unter  den  Pries ener  Schichten  zu  verschwinden. 

Diese  grauen  feuchten  Letten  bei  Limpach  in  einer  Seehohe  von  400  m 
verrathen  sich  liberal]  durch  die  (ippige  Vegetation,  durch  Binsen,  Krautfelder  und 
feiche  Obstbaumzucht.  Sie  umsaumen  die  Basis  der  Chlomeker  Schichten,  unter 
,l(l"on  sie  bei  Kreibitz  und  P>.  Kamnitz  verschwinden.  Die  darauf  liegenden  Quader 
der  Chlomeker  Schichten,  deren  Basis  in  Kreibitz  etwa  352  m  beginnt,  und  am 
Dachsenstein  600  m  betragt,  haben  demnach  eine  Machtigkeit  von  beilaufig 
258  m.  — 

Die  Petrefactenreichen  oberen  Schichten  im  Bahnhofe  Tannenberg  liegen 
etwa  544  m  Seehohe,  was  desshalb  interessant  ist,  weil  die  Gosauer  Schichten  am 
Wolfgang-See,  die  meiner  Ansicht  nach  mit  den  Chlomeker  Schichten  gleichaltrig 
s'u,l,  Cast  in  derselben  Bohe  liegen  und  /war  vom  539  m  (Wasserspiegel  des  Sees) 
b'M  circa  559  m  (Hotel  Peter). 

Das  Aultreten  der  Chlomeker  Schichten  in  Bohmen  ist  auf  don  von  uns 
Publicirten  Geol.  Karten  Section  II.  und  III.  unter  dem  Titol  Grossskaler  Sand- 
stein  angedeutet.  Die  nordliche  Partie  liegt  nordlich  von  Bohm.  Leipa 
1111,1  feicht  von  da  bis  oberhalb  Kreibitz,  dor  Breite  nach  erstreckt  sie  sich  von 
Bohm.  Kamnitz  bis  klein  wenig  nach  Osten  von  Zwickau. 

Die  stidlichere  Partie  ist  in  isolirten  Partien  ostlich  vom  [ser- 
ttusse  bei  Jungbunzlau  und  Sobotka,  dann  von  der  Gegend  von  Tuniau  bis  gegen 
Ji5in  zerstreut.' 

Die  beiden  Partien  waren  gewiss  einmal  im  Zusammenhang  und  der  da- 
Kialige  Meerbusen  reichte  viol  weiter,  als  es  die  noch  erhaltenen  Sandsteine  an- 
ll('uten.  Bei  Kieslingswalda  war  einst  das  ostliche  Ufer,  an  dem  sich  vor  dem  Zu- 
ru-ckziehen  des  Kreidemeeres  aus  Bohmen  die  machtigen  conglomeratigen  Sand- 
steine  ablagerten,  deren  sparsame  Reste  nun  die  llirtenstoine  darstellen. 

Die  Verwitterung  der  senkrechten  Flachen  dor  Chlomeker  Quader  geht 
Se]ir  regelmassig  vor  sich,  denn  es  bleiben  in  ungleichen  ibstanden  borizontale 
,lfl"no,  feste  Schichten  stehen  und  dor  zwischen  ihnen  gelegene  lockere  Sandstein 
Wird  durch  Wind  und  Regen  nur  theilweise  erodirt,  so  dass  ungleich  grosse  ovale 
°der  unregelmassige  Hohlungen  entstehen,  die  durch  verschieden  starke  Saulchen 
Setrennt  werden.  (Fig.  4.) 

Erinnert  man  sich,  dass  das  Vorkommen  von  Hohlungen  in  don  ahnlichen 
Quadern  der  [serschichten  (Isersch.  p.  07.  133.)  als  von  Schwammen  berrtlhrend 
nachgewiesen  wurde,  so  liegt  der  Gedanke  uahe,  dass  auch  hier  organische  Pro- 
(lukto  des  Meeres  dm  Bildung  dieser  nun  in  Reihen  stehende  Hohlungen  yorbe- 
reitet  haben. 


10 

Es  erschoint  wahrscheinlich,  dass  in  gewissen  Zeitrauinen  sich  der  Boden 
des  Meeres  mit  Schwammen  deckte,  welche  dann  von  Sand  zugedeckt  wurden,  der 
nun  die  festere  nicht  verwitternde  Lage  des  Quaders  darstellt.  (Kip;.  4.  d) 


Fig.  4.    Chlomeker  Quacler   mit  Reihen   von  sonkrechten   Hbhlungen   nach 

Spongien;  («)  die   durch  feste    Lagen  (<l)   von    einander  getrennt  sind. 
(Bad  Wartenberg  unweit  des  Marienfelsens.) 

Die  Produkte  der  zerfallenen  Chlomeker  Quader  decken  oft  als  weisser 
Sand  ausgedehnte  Partien  und  wurden  bisher  als  Diluvialsande  aufgefasst,  z.  B. 
bei  Tynisf.  Zuweilen  werden  die  Chlomeker  Sandsteine  audi  zu  Wohnungen  und 
Kellerraumen  beniitzt,   wie  man  das  z.  13.  bei  Einsiedlerstein  (Fig.  5.)  wahrnimmt. 


Fig.  8.  Diinnschliff  des  Gesteines  vom  Tannen- 

berge,  48m.  vergrOsBert.'^JBraunerjpflanzlicher 

Detritus,    lc  Qnarzkflrner,   u  Kohlentrtimmer. 

r  rostrothe  KOmer  und  Flatten. 


Fig.  7.     Diinnscbliff   des   Gesteines    von   Kreibitz, 

rergrttssert  48mal.    k  QuarzkOrner,    u  Kohlen- 

trttmmer,   ,,  Glauconit. 


Fig.  5.    Der  Einsiedlerstein  bei  B'dhm.  Leipa.    Isolirte  Scholle  der  Chlomeker  Sandsteine.    Kach  einer  Photographie  des  Herrn  Eckert. 


12 

Die  mikroskopische  TJntersuchung  an  Gesteinschliffen  war  uur  an  den  fei- 
neren  Petrefactenfahrenden  Schichten  moglich  mid  verdanke  ich  die  Anfertigung 
der  Praeparate  dem  Herrn  Dr.  Jar.  Perner. 

Das  eine  Turritella  ftlllende  gelbliche  Gestein  vom  Tannenberg  (Fig.  6.) 
zeigt  eckige  Quarzkorner  in  einer  braunen  wahrscheinlich  aus  pflanzlichem  Detritus 
bestehenden  Grundmasse,  der  aur  sparliche  pechschwarze  Kohlentrflmnier  und  ein- 
zelne  licht  rostrothe  Korner  und  Platten  beigemischt  sind.  Kalkspathtrttmmer  wind 
selten  und  von  Foraminiferen  keine  Spur  wahrzunehmen. 

Das  einen  Steinkern  von  Oucculaea  bildende  Gestein  von  Kreibitz 
(Fig.  7.)  zeigt  (>in  ganz  verwaschenes  Bild,  an  dem  die  Contouen  dor  Quarz-  und 
Kalkspathkorner  undeutlich  .sind.  Glauconitkorner  sind  gross  und  deutlich,  Kohlen- 
trflm r  spMich,  von  organischen  Resten  tiichts  wahrnehmbar. 

Das  graue  Gestein  aus  einem  Ammoniten  von  Kieslingswalda  (Fig.  8.) 
zeigt  grosse  eckige  Brocken  von  Quarz  und  Kalkspath,  dann  braune  unregelmiissige 
Trammer  von  Pflanzeridetritus,  rostrothe  Kerne  (r),  Kohlendetritus  (m)  und  Glau- 
conit  (;/).  Die  granliche  Farbung  mancher  Gesteinsvariet&ten  rtthrt  von  Anh&ufung 
des  Glauconits  tier. 


■k 


Fig.  8.  Diinnschliff  des  grauen  Gesteincs  von  Kies- 
lingswalda,   isimil    rergrOssert.    k   QuarzkOrner, 
b  braune  Trammer,  u  Kohlendetritus,  r  rostrothe 
Kerne,  <•  Kalkspath,  g  Glauconit. 


Fig.  9.  Diinnschliff  des  sogon.  Eisensteines  von 

Kieslingswalda,   48mal  vergr.    lc  Quarzkorner, 

•■  Kalkspath,    >■  rostrothe    Kerne,    u    Kohlen 

detritus,  b  Pflanzenreste,  g  Glauconit. 


Die  festen  in  Platten  auftretenden  petrefactenreichen  Kalksteine,  welche  in 
Kieslingswalda  ihrer  Festigkeit  wegen  „Eisenstein"  (Fig.  9.)  genannt  werden,  zeigen 
am  Dannschliffe  ein  dichtes  Gemenge  von  kleinen  unregelmilssigen  Quarz-  und 
Kalkspathkernen  in  einem  braunen  Magma  einge'bettet,  das  wold  pflanzlichen  Ur- 
sprungs  soin  mag,  denn  man  gewahrt  (z.  B.  bei  Fig.  P.  b)  hie  und  da  deutliche 
Pflanzenfasern.  Rostrothe  Kerne,  Glauconit  und  Kohlentrammer  sind  auch  liier 
eingestreut.  Foraminiferen  fehlen  auch  hier. 


13 


Endlich  wurde  audi  ein  Diinnschliff 
eines  festen  grauen  Gesteines  mit  Am. 
subtricarinatus  aus  den  P  r  a  c  hove  r 
I1  el  sen  bei  Jicin  angefertigt.  (Fig.  10.) 
Dieser  zeigte  meist  grosse  abgerundete 
Quarzkorner  und  sparsame  Kalkspath- 
reste  in  einem  braunen 
gebettet. 


Magma    ein- 


Bei  Betrachtung  dieser  Schliffe  ist 
(vh  auffallend,  dass  nicht  die  geringste 
Spur  von  Foraminiferen  und  Spongien- 
uadeln  wahrzunehmen  war,  die  docb 
ittr  die  (ibrigen  Kreideablagerungen  bei 
ins  so  bezeichnend  sind. 


Fig.  id.    Diinnschliff  einer  grauen  Concretion  aus 

tlen  Prachover  Felsen,  vergr.    t8mal.    d  Brainier 

Detritus,  h  QuarzkOrner,  c  Ealkspath. 


Der  palaeontologische  Charakter  der  Chlomeker  Schichten. 

Die  in  den  Ohlomeker  Schichten  vorkommenden  Arten  zerfallen  in  mehrere 
wuppen.  Vor  allem  ist  eine  nahmhafte  Zahl  derer,  welche  durcli  alio  Schichten 
unserer  Kreideformation  entweder  schon  von  den  Korytzaner  cenomanen  Oder  we- 
Qlgstens  von  den  Turonen  Weissenberger  Schichten  angefangen  durcli  alle  jilngeren 
Schichten  hindurchgehen. 

Mehrere  haben  die  Chlomeker  Schichten  mit  den  Priesener  gemeinschaftlich, 
"line  dass  sie  friiher  vorgekommen  wiiren  und  zwar: 

Ammonites  Tannenbergicus 
Scaphites  binodosus 
Samites  bohemicus 
Trochus  Engelhardti 
Solarium  baculitarum 
Scalaria  Philippi 
Aporhais  arachnoides 


Aporhais  n.  sp. 
Liepodesthes   papilionacea 
Acteon  doliolum 
Cylichna  cylindracea 
Leda  siliqua 
J  lemiaster  regulusanus. 


Zum  erstenmale  treten  in  den  Chlomeker  Schichten  108  Arten  auf,  die  in 
flachfolgendem  Vcrzcichniss  aufgezahlt  sind. 


Verzeichniss  der  Arten,  die  in  den  Chlomeker  Schichten  zum 

erstenmale  auftraten. 


Nautilus  sinuatoplicatus,  Gein. 
Ammonites  Tannenbergicus,  Fr.  etSch. 
Hamites  striatus,  Fr.  et  Schl. . 

"smites  trinodosus,  Gein. 


Hamites  Roemeri,  Gein. 
Handles  Beanii,  Phil. 
Helicoceras  ellipticum,  Mant.  sp. 
Baculites  incur vatus,  Duj. 


14 


Baculites  Gallischi,  Fr. 
Turritella  nodosa,  Rom. 
Turritella  sexlineata,  Rom. 
Turritella  n  e r i n  e  a,  R  6  m. 
Turritella  iniqueornata,  Drescher. 
Omphalia  ventricosa,  Drescher. 
Natica  acutimargo,  Rom. 
Natica  Geinitzii,  D'Orb.  sp. 
Xenopliora  onusta,  Nils.  sp. 
Trochus  tuberculatocinctus. 
Margarita  radiatula,  Forb.  sp. 
Keilostoma  labia  turn,  Weinzettl. 

ChemnitziaKieslingswaldensis 
Weinz. 

Aporrhais  anserina,  Nils. 
Aporrhais  arachnoides,  Mull.  sp. 
Rapa  costata,  Rom. 
Ifii pa  quadrata,  Sow.  sp. 
Tritonium  proserpinae,  v.  Mllnst. 
Fusus  plicatus,  Rom. 
Cerithium  Chlomekense,  Weinz. 
Cerithium  fasciatum,  Reuss. 
Voluta  semiplicata,  Mttnst. 
Nerinea  cf.  Buchi,  Zeck. 
Acteonella  Beyrichii,  Drescher. 
Avellana  Humboldti,  Miill. 
Avellana  sculptilis,  Stol. 
Ringicula  Hagenovi,  Miill. 
Dentalium  laticostatum,   Reuss. 
Dentalium  decussatum,  Sow. 
Cardium  Ottoi,  Gein. 
Cardium  Becksii,  J.  Miilhu1. 
Astarte  multistriata,  Sow. 
Crassatella  tricarinata,  Rom, 
Crassatella  Bockschii,  Gein, 
Cyprina  rostrata,  Sow. 
Cyprimeria  Geinitzii,  Miill.  sp. 
Trigonia  alaeformis,  Park. 
Nucula  impressa,  Sow. 
Pectunculus  Geinitzii,  D'Orb. 
Area  tenuistriata,  Reuss. 
Area  Raulini,  D'Orb. 
Area  cf.  vendinensis,   D'Orb. 
Mytilus  lineatus,  Sow. 
Mytilus  reversus,  Gein. 


Mytilus  Galienei,  D'Orb. 

Mytilus  inornatus,  D'Orb. 

Solen  Guerangeri,  D'Orb. 

Solen  lamellosus,  Reuss. 

Modiola  flagellif era,  Forb. 

Modiola  typica,  Forb. 

Pholadomya  designata,  Goldf. 

Mactra  porrecta,  Gein. 

A  n  a  t  i  n  a  1  a  n  c  e  o  1  a  t  a,  Gein. 

Tellina  plana,  Rom. 

Tellina  costulata,  (Joldf. 

Venus  Goldf  us  si,  Gein, 

Venus  faba,  Sow.  sp. 

Venus  fabacea,  Rom. 

Avicula  triloba,  Rom. 

Oorbula  striatula,  Sow. 

Gerwillia  Holzappeli  Fr. 

Gerwillia  ovalis,  Fr. 

Clavagella  elegans,  Miill. 

Inoceramus  Geinitzianus,  Stol. 

Inoceramus  paradoxus,  L.  et  G. 

Plicatula  inflata,  Sow. 

Ostrea  Longirostris,  Lam. 

Paleocorystes  callianassarum,  Fr. 

Hoploparia  sp. 

Gailianassa  Faujassi,  Desm.  sp. 

Gallianassa  n.  sp. 

Hemiaster  sublacunosus,  Gein. 

Cardiaster  Cotteanus,  Otto. 

C  a  r  (1  i  a  s  t  e  r  a  n  a  n  c  li  y  t  i  s,   Leske. 

Asplenites  dubius,  Vol. 

Pteridoleima  durum,  Bayer. 

Smilax  panartia,  Bayer. 

Myrica  acutiloba,  Brongn. 

Alnus  Kefersteinii,  Ung. 

Quercus  pseudodrymeja,  Vel. 

Quercus  westfalica,  Hos.  et  v.  d.  M.K. 

Quercus  Velenovskyi,  Bayer. 

Ficus  fracta,  Vel. 

Credneria  superstes,  Vel. 

Dryandroides  quercina,  Vel. 

Dryandroides  geinoglypha,  Bayer. 

Cocculus  extinctus,  Vel. 

Ginnamomum  personatum,  l!ayer. 

Laurus  affinis,  Vel. 


4 


15 


Pisonia  atavia,  Vel. 
Platanus  onomastus,  Bayer. 
Primus  cerasiformis,  Vel. 
Cassia  melanophylla,  Vel. 
Cassia  atavia,  Vel. 


Rhus  cretacea,  Vel. 
Cissites  crispus,  Vel. 
Aralia  Chlomekiana,  Vel. 
Phillyrea  Engclhardti,  Vel. 
Bignonia  silesiaca,  Vel. 


Auftallend  ist  der  Mangel  an  Foraminii'eren,  der  wohl  nicht  ganz  auf  der 
Gesteinsbcschaftbnheit  beruhen  kann  und  wohl  noch  andere  Griinde  haben  muss. 

Bei  Vergleich  dor  Chlomeker  Scliichten  mit  auswiirtigcn  Ablagerungen 
iihnliclien  Alters  ist  es  vor  allem  Mar,  dass  wir  es  mit  demselben  Niveau  zu  tlum 
baben,  wie  es  aus  der  (legend  von  Lowenberg  in  Scblesien  von  R.  Drescher  *)  be- 
schrieben  wurde.  Namentlicli  sind  folgende  Arten  die  unsere  Fundorte  mit  denen 
von  Lowenberg  gemeinschaftlich  haben  hervorzuheben : 

Ammonites  subtricarinatus,  Baculites  iucurvatus,  Glauconia  (Omphalia) 
ventricosa,  Turritella  nodosa,  Turritella  iniqueornata,  Turritella  nerinea,  Acteonolla 
Beyrichii,  Aporhais  vespertilio,  Voluta  semiplicata,  Cardium  Ottoi,  Pholadomya 
nodulifera.  Anatina  lanceolata,  Trigonia  alaeformis  etc. 

Die  Vergleichung  mit  den  Gosauablagerungen  ist  schon  schwieriger  wegen 
der  bedeutenden  Faciesverschiedenheit,  doch  ist  eine  Reihe  wichtiger  Petrefacten, 
die  auf  die  Gleichalterigkeit  dieser  Scliichten  mit  den  Chlomeker  hinweisen. 

Vor  Allem  ist  Cardium  Ottoi  anzufiihren  und  Modiola  flagellifera.  Ausser- 
dem  ist  das  Auftreten  dor  Gattungen  Omphalia,  und  Acteonolla,  wenn  auch  in  an- 
deren  Arten  auftallend. 

Die  von  Schlonbacb  versuchte  Parallelisirung  mit.  den  Scliichten  des  Be- 
lemnites  Mercei  entbehrt  aller  reeler  Basis,  denn  das  von  Ohlomek  herruhrende 
einzige  abgerollte  Fragment  ist  absolut  unbestimmbar. 

Es  ist  sehr  zu  bedauern,  dass  die  Belemniten  bei  uns  nicht  zur  praecisen 
Altersbestimmung  mithelfen,  doch  darf  man  vermuthen,  dass  die  Chlomeker  Schicliten 
Wter  sind  als  die  Scliichten  mit  Belemnitella  quadrata  im  nordlichen  Deutschland. 
Jedeni'alls  haben  sic  sich  unter  anderen  Faciesverhaltnissen,  mehr  als  Uferablage- 
rungen  gebildet. 


*)  Zeitschrift  der  deutaohei)  geologischen  Gesellschaft  1868.  Band  XV.  p.  291. 


II.  Beschreibung  der  im  Bereiche  der  Chlomeker  Schicliten 

untersuchten  Localitaten. 


Seit  dem  Jahre  L864  bis  in  die  letzten  Jahre  wurde  den  Chlomeker  Schichten 
gelegentlich  der  Begehungen  Aufmerksamkeit  gewidmet,  aber  die  Armut  an  Petre- 
facten  war  Ursache,  dass  man  ihren  palaeontologischen  Charakter  lange  nicht 
sicherstellen  konnte,  bis  zwei  wichtige  Aufschliisse  von  CbJomek  bei  Jungbunzlau 
und  der  Eisenbahneinschnitt  am  Tannenberg  Licht  in  die  Sache  bracliten. 

Im  Jahre  1864  beging  ich   mit  Prof.  Krejcf   die  Gegend  vom  rechten  Elbeufer  ab 

bis  an  das  Jeschkengebirge. 
1865.     Untersuchte  ich  die  Gegend  zwischen  Jungbunzlau  und  dem  Kozdkow  und 

nahm  genau  das  Profil  am  Chlomekberge  bei  Winafic  auf. 

1867.  Unternahm  ich  eineu  Ausflug  nach  Kieslingswalde  in  der  Grafschaft  Glatz. 

1868.  Beuteten  wir  den  Eisenbahneinschnitt  in  Tannenberg  aus. 

1883.  Sammelte  der  Museumsassistent  J.  Eafka  langere  /((it  in  Kieslingswalde 
und  nahm  Detail  profile  auf. 

L887.  Untersuchte  ich  die  Gegend  von  Wartenberg  und  machte  das  Profil  von  dort 
gegen  den   K.oz.'ikov. 

L893.  Untersuchte  ich  nochmals  die  Gegend  von  B.  Kamnitz,  Dittersbach,  Kreibitz, 
Tannenberg  und  Bohm.  Leipa,  dann  don  Chlomekberg  bei  Jungbunzlau. 

1895  und  1806.  Ordnete  und  studirte  ich  das  Material  aus  den  Chlomeker  Schichten 
und  fuhrte  die  Aufstellung  der  Sammlung  der  B.  Krol  deformation  im  Mu- 
seum durch. 

Ferner  besuchte  ich  die  Sammlungen  in  Salzburg,  Dresden  und  Berlin  und 
machte  mehrere  Ausfiiigo  in  der  Gosauformation  am  Wolfgangssee,  wobei  ich  die 
schone  Sammlung  des  Herrn  Bezirksrichters  Aust  in  St.  Gilgen  kennen  lernte. 

1897.  Besuchte  ich  nochmal  Kieslingswalda,  besichtigte  die  Sammlung 
des  Herrn  Lehrers  Gallisch  in  Niederlangenau,  dann  das  Museum  in  Breslau, 
die  Sammlung  des  Herrn  A.  Langenhan  in  Liegnitz,  des  Naturforschenden  Vereins 
in  Gorlitz  und  das  Museum  in  Linz. 

Im  Ganzen  wurden  14  Localitaten  besucht  und  fiber  200  /Vrten  in  vielei) 
Exemplaren  den  Museumssammlungen  eingereiht.  (I'm  Saale  Nr.  5  des  neuen  Mu- 
seums siud  jetzt  alle  Originale,  liber  die  in  meinon  Studien  gehandelt  wurde,  auf- 
gestellt.) 


17 


I.  Chlomekberg  bei  Vinafic. 

Im  Siidon  von  Jungbunzlau  erhebt  sich  dor  Chlomekberg,  der  aus  grauen 
Mergeln  der  Priesener  Schichten  besteht,  die  nach  oben  bin  mit  6  Banken  von 
festeren  und  murberen  Sandsteinen  wechsellagern.  Ein  im  August  1865  am  sud- 
lichen  Abhange  aufgenommenes  Profil  fand  ich  im  Jahre  189  \  derart  verwachsen, 
dass  es  nicht  wieder  zu  erkennen  war.  Beim  ersten  Besuche  1'anden  wir  in  den 
Sandsteinen  ausser  Spongiten  kein  einziges  Petrefact.  In  den  Mergeln  ein  Fragment 
von  Schlonbachia  Texana.  Spater  erfubren  wir  von  Prof.  Em.  Purkyn6,  dass  man 
beim  Graben  von  Griinden    zu    einem    Schafstallc    in    Winafic    auf    dem  Berge 


%  11.  Profil  der  oberen  Partie  der  Schichten  des  Chlomekberges  bei  IVinafic,  aufgenommen  im 
Jahre  1885  I  !S  5  7  grauo  mcrglige  Planer  vom  Ansschen  der  Priesener  Schichten.  2,  4.  feste 
Sandsteinbanke  mit  Pflanzenresten  und  Fucoiden,  6.  Murber  braunlicher  Sandstein,  der  In  einem 
Steinbruch  abgebaut  wird.  8,  9.  Schwache  Biinke  etwa  in  dem  Niveau,  in  welchem  weiter  ostwarts 
die  petrefactonreichen  Schichten  gefunden  wurdcn. 

Cblomek  auf  Petrefacten  fiihrcnde  Sandsteine  gekommen  sei.  Ich  reiste  sogleich  hin 
und  fand  beim  Verwalter  Herrn  Honzik  eine  Mcnge  von  Petrefacten,  aber  der 
Sandstein  war  so  miirbe,  dass  er  untransportabel  war  und  wir  mussten  die  Stiicke 
mit  Leinwasser  tranken,  urn  sie  mitnehmen  zu  konnen.  Spater  wurden  festere  Lagen 
aufgeschlossen  und  unser  Petrefactensammler  S«aska  arbeitete  dann  raehrere  Wochen 
daselbst  und  brachte  Hunderte  von  Exemplaren  von  diesem  Fundorte,  der  seit- 
dem  ganz  unzugiinglich  wurde,  mit.  Dies  war  nun  zum  erstenmale,  dass  wir  die 
Fauna  der  Quader,    welche  fiber  den  Priesener  Schichten  lagern,  kennen  lernten 


18 

und  desshalb  nannten  wir  diese  Schichten  „C  hlomeker".  Wir  erkannten  bald  die 
Ahnlichkeit  der  Fauna  mit  der  von  Kieslingswalda  und  machten  schon  im  I.  Bande 
des  Archivs  fur  Landesdurchforschung  davon  Erwfthnung  (II.  pag.  59,  129  u.  157). 

Der  Erhaltungszustand  der  Petrefacten  dieses  Fundortes  deutet  darauf  bin, 
dass  sie  im  Bereiche  der  Uferbrandung  lebten  und  abgelagert  wurden,  deun  ihre 
Schalen,  wo  sie  sich  erhalten  haben,  sind  auffallend  dick  von  krystalisirtem  Kalk- 
spathe  gebildet  und  moist  ganz  abgerieben.  In  anderen  Fallen  fehlt  die  Kalkschale 
und  ausser  dem  glatten  Steinkern  bat  man  vor  sich  ein  gutes  Negativ  der  Aussenniiche 
der  Schalo  das  Gelegenbeit  zur  Anfertigung  von  guten  Gypsabgiissen  bietet.  Das 
Gestein,  in  dem  sie  liegen,  ist  ein  mftrber  grobkorniger  Sandstein  ganz  mit  dem 
iibereinstimmend,  der  die  Quader  der  Chlomeker  Schichten  zwischen  Vinafic,  So- 
botka  und  Grossskall  bildet.  Diese  Petrefacten  fiihronden  Scliichten  sind  die  obersten 
der  am  Chlomekberge  abgclagerten.  Don  einem  vor  2  Jabren  hierher  gemachten 
Ausfluge  land  ich  keine  Spur  dieser  so  reichen  Schichten  und  audi  die  Tradition, 
dass  dieselben  einmal  vorkamen,  ging  ganz  verloren. 

Die  festen  Biinke,  welcbe  mit  den  bocbsten  Lagen  der  Priesener  Schichten 
wechsellagern,  sind  vorerst  sebr  feste  Sandsteine  mit  undeutlichen  S()uren  von 
PHanzenresten  iibnlicb  wie  sie  nordlich  von  Bohm.  Leipa  vorkommen;  die  hoheren 
Lagen  sind  murber,   grobkSrniger  und  werden  in  einem  Steinbruche  ausgebeutet. 


Verzeichnis    der    beim    Meierhofe    auf    dem    Chlomek-Berge    beim 
Grundgraben  zu  einem  Schafstalle  gesammelten  Arten. 


Ottodus  appendiculatus,  Ag. 
Nautilus  Reussi,  Fr. 
Scaphites  binodosus,  Pom. 
Baculites  incurvatus,  Duj. 
Turritella  sexlineata,  Rom. 
Turritella  iniqueornata,  Dresch. 
Turritella  Noegeratbiana,  Goldf. 
Natica  acutimargo,  Rom. 
Natica  dichotoma,  Gein. 
Margarita  ladiatula,  Forb.  sp. 
Turbo  decemcostatus,  v.  15uch. 
Trochus  Engelhardti,  Gein. 
Xenopbora  onusta,  Nils. 
Rissoa  Reussi,  Gein. 
Solarium  baculitarum,  Gein. 
Keilostoma  labiatum,  Weinz. 
Aporrbais  megaloptera,  Reuss. 
Aporrhais  stenoptera,  Goldf. 
Liepodesthes  papilionacea,  Goldf. 
Rapa  cancellata,  Sow. 
Kusus  Nereidis,  Miinst. 


sp. 


Tritonium  Proserpinae,  Miinst. 

Cerithium  fasciatum,  Reuss. 

Cerithium  Chlornekense,  Weinz. 

Voluta  semiplicata,  v.  Miinst. 

Voluta  elongata,  Sow.  sp. 

Mitra  Roemeri,  D'Orb. 

Acteon  Doliolum,  Miill. 

Avellana  Humboldti,  Miill. 

(Cyprina)  Venilicardia  van  Reyi,  Jiosq- 

Mutiella  ringmerensis,  Mantel. 

Eriphyla  lenticularis,  Goldf.  sp. 

Trigonia  alaeformis,  Park. 

Nucula  semilunaris,  v.  Buch. 

Nucula  pectinata,  Sow. 

Nucula  impressa,  Sow. 

Pectunculus  (ieinitzi,  D'Orb. 

Area  subglabra,  D'Orb. 

Area  cf.  pholadiformis,  D'Orb. 

Area  sj>. 

Mytilus  lineatus,  Sow. 

Olavagella  elegans,  Midler. 


t 


19 


Solen  compressus. 
Solen  Guorangeri,  D'Orb. 
Gaeniaemya  designata,  Golrlf. 
Pholadomya  aoquivalvis,  Goldf. 
Mactra  porrocta,  Gein. 
Tellina  plana,  Rom. 
Tellina  strigata  (?),  Goldf. 
Venus  fabacea,  Rom. 
Corbula  striatula,  Sow. 
A.vicula  triloba,  Homer. 
Gerwillia  solenoides,  Defr. 
Inoceramus  Cuvieri  (?) 
Lima  granulata,  Desh.? 
Vola  quadricostata,  Sow. 
Exogyra  lateralis,  Nils. 
Exogyra  laciniata,  D'Orb. 
Cylichna  expansa,  Fr. 


Dentalium  glabrum,  Gein. 
Dentalium  laticostatum,  Reuss. 
Dentalium  medium,  Sow. 
Cardium  productum,   Sow. 
Cardium  Beksii,  Mull. 
Protocardium  Hillanum,  Sow. 
Crassatella  regularis,  D'Orb. 
Crassatella  sp. 
Ostrea  liippopodium,  Nils. 
Ostrea  frons,  Park. 
Anomia  subtruucata,  D,Orb. 
PetaTopora  seriata,  Nov. 
Serpula  gordialis,  Goldf. 
Serpula  socialis,  Goldf. 
Knollen,  welche   vermuthlich  Spongien 
angehoren. 


2.  ITmgebung  von  Turnau,  Wartenberg  und  Jicin. 

Die  Lagerung  dor  machtigen  Quadersande  der  Chlomeker  Schichten  zwischen 
Sobotka,  Turnau  und  Jicin  ist  an  den  in  der  Studie  iiber  die  Priesener  Schichten 
(P-  37.  u.  37.,  Fig.  20.,  21.)  gegebenen  Profilen  ersichtlich.  Man  sieht  daselbst, 
M'ie  sie  den  Priesener  Schichten  aufgelagert  sind,  die  sich  auch  da,  wo  sie  mit 
Sand  der  verwitterten  Quader  maskirt  sind,  durch  Quellen  kcnntlich  machen. 

Den  sie  manigfach  durchbrochenden  Basalten  hat  man  ihre  Erhaltung  bis 
auf  den  heutigen  Tag  zu  verdanken. 

Diese  Partie  der  Chlomeker  Quader  ist  ilusserst  arm  an  Petrefacten  und 
Wahrend  man  ■/..  B.  bei  Grossskall  nicht  die  geringste  Spur  von  Versteinerungen 
aufzuhnden  im  Stande  ist,  ist  in  den  Steinbriichen  am  Fusse  der  Trosky  die 
cinzige  Pinna  decussata  sichorgestellt  worden. 

Aus  den  Prachower  Felsen  erhielt  ich  von  Dr.  Erben  ein  Fragment  von 
Am.  subtricarinatus   aus   einem  festen  grauen  Knollen. 

Aus  der  Gegend  von  Sobotka  erhielt  ich  von  Prof.  Bernard  eine  Phola- 
domya nodulifera. 

Siidlich  von  Jicin  sind  die  Chlomeker  Sandsteine  nur  noch  bei  Podhrad 
ausstehend,  wo  sio  auf  Priesener  Schichten  liegen,  und  9  Biinke  von  Sandstein 
erkennen  lassen,  zwischen  welchen  oben  dreimal  graue  Latten  eingelagert  sind,  aus 
denen  aber  keino  Petrefacten  bckannt  sind. 

Die  tiefste  der  ausgebeuteten  Sandsteinbiinke  wird  von  den  Arbeitern 
nSpalky"  genannt  nnd  hat  3"9  m  Miichtigkeit,  darauf  folgt  die  beste  untere 
Lage  8  m  und  (sine  mittlere  2  m,  auf  welche  eine  1  m  starke  conglomeratige 
Schichte  folgt,  die  „S  v  r  a  b  ;t  k"  genannt  wird  und  undeutliche  Abdrucke  von  kleinen 
Muscheln  enthalt. 

2* 


20 

Nun  folgen  die  oberen  Fclsen  „Svrchnf  skaly"  8'0  m,  auf  denen  cine 
Lage  von  graueu  Mergeln  liegt,  die  den  Priesener  Schichten  iilineln  und  ganz 
merkwiirdig  unterschlagene  scliwache  Sandsteinbanke  zeigen. 

Nun  folgen  Schleifstein-Scliichten  „Iirusak",  dann  eine  Sandsteinschichte 
„Cokle",  dann  eine  quarzige  Bank  „Baby". 

Zuletzt  konnnen  drei  sandige  Lettenlagen,  die  durch  schwache  teste  Sand- 
steinbanke getrennt  sind. 

Das  genaue  Studium  dieses  Steinbruches  wiirde  eine  wiinschonswerthe 
Aufgabe  eines  Geologen  in  Jicin  bilden. 


3.  Umgelmng  von  BOhmisch  Leipa. 

Nordlich  von  Bohmisch  Leipa  kann  man  die  Randgebilde  der  Chlomeker 
Schichten  studiren.  Sie  treten  in  Form  von  festen  Blocken  auf,  die  z.  B.  beim 
Graben  eines  Brunnens  bei  der  Ackerbauschule  auf  den  hochsten  Lagen  der  Prie- 
sener Schichten  aufgefunden  wurden. 

Dieselben  kann  man  audi  in  den  Eisenbalmcinschnitten  beobachten,  •/,.  B. 
auf  der  Rampe  beim  Scbranke  am  Eichberge,  wo  sie  Spuren  von  Blattabdriicken 
und  Muscheln  zeigen.  Einen  solchen  losen  aus  den  Chlomeker  Schichten  ausge- 
waschenen  Block  trafen  wir  im  Jahre  1865  auf  einem  Felde  zwischen  B.  Leipa 
und  Pisnfk.  Derselbe  war  reich  an  Blattabdriicken  und  wir  sprengten  denselben 
und  machten  cine  reiche  Ernte.  Die  bedenkliche  Controverse,  die  wir  dann  mit 
dem  Besitzer  des  Feldes  wegen  Zerschlagung  des  Steines  batten,  vvurde  durch 
die  giitige  Intervention  des  M.  Dr.  Watzel  geordnet. 

Die  Pflanzenarten,  die  von  Dr.  Velenovsky  bescbrieben  wurden,  batten 
vielfach  einen  tertiaren  Charakter,  aber  das  Auffinden  einer  Schuppe  von  Osme- 
roides  sowie  von  Steinkernen  von  Nucula  und  Cardium  in  demselben  Block,  sowie 
die  Ubereinstimmung  derselben  mit  den  Pflanzeu  anderer  Kreideablagerungen 
lassen  keinen  Zweifel  dariiber,  dass  diese  Pflanzeu  den  Chlomeker  Schichten 
angehoren. 

Weiter  nordlich  treten  die  Chlomeker  Sandsteine  schon  als  grosse  Linsen 
von  Quadern  auf,  z.  B.  am  Knapphubel. 

Dann  erst  werden  sie  miiclitig  und  man  kann  am  Tannenberge  ihre  Miich- 
tigkeit  iiber  300  m  schiltzen. 

Da,  diese  Quadersande  sehr  miirbe  sind,  so  sind  sie  an  den  Randern  der 
ganzen  Ablagerung  oft  als  isolirte  Scholkm  zu  treffen,  z.  B.  Schwoika,  Slavicek 
und  Einsiedlerstein  nbrdlich  von  Bohm.  Leipa. 


Verzeichniss  der  in  dem  harten  Block  zwischen  B.  Leipa  und  Pisnik 

aufgefundenen  Petrefacten. 


Osmeroides  Lewesiensis,  Schupi»e. 
Nucula    Steinkern    (wahrscheinlich    sp. 
impressa). 


Cardium  (?) 

Lima  (?) 

Asplenites  dubius  Vel. 


21 


Pteridoleima  durum,  E.  Bayer. 
GHeichenia  Zippei,  Corda 
Gleiehenia  caniptoni,  Heer. 
Myrica  acutiloba,  Brongn. 
Credneria  superstes,  Vol. 
Pisonia  atavia,  Vel. 


1 


/  ■  V 


M 
i 


vf  r^fBl  )t 


?iS3f 


# 


Hymenaea  elongata,  Vel. 
Cassia  melanophylla,  Vel. 
Rhus  cretacea,  Vel. 
Cissites  crispus,  Vel. 
Aralia  Chlomekiana,  Vel. 
Phillyrea  Engelhardti,  Vel. 


-a. 


ffi 


B"    B'     B.L 


Br 


j. 


%  12.    Stark  verkiirztes  Orientierungsprofil  in  der  Richtung  von  Aschendorf  uber  B.  Leipa  nach 

dem  Tannenberge.    I.    Eserschieliten   bel   Aschendorf.     Pr.   Priesener  Schichten.     I B.    B&hmisch 

Leipa.  /<<  Brunnenbeiderlaadwirts<*aftlichenScbule.  B"  Blocke  mit  Pflanzenresten.  K,  Knapp- 

hul.el.  C7,i.  Chlomeer  Sandsteine.  K  Petrefactenreiche  Knollen  am  Bahnhofe    rannenberg. 


4.  Tannenberg. 

Wahrend  des  Baues  der  Tetschen-Rumburger  Bahn  begingen  wir  die  Strecke, 
sahen  in  B6hm.  Kamnitz  am  Bahnhofe  gut  aufgeschlossene  Priesener  Schichten, 
besuchten  daa  Geburtshaus  Zippes  in  Falkenau  (von  wo  wir  .lurch  ihn  schon  vor 
Jahren  einen  Am.  subtricarinatus  erhielten)  und  kainen  dann  zn  dem  tieten  hin- 
schnitte  am  Tannenberg,    wo  wir   aufs  angenehmste   von    einer  Menge   von  Petre- 


1, 


11  \}  < 


Ftg.  18.  Bahnhoi  Tannenberg.  i.  Bahn  nach  Bohm.  Leipa.  2.  Bahn  nach  Tetschen.  a)  Quajler 
immcu-ben  grauen    sandigen   Mergel  eingelagert.    5)  Petrefaktenrccne    Knollen.    o)  Feste   fast 

leere  Bank. 

fakten  iiberraseht  wurden,  und  hfttten  wir  Tannenberg  iriiher  gekannt  als  dm 
Fundort  am  Chlomekberge,  so  batten  wir  .lie  uns  beschaftigenden  Schichten  lannen- 
berger  benannt. 


22 

Der  Bahnhof  mit  den  petrefactenreicheu  Knollen  liegt  in  einer  Seehohe  von 
544  m  und  an  dcm  wcstlichen  Abhang  oberhalb  dor  Bahn  nacli  Tetschen  (Fig. 
13.  2)  fandon   wir  drei   festere  Biinke,    die  durch  mtlrbe  Schichten  getrennt  sind. 

Die  inittlere  der  drei  Biinke  bestelit  aus  rundlichen  Aachen  Knollen,  welche  un- 
gemein  reich  an  Petrefacten  ist  und  in  der  wir  die  moisten  der  in  nachstehendem 
Verzeichnis  angefiihrten  Arten  aufgefunden  haben.  Das  Gestein  ist  grau  ins  griin- 
liche  und  auf  der  Strecke  gegen  B.  Leipa  (1)  fanden  wir  ausgetrocknete  Blocke, 
die  gelblicli  waren  und  in  denon  die  Petrefacten  mit  Eisenoxyd  roth  gefiirbt 
erscheinen. 


Verzeichnis  der  am  Tannenberge  gesammelten  Arten. 


Nautilus  sublaevigatus  D'Orb.? 
Nautilus  iugatus  Fr,  et  Schl. 
Ammonites   (Schloenbachia)   subtricari- 

natus  D'Orb. 
Ammonites  (Placenticeras)  D'Orbignya- 

nus,  Gnein. 
Ammonites    (Pachydiscus)    Tannenber- 

gicus  Fr.  et  Schl. 
Hamites  bohemicus,  Fr.  et  Schl. 
Uamites  striatus,  Fr.  et  Schl 
Turritella  nerinea,  Rom. 
Turritella  Naegerathiana,  Goldf. 
Turritella  iniqueornata,  Drescher 
Glauconia  (Omphalia)  ventricosa,  Dr.  sp. 
Natica  acutimarga,  Rom. 
Natica  (vulgaris)  cretacea,  Goldf. 
Xenophora  onusta,  Nils.  sp. 
Lispodesthes   (Aporrhais)    papilionacea, 

Goldf.  sp. 
Aporrhais    (Cultrigera)    araclinoides, 

Mtlller 
Aporrhais  n.  sp. 
Aporrhais  anserina,  Nils.  sp. 
Rapa  cancellata,  Sow. 
Rapa  costata,  Rom. 
Fusus  Nereidis,  Mi'mst. 
Cerithium  pseudoclatliratuin,  D'Orb. 
Voluta  elongata,  Sow.  sp. 
Nerinea  cf.  Buchi,  Zeckeli 
Acteonella  Briarti,  Gein. 
Acteonella  Beyrichi,  Drescher 
Avellana  Humboldti,  Miiller 


Cylichna  expansa,  Fr. 
Cardium  productum,  Sow. 
Cardium  alutaceum,  Miinst. 
Cardium  Ottoi,  Geinitz 
Protocardium  Hillanum,  Sow.  sp. 
Isocardia  cretacea,  Goldf. 
Astarte 

Crassatella  regularis,  D'Orb. 
Crassatella  tricarinata,  R<im. 
Venilicardia,  von  Reyi    Bosq. 
Cyprina  rostrata,  Sow. 
Eriphyla  lenticularis,  Goldf.  sp. 
Cyprimeria  Geinitzi,  Miiller  sp 
Trigonia  alaeformis,  Park. 
Pectunculus  Geinitzii,  D'Orb. 
Area  subglabra,  D'Orb. 
Pinna  nodulosa,  Reuss 
Pinna  decussata,  Goldf. 
Mytilus  (Cottae)  lineat.  Sow. 
Mytilus  cf  inornatus,  D'Orb. 
Modiola  flagellifera,  Forb. 
Modiola  typica,  Forb. 
Glycimeris  Geinitzii,  Holzapfel. 
Panopaea  perlongata,  Fr. 
Panopaea  gurgitis,   Brongn. 
Goniomya  designata,  Goldf. 
Pholadomya  aequivalvis,  Goldf. 
Pholadomya  nodulifera,  Miinst. 
Tellina  semicostata,  Rom. 
Tellina  costulata,  Goldf. 
Venus  fabacea,  Rom. 
Venus  faba,  Sow. 


23 


Avicula  triloba,  Rom. 
Oervillia  ovalis,  Fr. 
(i<'i-villia  Holzapfeli,  Fr. 
Gervillia  solenoides,  Defr. 
tnoceramus  Cuvieri,  Sow. 
Inoceramus  latus,  Mant. 
Inoceramus  paradoxus  L.  et  G. 
Lima  multicostata,  Gein. 
Lima  Hoperi,  Mant. 
Pecten  Nillsoni,  Goldf. 


Pecten  virgatus,  Mils. 

Vola  quadricostata,  Sow. 

Ostrea  frons.,  Park. 

Exagyra  laciniata,  D'Orb. 

Anomia  semiglobosa,  Gein.     . 

Serpula  socialis,  Goldf. 

Serpula  gordialis,  Goldf. 

Bryozoa,  sp. 

Gardiaster  Anancbytis,  Leske. 

Flache  Koblengescbiebe  niit  Bernstein. 


5.  Kreibitz. 

Geinitz,  der  aus  der  petrefactenleeren  Siichsischcn  Schweiz  endlich  in 
Kreibitz  Petrefacten  auffand,  nannte  dies  einen  „sicheren  Hafen  fur  den  Palaeonto- 
1()gen,  von  wo  aus  er  den  Gharakter  der  Scbiohtcn  ruhig  beurtbeilen  kann".*) 
Hier  sammelte  spiiter  durch  viele  Jabre  Herr  Grobmanu  aus  Bobm.  Kamnitz,  durcli 


S.        Br.       F. 

%  14  Schematises  Profll  vom  Orte  Kreibitz  bis  zum  Bahnhofe  Kreibitz.  1.  Exieiuer  Schichten, 
Gr«ie  Merge],  2.  Unterer  petrefactenfuhrender  Horizont.  8.  Ziegelei,  in  der  aus  den  Saodateinen 
ausgewaschene  von  oben  herabgesturzte  BlOcke  liegen.  4,  Oberer  petrefactenfuhrender  Horizont 
,ln>  Bahnhofe.  (Gleichden  Schichten  am  Bahnhofe  Tannenberg).  B.  Bach.  Br.  Brauhaus.  t.  Fatrrlk. 

Z.  Ziegelei.  Bh.  Bahnhof.  8.  Strasse. 

welchen  dann  die  Museen  in  Deutschland  und  namentlicb  in  Dresden  niit  Petrefakten 
versehen  warden.  Ich  laiufte  dann  von  ilmi  im  Jahre  1804  eine  Reihe  dieser 
Kreibitzer  Petrefacten  und  spiiter  evbielten  wir  audi  mit  der  Zeidlerischen  Sammlung 
auc«  eine  von  Grohmann  stammende  Suite. 


')  Quadersandsteingebirge  p.  60. 


24 

Grohmann  fuhrte  niich  im  Jahre  1864  zu  dem  Fundorte  der  sogenannten 
Pechhiitte.  Erst  im  Jahre  1893  priicisirte  ich  diesen  Fundort  am  Wege,  der  hinter 
dem  Gasthause  beim  Liiwen  Nro  270.  bergauf  und  dami  horizontal  fuhrt. 

Ich  erkannte,  das  diess  der  illiterate  petrefaktenfuhrende  Horizont  sei,  der 
wenig  jiinger  ist  als  die  Priesener  SchichteD  und  dadurch  erklart  es  sich,  dass 
hier  noch  nicht  so  bezeichnende  Arten  vorkommen,  welche  auf  den  Horizont  von 
Kieslingswalda  hinweisen  mochten. 

Es  muss  (labor  dieser  im  Orte  Kreibitz  selbat  gelegene  Fundort  genau 
unterschieden  werden  von  dem  in  Ober-Kreibitz,  liinter  dem  Rahnhofe  aufgeschlos- 
senen  Steinbruche,  der  um  vieles  bolter  gelegen  ist  und  dalier  viel  jiinger  ist,  und 
mit  den  Schichten  am  Tannenborger  Bahnhofe  ubereinstiuimt. 

Das  Verzeichniss  der  aus  Kreibitz  stammenden  Arten  muss  mit  Reserve 
aufgefasst  werden,  derm  die  meisten  Saehen  riibren  von  dem  Petrefactensammler 
Grohmann  her,  der  den  Fundort  nicht  genau  priicisirte.  Reuss  fuhrt  audi  manche 
Arten  von  Kreibitz  an,  aber  nicht  aus  den  Cblomekcr  Schichten,  sondern  aus  den 
unter  denselben  liegenden  Priesener  Schichten. 


Verzeichniss  der  von  Geinitz  Reuss   aus  Kreibitz  angefuhrten  und 
theils   von  uns  gesammelten  Arten  aus  dem  unteren  Horizont  der 

Ghlomeker  Schichten. 


liaculites    baculoides,    Mant.  sp.  (vieb- 

leicht   nur  ein  junger  B.  incurvatus, 

Duj.) 
Ammonites  sp. 

Turrifella  Noegerathiana,   Goldf. 
Turritella  multistriata,  Ileuss. 
Turritella  nodosa,  Rom.  Grin. 

(Turritella  alternans).  Gein. 

Natica  vulgaris  (cretacea),  Goldf.   Gein. 
(Natica  unicarinata,  Gein.) 
Trochus     t  u  b  e  r  c  u  1  a  t  o  c  i  n  c  t  u  s, 

Miinst.  Gein. 

Fusus  Nereidis,  Miinst.  Gein. 

Aporbais    vespertilio    (anserina) ,     Nils 

sp.  Gein. 

Tritonium  proserpinae,  v.  Miinst.  Gein. 
Fusus  (Rapa)  quadratus,  Low.  Gein. 
Crassatella  (arcacea)  regularis,  D'Orb. 
Cyprina  (?) 

Cyprimeria  Geinitzi,  Mtlller. 
Trigonia  alaeformis,  Park. 
Pectunculus  sp. 
Area  sp. 


Area  striatula,  Reuss. 

Area  subglabra,  D'Orb. 

Area  undulata,  Reuss. 

Panopaea  n.  sp. 

(Panopaea  plicata)  Gein. 

(Pholadomya  aequivalvis,  Goldf.) 

Toredo  sp. 

(Tellina  subdecussata). 

Tellina  costulata,  Goldf. 

Venus  Goldfussi,  Gein. 

Venus  fabacea,  Rom. 

Venus  faba,  Low.  sp. 

(Fusus  clatbratusj.  Gein. 

(Nerinea  bicincta).  Gein. 

Ringicula  (avellana)  archiaciana.  Gein. 

(Acme  concentrica), 

(Acme  comosa). 

Dentaliuin  glabruin,  (J ein. 

Cardium  alutaceum,  Miinst.  Gein- 

Protocardium  Hillanuin,  Low. 

(Venus  laminosa). 

(Inoceramus.) 

Lima  scmisulcata,  Nils. 


25 


Lima  granulata,  Deshais. 
Lima  multicostata,  Gein. 
Vola  quadricastata,  Sow. 


Exogyra  lateralis,  Nils.  sp. 
Ostrea  irons,  Park. 


gehort    dor  Steinbruch   neben  dem    Bahnhofe    bei  Ober- 
.   die  Petrefacten   in  selir  grobem,    mtirben  Sandstein  sehr 
schlecht  erhalten,    reichen  aber  hiu  die  Ubereinstimmung  mit  denen  am  Bahnhofe 
Tannenbcrg  zu  constatiren. 


Demselben  Niveau 
Kreibitz  an.    Hier  sind 


Kieslinsswalde  in  der  Grafechaft  (ilatz. 

Obzwar  dieses  Land,  das  einst  zum  Konigreiche  Bohmen  gehortc,  jetzt  aber 
im  Besitze  eines  anderen  Staates  ist,  so  mlissen  wir  die  daselbst  entwickelten 
Kreidegebilde  in  das  Bereich  unserer  Betrachtungen  Ziehen,  denn  hier  erkennen 
wir  die  Dfergebilde  des  grossen  Kreidemeeres,  das  sich  iiber  das  ganze  nordosthche 
Bohmen  ausbreitete  und  bis  in  die  Grafschaft  (llatz  hinuber  reiehte. 

Wir  sind  dazu  namentlicb  durch  den  Umstand  gezwungen,  dass  diese  Ufer- 
gebilde  eben  zu  den  tins  beschliftigenden  Chlomeker  Schichten  gehoren  und  beim 
Vergleich  mit  ahnlichen  Vorkommnissen  in  Bohmen  erst  ihre    Altersverhaltnisse 

I'echt  klaar  werden. 

Da  unlangst  in  dem  Werke  von  Langenhan  und  Grundey*)  benchtet  wird,  wie 
sclion  im  vorigen  Jahrhundert  Leop.  v.  Buch  iiber  Kieslingswalda  schrieb,  wie 
Geinitz,  Goppert  und  Giirich  an  der  Palaeontologie  dieses  interessanten  Ortes  ge- 
arbeitet  haben  und  iiberdies  Dr.  Michael  in  Berlin  demnftchst  ausfuhrhch  uber 
Kieslingswalda  publiciren  will,  so  beschriinke  ich  mich  auf  das  zur  Vergleichung 
'nit  den  bohmischen  Vorkommnissen  Nothwendigste. 

Ichbesuchte  Kieslingswalda  mit  meinem  Petrefaetensammler  Staska  auflangere 
Zeit  in.  [ahre  18(57  und  samite  dann  1883  den  Museumsassistenten  Herrn  J.Kafka 
dahin,  so  dass  wir  iiber  ein  reichliches  Material   von  diesem  Fundorte  disponiren 

Im  April  1897  besuchte  ich  nochmals  Kieslingswalda,  sammelte  Manches  und 
besichtigte  die  Sammlung  des  Lehrers  Herrn  Gallisch  in  Niederlangenau  der 
t'ruher  in  Kieslingswalda  wohnte  und  vor  13  Jahren  vom  Herrn  Adjunkten  Kaika 
zum  Sammeln  angeeifert  wurde.  Auch  besichtigte  ich  das  Museum  in  Breslau, 
in  dem  aber  die  Kieslingswalder  Sachen  nur  miissig  vertreten  sind,  und  lernte  auch 
die  Sammlung  des  Herrn  Langenhan  in  Liegnitz  kennen,  welche  die  ine1Sten  Ori- 
ginate zu  seiner  mit  H.  Grundey  publicirten  Arbeit  cnthalt  und  der  mir  bereit- 
willigst  mehrere  Belegstiicke  zur  Vergleichung  geliehen  hat. 

In  Bezug  auf  die  Stratigrafie  gebe  ich  bios  ein  scbematisches  Profil,  um 
die  Vertheilung  der  petrefactenfuhrenden  Lagen  anschaulich  zu  macben. 

*)  D,,s  Kiesliagswalder  Gestein.  -  Dieses  Werk  hat  bios  den  /week,  die  eiaheimischen 
Freunde  der  Naturwissenschaften  auf  die  Vorkommnisse  von  Kieslingswalda  aufmerksa  m  zu  machen 
»«d  macht  kelnen  Anapruch  eine  exacte  wissen  schaftliche  Monographic  zu  sem.  JedenfaUs  hegt 
»'  dessen  Erscheinen  ein  Ausdruck  des  Bedurfnisses  eines  ahnlichen  Buches,  das  langst  von 
uei'ufencr  Seite  hatte  publicirt  werden  sollen. 


26 

Das  Profil  (Fig.  15)  zeigt  die  Schichtenfolge,  wie  man  sie  langs  eines  Fahr- 
weges  unweit  des  Mittelhofes  verfolgen  kann. 

Der  Ausdruck  „Eisenstein"  ist  daselbst  von  den  Steinbrechern  ftir  die  ftusserst 
harten  dunkelgrauen  Knollen  im  Gebrauch  und  diese  sind  die  Hauptfundorte  fur 
die  Petrefacten. 

Localsammler  sollten  in  der  Zukunft  jedes  Petrefact  genau  bezeichnen,  aus 
welchem  dieser  4  Eisensteinlager  dasselbe  stammt. 


Pig,  15.  Schemati8ches  Profil  der  Kicslingswalder  Schichten,  nach  den  Skizzen  des  Herrn  Museums 

adjunkten  J.  Kafka  aufgenommenen  im  Jahre  1883. 
W.  Der  Weisswasserbach.  F.  Fahrweg.  1.  Lichte,  geschichtete,  weiche,  sparliche  Reste  fuhrende 
Samlatoine.  2.  Sohichte  mil,  sparlicben  Blattabdrttcken  und  Callianassa.  8a.  Erste  Eisenetein 
laye.  Harter  grauer  sandiger  Ealkstein.  Zb.  Rothliche  Schichte  mit  rieien  Blattabdrttcken.  Ober 
und  unterhalb  derselben  helle  Sandsteine  mil,  wenig  Petrefacten.  i.  Lichter  Sandstein  mit  wenig 
Petrefacten.  5a.  Zweite  Ehensteinlage.  56.  Inoceramenschichte.  6.  Dritte  Eisensteinlage.  7.  Vierte 
EisensteMage.    H.  Oberer  Sandstein.    B.  GrobkCrniger  Sandstein.    LO.  Conglomerat  (Hirtensteine). 

Den   Schluss    der  Schichtenfolge    bilden    Conglomerate,    weiche  nur    noch  in 
sparsamen  Resten  als  senkrechte  flache  Spaltsaulen  tlbrig  blieben  und  hier  Hirten- 


27 

steine  genannt  werden 

(Fig. 

16). 

An 

diesen 

sieht 

man 

ein 

mftssiges 

Einfallen 

der 

Schichtung  nach 

dem 

Thale  hin. 

01&&S.-, 

££  "'"*''%;- 


Fig.  16.    Einer  der  sieben  Hirtensteine  oberhalb  Kieslingswalda. 


Verzeichnis  der  in  Kieslingswalda  gesammelten  Arten. 


Lamna  sp.,  6  cm  lang 

Otodus  appendicular  Agass. 

corax  heterodon  Reuss 

Nautilus  sp.  (junges  von  N.  rugatus?) 

Hamites  trinodosus  (=?  angustus 

Dixon.) 
Scaphites  binodosus  Rom. 
Hamites  bohcmicus  Fr.  et  Schl. 
faculties  incurvatus  Duj. 
Ammonites  (Placenticeras)  D'Orbignya- 

nus  Gein. 
Ammonites    (Sch.18nbacb.ia)    subtricari- 

natus  D'Orb. 
Turritella  nodosa  Rom. 
Turritella  multistriata  Reuss. 
Turritella  nerinea  Room. 
Natica  (vulgaris)  cretacai  Goldf. 
Natica  dichotoma?  (join.  (?  Roemeri.) 
Natica  bulbiformis  Sow. 
Natica  Roemeri  Gein. 
Scalaria  Philippi  Rss. 
Tl'ochus  Engelharti  Gein. 


Rissoa  Reussi  Gein. 

Margarita  radiatula  Forb.  sp. 

Aporrhais  anserina  Nils.  sp. 

Lispodesthes  papilionacea  Goldf. 

Aporrhais  arachnoides  Mull. 

Rapa,  cancellata  Sow. 

Rapa  costata  Rom. 

Tudicla  (Rapa)  quadrata  Sow.  sp. 

Fusus  Nereidis  Miinst. 

Fusus  plicatus,   Rom. 

Voluta  semiplicata  Miinster. 

Chemnitzia  Kieslingswaldensis  Weinz. 

in  Lit. 
Ringicula  Hagenovi  Miill. 
Cylichna  cylindracea  Gein. 
Cychlina  expansa  Fr. 
Acteon  doliolum  Miill. 
Acteonella  Beyrichi  Drescher 
Avellana  Humboldti  Miill. 
Dentalium  glabrum  Gein. 
Dentalium  polygonum  Rss.? 
Isocardia  cretacea  Goldf. 


28 


Eriphyla  lenticularis  Goklf.  sp. 
Protocardium  Hillanum  Sow. 
Card,  productum  Sow. 
Cardium  Ottoi  Gein. 
Clavagella  elegans  Midler. 
Cyprina  rostrata  Sow. 
Nucula  pectinata  Sow. 
Anatina  lanccolata  Gein. 
Mactra  porrecta  Gein. 
Panopaea  gurgitis  Brongn. 
Goniomya  designata  Goldf. 
Veuus  Royana  D'Orb. 
Venus  faba  Sow. 
Tellina  plana  Rom. 
Tellina  costullata  Goldf. 
Tellina  strigata  Goldf. 
Leda  siliqua  Reuss  sp. 
Modiola  concentrica  Goldf. 
Leguminaria  tnincatula  Reuss. 
Gervilia   solenoides,  Defr. 
Pinna  decussata  Goldf. 
Corbula  striatula  Sow. 
Pectunculus  Geinitzii  D'Orb. 
Inoceramus  cf.  Koeneni  Miill. 
Inoceraraus  latus  Mant. 
Trigonia  Vaalsiensis  Boelim. 
Trigonia  alaeformis 


Lima  Hoperi  Desh. 
Vola  quadricostata  Sow. 
Anomia  subtruncata  D'Orb. 
Rliynchonella  alata  Lam. 
Callianassa  antiqua  Otto. 
Cardiaster  Cotteanus  Otto. 
Cardiaster  anancliytis  Leske. 
Hemiaster  sublacunosus,  Gein. 
Sequoia  Reichenbachi  Gein.  sp. 
Smilax  panartia  Bayer. 
Alnus  Kefersteinii  Ung. 
Quercus  pseudodrymeja  Vel. 
Quercus  westfalica  IIos.  et  v.  Mk. 
Quercus  Velenovskyi  Layer. 
Ficus  fracta  Vel. 
Dryandroides  querdna  Vel. 
Dryandroides  geinoglypha  Bayer. 
Cocculus  extinctus  Vel. 
Cinnamomum  personatum  Bayer. 
Lauras  affinis  Vel. 
Platanus  onomastus  Bayer. 
Prunus  cerasiformis  Vel. 
Cassia  atavia  Vel. 
Eucalyptus  angusta  Vel, 
Aralia  coriacea  Vel. 
Biguonia  silesiaca  Vel. 


^9 


III.  Tabellarische  Uebersicht 

der  in  den  Chlomeker  Scaichten   in  BOhmen  nnd   in  Kieslingswalda 

anfgefnndenen  Petrefacten. 


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Mollusca. 

Cephalopoda. 

Nautilus  sublaevigatus  D'Orh.    .    .    . 
Nautilus  rugatus  Fr.  et  Schl.      .    .    ■ 

Nautilus  Reussi  Fr.      . 

Nautilus  sinuatoplicatus  Gein,    .    .    . 
Ammonites  (Schlonbachia)  subtricari- 

Ammonites    (Placenticeras)    D'Orbi- 

Ammonites  (Pachydiscus)  Tannenber- 

Scaphites  binodosus  liom 

Hamites  bohemicus  Fr.  et  Schl.     .    . 
Hamites  striatus  Fr.  et  Schl      .   .    . 

Helicoceras  Reussianum  D'Orh.      .    . 
Helicoceras  ellipticum  Mant.  sp.    . 

Baculites  Gallischi  Fr.    ... 
Gastropoda. 

30 


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Turritella  iniqueornata  Dresch.  .    .    . 
Turritella  multistriata  Beuss  .... 
Turritella  Noegerathiana  Goldf.  .    .    . 
Glauconia  (Omphalia)  ventricosa  Dresch. 
Glauconia  (Omplialia)ornata  Drescherf 
Natica  vulgaris  Beuss  (cretacea  Goldf.) 

Natica  dichotoma  Gein 

Natica  acutimargo  BSm 

Natica  bulbiformis  Sow 

Natica  Roemeri  Gain 

Natica  Gentii  Sow 

Natica  (Amauropsis)   exaltata  Goldf, 

Rissoa?  Reussi  Gein 

Xenophora  onusta  Nils,  sp.        .    . 
Trochus  Fngelhardti  Gein.      .    .    . 
Trochus  tuberculatocinctus  MUnst.    , 
Turbo  decemcostatus  v.  Buch    .    . 
Margarita  radiatula  Forb.  sp.     .    .    , 
Solarium    (Pleurotomaria)    baculita- 

rum  Gein 

Keilostoma  labiatum    Weinz.  in  lit.    , 

Scalaria  Philippi  Beuss 

Chemnitzia  Kieslingswaldensis  Weinz 

in  lit.       • , 

Aporrhais  ansorina  Nils,  up.  .  .  , 
Aporrhais  arachnoides  Mull.  sp.  .  . 
Aporrhais  stenoptora  Goldf.  sp.  .  , 
Aporrhais  megaloptera  Heuss  sp.   .    , 

Aporrhais  sp 

Aporrhais  (Lispodesthes)  papilionacea 

Goldf.  sp 

Rapa  cancellata  Sow 

Rapa  costata  Rom, 

Rapa  quadrata  Sow.  sp 

Tritonium  proserpinae  v.  Milnst.    . 

Fusus  n.  sp 

Fusus  plicatus  BSm 

Fusus  Nereidis  Munst 

Cerithium  Chlomekense  Weinz.  in  lit 
Cerithium  fasciatura  Beuss  .... 
Cerithium  pseudoclatbratum   D'Orb. 
Voluta  semiplicata  Munst.  .... 
Voluta  elongata  Sow.  sp 


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31 


Mitra  Roemeri  D'Orb.     .    .   . 
Nerinea  cf.  Buchi  Zeek.  .   .   . 

Acteon  ovum  Duj 

Acteon  doliolum  Mull.  .  .  . 
Acteonella  Beyricliii  Drescher 
Acteonella  cf.  Briarti  Gein.  . 
Acteonella  acuminata,  FV.  .  . 
Avellana  Hnmboldti  Mail.  .  . 
Avcllana  D'Archiaciana  D'Orb. 
Avellana  sculptilis  Stol.  .  .  . 
Ringicula  llagenovi  Mull.  .  . 
Cylichna  cylindraca  Gein.  .  . 
Cylichna  expansa  Fr.  .  .  . 
Dentalium  laticostatum  Eeuss 
Dentalium  medium  Sow.  .  . 
Dentalium  decussatum  Sow.  . 
Dentalium  glabrum   Gein.  .   . 

Pelecypoda. 

Cardium  productum  Sow.    .   . 

Cardium  Ottoi  Gein 

Cardium  Becksii  J.  Muller     . 
Cardium  alutaceum  Mttnat.     . 
Protoeardium  Hillanum  Sow.  . 
Isocardia  sublunulata  D'Orb.  . 
Isocardia  cretacea  Gold/.    .   . 
Astarte  acuta  Reuse    .... 
Astarte  multistriata  Sow.    .    . 
Crassatella  tricarinata  Rbm.   . 
Crassatella  Bocksclrii  Gein.    . 
Crassatella  regularis  D'Orb.  . 
Venilicardia  von  Reyi  Bosqu. 
Cyprina  rostrata  Sow.  .... 
Cyprimeria  Geinitzii  Mm.  sp.    , 
Mutiella  Ringmerensis  Mant.  sp 
Eriphyla  lenticularis  Goldf.sp.  , 

I'iti'onia   fllafifnvmia   Park. 

v.  Such.  . 

Sow.     .    .  . 

impressa  Soiv.         .  . 

iectunculus  Geinitzii  D'Orb.  . 
Area  striatula  lieuss    .... 

Area  tenuistriata  Munst.     .  . 


igonia  alaeformis 
Nucula  semilunaris 
Nucula  pectinata 
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Scapharca  ponticeriana  Stol 

Pinna  nodulosa  Beuaa 

Mytilus  Gallienei  D'Orb 

Solen  lamcllosus  Beusa 

Siliqua  (Leguminaria)  truncatula  Reuas 

Panopaoa  (Glycimeris)  gurgitis  Brongn. 

Panopaea  Goinitzii  Holzapfel  .... 
Pholadomya  aequivalvis  Goldf.  .    .    . 
Pholadomya  nodulifera  Milnat.    .    .    . 
Pholadomya  designata  Goldf.  .... 
Pholadomya  perlonga  Fr 

Anatina  lanccolata  Gein 

Tellina  plana  Rom 

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Tellina  costulata  Goldf. 

Venus  fabacoa   Bom 

Leda  siliqua  Beuaa  ap 

Gevwillia  solenoides  Defr 

Gervillia  ovalis  Fr •    . 

Inoceraraus  Geinitzianus  Stol.     .    .    . 

Inoceramus  paradoxus  IIae.nl.     .    .    . 
Inoceramus  latus  Mant 

33 


Lima  Hoperi  Mant 

Lima  multicostata  Gein.  .  .  . 
Lima  semisulcata  Nilss.  .    .    . 

Lima  granulata  Desh 

Lima,  pseudocardium  Beussf  . 
Pecten  Nilssoni  Gold/.     .    .    . 

Pecten  virgatus  Nilss.  (curvatus 
Vola  quadricostata  Sow.  .    .    . 

Plicatula  inflata  Sow.  .       .   . 

Exogira  laciniata  D'Orb.     .   . 
Exogira  lateralis  Nils.  sp.  .    . 
Ostrea  frons  Park.  ..... 

Ostrea  semiplana  Sow.    .   .   . 

Ostrea  hippo-podium  Nilss.  .  . 
Ostrea  longirostris  Lamrk  .  . 
Anomia  semiglobosa  Gein.  .  . 
Anomia  subtruncata  D'Orb.    . 


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Brachiopoda. 

Rhynchonella  alata  Lam. 
Magas  Geinitzii  Schldnb. 


Bryozoa. 

Petalopora  scriata  Nov. 


Crustacea. 

Palaeocorystcs  callianassarum  Fr 
Podocrates  Dulmensis  Beks.  .   . 

Hoploparia  *p 

Callianassa  antiqua  Otto  .   .    .   . 

Vermes. 

Serpula  gordialis  Goldf.  .... 
oerpula  social  is  Goldf.    .   .   .   . 

Echinodermata. 

Cidaris  subvesiculosa  D'Orb.  .  . 

jjemiaster  regulusanus  D'Orb.  . 

jiemiaster  sublacunosus  Gein.  . 

Urdiaster  Cotteamis  Otto  .   .  . 


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Cardiaster  ananchytis  Leake  sp.  .    . 
Schizaster  Roemeri  n.  sp.  L.  et  Q. 
Stellaster  Schulzei  Cotta  et  Reich 


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Plantae. 

Asplenites  dubius  Vel.  .  .  . 
Pteridoleima  durum  Bayer  .  .  . 
Gleichenia  Zippei  Corda  spec.  . 
Gleichenia  comptoniaefolia  Beer 
Sequoia  Reichenbachi  Qein.  sp.  . 
Smilax  panartia  Bayer  .... 
Myrica  acutiloba  Brongn.    .    .    . 

Alnus  Kefersteinii    Ung 

Quercus  pseudodrymeja    Vel.  .    . 
Quercus  westfalica  Eos.  et  v.  <!.  MK. 
Quercus  Velenovskyi  Bayer    .    . 

Ficus  fracta  Vel 

Credneria  superstes  Vel 

Dryandroides  quercina  Vel.  .  . 
Dryandroides  geinoglypha  Bayer 

Pisonia  atavia  Vel 

Cocculus  extinctus  Vel 

Cinnamomum  personatum  Bayer 

Laurus  affinis   Vel 

Platanus  onomastus  Bayer  .    .    . 

Prunus  cerasifonuis  Vel 

Hymenaea  elongata  Vel 

Cassia  melanophylla  Vel 

Cassia  atavia  Vel 

Rhus  cretacea   Vel 

Cissites  crispus  Vel 

Eucalyptus  angusta  Vel 

Aralia  Chlomekiana  Vel 

Aralia  coriacea  Vel 

Phillyrea  Engelhardti  Vel.  .   .   . 

Bignonia  silesiaca  Vel 

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IV.   Kritisches  illustrirtes  Verzeichnis  der  in  den  Clilo- 
meker  Schichten  vorkommenden  Versteinerungen. 


Vertebrata. 


Saurier. 


Moi 


sosaurus  sp.?   Langenhan  und  Grundey.    Das  Kieslingswalder  Gestem   und 
seine  Versteinerungen.     Breslau  1891.  pag.  7.  Taf.  I,  Fig.  1,  2. 

Schlanke  Rohrenknochen  und  flache  Deckknocben  wurden  wiederholt 
in  Neuwaltersdorf  gefunden.  Die  RShrenknochen  haben  die  Gelenkenden 
nicht  erhalten  und  es  ist  daher  eine  selbst  annaherungsweise  nchtige  Be- 
stimmung  unmoglich;  es  reichen  die  Funde  bios  bin  nachzuweisen,  dass 
auch  noch  zur  Zeit  der  Ablagerung  der  Chloraeker  Schichten  es  grosse 
Saurier  am  Ufer  des  Kreidemeeres  gegeben  hat.  Da  schlanke  Rohren- 
knochen  bei  Mosasaurus  nicht  vorkommen,  dtirfte  es  sich  hier  eher  um  einen 
Ignanodonten  handeln.  In  Bohmen  gelang  es  bisher  ahnliehe  Reste  zu  hnden 
°xyrrhina  Mantelli,  Ag.  Fr.  Rept.  u.  F.  p.  7.  Fig.  12. 

Selten  in  Kieslingswalda  und  Neuwaltersdorf. 
Otodus  appendicnlatus,  Ag.    Fr.  Kept.  u.  Fische,  pag.  5.  Fig.  5. 

Ein  einziges  20  mm  langes  Exemplar  in  den  obersten  Lagen  der  Chlo- 
meker  Schichten  in  Vinafic. 
Corax  heterodon,  Reuss.  (Galeus  pristiodontus,  Ag.)  --  Fr.  R.  u.  F.  pag.  11. 
Fig.  23,  24. 

Selten  in  Kieslingswalda,  und  Neuwaltersdorf 

tamna  sp. 

Ein    riesiger    Lamnazahn    von    5  cm 
Sauiralung  von  Kieslingswalda. 
Wsnieroides  lewesiensis,  Fr.  R.  u.  F.  p.  34   Fig.  55. 

Eine  Schuppe  fand  sich  in  dem  an  Pflanzenresten  reichen  Felsblock  bei 

Bohm.  Leipa. 


Lange 


Nach  Geinitz  in  Kreibitz 
beflndet   sich   in   unserer 


Cephalopoda.  24  sp. 

(Belemnites  Merceyi,  Mayer).  Fr.  et  Schl.  Cephal.  pag.   17.) 

Untei  dem  Namen  Belemnites  Merceyi  fuhrten  wir  in  genanntem  Werke 
ein  unbestimmbares  Fragment  eines  Belemniten  von  Chlomek  an,  von  welchem 
Schlonbach  vermuthete,  dass  es  zur  genannten   Art  gehoren  konnte.     Neue 
Funde  wurden  nicht  gemacht,  wesshalb  die  Sache  ganz  unsicher  bleibt. 
Nautilus  sublaevigatns,  D'Orb.   Fr.  et  Schl.  Ceph.  p.  21.  Taf.  12.  Fig.  1. 

Nicht  sicher  bestimmbare  Steinkerne  besitzen  wir  aus  den  Chi.  Schichten 
von  Tannenberg. 

Dieselben  konnen  eventuell  junge  Exemplare  von  N.  rugatus  sein. 


36 


Nautilus  rugatus,  Fr.  et  Schl.    (Fr.  et  Schl.   Cephalop.  p.  23.  Taf.   12.   Fig.  2' 
Taf.  15.  Fig.  2.  —  Iserschichten,  p.  90.  Fig.  50.) 

Von  Tannenberg  bcsitzen  wir  zwei  Exomplarc  von  29  cm  Durchmesser, 
die  mit  dichtcn  4  mm  breiten  Rippen  goziert  sind. 
Nautilus  Reussi,   Fr.  &  Schl.    (Fr.  et  Schl.   Cephal.   p.  25.   Taf.  12.    Fig.  4,  5. 
Priesener  Schichten,  pag.  74.  Fig.  47.) 

Bin  Steinkern  von  15  mm  Durchmesser  aus  dem  groben  Sandstein  von 

Chlomek  zoigt  an  einer  Stelle  die  fur  N.  Reussi  charakteristische  Verzierung- 

Nautilus  sinuato-plicatus,   Gein.  (Geinitz  Kieslingswalda  p.  8.  Taf.  1.  Fig.  6') 

Geinitz.    Das  Quadersandsteingebirge.    1849.  pag.  110.  L.  G.  das  Kiesl.  W. 

Gest.  pag.  9.  Taf.  II.  Fig.  9.)    Fig.  17. 

Wir  besitzen  nur  mangelhafte  Fragmcnte  dieser  Art  von  Kieslingswalda. 


Fig.  17.    Nautilus  sinuatoplicatus,  Gein.':  von  Kieslingswalda.  Copie  nacli  Geinitz. 

Ammonites  (Sclilonbachia)  subtricarinatus,  D'Orb.  R.  Drescher.  Kreide  von 
Lowenberg.  p.  331  Taf.  VIII.  Fig.  3.  Fr.  et  Schl.  Cephalopoden  pag.  26. 
Taf.  I.  Fig.  1—3,  Taf.  10.  Fig.  1-3.  —  Priesener  Sch.  p.  74.  Fig.  48. 
A.  tricarinatus  Schliiter.  Ceph.  d.  deutsch.  Kr.  p.  44.) 

Schon  Zippe  brachte  unserem  Museum  ein  Exemplar  aus  Falkenau  i'« 
Leitmeritzer  Kreise.  Spiiter  fanden  wir  mehrere  Exemplare  in  Tannenberg 
und  das  Negativ  cines  sehr  grossen  Exemplares  von  35  cm  Durchmesser  i" 
Kieslingswalda.  Dieses  letztcre  scheint  dem  Gestein  nach  aus  den  tieferen 
Lagen,  etwa  Nr.  4  des  Profiles  auf  Seite  26  zu  stammen.  Nach  Schlflter 
soil  der  Name  subtricarinatus  D'Orb.,  mit  welchem  diese  Art  nun  lange 
bezeichnet  wird,  aufgelassen  werden  und  die   Art  nur  tricarinatus  heissen.*) 

Ammonites  (Placcnticeras)  D'Orbignyanus,  Gein.  Fr.  et  Schl.  Cephalop- 
p.  36.  Taf.  11.  Fig.  2.  —  A.  Vibrayanus  D'Orb.  bei  Geinitz  Kiesl.  pag.  8' 
Taf.  I.  Fig.  8.     Fig.  18. 

Diese  Art  wurde  zue